jferia 'töttd 6eS preuMche» ^mretrnt&TiTter5 .Sjetne vsrrrft teaberbor an. Hterübrr unb ü&a tfe Weitergabe be- Mainzer llnierrebung an Jtemencead sowie über dessen Antwort schiveigt die .Darmstädter Zeitung".
Unerquicklichkeiten des Wahlkampfes.
Darmstadt, 2. Mai. (Eigener Bericht.) Reichsminister a. D. Sv. Decker hat an den deutschnationalen Landtagsabgeordneten Kindt ein Schreiben gerichtet, in dem es heißt:
Wie mir von absolut zuverlässiger Seite mit- geteilt wird, haben Sie gäegentlich Ihrer letzten Wahlversammlung in Beerfelden nach Ihrem Dor° trage in gröberem Kreise folgendes erklärt: „Ich weiß durch einen Dertrauensniann, daß der Spitzenkandidat der Deutschen Volkspartei in Hessen, Herr Dr. Decker, nur deshalb der Deutschen Vollspariei noch angehört, well er einmal 2lufsichtsratmitglied der Firma Heyl - Worms war und Herr von Heyl bekanntlich ein großer Anhänger Stresemanns ist. Ferner ist die Stellung Dr. Deckers zur D. D. P aus Pietätsrücksrch- ten für den verstorbenen Freiherrn Cornelius von Hehl bedingt." In fernen weiteren Ausführungen bezeichüet Dr. Becker dies als D e r - leumdung und schließt seine Anfrage mit fvl- »gendem Satz: „Da uns von dem Wahltage nur noch 2 Tage trennen, werden Sie es begreiflich finden, wenn ich von diesem Briefe alsbald der Oeffentlichkeit Kenntnis gebe. Ihre Antwort bitte ich an meine Adresse: Landes- geschäftsstelle der D. B. P. gelangen zu lassen."
Rücktritt
der mecklenburgischen Regierung?
Schwerin, 1. Mai, (Priv.-Tel.) Die Fraktion d-r Deutsch-Völkischen Freiheitsparter hat bun Borsitzenden der Deutschnationalen Landtags« fraktion erklärt, daß sie nicht in der'Lage fei, gegen den von den Sozialdemokraten *und Kommunisten angekündigten Mißtrauens- antrag gegen das Ministerium Dranden- ftjtn zu stimmen, wenn nicht vor demWieder- zusammentrrtt des Landtages der Rücktritt des Ministerpräsidenten FreiHrrrn von Brandenstein erfolgt sei. Freiherr v. Brandenstein sei infolge seiner Stellungnahme zu den Sachverständigen-Gutachten für Lie Freiheilspartei untragbar. Da dem Der- ,-nehmen nach die Deutschnationale Dollspartei .nicht gewillt ist, den Freiherrn von Brand enst em zum Rücktritt zu veranlassen, so ist der Sturz des Ministeriums unvermeidlich, falls die Frei- heitspartei auf ihrem Standpunkt verharrt.
Ergänzung
des Dersammlungsverbots.
Derlin, 1. Mai. (Wolff.) Der Reichspräsident hat auf Grund des Artikels 48 Abs. 2 der Reichsverfassung felgende Derordnung erlassen:
Der Derordnung des Reichspräsidenten über die Aushebung des militärischen Ausnahmezu- standes und die Abwehr staatsfeindlicher Bestrebungen vom 28. 2. wird folgender Absatz 3 hinzugefügt: Wer an nicht zu- zugelass enen Versammlungen unt n freiem Himmel oder Aufzügen auf öffentlichen Straßen oder Mähen teilnimmt, wird mit Haft oder mit Geldstrafe bis 150 Gvldmark bestraft. Wer solche Dersammlungen ober Aufzüge veranstaltet oder leitet oder als Redner in ihnen auftritt, wird mit Gefängnis und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft.
Bad Mergentheim, 25. April. Reichspräsident (gez.) Ebert. Reichskanzler (gez.) z$r. Qja tf. Reichsminister des Innern (gez.)
HarreS. (
Nachklänge zum Rathenaumord.
Berlin, 2. Mai. (Priv.-Tel.) Wie daS VBerL Taaebl." erfährt, sind in der letzten Woche neue Ermittlungen zur Feststellung der bei der Ermordung Rathenaus tätigen Hintermänner ausgenommen worden. Gin Berliner Kauf- rniw, der ein Dertrauensmann des Alldeutschen Bdrbandes sei, soll schwer verdächtig sein. Für die Finanzierung des Unternehmens komme ein gewisser Heckmann in Derlin in Detracht, durch dessen Hände bis zum heutigen Tage die älnterhaltsgelder für die nach Ungarn geflüchteten Mörder Erzbergers, Schulz und T i l e s s e n gingen. Das Ergebnis der Ermittlungen sei jetzt dem Oberreichsanwalt vorgelegt worden, der über die weiteren Maßnahmen entscheiden werde.
Französische Justiz.
Mannheim. 1. Mai. (Wolff.) Die aus ber Zeit des passiven Widerstandes und der Separatistenherrschaft noch in großer Anzahl in den pfälzischen Gefängnissen schmachtenden politischen Gefangenen könnten nach den deutschen Gesetzen am 4. Mai ihr Wahlrecht aus-
Gastspiel der Frankfurter Oper.
Alessandro Stradella.
Romantische Oper von Friedrich von Flöt ow.
Im vergangenen Dezember waren 79 Jahre verflossen, fett Fri^rich v. Flotows Alessandro Stradella in Hamburg seine Erstaufführung er» lebte. Die gefällige graziöse Musik, die leicht- faßliche Melodie des stark unter französischem Einfluß stehenden Mannes eroberte im 17. Jahrhundert sehr schnell auch die deutschen Herzen. Auch heute steht die Oper noch immer gern auf dem Spielplan der deutschen Bühnen. Untere Frankfurter Gäste vom Opernhaus haben mit der Wahl gerade dieser Oper ein feinfühliges Derstehen für Zeit, Berhältnifse und Raum bekundet
Der von dem Dichter W. Friedrich (Fr. W. Riese) glücklich erfaßte dramatis^che Gedanke, die se^st Mmdtten bezwingende Allgewalt des Gesanges M verherrlichen, ist durch die Musik Flottows nicht ganz erschöpft worden. So meisterhaft die 'humoristische Zeichnung der beiden Banditen, so charakteristisch und natürlich die Musik in den heiteren und komischen Szenen ist, um so mehr läßt sich Tiefe und Wärme in den um» sangreichen Partim Leonores und Stvcrdellas ver- misten, vermutlich weil dem durch feine musikalischen Studien in Paris dem deutschen Wesen entfremdeten Komponisten die deutsche Gemütstiefe verloren gegangen war. Andererseits ist die Musil mit ihren Melodien derart einschmeichelnd und flott ^schrieben, daß bei einer so guten Aufi.hrang, wie der gestrigen, wobei die Sänger zugl^.D gute Schauspieler sind, insbesondere durch sine üo zeugende Darstellung ter Titelrolle eine volle Wirkung er ielt werden kann,
Kammersänger John Gläser gelang es voll ^rnd ganz, die schwierige Part» des Alessandro
llven. Die Besahungsbehörde verweigerte Viesen Gefangenen die Ausübung ihres Wahlrechts,^ indem sie behauptet, in den pfälzischen Gefängnissen seien keine politischen Gefangenen mehr. Mit anderen Worten: Die in den pfälzischen Gefängnissen besindlichen obenerwähnten^ Gefangenen werden von ihnen als gewöhnliche Verbrecher betrachtet Zu diesen „gewöhnlichen Verbrechern" hat in letzter Zett übrigens nicht einmal daS Rote Kreuz Zutritt
Englands Neutralität.
London, 1. Mett. (Wolff.) 3m Hnta> Haus lenkte das liberale Parlamentsmitglied Harvey, der die bereits gemeldeten Erkundigungen wegen der Ausweisung und Einkerkerung deutscher Untertanen im besetzten deutschen Gebiet erbeten hatte, die Aufmerksamkeit des Ministeriums auf die Zahl der deutschen Untertanen, die jetzt wegen pvlltischer oder anderer Vergehen infolge von Hrteilssprüchen alliierter Kriegsgerichte im besetzten Gebiet Gefängnisstrafen zu verbüßen hätten. Harvey fragte, ob für diese Falle eine allgemeine Amnestie geplant fei,
und richtete an die Regierung die Aufforderung, ihren Einfluß bei Frankreich und Belgien auf Freilassung dieser Gefangenen geltend zu machen. Der Änterstaatssekretär des Aeuheren Pvnsonby versicherte Harvey, daß die von ihm erwähnten bedauerlichen ilmftänbe dauernd die Aufmerksamkeit der britischen Regierung be* fduftigen. Die von den Rheinländern eingesetzten Proteste, sowie die von der britisc^n Regierung unternommene Aktion in der Pfalz seien dem Hause wohl bekannt
Das Ruhr unternehmen sei ein Abenteuer, an dem England nicht teilgenommen habe, und die von den französischen und belgischen Besahungsbehörden dort verfügten Einkerkerungen seien von der britischen Regierung nicht zum Gegenstand amtlicher Vorstellungen gemacht worden. Die Regierung habe indes die Frage keinen Augenblick aus dem Auge gelassen und sei bereit, allen Einfluß, den sie besitze, für die Wiederherstellung normaler Verhältnisse» im besetzten Gebiet anzuwenden. In dieser Zeit indes, wo man vernünftigerweise die Regelung größerer Fragen erhoffen könne, fühle er sich nicht berechtigt, dieses Svnderprv- blern eingehender zu behandeln.
Die Zeit sei für eine solche Erörtenmg noch nicht geeignet.
In der gesttigen Debatte im englischen Unter» haute teurben auf Anfragen über die Gefangenen und Ausgewiesenen der besetzten deutschen Gebiete von Regierungsseite Zahlen angegeben, die nach den deutschen Feststellungen unzutreffend sind und nach Angabe des Regierungsvertreters im wesentlichen auf französischen und belgischen Quellen beruhen. Rach den letzten deutschen Feststellungen beträgt die Zahl der Ausgewiesenen aus dem gesamten besetzten Gebiet noch immer rund 140 000. In den Gefängniss en der besetzten Gebiete befinden sich auf Grund von Anordnungen ber französischen und belgischen Militärgerichtsbarkett ungefähr 1700 Deutsche in Straf- und Untersuchungshaft, von denen etwa 300 nach deutscher Auffassung als politische Gefangene anzusehen find: in Untersuchungshaft befinden sich zur Zeit etwa 700. Schätzungsweise dürften etwa 300 von diesen Ülnterfuchungsgefangenen als Gefangene politischen Charakters anzusehen sein. In die Gefangenenanstalten Frankreichs und Belgiens wurden im ganzen 54 Deutsche verschleppt.
Abrüstung.
Der amerikanische Senat genehmigte daS Marinebudget in Höhe von 275 Millionen Dollar. Senat und Repräsentantenhaus fügten eine Klausel hinzu betreffend die Einberufung einer Konferenz über die Rüstungen in der Luft und zu Lande. Es wird gefordert, daß die Einladung hierzu sich nicht auf die Teilnehmer der Konferenz von 1921 beschränken, sondern auch die Rationen umfassen solle, deren Teilnahme der Präsident ratsam erachte.
Die sozialistische Regierung von Dänemark wird zum Herbst im Reichstag einen Abrüstungsvorschlag vorlegen, dem usolge die militärischen Ausgaben von 50 Millionen auf jährlich mindestens acht Millionen herabgesetzt werden. Die Annahme -dieser Abrüstungsvorlage bedingt den Wegfall der allgemeinen Wehrpflicht. Die Flotte soll auf neun Schiffe beschränkt werden, von denen vier der Fischereikonzessionen, vier der Küstenderteidigung und eines maritimen Messungen bienen soll.
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In der niederländischen Ersten Stammet erklärte Ministerp^äsident Ruhs de Dee- renbrouck in Erwiderung auf einige Bemerkungen über die Frage der Landesverteidigung, cher chemische Krieg der Zukunft werde noch fürchterlicher sein als der letzte Krieg. Die Verantwortung ber Staatsmänner sei dadurch noch schwerer geworden, es wäre jedoch falsch, dieWaffen fortzuwerfen, weil sie furchtbarer geworden wären, erst eine internationale Verständigung könne zu diesem Ziele führen.
Frankreich und Japan.
London, 1. Mai. (Wolff.) Der diplomatische Derichtertatter des „Daily Telegraph" schreibt unter Bezugnahme auf die bevorstehende Svndermission des Gene ra lg ) uve r- neurs von Französisch-Indochina nach Japan, es bestehe wenig Zweifel, daß die Reise den Zweck verfolge, gegen ein eventuelles russisch-deutsches Bündnis m Zukunft ein französisch-japanisches Verteidigungsbündnis zu schaffen. Ein Reuterbericht aus Tokio über den Besuch des Genevalgouverneurs besagt, daß der Eeneralgouverneur Besprechungen mit der japanischen Regierung lediglich über die Handelsbeziehungen im Fernen Osten haben werde, die in einem neuen Handelsverträge Ausdruck finden würden; ein solcher wurde bereits von Japan in Paris vorgeschlagen. Aus Japan werde offiziell mitgeteitt, daß ein politisches Abkommen zwischen Frankreich und Japan nicht erwogen werde.
Das spanische Direktorium.
Madrid, l.Mai. (WTB.) In einer Rund- verfügung an die Gouverneure und Regierungsdelegierten fordert das Direktorium zum Eintritt der Wahlberechtigten in die neue Partei „Union patriotic a" auf. Jegliche Agitation ber früheren politischen Gruppen wird verboten. Gleichzeitig wird die Vorbereitung gesunder, kräftiger Organisationen als Grundlage der zukünftigen Regierung neben der Lösung des Marokkoprvblems als die wichtigste Aufgabe des Direktoriums bezeichnet.
Die Errichtung der griechischen Republik.
Athen, 2. Mai. (WTB.) Gestern vormittag wurde anläßlich ber Errichtung ber Republik in ber hiesigen Kathebrale ein feierliches T e b e u m abtzehalten. Der Präsident ber Republik, bie Minister und alle Beamten wohnten der Feier bei und leisteten den Treueid für bie Republik. Am Nachmittag fand auf dem Marsfelb die feierliche Vereidigung ber Armee auf die Republik statt.
Kleine politische Nachrichten.
In München fand auf der Froettmainger Heide eine größere taktische Hebung sämtlicher Truppen des Standortes München statt. General v. Seeckt wohnle ber Hebung mit Generalleutnant Frhr. v. Kreß bei und nahm zum Schluß den Vorbeimarsch ab.
Der Reichsverbanb des deutschen Handwerks, der Deutsche H a n d werks ka mme cta g und der Preußische Handwerkskammertag werden am 25.. 26. und 27. Mai in Berlin ihre Tagung abhalten. Auf der Tagesordnung steht in erster Linie die Beratung der neuen Reichshandwecks- ordnung. ,
Die „Boss. Ztg." teilt mit, daß auf Beschluß des Reichskabinetts die Transporte deutscher Kinder ins Ausland künftig auf der Eisenbahn frei zu befördern sind. i
Rach einer Veröffentlichung des statistischen Reichsrates ist auf fast allen deutschen Kohlengrube die Vorkriegsproduktion nahezu erreicht. )
Die Verhandlungen $ur Beilegung der Streitigkeiten auf den Hamburger Seeschiffswerften haben zu einem neuen Schiedsspruch geführt, der bis zum 31. Januar 1925 reine Arbeitszeit von 54 Stunden wöchentlich festsetzt. Die Stundenlöhne wurden um drei Pfennig erhöht.
Die Maifeier verlief im ganzen Reich mit wenigen Ausnahmen unter geringer Beteiligung ruhig. In Berlin, Königsberg und Greiz kam.es zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Polizei. *
Zu dem Konflikt im Verbände der sä chsisch- thüringischenWebereien wird gemeldet: In Glauchau unb Meerane wird im Rahmen des Schiedsspruchs des Reichsarbeitsministers vom 8. März voll gearbeitet . In Pösneck dagegen sind erst 60 Prozent der Arbeiterschaft im Betriebe. Da es in Pösneck wiederholt zu Belästigungen ber Arbeitswilligen kam, würbe I die Lanbespolizei verdoppelt.
Stradella durch seinen wei-chen lyrischen Tenor, durch fern sicheres Auftreten verbunden mit einer durch Gesang zum Ausdruck kommenden Leidenschaft zu bewältigen und alle erwähnten musikalischen Mängel vergasen zu lasten. In Hedwig G r l als Leonore lernten wir eine mit seiner wohltuender Slimme begnadet? Koloratursängerin kennen, die sich würdig an die Seite Gläsers stellte. Ein prächtiges Banditen paar stellten R. von Schenk mit seiner gewaltigen Baßstimme und der beliebte Frankfurter Tenor Hermann Schramm bar. Voll sprühenden1 Humors, unendlich komisch in jeder Bewegung, voll von lustigen Ginfällen waren es zwei drollige Typen. Lebhrfter Beifall belohnte rhr herrliches Duett im 2. Aufzug. Mit zum Besten des Abends gehörte das schöne Terzett des 3. Auszuges, in dem Walter Schneider (Bassi) das vorzügliche Ensemble ergänzte.
Die Aufführung hatte einen großen einheitlichen Zug. Bruno Hartl hatte das gut ein- ge.p.elte, den Verhältnissen angepaßte kleine Orchester fest in der Hand. Die Ehore fangen rhythmisch unb rein. Das Dallettchor tat freudig seine Schuldigkeit. Franz Wartenberg s Spielleitung htt'e in gelungenster Weise für lebensvolle Bühnenbilder gesorgt. a—
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Blühende Steine.
Zu den größten Wunderdingen gehören die seltsamen Gebilde des Geschlechtes Mrsembryan- khnnum. Richt nur ihre starre Gestalt, über die noch >tn Abglanz des Lich-tzaubers der Wüsten gehaucht zu fein scheint, fällt auf, sondern vor allem ihre Steinähnlichkeit, die sie durchs eine erstaunliche Anpassung an die Umgebung gewonnen haken. Ttese Mimikry-Pflanzen wurden vor 100 Jahren von dem englischen Reifenden William I. Duvch-ell
entdeckt. An einem ganz abgelegenen Ort, südlich vom mittleren Oranje, bei Zand Vley hatte, ec am 14. September 1811 ein merkwürdiges Erlebnis. „Als ich einmal vom Boden etwas aufhob, ba£ ich für einen seltsam geformten Kieselstein hielt," berichtet er selbst, „entpuppte es sich als eine Pflanze, als eine wertere neue Art des großen Geschlechtes Mesembryanchrmum, die in Färbung und Gestcllt die größte Aehnlichtett mit den Steinen hatte, zwischen denen sie wuchs. An -berteCben Stelle fand sich auch eine Art Gallus.zwischen den Steinen und diesen in Farbe und sogar ber Gestalt so vollkommen gleich, daß sie nie entdeckt toäre, wenn ich sie /licht gerade in einem Augenblick der Bewegung bemeiTe. Die Absicht der Ratur scheint hier dieselbe gewesen zu sein, wie wenn -sie dem Chamäleon bie Fähigkeit der Farbenanpassung an den Gegenstand ber nächsten Umgebung versteh, als Ausdruck für feine beschränkte Deweglichkett. Durch seine Form und Farbe mag dieses.Insekt solchen Vög-eln erftg^hen, die sonst eine vor.ihren Verfolgern so wenig geschützte Art bald ausrotten würden, und auch dieses saststrotzende kleine Me- sembryankhemurn mag sich gewöhnlich dem Dllck des Vkhs imb ber wilden Tiere entziehen." In Deutsch-Südostafrika 'gat dann ber Regie- rungsbotcmcker Kurt Winter andere derartige „Blühende Steine" entdeckt. Solch ein Pflänzchen best^t aus einer oder mehreren kugelförmigen Gebllden, deren jedes wieder zwei sehr dicke Blätter hat, die bis auf einen Spalt.miteinander verwachsen sind. Jn ihrer Heimat steckt bh Pflanze so weit im Boden, daß nur,die bald mehr bläulich-, bald mehr rötlich-g-elb gefärbte Endfläche herausschaut. Das Ganze sieht bann geäderten Rollkieseln so täuschend ähnlich, daß selbst Personen, die seit Jahrzehnten in der Rähe.dieser Gebilde leben, an ihrer pflanzlichen Ratur zweifeln, wenn ein Kundiger sie ihnen zeigt, i Diese
Aus Stoor und ßanö.
Gießen, den 2- Wat 1924.
Winke für den Wahltag.
Bei der Reichstagswahl am 4. Mai ttxdett sich das Wahlgeschäft etwas abweichend von den früheren Wahlen ab. Wurden dem Wähler bisher zahlreiche Stimmzettel von den Parteien in bie Wohnung geschickt ober am Eingang zum Wahllokal übergeben, von denen er den ihm passenden Zettel auswählen unb ohne weiteres in das Abstimmungskouvert stecken konnte, so wird ihm diesmal nur im Wa hl lokal ein Stimmzettel ausgehändigt, ber am t l iche Stimmzettel. Auf diesem sind sämtliche im Wahlkreise zugelassenen Wahldorschläge, bei uns also 13, verzeichnet. Für jeden Wahlvorschlag ist ein guadratisches Feld abgeteilt, in dessen oberer Seite die Parteibezeichnung steht, darunter dis Ramen ber vier Spitzenkandidaten ber betr. Partei zu lesen sind, während auf ber linken Seite des Quadrats ein Kreis zu sehen ist. In bie* sen Kreis muh der Wähler, der den Bleistift nicht vergessen darf, ein Kreuz machen, womit er zeigt, daß er diesen Wahl- Vorschlag gewählt hat. Z. D.: Wer die Liste der Deutschen Dvlkspirtei wählen will, macht das Kreuz in den Kreis des Quadrats ber Deutschen Dvlkspartei, der deutschnationale Wähler kreuzt den Kreis ber Deutschnationalen Dolls- Partei an, der demokratische Wähler den des demokratischen Feldes. In den Quadraten der Parteien, bie ber Wähler nicht wa hte n will, darf er keinerlei Zeichen machen, denn sonst wird seine Sttmme ungültig. Ferner ist jeder Stimmzettel ungültig, der überhaupt ohne Kreuz abgegeben wiä>, ber mehrere angekreuzte Parteien aufweist, ober der völlig durch st richen ist.
Wahlberechtigt ist jeher Deutsche und jede Deutsche, bie am Wahltage 20 Jahre all ist, sofern der Rame des Wahlberechtigten in bet Wählerliste bzw. Wahllartei steht. Ausgeschlossen vom Stimmrecht ist, wer entmüw bigt jjt ober unter vorläufiger Vormundschaft oder wegen geistiger Gebrechen unter Pflegschaft steht, sowie wer die bürgerlichen Ehrenrechte verloren hat. Für Soldaten ruht bas Stimmrecht. Behindert in der Ausübung des Stimmrechts sind Personen, die wegen Geistesschwäche ober Geisteskrankheit in einer Heil- oder Pflegeanstalt untergebracht sind, Straf- unb Hntersuchungsgefangene unb im gerichtlichen ober polizeilichen Gewahrsam Gehaltene außer den aus politischen Gründen in Schutzhaft Definblichew
Jeder Wahlberechttgte muß das Wahlrecht^ persönlich ausüben. Blinde und S-chwerkiiegsbeschädigte ober sonstige Stimmberechtigte, bie durch körperliche Gebrechen gehindert find, bie Stimmzettel eigenhändig auszufüllen ober in den Hmschlag zu legen, dürfen sich im Abstimmungsraume ber Beihilfe einer Vertrauens Person bedienen. Die VertLauensper- son Der tritt aber nicht ben Stimmberechtigten, sondern ist ihm nur behilflich Es ist daher erforderlich baß der Sttmmberechttgte persönlich im Abstimmungsraum erscheint, mit ber Der- irauensperson vor den Abstirnnrungsvorstand tritt unb tjc Vertrauensperson mit in bie Wahlzelle nimmt
Untere Stadt ist in 18 Abstimmungsbezirte eingeteilt. ’ Der Wahlberechttgte ftprn nur rn dem Wahllokal ab stimmen, zu dem seine Straße gehört. Das Wahlgefchä f t beginnt um 8 Uhr vormittags unb endet um 5 Hhr nachmittags. Ratsam ist es, bie Wahl nicht bis *ur letzten Stunde aufzuschieben. Er- fahrungsgemäß tritt gegen Ende des Wahlgeschäfts ein starker Andrang ein, der dann ben säumigen Wähler zu langem Warten zwingt Wenn auch im Wahllokal Bleistifte berettgchallen werden, so wird jeder vorsorgliche Wähler doch gut . tun, sich seinen Bleistift mitzubringen, damit er bei der Ausübung des Stimmrechts von sich aus allen etwaigen Schwierigkeiten (z. D. abgebrochene Bleistiftspitzen) begegnen kann.
** Hessisches Dollargeld.- Don zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Dis vom Völls- floate Hessen aasgegebenen und vom Deichs- finanzm nisterium genehmigten Dvllarschahanwet- fungen und Stücke ber Dollaranleihe zu V4, */., 1. 2 und 5 Dollar sind nicht aufgerufen unb gelten daher nach wie vor als vollwertiges Zahlungsmittel, wie wertbeständiges Rotgelb. Die werden' nicht nur bei ben hessischen Landes-, Kreis- unb Gemeinbekassen, sondern auch bei den Kassen der Reichsfinan^verwaltung und den Eisenbahn- und Po st lassen in ganz Hessen and im Grenzgebiet Hessen- Rassau in Zahlung genommen unb in Hessen im weitesten Hmfange wieder zur Auszahlung von Gehältern unb sachlichen Ausgaben verwendet
Pflanzen können sich nur zwischen Kieseln vor bea Tieren, die ihren saftreichen Blättern nachstellen schützen: auf freiem Gelände fallen sie meistens dem Pavian zur Deute. In ber Blütezeit totcb bie Pflanze leicht entdeckt, aber bann ist kein Mangel an □Baffer unb Futtergewächsen: deshalb sind Die Tiere nicht so auf diese kleinen Wasserspeicher angewiesen. Doch auch sonst bietet die Pflanze noch viel Wunderbares. Die dem Licht ausgesetzte Endfläche des Körperchens hat ihre Färbung von dem in bie Oberhaut eingelagerten Kalk: nur die Punkte unb Lilien, die dunkel erscheinen, sind frei davon, und nur durch, sie kann das Acht in das von lichidurchlässigen Wasserzellen erfüllte Innere der kleinen Kugel gelangen. Das Blattgrün findet sich nur an den Deiten- wänden. Dre ganze Einrichtung stellt einen äußerst sinnreichen Schuh gegen die das Blattgrün zerstörende afrikanische Sonne dar. Die Endfläche dient als Fenster, unb hier wird das Licht durch Kalk gerade so abgebtenbet, wie es bei unseren Treibhäusern geschieht. Die Ratur hat also dieses Problem um einige Iahrmillionen früher auf dieselbe Weise gelost wie der Mensch. Die -Der» schiedcnen Mesemb:hant'h2mum°Art:n erreichen 6tc Anpassung an die Steine auf ganz verschiedenem Wcge. Eten Höchsten Grad bezeichnet wohl eine Art, dir bei Kimberley auf Kalkttrff entdeckt wurde. Diese Pflanze ahmt die höckerige und warzige Struktur ,des Gesteins sowie dessen Färbung s) meisterhaft nach, daß es kein Künstler bessw vermöchte. Die Blätter bilden äußerst dichtgedrängte Rosetten, von denen nur bie verbrriterten Blattenden mit ihrem Warzenb<ah zu sehen sind. - Diese interessanten südwesiaf.ikanischen Arten siind jetzt auch in unseren Treibhäusern heimisch gemacht.


