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Erster Blatt

zreitag, 2. Mai 1924

irq. ^ayrgang _

vrii«m» Verlag: VMl'sche Uaivers!1«r-V>>ch° und Steindruckerei B. Lange in Sietzen. Schristleitun, und Seschästrstelle: Schnlstrahe 7.

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

«rationalen

zösische Sozialist Louis Blanc schreibt: «Die Nische Frage ist für Frankreich eine Fr<

ist für Frankreich eine Frage der Verteidigung, und fein Denos e

Prvudhon nennt die französische Rheinpolllik die .Missivn Hugo Capets und seiner Rachsolger". Ein in den vierziger Jahren drohender Krieg wird mit Muhr verhütet. Doch der Drang Frank­reichs nach dem Rhein läßt sich nicht zurückhallrn. Als Rupoleon III. das Ander des französischen etaatsschifses ergreift, sieht er sich gezwungen. Rheinpolitik zu treiben, wenn er seine Macht­stellung in Frankreich erhalten will. Es kommt zum Krieg mit den deutschen Staaten. Mit dem Krieg verliert Ropclevn seinen Thron. Die deut­schen «Staaten aber, geleitet durch Bismarcks Staats- und Moltkes Feldhrrrnlunst, schließen sich zum innigen deutschen Reich zusammen, das sein uraltes deutsches Besitztum Elsaß und Loth­ringen 1 den Krallen des Gegners entreißt und wieder in seine Arme schließt.

Frankreich war endlich in seine wahren Gren­zen zurückgedrängt. Der Rhein mit seinen Ufern war wieder deutsch Doch konnte Frankreich diesen Verlust nicht verschmerzen. Die Revanche tourte mit allen Mitteln vorbereitet. Der Welt wurde gelehrt, daß Frankreich ein Unrecht geschehen sei, das man wieder gut machen müsse, Und wenn es auch hundert Mal gelogen war, semper aliquid haeret. Als es abermals zum Kriege kam und als sich ein weltfremder, der Geschichte'unkundiger Amerikaner zum Friedensrichter aufspielle, tat er es mit den Worten: Das 1870 an Frankreich verübte Unrecht muß wieder gutgemacht werden; eine Unwahrheit, wie sie kaum größer von ver- cmttovrtlicher Stelle ausgesprochen werden konnte.

Der große Kampf von 191418 ist zweifellos von deutscher Seite nicht gewollt gewesen; aber impulsiv überstürzte, oft überlaute Polllik machten pjfc hem Gegner leicht, ein schiefes Bild von

Der Kampf um den Rhein.

HDer Kampf um den Rhein" ist der Titel eine- vor kurzem in der Deutschen BerlagSanstall in Stuttgart erschienenen Werkes des bekannten Historikels des Wellkrieges Hermann Stegemann. Der Verfasser schildert das getoallige Ringen von Diplomatie und Feldherrnkunst um den deut­schen Strom, der mit seinem Gegenpunkt, den Dardanellen, in der Historie schicksalhaft verbun­den als Brennpunkt aller abendländischen Ge­schichte erscheint. Um ihn ging der Kampf zu Cäsars Zeiten, um ihn geht der Kamps noch heute und fetzt sich fort in unabsehbare Zukunft.

Für Deutschland ist der Rhein mit seinen Ufern Ledensnvtwendigkeit. Hier liegt bestes, deutsches Land, solange die Geschichte reicht, von Deutschen bewohnt. Roch die Gelehrten Philipps des Schönen von Frankreich nannten um 1310 als Grenze Frankreichs die njer Flüsse Schelde, Maas, Saone, Rhone. Erst ein Jahrhundert spä­ter behauptet Karl VII. von den Landern links des Rheines, sie seienvon alters her dem Thron Frankreichs unterstellt", und fordert den Rhein alsnatürliche Grenze". Zäh und hartnäckig sehen die französischen Könige den von ihnen aufgeworfenen Anspruch durch. 3m westfälischen Frieden erhalten sie Teile des Elsaß samt Metz, Tvul und Verdun. Die Raubkriege Ludwig XIV. bringen Frankreich die FranchMvmte, das Elsaß mit Straßburg und Teile der Riederlande ein. Um so leichter fällt Frankreich dieser Desitzerwerd, da in diesen Zeiten die deutschen Kräfte durch das Gegenproblem Europas in der Ostfrage ton Kamps mit den Türken gefesselt liegen. Aber Frankreich strebt weiter nach der ganzen Rhein­linie 3n ihr liegt die Herrschaft über Zentral- europa beschlossen. Wer am Rheinufer steht, be­herrscht die Pforten zum Donau tat und vermag nach Süddeutschland durch die Schwarzwaldpässe. nach Mitteldeutschland durch Maintal, und Weller- aa und nach Rorddeutschland durch die Münster- sche Tieflandbucht vvrzudringen.

Als im spanischen Erfvlgekrieg zu Beginn Les 18. Jahrhunderts sich dieser Kampf Frank­reichs um den Rhein fortsetzt, greift England ein, ängstlich besorgt um die balance of Power, die ihm Len entscheidenden Einfluß auf dem Festland sichert. Dieses Eingreifen Englands wieder holl sich von da ab immer wieder. Stets ist England bestrebt, das Dordringen Frankreichs an die Rheinlinie und seine Suprematie über Mlltel- und Osteuropa aufzuhalten. Während es in den polnischen Erfolgekrieg noch nicht ehtgreift und Frankreich Lothringen gewimill kämpfen, im öster­reichischen Erfolgekrieg englkft^- hannöversche Truppen auf Oesterreichs Seite. ;3m siebenjäh­rigen Krieg empfängt Friedrich dei>4Aroße eng­lische Subsidien Während der naphleönischen Zeit lebt England nur während der kurzen Spanne von j80203 mit Frankreich im Frieden.

Denn wenn auch das französische Königtum in den Revolutionsjahren in den Staub gesunken war, der Machtwille Frankreichs wurde vom ganzen Volk getragen und blieb der alte. Zeit­weilige Friedensstimmung aus Krtegsmüdigkeit, die bereits unter Ludwig XIV. vorkommt der bekannte Erzieher des Dauphin Mnölon war da­mals ihr Wortführer änderte an diesem Ge- famtcharatter der französischen, geistigen Sinstel- Ung nichts. Rapoleon I. führt diesen Drang Frankreichs nach Suprematie auf seinen Höhe­punkt. Als Führer der Revolutionsheere erobert er den Rhein am Po, indem er Oesterreich dazu etolngt, das linksrheinische Gebiet als französischen Besitz anzuerkennen. Und als Kaiser beherrscht er vom Rhein aus ganz Mitteleuropa und benutzt es als Sprungbrett für die Eroberung des Ostens. Doch lein Reich bricht zusammen. Zweimal ziehen lie verbündeten Herrscher in Paris ein. Das französische Ehrgefühl ist verletzt und suchte nach Gelegenheit, die Scharte auszuwetzen. Der fron-

Die Besprechungen von Chegeurs.

Der belgische Ministerbesuch in England. - Frankreich versucht die Sachverständigen-Gutachten zu sabotieren.

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Loudon, 2. Mak. (WTB.) Die belgi­schen Minister The uni Sund Hymans sind gestern abend in London e'mgetroffen. Sie werden mit Macdonald eine Besprechung haben. Die hiesigen politischen Kreise scheinen heute die Aussichten auf eine Regelung und Annahme des EachverftLnbigenberichtes durch alle interessierenden Machte keineswegs p e s s i m i st i s ch zu beurteilen. Die große Be­deutung des Besuches der belgischen Minister und ihre nützliche Rolle bei den Verhandlun­gen wird anerkannt. Es wird hervorgehoben, daß die Ansichten Englands, Italiens und Belgiens über den Dawesberrcht und die da­rin vertretene Notwendigkeit der Wiederher­stellung der Einheit Deutschlands miteinander überein stimmen. Es scheint der Eindruck vorzuherrschen, daß sich auch die franzö­sische Legierung, toemi sie auch auf der Fortdauer der militärischen Be­setzung des Ruhrgebiets bestehe, diesen An­sichten nähert. Die Tatsache, daß die Zusam­menkunft zwischen den belg schm Ministern und Mussolini nicht vor Mitte Mai statt- findet, wird dahin ausgelegt, daß entschri- oende Entwickelungen nicht vor dem Aus­gang der Wahlen in Deutschland und Frankreich erwartet werden können.

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Der Reichskanzler zur Antwort Englands.

Paris, 1. Mar. (Wolff.) Der Berliner Be- rllhterstatter desDaily Expreß" beachtet über eine Untenebung mit Reichskanzler Marx. Der Reichskanzler erklärte: Die deutsche Regierung hat mit Befriedigung gesehen daß England den Bericht als Ganzes und ohne Vorbehalt an­genommen hat. Obwohl der Sachverständigenplan Deutschland Lasten auf erlegt, de .en Durchfüh.bar- lett erst die Zukunft tefjeen kann, hat die deutsche Regierung den Bericht als G r u n dlage für die Lösung des Reparationsproblems angenommen unter der Voraussetzung, daß die toirt-

DerMatin" glaubt berichten zu können, daß der Umfang der Debatte, die heute im Che- 9 uers zwischen den belgischen Ministern und den beiden englischen Ministern Macdonald und Snowden beginnt, möglicherweise beschränkt worden sei, da niemand mehr im Ausland gegen die Beibehaltung der französischen Garnisonen im Ruhrgebiet Einspruch er­heben werde, andererseits das in Geltung be­findliche Regime der Ausbeutung neu geregelt werde, sowie dies zur Durchführung des Sachverständigenplanes erforderliche Gesetz vom deutschen Reichstage angenommen sei. Aber die dornige Frage der rheinischen Eisen­bahnen erfordere eine Lösung, die nicht leicht zu finden sei. Die 10 000 französischen und belgi­schen Eisenbahner müßten jedenfalls in der Lage sein, den Verkehr auf 3 oder 4 für die Truppen unerläßlichen Strecken zu sichern. Rach dem fran­zösischen Standpunkt erschwere deren Gegenwart die Tätigkeit der Industrie ebensowenig wie die der französischen Soldaten in Essen. Doch müsse eine Regelung zustandekommen, damit sie und die leitenden französischen Beamten in der Lage seien, die Zufuhr für die französischen Truppen zu sichern, die man nicht dem guten Willen Deutschen überlassen könne.

schaftliche und fiskalische Einhllt Deutschlands und seine Souoeränität in den besetzten Gebieten s o - fort wiederhergestellt wird, wie es der Bericht Vorsicht. In der Antwort Englands glaubt die deutsche Regierung eine Würdigung ihrer Aufsasiung zu erkennen; sie hofft, daß eS io b n e Verzögerung gelingen wird, die wichtrgste Voraussetzung für die Inangr.fsnahme des Planes zu schaffen. Die deutsche Regierung ist zur Zeit Damit befaßt, die gesetzgeberischen Maß­nahmen vorzubereiten, die der Sachverstän­digenbericht Vorsicht.

Die Politik desTemps".

Paris, 1. Mai. (WTD.) DerTemps" macht der deutschen Regierung bei ihrer Stellungnahme angesichts der Wahlen den Vor­wurf, sie nehme im Prinzip den Bericht der Sachverständigen an, was der Linken eine kleine Genugtuung verschaffe, berufe sich dann aber auf dieselben Motive wie die Rechtsparteien. Falls sie mit dem künftigen Reichstag Schwie­rigkeiten bei der Beratung der im Sachverstän­digerbericht vorgesehenen deutschen Gesetz habe, werde sie sich vermutlich dadurch aus der Ver­legenheit ziehen, daß sie Frankreich beschul­dige, auf älmtoegen die rheinischen Eisenbahnen behalten, hartnäckig an den pilten Pfändern festhaltenHU wrillen und neu Sanktionen vorzubererten. Auf diese Weise würden Stresemann und seine Kollegen vergessen machen wollen, daß der Deutsche Reichstag die von Den Sachverständigen g.forderten Geseke nicht annehme. Man laufe Gefahr, dieser Krise unmittelbar nach den deutschen und französischen Wahlen ausgesetzt zu sein. Müsie nicht Frankreich alles in seiner Macht stehende tun, üna dies zu verhindern?

Die besten Vorsichtsmaßregeln wären die fol­genden: Ausdrücklich und öffentlich noch vor den deutschen Wahlen zu wiederholen, daß Frankreich absolut entschlossen sei, die deutsche Wirtschaftsein h eit wiederher zu st el- 1 en in dem Sinne, in dem die Sachverständigen sie auffaßte und Deutschland vorerst dessen ganz sicher sein könne; daß die deutsche Regierung, um die Freigabe der Pfänder zu erlangen uno die übrigen von den Sachverständigen vorgesehenen Maßnahmen zu erzielen, nur die von den Sach­verständigen angegebenen und von der Repa- rationskomnii sion gut geheißenen^ Gesetze in dem neuen Reichstag mit der verfassungsmäßig vor­geschriebenen Mehrheit anzunehmen braucht. Wenn das mit dem ganzen wünschenswerten Wi­derhall aussprechen werde, wo werde die deutsche Regierung der ihr zugefallenen Ausgabe ins Ge­sicht sehen müssen; nichts wirke beruhigender als Klarheit über eine Verantwortung.

Die Wahl der Komitees.

Berlin, 2. Mai. (Priv.-Tel) Wie der Pariser Korrespondent derVoss. Ztg." meldet, rechnet rpan in den Kreisen der Reparations- kommission damit, daß die deutschen und die alli­ierten Mitglieder der verschiedenen Komitees für die Durchführung des Sachvcrstänvigmp.ogramms mitte nächster Woche miteinander in Füh­lung treten werden, um Die Komitees durch Die Wahl der neutralen Mitglieder zu vervollständigen. Die deutschen Vertreter für das von der Repavationskommission zu errichtende Komitee für Eisenbahnsragen, Staatssekretär Vogt vom Reichsverkehrs Ministerium und Staatssekretär Bergmann, seien bereits in Paris eingetrvffen.

Deutschland zu entwerfen. Dazu versagte die deutsche Bünvnispolitik vollkommen. Japan stieß man in Schimonosek vor den Kopf, Italien verlor man in Algeciras und die Richterneuerung des Rückversicherungsverträges riß die deutsche Ost­flanke' auf. England, das noch 1870 Deutschland w hlw lllend g<g nüberstand, fand jetzt durch Deutschlands Aufstieg kos europäische Gleichge­wicht bedwoht und schlug sich, nicht ohne vorher vergeblich einen Ausgleich mit Deutschland ge­sucht zu haben, auf die Seite Frankreichs.

So ging der Krieg durch erdrückende lieber» macht für Deutschland verloren. Das alte äln- recht ist Deutschland wieder zugefügt, Elsaß und Lothringen von Frankreich geraubt. Frankreich steht mit Dem verbündeten Belgien zusammen sieg­reich am Rhein und beherrscht Mitteleuropa. Da­mit hat aber England seine Machtstellung vor­läufig eingebüßt. Die balance os Power ist zu­gunsten Der Franzosen beseitigt.

Doch auch Frankreich ist nicht mehr dasselbe tote zu Zeiten der französischen Revolution. Da­mals standen von französischer Ideen durchglühte Fran zosen am Rhein, Die das Feuer ihrer Ge­danken in deutsche Städte trugen. Heute ist die französische Bildung nichts mehr als die glän­zende Oberfläche hohler Gedanken, die keinen Deut­schen mitzureißen vermögen, älnd statt begeisterter Sansculotten stehen Reger und Halbwilde für Frankreich Wache am Rhein.

Für uns aber sind die Rheinufer immer noch alter deutscher Kulturboden, von dem eine Hand­voll Erde mehr wiegt als eine ganze polnische Provinz, llngetofl empfängt die Zukunft das Rheinproblem aus den Händen der Gegenwart. Der Rhein ist zum Schicksalsfluß für die gan>e Well geworden; Denn die ganze Welt hat um I ihn gekämpft. Und heute gilt mehr Denn je die vom Mittelalter geprägte deutangsreiche B_- zeichmmg: Rhenus fluminwm prtncepS.

Rüikkehrerlaubnis für minderjährige Ausgewiesene.

Essen, 1. Mai. (WTD.) Die Besät- zungsbehörde ließ folgende Mitteilung an den Oberbürgermeister gelangen: Die Aufmerk­samkeit der komm andreren den Generale der Armee wurde auf die Lage der minderjähri­gen Kinder einer Reihe von AuSgewiesenen gelenkt, die infolge des Aufenthalles der El­tern im unbesetzten Gebiet die Schule ihrer Konfession nicht besuchen können (besonders Katholiken). Um diesen uZstand zu andern, ist LS von mm ab gestattet, daß Kinder, die sich in dieser Lage befinden, frei in das besetzte Gebiet hineinkommen können, vorausgesetzt, daß sie jünger als 16 Jahre sind. Bon diesem Alter ab sind sie den durch die Verordnung 92 über den Verkehr von Personen vorgesehe­ne« Formalitäten unterworfen. Die Minder­jährigen über 16 Jahre können die gleiche Vergünstigung erhalten, nachdem sie den Aus- weisungS-Rücknahmebefehl oder die Genehmi­gung für den vorläufigen Aufenthalt erhal­ten haben. Diese Rücknahme oder Geneh­migungen werden von den kommandieren­den DivrsionSgeneralen gewährt, jedoch nur, wenn nachgewieseu wird, daß das Interesse der Kinder oder ihrer Zamilie eS erforderlich macht.

Das besetzte Gebiet und die Gutachten.

Berlin, 1. Mai. (WTD.) Der Vorstand des Wirtschaftsausschusses für das besetzte Gebret nahm in feiner unter dem Vorsitz les Kommerzien­rats Dr. Louis Hagen-- Köln abgehaltenen Sitzung nach einem Vortrag des Vorsitzenden ein­stimmig folgende Entschließung an:Der Vorstand des Wirtschaftsausschusses für das besetzte Gebiet, der als die Zusammenfassung der Industr.e- und Handelskammern, der Handwerkskammern, der Landwirtschaftskammern und der freien Verbände von Rhetor und Ruhr sowie die wittschaftlichen Gesamtbelange des besetzten Gebietes vertritt, be­faßte sich pflichtgemäß mit dem Gutachten De3 Sachverständigenausschusses zur Aeparationsfrage. Er ftimmt dem Entschlusseder Reichs­regierung zu, das Gutachten als geeig­nete Grundlage für Verhandlungen zu er­klären. Allerdings wird die deutsche Wirtschaft in f ast unerträglicher Weise betastet und damit Deutschlands Ausfuhr, deren Ent­wicklung für Unsere Genesung doch unerläßlich ist, außerordentlich erschwert, unter Um* ständen sogar unmöglich gemacht werden.

Bei der Stellungnahme zu dem Gutachten darf aber nicht nur nach den unerhört schweren Lasten geurtellt werden, sondern vor allem auch tnit Rücksicht auf endliche Ruhe für De- ichland und die ganze zivilisierte Welt. Die Verhältnisse, wie sie sich in der rücksichts­losen Ausbeutung des besetzten Gebietes als Reparationsprovinz einerseits und die über­aus kritische Lage der Iiuanzmärkte anderer­seits entwickelt haben, verlangen gebieterisch ein rasches und entschiedenes Handeln, wenn die deutsche und mit ihr die europäische Wirt­schaft nicht gänzlich ruiniert werden sollen.

Für das Ziel der endlichen Befreiung der deut­schen Wirtschaft aus dem ihr im besetzten Gebiet angelegten unerträglichen Fesseln und die sie jetzt schwer belastenden Krisen muh der ernste Versuch gemacht toerben, den ton Sachverständigengut­achten geforderten außerordentlichen Preis zu er­ringen, namentlich dann, toenn man berücksich­tigt, daß die Bestimmungen über die älebertra- gung der deutschen Zahlungen an das Ausland und namentlich die Sicherung der deut» scheu Währung einen wesentlichen Schuh gegen_ übertriebene Anforderungen geben können. Wenn es den Miierten ernst­haft darum zu tun ist, einen wirklich dauernden und in der Zukunft möglichen Frieden herzu­stellen, muh entsprechend dem Gutachten die Hoheit des Reiches im besetzten Gebiet in Verfassung. Gesetzgebung und Verwaltung sowie in Sonderheft bezüglich der Zölle. Steuern, des Verkehrs, der Wähi^ng, Rechtspflege, Freihell von Personen, Haus und Eigentum wieder- h e r g e st e l l t, das Ruhrgeb et und her Brücken­kopf D. ss.ldors-Duisburg militärisch und verwal­tungsmäßig völlig befreit, für das alt- besetzt» ©eb'et das Rheinlandabkommen in einer zu unseren Gunsten revidierten Form wieder in Geltung gesetzt werden, so daß das hier pulsierende Herz Deutschlands in freier Betätigung seiner mächtigen Handels- und Industriezentren wieder den Blutstrom des wirt­schaftlichen Lebens kreisen laf.'en kann, der allein die Ausbringung der von uns verlangten un­geheuren Summen ermöglichen könnte.

Wir erachten dabei als selbstverständliche Voraussetzung und als Pflicht aller an den Beratungen beteiligten Staaten, den Gefan­genen die Freiheit wiederzugeben und den Ausgewiesenen die Rückkehr zu erlauben, zu­mal sich unter ihnen nicht zum wenigsten Männer befinden, die zur Mitarbeit am Wie­deraufbau besonders berufen smd.

Wir vermeiden im übrigen, auf die Einzelheiten des Gutachtens cinzugehe.i oder ©i.^elforberungen zu stellen und wollen daher nur die Frage grund­sätzlicher Bedeutung noch herausheben, die nicht anzutastende Tacifhoh it Deutschlands in einem einheitlichm deutschen Eisenbahnnetz; ohne sie kann eine erfolgreiche Arbeit nicht gedacht werden, ohne sie würde unsere Wirtschaft fremdem Ein­fluß, unsere Ausfuhr jeher Hemmung durch aus­ländische Wettbewerber preisgegcben sein. San deutschen Doll und der deutschen Regierung er­wächst nunmehr die schwere Aufgabe, tot härtester, in angespanntester Arbeit und mit eiserner Spar­samkeit den Weg zu beschreiten, den die Sach­verständigengutachten uns vorgezeichnet haben, Damit wir Schritt für Schritt unserer endgültigen Befreiung näher kommen und Deutschlands Stel­lung in der Welt wieder erobern, die ihm toi politischer, kultureller und wirtschaftlicher Bt> gieijung gebührt.

Die Darmstädter Negierung und Grosthesten.

D a r m st a d t, 2. Mai. (Priv.-Tel.) Aus den offenen Brief des deutschnationalen Abgeordneten Kindt an den hessischen Staatspräsidenten ani- toortet dieDarmstädter Zeitung" anstelle von Herrn Ulrich mit der Veröffentlichung des Sihungsprotvkolls der Hessischen Volkskammer vom 17. Huli 1919, in dem Der Staatspräsident seine Besprechung mit General Maugin in Mainz ausführlich Darlegte. Der Staatspräsident hat an dem der Mainzer Unterredung folgenden Tage dem Reichspräsidenten von seiner Unterhaltung mll Maugin Mittellung gemacht. Tuch, Die Re­gierungen Preußens, Bayerns und Oldenburgs wurden schrifllich, verständigt. Angesichts dieser Darlegungen mutet der von dem 2Lba. Kindt ii.