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Nr. 231 Erster Blatt

U4- Jahrgang

Mttttvoq. i. ©tiober 192$

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Druck und Verlag: vrnhl'fche Universitälr-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Giehen. 8chrift!eitung und Geschäftsstelle: Schulitraste 7.

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Bildungsfragen der Gegenwart.

Von Prof. D. Dr. Becker, Staatssekretär im preußischen Kultusministerium*).

Schon lange vor dem Kriege erinnert sei nur an die kritische Stimme eines Nietzsche und im verstärkten Maße nach dem Zusammen­bruch wurden lebhafte Stimmen laut, die an un­serem Hochschulwesen Kritik übten. 51m zu dieser Kritik Stellung zu nehmen, ist es unbedingt er­forderlich, unser Bildungs-- und Crziehungspro- blem als Ganzes zu wägen. Unsere Universi­täten zeichneten sich von jeher schon durch die Lehr -und Lernfreiheit aus; die deutsche 51niversität ist das Kind des Aufklärungszeit­alters. Das deutsche Aniversitätsideal wurde ge­boren aus dem politischen Idealismus des neun­zehnten Jahrhunderts, in einer Zeit, die gekenn­zeichnet wird durch Namen eines Stein-Harden­berg, eines Humboldt, eines Schleiermacher und I andere mehr. Die deutsche Universität war von jeher gleichsam ein Staat im Staate selber. Selbst im Zeitalter der Reaktion haben die deut­schen Universitäten es verstanden, sich ihre Auto­nomie dem Staate gegenüber, der gleichsam als eine Zwangsanstalt anzusehen ist, zu erhalten. Der I innere Respekt vor der Lehrfreiheit war so groß und mächtig, daß sogar die absolute Staatsherr­schaft des voriaen Jahrhunderts vor ihr Halt I machte. Auch Die Revolution im Jahre 1918 hat I es nicht gewagt, an der Lehr- und Lernfreiheit der I deutschen Universitäten zu rütteln. Hinter der I Idee der Universität des verflossenen Zahrhun- I derts stand das Suchen der Wahrheit um I der Wahrheit willen. 3m Lauf der Zeit I brach dann das naturwissenschaftlich-technische I Zeitalter heran, aus dem heraus sich dann der Positivismus entwickelte. Die deutschen älni- I versitäten der Jetztzeit stehen an sich auf dem al- I ten Universitätsideal des 19. Jahrhunderts, die I Methode des Positivismus hat allerdings jetzt auf I den deutschen Universitäten Eingang gefunden. I Einen der größten Fehler des deutschen Hoch- I Schulwesens sieht die Kritik in der mangelnden I Fühlungnahme mit dem Leben. Der Zug unserer I Zeit wird beherrscht von dem Streben nach 1 derEinheit. Wir stehen auf dem gesamten Ge° I biete unserer Wissenschaft vor einem Genera- I lionsumZchlag, vor einer Wissen- I schaftkrise. Die Angst vor subjektiven Kon- I struktionen mag die ablehnende Haltung zum I Modernen seitens unserer philosophischen Fakul- I täten begründen. Die Entwicklung geht nach mei- I ner persönlichen Ansicht, wenn eine Prophezeiung 1 hier überhaupt möglich ist, wohl folgenden Weg: | Einmal wird sich ein Einbruch von irrationellen I Elementen in das Reich der Wissenschaft voll- ziehen eine Folge des überaus stark ausge- I prägten Gemeinschaftsgeistes unserer Tage, so- I dann wird der Wille zur Form, d. h. der Wille I nach künstlerischem und schöpferischem Schaffen sich I Eingang erzwingen, und endlich wird eine neue I Form des Subjektivismus in unser Hochschulwesen I ihren Einzug halten. Durch die neue Bildung soll I derGesamtmensch erfaßt werden.

Die höhere Schule wird in.Zukunft zum I Mittelpunkt unseres geistigen Lebens werden; sie I wird die Aufgaben der Universität mit Prak- I tischen Fachaufgaben verbinden. Die neue Re- I form, die darauf hinzielt, das Dogma von der I Allgemeinbildung zu beseitigen, wird die h.er I notwendige Teilung vollziehen, so daß wir I in Zukunft das humanistische Gymnasium, das I Realgymnasium, die Oberrealschule und die Deut» I scheu Oberschulen zu unterscheiden haben werden. I 5er Gedanke der Reform des h Heren Schulwesens I laßt sich dahin zusammenfassen: es steigt ein »neuer Humanitätsge danke empor, der mit dem Hniversitä lsgedan^ri Der- I bunden, aber nicht von ihm beherrscht I werden wird. Bei der Beurteilung der Volks» I schulfrage ist wesentlich der grol'e Zweck, der I mit der Schaffung der Einh it-schule von innen I heraus im Interesse unseres Dolles ve.f lgt wird. I 5er soziale Gedanke, de in unserer Zeit I stark im Vordergrund steht, muö b i der Volks- I schule sv verwirklicht werden, daß die höhere »Schule keinen Schaden leidet. Der Weg, I der zu diesem Ziel führt, ist mit der Schaffung »der Ausbauschule beschritten worden. E:ne » größte Rolle bei der Dolksschulfrage bildet das I Problem der Do lks s ch u lle e r b i l du n g. 1 Die große Streitfrage bei der V-Nsschullehrerbil- I düng ist die seitens der Lehrerschaft erhobene I Forderung eines abgeschlossenen Uni» »versitätsstu diums. Die Ansicht des preu- I ßischen Kultusministeriums geh jel ch dahin, daß »die innere Einheitsschule nur möglich ist durch Idas Abiturium, daß jedoch die Volksschullehrer laicht zum Studium auf den Universitäten zuge- I lassen werden sollen. Aus dem HumanitätLibeel, I Menschen zu bilden, entsteht nur die wirkliche IVolksschule. Die pädagogischen Akade- Imien, die zur Ausbildung Der Volksschullehrer I berufen sein sollen, werden'Einrichtungen 'u: ge- neris neben d^n 51Niversitäten und technischen Hochschulen Larstellen. Das Prinzip der alten Schule muh fallen durch eine neue Bindung von innen heraus: das neue Bildu'gswe e i soll eine Charakterbildung erstreben Lurch Wil­lenserziehung. Die moderne Pädagogik wird nur dann Erfolge ausweisen können, wenn sie aufgebaut ist auf dem Fundament: Wille, Kritik und Ehrfurcht, diele drei aus dem Wege zur neuen Humanität ist aber die Ehrfurcht die größte unter ihnen.

*) Nach einem auf Der Magdeburger Hoch­schulwoche gehaltenen Vortrag.

Deutschnationale und Negierungserweiterung.

Der deutschnationale Dertretertag für den Eintritt in das lpeichskabinett.

Berlin, 30. Sept. (T. II.) Die Dertreter- tagung der Deutschnationalen Volkspartei nahm heute um Voll 51hr im Reichstag ihren Anfang. Aus sämtlichen Landesverbänden sind Delegierte erschienen. Auf je 40 000 bzw. an gefangene 40 000 der am 4. Mai abgegebenen deutschnationalen Wäblerstimmen innerhalb des Landesverbandes entfällt ein Vertreter. D.e Vertreter sind von den Landesvorständen benamt. Ferner ist der Par­te i v o r st a n d vertreten, der selbstverständlich zur Parteivertretung gehört, weiter sämtliche deutschnationale Reichstagsabgeordnete und M i n i st e r der Länder, die deutschnatio- naten Mitglieder des Reichsrates, des Reichswirtschaftsrates und des p r eu- ßischen Staatsrates, ferner die Vorsitzen- den der deutschnationalen Fraktionen der bundesstaallichen Parlamente und die Lan- desverbandsvor sitzenden. Die Zahl der Anw-esenden wird ungefähr 500 betragen, dar­unter 250 Stimmberechtigte, die sich aus Partei­vorstand und Delegierten zusammensetzen. Den, Vorsitz führt der Parteivorsihende Herat, der die Tagung eröffnete und m längeren Ausfüh­rungen, die natürlich streng vertraulich sind, ein Dlld der politischen Lage zeichnete. In der Aus­sprache ergriffen zu längeren Ausführungen das Wort Graf Westarp, Cxz. Wallraf, Abg. Bruhn und v. Freytag-Loring- Hoven. Namens des am Erscheinen verhinderten Abg. Großadmiral v. Tirpitz verlas Landrat v. K e u d e l l eine Erklärung.

In einem offiziellen Parteibericht über das Ergebnis der Tagung heißt es: Staatsminister Hergt berichtete ub.r die Reichstagsberatungen zum Sachverständigengutachten und über die in­zwischen statigehabten

Besprechungen über den Eintritt der Deutschnatio­nalen in die Reichsregierung.

Bei seiner eingehenden Würdigung der politischen Lage verwies er u. a. auf das Schreiben der Reichstagsfraklion der Deutschen Dollspartei vorn 28. August, in dem vollstes Verständnis für Die bei der Deutschnationalen Vollspartei begehende bittere Enttäuschung über das in London nicht Erreichte zum Ausdruck kam. In diesem Schrei­ben werde die Deutschnationale Dollspartei zur Mitwirkung an de r Zukunftsarbeit aufgerufen, wobei dann alles darauf an- komme, mit allen Kräften das nachzuholen, was in London noch nicht durchgesetzt werden konnte. Er nahm ferner auf den Beschluß des Frattions- vorstandes der Deutschen Dollspartei vom 24. September Bezug, in dem gerade die Heber- nahme der Reparationslasten nur gegen die Sicherung von Freiheit, EhreundExistenzmöglichkeit als Richt­linien bezeichnet wird.

In einer eingehenden Aussprache kam zum Ausdruck, daß auf Grund solcher ÄunDgebungen der Deutschen Volkspartei sich eine Verständi­gung über eine gemeinsame nationale Arbeit mit den anderen in Betracht kommenden Parteien finden lassen könne, wobei die Deutschnatio­nale Dollspartei ihr vornehmstes Ziel, die p o l i - tische und wirtschaf tliche Freiheit, un­ter allen Umständen weiter zu verfolgen entschlossen ist. In der Aussprache wurde ferner auch in vollster Würdigung der schwierigen Lage das unablässige und selbstlose Bemühen des Parteivorsitzenden anerfamrt, unter Wah­rung des eigenen ablehnenden Standpunktes einen Ausgleich unter den abweichenden Auffassungen der Reichstagsfraktion herbeizuführen und da­durch die Geschlossenheit der Fraktion zu erhalten.

Von dem Dertretertag wurde dann folgende Entschließung gefaßt:

Die Parteibertretung der Deutschnationalen Dollspartei ist, ebenso wie die DorsihenDen der Landesverbände, einmütig gewillt, die Ge­schlossenheit der Partei zu wahren. Nachdem der Reichstag die auf dcm Londoner Ab­kommen beruhenden Gesetze angenommen hat, und somit zur rechtlich bindenden Norm, die der Durchführung bedarf, gestaltet hat, ist es die Pflicht der Partei, sich Einfluß auf die Auslegung und Handhabung so­wie Verbesserung der Gesetze zu der. schaffen. Die Parteibertretung billigt deshalb, daß die Reichstagsfrattion sich den von dem Reichskanzler in Aussicht gestellten Verhand­lungen über die Beteiligung der Deutschnationalen an der Regierung nicht versagt."

Die CBertretertagung hat dann noch ein aus­führliches Programm ausgeaibeitet. Las Den Regierungsparteien vorgelegt werben soll. Es handelt sich dabei um grund­legende Richtlinien der inneren und auswärtigen Politik, die als eine Art deutschnationale Mindestforderungen bezeichnet werden.

Der Wortlaut des Programms ist bislang zwar den anderen Parteien noch nicht beka.rnt, in parlamentarischen Kreisen verlautet nur so viel, daß die Vorbesprechungen bereits sehr weit vorgeschritten seien. Falls die Re­gierungserweiterung in Dem zur Zeit geplanten Sinne tatsächlich zur Durchführung gelangen sollte, würde Die Möglichkeit gegeben sein, der Deutschnativnalen Partei drei Minister- posten zu überlassen. Es handelt sich dabei um Den Posten des Innenministers, des Reichsarbeitsmini st ers und desReichs­

ernährungsministers. Mit einiger Sicher­heit dürfte festslehen, daß die Deutschnationalen Den Abgeordneten Dr. Hergt als Dizekanz» l e r und Innenminister präsentieren werden.

Die Aktion

des Reichskanzlers.

Verhandlungen mit Deutschnationalen und Sozialdemokraten.

Don unserem Berliner Dertreter.

Berlin, 1. Oft. Reichskanzler Dr. Marx, Der persönlich Die Initiative zur Umbildung Des Reichskabinelts in die Hand g nomine i hat, wird in Den nächsten Tagen seine Bemühungen zur Erweiterung Der Regie.ungsbafis aufr.ehmen. Wie wir von unterrichteter Seile erfahren, hält Dr. Marx an seiner Absicht fest, nicht nur mit Der Deutschnationalen Partei, sondern auch mit Der Sozialdemokratie in Fühlung zu treten. Im Gegensatz zu den Auftaklung n Der volks­parteilichen Kreise steht Der Reichskanzler per­sönlich auf Dem Standpunkt, daß eine Volks­gemeinschaft ohne Mitarbeit Der Sozialdemokratie nicht möglich sein würde und daß eine ausgesprochene Rechtskoali­tion im Widerspruch zu Der bisherigen Haltung Der Reichsregierung stehe. Von einer Dem Reichskanzler nahestehenDen politischen Persön­lichkeit wird uns mitgeteilt, daß Dr. Marx von Der u nbedingten NotwenDigkeit einer Erweiterung Der Regierungs­koalition überzeugt ist und Dementsprechend an Die deutschnationale Partei herantreten wird, um sie zur praktischen Mitarbeit an Der Regie­rung aufzufordern. Er will aber nach Möglich.eit Die Sozia lDemokratie nicht aus- schließen, und aus diesem Grunde wird er es vermeiden, zunächst in gesonderte Besprechungen mit den Deutschnationalen einzutreten, ohne auch gleichzeittg mit Der Sozialdemokratie Fühlung ge­nommen zu haben.

Der Beschluß Der deutschnationalen Vertreter» ♦agunfj wirb gegenwärtig in Den der Regierung nahestehenden Kreisen sehr lebhaft erörtert. Vkan ist Der Meinung, Daß Die Bereitschaft Der Deutsch- nationalen zur Mitarbeit an Der Reichsregierung einen wichtigen Fortschritt in der in» nerdeutschen Entwicklung Dar fl eilt, und Daß Die Entschließung Der Deutschnationalen Führer als brauchbare Derhandlungsgrundlage angesehen werden kann. Der Reichskanzler äußerte persönlich Die Auffassung, Daß Die deutsch- nationale Entschließung von seiner eigenen Auf­fassung über Die Herbeiführung Der deutschen Volksgemeinschaft noch sehr weit entfernt sei, und daß er nicht ohne Bedenken Die schwierige Aufgabe übernehmen werde, an DieRegi:rungsumblldrng im jetzigen Augenblick heranzutreten. Im übrigen l errscht in den parlamentarischen Kreisen Der Ein­druck vor, Daß Dr. Stresemann keineswegs Darauf verzichten wird, in Die Verhandlungen zur Erweiterung Der Regierungskoalition einzugreife.i und so e n t sche i D e n D e n Einfluß auf Die Re­gierungsumbildung auszuüben. Es scheint sich tat­sächlich zu bestätigen, Daß Dr. Stresemann inner­halb des Reichskabinetts auf das Entschiedenste für eine Hinzuziehung Der Deutschnationalen eintntt und vorläufig eine QUitarbeit Der Sozial­demokratie für unerwünscht und un­zweckmäßig erachtet. In diesen Fragen dürf­ten tatsächlich erhebliche Meinungsverschiedenhei­ten zwischen ihm und dem Reichskanzler bestehen.

Die Besprechungen, die Mittwoch ihren An­fang nehmen, werden voraussichtlich Die ganze Woche in Anspruch nehmen. In Der nächsten Woche werden Dann Die Reichstagsfrak­tionen zu dem Ergebnis Stellung nehmen Als erste Der Reichstagsfraktionen hat Die demo­kratische für Dienstag, Den 7. Oktober, eine Sitzung anberaumt. Der Vorsitzende Der Partei, Koch, der in Italien weilt, ist wegen Der bevor­stehenden Parteiführerbesprechung von Der Demo­kratischen Parteileitung telegraphisch zurückberu- fen worDen.

Die deutsche Anleihe in England.

London, 1. Oft. (Tel. An.) Laut Nachrichten im Harrdelsteil DerTimes" wird die deutsche Anleihe zu Mitte Oktober aufgelegt werden. Sie wäre, schreibt dieTimes", m einem empfehlenden Aufsatz, der richtige Versuch tzur Wiederherstellung gesunder Währ-ungsvechält- nisse und brauchbarer finanzieller Bedingungen auf Dem Kontinent. Don besonderer Wichtigkeit vorn englischen Gesichtspunkt aus gesehen, wäre Die Beendigung der Inflationskon­kurrenz und die Beschränkung des deutschen industriellen Wettbewerbs, Da Deutschlands In­dustrie und Handel nach 5 Jahren 125 Millionen Pfund Sterling C t e u e r n zu zahlen hätte. Damit würde unter Umstanden eine Verminderung derenglischen Steuerlasten erreicht wer­den können. Deutschland dagegen würde gezwun­gen fein, sein Preis- und Lohn-Niveau zu heben und infolgedessen würde Die Wirkung des Dawesberichtes Die Verminderung Der deut­schen Konkurrenzfähigkeit bedeuten.

Wie dasDerl. Sagebl." hört, wird Reichs- finanzminister Dr. Luther sich heute nach London begeben. Die Verhandlungen, über den Abschluß Der Anleihe, an denen auch Reichsbankpräsident Dr. Schacht teil»

genommen hat, sind soweit gediehen, daß mir einem unmittelbar bevor st chenden Abschluß gerechnet werden Dürfe.

Rückkehrerlaubnis für Mainzer Ausgewiesene.

Koblenz, 30. Sept. (WTB.) Nach «Mittei­lung Der Rheinlandkommission werden u. a. fol­gende Ausweisungen zurückgenommen: Direktor Fritz Sommer, Ems; Rektor Jakob Dach Mainz; Pfarrer Ludwig Berck, Mainz-Mom- bach; Pfarrer Karl K n a b , Gustavsburg; Pfarrer Adolf K o r e ll, M. d. R., Ingelheim; Rektor Jo­sef Schorn, Mainz; von Privatpersonen: Lo­renz Diehl, Generalsekretär der hessischen Zen­trumspartei, Mainz-Kastel; Gustav 2 b i n g, Re­dakteur der Volkszeitung, Mainz; Dr. Paul M e e s m a n n, Syndikus der Handelskammer. Mainz; Josef Will, Direktor der Mainzer Der» lagsanstalt und Druckerei QI. G. (Mainzer Anzei­ger), Mainz. Nunmehr enthält die Liste noch 53 Damen derjenigen Personen, deren Ausweisung noch nicht zurückgenommen ist. Die Ver­handlungen darüber werden fortgesetzt.

Neue Verhandlungen über die militärische Räumung

(Eigener InforrnationsDienst.)

Berlin, 1. Oft. (Dcahtmeldg i Don unter­richteter Seite erfahren wir, Daß Die Reichs­regierung entschlossen ist, im Verlaufe Der soeben beginnenden deutsch-französischen Wirtschaslsver- Handlungen auch Die Frage einer frühe- renmilitärischenRäumungDesRuhr- g ebiets aufzuwerfen. In Den Regierungs kreisen hofft man, Daß es möglich sein wird, Die französische Regierung zu einer neuerlichen Stel­lungnahme in Der militärischen Räumungsfrage zu veranlassen, zumal auf Der LonDoner Kon­ferenz ausdrücklich von französischer Seite eine eventuelle Vorverlegung Der militari- schen Räum ungstermine in Aussicht ge­stellt worden ist. Eine Deutsche Aktton in Dieser Richtung wird um so notwendiger, als, wie Die Köln. Ztg." aus Dortmund meldet, mit der schon vor einem Monat in Aussicht genommenen Räu­mung Dortmunds noch nicht einmal der Anfang gemacht ist. Denn den Weggang von je 30 bis 40 Zollbeamten, Micumleuten und Gendarmen kann man nicht als Räumungsanfang bezeichnen. Dortmund hat heute noch eine militä­rische Besatzung von rund 2500 Mann, wozu noch eine Anzahl Regieleute, Gendarmen unD Geheimpolizisten kommen. An einen Abzug Der Besatzung ist vor Dezember nicht zu denken. Eine Kontrolle Der Personal­ausweise findet nach wie vor an Der alten Grenze statt.

Die deutschen

Reparationszahlungen.

Die erste Oktoberrate

von 14 Millionen (Sm. bereitgestcllt.

D e r l i n, 30. Sept. Die für Den Monat Sep­tember gemäß Dem Londoner Abkommen zu lei­stenden Reparationszahlungen in Höhe von 83 Millionen Goldmark sind nicht nur pünttlich ge­leistet, sondern sogar überschritten worden, so daß ein beträchtlicher Aeberschuß erzielt worden ist. Die Totalsumme von 83 Milllonen seht sich aus den beiden Zahlungen der deutschen Regierung von zusammen 40 Millionen Goldmark, Den Einnahmen aus Dem Recoverh-Akt unD von Der Regie, sowie Den Deutschen Zahluw gen an Die Besatzungsmächte zusammen. Nach Mitteilungen Des Stellv. Generalagenten für Re­parationszahlungen ist Der am 1. Oktober fällige Reparationsbetrag von 14 Millionen GolDmark bereitgestellt. Nach Meinung Des Herrn Dawes liefern Diese Zahlungen einen weiteren Beweis für Das erfolgreiche Arbeiten Des Dawes­planes.

Die Ausfuhrabgabe an Frankreich.

Paris, 30. Sept. kHavas.) Die französische Regierung hat der deutschen Botschaft heute Die Antwort auf Die Deutsche Note betr Die 26prvzentige Exportabgabe überreiche m lassen Die französische Regierung bemerkt, daß diese Taxe analog derjenigen fei, Die in England erhoben werde, und daß ilj-re Einführung sogar durch den Tawesplan als Zahlüngs- m i 11 e l v v r g e s e he n sei. Die französische Re­gierung unteistteiche, daß durch diese finanziell.' Maßnahme dem Deutschen Reiche keine neuer Lasten aufgebürdet würden und daß sie nicht die Absicht habe, durch diese Abgabe die Klau sein des Dawesplans zu umgehen.

Amerika

und das Dawesgutachten.

50. Iahreskongreß Der Vereinigung amerikanischer Bankiers.

Paris, 30. Sept. (Telun.) In Chicago wird heute der 50. Iahreskongreß Der Vereini­gung amerikanischer Bankiers er cf frei An 1000 Bankiers sind aus Den verschiedenen Teilen Nord­amerikas in der Stadt eingetroffen. Aus Unter» reDungen, Die Der Vertreter Der .UniteD Urefi