Ötocn. Aus den deutschen Dokumenten der Vorkriegszeit könne man klar erkennen, daß Deutschland keinerlei kriegerische Absichten hatte und alles tat, um einen Krieg zu verhindern. Der Redner besprach eingehend die militärischen Verabredungen zwischen Frankreich, England und Rußland, die Vorgeschichte des Attentates von Serajewo und die Ereignisse unmittelbar vor Ausbruch des Weltkrieges. Er deckte die Fäden der Verhandlungen auf und zeigte, wie bei der Entente der Wille zum Krieg seit vielen (Zähren bestand. Zum Schlüsse seiner Ausführungen forderte der Redner, daß die Reichsregierung von dem umfangreichen deutschen Aktenmaterial endlich Len geeigneten Gebrauch macht.
Aus dem Hessischen Landtag.
Ein Antrag zugunsten der hessischen Aus- getviesenrn.
Die -Zentrumsfraktion des hessischen Landtages hat fulgen&en A trag in- gebracht: -3’n b:rt Zei u gen er Dienen Rach t ten, daß die franzüsi chen Q e atzu rgsieh^rde -Ausweisungen in beträchtlicher Zahlurü -g nom men haben, dagegen aber nur sehr wenige Ausweisungen von hessischen Untertanen. Wir beantragen, daß die he st che R>g cung lei der zuständigen fvanzösi'chen Stell.' dahi r vo - stellig wi d, daß auch Hessen, wo bttann lich ;a V reiche Auswei'ungen erfolgt sind, bi Lee Rücknahme der Ausw.imngen entsprechend berückiu)- tigt wird.
Kommunistisches „Kriegsmateria!".
Einer Drahtnachricht aus Stuttgart zufolge wurden von bc dortigen Polttei verschiedene k o m m u n r st i s ch e S p re n g st o f f ° und Handgranatenlager entdeckt. Außerdem wurden noch zwei vollständige Feldfernsprecher gesunden. Ti.'her wurden etwa- zelM der Kommunistischen Partei angehörende Personen, darunter zwei Frauen, verhaftet.
Ein Ssparatiftenprozetz in Hanau.
Hanau, 30. Juni. Am 3. Juli beginnt vor dein Staatsgerichtshof in Hanau Vie Hauptverhandlung gegen Weingutsbesitzer Bark hold aus Eltville, der beschuldigt wird dw separatistischen Bestrebungen un» tarstutzt zu haben.
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Weingutsbesitzer Barkhold stammt aus Darmstadt und hat vor einigen (Zähren das ^kannte Mülhaussche Weingut in EltvUle r'cmflich erworben. Während der Separatistenputsch-Zeit im Oktober Lis Januar, die unter öuhpung des Rüdesheimer Kroisdelegierten A r - wand eine Art Sonder-Republik im Rheingau zu etablieren versuchte, war Barkhold Orts- kommissar von Eltville und einigen benach-- barwn Ortschaften. Der Prozeß dürfte besonders mteßessantes Material zum Beweise der Zusammenarbeit dec Putschisten mit beamteten Franzosen zutage fördern.
Darmstadt gegen die Schuldlüge
Darmstadt, 30. Juni. Der Arbeitsausschuß deutscher Verbände, sowie der Hochschulring und andere Vereinigungen veranstal- . teten gestern im städt. Saalbau eine Protestversammlung gegen die Schuldlüge. Die Ver- !• Sammlung war außerordentlich stark besucht. Prof. Dreher-Friedberg forderte in einer Ansprache nachdrücklich zum Kampfe gegen die .Schuldlüge auf. Er wies darauf hin, wie man selbst im Ausland einzusehen beginne, daß MuhlandundFrankreichdieeigent- lichenArheber des Weltkrieges waren,- Zeugnis hierfür seien insbesondere englische Historiker, sowie der verstorbene Abgeordnete Morel und der Amerikaner Robert
eines Dramas entwickelt sich da eines auS dem andern, und fast bei jedem Wetterumschlag in anderer Reihenfolge.
Aus einer auffallend starken Erwärmung, wenn auch vorerst noch ohne jede Wolkenbildung, auf das Herannahen einer Welle niederen Lustdrucks zu schließen. Zusammenhängende Zirrus-Schlüer, aus Le.' westlichen oder sndwest- ttchen Himmelsrichtung aufsteigend, bekräftigen Mese Ankündigung. 2m Frühling pflegt sich in der norddeutschen Tiefebene diese charakteristische Erscheinung ganz besonders deutlich auszuprägen. Rachts. wo die Zirrus-Schleier nicht zu sehen sind, zeigen sie ihre Gegenwart an durch die bekannte, im VolkSmund als „Hof" bezeichnete Halo-Erscheinung um den Mond, die oft auch um leuchtendere Sterne, tote die Venus, beobachtet wird. Ist d'cser Rimbus weit gespannt, so kommt sehr wahrscheinlich Sturm. Es handelt sich beim „Hof" um eine Form der Interferenz, die entsteht, wenn das Mond- oder Sternlicht gebeugt wird durch den Wassergehalt dec Luft oder durch die unzähligen winzigen Eiskrüstalle, aus denen der lmchte Zivrus»Schlei?r in den obersten, bi3 etwa 7000 Meter hohen Wollenregionen besteht. Auch stärkeres Funkeln der Sterne weist auf vermehrte Luftfeucht gkeit und Bewegung in den oberen Luftmassen hin.
Wohl am meisten bekannt ist die Bedeutung der Farben am Abendhimmel für den Witterungscharakter. Während starkes Abendrot mit Sicherheit auf einen schönen folgenden Tag hoffen läßt, ist aus weißem oder gelbem Farbenton auf Regen, aus dem Sonnenuntergang in auffallend leuchtendem, weißem Lichte auf Sturm zu schließen Umgekehrt hgt grauer Morgenhimmel Morgenrot Regen noch für denselben Lag voraus. Sinkt die Sonne in eine Wolkenwand, so droht ein nächtliches Front-
demische Gesangverein zwei Chöre a cappella von Hugo Wolf, a) Erhebung, b) Aufblick, vor, vorauf der Rektor, Professor Dr. L a q u e u r, einen Festvortrag über den Hellenismus hielt. Sodann erstattete der Rektor den Jahresbericht. EL ist daraus zu entnehmen, daß der Gesamtbesuch in diesem Sommer 1772 Studierende und Hörer beträgt. Rach der Verkündung der Preise für die letztjährigen Preis- ausschreibungen, über die wir morgen berichten werden, sang der Akademische Gesangverein den „Hymnus an das Leben" von Friedrich Nietzsche. Mit.einem Orgelnachspie! erreichte die Feier ihr Ende.
* Militärpersonalien. Haupt- wnnn Baron v. d. Recke, seit September 1921 Kompagniechef der 3. Kompagnie 15.Infanterie-Regiments, ist mit dem 1. Juli in die Adjutantur des Reichswehrministers versetzt worden. Zum Kompagnie-Chef der 3. Kompagnie wurde Hauptmann Faulenbach, bisher beim Stabe des 15. Infanterie-Regiments, ernannt. Hauptmann Karst, bisher beim Stabe des L (Hess.) Batls. 15. Infanterie-Regiments, ist mit Wirkung vom 1. Juli in das 18. Infanterie-Regiment versetzt worden.
** Die Sammler für die Jugendherberge, die in diesen Tagen bet unseren Mitbürgern erscheinen werden, sind mit polizeilichen Berechtigungs-Ausweisen versehen. Man beachte die Ankündigung im heutigen Anzeigenteil.
Einigungsverhandlungen Zwischen Zentrum und Bayer.
Woikspartei.)
| 3p V a mbecg fanden Besprechungen zwi- schen den Fahrern des Zentrums und der Dnhe- flaschen Volks.'.octei statt, über tfe von der . Gec- mnia" dem offiziellen Organ des Zentrums" folgendes berichtet wird:
wenig erfreulichen umstände des bedauerlichen Kampfes zwi- sch'N dem Zentrum und der Baperisaen Vc lkspartei ^haben dm F ihrem bei'ec Parteien Veranlagung gegeben, tn vertraulichen Deutungen die durch die letzte Wahl ge- schaffene Lage zu erörtern. Auf An.ega.m des Vorsitzenden der Zentrumspartei Les Rcichskanzters Marx, fand am 21.'Iuni m L imverg im Haufe des F ihrecs der Dah^ruchen Vollspariei. des Hecrn Dom- kapiiulars Laicht, eine eingehende Aussprache statt, die einen recht befriedigen, en Verlauf nahm und erfreuliche Aus» sichte nauf ein engeres Zusammenarbeiten der beiden Fraktionen im Parlament eröffnet. Auf beiden Seiten kam der dringende Wunsch zum Ausdruck über die Schwierigkeiten dir sich m den letzten -3<if>rcn ergeben haben, hinwegzukommen. Der Reichspart ei vor stand der Deutschen Z e n t r u m s p a r t e i hat in seiner letzten Sitzung die Ergebnisse der Dam- berger Besprechung einmütig gebilligt Die Aussprache wird in dm nächsten Tagen fortgesetzt werden, wahrscheinlich schon am 12. ;jim wiederum in Bamberg.
_ ., 3lP Besprechungen nahmen nach dem Mmchm Blatt Reichskanzler Dr. Marr Reichs- Postmeister Höf le und Abg. Slegerwald Nur das Zentrum sowie Ministerpräsident Dr Held Dr. W ohl mu 1 h und Dr. Schlit- r en bau er für die Bayerische Volkspartei teil.
m Die Stenographie bei der Reichsbahn. Man teilt uns mit: Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn hat eine ausgiu/ehnte Anwmdung der Stenographt - anqc- un» »uv Erzielung der unb dl.ngt ecforder- lichen Eiuh?ltllchteit d s Kurzschrift hstem Eabels- be ger als Sinh itsstenographie für d n gesamten Bereich dec Dcutchm ha bestimmt. Bei
einer Besprechung, die auf Er uchen des Vor- sl^enden des Steiwgca_phenvrrb-andeZ Slo'ze- Schrey in diesen Tugen bei der Hauptverwal u a ö€l- Deutschen Reichsorhn staltfand, bat i je e cr> klärt, daß aus wirtschaftlichen Gründen eine Aufhebung der getroffenen Anordnung nicht e fotzen könne. Im übrigen wurde noch van der Hauptverwaltung betont, daß die Anmdnurm nid), vom -aeichsverkehrsministerium als Behörde, so ide n von dem nach privatwirtschaftlich.m Grund ätzen arbeitenden Anternchmen „Deutsch? Reichsb chn" getroffen sei, das sich aber aus Erörteruage i ».ec Bewertung dec einzelnen Systeme nich. ctnlaLen könne.
** Iugendtag inGießen, Zu einer einmütigen Kundgebung hatten sich die Gießener Iugendbünde am Sonntag zusammengefunden. Der Tag galt der Jugendherberge auf dem Hoherodskvpf. Lieber alles Tren- ncnde, über alles Gegensätzliche der Weatz und Ziele hinweg riß sie das' überströmende Gefühl einer starken Zusammengehörigkeit in ihrer Liebe zur Heimat und dem Wollen zu neuer Lebensgestaltung. Dr. Spira verstand es, dieser Grundstimmung bei der Morgenfeier in schlichten, tiefempfundenen Worten Ausdruck zu geben. Für die veranstaltenden Zugendlichen war diese Feierstunde der Brennpunkt des Tages, der ihnen die innere Kraft für die ungetrübte Freude des ganzen Festes gab. Als sie singend in die Stadt zurückzogen, waren Ihnen die Worte des Liedes von Hermann Claudius Erlebnis und Bekenntnis zugleich:
„Wann wir schreiten Seit' an Seit', und die alten Lieder singen, und die Wälder wieder klingen, fühlen wir, es muß gelingen: Mit uns zieht die neue Zeit." Am Nachmittag sammelte ein Festzug auf Oswaldsgarten die Jugend und brachte sie zum Trieb. Dort herrschte bald frohes Treiben. Der Kasper versetzte mit seinen derben Spähen das kleine Volk in immer neues Entzücken, traten doch sogar der Schlammbeißer und der böse Ritter von Gleiberg auf. Am Waldesrand erfreute Hans Sachsens gestohlener Schinken eine große Zuschauerzahl, und ein Märchenspiel fesselte lange Zeit die Aufmerk
natürlich mit demselben Recht als Ankündiger schönen Wetters angesehen werden.
D sonders e gmtümliche Wollenbildungen als Anzeichen bevorstehender Gewitter oder Regenwetters sind namentlich in Rorddeutsch- land viel beobachtete, ziemlich große Stratus-- wolken mit nebligem, verschwommenem Aussehen, wellenförmig in die Länge gezogen oder wie riesige Gier geformt, mit sanften, wolligen Rändern, dann eine Art Kumuluswolken, die aber nicht hochgetürmt erscheinen, sondern mehr flächig angeordnet, anscheinend aus vielen kleinen Kumuli zusammengesetzt, jedoch zusammenhängend und von den Schäfchen-Kolonien verschieden. Sie haben das Ansehen zerfallender, sich zersetzender, aber nicht in Regen- und auch nicht in Zircus übergehender Kumuluswolken. In größere Höhen steigen sie nicht, sondern Pflegen sich, oft weit ausgebreitet, fast stillstehend, ungefähr auf der Höhe leichterer Gewitterwolken zu halten. Regen folgt ihnen abends oder sicher am folgenden Tag. Kleine, in Richtung südnördlich oder westöstlich gestellte, langgestreckte Wolkenbänke, die sich gern in Schäfchen auflösen, kündigen fast stets Gewitter an, wenn nicht gleich das Gewitter schon aus ihnen hervorwächst. Dieselbe Vorposten- Rolle spielen, meist am Morgen, winzige, wie von unten heraufgeblasene Kumulus-Wölkchen, einzeln oder zu vier bis sechs, zerrissen, wie nach oben zerflatternd, die nur kurz erscheinen und sich wieder auflösen. In der Richtung dieser Wölkchen pflegt dann das kommende Gewitter aufzusteigen.
Kein bloßes Studium mehr, sondern zugleich größtes Erlebnis und Genuß für den Beobachter, der nicht bloß mit dem Verstand, sondern mit ganzer Seele in der Ratur lebt, ist dann der Ausbruch des Gewitters, nach der Exposition das Drama.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 1. Juli 1924.
Die Jtttt-Mrete.
Vach Qlnb-öru^g von Int^r-ssentenv:riretui'.- gen und Sachverständigen htt daS Hess. Mitt- sterium für Arbeit und Wirtschaft für die Berechnung der Miete für den Monat Juli fo> gendes bestimmt:
Die Miete für den Monat Juli beträgt in sämtlichen Gemieden des Lande', einschl eßlich derjenigen des besetzten (ScbieiS 43 v. H. der Friede ns miete. In dieser Summe s no 12 v- H für laufende, 8 v. H. für große Instand- fetzungskosten, sowie 20 v. H. für DeaiBsrosten und Zinsstcigeru! g enthalten.
Im üb' igen wird an dem Inhilt der Be- 'anntmachung *owx 28. Mai 1924 i bec die Festsetzung der Imn-Mitte nich s g.ändert.
(Anmerkun.gd er Redaktion: Rach dem Schlußsatz dieser amt i.hen Dekanntma hung bleiben allo folgende De.irnmungrn in K äst: Detciebskoi en sind Steuern. Gebüh.e t un^ öf eit* liche Abgaben, also insbesondere Grundsteuern, Kanalbenunungsgebühren, S raßenreinigung.gebühren, Wasstrgeld, Schorrstleinf g-rge^d. Haftpflichtversicherung, Treppen- und Flurboleuch ung usw. und Verwaltungs.'osten. Wa ergeld ist j- doch nur bis zu 2' v. H der Jriedensmieto in dem Satz für die Betriebskosten enthalte In denjenigen ®-6'u&cn o^er Ceb u e toi len ii dnnen der Verbrauch 2'/. v. H i ec Fri d nsmie e :"ber- steigt, kann die MehrauSgatze auf die Rutzungs- becechtigten nach den bil-hwige? Grundsätzen um» gelegt worden. Richt einb griffen sind ferner in dem oben ge ..muten Sa-a für die Bet'i 53! oft in die auf Grund der dritten Steuecnolve.-orstnung erhobenen Sonderstc-u.wn des Landes oder ter Gemeinden vom bebauten Grundbesi). Diese sind von dem Grundstücksbefitzer auf die Rutzungz. berechtigten umzulegen.)
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L-U. Jahresfeier der Landes- Llniversi tat. Heute beging die Landes- Universität in der Reuen Aula ihre Jahresfeier. Die Vertreter der Behörden und zahlreiche Teilnehmer aus der Gießener Bürgerschaft hatten sich eingefunden, ebenso die Angehörigen der Universität, die Dozenten mit ihren Damen und die Studenten und Studentinnen. Rach dem Orgelvorspiel trug der Aka-
Landkreis GicFe».
* Klein-Linden, 3V. Iuni. Der Gesangverein „21 r i o n“ beteiligte sich gestern mit 45 Sängern am Wertungs- singen des Gesangvereins „Eintracht" in Hörnsheim, wobei „Arion" unter 8 Vereinen mit 156 Punkten an die zweite Stelle kam. Der Verein stehr seit 1912 unter der Leitung des 2Nusiklehrers Konrad Ricolai aus Großen- Buseck.
-s- Treis a. d. Lda., 29. Juni. Heute nach- mrttag wurde dahier unter großer Beteiligung der Gemeinde und sämtlicher Vereine auf dem üblichen Festplatz am Fuß des Totenberges das viesjährige Jugend fest abgehalten. Die Begrüßungsansprache hielt Lehrer Allendörfec Als Geschenk der Gemeinde erhielt jedes Schulkind eine Brezel. Unter allerhand Spielen uni> sonstigem Kurzweil dec Kinder, Gesangsvortragen der Vereine und Vorführung der Damenriege des Turnvereins nahm das Fest einen schönen Verlauf.
df. Langsdorf, 30. Juni. Am gestrigen Sonntag fand auf dem geräumigen Spielplatz der hiesigen Turner das erste Langsdorfer Ingen dfest statt. Reigen der Mädchen, Freiübungen der Knaben, Turnen am Reck und-Kketter- §erust, allerlei Ball- und Bewegungsspiele, Sackhüpfen, Wurstschnappen u. v. a. erfreute jung und alt. Mit großer Spannung sah man dem Wettlauf der emzelnen Gruppen zu. Lautlose Stille herrichts auf dem Festplah, als die A-D-S-Schützen in ihrer drolligen Art ihre Spiele vorführten. Man wird mlt Befriedigung sagen können, daß die Leistungen unserer Schuljugend die Erwartungen übertroffen haben, ein Zeichen, daß ein guter Geist unterunf?rer Jugend herrscht. Allseits hört man ben Wunsch, daß das Iugendfest eine dauernde Einrichtung bleiben möchte.
5kreis Schotten.
* Laubach, 30. Juni. Vom hiesigen Schöffengericht wurde die Landwirtsehefrau K. von Freienseen wegen Milchpantscherei mit 200Goldmark Geldstrafe oder 40 Tage Gefängnis bestraft. Die in guten Verhältnissen lebende Frau hatte einer Milchlieferung an die Molkerei Freienseen30ProzentWas- s e r zugesetzt.
Kreis Friedberg.
* D a d - N a u h e i m, 30. Juni. Auf unserem so wundervoll gelegenen Johannisberg hatten am Samstag abend die Vereinigten vaterländischen Verbände Oberhessens, Bezirk Wetterau, zu einer Sommer-^Sonnenwendfeier eingeladen. Aach einleitendem Musikvertrag
samkeit. Volkstänze, Reigenspiele und Lieder wechselten damit ab. Zum Schluß stellte ein wunderbarer Zirkus die seltsamsten Merkwürdigkeiten zur Schau, deren Glanzstück eine Riesenschlange war. Auch für den Durst war gesorgt. in Gestalt — eines großen Wasserwagens. Das von den Zuschauern wie üblich reichlich verstreute Butterbrotpapier gab Anlaß zum Abbrennen eines großen Freudenfeuers. Erst der sinkende Abend brachte des Festes Ende.
" Die naturwissenschaftliche Abteilung der Ober hessischen Gesellschaft f ü r R a t u r - u n d H e i l k u n d e konnte chren Mitgliedern am Sonntag einen erlesenen Genuß bieten durch die Einstellung einer äufeeift vollständigen und sorgsam gepflegten Sammlung eucopallchec Schmetterlinge. ^Iniverfitätsmecha- nikec Carl Hab en eh, der auf daS Gntsllh'n feiner Sammlung Jahrzehnte hindurch alle feine Mußestunden verwandt hat, gab außerdem in einem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage einen Lieberblick über das Entstehen solch einer Sammlung, über die Eigmact unb die Le-- benslttdingungen der von ihm b vokzuKten Ar ei und über die Zucht ter Schmetterlinge. Es bleibt zu bedauern, daß tec schöne Tag LIrsache eines schwachen De'uches wurde, da es erfoceerttch war die Ausstclmng in die Lag sslundm za verlegen,' da die Beobachtung ter Farbenpracht unb Ze ch, nungseinzelheiten der Tiere bei tünstlichem Lich « nicht möglich gewesen wäre.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. Stcidttheater :8 Llhc: Tanzgastspiel von Hanne- Lore Ziegler. — Rundfunthaus, Löberstcaße, 8V» lUjr: Rezitationen. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Colibri.
«n die Spitze des Schatzamtes als Staatssekre- .3 venef. Während des Krieges war er auch
’öcneraluirettor der amerikanischen Eisenbahnen, I £819 trat er von beiden Aenttem zurück, um i Wieder als Anwalt tätig zu sein.
Die neue Regierung Südafrikas । . Pretoria, 30. Juni. lWTD.) Das süb°
!. <>fntant| d)o. Kabinett ist wie folgt gebildet woc- V. xf;11: H 2 r h o g, Premierministerr, HavSnaa - jttmanz-n, Beyers. Bergwerke und Industrie' I" Kabinett umfaßt außerdem zwei Haaptführec 'Der ter bartet, nämlich Crewell für Der- teldrgung uni) Arbeit, Beymoll für Post und Telegraphie.
Gewittervorzeichen.
Don Leo Wirth- Charlottenburg.
f. Wetterbeobachtung gehört zum interessantesten Raturstudium, namentlich auch deshalb, weil die Erscheinungen sich nie schematisch wiederholen, sondern in ihrem Ablauf oft ganz überraschende Abwechslung bieten. Ohne größere Vorstudien kann sich jeder mit diesem wichtigsten Sonderzweig der Meteorologie mit Erfolg" befassen, wenn er nur einen klaren Blick und die Gabe besitzt, aus Anzeichen die entsprechenden Folgerungen zu ziehen. Mancher einfache Bauer, kür den die Wettergestaltung mehr oder weniger eine Lebensfrage ist und der mehr in Gemeinschaft mit der Ratur lebt als der Fachgelehrte, weiß mit seinen Wettervoraussagen öfter Treffer SU erzielen, als das Wetterbureau mit all seinen Hilfsmitteln und dem besten wissenschaftlichen Apparat. Ganz erstaunlich dagegen ist die Wetter- Unkenntnis der Großstädter, die bei Ausflügen meist bis zum entscheidenden Moment nie wissen was kommen mag, und dann plötzlich zu ihrer gröhiei! Bestürzung mitten im weiten Grünewald schutzlos den Wasserfluten eines Wolkenbruches preisgegeben sind.
Immer noch hat die Wetterkunde nicht alle Gehermnuse d:s Lu tmoeres entschleiett Ein auf» m?Lik-mer, denkender Beobachter vermag fast täglich noch Reues hinzuzulernen, zu früher Be° ober;leiem neue Deutungen zu finden. Lind darum rst -V bankbare Studium ganz besonders auch für bloße Liebhaber ebenso fesselnd und ertragreich, wie für den gelehrten Meteorologen.
1 Wohl am anregendsten wirken für jeden Rw. Hceano jene kleinen und größeren Veränderungen in ber Atmosphäre, die nach einer Schön-'' Wetterperiode den baldigen Eintritt der Gewitter- I tätiget ankündigen. Wie die einleitenden Szenen i
geteilter. Mvrgennebel deuten auf schönes Wetter, wenn sie sinken, ostwärts schwinden oder sich in oer Sonne auflösen, dagegen auf Gewitter, wenn fie steigen, um nach Westen oder Rordwesten abzuziehen. Doch kann man sich auf die verschiedenen Rebelerscheinungen weniger verlassen, da lokale Verhältnisse hier mannigfache Aenderun- gen, besonders in Gebirgsgegenden, hervorbringen können. In den Bergen deuten schleichende Mor- g en nobel nach einer Regennacht auf Gewitter für den Rachmittag hin.
Da aufgelöster Wasserdampf die Durchsichtigkeit dec Luft erhöht, ist aus besonderer Klarheit der Luft die Ankündigung herannahenden Regens zu lesen oder Wiederholung des Regens zu gewärtigen, wenn der Sonnenschein nach Regenfall eine weiße, statt gelbe Färbung zeigt. Sendet die Sonne hinter einer Wolke hervor sichtbare Strah- lln ins Himmelblau hinaus oter auf die Ecde herab („Die Sonne zieht Wasser"), so ist die Luft stark mit Feuchtigkeit gesättigt, und spätestens nach zwei bis drei Tagen folgt Regen oder Gewitter.
Bei Windstille, reinem Himmel und großer Erdfeuchtigkeit entsteht gern aufsteigender Luftstrom, der sich in größeren Höhen verdichtet, zur Kumuluswolke und zum Hihegewitter wird. Solche Gewttker treten meist ohne besonders auffallende Vorzeichen auf. Sie sind örtlicher Ratur und ziehen nie weit. In der Rächt bilden sich Ku- mulusgewitter höchst selten, da nur die Sonne größere Luftströme in die Höhe zieht. Weil der Hag-lschlag hochtürmende Haufenwollen zur Vorausfehung hat, erklärt sich daraus ohne weiteres die große Seltenheit nächtlichen Hagelfalls. Ziirolumulusgb.ll.-e. sogenannte „Schäfchen" find gls Schlechtwetter-Vorboten bekannt. Sie bilden sich in etwa 3500 Meter Höhe, jedoch oft auch bei abziehendem Regen, und können dann


