Ausgabe 
1.7.1924
 
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Dienstag, s. Zuli 192$

Erstes Blatt

Zahrgang

!9ierroLderran-wlchchast.

Richt weniger alS 37 Interpellationen und Anträge über die Rot der Landwirtschaft ttnn£>en

gefunden.

Die neuen Micum-Aerträge.

Wie aus Düsseldorf gedrahtet wird, sind die Verhandlungen zwischen der Sechserkommission und der Micnm in Düsseldorf gestern abend nach 11', Uhr zu folgendem Abschluß ge­kommen:

Das Micumabkommen gut vom 1. x)ult an bis zur Inkraftsetzung des Sach­verständigengutachtens. Es rann jedoch^ beiderseits für jeden Monatsanfang mit eln>r Fcist von zehn Tagen gelündigt werden. Die B-- stiminungen bleiben dieselben mit folgenden Aenderu ngen:

Die lausende Kohlensteuer wird auf die Hälfte ermäßigt.

Die Ein- und Ausfuhrabgaben werden aus die Hälfte herabgesetzt.

Die Verkehrsabgaben für Rebenprodukte werden auf zehn Prozent ermäßigt.

Diese Ermäßigungen erhalten r u ck wir­ke n ö e Kraft vom 15. Juni ab.

Für die Zeit der Arbeitsruhe im Ruhr­bergbau werden die Lieferungen von Repara- tionskohle herabgesetzt.

Bor Unterzeichnung des Abkommens machte die S e ch s e r k v m m i s s i o n darauf aufmerksam, Laß die Verlängerung des Abkommens für August von der Möglichkeit der Finanzie­rung abhänge. Sollten die'mit der R eich s- regicrung einzuleitenden Verhandlungen keine F i'n a n z i e r u n g s m ö g l i ch k e i t ergeben so behält sich die Sechserkommission vor, den Ver­trag bis zum 31. Juli zu kündigen.

Die neue italienische Negierung.

Rom. 30 Juni. (Wolff.) Der König hat das Rücktrittsgesuch der Minister Gentilo, Corbino und Carnassa angenommen und auf Vorschlag Mussolinis ernannt:

Unterricht Senator C a s s a 11, Wirtschaft Senator Rava. öffentliche Arbeiten Abg.Sar- rochi Für das Kolonialministeriuni, das bisher Mussolini mit innehatte, wurde der Abgeordnete Lanza di Scalen in Aussicht genommen. Die Minister werden morgen vom König ver- ClÖi9®er Umbildung des Ministeriums wird von den Blättern wenig Bedeutung für die Beruhigung des Landes zugeschrieben.Popolo weist darauf hin, daß die politische 3u= sammenseyung des Ministeriums die gleiche bleibe und daß daher die Opposition dem umge­bildeten Ministerium leinen besonderen Kredit gewähren könne, um so weniger, als die neuen Mitglieder nichtgeradehervor- ragende Kräfte seien. Bon den vier neuen Ministern gehörte Rava früher der katho­lischen Volkspartei an. C a s s a t i stand fimhcr an der Spitze der reform katholischen Be­wegung. Der sizilianische Fürst Lanza di Sca- l e o war früher Unterstaatsselretär des 'Aus­wärtigen. S a r r o ch i ist ein bekannter Turiner rechtsliberaler Rechts anwalt.

seine wirtschaftlichen _ , _ vor allem auf sein berechtigtes Selbstgefühl, hat vermissen lassen. In einem Lande, das mit demselben Stvlze an seiner Geschichte "hängt wie jede andere Ration, tonnte dies nicht ohne Rückwirkung bleiben. Manche Aeußecangen vcn Staatsmännern der alliierten Mächte lassen

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zu setzen und eine Politik, die zugleich mit Lei Lösung der Reparatioasfrage auch die Bcenr-igung aller Kampsmethvden umfaßt, die bisher zur Er­zwingung dieser Lösung ungewandc wurden.

Im Vertrauen darauf, daß diese Auffassung von den alliierten Regierungen geteilt wird und unter Feststellung der ausdrücklichen Erklärung der alliierten Regierungen, daß essich bei der geforderten Generalinspeltivn um den Abschluß Zer interalliierten Militärkontrolle und um den Liebergang zu dem in Artikel 213 des Versailler Vertrags vorgesehenen Verfahrens handeln soll, ist die deutsche Regierung bereit, die General- mspektion zuzulassen.

Sie seht voraus, daß über die Modalitäten der Durchsührung eine Verständigung gefunden wirb- die es ermöglicht, die Kontrolle in eurer Werse bitrcbauf übten die bereits von dem Geiste erfüllt wird ^der die Beziehungen der Völker in -Zukunft Regeln soll, dem Geiste der Achtung und des vertrauensvollen Züfammenwrrkens. ohne den eme wirkliche Befriedigung dieser Beziehungen undenk­bar ist.

Die Antwort auf die Kontrollnote.

Zurückweisung der Rüstungsmärchen. Annahme einer letzten dreimonat lichen Kontrolle.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jedeVerbindlichkeit, Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite crtltch8, auswärts 10 Goldpfennig; für Re- Klame-Anzeigen v.70mm Breite 35 (ßolbpfetmig, Platzvorschrift 20% Auf­schlag. - Derantwortlich für Politik u. Feuilleton: Dr. Friedr. WUH. Lauge; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für dev Anzeigentell: Haus Beck, sümtllch in Viehen.

was Deutschland in den Jahren nach dem Kriege hat erleben müssen. Es liegt der deutschen Re­gierung fern, Wunden der Vcrgangenhüt auszu- reihen; aber sie muh daraus Hinweisen, 'daß diese ganze Bewegung niemals eine solche Aus­dehnung und niemals einen solchen Charakter erhalten hätte, wenn man Deutschland gegenüber von vornherein einePolitikder Ver­ständigung betrieben und ihm die g l e ich - berechtigte Mitarbeit zugestanden hätte. Das deutsche Doll hat die Empfindung, daß man ihm gegenüber jede Rücksicht auf

" ' ' ' Fähigkeiten,

von Kanih gab in der aenararten Sitzung «ne lange Erklärung ab, worin die Regierung ven ganzen Jammer zugibt, unter anderem auch «ar unerträglichen Druck der Micu»tiberixafflr pfc die Kreditnot und das Dar niederliegen der Werd' zeug- und Produktionsmittel-Industrie vevantM- wörtlich macht, im übrigen aber ver^weifell wenig Rat zur Abhilfe weiß. Die Reichsbarck gäbe an Kreditgewährung für die Landwirftc^lststhen des Guten zuviel getan. Weitere WxysellosdUe seien nicht mögliche Der Dauer müsse W bett Rcalkredit suchen. Die Erntearbeiten hofte mwr mit Hilfe der Rentenbank zu finanzieren, o»Ja nach Annahme des Dawesgutachtens Mt TM»' rungsinstitut mehr ist, also für den lan&totrt* sch östlichen Kredit nutzbar gemacht werden rönne. Welche unsicheren Aussichten? Was öte Steuern anlangt, so will der Reichssteuer-- ftslus den Landwirten ausgerechnet die wb schaftssteuer bis zum Herbst stunden. DK- wn* kommensteuervorauszuhtungen und ate Ver­mögenssteuer werden den Dauern nur dann gs- stundet wenn er das Fchlen flüssiger PKra» nachweist. Hinsichtlich des WchrbeckrageS w^' eine gewisse Gleichmäßigkeit im ganzen Rewh<! und eine erhebliche Senkung der ursprünglicher Beitragswerte versprechen. Das war alles. Mar wird die Härte der RegierungswortevÄMHvn, wenn man die Mitteilungen vernommen hat, die Reichsfinanzminister Dr. Luther im Steuer- ausschuß des Reichstages am gleichen Freitag, t^rinor Woch'' über die Einarnläge machte. Dec Mkw^ besurchket an Lev Biertellährsward-, daß die nächsten Steuerzahlungen nicht in der gv- schätzten Höhe eingehen werden. Bisher hätten ,-war die Mehreingänge überwogen, aber es stün­den auch mehr Ausgaben gegenüber. Es sei -an Loch von 470 Millionen vorhanden hauptsäch­lich infolge der Ausführung des Fried^iSvrr- träges Dies am Vorabend der neuen Abzap­fungen durch die Dawcs-Reparationen?

Soll nun der deutsche Dauer der Hauptleid­tragende dieser traurigen Wendung fein? Der Bauer war von jeher der zuverlässigste Pfeiler des Staatsbaues. Durch seinen Besitz und duvch feine Gesinnung. Wenn aber der Besitz zerfallt, wie es $um Teil in der Inflationszeit entgegen der irrtümlichen Betrachtung der Städter geschehen ist und wie es zum anderen Teil nun durch Steuerdruck und Kreditnot geschieht wird drr Landwirt auch Schwaden an seiner politischen Seele erleiden Man weiß in den Ministerien des Kabi­netts Marx sicher ganz genau, daß die Preise der landwirtschaftlichen Erzeugnisse heute 20 bis 30 Proz unter den Vorkriegspreisen stehen, wah­rend sämtliche landwirtschaftlichen Bedarfsartikel 2030 Proz teurer sind als im Frieden des Jahres 1914. Man weiß, daß der Bauer heute 2490 Prvz Wechselzinsen bezahlen muß, so daß sich die Schulden 625mal so stark aaswirken wie früher Man gesteht ein, daß der Großgrund- besitz zwei Drittel der Rentemnarkkredtte ge­schluckt hat, der Keine Bauernstand aber mlt\ einem Drittel abgefunden wurde. Man weih das alles Und man will gewiß nichtbauernseind-^ liche" Politik treiben. Aber man ist sich in den Fraktionen über die einzuschlagenden Wege noch nickt im klaren. Steuermoralorium. Schutzzölle Kredite fordern die einen in der -3toang|- wirtschaft und der Rorrnalisierung, d Y. Herab­setzung der Preise für Industrieprodukte sehen die anderen das Heil. Wobei nur zu hoffen ist. daß die Regierung selbst die Bedeutung ihrer Aufgabe und Verantwortung der Landwirtschaft gegenüber bewußt ist. Mit schönen Wortm und gut gemeinten Anträgen ist ihr nicht geholfen. Auch nicht damit, daß man alles Herl von der Londoner Konferenz erwartet, lieber fte und die von ihr erfrofft-m Kredite hinaus müssen Maß­nahmen getroffen werden, die in den Grenzen des Möglichen die deutsche Landwirtschaft vor­dem drohenden völligen Zusammenbruch bc« währen. - ~

Mae Adoo, Präsidentschafts­kandidat.

Reu York, 30. Juni. (WTD.) Bei der Ab­stimmung des demokratischen Partei - k o n v e n t s über die Dominierung der Präsi­dentschaftskandidaten erhielten im ersten Wahl- qcmq Mac Adoo 520 und der Gouverneur Smith 210 Stimmen. Die übrigen Stimmen verteile» sich auf die 17 anderen Kandidaten.

*.

William G Mac Adoo, von Beruf Rechte anwalt, ist dei^ Schwiegersohn Woodrow Wilsons, dessen Tochter Eleonor et 1914 hei­ratete Mac Adoo hatte sich bereits einen Rcuneu durch den Tunnelbau unter dem Hudson zwischen Reuyork und Hoboken gemacht, der wählend feinet Geschäftsführung der Hudson River Eisenbahn- gesellschaft erfolgte, als er 1912 zum ersten Male in der Parteipolilik als Wahlletter der Denw. kratischen Partei für WUson cmftrck^ WUson belohnte die Dienste, indem er 1913 Mac AdvH

darauf schließen, daß sich die Erkenntnis dieser Zusammenhänge Bahn zu brechen beginnt.

Im übrigen glaubt die deutsche Regierung die Tatsache feststellen zu können, daß es keine ernsthafte Miiitärpg^son gibt, die die Meinung haben könnte, daß Deutschland, selbst wenn es wollte, irgendwie imstande wäre, in Europa einen bewaffneten Konflikt hervorzurufen. Deutschlands technische Mittel, die materielle Stärke feiner 2lrmee, sind geringer als diejenigen auch sehr Heiner Staaten. Deutschland hat seit dem Frieden beispielsweise keine einzige neue Kanone herge­stellt, es besitzt gegenwärtig nicht einmal dasjenige Quantum an Munition, das ihm nach dem Ver­sailler Vertrag zusteht.

Es ist überhaupt in einen Zustand Der Waffen- lofigkeit versetzt, Der ohnegleichen in der Ge- , schichte Der Völker Dasteht.

Das deutscke Volk kann es. deshalb fehlechter- V<?fav bai/nrai'f von Kiefern Meurich- !

land eine Bedrohung des europäischen Friedens befürchtet. Die öffentliche Meinung in Deutsch­land lehnt sich gegeneineneueKon trolle von feiten der interalliierten Militärkommission deshalb auf, weil diese Kontrolle ihr ständig einenEingriffindieReichssouverä- nität vor Augen führt, der an sich schon etwa s ganz besonders Verletzendes hat und der überdies

im Vertrag von Versailles nicht mehr be­gründet '

erscheint. Sie glaubt, daß die deutsche Abrüstung, soweit sie cmerkannterinahen zu einer bestimmten Zeit durchgeführt war, für die interalliierte Mi­litärkontrollkommission auch endgültig erledigt sein muß. Die deutsche Regierung kann auch ihrerseits von dem Rechtsstandpunkt, den sie in ihren frühe­ren Roten ausführlich daraufgelegt hat, nicht ab­weichen und sie hält diesen Rechtsstandpunkt aus­drücklich aufrecht.

Wenn sie Daraus jetzt gleichwohl nicht Die praktischen Folgerungen zieht, sv ist hierbei für sie die inzwischen eingetretene Veränderung der gesamten politischen Lage bestimmend. Die deutche Regierung mußte früher unter dem Eindruck stehen daß die alliierten Regierungen die mili­tärische Kontrolle Deutschlands zu einer dauern­den Einrichtung machen wollten. Demgegenüber hat die Rote der Botschafterkonferenz vom 28. Mai den Gedanken der Einsetzung eines Garantiekvmitees anstelle der Militär- tontrollkommission fallen gelassen und die ge­forderte Generalinspektion ausdrücklich als den Schlußakt der interalliierten Militärkontrolle bezeichnet.

Die Zurückziehung der KontrollkommWon wird hierin für einen möglichst nahen Zeitpunkt in Aussicht gestellt und es wird der lebhafie Wunsch ausgesprochen, die interalliierte Milllar- lontrolle durch das im Artikel 213 des Versailler Vertrags dem Völlerbund übertragene Unter­suchungsrecht erseht zu sehen. Daraus glaubt die deutsche Regierung wahrnehmen. za können, daß die gegenwärtige Lage durch oas Bestreben gekennzeichnet wird an dre Stelle einer Politik, die von deutscher Seite als Gewaltpolitik bekämpft werden muhte,

eme Politik Der Verständigung

in der Reichstagssihung am Freitag der gangen en Woche von den Parteien eknHe^achL Dev Papierberg wanderte an biß verschiedenen zuständigen Ausschüsse. Ist dem deutschen Dauern damit geholfen? Die Frattivnen sind überzeugt daß nachdem die Krise in der Industrie und Handels weit eine kaum noch zu überbietende Schärfe erreicht hat, nun im Juli und August ÄMd furchtbare Krise über die Landwjrtf^ft ettwvV'.

Der heute vorliegende Text der deutschen Antwortnote, dessen Grundtendenz wir in einem Teil der Auflage desGießener Anzeigers" - reits gestern mitteilen konnten, dürfte in weitens Kreisen Zustimmung finden. Gewiß ist auch sie ein Dokument des beschämenden und unerträg­lichen Druckes, unter dem das wehrlose deutsche Dolk 'seit Versailles schmachtet. Gewiß ist an sich die Forderung der Entente auf eine neue Kontrolle der deutschen Reichswehr und der in Frage kommenden Industrie eine neue Beleidigung und eine äleBertretung der Bestimmungen des Versailler Vertrags. Aber man muß die Lage der deutschen Regierung und die Gesamtlage der Weltpolitik in Betracht ziehen, um verstehen zu können, daß dem Kabinett Marx die Ablehnung des Abschlusses der militärischen Konwollmah- nahmen nicht möglich schien. Und man hätte nur das eine von der deutschen Regierung er­warten müssen, daß sie Garantien daftir for­derte daß die Generalinspekttvn mit dem 30. Sep­tember tatsächlich beendet sein wird. Denn weder auf den Bestand der gegenwärtigen Re­gierungen in England und Frankreich, noch auf die freundlichen Redeiisarten in der letzten Rote Macdonalds und Herriots ist soviel Verlaß, daß wir ohne derartige förmliche Garantien eine Ge­währ für das Aufhören der Schnüffeleien haben.

Darüber hinaus muh die Rote der deutschen Regierung als klar und würdig bezeichnet werden Sie ist ein erneuter Beweis des Willens zum Frieden und zur Freiheit und wird den Hetzern in Paris eine beträchtliche Menge Wind aus den Segeln nehmen. Wie sehr dies notwendig ist beweist die Haltung der Pariser Dloc-Presse und auch der offiziösen Havasagentur, die noch gestern nachmittag, nachdem die lllote bereits übergeben war, scharf zu machen versuchten mit der Meldung, daß die deutsche Regierung nur vnh> '_ sehr schwr,.- * > ? - -

Kontrolle annehmen wolle. Um so erfreulicher ist die Haltung des vielgelefenenTemps , der diese Machenschaften verurteilt und erklärt, wenn man die Besserung bestreite, die jetzt eintrete, bringe -man es nur dahin, daß der Schwung, der die Völker aller Länder zur Zusammenarbeit im Interesse des Friedens führe, gebrochen werde. Man erreiche damit, daß Frankreich in einer Art Don Mißtrauen, das für die übrigen Ra­tionen unverständlich sei, sich isoliere. Dieses System führe nur zu den größten Unvor- fichtigkeiten, zu der Politik der großen Panik. Frankreich lehne das ab.

Die Art der Durchführung des Kon­trolle wird zeigen müssen, ob dieses Verständnis für die Rotwendigkeiten der Zeit, das in den Etlichen und offiziösen Kreisen Frankreichs zu dämmern scheint, auch bei den militarische.'H Stellen zu finden fein wird, die mit der Lo­sung der Aufgabe derGeneralinspektion betraut find. Man wird diesen Herrschaften in der deutschen Presse in aller Höflichkeit, aber auch mit aller Deutlichkeit flar machen müssen, daß es ein ungeheuerliches Opfer ist, das mit der deut­schen Reichswehr, der Hüterin der ^raditiv,i der stolzesten Militärmacht aller Zeiten und Roller, das deutsche Volk durch Annahme der neuen Kon­trolle bringt. Und daß , es ihre Aufgabe ist, mit einem Höchstmaß von Feingefühl und Rücksicht die­ser Tatsache Rechnung zu tragen. Denn selbst unter allen diesen Voraussetzungen bleibt die Kon­trolle noch immer eine Tatsache, mit der wir Deut­schen uns schwer abzufinden vermögen, 2lus dem Inhalt der Note.

Berlin, 30. Juni. Die vom deutschen Bot­schafter in Paris heute dem Präsidenten der Bot- schastskonferenz übergebene Rote besagt im wesent­lichen folgendes:

i Die deutsche Regierung hat volles Verständ­nis für den Wunsch, die internationale Lage nicht gerade in dem Augenblia zu belasten, wo die Aussicht aus eine schnelle Durch- sübrung des Sachverständigenplans die Hoffnung aufkvmmen läßt, daß eme end- aülttge Regelung der Reparationsfrage und dc^ mit zugleich die Grundlage eines allgemeinen und wirklichen Friedens zwischen den beteiligten Vol- fern aefunden werden kann. Sie will daher ihre ßtellunBrnc iiu bei Frage d-r Militärkontrolle tn dem gleichen GeistederOffenher t dar- Sjen, vön dem das Schreiben an den Herrn Reichskanzler vom 24. Juni getragen war.

Herbste Teil der Rote wiederleg die irrige : Auffassung daß Europa neue bewaffnete Kon- fickte zu befürchten Habe von der zunehmenden Aktivität deutscher Organifationen. Sie mcuht das R«ht Deutschlands auf körperliche Ei- tüchtigung der Jugend durchs Turn und ©Dortoereinc geltend und betont, baß die ^nt waffnung gewisser politischer Rerban^. die mit diesen nichts gemein hatten, rücksichtslos ^irchgefuhrt wwden sei.

Die Rote fahrt dann fort.

Dabei Witt die deutsche Regierung aber nicht ^hehlen, daß

fot deutschen Volke eine tiefgehe,we Erbitte­rung

Über die gegenwärtige Lage Deutschlands herrscht Xe Erbitterung die sich in Protesten und De- Bunftrationen Lust macht. Diese Entwicklung d-i deutschen öffentlichen Meinung kann nieman den überraschen, der sich vor Augen hält,

General-Anzeiger für Gberhessen

Druck und Verlag: Vrühl'sche Umverfitätr-Vuch- und ZLemdruckerei K Lange in Gießen. Lchrrstleitung und GeschästrsteAe: 5chulstrahe 7.

Die deutsche Regierung darf ferner der Er­wartung Ausdruck geben, daß die interalliierte Militärkontrollkommissivn die Generalinspektion mit allen Mitteln beschleunigen wird. Die deutsche Regierung bittet, als Schlußtermin für die Generalinspektion den 30. September zu bestimmen.

Die Aufnahme in Paris.

Paris 1 Juli. (WTD.) Die deutsche Ant- Uortuote in der Entwaffnungsfrage wird von der Morgenpresse eifrig besprochen. Da die Annahme ohne Vorbehalte erfolgt, ergehen sich die meisten Blätter in zum Teil recht seltsamen Ausführun­gen Über den Inhalt und die Beweisführung der deutschen Rote. Einige Blätter lassen die Ab­sicht, Mißtrauen zu säen, nur zu deutlich erkennen. _ . ,

DerMatin" schreibt: Das Reich verlangt die Versicherung, daß diese Inspektion am 3(X September zu Ende geht. Wie es scheint, tinrä man sie ihm nicht geben können. Wenn diese Inventur als Schlußinventur gilt, wenn die Alli­ierten die Militärkontrolle dann dem Völkerbund anvertrauen wollen, dann muß die ^Intersuchung vollkommen sein, und kein Punkt darf im dunklen gelassen werden. ' r

DerPetit Parisien" schreibt: Die Behaup­tungen der deutschen Regierung stimmen nur we­nig mit Rollets Berichten und Lenen des Ge­nerals Degoutte überein. Wenn sie alle richtig wären, warum sind dann die Mitglieder der Kon­trollkommission über mehr als ein Jahr behin­dert worden, ihre Aufgabe Lurchzuführen?

DasEcho de Paris" sagt: Der Text der deutschen Rote fei unverständlich und mit Fuß­angeln versehen.

DerGaulvis" sagt: Wenn man noch daran hätte zweifeln können, .welch erbevlicken Einfluß^ , Lie ui tXri rttnzv, ilck/Lkft PdiiiiteingeicrienL * Wen? öung auf die Stimmung in Deutschland gehabt hat, so habe man nur die deutsche Antwort zu lesen um vollkommen im klaren zu fein. Seit­dem die Anwesenheit der Gendarmen nicht mehr zu befürchten sei, die sich nicht mit Worten abspei- fen lassen und die den Deutschen jeden Augenblick ins Gedächtnis zurückriefen, daß sie besiegt seien, habe Deutschland feine ganze Anmaßung wieder-