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Mai.

«Alles neu macht der Mai!" Deshalb toirb der Beginn dreies Lust- und Wonnemonats von altersher festlich begangen, und eine grobe Zahl von Frühlingsbräuchen sind auf den 1. Mai vereinigt- (Nachdem in der Walpurgisnacht die Hexen und bösen Geister noch einmal ihr dunkleS Treiben mit aller Kraft entfaltet haben und man sich durch allen möglichen Spektakel, durch lodernde Feuer und kräftige Segenssprüche gegen die Dämonen zu schuhen gesucht hatte, beginnt mit dem Aufgang der Sonne am l. Mai der Hubel über den Anbruch der schönen Jahreszeit. Mit lustiger Musik wird der Maieneingeblasen", und es gibt sogar Orte, bei denen am Maitag der Küster auf der Orgel ein fröhliches Stückchen spielt, das den Gesang des Kuckucks nachahmt. Hie und da werden auch die Glocken geläutet. Vor allem feiert man den Mai mit den lieblichen Kindern des jungen Frühlings, mit den Blumen Und den frisch ergründetenMaien", hauptsächlich Zweigen von Dirlen und Tannen, aber auch ganzen Daumen, von denen die Aeste und die Binde beseitigt werden, so daß nur noch die grünen Wipfel leuchten. Der Maibaum, ursprüng­lich ein Sinnbild der Fruchtbarkeit der neuerwach­ten Ratur, ist überall der lieblichste Schmuck des Maifestes; aber von seiner früheren manischen Kraft hat er auch noch etwas behalten, uibem man das Bieh und die Brunnen damit schmückt, um die Tiere gesund und das Wasser rein und erguickend zu halten. Die jungen Burschen setzen ihren Schätzen solche Maibäume vor die Tür unb halten wohl bis zum Morgen neben derMaie" Wache, damit nicht ein anderer den Gruß an die Herzallerliebste vor eine andere Tür pflanze. Gar eindrucksvoll ist die Liebessprache der Maien, ^äht das Mädchen das Bäumchen tagsüber

-kusch« vEyatzlen, Dann tottb bas französische Parlament sich sehr eifrig mit der Frage be­schäftig««, ob man 300 Millionen für Besatzung aus der Tasche der französischen Steuerzckhleo nehmen soll.

Wir waren «ns im Kabinett darüber Nar, daß es töricht wäre, wenn jetzt, wo die Anfrage an «ns kam, ob wir sachlich arbeiten wollten, wir ein Unannehmbar sagten. Mir hatten da die ganze Well gegen uns und Poincare hatte freie Hand bekommen.

Werne Meinung ist, daß, wenn wir das Gut­achten annehmen, wir dafür zu sorgen haben, das diese politischen Voraussehunger erfüllt werden unb bah darüber hinaus sicher­gestellt wirb die Rückkehr sämtlicher Gefangenen, die Frankreich aus dem Ruhrkampf, aus dem Polenaufstand unb aus Oberschlesiens Besetzung noch bei sich hat. Daher stehe ich auf dem Ötanb- purckt, auch Leistungen, soweit ich sie für erträg­lich halte, auf uns zu nehmen wegen der Frei­heit im besetzten Gebiet.

Die Politik der Reichsregierung ist getragen von der Verantwortung, dah man in dieser Zeit, wenn man eine andere Macht nicht hat, zunächst einmal für eines zu sorgen hat, dah wir we­nigstens einige Jahre ruhiger und friedlicher Ent­wicklung vor uns haben, dah wir wissen, wo unsere Grenzen sind, dah Poincarß nicht Land besetzen kann wie es ihm paßt, dah wir einen Konnex Herstellen mit 12 Millionen Deutschen im befetjten übrigen Deutschland. Die Entscheidung, vor der wir stehen, ist, ob die Politik <Lud- wigs XIV. im 20. Jahrhundert sich durchsetzen füll und ob Frankreich am Rhein blei­ben und weiter hinaus das ganze Wirtschafts­gebiet und die größte Waffenschmiede der Welt für feine imperialistischen Zwecke fein eigen nennen soll, oder ob dieser französische Imperia­lismus gebrochen und die Reichsein­heit wiederhergestellt werden soll. Well ich die Politik heute vor die finanziellen Fragen stelle, sage ich: es wäre eine erbärmliche Regierung, die auch nicht das letzte täte, um Rhein und Ruhr wieder zu gewinnen.

Die Umwandlung der Reichsbahn.

Berlin, 30. April. (WTD.) 3m Reichs- verkebrsministerium tagte ein zu gleichen Tellen aus Vertretern des Personals unb der Ver­waltung bestehender Organisationsausschuß unter dem Vorsitze des Staatssekretärs Kum° bi er. Es fand eine eingehende Aussprache über das Sachverständigengutachten und seine Aus­wirkung auf die Gestaltung der deutschen Reichs­bahn statt. Einen weiten Raum in der Debatte nahm die Frage der Wahrung bet Rechte des Sisenbahnpersonals ein. Es wurde die Befürchtung ausgesprochen, dah bei der Heber« führung der Reichsbahn in eine Aktienge­sellschaft die wohlerworbenen Rechte des Per­sonals gefährdet fein werden. Der Otgani- sationSasuschuh beschloß fchliehlich, beim Reichs­verkehrsminister die Forderung zu erheben, dah die Regelung der Personalfrage als eine be­sonders lebenswichtige und dringende vom Reichs- verkehrsminist erium zusammen mit den Organi­sationen so schnell wie möglich vorweg be­handelt werden solle.

Rerchsminister Sttesemmm

Hat auf zahlreiche Anfragen über seine Stellung fum Derufsbeamtentum folgende Erklärung ab­gegeben: Die Annahme des Sachverstänbigengat- <ichtens als Derchandlungsgr unblage hat anschei­nend die Besorgnis erweckt, dah dadurch eine Entwicklung angebahnt würde, die die Um­wandlung des Derufsbeamtenver- h ä l t n i s s e s bei der Eisenbahn in ein An­ge st elltenverhältnis mit privatem Dienst­vertrag zum Ziele 'hat. Etwas derartiges ist nicht in Aussichtgenommen. Die Regie­rung steht vielmehr auf bem Stanbpunkt, dah chaS Bcokssbeamtentum unter allen Umftänbea auf» rechjerhalten werden und feine wirtschaftliche Lage verbessert werden müsse. Sobald Mittel zur Verfügung stehen müssen die Bezüge der Be­amten erhöht werden. Ob unb wann dies im aus­reichendem Maße geschahen kann, hängt im wesent­lichen von der austerpolitischen Entwicklung ab. Auch hier ist entscheidend die Frage, ob wir ein .M Oratorium erhalten, das uns die Danie- "rung des /Haushaltes ermöglicht. Die Mittel, die bann erübrigt werden, müssen in erster Linie den Beamten zufliesten.

Die interalliierte Konferenz.

DieChicago Tribüne" will wissen, dah es rächt ausgeschlossen fei, bah Poincar 6 und Macdonald der belgisch-italieni­schen Konferenz am 18. Mai in Mailand beiwohnen würden. Am Quai d'Orsai schwanke

man zwischen diesem Plan und einem anderen, wonach Poincars kurz nach den französischen Wahlen am 13. ober 14. Mai zur Besprechung mit Macdonald nach London reifen würbe

Die kommunistischen Umtriebe im Ruhrgebiet.

Gelsenkirchen, 30. April. (WTD.) Bei der Aushebung eines Kommunisten- netzes in einem Hinterhause der Schillerstraße kam es heute früh zu cir em Feuergefecht zwischen der Polizei and Kommunisten. Auch die Feuerwehr wurde zu Hilfe gerufen. Da sich die Kommunisten nicht ergeben wollten, wurden sie fchliehlich nach stundenlanger Belagerung aus- geräuchert. Einer erschoh sich, ein anderer ist anscheinend erstickt. Der Kriminalbeamte Dludau wurde durch mehrere Schüsse so schwer verletzt, dah er im Krankenhaus starb. Ein anderer Beamter wurde ebenfalls erheblich ver­letzt. Hier ist ferner ein Kurier der Berliner Zentrale der Kommunistischen Partei' festgenommen worden, welcher die Auf­gabe hatte, mit allen Mitteln zu versuchen, d i e d}a)jngu)a^n^ aag B u n ag;n j g qa} a}3& z u verhindern. 3n einer geheimen Zusam­menkunft der Kommunisten würbe auch der Plan für einen Anschlag auf die ZechenWilhel­mine Victoria" undGraf Bismarck" entworfen.

Die Beisetzung Helfferichs.

Mannheim, 30. April. (Wolff.) Aas dem "hiesigen Friedhof wurden die sterblichen Heber» reftc Dr. Helfferichs und seiner Mutter ^ur> Ein­äscherung gebracht. Unter bem Portikus ces Kre­matoriums 'hatten die Familienangehörigen unb die Vertreter der Regierungen und Behörden Aufstellung genommen. Den T.eppenaafgang flan­kierten die studentischen Abordnungen der Uni­versität Heidelberg, der Technischen Hochschulen Karlsruhe und Darmstadt und der Handelshoch­schule Mannheim. Auf der obersten Treppenstufe standen, umgeben von reichen Kranzspenden, die beiden Särge. Rach einem Trauermarsche der Musillapelle 'hielt Konsistorialvat Fischer- Ber­lin die Gedächtnisrede auf den so tragisch ums Leven gekommenen Staatsmann, dessen Leben der Wissenschaft und Wirtschaft gewidmet war, der sich nicht allein mit bem Rühm des-Gelehrten be­gnügte, sondern dessen Wissen sich in den Willen umsehte, zu gestatten und zu formen, besonders als er in rastloser Wiederaufbauarbeit für das niedergebrochene Vaterland seine Kräfte einsehte. Hierauf überbrachte Reichsfinanzmini st er D r. Luther die letzten Grütze der Reichsregie­rung für den früheren Reichsschatzsekretär und Vizekanzler und feierte ihn als einen Mann schöp­ferischen Denkens, des Willens und der Tat.i 3m Ramen des Reichstagspräsidiums spracht Vize­präsident Diettrich: die Bedeutung Helfferichs für die Pfalz würdigte der Präsident der Pfalz- regierung Matheus: bem letzten Ehrenbürger von Reuflabt ank«r Harbt widmete Bürgermeister Dr. Fort Huber ehrende Worte. Mit den Klängen des Riederländischen Dankgebetes schloß die Feier, während sich die Fahnen und «Schläger der Studentenschaft über den Bahren senkten, worauf diese in die Halle getragen und unter einem Gebet des Geistlichen den Flammen über­geben wurden. i

General von Seeckt in Bayern.

München, 30. April. (Wolff.) Anläßlich der Anwesenheit des Generalsv. Seecktin Mün­chen hat in der Landeskommandantur ein großer Empfang stattgefunden, dem u. a. Mitglieder der Regierung, der Runttus Pacelli und die Kommandeure des Standortes München beiwohn­ten. General von Seeckt, der gestern einer Feld­dienstübung der Münchener Garnison beigewohnt hatte, begibt sich heute vormittag nach Regens­burg zu einer Besichtigung des dortigen Reichs­wehr regiments. 3n seiner Begleitung befindet sich der bayrische Landeskommandant Generalleutnant Freiherr Kreß von Kressen stein.

Polnischer Größenwahn.

Warschau, 29. April. (WTB.) Anläßlich der Eröffnung der Posener Messe hielt Staats- präsLent Wvj cj lechvws ki im Rathaus eine Rebe, in der er x a. sagte: Die notwendig^ Bedingung unserer Existenz als Staat ist die Vereinigung der polnischen Län­der, denn Polen kann nur alS Großmacht existieren. Wir haben viel von dem erreicht, was uns zustand. Aber man muh sagen, daß wir noch nicht alles erreichten, bah noch nicht alle polnischen Länder, noch nicht alle für die Vollkommenheit unseres Lebens unerläßlichen Zentren mit der Mutter vereinigt sind. Aus

stehen, so bedeutet das Gegenliebe; stößt sie ihn aber am, so erhält der Bursch damit einen Korb. Ehrenmaien" werden auch wohl bem Bürger­meister und Pfarrer gestiftet, während dir an­rüchigen Mädchen einenSchandmai" in Gestalt eines alten Besens oder ein paar zerrissener Lumpen und Schuhe vor bas Fenster gesetzt bekommen. 3n der Verwendung der verschiedenen Maienzweige hat sich eine ganzeDlumensprache" ausgebildet. Das brave Mädchen bekommt einen Tuchenzweig, die Schlimme einen Hollunder­strauch. Verschiedentlich wird auch der Kirschbaum alsSchandmai" benutzt. Besonders feierlich ist die Auspflanzung des gemeinsamen Dorfmai- baumes, dessen Segen die ganze Gemeinde ge­nießt. Er wird nachts in aller Heimlichkeit von den Burschen des Ortes gehauen unb eingebracht, mit Fahnen, Bändern und Kränzen, wohl auch mit allerlei Bildern und Figuren geziert und in der Mitte des Dorf Platz es oder vor oem Wirts­haus ausgestellt. Fröhliche Tänze und Wett- Ilettern mit allerlei Preisen verschönen die Feste, die um die Dorsmaien abgehalten werden. Rach einiger Zeit wird er versteigert ober verbrannt: manchmal aber bleibt er auch das ganze Hahr über stehen. Bei den Tänzen um den Maibaum wird eineMaibraut" oberMaienkönigin" ge­wählt, ein uralter Rachklanq der alten Maigrafen, die vom Könige einMcrilehen" erhielten. Auch dasMaimännchen" ober berMaikönig" fehlt nicht in unseren Volksbräuchen, und es haben sich noch Festspiele erhalten, die an die uralte Dar­stellung des Kampfes zwischen Sommer unb Winter, den Keim des deutschen Vollsdramas, ge­mahnen. Bei den Maigängen am frühen Morgen wäscht man sich im Maientau, der eine besonders weiche und reine Haut verleiht. Das Vieh wird am 1. Mai zum erstenmal in festlichem Zuge aus- getrieben, und ber Hirt spart nicht an grünen

diesen Worien soll man nicht den Schluß ziehen, daß ichzum Kriege aufrufe. Ich glaube an die große Macht polnischer Arbeit und pol­nischer Kultur, die uns erlauben wird, mit ber Zeit das zu erreichen, was wir bisher nicht erreichten. Sodann erinnerte Wojciechowski an die Einweihung der Flugzeugfabrik, die baxu mahne, auch an die (Notwendigkeit mili­tärischer Siärke zu denken, und fuhr fort, die große Bebrütung der Finanzfanierung besteht auch darin, daß sie uns erlaubt, ein stär­keres Wort zu führen in allen Streitigkeiten auf internationalem Gebiete. Solange wir als schwacher unb kranker Orgn.smus betrachtet wur­den, der v.elleicht ausländischer Kuratel bedürfe, solange konnte die Stimme Polens nicht so scharf und stolz Hingen, wie unsere Staatswürde es verlangt. Erst heute kommt ber Augenblick, wo wir dank ber F nanzsanierung unsere Verteidigungs- mittel und unser Militär auf einen solchen Fuß stellen können, daß es niemand wagen toirb, nach polnischem Lande zu streben ober auch unsere inneren Rechte zu schmälern, dah es niemand wagen toirb, den Richter zu spielen zwischen ber Regierung unb den Bürgern bes polnischen Staates.

----- ----- - «M Belgien und Rußland.

Die belgische Regierung hat ihren Bot­schafter in London beauftragt, mit Rakowski, bem Delegierten ber russischen Sowjetregierung, Fühlung zu nehmen. Während der Anwesen­heit der Minister T h e u n i s und Hymans tn Chequers wird auch über das russische Problem gesprochen werden. Die bereits vor kurzem be­gonnenen Verhandlungen ber belgischen Regie­rung mit der Sowjetregierung über die Wieoer- anknüpfung der Beziehungen sind ziemlich wert vorangeschritten, so daß mit ber Moglichkkeit ge­rechnet wird, offizielle Unterhändler zu ernennen und die für die Untereren des Hafens von Ant­werpen unb bie belgische 3nbuftrie so wesent­lichen Unterhandlungen zu fördern.

Das Programm des dänischen Sozialistenkabinetts.

Kopenhagen, 30. Aprll. (Wolff.) Mi­nisterpräsident S t a u n i ng gab eine Erklärung über das Programm des Ministeriums ab, Morin es heißt: Das Ministerium ging aus ber J ozial- bemokratischen Partei 'tyertior, deren Programm das Ziel seiner Arbeit sein werde. Die Außenpo litik des Mini­steriums wolle biejenigen Ziele verfolgen, die mit Zustimmung aller verantwortlichen Stellen in den letzten Jähren verfolgt worden ist, und bereu Zweck sei, Dänemark ein gutes unb freundschaft­liches Verhältnis zu den anderen Rationen zu sichern. Hieraus ergebe sich auch, daß die R e g e - lung der deutsch-dänischen Grenz­frage vollauf respektiert werde und es werde auch von vornherein das Ziel verfolgt, eine frei­sinnige unb gerechte Ordnung ber Sprachen-- unb Rationalitäten Verhältnisse in den Grenzgegenden zu sichern. Frrner toirb eine Reihe von Maßnahmen zur Stabilisierung dec» Nischen Valuta, zur Bekämpfung der ArbÄtslosig- kelt, zur Förderung der dänischen Produktion usw. angefünblgt. i

Kleine politische Nachrichten.

Zur Reichstagswahl liegen vor: 486 Kreiswahlvorschläge (gegen 296 im Jahre 1920) itnb 23 Reichswahlvorschläge (gegen 15). Zn den Kreiswahlvor schlagen sind 4514 unb in den Reichs­wahlvorschlägen 428 Kandidaten aufgeführt. Die meisten Kandidaten (26) bringt der Wahlvorschlag Rr. 4 ber Deals ^nationalen Volks Partei im Wahlkreise 22 Düsseldorf-Ost und die wenigsten, nämlich 1, ber Wahlvorschlag ber Zentramspar ei im Wahlkreis 11 Merseburg Unter den 23 UchS- wahlvorschlägen enthält ber Reichswahlvorschlag Rr. 16 des Häußerbunbes nicht weniger als 50 Ramen. <

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Die Fachgewerkschaft deutscher Eisenbahnfahrbeamten hat sich mit ber Gewerkschaft deutscher ReichsbahBximten zusam- mengetan. Die Bereinigung führt den Ramen Gewrrkschaftsbund deutscher Reichsbahnbeamten" unb toirb als Gvohorganlsatwn der Eisenbahn« beamten anerkannt.

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Eine Revierkonferen; des Verbandes ber Bergarbeiter Deutschlands für das Ruhr­gebiet hat ben Schiedsspruch vom 23. Aprll über bie Lohnfrage angenommen, dagegen den Schiedsspruch vorn 28. April über die Mehr­arbeit abgelehnt und beschlossen, nach dem 30. Aprll die alte Siebenstundenschicht, über Tag acht Stunden, zu verfahren. Der Zechenver-

Zweigen und bunten Bändern, um seine Kühe stattlich herzurichten, besprengt sie beim ersten Austrieb mit bem heiligen Wasser der Quelle. Auch die Menschen werben mit Wasser be­gossen ober mit bem glückbringenden Schlage der Mairute bedacht.

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Die Preisentwicklung aus dem Kunstmarkt.

Bei Rudolf Bangel, Frankfurt a. M. fand am 15. April die Versteigerung der Sammlung des verstorbenen Herrn von Baviez statt, die Gemälde aus drei Jahrhunderten, 17. bis 19., vorwiegend jedoch Arbeiten der deutschen und französischen Schule des 19. Jahrhunderts um­faßte. Die Gemäldesammlung war ergänzt durch einige interessante Tapisserien des 18. Jabrijun- derts aus der Manufaktur Beauvais. Trotz der angespannten Geldlage versammelte die Versteige­rung einen großen Interessentenkreis deutscher und ausländischer Sammler: auch viele Vertreter des deutschen Kunsthandels waren anwesend. Die auffallendste Erscheinung war die Tatsache, dah für Gemälde guter Qualität, sowohl deutscher wie französischer Kunst, die Vorkriegs­preise weit überboten wurden, während die Rachfrage nach Bildern mittlerer Quali­tät und von Künstlern untergeordneten Ranges, die während der Inflationszeit ebenfalls sehr hoch bezahlt wurden, erheblich zurückge gan­gen ist: aber auch diese überfliegen bie Preise der Vorkriegszeit ganz bedeutend.

Die Sammlung enthielt einige besonders be­achtenswerte Stücke, die heiß umstritten waren. Die Versteigerung dürfte dazu beitragen, für die Beurteilung des Kunftmarkts greifbare Unter­lagen zu schaffen. Insgesamt erbrachte die Samm­lung ben Betrag von über 300 000 Mk. Aus der großen Zahl der zur Versteigerung gelangten Gemälde seien folgende Einzelpreise erwähnt:

bann Dagegen hat ben am 23. Aprll gcflEn» Schiedsspruch, ber eine Lohnerhöhung tm Ruhr- bergbau um 15 Prvz. vorsieht, abgelehnt.

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Der Vorstand bes bayerischen Dmigewerb» Verbandes hat einstimmig beschlossen, sänttliche Bauarbeiter in Bayern auszusper- rcn. Es dürsten etwa 40000 bis 50 000 Ar­beiter in Frage kommen. Dis jetzt streiken bereits mehr als 60 Prozent der Bauarbeiter.

Das russische Volkskommissariat für Ver­kehrswesen hat dem deutschen Vorschlag, wonach in Moskau zum 11. Mai eine deu tsch-russi- sche Cisenbahnkonferenz cinberafen wer­ben soll, in der die Einzelheiten der Frage einer direkten Verbindung zwischen Deutschland unb der Sowjet-Union besprochen werden sollen, als annehmbar anerkannt. *

Rach dem Brüsseler Berichterstatter bes Oeuvre" ist gestern abend zum Besuche des eng­lischen Botschafters Lord Crewe Marschall Haig in Paris eingetroffen. Der Bericht­erstatter meint, der Besuch fei vielleicht nicht ohme politische Bedeutung.

In dem Lokal der Faszisten-Partei in Parts, deren Vorstand gestern vormittag kurz nach 10 Uhr eine Sitzung ab hatten wollte, wurde durch einen Unbekannten eine ^Bombe niedergelegt, die explodierte und eine antoefenbe Italienerin leicht verletzte.

Aus Stadt und Land.

Gießen, ben 1. Mai 1924.

Für unsere alten Leute.

Von ber WinternothUfe Gießen 1923 wirb unS geschrieben:

Am 28. Aprll trat derArbeitsaasschah ber Gießener W i n ter n o t h i lsc zu einer Beratung über die Frage der Fortsetz ang der Volksspeisung z ifammen. Die Tätigkeit der Winternolhllfe war von vornherein nur für bie Zeit bis Ende Aprll 1924 gedacht. Es war daher der Zeitpunkt gekommen, sich nunmehr über eine Schließung der Volksküche und Auflösung der Winternothilfe schlüssig zr werden. Gegenüber den schwierigen Tagen und Wochen des Herbstes 1923, in denen die Winternothilfe ins Leben ge­rufen wurde, hat sich die allgemeine Lage wesent­lich verbessert. Die Zahl der Erwerbslosen, bie damals etwa 1200 betrug, ist auf etwa 120 zurück- gegangen. Die Erwerbslosenunterftühung toirb nach Pressemittellungen in nächster Zeit am 20 % erhöht. Wenn der Ausschuß trotzdem beschlossen hat, die Speisungen nicht einzu st eilen, sondern mit Einschränkungweiter­zuführen, so hat ihn dazu die Lage nuferer alten Leute, insbesondere der Rentner, be­stimmt. Gerade sie haben die Speisung in ber hier in Gießen gewählten Form sehr schätzen ge­lernt. Das anfängliche Vorurteil gegen öffentliche Speisungen ist in diesen Kreisen durchaus ver­schwunden. Es wäre tief bedauerlich, wenn man den alten Leuten die Speisungen jetzt entziehen wollte, da sie sich sehr daran gewohnt haben und da ihre Unterstützung noch, immer ganz außer­ordentlich dürftig ist. Die Höchstunterstütz ungs- sätze des Reiches für Kleinrentner betrugen zuletzt monatlich: für ein Reniner-Ehepaar 25,20 Mk., für einen alleinstehenden Rentner 21 Mk., für eine alleinstehende Rentnerin 12,60 Mk. Die Bezüge eines Sozialrentners belaufen sich auf monatlich: für einen Invaliden rentenempfänger insgesamt 23,50 Mk., für eine Witwenrenteneinpfängerrn auf insgesamt 15,30 Mk. Diese Höchstsätze sind zwar durchs die neue Fürsorgegesetzgebung aufgehoben, gleichzeitig aber ist die gesamte Last der Rentner­fürsorge den Städten aufgebürdet worden. Es wird bas Bestreben der städtischen Verwaltungen sein, die Lage der Rentner nach Mög­lichkeit zu verbessern unb ihnen das zum Leben Rotwendige zu schaffen. Aber im Augen­blick ist die finanzillle Lage der Gemeinden noch viel zu unübersichtlich, als daß sie es wagen könn­ten, die Sähe der Rentnerfürsorge zu erhöhen unb damit Leistungen auf sich zu nehmen, die das Reich nicht hat tragen formen, obwohl sie notwendig ge­wesen wären. Die Speisungen sollen cllso fortgesetzt werden, jedoch beschräntt auf männlichePersvnen über60unbtoelb- lichePersonen überöOIahre. Ausnah­men sind nur für besonders durch Unterernährung gefährdete Kinder und in Fällen allerdringend- fter Rot zulässig. Die Zahl der Speiseplähe wird damit etwa auf die Hälfte verringert werden. Eine Fortführung der Speisungen im bisherigen Um­fange würden die vorhandenen und zu erwarten­den Mittel nicht mehr gestatten, dagegen steht zu

Drei zusammengehörige Beauvais-Tapisserien 35 000 G.-Mk., Arnold Böcklin, erste Fassung derVilla am Meere" 5000, Heinrich von Zügel Ochsengespann" 13 500, Carl SpitzwegLand­schaft mit Staffage" 12 000, Franz von Defregger Guitarrespieler" 7000, Adolf SchreyerTroika" 5000, derselbePferde im Schneesturm" 2300, Adolf von MenzelArbeiter im Walzwerk" 5200, Anton BurgerHeidelandschaft" 4000, der« selbeAus einem Taunusstädtchen" 1500, Enger BrachtSchafe im Hochgebirge" 4300, Franz WagnerDavid und Saul" 3200, Adolf Hengeler «Puttenzug" 3200, Josef WengleinLandschaft" 2900, Oskar KokoschkaHerrenporträt" 2900, Ioh. Christian Claußen DahlFjordlandschaft" 2300, Eduard von SteinteDie heilige Maria Aegyp- tiaca" 1600, Anton DraithKühe" 1900, Michael Zeno DiemerAuf hoher See" 1500, Gabriel von Max .Mädchenkopf" 1700, Carl IutzGeflügel- Hof" 1200, Robert SchleichViehmarkt" 1100, Eduard SchleichSchulkinder" 1000, Lovis Co­rinthWalhalla" 1800, Claude MonetLand­schaft bei Veteuil" 5000, Gustave CourbetSchnee­landschaft" 5000, derselbeBildnis eines Malers" 5800, derselbeSkizze zu der bekannten Grotte" 1800, Francois Pascal GsrardKönig Isrome in der Schlacht bei Liegnih" 2700, Camille Pissarro Auf der Weide" 2630, derselbeHeuernte" 2100, Louis Gabriel Eugöne IsabehSturm" 3200. F. F. Philibett ZiemReapolitanische Fischer" 2500, derselbeIn der Wüste" 2100, Paul Ga° BarniVorstabtsest" 2400, Jean Antoine Theo­dore GudinAn der Küste" 1800, Alexandre Gabriel DecampsIn Reapel" 1000, derselbe Die Prozession" 1700, Edgar DegasTänze- rinnen^ 1400, Adolphe MonticelliIm Park^ 1500, Eugene Louis BoudinMarine" 660, der­selbeHafen" 800, Honor6 DaumierEattlm- banque 800 G.-Wk.