Donnerstag, I. Mat 1924
U4. Zahrgang
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Gefühl und Vernunft in der Politik.
Don Warte Dousset.
Gleich einer eiskalten Glut soll nach dem Ausspruch eines antiken Philosophen die ßct2en- schaft des Politikers beschaffen fein. Wit der glühenden Liebe zu Volk und €>taat soll sich der kalt wägend« Verstand verbinden, jene nüchterne äleberlegung, die unbeeinträchtigt vom aufquel- lenden Gefühl, ja oft ihm entgegen, das Augenmerk nur auf daS richtet, was unter den jeweiligen Verhältnissen für das Interesse des Staates notwendig, zweckmässig, erreichbar ist. Da heute vor entscheidungsvollen Wahlen ein jeder von uns ein bihchen Politiker sein muh, wollen wir unS einmal prüfen, wie weit unsere politische Auffassung jener Forderung entspricht.
Wir Frauen müssen wohl bekennen, dah es uns da, wo überhaupt politisches Interesse vorhanden ist. gewih nicht an leidenschaftlicher Er- sassung und Hingabe mangelt, dah es uns aber schwer wird, den kühl prüfenden Verstand zugllich sprechen zu lassen. Unt> was ist in dieser Feit natürlicher als dies? Welches vaterländisch empfindende Frauenherz fühlte nicht Trauer und Empörung über die Schmach, dir uns unfere Feinde immer von neuem antun? Welches G rn.it bäum e sich nicht auf gegen das furchtbare Schicksal, das und der Friedensvertvag von Versailles bereitet? Wie gerne stimmte man gefühlsmäßig den Leu en zu, die da rufen: „3erreif>en wir doch diesen Schandvertrag, einerlei, welche Folgen cd hat. Lieber untergehen, als in dieser Schmach toelter- leben?“
Wie psychologisch verständlich ist diese St m° mang — und deinwch wie verkehrt wäre es, ihr nachzugebcn! Denn jede ruhige Erwägung sagt und, dah eine Befolgung jener Forderung Katastrophen heraufbeschworen würde, wie wir sie bisher noch nicht erlebt. Aber vor diesen unausbleiblichen Folgen verschließen sich viele Frauen, lassen sich ganz von ihrem Gefühl beherrschen, und alle verständige Einsicht wird zum Schweigen gebracht. Allerdings — über die Phantasterei eines siegreichen Krieges unseres entwaffneten Volles gegen die mit ungeheuren Mitteln ausgerüstete Vtacht unserer Feinde herrscht unter den denkenden Frauen aller Streife jetzt nur e i n Urteil Aber man beschwichtigt die aufsteigenden Bedenken damit, dah die Franzosen schon aus Furcht vor uns uns in Ruhe lassen würden, dah es nicht gar viel schlimmer werden könne, als es jetzt schon ist. Das heitzt: die Augen vor der Wirklichkeit verschliehen und Prsiittk machen mit guten Wünschen. Vaumann nannte das polili'che Schwarmgeister ei. Sollten die Leiden ter Auhr- bevölkerung, wo 60 Prozent trotz teilweise aus- genommener Arbeit noch immer unterstützungsbedürftig sind, uns nicht eine ernste Mahnung fein? Wissen wir denn nicht, dah die Franzosen ihr Ziel, bte Zertrümmerung des D.utschrn Deiches, längst erreicht Hütten, wenn die anderen Ententestaaten sie nicht daran gehindert? Doch tragt uns alle das, wenn auch etwas geloderte, doch immer noch sichere Staatsgefüge; dtcse Grundlage unseres Lebens ist uns etwas so Selbstverständliches, dah wir uns von den Zuständen nach ihrem vollständigen Zusammenbruch kaum eine Vorstellung machen können. Aber haben wir richt in den vergangenen Herbstnronaten eine kl ine Ahnung — allerdings nur eine ganz ungefähre — von dem bekommen, was wirtschaftliche und staatliche Auflösung bedeutet?
Hüten wir Frauen uns davor, solchen allzu leichthin gesprochenen Wo.ten Glauben zu schen- ten, die nur vpn Weltfremdheit und fehlender Einsicht in die ganze furchtbare Tragik nuferer Lage zeugen. Wir, die wir jetzt in vollem Matze Träger des Staates find, wie die Männer, sollten im Dewutztsein unserer Verantwortung den Dingen auf ihren tiefernsten Grund schauen und uns unseren Haien Blick, unser gesundes Denken nicht einhüllen lassen durch solchen Trugnebel, der in der rauhen Lust der nackten Wirllichkeit zer- ffcrttert. Kein anscheinend noch so heroischer Verzweiflungsschritt, der den Bestand von Staat und Dost aufs Spiel setzt, kann uns retten, er würde das Deutsche Deich vi.lmchc der Vernichtung audliefem.
Was aber gilt eS, in unserer schier hoffnungslosen Lage denn zu tun? In trefflicher Weise gibt Antwort aus diese Frage die kü-zlich erschienene kleine Schrift „Nationale A utzen- politik" des Götlinger Historsters Dr. Wllhelm Mommsen, die uns in übersichtlichen, klar gegliederten Ausführungen einen Einblick in die Hauptprobleme der gegenwärtigen Autzenpoliill gibt. Sie gipfeln in der Beweisführung, dah es für uns nur einen einzigen Weg der Rettung gibt, den der vielgenannten Verständigungspolitik. Es ist ein mühsamer, entsagungsvoller, demütiger Weg, den gef^n zu müssen, unser blutendes He z sich sträubt. Aber er ist die einzige Möglichkeit, Katastrophen zu verhüten, die unsere Etaats- einheit zerschlagen, uns Zeitgewinn zu brüt en und uns dadurch die Aussicht auf langsame Minderung und Befreiung von dem auf uns lastenden ®rud zu geben.
Diese Politik ist nicht unehrenhaft, sondern wahrhaft national, weil sie ein Einsetzen aller Kräfte zur Erhaltung von Volk und Staat bedeutet. llnb hier wäre in gewissem Sinne eine Bereinigung von Gefühl und Vernunft erreicht. Denn bie Vaterlandsliebe besteht doch nicht nur in den gewitz nur allzu berechtigten Empfindungen dar Empörung gegen die Feinde, stärker ist das positive Dewutztsein der Gemeinschaft, der unauflöslichen Verbundenheit mit unserem Tv'ke, das urjfer alltägliches Tun beseelt, das Opfer und Mühe — in geduldiger, aus harrender Ar bett gebracht — adelt, cd ist die immer von neuem in
Vor einer neuen Separatistenaera.
Die „Neutralität" der Rheinlandkommisston. — General de Metz und seine separatistischen Schützlinge.
Köln. 30. April. (WB.) Die von dem französischen Provinzdelrgierten für die Pfalz wegen eines Anschlages auf den separatistisch g sinnien Dü. gemeiner Helfrich to.i Münschweller und wegen der Verhaftung seines Sohnes im rech.s- rheinischen Deutschland angeblich im Auftrage derRheinland komm iss i on an die pfälzische Kreisregierung in Speyer gerich eten □lote entbehrt jeder Rechtsgrundlage. Wenn der Provin^delegierte feinen Eingriffen In dis deutsche Justiz Hoheit den Schein einer rechtlichen Begründung durch den Hinweis auf verschiedene Ordonnanzen zu geben versucht, so Leht die,e Behauptung fehl: denn jene dkrorbnungen enthaften lediglich die Vorschrift, dah keine Behörde im unbesetzten Deutschland im besetzten Gebiet Verhaftungen vornehmen dürfe.
Dei der Entführung deS jungen Helfrich hat aber irgendeine amtliche Mitwirkung nicht stattgefuuden. Das von den rechtsrheinischen deutschen Behörden gegen ihn angestrengte Verfahren ist aber eine rein innerdeutsche Angelegenheit, die Auslieferungsforderung deS Generals de Metz also nicht nur nach deutschem, sondern auch nach interalliiertem DesihungSrecht in jeder Weise unberechtigt.
Dasselbe gilt auch für den Anschlag auf Helfrichs Vater, der übrigens wegen betrügerischen Dankervtts zu 3 Jahren Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt und wegen eines anderen Verfahrens aus dem Schuldienst entlassen worden fft. Für die Tat einer einzelnen Privatperson, die die Heimat von einem Landesverräter und gefährlichen Schädling befreien wollte, können die deutschen Verwaltungs- und Gerichtsbehörden auch nicht nach dem sog. Speyerer Abkommen verantwortlich gemacht werden Die Erfüllung der Forderung der Rheinlandkommisston würde demnach die Anerkennung der Sonderbündler als französische Schützlinge bedeuten, wodurch die Rheinlandkommisston die von Poincars öfter behauptete ^Neutralität widerlegen würde. Die französischen Behörden lehnten, wenn Deutsche erschossen oder verwundet wurden, den Schuh der Deutschen ab mit der B^ründung, dah es sich um innerdeutsche Angelegenheiten handele und General de Metz hat auf Bitten um seine Fürsprache zugunsten der wegen Separattstenabwehr eingeDerterten 72 Pfälzer erklärt, er wolle in ein schwe be ndes Gerichtsverfahren nicht eingreifen. „Will er nicht in ein gegen deutsche Staatsbürger
schwebendes Gerichtsverfahren bei der deutschen Gerichtsbehörde im unbesetzten Deutschland ein- gieifen?“
England und die ausgewiesenen Rheinländer.
London, 30. April (WB.) Im britischen Hinterhaus teilte der Unterflaatgfefretär des Foreign Office auf eine liberale Anfrage mit, die Zahl Der Personen, die aus dem von den Alliierten besetzten Gebiet ausgewiesen worden seien, betrage bis zum 15. April 10149, die Zahl der Personen, die bis zum gleichen Datum die Erlaubnis erhielten zurück^ukehren, belaufe sich auf 4706. Diese Zahlen schlössen die Frauen und Kinder der Deportierten nicht ein. Seit dem 15. April sei einer beträchtlichen Zahl von Leuten gestattet worden zurückzukehren, genaue Zahlen seien aber noch nicht verfügbar, lieber die Ausweisung deutscher Untertanen aus den Gebieten, die infolge der französisch -belgischen Sonder- aktion feit Januar 1923 besetzt wurden, die daher nicht unter der Jurisdiktion der Interalliierten Oberkommission ftimben, sei er nicht in der Lage, Informationen zu geben; er könne nur die von Macdonald bereits gegebene Versicherung erneuern, dah die Regierung ihren Einfluh, wo dies möglich, gelten machen werde, um
die Wiederherstellung normaler Verhältnisse im besetzten Gebiet
zu erzielen. Kennworty fragte, ob die Frage der Ausweisungen nicht in sehr hohem Matze bei der Wiederherstellung der fiska lisch en Autonomie Deutschlands in Betracht komme. Wenn 100 000 Leute auSgetoiejen seien, wie könnten sie bann die Geschäfte des Landes fortführen? Ponsonby teilte weiter auf eine Anfrage mit, dah nach den Zahlen, die aus den französich-belgischen Quellen eingegangen seien, im besetzten deutschen Gebiet einschllehl. dem Ruhrgebiet 471 Personen gefangen gesetzt tour* den; diese Zahl schliehe 110 Personen nicht ein, die (Strafen verbüßten, die von britischen Militärbehörden verhängt wurden, aber auch nicht diejenigen Personen, die Gefängnisstrafen in der belgischen Zone abbützten; ungefähr 50Personen wurden auherdem nach Gefängnissen in Frankreich und Belgien überführt. Ponsonby sagte, er könnte natürlich nicht für die Richtigkeit dieser Zahlen sich verbürgen. Die britische Regierung habe keine Kenntnis davon, dah irgend eine Maßnahme allgemeiner Amnestie für diese Fälle geplant sei.
ans aufstrebende und <ui8 unserer Umtoalt in uns einströmende Kraft und das Glück der deutschen Heimat. Schöpsen wir aus diesem unversieglichen Quell, lassen wir uns ganz davon durchdringen, dah es gift, diese heiligen Güter uns und unseren Rachkommen zu erhalten, dann wird uns Mut und Zuversicht und selbst Freudigkeit auf unfern schweren Wege begleiten.
Durch das Herangehen geschichtlicher Parallelen — Steins- notgedrungene ..s a.rzosenfrundliche" Politik rach KO.7, Gambettas Sammlungs- polittk nach 1871 — und durch gelegentliche auf die Zeit Bismarcks fastende Strei lichter wird die Mommsensche Schrift besonders anschaulich. Die sachliche, ruhige Sprache, die auch der gegnerischen Ansicht volle Würdigung gewährt, erhöht die Eindringlichkeit des Do getragenen. Das Schrif tchen sei unseren Leserinnen trarm e.npft hle i; die Klebers ichtlichkeit und Leichtfahlichkcit macht es als belehrende Qettüre für uns Frauen, die wir ja meistens noch Reulinge in der Politik sind, besonders geeignet
Trotz des tiefen Ernstes, den eine Ause'.n- «mdersetzung über unsere heutige Lage notwendig begleiten muh. werden auch Töne des Stolzes und der Öffnung angeschlagen, die sich am Schlüsse zu einem vollen Klang erheben. Man glaubt den erhöhten PulSschlag zu spuren, mit Um der Verfasser fein vaterländisches Glaubensbekenntnis ausspricht: „'Bei allem Schmerz üb:r die Lage unseres Volles tarn unsere Generation den Stolz darüber empfinden, Latz sie in einer trotz allem großen Zeit nicht im satten Genuh des Erbes der Väter dahinlebt, sondern Latz sie berufen ist, dieses Erbe sich neu zu erkämpfen, und in frischer Schöpferkraft Reues aufzubauen. Den andern Völkern hat es das geschichtliche Schicksal gegeben, dah sie in grober Linie sich haben vollenden können--sie sind in gewissem
Sinne fertig und ausgebildet, unser Doll ist auch heute noch in ständigem Werden. Die anderen vollenden mir das Erbe der Väter, wir muffen ftänaig neue Schkpferk.aft entfallen, um deutschem Volk und Staat seine Stellung in der Welt zu erhallen. — —
Alles geben die Götter, die 'unendlichen Ihren Lieblingen ganz;
Alle Freuden, die unendlichen.
Alle Schmerzen, die -unendlichen, ganz."
Ein drutsch-sranzöfischek Handelsvertrag?
Paris. L War. (WTB.) Der französische HandelSmirsister L o u ch e u r soll angesichts des ^mnächst zu erwart nden neuen Wirtschaftsregimes mit der Ausarb itung eines französisch- deutschen Handelsvertrages beschäftigt fein. Er soll auch die Absicht haben, eine 6tubieniommtffton nach Berlin zu fänden,
der Industrielle, Kaufleute und französische Exporteure angehören sollen.
(Bin neuer Beschluß der Reparationskommission
Paris, 30. April. (WTD.) Nachdem die Reparationskommission heute vormittag 10.30 Ahr zu einer offiziösen Sitzung zusam- mengetretrn war, hat sie im Anschluß daran eine offizielle Sitzung 'abgehallen und folgendes beschlossen:
1. sofort das Organisationskomitre für die deutsche ReichSeisenbahngesell- s ch a f r zu bilden und zu diesem Zweck die beiden Sachverständigen A c w o r t h und L e - Verve zu ersuchen, persönlich au den Arbeiten dieses Komitees teilzunehmen;
2. Sir Robert KinderSley als Mitglied des Komitees für die Organisation der Reichsemissionsbank zu bezeichnen und
3. endllch zu ernennen Alfted DeS- campS, Verwaltungsrat der Danque Generale du Dord und Präsident der Handelskammer in Lille, sowie Dr. Alberto Pirelli, Industrieller (Italien), zu Mitgliedern des Organisationskomitres für industrielle Obligationen.
Amerika und die Gutachten.
R e u h o r k, 30. April. (HavaS.) Dre amerikanischen Sachverständigen erklärten, sie betrachteten es als e'm gutes Zeichen, daß dio Reparationskommission ihre Berichte bald angenommen habe und wünsch'.en, daß seine Durchführung, die von der ReparationS- komMission und der Annahme der erforderlichen Gesetze durch den deutschen Reichstag abhängig sei, keine Verzögerung erleide. Die wirtschaftlichen Verhältnisse feien raschen Aendernngeu unterworfen, und einZusammenbruchderRen- t e n m a r k könnte von neuem daSEhaos zur Folge haben. Die vorgesehene erste Anleihe von 800 Millionen Goldmark sei zuverlässiggarantiert. Die Sachverständigen ermunterten deshalb entschieden die amerikanische Finanz, die Hälfte der gesamten Anleihe zu übernehmen. Die Festsetzung der deutschen Gesamtschuld habe außerhalb deS Programms der Sachverständigen gelegen und fei im übrigen nicht von der Bedeutung, die ihr beigernessen jverde.
Stresemanns grobe außenpolitische Rede. Magdeburg. 29. April. (Wolff.) Auhen- nrinifier Dr. ©trefemann sprach in einer Versammlung der Deutschen Dolkspartei über das Sachverständigengutachten. Wie fonn heute von Deutschland 'überhaupt Auhenpolftik getrieben werden? Ich unterscheide hierbei verschiedene Auffassungen. Die erste ist gekennzeichnet durch die völkischen Bestrebungen, deren einer der Führer gesagt hat; Wir wollen heute mit schwär z- weitzroten Fahnen über den Rhein ziehen. Ich habe für diese Bewegung ein volles Verständnis. Das ergibt sich aus der ganzen Einstellung der Partei. Wie stark man heute selbst im Auslande empfindet, daß die ganze Strömung in Deutsch- lanb einen berechtigten Kern hat, das hat kürzlich der britische Premierminister zum Ausdruck gebracht, als er in seiner Rede in Vork die sogenannte nationalistische Bewegung in Deutschland als die Schuld einer Politik be- • zeichnet hat, die man mit Deutschland seit 1918 getrieben hat. Das ist ein Wort von sehr grober Bedeutung, dessen wir uns im Außenministerium noch erinnern werden, wenn wir aus diejenigen Roten zu antworten haben werden, die uns jetzt die Duldung der sogenannten nationalistischen Organisationen vorwerfen. Es ist aber doch meine Ueberjeugung, dah der, der an verantwortlicher Stelle steht in der deutschen Auhenpolitik, nicht das Recht hat, diesen Gefühlen nachzugehen. Ich kann als Qhiffenminifter nicht sagen: Wir wollen mit schwarzweitzroten Fahnen über den Rhein ziehen.
Es wäre eine verderbliche Illusionspolitik, sich darüber zu täuschen, datz man nur dann Menschen über den Rhein ziehen lassen kann, >, we>m sie die Macht haben, den Sieg zu erringen.
Der Redner ging dann näher auf den deutschnationalen Rat ein, den Versailler Vertrag zu zerreiben: Ich kann dvch keinem anderen eine Dertragsverletzung vvrwerfen, wenn ich mich selbst davon loszulösen versuche. Deshalb sehe ich in meiner Situation nur eine Möglichkeit, uns davon loszusagen, was in dem Vertrag unerfüllbar ist — das ist unendlich viel — und indem ich dadurch von den t^xchtsverlehungen unserer Gegner loszukommen sua>e. indem ich das einzige Mittel für uns wirken lasse, das in der Welt Eindruck macht, das ist das Interesse der T3olfer daran, datz Deutschland wirtschaftlich nicht zugrunde geht. Ich komme zu dem. was der deutschnationale Abgeordnete Schlange-Schöningen in Hamburg gesagt htt: Waf senknechtschaf t ist zu brechen, Schuldknechtschaft nicht. Ich wäre Herrn । Schlange dankbar, wenn er sagte, wie Waffen- 1 knechtschaft zu brechen wäre. Ich bedauere es autzerordentlich, datz wir während des Krieges nicht in die SchuIdknechtschaft anderer Staaten dadurch geraten sind, datz wir bei ih'en ein Paar Milliarden Kriegsanleihe auf- c kommen haben «Bravo!>. 7arm wären diese <5taa.cn an dem Ausgang des Krieges ganz anders interessiert gewesen, und trenn jetzt eine Anleihe von SCO Millionen geboten wird, so ist es eine ganz falsche Darstellung, mit dem Gedanken dies abzutun: wir geraten in fremde Schuldknechts chaft.
Ich begrüße dir Anteilnahme Amerikas uuv Englands, wenn ich den Engländern sage, daß wir jetzt Freiheit verlangen in wirtschaftlicher Beziehung, dann werden sie darüber ganz ans teig denken, wenn ihr Gold in unserem Lande arbeitet.
Das Gutachten sagt: Deutschland kann in den ersten j’i drei Jahren des Moratoriums nicht aus dem Budget zahlen, weil jede Zahlung mit einer Gefahr Tür die deutsche Währung verbunden wäre, und weil sie einsehen, dah das deutsche Budget nichts bergeben kann für die feindlichen Lasten. Darntt bricht eine S chu ldlüge zusammen, die ebenso . grob ist, tote die ton der Schuld am Kriege überhaupt. Denn Poincare hat ferne Ruhrbesehung und seine Politik der ganzen Welt gegenüber zu rechtfertigen versucht, indem er sagte, Deutschland , könne zahlen and wolle nicht. Ihm erwidern die Sachverständigen: Dir Deutschen können und dürfen nicht. Wenn Deutschland | unter diesen ihnftänben zahlt, so würdr es seine , Währung vernichten. — Damit ist der stärkste mo- ‘ ralische Vorwurf, der bisher gegen die deutsche ! Politik erhoben worden ist, hinfällig. Die Sach- | verständigen sagen, Deutschland kann nur Reparationen zahlen, wenn es im Besitz der uneinge- * schränkten wirtschaftlichen, finanziellen und öko- ; nomischen Souveränität über das ganze Reichs- ' gebiet gelangt, das heitzt Ausschließung anderer !, Interessen. Deutschland muh über das ganze Ge- ' biet wieder Herr sein.
Mau kann nicht von Deutschland Leistungen verlangen, wenn man ihm nicht freie Hand läßt.
Es sind wegen der Bezahlung der Desatzungskosten Vorwürfe gegen uns gerichtet worden. , Herren, die das tun dürften niemals tragen, j sich im besetzten Gebiet zu zeigen, denn -die Be- i satzungskosten haben wir nicht gezahlt nach. Paris, j Brüssel oder London, sondern in der Form dessen, ] was wir den Städten und Gemeinde,^ ' totebergegeben haben für diejenigen Lei- ] stungen, Me die Besatzung von ihnen v e r - J langte. Die wichtigste F.age ist gegenwärtig: I wie werden wir die Besatzung los? | Dis Desatzungskosten betragen für Frankreich un» j gefähr 300 Millionen. Mutz es nach Vorschlag f Der SaAxrständjgen diese aus eigener
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