nr. 74
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Erster Blatt
173. Jahrgang
Mittwoch, 28. Mr; 1923
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Um die freie Getreidewirtschaft.
Der Reichstag hat trotz guten Vorhabens In seiner letzten Sitzung vor den Osterferien noch keine Entscheidung über die Getreideumlage herbeiführen können. Immerhin erscheint die freie Getreidewirtschaft für das kommende Erntejahr gesichert. Die Arbeitsgemeinschaft der bürgerlichen Mittelparteien hat einen Antrag mit dieser Forderung eingebracht, ebenso die Deutschnationale Volkspartei eine fast gleichlautende Entschliehung. Die Mehrheit des Reichstags ist also für die Aufhebung der GetteidezwangSwirtschaft. Der Standpunkt der Regierung entspricht nach den Erklärungen des Reick S?rnährungsministerS Dr. Luther dieser Auffassung.
Damtt wird dann die landwirtschaftliche Produktion von allen Fesseln befreit und ein weiterer Schritt zur Regelung des Wirtschaftslebens getan. Der Ernährungsminister erklärte. daß die Getteideumlage nicht mehr'zeitgemäß sei, und betonte zu Beginn seiner Ausführungen, daß er die Dinge durchaus vom Standpunkte des Städters ansehe.' In der Lat erfordert das wohlverstandene Interesse der Verbraucher mindestens ebenso wie das der Landwirtschaft die Entfesselung aller prvduk- ttven Kräfte, die durch die freie Wirtschaft ermöglicht wird. Unter der Zwangswirtschaft ist sowohl die Getreideanbaufläche wie der Hektarertrag dauernd zurückgegangen. Allein vom Jahre 1921 bis 1922 betrug der Rückgang der Anbaufläche für Körnerfrüchte fast 220 000 Hektar. Das bedeutet mindestens einen Ernte- auSfall /von 5 Millionen Zentner. Das war bei einem Gesamtbedarf von etwa 130 Millionen Zentner Brotgetreide ein gewaltiger Ernterückgang. Die Folge war ein verstärkter Zwang zur Getteidee in fuhr,, die uns im vergangenen Jahr das Brot mehr verteuert hat, als jede inländische Preissteigerung. Der Grund für die produktionshemmende Wirkung der Amlagewirtschaft lag in der starken Beunruhigung der Landwirtschaft, die keine sicheren wirtschaftlichen Dispositionen zulieh. Das Getreide wurde vielfach erst viele Wochen nach der Ablieferung bezahlt. Das war bei der ständigen Geldentwertung ein glatter Verlust für die Landwirtschaft, die schon an sich durch die Kreditnot daran gehindert wurde, die Aufwendungen zu machen, die eine intensive Wirtschaft erfordert. Es war ein volkswirtschaftlicher Wahnsinn, daß z. B. die Preise für das erste Drittel der Getteideumlage vielfach nur ein Drittel der Kleiepreise ausmachten. Die Erfahrungen mit anderen Produktivnsgebieten der Landwirtschaft empfehlen auch die Aufhebung der GetteidezwangSwirtschaft. Die Anbaufläche von Zucker und Kartoffeln ist nach der Beseitigung der Zwangswirtschaft stark vermehrt. Das beweist die produktionSsteige r n d e Wirkung der freien Wirtschaft. Auch ist trotz der düsteren Prophezeiungen der Sozialdemokratie festzustellen, dah insbesondere der Preis für Kartoffeln nach Aufhebung der Zwangswirtschaft nicht ins Uferlose gewachsen, ist, vielmehr weit hinter der Teuerung auf allen anderen Gebieten zurückgeblieben ist.
Hätten sich das Zenttum und die demokratische Partei schon im Vorjahre auf ihren jetzigen Standpunkt gestellt und im Verein mit den anderen bürgerlichen Parteien die Aufhebung der Getreideumlage durchgesetzt, so wäre voraussichtlich die Ernte für 1922 trotz der ungünstigen Witterung nicht so schlecht ausgefallen. Dann wäre es möglich gewesen, die Einfuhr des teuren, ausländischen Gettei- des im Interesse der Verbraucherschaft zu beschränken. Wenn die Getreidewirtschaft nach dem Zusammentritt des Reichstages am 11. April nunmehr wirklich ganz freigegeben wird, dürfen wir erwarten, dah die volkswirtschaftlichen Vorbedingungen für eine Ernte- steigerung sich schon im kommenden Erntejahr auswirken werden. Die dadurch ermöglichte Verminderung der Einfuhr amerikanischen Ge- tteides wird uns von allen Valutaschwankungen, die wir nach wie vor fürchten müssen, unabhängig machen und voraussichtlich der Brotteuerung entgegenwirken. Trotzdem fordert die eingangs erwähnte Entschliehung der bürgerlichen Parteien ebenso wie im Vorjahr eine DrotverbilligungSaktton für wirklich minderbemittelte Kreise der Verbraucherschaft. Allerdings sollen in diesem Jahre die Kosten dafür nicht nur von der Landwirtschaft, sondern von allen leistungsfähigen Kreisen aufgebracht werden. Eine solche Verbilligung des Brotes, in erster Linie für unsere notleidenden Klein- und Sozialrentner, ist ganz unabhängig von der Frage der Getteidebewirtschaftung eine soziale und nationale Pflicht.
(Eine Rede des Ministers v. Rosenberg im Auswärtigen Ausschutz.
Berlin, 27. März. (WTB.) Der Auswärtige Ausschuß des Reichstags ist heute mittag 12 Ufjr zu einer Sitzung zusammengetreten, an der dorn Reichskabinett neben dem Außenminister v. Rosenberg die Minister Oeser, Luther, Albert, Heinze und Becker, vom Wiederaufbauministerium Dr. Müller, zahlreiche Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses und des Reichsrats, der preußische Ministerpräsident Braun, der bayrische Gesandte v. Preger, der sächsische Gesandte Gradnauer und andere teilnahmen. Der Vorsitzende Abg. Stresemann (Dt. Bp.) sprach zunächst sein Bedauern über die Erkrankung des Reichskanzlers aus, die ihn leider an der Teilnahme der Sitzung hindere. An Stelle des Reichskanzler äußerte sich der Reichsminister des Aeuhern in ausführlicher, vertraulicher Rede über die politische Lage. Danach sprach Abg. Müller-Franken (Soz.), der insbesondere erklärte, weshalb der Zusammentritt dÄ Ausschusses von den Sozialdemokraten be- cO.tr agt wurde, und um Erklärungen über einige Stellen aus der Münchener Rede des Reichskanzlers bat.
Be r li n, 27. März. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Ausschusses fürauswärtige Angelegenheiten wies der Reichsminister des Aeußern v. Rosenberg an Hand amtlicher Dokumente nach, daß die deutschen Vertreter in Paris ermächtigt und gerüstet Warrn, hen deutschen Reparation svt^n der dort vom 2 M3 5. Ian ar tagenden Konferenz der ^uniiierprä,identen schristäa) vorzu.e,e i und mündlich zu erläutern und ihn für den Fall, daß ein mündliches Gehör nicht gewährt werde, der Konferenz auch auf schriftlichem Wege zu übermitteln.
Auf die Frage, wie sich die Reichsregierung zu dem Vorschläge des Staatssekretärs H u g hes stelle, den dieser in seiner Rede in der Historischen Gesellschaft in Rewhafen am 20. Dezember entwickelte, antwortete der Reichsminister, die deutsche Regierung hafte den von Hughes gewiesenen Weg für gangbar und glaube, dah das Heil nicht nur der nächstbeteiligten Mächte, sondern eines großen Teiles der Welt davon abhänge, daß dieser oder ein ähnlicher Weg beschritten werde. Rach Ansicht der Regierung sollte die von Hughes vorgeschlagene internationale Kommission von Geschäftsleuten oder ein ähnliches sachverständiges oder unparteiisches Gremium, an dem Deutschland und Frankreich mit voller Gleichberechtigung teil» nehmen, möglichst bald zusammentreten uid folgende Fragen beantworten: 1. Was hat Deutschland bisher geleistet? 2. Was kann und soll Deutschland gerechterweise noch leisten? 3. Auf welche Weise können diese Leistungen bewerkstelligt werden?
Werde dieser oder ein ähnlicher Weg beschrft- ten, so wäre die Reichsregierung bereit, an den internationalen Kapitalmarkt wegen Bewilligung einer möglichst großen Anleihe heranzu- treten, die von Deutschland mit jeder von dem Anleihekonsortium als nötig bezeichneten Sicherheit auszustatten und an-Frankreich oder die Alliierten als sofortiger barer Vorschuß zu behändigen sein würde. Die Regierung fei überzeugt und würde erforderlichenfalls durch geeignete Maßnahmen auch in gesetzlicher Form dafür sorgen, dah die deutschen Industrie- und Wirt- jchaftskreise ihre Kraft tn den Dienst der so auf das Erfüllbare zurückgeführten deutschen Reprra- tionspftlcht stellen. Die deutsche Regierung habe
im Laufe der diplomatischen Konversationen die wichtigsten der an Euivpas Schicksal interessierten, aber nicht unmittelbar am Ruhrkonflikt beteiligten Mächte, ohne Anträge zu stellen oder Wünsche zu auhern, von dieser Anschauung in Kenntnis gesetzt, fya.be sie aber gleichzeitig auf die Schwierigkeit des Problems hingewiesen, wie Deutschland Sicherheit dafür verschafft werden könnte, dah die über den Vertrag von Versailles hinaus besetzten Gebiete geräumt und vertragsmäßige Zustände irnRheinlande wiederhergestellt werden. Das Problem sei, abgesehen von den täglich sich verschärfenden Leiden der Bevölkerung und Der dadurch bedingten Gefahr eines Ausbruches der Volksleidenschaften deshalb so wichtig, weil die Reichsregierung sich nicht denken könne, dah irgendein sachverständiges Gremiuckl tn Iber Lage sein werde, ein sicheres Urteil über die tatsächliche Leistungsfähigleit Deutschlands abzugeben, bevor dem gewaltsamen Eingriff in das deutsche Wirtschaftsleben und der dadurch verursachten Wertvernichtung Einhalt geboten sei. Auch sehe die Reichsregierung keine Möglichkeit, daß dos deutsche Volk seine einzige Waste, den passiven 'Hiderstand, aus der Hand legen forme, ohne dah auch der Gegner sich auf die Linie des Status quo ante zurückziehe.
Zu der von Frankreich in der letzten Zeit in den Vordergrund geschobenen Frage der politischen Sicherheiten verivies der Reichsminister auf den deutschen Vorschlag des Rheinlandpaktes und auf das Gebiet friedensichernder Vereinbarungen, die auf dem Boden der Gegenseitigleit aufgebaut sein müßten. Hinsichlich des Handelsverkehrs aus den besetzten Gebieten nach dem Ausland, namentlich nach England, bemühe sich die Regierung, wie der Reichsminister weiter ausführte, eine Regelung zu finden, die ohne Durchbrechung der deutschen Widerstandskraft den Bedürfnissen des ausländischen, namentlich des englischen, Warenverkehrs prattisch Rechnung trage. Die Quintessenz dieser auf englische Anregung zurückzuführenden Regelung laise darauf hinaus, daß die vor einem bestimmten Termin abgeschlossenen Handelsverträge neutralisiert werden, d. h. daß in Ansehung dieser Kontrakte sowohl die französisch-belgischen Besatzungsbehörden, als auch die deutschen Behörden sich jeder Kontrolle enthalten sollten. Man wisse, daß verschiedene fremde Regierungen Vorstellungen in Paris erhoben haben, um das gleiche Zugeständnis von französisch-belgischer Seite zu erhalten, das Deutschland bereits gemacht habe. Welchen Erfolg diese Vorstellungen gehabt haben, sei hier nicht bekannt.
In der Diskussion sprachen nach dem Abg. Müller-Franken (Soz.) noch die Abgg. Spahn (Zentt.), Helff er ich (Dn.), Stre-semann (Dt. Vpt.), G o t'he in (Dem.), Kvenen (Komm.) und Breit scheid (Soz.).
Der Ausschuß war einmütig in der Ablehnung der von der französischen Regierung geforderten Kapitulation und in der lieber» frmgung von der Rotwendigkeit der Fortführung des passiven Wider - st a n d e s ¥iit dem Ziel, hierdurch und durch internationale Abmachungen die Befreiung des Ruhrgebietes von der heutigen unrechtmäßigen Invasion herbeizuführen.
In seinem Schlußwort beantwortete der Reichsminister Dr. v. Rosenberg noch verschiedene Anfragen.
Poincars über seine Ruhrpolitik.
Paris, 27. März. (WTB.) Poinc are gab 'heute im Finanzausschuß der Kammer in Beantwortung des ihm vorgeleften Flagebogens einen allgemeinen ileberblicf über die Besetzung des Telgwerksgebiets an der Ruhr in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Der Ministerpräsident gab nach dem Protokoll über die Sitzung zu. daß angesichts der zahlreichen Schwierigkeiten, fceruen man habe begegnen müssen, die bis jetzt erzielten wirtschaftlichen Ergebnisse der produktiven Pfänder sehr wenig bedeutend seien. Angesichts dieser Sachlage müsse man eine verlängerte ünd stabilisierte Besetzung ins 'Auge fassen. Dadurch könne das Ausbeutungsprogramm verwirklicht werden. Die'e3 Programm habe auch die Wiä>ereinfübrung der Ein- unb Ausfuhrbewilligungen als Folge der wirtschaftlichen Blockade notwendig gemacht. Die Großindustriellen feien die Seele des deutschen Widerstandes. Poincare stellte die Behauptung auf, daß sie wiederhoft den Versuch gemacht hätten, mit der französischen Regierung direkte Verhandlungen emzulei'en. Die französische Regierung werde jedoch nur amtlichen, von der deutschen Regierung ausgehenden Vorschlägen Folge leisten. Wenn halbamtliche Vorschläge ihm von Ventralen oder do* alliierten Mächten unterbreitet würden, würde er sie nicht annehmen. Er habe übrigens die Gewißheit, daß ihm derartige Vorschläge nicht gemacht werden würlen. Poincare fügte hinzu, die belgische und französische Regierung seien darüber völlig einig, d ie Pfänder drs zur restlosen Bezahlung in der Hand zu behalten: die Räumung der Gebiete würde den Zahlungen entsprechend erfolgen. Die Räumung namentlich von Essen könne erst in letzter Linie ins Auge gefaßt
werden, wenn die Gesamtregelung der Reparationen erfolgt sei. Die deutschen Eisenbahnen tn den Händen der .Franzosen stellte das beste Pfand dar.
Per Gehlerhut in Bochum.
Berlin, 27. März. Blättermeldungen aas Bochum zuso.ge richtete der französische Zivil- kommandant der Stadt an die Bochumer G e- s ch ä f t s w e 11, die seit vier Wochen als Protest gegen die Requisitionen der Franzosen ihre Läden geschlossen hält, die Aufforderung, bis zum 1. April wieder alle Läden zu offnen, widrigenfalls die leitenden Personen der Geschäfte oder deren Inhaber mit Gefängnis nicht unter einem Iahre bestraft würden. Ferner haben die Fran-^ zosen damit gedroht, den Warenverkauf selbst vorzunehmen.
CBlättcrmelbungen aus Bochum zufolge wird die Absperrung der inneren Stadt neuerdings wieder sehr rücksichtslos gehandhabt. Alm die Bevölkerung z u demütigen, wird von den männlichen Pa, sanken verlangt, dah sie beim Vorzeigen des A u s wei se s ihre Kopfbedeckung abnehmen. Geschieht dies nicht, so werden die Hüte und Mühen einfach von den Franzosen heruntergeschlagen.
Berlin, 28. März. Einer Meldung des „Vorwärts" zufolge verhaftetendie Franzosen gestern in Bochum etwa 10 Zivilisten, weil sie beim Vorzeigen der Pässe an der das Stadtzentrum abschließenden Sperre nicht ihren Hut abgenommen hatten.
Gewalttätigkeiten in Dchrtmund.
Dortmund, 27. März. (WTB.) Heute morgen sind etwa zwei Kompagnien ftanzösischer Infanterie in das Innere der Stadt ein» gerückt, begleitet von mehreren Lastkraftwagen und Personenautos. Sie besetzten zunächst die
Druckerei von Gruewell. Der Besitzer Gruewell, der am 24. März auf der Reise in Scharnhorst verhaftet worden war, war von Bottrop nach Dortmund gebracht worden. *3n seiner Gegenwart besichtigten die Franzosen die Druckerei und erkundigten sich nach der Herstellung und den Verbleib des dort angefertigten Geldes. Rach einem kurzen Verhör wurde Gruewell wieder freigelaffen. Darauf zogen einige Trupps Franzosen zu dem der deutschnationalen Bewegung nahesteherrden Zahnarzt Dirska, dem Diplomingenieur Willi Reith und dem Rechtsanwaft Kirschberg, bei denen sie eine Haussuchung abhielten, and die sie dann verhafteten und toegführten. Hm l/2ll Uhr wurde das Bauamt beseht, wo einige Räume nach Schriftstücken durchsucht wurden. Andere Korn- mandds der Franzosen durchsuchten die Bahngut- zvlleinnahmestelle im Südbahnhof, das Zollamt im Hafen und die Westfälische Transport-Aktiengesellschaft. Im ßaufe des Vormittags wurden Sie Finanzämter Dortmund-Stadt und Dortmund-Land beseht, wo einige Steuerlisten mitgenommen wurden.
Berlin, 28. März. Dläktermeldungen zufolge fanden gestern abend kommunistische Demonstrationen in Dortmund statt. Eine meist aus jungen Leuten bestehende Menschenmenge sammelte sich vor dem Hauptbahnhof an und versuchte, Firmenschilder zu entfernen. Sechs Polizisten wurden tätlich angegriffen. Die Polizei zerstreute die Menge schließlich mit blanker Waffe. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen.
Einer Meldung des „Lokalanzeigers" zufolge soll es auch in Gelsenkirchen und Essen zu kommunistischen Ausschreitungen gekommen sein.
Be r l i n, 27. März. Aach einer Meldung des „Derl. Tagebl." aus Dortmund drangen 6ea'e vormittag dreimal hintereinander d e Franzosen in das Postamt ein und durchsuchten das Gebäude unter Zertrümmerung aller Türen, die verschlossen waren. Sie raubten für ungefähr zwei Millionen Mark Briefmarken und ungefähr 400 000 Mark bares Geld.
Die französische Gewalttättgkeit gegen die Eisenbahner.
Frankfurt a. M., 27. März. (WB.) Der französische Kreisdelegierte Schnedecker in H o ch st hat der Rassauischen Landesbank in Hochheim verboten, an Eisenbahner Gelder auszuzahlen und angedrvht, daß die Eisenbahner, die 1. Lohn- und Gehaltslisten aufstellen, 2. Gelder zur Auszahlung m das besetzte Gebiet bringen, 3. solche Gelder auszahlen, vor ein Kriegsgericht gestellt werden. — Der stellvertretende Vorstand der Detriebsinspektton II in Ludwigshafen, Betri e b s i n s p e k t o r Gottfried, wurde vom Kriegsgericht Landau wegen Verstoßes gegen die Verordnung 147 (sog. Sabotage-Verordnung) z u 20 Iahren Zwangsarbeit verurteilt. — Auf der Strecke Wiesbaden—Crbenheim entgleiste heute eine Lokomotive mit vier Persvnen- zugswagen und stürzte den Damm hinab.
Answeisunqen.
Mainz, 27. März. (WTB.) Von den Be» Isahungsorganen wurden weiter ausgewiesen: Rechtsanwaft Schwör er, der Dienslleitrr des Westdeutschen Zeitungsdienstes Redakteur Hein-z und ein weiterer Angestellter dieses Bureaus, Redakteur Marx, Oberstadtsekretär Bruder, Stadtsekretär Dietrich, Polizeisekretär Hebel, Direktor Schmidtgen vom Raturhistorischen Museum, Lehrer Ca r r a, Major a. D. Thiele und der Kaufmann Lorenz E i s m e y e r.
Die Handelskammer in Essen von den Franzosen besetzt.
Bochum, 27. März. (Wolff.) Die Handelskammer in Essen ist heilte vormittag von den Franzosen beseht worden.
Die französischen Kohlcn- nnd Kokstransporte.
Paris, 28. März. (WTB) In der Sitzung des Kammerausschusses für Finanzen erklärte der Minister für öffentliche Arbeiten Le Trocquer hinsichtlich der Kohlen- und Kokstransporte, dah die täglichen Transporte feit kurzem 3500 Tonnen erreicht hätten. Von den 114 vor der Besetzung in vollem Betrieb befindlichen Hochöfen ständen noch 74 unter Feuer. Diese Ziffer erhöhe sich in kurzer Zeit durch die Entwicklung der Kohlen- und Kokstranspvrte wesentlich. Dis Vorräte auf den Halden schätzt der Minister auf 560 000 Tonnen Koks und 2 Millionen Tonnen Kohlen.
Bettelnde Soldaten.
---Koblenz, 27. März. Anter den Be» satzungsttuppen herrscht offenbar Lebens- mtttelmangel. Wiederholt haben in den letzten Tagen farbige Soldaten deutsche Zivili st en um Brot angebettelt und zu diesem Zweck sogar ihre Posten verlassen.
Was einem sozialdemokratischen Neichstagsabgeordneten passierte.
Köln a. Rh., 27. März. (WTB) Auf 5er Rückfahrt von Berlin nach Köln wurde, wie die Kölner Blätter mit teilen, der sozialdemokratische Re:chstagsabgeordnete Sollmann heute bei der Paßkontrolle in Vohwinkel von Franzosen aus dem Zuge geholt. Seine Brieftasche und Akten wurden einer genauen Prüfung rntsrzogen. I Später wurde Sollmann wieder freigegeben.


