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teÄ des Tales, bedeutender Linien- An all das mag man denken, wenn man sich
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in die Ausstellung vertieft — vertieft, denn sie verschlieft oberflächlichem Betrachten bewußt ihre Reize. Sie zeigt llbbelohde in erster Linie als Maler und faßt damit die großartigste Seite seines Künstlertums, die weiteren Kreisen bisher fast unbekannt war.
Aus dem Reiche.
Die Lage der Kühlenwirtschaft.
Berlin, 29. Juli. (WTD.- eichskvhlenrat trat heute unter
Griechenland will wieder angreifen.
Paris, 29. Juli. (WTB.) Aach
Vorsitz des Bergrats Kleine zusammen nahm zunächst den Bericht über die Lage
Beamlenbesoldung.
Don einem Beamten erhallen wir folgende Zuschrift, deren Kenntnis der hessischen Regierung vielleicht Gelegenheit gibt, in der Ausführung der Besoldungsgesetze einmal nach dem Rechten zu sehen:
3n Ihrem geschätzten Blatte erscheinen von Zeit zu Zeit Artikel, die sich mit der Regelung der Beamtengehalter befassen. Die fett gedruckte Ueberschrift tautet Wohl immer: „Weitere ®r- höhung der Beamtengehälter."
Ich lese diese lleberschrift mit Entsetzen, denn erstens bedeutet die weitere Erhöhung der Bezüge ein weiteres Sinken der Mark und weitere Teuerung und dann denke ich an die vielen Menschen, die nur die Äeberschrift des Artikels lese» und dabei ihren Gedanken in verschiedener Weise beredten Ausdruck geben.
Aus diesem Grunde gestatte ich mir darauf hinzuweisen, daß in Wirklichkeit die finanzielle Lage eines Telles der Beamtenschaft trostlos ist: Die Zahlen stehen wohl auf dem Papier und es heißt immer, die Auszahlung der neuen Bezüge solle schnellstens geregelt werden; mir ist j«Doch ein Fall bekannt, daß ein höherer Beamter in Gießen noch heute das gleiche Gehalt ausbezahlt bekam, wie im April d. 38.1 Die Aachzahlung, die jener Beamte zu erwarten hat, geht in die Tausende, wobei es sich nur um die Monate Mai, Juni und Juli handelt' Dazu kommt aber noch, daß nicht allein diese Zahlungen ausstehen, seine heutigen Geldfvrderungen an den hessischen Staat gehen zurück bis zum Jahre 1921! (Gesetz vom 14. Oktober 1921, Besoldung der Staatsbeamten.)
Ich will den Fall nicht verallgemeinern, ob* gleich ich davon überzeugt bin, daß es eine Am zahl Beamte gibt, die in der gleichen üblen Lag« sind, und was dieser Zustand bei dec fortschreitenden Geldentwertung für diese bedeutet, brauche ich nicht zu erläutern! Dergl. Lebensmillelpreise vom Monat April und Juli!
Ich mache niemanden wegen dieser Hebei- stände einen Borwurf, vielleicht aber tragen diese Zellen dazu bei, daß von maßgebender Stelle versucht wird, hier Abhllfe zu schaffen.
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Aus dem besetzten Gebiet.
ZeitungSderbote der RheiAlaudkommifs'rou.
Elberfeld, 29. Juli. Die Interalliierte Rheinlandkommission hat die hier erscheinende „Bergisch-Märkische Zei» tung" vom 1. August 1922 auf die Dauer von einem Monat verboten, well angeblich ein Artikel „Streiflichter" in dieser Zeitung die Würde der BesatzungstruppÄr verletze.
Koblenz, 29. Juli. Die Interalliierte Rheinlandkommission hat die in Gummersbach erscheinende „Gummersbacher Zeitung" vom 1. August ab auf die Dauer von drei Monaten verboten, well ein Artikel besonders geeignet sei, die Sicherheit der Be- satzungstruppen zu verletzen.
fcywarz-wety-rote Flagge geylyr yavL Auch habe er nicht verhindert, daß zu der Jahrhundertfeier der ehemalige Großherzog ein* geladen worden sei. — Unparteiisch ist hierzu zu bemerken: Kreisdirektor Stammler hatte auf die Einladung des Großherzogs keinen Einfluß. konnte sie daher auch nicht verhindern. Die Flaggenhissung geschah von seiner Privatwoh- nung im Kreisamtsgebäude aus. Auf dem Dache des Hauses wehte die h e s s i s ch e Flagge. In der Stadt war fast durchweg schwarz-weiß-rot geflaggt.'
Aus Hessen.
Die Regierung gegen den Alsfelder Kreisdirektor Dr. Stammler.
In der Samstag-Ausgabe des „AmtsverLün- digungsblattes für den Kreis Alsfeld" finden wir folgende Veröffentlichung:
Bekanntmachung
betreffend den Dienst bei dem Kreisamt Alsfeld.
Durch Berfügung des Ministeriums des Innern vom 25. Juli 1922 zu Ar. M. d. I. 21444 wurde dem Kreisdirektor des Kreises Alsfeld Dr. Stammler bis auf weiteres Urlaub erteilt und Regierungsrat Hemmerde zu Gießen mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen des Kreisdirektors bei dem Kreisamt Alsfeld beauftragt.
Wir bringen dies mit dem Anfügen zur Kenntnis, daß der Unterzeichnete die Dienst- geschäfte mit dem heutigen Tag übernommen hat.
Alsfeld, den 28. Juli 1922 .
Kreisamt Alsfeld.
I. D.: H e m m e r d e.
Hierzu wird uns aus Alsfeld geschrieben: »Dem Kreisdirektor Dr. Stammler ist von der Regierung eröffnet worden, daß er vorläufig seines Amtes enthoben sei, da er nicht mehr das Vertrauen der Regierung habe. Objektiv läge nichts gegen ihn vor, was zu Beanstandungen führe, auch in der Dien st führung sei nichts zu tadeln. Dagegen wurde betont, man habe mit Mißfallen konstatiert, daß er beim Stadt jubiläum die
Lenins Krankheit.
London, 29. Juli. (WTD.) Reuter meldet aus Helsingfors: Aus sehr zuverlässiger Quelle ist über Lenins Gesundheitszustand folgende Information eingegangen: Arterivsllerose uph Ueberarbeitung haben verursacht, daß Lenin einen Schlaganfall erlitt. Deutsche Aerzte wurden herbeigerufen und durch elektrische Massage wurde die Sprachfähigkeit Lenins wieder hergestellt; er war bald darauf wieder imstande, sein Krankenlager zu verlassen. Sechs Wochen darauf erfolgte ein zweiter Schlaganfall, verbunden mit dem Verlust der Sprache und Lähmung der Glieder, ßenind Gesundheitszustand ist dauernd sehr ernst, obwohl seine Sprachfähigkeit langsam toieber zurückgekehrt. Er ist aber nicht imstande, zu gehen. Gin dritter Schlaganfall dürfte sehr verhängnisvoll werden. Der zwelle Schlaganfall hat bewiesen, daß sein Herz schwach ist. Den Aerzten zufolge wird Lenin nicht imstande sein, seine Arbeiten wieder aufzunehmen. da die geistige Anstrengung einen neuen Bluterguß im Gehirn Hervorrufen würde, der unbedingt den Tod zur Folge hätte. Infolge seines kritischen Zustandes ist Lenin nicht transportfähig. Es war zuerst beabsichtigt, daß er im Kaukasus eine Kur durchmachen sollte, die kommunistische Partei aber wünschte, daß er sich nach einem deutschen Bade begeben solle. Lenin befindet sich gegenwärtig auf dem Lande in dec Rähe von Moskau.
oerKvylenwirtschaft entgegen, Der von Berghauptmann Bonnhold, dem Geschäftsführer des ReichskohlenratS, gegeben wurde. Im Anschluß an sein Referat empfahl der Berichterstatter die Annahme einer Entschließung des Reichskohlenverbandes, wonach der Reichskohlenrat und der Reichskohlenverband das von der ReparatronSkvmmission für die Monate August bis Oktober festgestellte Lieserprvgramm an Reparation Skohle für unvereinbar mit der deutschen Kvh- lenlage halten, namentlich infolge deS Rückganges der deutschen Steinkvhlenförderung infolge des Verlustes Oberschlesiens. Ferner wird in der Entschließung auf die Kohlennot in Deutschland und den Aeberfluß im Ausland sowie auf die widersinnigen Transporte von deutscher Kohle ins Arland und englischer Koh'le nach Deutschland hingrwiesen. Zum Schluß wird die Erwartung ausgesprochen, daß die Regierung dieses Programm ablehnt. Der Redner schlug vor, diese Entschließung durch eine Kommission von fünf bis sechs Mitgliedern möglichst heute iroch dem Reichskanzler zu überreichen. Die Entschließung des Reichskvhlenverbandes wurde einstimmig angenommen. In die Abordnung, welche die Entschließung dem Reichskanzler unterbreiten soll, wurden gewählt: Der Vorsitzende Bergrat Kleine, Prof. Marx sowie die Herren Felsen, Löffler und Rieper.
Die Ausprägung von Grsatzznünzen.
Berlin, 29. Juli. (WTB.) Der Reichstag beschloß durch Gesetz vom 26. Mai die Ausprägung von Ersatzmünzen im Nennbeträge von 1, 2, 3, 4 und 5 Mark. Lieber die Gestalt der Münzen und ihre Metallzusammensetzung hat nach § 1 des Gesetzes der Reichsrat zu befinden. Dementsprechend wurde in der heutigen Vollsitzung des R e i ch S r a - tes der Beschluß gefaßt, zunächst 1-, 3- und 5-Markstücke auszuprägen. Die Münzen bestehen aus Aluminium mit etwa 1 Prozent Kupferzusatz. Die Fünfmarkstücke erhalten außerdem einen am Rande sichtbaren, dünnen Kupferkern. Die Schriftseite trägt bei allen drei Münzsvrten innerhalb des aus flachen Stäbchen mit einem Perlenkreis bestehenden, erhabenen Randes in lateinischen Buchstaben die Inschrift „Deutsches Reich". Die Schauselle zeigt einen fliegenden Reichsadler (Entwurf von Professor Wackerle, München) mit geschlossenem Gefieder und nach rechts gewendetem Kopfe. Die Ausgabe der ersten Münzen ist für den 11. August vorgesehen. Zur Erinnerung an die hiermit zeitlich zusammenfallende dritte Wiederkehr des Verfassungstages werden die ersten zur Ausgabe gelangenden D r e i m a r k ft ü ck e auf der Schauseite einen Hinweis auf den Gedenktag erhalten.
zug der Berge unh Hügel, an Weg und Wasser hier und dort der starke Akzent der Pappeln, über dem breiten Tal viel Himmel mit oft starken Luft- und Wolkenstimmungen und kreisenden Habichten.
Ärtifaixg DuövlS als unvermeidlich anfttijt Dazu kommt ein Konflllt DuboiS und dem engllschen Mitglied der Reparationskommission Brad- du l h. Dubois hat früher stets verlangt, daß die Mitglieder der Aeparationskommission keine Weisungen ihrer Regierungen ent- geaennehmen, sondern nach eigenem Er- messen ihre Entscheidungen treffen. Rachdem nunmehr festgestellt, daß Dubois selbst vom französ. Ministerpräsidenten Weisungen entgegengenom- men hat, ist ein längeres Zusammenarbeiten zwischen Bradburh und Drbois nicht mehr möglich, ft> daß auch aus diesem Gründe der Rücktritt Dubois unvermeidlich erscheint.
Gin englischer General gegen den '„Frieden der Rache".
London, 30. Juli. (WB.) General Sir 3pfrn Hamilton hielt gestern bei der Enthüllung 'eines Kriegerdenkmals in Dcune eine Siebe, in der er sagte, der große Krieg habe Rassenhaß, Mord und Bankerott im größten Teil tur Folge gehabt, well man statt eines edelmütigen Friedens einen Frieden der Rache gemacht habe. Die Sache des Friedens fei jedoch trotz des Versailler Vertrages nicht veiloren, wenn man sich vor Augen halte, was die Männer^ denen das Denkmal gewidmet sei gewollt hätten, unb die Tat derer, die diese Absicht durchkreuzt fcätten.
Dort wuchs seine Kunst empor zum ragenden Bchim. der seine Wurzeln tief und zähe in den mütterlichen Boden senkt und aus ihm das Beste seiner Kraft zieht. Aber seine Krone rauscht im Wind, der aus den Wellen kommt und -in die Weiten geht. Das wlll sagen: Seine Kunst ist „Heimatkunst", (man vergesse in diesem Zusammenhang die leider nicht wenigen eitlen äln- zulänglichen, die unter diesem Schlagwort unser Volk belästigen), im best en Sinne, die sich bewußt und sicher auf Motive hessischer Landschaft und Volkstums beschränkt. Aber die Art, wie diese Motive gefaßt werden zu allgemeinen Gesichten und Stimmungen, hebt seine Werke weit hinaus und hinauf über den engen Bezirk eines Stammes und einer Landschaft. Er steht über dem Schlagwort in jeder Beziehung. Er ist kein Impressionist und kein Expressionist. Gr ist beides und mehr. Er ist Erbe künstlerischer Gesinnung aus den besten Zeiten deutscher Vergangenheit, Träger deutschen Erlebens und nordischen Ausdruckwillens. Dabei steht er helläugig in seiner Zeit. Aeberall begegnet man in seinem Werk Auseinandersetzungen mit den künstlerischen Fragen des Tages. Als Maler hat er eine Kultur der Farbigkell wie die besten Impressionisten. Er weiß aber auch um die Wirkung der Farbe an sich Als Graphller verfügt er über unerschöpfliche Beweglichkeit des Striches und unerhörte Spannkraft der Linie. Sein Rame darf und muh neben den Rainen besten Klanges aus Vergangenheit und Gegenwart genannt werden.
Die Auseinandersetzung mit Bayern.
München, 29. Juli. (Wolff.) Die Korrespondenz der Datzcrischen Volkspartei schreibt zu dem Briefe desReichspräsiden-
(en an den bayerischen Ministerpräsidenten: Es muß anerfannt werden, daß der Reichspräsident, t 5« dessen kühler Lieberlegung und Besonnenheit man auch in Bayern Vertrauen hat, dem Ernst Fter Lage insoweit entsprochen hat, als er nicht, wie gewisse Heißsporne in Berlin es gern ge- ’ sehen hätten, übereilte Schritte unternimmt, sondern, wie mit diesem Briefe geschehen ist, den Weg der Verbandlungen zwischen der bayerischen Regierung und der Reichsregierung eröffnet Das ist die einzige Möglichkeit, eine Verständigung »u erzielen. Zustimmen kann man dem Reichspräsidenten nicht, wenn er die Auffassung als irrig bezeichnet, daß das Schutzgesetz den staatlichen Charakter der einzelnen Länder beeinträch- tige. Die Bestimmungen über den Staatsgerichtshof sind unleugbar ein tiefer Eingriff in die Polizei- und Iustizhvheit der Länder. Wenn ber Reichspräsident wie er es in seinem Briefe tat, in der Wahrung des staatlichen Charakters der Länder die Stärke des Reiches erblickt, so muh er seine Hand zu einer Lösung bieten, welche die durch das Gesetz zum Schutze der Republik und das Reichs-Kriminalpolfteigesetz angegriffene Justiz- und Polizeihoheit der Länder wieder herstellt und darüber hinaus rechtliche Garantien schafft, daß ohne Zustimmung eines Landes zukünftig keine landeshoheitlichen De- cochtsame mehr angegriffen werden können.
Breitscheid in Paris.
Paris. 30. Juli. (Wolff.) Bei der Gedächtnisfeier für Iaurös führte Abg. Brellscheid auS: Die große Rolle Frankreichs in der Well müsse eine demokratische fein. So wollte es Iaures. Die ftanzösische Demokratie gebrauche Franzosen, die zwar Franzosen von ganzem Herzen seien, doch Deutschland verständen. Rachdem Breitscheid von den Gefahren der deutschen Gegner der Republik gesprochen, sagte er, diese Gefahr werde um so gröber, je weniger man im Ausland einsehen wolle, daß die Alldeutschen ebensowenig Deutschland seien, wie Leon Daudet Frankreich. Dir Gefahr höre aif tu bestehen, wenn das andere Deutschland unterstützt würde, Iaurös erkannte, daß der beste Verbündete des deutschen Rationalismus der fran» «Rationalismus sei. Der deutschen Repu- trfe das Leben nicht schwer gemacht werden. Die Leistungsfähigkeit Deutschlands werde um so großer sein, je mehr es ermutigt werde. ES sei nicht schwer zu verstehen, daß dieses Voll sich nicht ermutigt fühle, wenn es den Eindruck habe, daß es sich nicht wieder erheben dürfe, daß man sein Land zerreißen wolle, sei'S am Rhein, sei's in Bayern — obwohl er nicht direkt behaupte» wolle, daß. die ftanzösische Regierung derartige Absichten habe. Breitscheid sprach auch von der Notwendigkeit des Wiederaufbaus der ehemaligen Kampfzone. Wer, tote' er, die verwüsteten Gebiete gesehen habe, kenne ihre Wunden, aber er wünsche auch, alle französischen A^eordneten könnten das Elend der deutschen Arbeiter und die Verhältnisse kennen lernen, unter Lenen die deutschen Äfcer a^fwachsen.
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„Temps" hat die griechische Regierung vorgestern Frankreich England und Italien eine No t e zum griechisch-türkischen Konflikt überreichen lassen. Das Blatt bezeichnet folgende Stelle der Rote als wesenllich:
Die griechische Regierung sieht sich genötigt, die Maßnahmen au ergreifen, die zur Beendigung des Konfliktes am besten geeignet sind. Griechenland wird jedoch immer bereit sein, gemeinsam mit den Verbündeten jeden Friedens- Vorschlag zu prüfen, der aber nur dann verwirklicht werden kann, wenn die Türkei die gemeinsamen Beschlüsse der Siegerstaaten vollführt, ohne ausweichen zu können.
Der „Temps" schreibt hierzu, wenn Griechenland gegen die Türkei Gewalt anwenden wolle, sei das nur an drei Stellen möglich: einmal an der lleinasiatischen Front, bann in der Gegend von Konstantinopel und endlich in Konstantnwpel selbst. Es handle sich nur noch darum, an welcher Stelle der griechische Generalstab loszuschlagen beabsichtige. Es lägen zahlreiche Anzeichen dafür vor, daß er Konstantinopel besetzen wolle. Sobald dieser Plan bekannt geworden sei, sei er Frankreich und Italien als nicht angängig erschienen. Die ftanzösische Regierung habe ihre Auffassung in London zum Ausdruck gebracht. Sie fei der Ansicht, daß keinerlei Angriffe auf Konstantinopel geduldet werden mühten und daß ihnen, wenn nötig, mit Gewalt Widerstand zu leisten sei.
Der „Temps" glaubt, dah die italienische Regierung genau derselben Ansicht ist. Sie habe wie Frankreich und England Truppen in Konstantinopel und stehe auf dem Standpunkt, dah für jeden Angreifer Gewalt angewendet werden mühte. Die französische Regierung habe ihre Ansicht auch in Athen mitgeteilt.
Smyrna, 31. Juli. (Havas.) Der griechische Oberkommissar Sterkiades hat heute die Autonomie von Smyrna proklamiert. Gr schickte der Entscheidung der Regierung ein Vorwort voraus, in dem er zur Einigkeit aufforderte und die verschiedenen Rassen ersuchte, die Vergangenheit zu vergessen und auf jeden religiösen oder ethnischen Fanatismus zu verzichten. Die Proklamation ist vom König Konstantin unterzeichnet.
Paris, 30. Juli. Rach einer Havasmel- düng aus Konstantinopel dauern die griechischen Landungen in Rodosto an. Die gelandeten Streitkräfte werden aus 25 000 Mann geschätzt. Eine griechische Patrouille, die in die neutrale Zone eingedrungen sei, fei nach kurzem Gefecht von türkischer Gendarmerie zurückgewwie- fen worden.
Athen. 29. Juli. (WTD.) Der britische Geschäftsträger hat bei der griechischen Regierung Vorstellungen gegen, den Plan eines Vorgehens gegen Konstantinopel erhoben.
Oderhesfischer Kunstverein.
ULbelohde-GedLchtnisvAuSstellung.
® teben, 29. Juli 1922.
3m ersten Band seines Heimat-Jahrbuches -Hessenkunst" schrieb Christian Rauch, der verdiente Wegbereiter der Kunst Otto älbbelohdes, tn wohl der ersten zuscuwnenfassenden Würdigung dieses Künstlers: „Äbbelohde hat noch viel zu geben, denn er beherzigt, was alle Grohen dem Strebenden raten: Werde Du!" Daß dieser Satz, der 1906 geschrieben wurde, vollauf berech- tigt war, ist ein stolzer Trost, der den lauten Schmerz um des Meisters Hingang übertönen darf: Aus einem Guß steht der Mann und das Werk, immer ist älbbelvhde er selbst, bewußt ohne äleberHebung, stark, aber elastisch, eigenwillig, aber voll Ehrfurcht vor dem Gewordenen, gütig, aber ohne Sentimentalität, ein treuer Arbeiter im Kleinsten und Größten. Rur ganz selten — viel zu selten — schwingt so starke Harmonie in den Räumen unseres Kunstvereins wie jetzt, wo sein Werk, vielleicht zum letzten Mal in geschlossener Fülle vereinigt, als würdigstes Denkmal zu uns redet.
Otto älbbelohde ist 1867 in Marburg geboren. Rach Lehr- und Wanderjahren, als bereu bedeutsamste Stationen München und Worpswede genannt sein mögen, baute er sich unweit seiner Vaterstadt, in dem Dorf Goßfelden sein Haus. Auch dieses Heim fft, wie alles, was er dachte und tat, bis in die kleinsten Einzelheiten hinein sein eigen und Künder feiner Wesensart. Es liegt in brüderlicher Hut der Landschaft, die älboelohde durch seine Kunst älnzähligen lieb gemacht hat und in deren Erde er im Frühling dieses Jahres zur Ruhe gebettet wurde. Diese Landschaft ist grvhzügig und charaftervoll: wei-
Wie fesselt und beglückt es uns immer wieder, zu erleben, wie aus Bergrücken und Hügelzug, aus Ackerbreiten und Feldweg, aus Brücke und Fluh, aus den Dächern eines abendlichen Dorfes, aus dem magischen Weben des Morgen- und Abend- Himmels und aus dem ewig ftiehenden, gestaltlosen Stetsneugestaltetsein der Wolken das sinnlich-übersinnliche Gebilde innerer Schau sich formt. »Wo fass' ich dich, unendliche Äatur?" Bon der zarten Lyrik eines Frühlingstages in Blau, Hellgrün und Weih bis zur heroischen Bewegtheit des Herbstes mit Wolkenschatten über dem fahlen Land spannt sich der Kreis der Motive. Man kann über ein einzelnes Bild nur reden, wenn man über alle spricht, so einheitlich ist das Werk, llnb mehr wie sonst gilt hier, daß letztes nur gefühlt und nicht gesagt werden farm. Wie vermöchte das Wort allein, den tiefen Ernst innerlichen Ringens und die treue Sachlichkeit handwerklichen Mühens zu schildern, der hier aus jedem Pinselstrich spricht?
Lieber den 5!andschaften seien aber auch die Etilleben nicht vergessen, diese feinen Farbensträuße, bald Rebeneinanderklänge stärkerer Töne, bald innigstes Verfließen gedämpfter Schwingungen. Wie etn Blumenstrauß lebt, wie das Blau einer Madonnenstatue neben dem golbgrünen Viereck einer offenen Gartentür steht, wie eine Schüssel mit Aepfeln zum Erlebnis gestaltet wird in einer Weise, die zu den vollendetsten Lösungen neuester künstlerischer Fragen gehört.
Richt so stark wie die Malerei ift die ®rahMfJ
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 31. Juli 1922.
Die Teuerungszahlen
in den fünf größten hessischen Städten, berechnet auf Grand der Preise vom 5. und 19. Juli (7. und 21. Juni), betrugen für Mainz 4699 (3724), Darmstadt 4728 (3427), Offenbach a. M 4586 (3498), Worms 4805 (3441) und Gießen 4584 (3362). — Die Teuerungswelle, die bereits seit einigen Monaten einseh te, t Girant im Monat Juli deshalb besonders stark zum Ausdruck, weil nunmehr an Stelle ber niederen Preise für alte Kartoffeln zur Hälfte auch die Preise für neue Kartoffeln getreten sind.
Wettervoraussage
für Dienstag.
Wechselnd bewölkt, Gewitterneigung, toarm, Stark schwankender Luftdruck wird heute und morgen unbeständige, zu Gewitterbildung führende Witterung bedingen.
vertreten, aber doch so, dah auch ein Ferner- stehender em Bild von Ubbelohdes Bedeutung auch auf diesem Gebiet bekommen kann. Einige Blätter aus den Zeichnungen zu den Grimmschen Märchen sind da, aus jenem Werk, das allein genügen würde, feinen (Hamen fortleben zu lassen. Ferner Zeichnungen für den Kalender .Hessen- funÜ", Landschaften in Feder und Bleistift und Radierungen. Immer wieder bewundert man das feine Gefühl für die Eigenart und die Wirkung des Materials, das den Künstler niemals fehlgreifen läßt. An diesen Radierungen fühll man die Platte, diese Zeichnungen sind von einem unerschöpflichen Reichtum und einer unbeschreiblichen Bewußtheit des Striches. Sie sind ausgeprägt deutsche Griffelkunst: die Linie ist viel mehr als nur Umschreibung von Formen. Sie hat eigenes Leben, eigene Deseelthät, sie will, daß man ihr nachgehe, tätig, bewegt. Man denke an Griffelbmst etwa aus der Zeit der Schongauer und Dürer. Man sehe darauf jedes dieser Blätter an und gebe sich ihm hin. Samt wird man >ch plötzlich wie bei den Gemälden in den stärkste.« Zusammenhängen deutscher Kunst finden.
Sl. tauschen in diesem Geben u.td Werk lebendige Quellen unseres deutschen Wesens empor, Quellen, die allzu lange verschüttet lagen und auf deren Sprudeln zu lauschen bleie Obrer m unserem Volk verlernt haben. Es gilt für alle, die dies erkannten, Hrntd anzulegen, daß diese heilvollen Wasser offen bleiben und daß sie ungetrübt und lauter weiterströmen. Damit ehren wir wohl am schönsten den Mann uiJ> den Künstler, der in diesem Sinn sein Höchstes gab und dessen Rame auch aus diesem Grunk unvergessen sein wird: Otto Nbbelo hde.
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