Ausgabe 
31.3.1922
 
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Erstes Blatt

172. Jahrgang

Aettag, 54. März (922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Dru<t und Verlag 1 vrühl'sch« Unio.-Vxch und Sleindru-kerel N. Lange. Schrlslleitung, «eschästsftelle und Druckerei: Schulftratz« ?.

Annahme von Lnzeiarn für di« Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnrjek>eV«rdindI>ch^ett Preis für 1 mm hohe für Anzeigeno 34 mm Breil« örtlich 90 Pf, auswärts 120 Pf., für RrdI am«> Anzeigen von 70 mm Steile 3öO*Pf. Bei Platz. Vorschrift 20Äufjchlag. Hauptfchriflleiler: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz; für den übrigen Teil. Karl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen.

Nr.rr

Der -ietzener Lnzeloer erscheint täglich, außer Sonn, und Feiertags. Monalliche Bezugspreise: SIN 11.50 emschl. Träger- lohn, durch die Post Mk. 14. - einschl. Bestell, gelb, auch bei Nichlerschei» nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fernsprech.Anschlüsse: fürdieSchriftieitung 112; für Druckerei, Verlag und Ge'.chaftsstelle 51. Anschrift für Drchtnach. richten: Anzeiger Siesten.

postfchcätonto:

Zranlsurt 0. M. 11686.

Den Beziehern

deS Gießener Anzeiger- zur nochmaligen Kenntnis­nahme, daß der monatliche Bezugspreis vom 1. April an auf Mk. 16. festgesetzt werden muh. Dazu kommt der Trägerlohn von Mk. 1.50.

Durch die Weimarer Berlegcrverfammlung und durch die Verhandlungen im Parlament sind unsere Leser über die Aotlage der Zeitungen unterrichtet und werden die auherordentlich bescheidene Mehr­aufwendung für ihr angestammtes Heimatblatt ge- wih tragen wollen. Trotzdem halten wir uns für verpflichtet, die neuePreisfestsehung nod) eingehender zu begründen. Vor allem wird ein älcberblick über die Steigerung der Herstellungskosten für den Siebener Anzeiger erkennen lasten, dah wir auf die Preiswürdigkeit unseres Blattes den größten Wert legen, damit auch die wirtschaftlich schwächeren Bezieher ihre Heimatzeitung weiter halten können.

Gegenüber den Friedenspreissähen ist der Be­zugspreis des Gießener Anzeigers nunmehr ge­stiegen nur........um das 22 fache,

der Papierpreis dagegen ... um das 60fache. Zeitungsfarbe........ . 27 fache,

Oel.......... 42fad)c,

Maschinen ersah....... 75 fache,

Gießmetalle........ lOOsachc,

Walzenmaste......... 117 fache.

Die Erhöhung der Löhne, Gehälter, Brennstoffe, Bctriebskraft, Fracht-, Post-, Fernsprech- und Telc- grammgebühren sind weitesten Kreisen bekannt. Wir dürfen deshalb hosten, daß kein Leser infolge der aus Gründen der Selbsterhaltung unbedingt not­wendigen Bezugspreiserhöhung abspringtz Der Gießener Anzeiger ist und bleibt auch weiterhin der unentbehrliche Freund und Berater der Ober- besten in Stadt und Land.

Yen Anzeigen-Austraggebern möchten wir mitteilen, daß die Anzeigenpreise des Gießener Anzeigers gegenüber den Friedenssähen nur um daS 19fache erhöht sind. Sie bleiben also, ag der Steigerung der Herstellungskosten gemessen, ganz erheblich hinter den gegebenen Verhältnisten zurück. Der Vergleich mit einigen anderen Blättern möge diePrciswürdigkeit unseresZeilensahev belegen.

Wenn der Leserkreis der herangezogenen Blätter auch erheblich größer ist, als es der unfrigc sein kann, so ist doch die Bedeutung des Gießener An- .zeigcrs für fein Verbreitungsgebiet kaum geringer und die Ankündigungskraft der Anzeigen bewegt sich sicher im gleichen Verhältnis.

3m Berliner Tageblatt kostet eine Anzeige von 50 mm Höhe bei 22 mm Breite 550 Mark, in der Kölnischen Zeitung kostet sie in gleicher Höhe bei 30 mm Breite 345 Mark, im Gießener Anzeiger stellen sich 50 mm Anzeigenraum bei 34 mm Breite nur auf 60 Mark, Unsere Anzeigenkundschast darf also davon überzeugt fein, daß ihr der Anzeigenteil des Gießener Anzeigers verhältnismäßig sehr billig zur Verfügung stehl.

Verlag öes Siebener Anzeigers.

Die neue Verfassung der evangelischen Landes­kirche in Hessen.

Von Prvfestor D. Dr. Schian.

Wochen lang hat der evangelische Lan- desrirchcntag beraten. Der Hauptanteil der Ar­beit galt der neuen Kirchenversafsung Große Schwierigkeiten waren zu überwinden; es konnte wohl einmal den Anschein gewinnen als sei das Zustandekommen einer Dersassung üLe Haupt ge­fährdet, weil in wichtigen Fragen eine Zwei­drittelmehrheit nicht zu erzielen sei. Diese Sor- genftunben find vorübergegancien. Wir haben nunmehr eine den jetzigen Derhältnisfen Rechnung tragende Kirchenverfassung. Sie kam zur An­nahme auf dem Wege, daß die im Landeskirchen- tag vorhandenen Strömungen eine Q3e flänbigung suchten und endlich sanden. Dabei mußten natür­lich auf beiden Seiten manche Wünsche, auch bringenbc, zu'.-ückgeslellt oder aufgegrlen werden. Was beschlossen ist, farm daher unmöglich allen Forderungen entsprechen; mehrfach mußten H3ft Ansichten unberücksichtigt bleiben, die recht lebhaft verfochten worden waren. Das liegt nun einmal im Wesen solcher Beratungen. Daß es sich um eine mit besonderen Sicherungen umgebene Ber- faffung handelte, erhöhte das Derantwortungs- bewußtsein.

Die regelmäßigen Berichte über die Sitzungen konnten für weitere Kreise der Landeskirche kein einheitliches Bild er en. Sv sollen denn hier die Grundzüge de neuen Berfastung in kurzer -Tebersicht bargefitfit werden.

Künftig ist der Landeskirchentag als die Ver­tretung dec gesamten hessischen Landeskirche 3n= beber aller Kirchengewalt. 3hm hat die Kirchen­regierung Bericht zu erstatten; ihm ist sie ver­antwortlich. ihn dieses Rechtsverhältnis klar . urchzuführen, wird das oberste Organ der Kir­chen ei tung, das üntigKirchenreaierung" hcißen wird, in seiner Mehrheit aus Mitgliedern des Landeskirchrntags bestehen. Von 7 Mitglie­dern werden 5 zum Landeskirchentag gehören; nur 2 werden Beamte sein. Aber auch bi.se Be­amten, die höchsten Beamten der Landeskirche sollen vom Landeskirchentag gewählt werden' Freilich werden diese Beamten auf Lebenszeit gewählt; nur in bestimmten Fällen kann ihr Rück­tritt durch eine Zweidrittelmehrheit des Landes- Urchentags herbrigesührt werden. Das Bestreben

war maßgebend, die Kirchenregierung nicht allzu vielköpfig zu machen; sie wurde sonst, zumal der größere Teil der Mitglieder außerhalb des Sitzes der Kirchenregierung wohnt, ein sehr schwerfälli­ges Organ werden.

Dieser Kirchenregierung sind nur die wich­tigsten und gröhten Ausgaben der Leitung über­tragen worden. Sie soll gleichsam die Richtlinien der kirchlichen Entwicklung angeben; die eigentliche Führung" soll in ihrer Hand liegen. Dabei wird natürlich die Hauptverantwortung auf dem Präsi­denten liegen. Der Streit darüber, ob er ein Geistlicher sein soll, oder ob es freigelassen wer­den soll, welchem Berufskreis er zu entnehmen fei, ist dahin entschieden worden, dah erin der Regel" also nicht ausnahmslos ein Geist­licher fein soll. Den Biscfwfstitel hat man ihm nicht gegeben; er führt die in Hessen feit längerer Zeit gebräuchliche BezeichnungP r ä l a t.

Unter dieser Kirchenregierung steht nach der neuen Verfassung das Landeskirchenamt, eine Verwaltungsbehörde. Präsident und stell­vertretender Präsident des Landeskirchenamts sind dieselben wie in der Kirchenregierung. Außer juristischen Räten gehören auch die Superinten­denten zu dieser Behörde.

Wie diese Darstellung zeigt, ist die Stellung des Präsidenten der Kirchenregierung und des Landeskirchenamts künftig von größter Beben- tung. Dain der Regel" der Prälat dieser Präsident sein wird, so wird sehr viel auf den Prälaten ankommen. Seine Stellung zu den Superintendenten zu regeln, war besonders schwie­rig. Die Einzelheiten darzulegen, ist hier nicht der Ort. Rur das sei erwähnt, dah künftig die Superintendenten ?u einem Kollegium zusammentreten, dessen Leiter der Prälat ist. Auf diese Weise soll dem religiösen, rein kirchlichen Moment in der Leitung der Kirche besonderer Rachdruck verschaff! werden.

Von erheblichem Gewicht sind ferner die Be­stimmungen über die Bildung und Zusammen­setzung des Landeskirchentags. Dem Pfar- rerstand wird künftig ein Drittel der Mitglieder entnommen werden; zwei Drittel dürfen nicht Pfarrer sein. Das ist bedeutsam, weil damit das tfedergewicht derLaien" über dieGeistlichen" in dieser Körperschaft gesichert ist. Auherdem sollen einige (6) Abgeordnete durch die Kirchen­regierung berufen werden. Eine Bindung mit Dezug auf bestimmte Stände oder Kategorien, denen diese Berufenen zu entnehmen sind, ist nicht fest gelegt. Auch die theologische Fakultät der Landesuniversität hat - im Unterschied von weitaus den meisten, wenn nicht allen anderen Landeskirchen - nicht das Recht der Entsendung eines Mitglieds erhalten. Es ist lediglich eine Empfehlung ausgesprochen, den Lehrstand jeder Art bei den Berufungen besonders zu berück­sichtigen.

Schwer zu lösen war die Frage des Wahl­modus für den Landeskirchentag. Die An­schauungen gingen weit auseinander Auch inner­halb der verschiedenen Gruppen waren die Mei­nungsverschiedenheiten groß. Es gab nicht wenige Freunde des Urwahlsystems, aber auch nicht we­nige Anhänger des bisherigen Wahlsystems, nach welchem die Dekanatssynodm die Mitglieder der Landessynode wählten. Rach langem Hin und Her einigte man sich auf einen mittleren Weg. Weder die Dckanatssynvden werden Wahlkörper fein, noch sind Urwahlen beschlossen worden. Viel­mehr werden die Mitglieder der Kirchengemeinde­vertretungen die Wahlmänner fein. Aus diesem Grund sind die Zahlen der Mitglitfxw dieser Kirchengemeindevertrelungen für große Gemein­den verhältnismäßig hoch angefetzt worden. Wei­ter hat man versucht, durch ein Kompromiß zweierlei Anschauungen so gut als möglich gerecht zu rperden. Ein Teil der Mitglieder wird in kleineren Wahlbezirken, zu denen je zwei Dekanate zusammengelegt werden, gewählt; hier kann der Gesichtspunkt des persönlichen Vertrauens der Gemeinden zu einzelnen Persönlichkeiten in ihrer Mitte ausschlaggebend sein. Der andere Teil ist durch Verhältniswahl in einem das ganze Land umspannenden Wahlbezirk zu wählen. Hier wird die Möglichkeit gegeben fein, solche Personen in den Landeskirchen tag zu bringen, die für das gesamte kirchliche Leben des Landes von Be­deutung sind. Der neue Wahlmodus mag auf den ersten Blick etwas umständlich scheinen; in Wirklichkeit wird j?de Kirchengemeinbevertretung nur eine einzige Versammlung für den Zweck der Wahl zum Larrdeskirchentag zu halten brauchen.

Aaf die Reuordnung der Gemeinde­verhältnisse soll nicht eingegangen werden. Sie ist in manchem Emzelpuntt b'b:utfam; aber ganz große Umgestaltungen sind nicht vorgenom­men worden. Als besonders wichtig sei nur bi» Bestimmung erwähnt, nach der künftig m Ge­meinden mit mehreren Pfarrern die Teilung in Seelsorgedezirke pflichttnätig sein wird. Für die Kirchengemeindedertretunge-i ist D rhältniswaht eingeführt; das war notwendig, w.il die M.t- 0lieber dieser Körperichs; ten, wie oben bargclegt, künftig den Landeskirchentag zu wählen haben ir-etben. Die Dekanats tage bleiben erhalten.

Welches ist der Grunbcharakter der neuen hessischen KirchenverfassungV Es ist von hohem 3ntcrtffe, sie mit den anderen bereits tertiggef!eiten Kirch^nverfaslungen deuttcher Lan­deskirchen -u vergleichen. Mir scheint, daß die hessische Landeskirche eine ve r h ä l t n 1 s m ä ß i g sehr konservative Haltung eingenom- men hat. Beweis: das Wahlsystem für den Lan ^eskirchentag; die Beibehaltung der drei Su° beiintcnbenturen trotz der aus ihr erwachsen­den Sch.ri»rigkeiten. Rcue "ebenten sind gewiß hineingearbeitet worden; aber nur mit großer Zu- lücktzalrung und bemerkenswerter Vorsicht. Von den südwestdeutschen Rachbarkirchen hebt sich die

I hessische nicht unerheblich ab, und zwar im Sinn I konservativer Haltung.

Rach Vollendung der Verfassung werden nun zunächst die Kirchengemeindevertretungen neu z 1 wählen sein. Sodann haben die Mitglieder dieser Kirchengemeindevertreter den Lanbesttrchentag zu wählen. Der nette Landeskircheniag wird durch Wahl des Präsidenten und des stellvertretenden Präsidenten sowie durch Wahl des Landeslirchen- ausschusses die Kirchenregierung bilden. Bis da­hin bat die bisherige Kirchenregierung die Ge­schäfte zu führen. Es wird Monate dauern, bis die Verfassung m den wichtigsten Stücken durchgeführt fern wird.

Auf geschriebene Orbmtngen soll man nicht allzu große Hoffnungen setzen. Kirchenversas- fangen können fern Leben in die Kirchen hinein- bringen. Sie können nur die rechten Gesäße für das Leben und die Arbeit in den Kirchen schaffen. Möge sich die neue Verfassung als ein brauch­bares 3nftrument erweisen, um Leben und Ar­beit in der hessischen evangelischen Landeskirche zu finden! r

o» ii

Die deutsche Delegation für Genua.

Berlin, 31. März. Das Reichskabi- n e 11 hat gestern nachmittag in einer kurzen Sitzung über die Vorbereitung der Konferenz von Genua beraten. Die Frage der Zusammen­setzung der deutschen Delegation ist noch nicht endgültig geregelt. Das Kabinett wird sich heute vormittag in einer weiteren Sitzung damit be­schäftigen. Wie die Blätter mitteilen, wird die deutsche Delegation, die unter Führung von Dr. Rathenau stehen wird, einschließlich des Hilfs­personals etwa 80 Personen umfassen. Das Auswärtige Amt wird vertreten sein vom Staats­sekretär von Simson und dem Leiter der Ost­abteilung Freiherrn von Maltzahn. Cs steht noch nicht endgültig fest, ob außer dem Staatssekretär Dr. Schröder vom Reichsfinanzministerium der Reikhssinanzminister Dr. Hermes selber und weiter, ob guher dem Staatssekretär Dr. Hirsch der Reichswirtschaftsminister Schmidt nach Genua gehen werden. Auch der Chef der Presieabteilung des Auswärttgen Amtes, Müller, wird lautLo­kalanzeiger" nach Genua gehen. Zu den Dele­gierten treten noch eine Reih? von wirtschaftlicher Sachverständigen. Als Vertreter der Ge­werkschaften sind in Aussicht genommen der frühere preußische Ministerpräsident Sieger» Wald, der frühere Reichsarbeitsminister Wis­sel! und der demokratische Reichstagsabgeordnete Erkelenz.

London und Genua.

London, 30. März. (WTB.) Genua stand heute mit Downing Street in telephoni­scher Verbindung. Man hofft, daß es L l 0 y d George möglich sein wird, während der Konferenz in täglicher telephonischer Verbin­dung m>t seinen Londoner Kabinettskollegen zu bleiben. Wie gemeldet wird, werden Lloyd George und die übrigen Minister am Z. April von London nach Genua abfahren.

Lord Curzon über das Orientabkommen.

London, 30. Marz. lWTD.) 3m Ober­läufe machte Lvrd Curzon anderthalb­stündige Ausführungen über die Pariser Kon­ferenz betreffend die Orientfrage. 3m Laufe feiner Ausführungen sagte Curzon, eine Lösung des Orientproblems sei nur bei enger Zusammen­arbeit der Alliierten möglich. Keine Macht dürfe ein Sonderabkommen sch ienen Die Pariser Ver­handlungen seien schwierig gewesen, aber sehr freundschaftlich geführt worden. Die Beschlüsse feien einstimmig erfolgt Wenn die Türkei und Griechenland die an sie ergangene Einladung annehmen, werde der vollständige Text der Reso» I lution der Pariser Konferenz ihnen mitgeteilt s werden. Griechenland habe bereits den I Waffenstillstandsvorschlag angenommen. Die; Türkei habe wegen der Schwierigkeit der Ver­kehrswege noch nicht geantwortet. Der Vorschlag, dah Kleinasien von den Griechen geräumt werden solle, fei gerecht in Anbetracht des Um­standes, daß die Alliierten mit Recht, vielleicht auch mit Unrecht, die Griechen eingeladen hatten, 1919 nach Armenien zu fommen. Wenn der Waffenstillstand angenommen werde, so würden daraus die Bedingungen für die Räumung Ana­toliens durch die Griechen festgesetzt werden. Die Räumung wurde 4j/2 Monate dauern Wenn sie vollzogen sei. werde es sich darum handeln, den unter türkischer Herrschaft verbleibenden Minderh'iten die religiöse und Schulfreiheit zu sichern. Darüber werde der Völkerbund zu wachen haben. Die Armenier müßten ein Gebiet er­halten, welches sie als ihre Heimat betrachten könnten und das in politischer, intellektueller und religiöser Beziehung unabhängig sein müsse. 3m Augenblick ließe sich noch nicht sagen, ob sich die nationale Heimstätte der Armenier im Rord- osten der Türkei oder in einem Teile von Cilicien befinden werde. Auf jeden Fall sei klar, daß kein europäischer Staat in der Lage sei, sich Ar­meniens we en in kriegerische Operationen einzu­lassen. Somit verbleibe als einziger Ausweg der Abschluß eines Vertrages. Heber die Räu­mung von Smyrna sagte Curzrn. die dort verbleibenden Griechen würden bezüglich ihrer bürgerlichen Rechte dem Schutze des Völkerbundes unterstehen. Was die Meerengen betreffe, so würden die Mächte niemals wieder einer I Schließung eines gr ßen internationalen Ver­kehrsweges Austimmen. Die internationale Kon-1

ferenz für die Meerengen werde weiterhin die Schisfahrt kontrollieren. Die Vereinigten Staa­ten, Griechenland, Rumänien, Bulgarien und Rußland, letzteres, toenn es die gestellten For­derungen befriedigen würde, würden das Rech' haben, Vertreter in der internationalen Koni» mifsion zu haben. Konstantinopel würde sobald als möglich nach Abschluß des Frieden, geräumt werden. Der Sultan werde verbleiben. Er werde auch über eine beschränkte aber aus­reichende Macht verfügen. Uebcr Thrazien sagte der Minister, es würde nicht allein un­gerecht, sondern auch unmöglich sein, von her Griechen zu verlangen, daß sie nach der Räumung von Anatolien auch noch Ostchrazien aufgeben sollten.

Die Presse über den parlameutarischen Sieg der Regierung.

Berlin, 31. März. Zu dem Ergebnis der gestrigen Abstimmung im Reichstage über das Vertrauensvotum für den Reichskanzler Or. Wirth schreibt dieGermania": Die 248 Abgeordneten, die ihr klares und bedeutsames Za durch ihre Stimmenabgabe aussprachen, bilden ein Ganzes von Stresemann bi» Scheidemann, und zwar ein Ganzes, das genau zwei Drittel der Vertretung des deutschen Volkes ausmacht. Das letzte Drittel umfaßt aber keineswegs nur wirkliche Opposition, sondern wie herum zu einem Viertel Unentschiedene, die nicht 3-a und nicht Rein zu sagen vermochten. Tatsäch­lich stehen also ber Mehrheit von 248 Zustimmen den lediglich 81 Verneinende gegenüber, d. h. von den Parlamentariern, die eine entschiedene und klare Stellung in dieser Lebensfrage deS deutschen Volkes einnehmen, schart sich eine gut< Zweidrittelmehrheit um den Reichskanzler.

DieDeutsche Allgemeine ZI g. bemerkt zu der von der Deutschen Volkspartei gestern im Reichstage abgegebenen Erklärung: Die Erklärung stellt in ilebercinftimmung mit allen deutschempfindenden Volksgenosien fest, daß die in den Roten der Reparationskommission den deutschen Volke angefonnenen Forderungen nicht bloß wegen ihrer absoluten Unfinnigfcit, sondern auch wegen ihres für das nationale Ehrgefühl unerträglichen 3nhaltes rundweg abzulehnen sind. 3ndem aber das Vertrauensvotum auf eine Stellungnahme zu den übrigen Ausführungen, die der Reichskanzler in seiner großen Rede am Dienstag gemacht hat, also auf eine Stellung- nähme zu "der-Frage, ob die vom Reichskanzler bisher verfolgte Ersüllungspolitikk für das Deutsche Reich segensreich gewesen sei oder nicht, verzichtete, war es der Deutschen Volkspartci möglich, für daS Vertrauensvotum zu stimmen

DasB e r l. T a g e b l." nennt die gestrige Abstimmung einen großen bar'amentarif-f'cn Sieg der Regierung. Bei allen Meinungsverschieden beiten im einzelnen habe das Parlament gestern einstimmig die unerfüllbare und unerträgliche Rote der Entente als solche abgelehnt Das Ka- birett geht, gestützt auf eine große parlamentarische Mehrheit, nach Genua.

Auch derV 0 r to ä r t s" unterstreicht, daß die Regierung Wirth, mit einem Vertrauens­votum von einer Zweidrittelmehrhtzeit aukge üstel, den vpn ihm aufgenommenen Kampf um die letzten Lebensrechte unseres Volkes weiterführen und den Gang nach Genua antreten kann.

DieFreiheit" hebt hervor, daß die un­abhängige Fraktion in ihrer Erklärung keinen Zweifel daran gelassen hat, daß sie den Gingriff der Entente in die Finanzhoheit Deutschlands und den Versuch einer Kontrolle über die deutsche Wirtschaft auf das Schärfste zurückweist, so dal' das Ausland erkennen müsse, daß es in diesei Frage auf die allgemeine Gegnerschaft des deut' scheu Volkes stoßen werde.

Eine großdeutsche sozialdemokratisch» Partei in Polen.

CBerlin, 33. März. (Priv.-Tel.- Wie bu Blätter aus Breslau melden, haben sich die Ver­treter aller sozialistischen Richtungen in den an Polen abgetretenen deutschen Gebieten zusammen- geschlossen und eine einheitliche Groß­deutsche sozialdemokratische Partei in Polen gegründet. Die neue Partei umfaßt die Mehrhcitssozialdemok.aten, die Urtab.*c::gf- gen and die deutsche sozialdemokrati'che Partei Dielih-Teschen. 3n dem Aufruf b^ze ch et ötc Partei als ihre besondere Aufgabe d e Erwei­terung und den Ausbaa der sorjalen Rechte ind Errungenschaften, welche sich die deutschen Ar­beiter erkämpften.

Aus Oberschlesien.

Wie dieZeit" aus Oppeln meldet, stellt d«n seit einigen Monaten in Gleiwih erscheinend? Ostdeutsche Herold" am 1. April leir Erscheinen ein. Auch dieOppelerMorgen- Sei tung" wird vom 1. April ab nicht mehr erscheinen. Damit verliert dir DeutschnationaU Volkspartei Oberschlesiens ihre letzten Organe von Bedeutung.

Die Verhaftung der Schupobeamten in Oberhausen.

Essen, 30. März. (Wolff.) Heber die Ver­haftung der Schupobeamten in Ober­hausen wird uns mitgeteilt: Oberhausen ge­hört an sich nicht zum besetzten Gebiet. Sein westlicher Stadtteil fällt aber in die sogenannte Dewegungszone, die durch belgische Sicyerheits- patrvuillen begangen wird und für die die glei­chen Bestimmungen wie für das besetzte Gebiet gelten. Es versieht aber die Schutzpolizei den