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Nr. 282

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172. Jahrgang

Donnerstag, 50. November 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitSls-Buch- und Zteindruckerei H. Lanze in Gietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jebe Verbindlichkeit Preis für 1 mm höhe' Anzeigenv 27 mm Breit« örtlich 8 Mk., auswärts 10 Mk.; für Reklame Anzeigen von 70 mr* Breite 32 Mk. Bei Platz Vorschrift 20 u/0 Aufschlag Hauplschriftleiter: Aug Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Gießen.

Poincares Pläne.

Man schreibt uns aus dem besetzten Gebiet am Rhein:

Die staatlichen Gruben haben im preußi­schen Haushalt stets einen gewissen Ehren­platz eingenommen. Der Tleberschuß der preußischen Dergverwalrung betrug im Jahre 1919 mehr als 110 Millionen Mark, was für jenes Jahr viel Geld war. Seitdem ist man­ches anders geworden. Am 10. Januar 1920, dem Tage Ker Ratifikation des Versailler Ver­trags, ging die Dergwerksdirektion Saar­brücken mit ihrem gesamten Grubenbesitz in das Eigentum Frankreichs über. Damit ver­ringerte sich die Zahl der deutschen Staats­gruben von insgesamt 23 Werken auf 11 Werke. Der Genfer Spruch, der Oberschlesien in Stücke riß, tat das übrige. Die staatlichen Bergwerke Oberschlestens fielen überwiegend an Polen. Dem preußischen Staat blieben, ab­gesehen von den kleineren Steinkohlenberg­werken am Deister und bei Obernkirchen, nur noch die staatlichen Zechen Westfalens.Die­sen gilt Poincarös neue st e Pfän­de r p o l i t i k ! Sie zerfallen in die eigent­lichen, im nördlichen Ruhrgebiet gelegenen Staatsgruben, und in die Aktiengesellschaft Hibernia". Die Förderziffern der von Len Staatsbehörden verwalteten Gruben, von denen vor allem die bei Buer gelegenen Zechen Bergmannsglück und Westerhold zu nennen sind, betrugen im Jahre 1921 rund 4A? Mil­lionen Tonnen. Ungefähr die gleiche Tonnen­zahl lieferten die zu derHibernia" gehörigen Zechen, so'dah die Zahresförderung der fis­kalischen Gruben rund 9 Millionen Tonnen beträgt. Da die Förderung des gesamten Ruhrkohlenbezirks im vorigen Jahre 94 Mil­lionen Tonnen ergab, so entfallen auf die staatlichen Bergwerke einschließlich derHi­bernia" (deren Erträgnisse in die Staatskassen fließen) 10 Prozent der im Ruhrgebiet ge­wonnenen Kohlen. Mit dem gleichen Prozent­satz, nämlich mit 2,4 Millionen Tonnen von 23 Millionen Tonnen, sind die Staatsgruben an der für die Eisenindustrie ungeheuer wich­tigen Kokserzeugung beteiligt. (Der metallurgische Koks ist für die französische On- dustrie sehr notwendig!) 10 Prozent der deut­schen Ruhrkohlenproduktion wünscht also Frankreich als Pfand für seine Wiederher­stellungsforderungen in seinen Besitz zu bringen.

Das wäre das eine. Das andere Pfand sollen die fiskalischen Fichtenbestände der linksrheinischen Forsten sein. Es ist nicht das erste Mal, daß die Franzosen chre Hände nach dem Waldreichtum der Eifel ausstrecken. Zur Zeit Napoleons I. muhte fast die ganze Eifel abgrholzt werden, um die ungeheure, von den Franzosen auferlegte Kontribution zu zahlen. Hundert Jahre an­gestrengter Arbeit waren nötig, um nach den damaligen Verwüstungen wieder ertragreiche Waldungen zu schaffen. Möglich, dah Frank­reich die Eifel als Sprungbrett zum benach­barten Hunnsrück betrachtet, der gleich­falls sehr wertvolle staatliche Waldungen be­sitzt. And man übersehe nicht: Außer diesen beiden Waldgruppen liegen im besetzten Ge­biet die 120 000 Hektar großen bayerischen Staatsforsten der Pfalz und die fiskalischen Waldungen des R ederrheins im Kölner und Düsseldorfer Bezirk. Die sehr wertvollen Wal­dungen im Kreise Eupen-Malmedh sind be­reits durch die sogenannte Abstimmung an Belgien gefallen. Merkt man immer noch nicht, daß Besetzung, Reparationen, Sanktionen und Pfänder nichts anderes sind als Vorwände für B-utepolitik, Raub und Zerstörung?

Protestkundgebungen des Rheinlands.

Wie aus Köln gemeldet wird, geht durch die Rheinlande wegen der in Paris angelündigte.r Politik der produktiven Pfänder eine starte Er­regung, die ihren Riede.schlag in eurer Reihe von Entschließungen findet. In einer Resolution der christlichen Gewerkschaften heißt es: Die Zeit ist vorbei, m der über das nationale Geschick eines Volkes von Len Machtpolitikern allein entschieden wird. Ohre den Willen des arbeitenden Volkes am Rl)ein gibt es kerne Lösung aller der Fragen, die wieder aufgeworfen siird. Die Freien Gewerkschaften haben eine Entschließung ähnlichen Inhalts gefaßt. Dste Kölnische Zeitung" veröffentlicht eine Reihe weiterer Kundgebungen aus den verschic- Lenften Kreisen der Bevölkerung und betont, dah das ganze Rheinland heute erneut der Welt z rufe, daß es deutsch ist und deutsch bleiben wolle.

Ein Dementi desTemps".

Paris, 30. Rov. (WTD.) Der »Temps" spricht von einem Gerücht, das in Berlin verbreitet sei, die deutsche'Re­gierung hätte von der französischen eine Rote erhalten, in der mitgeteilt werde, dah, wenn

die Lösung der ReparationSftage nicht durch Vorschläge der deutschen Regie­rung sichergestellt werde, die französische Re­gierung gezwungen sein werde, gewisse Mah­nahmen zu ergreifen, um sich Pfänder zu ver­schaffen, welche die Ausführuag der auf den Verttag gegründeten Ansprüche sicherstelle. DerTemps" glaubt zu wissen, dah dieses Ge­rücht unbegründet ist. Die französische Regie­rung ließ eine derartige Rote nicht nach Ber­lin abgehen.

Die englische Presse gegen die französischen Drohungen.

London, 29. Rov. (Wolfs.) Die heutige Morgenpresse befaßt sich eingehend mit den Be­richten der französischen Presse über die am Mon­tag abgehaltene Elysee-Konserenz und mit der er­neuten französischen Drohung mit Zwanysmah- nahmen, die für einen Fehler im gegenwärtigen Augenblick angesehen wird.

»Daily Chronicle" schreibt, die Ramen der Persönlichkeiten, die an der Konferenz teil­nehmen, bestätigen, daß auf der Konferenz die Besetzung deutschen Gebietes vom militärischen Standpunkte sowie im Hinblick auf die Kohlen­bergwerke erörtert wurde. Riemand werde daran zweifeln, daß die französischen Presseberichte von Perlönlichkciten herrühren, die an der Konferenz teilgenommen hätten, und daß die Berichte im wesentlichen wahr seien. Entweder bedeute dies nur ein Säbelgerassel oder es sei das Vorspiel der Ausführung eines endgültigen Planes, um die Grenzen des Versailler Vertrages umzustoßen und Deutschland zum Opfer des f ran» zösischenMilitarismuszu machen. In dieser Lage würde die britische öffentliche Mei­nung der augenblicklichen und jeder anderen Re­gierung nicht erlaubmi, weiterhin mit Frankreich zusammenzuhandeln.

Die ^Westminster Gazette" schreibt, die britische Regierung werde gezwungen sein, klarzustellen, dah, wenn Frankreich in der ge­planten Richtung handeln solle, es dies ohne Mitwirkung Englands tun müsse. Wenn Frankreich so vorgehe, wie es in den offiziösen Berichten aus Paris angedeutet werde, so suche es eine Regelung auf einem Wege, auf dem Eng­land nicht mit ihm zusammengehen könne.

Die »Time s" hebt unter Hinweis auf die im Unterhaus eingebrachte Anfrage, ob die ftcin- zösische Besetzung des Ruhrgebietes nahe bevor- stehe, die Gefahr hervor, dah jede Tendenz auf feiten Frankreichs, in diesem ernsten schwierigen internationalen Problem eigenmächtig vorzugeben, zu tiefen Besorgnissen, in England und, wie die letzten Berichte aus Washington zeigten, auch in Amerika Anlaß geben wür­den. Das Blatt fährt fort, England habe eine neue Regierung, die, wie Bonar Law am Montag erklärt habe, vollkommen frei sei, die gesamte Politik der Reparationen und interalliierten Schulden, wie sie in der Balfournote aufgeworfen wird, von allen Gesichtspunkten neu zu erwägen. Es müsse das Ziel der britischen Regierung sein, soweit wie möglich mit Frankreich zu gehen in der Richtung, die sowohl Frankreich tote auch England wünschten. Es würde für England schwer sein, nach Brüssel zu gehen, bevor der Boden mit den Alliierten geprüft worden sei. Die Vor­bereitungen dieser Art könnten nicht einseitig sein. Wenn die britische Regierung bereit sei, um­fassende Vorschläge zu machen, die die Frage von allen Gesichtspunkten behandeln, so müsse die französische Regierung ebenfalls bereit sein, ähn­liche Vorschläge zu machen und England nicht nur mit Plänen für Sanktionen und Pfänder kommen. Die französischen Staatsmänner und die verantwortliche französische öffentliche Meinung mühten einsehen ebensosehr, wie dies in England erkannt werde, dah eine »vereinigte Front" der Alliierten mit Bezug auf Deutschland und die wirtschaftliche Lage Europas von weit größerer dauernder Bedeutung sei, als die Beschlagnahme irgendwelcher Pfänder am Rhein und darüber hinaus. Das einzige Mittel, die Lösung des europäischen Wirtschaftsproblems zu beginnen, sei, das Zusammenarbeiten und Zusammenwirken auf wirtschaftlichem Gebiet wiederher­zustellen. Es könne kein Zweifel darüber vestehen, dah eine eigenmächtige Aktion zur Erzwingung von Reparationen, wenn sie auch technisch und sogar moralisch noch so gerechtfertigt wäre, Europa noch weiter zersetzen, statt seine Wieder­herstellung fördern würde.

Vorbereitungen für Brüssel?

Paris, 30. Rov. (WTB.) Rach demPe­tit Parisien" sei es ziemlich sicher, dah die Mi­nisterpräsidenten von England, Frankreich. Ita­lien und Belgien, die direkt an der Konferenz von Brüssel interessiert sind, in der kommenden Moche in London Vorberatungen abhalten würden.

Paris, 29. Rov. (WTB.) Havas teilt mit: Als Bonar Getto gestern durch Vermittlung des französischen Botschafters in London Poin- care habe toifLen lassen, dah es ihm infolge der parlamentarischen Arbeiten unmöglich wäre, vor dem 15. Dezember nach Paris zu kommen, daß er es aber begrüßen würde, vorher in Lon­don eine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten zu haben, hat Poincare ihm heule mitgeteilt, daß er geneigt wäre, sich kom­mende Woche nachLondonzu begeben, um mit dem englischen, dem italienischen und dem belgischen Premierminister über die Fragen im Zusammenhang mit der Brüsseler Finanzkonfe­renz sich zu besprechen.

Der Militarismus in der französischen Kammer.

Paris, 29. Rov. (WTB) Die Kammer ist heute im weiteren Verlaufe der Dudgetbera- lungcn zur Diskussion des Heeresbud- g e t s übergegangen.

Der Berichterstatter Calary de Lerna- ziere kam im Verlaufe seines Berichtes auch auf die Frage der Abrüstung zu sprechen und ei klärte, die französische These habe bei den letzten Verhandlungen des Völkerbundes den Sieg davongett.aaen. Es sei eiäe geschichtliche und geogocAhischr Fatalität, dah Frankreich als Bar­riere gegen alle Gewaltversuch? zu dienen habe. Frankreich bewache fast allein die Rheingrenze. Es schnne, daß augenblicklich sich alle chauvinistischen Elemente gruppierten, in Italien, in England, in Polen, in Bayern, in Preußen, in der Türkei und, wie man augenblick­lich sehe, auch in Griechenland. Man müsse die Sicherheit Frankreichs gewährleisten, um sich vor schmerzliche Enttäuschungen zu bewahren.

Der Berichterstatter des Heeresausschusses Fabry erklärte, die Hoffnungen, die er bei der Beratung des Heeresgesetzes Über die Sicherheit Frankreichs ausgesprochen habe, hätten sich nicht vollkommen realisiert. Wir müssen immer be­denken, daß Amerika und England sich nicht um ihre Landesgrenze zu sorgen hätten; sie seien durch das Meer geschützt. Richt so stehe es mit Frank­reich, das immer die Augen nach Osten gerichtet habe. Frankreichs Sicherheit beruhe auf der Besetzung der Rheinlande, auf der Abrüstung Deutschlands, aus dem Garantieab­kommen und auf dem Völkerbund. Wo aber stehe man? Reichskanzler Cuno verlange, dah Frank­reich sobald wie möglich das Rheinland verlasse. Die Kommission des Generals Rollet stoße auf Mangel an gutem Willen bst Deutschland, das feine industrielle Mobilmachung betreibe, das 502 000 Tonnen Stiststosf anstatt 132 000, tvie vor dem Kriege, herstelle. Die Garantieabkommen feien nicht unterzeichnet worden. Die französische Militärorganisation sei also die wesentliche Vor­aussetzung der französischen Sicherheit. Der Be­richterstatter wirft noch einmal die Frage der Herstellung von Kriegsmaterial und der indu­striellen Mobilmachung auf und sagt schließlich: Wenn wir in Berlin eine finanzielle Kontroll­kommission ähnlich der Kommission Rollet orga­nisiert hätten, wären wir vielleicht schon bezahlt.

Der sozialistische Abgeordnete Paul Don- cour spricht sich alsdann ebenfalls über die industrielle Mobilmachung aus und vedauert, dah Frankreich noch gezwungen sei, 830 000 Mann unter den Waffen zu halten. Der Redner erklärt, Frankreichs Silcherheit sei mehr als je prekär. Sodann ergreift Andre 2 e f e b r e das Wort und erklärt, Clemenceau habe mit einem wunder­baren Mut jenseits des Ozeans behauptet, dah Deutschland einen Revanchekrieg vorbereite. Da­mit habe Clemenceau anerkannt, daß die Entwaff- r:ung Deutschlands es nicht hindere, den Krieg vorzubereiten. Andre Lefebre erinnert an die zahl­reichen Zwischenfälle, d ren Opfer, die Kontroll­kommission in D u schland geworden fei. Er be­merkt, daß demnächst infolge eines lange vorbe­reiteten und geplanten Zwischenfalles man sich vielleicht in die Rotwendig eit ersetzt sehen würde, diese Gewalttaten nicht me/_ hin-.unehmen. Des­halb fei es die Pflicht der Kammer und der Re­gierung, auf alle Eventualitäten sich gefaßt zu machen. Der Redner unterstützt die von dem Abg. Doncour gefordert» Kriegsma:erialpolitik. Man müsse aber auch eine Politik der Mannschaf­ten betreiben. Trotz aller Bemühungen fei für das Kriegsmaterial noch nicht das Erforderliche ge­schehen. D^r Redner wendet sich, auch gegen Sie Schließung von Fabriken, die Kriegsmaterial Her­stellen.

Kriegsmini st er' Maginot ergreift hierauf das Wort, um darauf hinzuweisen, daß man unmöglich die nationale Verteidigung und die Sicherheit Frankreichs budre'ären Rücksichten opfern könne. Frankreich habe seine Dienstzeit um die Hälfte und seine militärischen Ausgaben um ein Drittel vermindert. Wie könne man es also des Imperialismus bezichtigen? We m man die Zählen von 1923 mit den Ziffern von 1914 vergleich?, müsse man die letzteren mit 3 ober Zi/z multiplizieren: dann werde man erkennen, daß das KrieZ^budget jetzt um P/e Milliarden geringer sei. DerMinister verbreitet sich alsdann über technische Fragen der He-eresorganisation und sagt zum Schluß, man müsse die erforder­lichen Opfer für das Heer brin'en, nicht nur, um stark zu sein, sondern um genügend stark zu sein, die Sicherchstt und den Frieden sowie den Sie^ zu gewährleisten.

Rach tochteren Bemerkungen wird alsdann die Seneraldiskussion geschlossen und die Kammer geht zur Einzeldiskussion über.

Von ClÄmcnccans Propngnndareise.

Reu York, 29. Rov. (WTB.) Funkspruch In einer Rede im Auditorium in Chicago be­klagte Clemenceau, daß Amerika seine Ver­bündeten im Stich? gelassen habe, ohne sie ge­nügend lange vorher davon in Kenntnis gesetzt zu haben, so d^ß sie andere Abmachungen nicht hatten treff'm können.

Wie dieReutz 0 rk Time s" mitteilt, tourt:, jedem, der das Auditorium betrat, ein Flugblatt überreicht mit der Üeberfchrift:Ein offenes Wort zu Clemenceaus Propaganda". Das Flugblatt enthielt einen Aufsatz, betiteltDas heutige Deutschland". Rach feiner Rede teilte Clemenceau 45 Fälle angeblicher Verletzungen des Vestailler Vertrages mit. welche die interalliierte militärisch? Kontrollkommission gemeldet habe.

Berlin, 30. Rod. Wie die ^Deutsche All­gemeine Zeitung" aus Reuyort meldet, wurde

Clemenceau während seiner Rede im Audi­torium zu Chicago von den Zuhörern aus- gepfiffen und lächerlich gemacht.

Völkerrechtsberatunqen im Haag.

Washington, 20. Rov. (WTB.) Die Vereinigten Staaten haben die Teil­nahme der niederländischen Regierung an den Verhandlungen der Iuristenkom- Mission vorgeschlagen, die am 10. Dezember im Haag beginnen sollen und die die Regeln des Völkerrechts zum Gegenstand haben.

Die Konferenz in Lausanne.

Lausanne, 29. Rov. (WTB.) Die Kon­ferenz hat heute abend folgenden amtlichen Bericht herausgegeben: Der Ausschuß für terri­toriale und militärische Fragen hielt heute vor­mittag 4 Uhr die üblich? Sitzung ab. General W e y g a n d verlas den Bericht der Unterkom­mission, die mit der Prüfung der Entmilitarisie­rung verschiedener Inseln im Aegäischen Meere beauftragt war. Es entspann sich hierüber eine Debatte an der Ismet Pascha, Osclamanos und Lord Curzon teilnahmen. Die Schlußfolgerungen des Berichtes wurden angenommen. Die tür­kische Delegation formulierte Vorbehalte zu den verschiedenen Punkten.

Hierzu erfährt man: Die Beratungen im Unterausschuß am Vormittag und Rachmittag haben zu lebhaften Aus stnandersetzungen zwischen den Lücken und Griechen sowie den Türken und den Engländern geführt. Der angenommene Be­richt, von dem der amtliche Bericht spricht, be­faßt sich ausschließlich mit den Inseln an der kleinaslatischen Küste, Chios, Mytilene, Samos und Ithaka, und zwar nur b^üglich des Prinzips der Entmilitarisierung, das von allen Delegierten angenommen wurde. Die Frage der Auto^ nomie der Inseln, die die Türken forderten, wurde offen gelassen. Die Einwendungen Ism:: Paschas, von denen der amtliche Bericht sprich,, bezogen sich u. a. hierauf.

Die Antwortnote an RuhlanÄ.

Qaufanne, 30. Rov. (WTB.) Die r u s si sche Delegation erhielt gestern vor­mittag die Antwortnote der Alli­ierten auf die Rote Rakowskis. Sie hat fol­genden Wortlaut.

Die Präsidenten der Konferenz beehren sich den russischen Delegierten den Empfang der Rote vom 27. Rovember zu bestätigen. Sie erlauben sich Rakowski und Worvwski darauf aufmerksam zu machrn, daß sie nicht die Auslegung aneriertnen können, die sie dem Telegramm geben, das die französisch? Regierung am 14. Rovember an Tschitscherin gerichtet hat. Dieses Telegramm ent­spricht übrigens der Rote, die Tschitscherin .ramens der englischen und italienischen Regierung über­reicht wurde, und präzisiert, daß die Vertreter Sowjetrußlands das Recht haben, wahrend der Dcl>atte über die Meerengen frage an den Verhandlungen wie auch an den Ent - s che idungen teilzunehmen, dah sie infolge­dessen in der Lage sein werden, ihre Meinung bekanntzugeben. Die französische, italienische und englisch? Delegation find der Ansicht, daß diese Unterredung zu keinerlei Mißverständnissen An­laß gibt. Die russisch? Delegation werde infolge­dessen eingeladen, an der Debatte über die Meer­engenfrage teilzunehmen. Die erste Zusammen­kunft der Kommission, die von der Konferenz mit der Prüfung dieser Angelegenheit beauftragt wurde, ist auf Freitag vormittag festgesetzt worden.

Die Rote ist unterzeichnet: Curzon, Darrere. Garroni.

England und Rußland.

London, 29. Rov. (WTB.) Bonar Law teilte im Unterhaus auf eine Anfrage mit, daß die Bedingungen, die spezifiziert worden feien als Grundlage, auf der die britische Regcr- rung bereit sei. die Sowjetregierung an­zuerkennen, folgende seien: Anerkennung der Schulden. Wiedevhersie.lung des Eigentums oder rr-irfiame Kompensation und Einstellung der poli- tisch?n Propaganda. C l y n e s fragte hieraus, ob irgendeine Antwort von Rußland eingegangen sei. .seitdem diese Bedingungen auf der Koniecenz niedergelegt worden seien. Donar Law erwiderte, er erinnere sich [einer Antwort.

Donar Law teilte außerdem noch mit, daß. keine endgültigen Vorkehrungen be­züglich ber Abhaltung einer internatio­nalen Konferenz in Brüssel getr'rf>n worden seien.

Aus dem Reiche.

KohlrnpreiserhöhunZ2N.

Berlin, 29. Rov. (WTB.) Die Material» Preiserhöhungen haben die Organe der Kohlen­wirtschaft zu weiteren Kohlenpreis- erhöhungen gezwungen, die ab 1. Dezew.ber Platz greifen. Die beschlossenen Erhöhungen be­tragen pro Tonne: für Rheinland-W. st'a e 1 (Fett förderkohle) 5737 Mk., für Sachsen durchschnittlich 8948 Mk., Riederschlesien 7318 Mk., Aachen-Esch- weiler 6479 Mk., Aachen-Rordstern 7395 Mk., Riedersachsen-Bartoingdaltten 7377 Mk.. Rieder- sachsen-Ibbenbüren 6708 Mk., rheiniscke Braun­kohle (Rohkohle) 919 Mk., Briketts 3264 Ml. mitteldeutsche Braunkohle «Rohkohle) 1275 Mk., Briketts 3558 Mk. Einbegriffen in dic uschlage ist die Erhöhung der fo'ia'-' Dtttr ste um 45 Mk und ein Zuschlag für die Terg nn-';ci n- stätten von 49 Mk. pro Tonne, während die