Schuhgeseh etn AuSnahmegefeh fet; daher scheint Gbermeyer auch dieser Meinung zu sein Es dürfe nicht da>,u kommen, daß die Justiz sich zur Magd der Politik mache. Man demokratisiere den Richterstand, würde jetzt alles fvrtjagen, was nicht demokratisch eingeschworen sei Reichspräsident Gbert habe die Selbstzerfleischung des deutschen Volkes bedauert: wenn er sie beseitigen wolle, müsse er sofort Herrn Wirth entlassen.
Sodann wurde folgende Entschließung, die sich au- dem Dortvag des Prof. Hoehfch ergab, angenommen:
»Millionen unserer Volksgenossen sind in ihrem Selbstbestimmungsrecht vergewaltigt und vom Deutschen Reich losgerissen worden. Dieser stärkst« Pfeiler un/seccr Kultur rnd Wirtschaft vor den Toren des Reiches darf nicht stürzen, er ist die unerläßliche Vorb?4>iTvg.mg für dieWiedererhebung unseres Volkes, den Wiederaufbau seiner Wirtschaft. Engster Zusammenschluß mit ihm zu einer deutschen Kulturgemeinschaft ist das erste Gebot nationaler Außenpolitik. Daher ist es Pflicht der Reichsregierung, den Schuh der deutschen Minderheiten mit allen Mitteln sicherzustellen und alle Opfer zu bringen, um die Verbindung mit unseien To t genossen w rtschaft ich und lultnr ll zu erhalten uno zu festigen. Der Zustrom Richtdeutscher, insonderheit aus dem östlichen Judentum, in das Reich ist abzuwehren durch straffe Handsxibung der bestehenven polizeilichen Vorschriften, dies ist etn Gebot der Delbsterhallung für unser Volk. Für die Grenzmarken und die Ausländsdeutschen müssen alle Stände im Reich opferbereit fein. Wirtschaft, Pre s -, Vereinswesen jeder Art müssen durch Aufklärung und Unterstützung jeder Art zusammenwirken, damit die Grenzmarksache immer mehr Sache des deutschen Volkes wird, ihvcc Schmal wird mitentschieden, wenn irgendwo etn Stück Grenzmarkdeulschtum sich gegen Vergewaltigung oder Ueberflutung nicht au behaupten vermag. Der großdeutsche Gedcm^r ist uns ein wesentliches Stück der wahrhaften deutschen Außenpolitik, zu der wir uns fveudig bekennen und In dessen Dienst wir uns stellen."
*
Die heutige Tagung eröffnete der frühere Oberbürgermeister von Köln, Abg. Wall
rafs, mit feinem Vortrag: Die Parteien am Scheideweg. Die Sozialdemokratie habe das von ihr erstrebte Ziel nicht erreicht. Der Achtstundentag sei ein Hohn auf unsere Wirtschaft. Zwar zeien sich die einsichtsvollen Sozialdemokraten dessen längst bewußt, von der Erkenntnis bis zum Bekenntnis sei aber ein weiter Weg. Bei der Sozialdemokratie leiteten nicht die Führer die Massen, sondern umgekehrt. Die wirtschaftliche Entwicklung bei der Sozialdemokratie sei eine Tragüdie. Der Grund sei gedankliche Schwäche. Von der rrationalen Macht, einem Faktor, wie ihn Kemal Pascha zeigte, habe die Sozialdemokratie feinen Schimmer. Sie kranke an dem Fehler, daß sie die Menschen für reifer, besser und klüger hiele, als sie in Wirklichkeit seien. Di« Entwicklung der Sozialdemokratie sei eine Entwicklung nach der radikalen Seite. Mit der marxistischen Sozialdemokratie können die Deutschnationalen nicht regieren. Aber sie bekämpfen nicht die Arbeiter, da ohne die Arbeiter kein Wiederaufstieg. Die bürgerliche Zerfahrenheit machte die regierenden Parteien abhängig von der Sozialdemokratie, deren Theaterdonner urrd den an die Wand gemalten Krisen sie einschüchterten. Lieber die emokratische Partei sei wenig zu saaen.
Ihr Lebensatem sei kurz. Die Demokraten wüßten nicht, was sie wollten. Sie bestünden aus Idealisten, Pazifisten und Juden, die sich gedrückt fühlten (Heiterkeit), und politischen Gelegenheitsarbeitern. Die Deutschnationolen weinten dieser Partei keine Träne nach. Mit ihrer Tatenlosigkeit gegen rechts und ihrem Respekt gegen links würden sie nur zwischen rechts und links zerrissen werden. Das Zentrum sei einstenS von Männern begründet worden, die rechts gerichtet waren, der Grundton der Partei war Schuh vor Thron und Altar.. Heute könne sich aber das Zentrum nicht mehr als eine Vertretung der deutschen Katholiken ansehen, seitdem es unter den unseligen Einfluß des Abg. Grz° berget geraten sei. Die Deutsche Volks- Partei habe durch chre Zustimmung zum Schuh- geseh für die Republik gleichfalls ihre Grundsätze verleugnet. Stresemann habe dem Redner gegenüber einmal bedauert, daß die Deutschnationalen sich selber isoliert haben, aber er habe zur Ant
wort gegeben, man isoliere sich doch nicht, weil man Grundsätze habe. Diese Grundsätze offen zu bekennen, sei gegeben durch unseren christlichen und nationalen Geist, und den völkischen Geist, der nicht wolle, daß wir uns einer fremdstämmigen Herrschaft unterordnen.
An diesen Vortrag schloß sich die Aussprache an. Rachdem Geheimrat Fischer- Breslau über die Katholiken und Zentrumspresse gesprochen hatte, sprach Graf W e st a r p zunächst dem Vorsitzenden für seine politische Führung Dank und Vertrauen aus. Der Redner sieht in der monarchischen Zukunft die einzige Möglichkeit des Wiederaufbaues. (Lebh. Beifall.) Richt mit Gewalt werde sie eingeführt werden, aber die Werbearbeit für den monarchischen Gedanken dürfe nicht erlahmen, der Preis des Zusammenregierens mit den Sozialdemokraten sei zu teuer. Dem Lockruf: Werdet doch koalitionsfähig I könne man nicht besser folgen, als die doppelte und dreifache Zahl von Abgeordneten in den Reichstag zu schicken.
Preuß. Landtagsabgeordneter B a e cf e r - Berlin kritisiert die Rechtsprechung des Strats- gerichtsHofes, der die „Rote Fahne" freigesprochen, das Verbot der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" aber gebilligt habe. Frau Abg. Lehmann-Berlin wirbt für die Frauenbewegung. Reichstagsabgeordneter Behrens verlangt für die Arbeiter gleichberechtigte Stellung in der Deutschnationalen Dolkspartei. Zum Schluß führt Abg. Dr. Helfferich aus, daß unsere Feste nicht wieder froh werden, ehe Deutschland sich frei weiß und die von uns gerissenen deutschen Brüder wieder zu uns gehören. (Beifall.) Höchstes Glück der Erdenkinder ist nur die Versöhnlichkeit, sagt der Weis« von Weimar, jedes Leben sei zu führen, wenn man sich nicht selbst vergißt, alles könne man verlieren, wenn man bleibe wie man ist. (Beifall.) Wir wollen nicht die Generation sein, durch die das deutsche Volk zugrunde geht. (Stürmische Beifallskundgebungen und Hochrufe auf den Redner und Besitzenden Hergt.)
Vorsitzender Herat nennt den Weg der Partei von München über Hannover nach Görlitz einen aufwärtsführenden Weg. Mit dem Gesang der ersten Strophe des Deutschlandliedes schloß die Tagung.
Aus Hessen.
Landtagsabgeordneter Dr. Osann.
feierte am 28. Oktober In Darmstadt feinen 60. Geburtstag. Dr. Osann stammt aus einer alten Pac lamentarierfamilie, bereits sein Vater war Mitglied der Rationalliberalen Fraktion des Reichstages von 1890—1897. Dr. Osann selbst gehörte dem Reichstag von 1907—1912 an, ist Mitglied des hessischen Landtages seit 1906, ebenso seit längerer Zeit Mitglied der Stadtverordneten- Bersammlung in Darmstadt und des Provinzial» larrdtags der hessischen Provinz Starkenburg. Die Ehrungen, die dem langjährigen Führer der Deutschen Volkspartei an seinem Ehrentage zuteil wurden, waren zahlreich und herzlich. Für den Landesverband Hessen der Deutschen Dollspartei und die Landtagsfraktion, die zur Gratulation vollzählig erschienen war, sprach der Landesvorsihende Herr Rechtsanwalt Dingeldev und überreichte Herrn Dr. Osann zum Andenken die Erinnerungen Hindenburgs. Für die Ortsgruppe Darmstadt der Deutschen Bolts Partei sprach Obexstaatsanwalt W ü n z e r, der Herrn Dr. Osann den Ehrenvorsitz der Ortsgruppe als Beschluß des Vorstandes überbrachte. Herr Staatsanwalt Petry gratulierte für die volksparteiliche Jugend Hessens. Frau Bierau für den Landesfrauen-Ausschii h, Frau Deinhard für den Frauen-Ausschuh Darmstadt, e
Darmstadt, 29. Oft. Die Abgg. Dr. Werner und Gen. (Dntl.) haben dem Landtage einen Antrag eingereicht, durch welchen die Regierung ersucht werden soll, mit Rüc^icht auf die im Reichstag in Aussicht stehende Lieberprüfung der Ortsllasseneinteilung, hierbei auch die Belange Hessens, als eines im wesentlichen gleichartigen Teuerungsbezirkes, tatkräftig zu vertreten, zum mindesten aber zahlreichen kleineren Städten und Landorten endlich zu ihrem Rechte zu verh.l en. Di s Iben Abg -ordneten beantragen weiter: die zweifellosen Vorteile unb Vorzüge der amtsärztlichen Llntersuchungen auch auf die Schülerhöhe re r^ehran st alten auszudehnen.
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