^sbenSmittelntschläge von 2 OKI. künftig n>eg- fallcn. Das Äu imay der Preiserhöhuige wurde nach den beigebixidjten Unterlagen wesentlich mehr durch die Steigerung der Holzmaterialienpreise ulr der Löhne beeinflußt. Rach eingehender Er- örtcrung, in der oon allen Seiten die ernste Sorge über die IBirlung dieser neuen starken Kvhce p eiserhöhurgen Ausdruck sand, erfolgt; dH > n ftimmung schließlich einmütig gegen oic Stimme eineö Arbeitnehmers.
Aus dem Hauptausschuß des Reichstags.
B e r l i n, 29. Rov. (WTB.) 3m Haupt auSschuß Des Reichstags wurde beim Rachtragselat des Reichswehrministeriums ein deutschnat.or icter Antrag abgeleynt, den Reichst! ' l) o f f 13 i e r e nn außerdienstlich ZU gestatten, die alten V o r k r i e g s u n i - s armen zu tragen. Beim Rachtrag.?etat der Marine bewilligte der Ausschuß für den obersten 3rwcn eurchef eine Admiralsstelle.
3er angebliche Plan eme^ Anschlags auf Dr. Wirth.
Berlin. 29. Rov. (Priv.-Tel.) Der Kaufmann Schulze aus Berlin, der seinerzeit Angaben über ein geplantesAtten- i a t gege; oc:t früheren Reichskanzler Wirth, bas im R ttag zur Ausführung gelangen "?IIte, wvra; selbst beteiligt war, machte, taurbe aus X Haft entlassen, da. wie der OberreichSa, r.'ii nitteilt, die Ermittelungen ergaben, daß d'e Angaben über den Alten- tatsversuch > cht der Wahrheit ent» sprechen, b .i. e.nend beruhen die Aeuherun- gen Schul-,; :• uf prahlerischer Großsprecherei.
®?Tie Rede des Reichskanzlers?
B e r l. r n, 30. Rov. Reichskanzler Dr. Cuno Cut eine GSlnl-c ntng des Vereins Berliner Presse zu 'nem am nächsten Sonntag statt- nndenden uim ang angenommen. Bei der Fest- 1 itjung im STJ ai^ihungssaat wird der Reichs- lanzler daS Wort ergreifen.
De Sole von Zeitschriften.
München, 29. Rov. (Süddeutsch. Kvr- refpondenzbi^eau.) Bor einiger Zeit hatte die bayerische Regierung angeregt, eine Ver- e'rnbaruiig der Länder untereinander dahin herbeizuführ.-n, daß zum Verbot einer Zeits:!)1 i i auf Grund des Republikschuy- gesetzes nur ejenige Landesregierung zuständig sein soll, in deren Bereich Die betreffende Zeilnn? < i e;nt Diese Anregung veranlaßte die „Germa.äa“ zu einer unter der Aeberschrift „Bayerische Beschwetden" veröfsentlichten Mitteil, wonach die Reichsregierung dazu eine ablehnende Stellung eingenommen hat, well es eine tief eingreifende 'Beeinträchtigung oer Rechte der Einzelstaaten wäre, wenn man ihnen verwehren wolle, auf ihrem GebietSum- fang Presseerzeugnlsse zu verbieten, die nirgendwo anders innerhalb des Reiches herausgegeben werden. — Demgegenüber dürfte die Tatsache von Interesse sein, daß nach dem nunmehr vorliegenden Ergebnis der Verhandlungen, die noch unter dem früheren Reichsminister Köster ihren Abschluß fanden, das Reichs- ministerium des 3nnem die bayerische Auffassung vollständig teilte und daß übrigens der S'aatsgerichtshof zum Schutze der Republik inzwischen entschieoen hat, daß zum Grlah der gedachten Verbote nur die Landesregierung zuständig ist. In deren Gebiet die betreffende Zeitschrift erscheint.
Die Regierungsbildung ht Sachserr.
Berlin, 29. Rov. Wie die Blätter melden. scheiterten die gestrigen Dresdener Verhandlungen zwischen dec sozialdemokratischen LandeSoraanisation und den Kö-mmunisten über die Regierungsbild unginSachsen, da die Kommunisten ficl) bei ihren Forderungen außerhalb der Verfassung stellten, deren Anerkennung von den sozialdemokratischen Vertretern als erste Voraussetzung für Die gemeinsame Arbeit in der Regierung aufgestellt wurde.
Se»* Streik in der Badischen Anilinfabrik.
Mannheim, 29. Rov. (Wolff.) Eine heute nachmittag in den Betrieben der Badischen Anilin- und Sodafabrik vorgenommene Abstimmung der Arbeiter hat eine Mehrheit für Den Streik ergeben. Die Arbeiter sind darauf in den Streik getreten, eö handelt sich um 21 400 Arbeiter. Die Fa- brikleitung hat hierauf die Entlassung sämtlicher Arbeiter ausgesprochen.
Die Herweghs.
Eine rechtsrheinische (beschichte von QieSbe t Dill.
49. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Bon nun an wurde Herweghs Korrespondenz strenger bewacht. Kleine Zettel flat'.erten in seine Zelle, die man den Wärtern auf dem Hos in die .'stand drückte; seine Mitgenvsien hatten ihm die Weihnachtsfeier nicht vergessen, die sonst immer trocken und kühl ausgefallen war, aber du^ch sterweghs Anwesenheit etwas Wärme und feft- lichm Glanz bekommen hatte. Ein gewerbsmäßiger -stehler, der schon über Jahr und Tag hinter seinem Gitter Matten flocht und keine andere Lektüre ’Xitte wie die Bibel, schrieb ihm ehren mit Sprüchen durchsetzten Brief, der tröstend schloß: „Run wird eS auch bald Ostern. Halleluja!"
„Am Sonntag Morgen, zierlich angetan,
Wohl weiß 4ch wo du da bist hingegangen —"
In der Dämmerstunde fd^ritt Herwegh singend in seiner Zelle aus und ab Seine Stimme klang wundervoll. Eine prachtvolle Akustik, dachte ec, diese kahlen Wände gaben die Töne wieder wie das Wasser.
„Als sie mir's sagten, hab' ich laut gelacht —"
War das Ernsts Stimme? Lutz, der- den langen Gang berunterfam, vom Wärter geführt, hielt unwillkürlich inne.
„ilnb in der Kammer dann gewehrt zur Rächt.
Als sie mh'S sagten, sing ich an zu singen" -
Wahrhaftig. Er war es. Lutz nxrr es, al« packte ihn jemand an der Kehle, und er hatte ein eigentümlichr« Gefühl im Halse, al« der
Aus Hefisn.
Em Protest des GestchgebuNgSomSschusses die französischr Gewaltpolitik.
m. st) armstadt, 29. Qlot>, Der Gesetz- gebungSausschuß des Larrdtags hat heute um.', Bostttz Dey Äbg. R u ß mehrere 'Beschlüsse i.. ant Die Vorstellung der Hess. Ar Veits- r in e i n s ch a f t für Siedelungswesenin Büdingen betr. das Hess. Landgesetz, soll ge- mviafar mit dem hierzu gestellten demokratischm
.।rd> einen besonders z-usamme igesehten Ausschuß beraten werden. Dee Antrag des Abg. Ruß tvir. die GerichtsreseoeNdare, sowie der Antrag der Qlbgg. Wünzer und Dingeldey betr. di stinrechnunci der Kriegsdienstzeit auf den Vobreituiiasdienst der Re.erendare, wurde nach längeir i DbiSeinandersehungen der Regierung, dir sich gegen die Anträge aussprach, ein- stimmig angenommen.
Dann wurde durch den 'Ausschuß folgende Entschließung angenommen: „Der in diesen Tagen wähveird der Vertagung des Plenums allein versammelte Ge'etzaebungsausschuß des Hess. Landtags legt feie rltchVer Wahrung gegen die neue Gefährdung deS beseh- ten Gebietes durch d ie Imperialist i- s ch e n Absichten d e r f r a n z ö s i s ch e n Regierung e i n. Der Ausschluß erblickt in den von der französischen Rsgierung halbamtlich be=" t'anntgegebenen Plänen des französischen Minister - und Krisgsrades einen Druchdes Versailler Friedensvertrags und des von den 'Alliierten immer verkündeten Rechtes der Völker auf Selbst beftirnnmng. Der Ausschuß for- leitung alle Kräfte dafür einzuetzen^ daß alles berl öle Staatdregierung auf, bei Der Reichr- oefchisht, um die drohende völlige Abschnürung des besetzten Gebietes durch die Politik Pom- cares und die Besetzung des Rührgebietes ab* Huwenden. Den b-edrph.en Volksgenossen des besetzten Gebietes sendet der Ausschuß Grüße der Rot und der Treue."
Aus Stabt und Lund.
Gießen, den 30. Rovember 1922.
starke Erhöhung
der Postgeb'ihren in Eickit.
Der Verkebrsbeirat der Postrerwa.tung beriet gestern die neuen Vorlagen über die Postgebühren. Demnach wurden ab 15. Dezember u a. folgende Sähe gelten:
Postkarten im Ortsverkehr 5 Ml., im Fernverkehr 15 Mk., Briefe Im Ortsver'ehr bis 20 Gramm 10 Mk, bis 100 Gramm 15 Mk., bis 250 Gramm 25 Mk, im Fernverkehr bis 20 Gr. 25 Mk, bis WO Gramm 35 Mk., bis 250 Gramm 45 Mk., Drucksachen nach Gewicht bis 1 Kg. 5—45 Mk, Geschäfts Papiere nach Gewicht 25—45 Mk , Pakete nach Gewicht bis 20 Kg. in der Raß-wne 125—850 Mk, in der Fernzone 250—1ZOO Mk, Postanweisungen bis zum Werte von 20 000 Mk von 12 Mk. ansteigend bis 80 Mk.
Der Verkehrsbeirat erklärte sich damit einverstanden, diese Sah: ab 15. 3anuartt>eiterAj erhöhen. Dagegen sprach er sich gegen Die neuen Fernsprechgebühren aus und erklärte sich nur damit einverstanden, daß ab 1. Oa.ruar die Grund- und Gesprächsgebühren an Stelle des bisherigen Zuschlags mit xi^ern solchen von 200 Proz. berechnet werden. Für das gewöhnliche Telegramm auf alle Entfernungen wird erhoben eine Grundgebühr von 40 Mk. und eine Wortgebühr von 20 Mk., bei Orts- und Pressetelegvammen die Hälfte. Die AuSlandgebühr soll betragen für Briese von 20 Gramm 80 Mk, für jede weiteren 20 Gramm 40 Mk., Postkarten 50 Mk; Drucksachen je 50 Gramm 15 Mk.
Die Gebührenvorlage geht nunmehr dem Reichsrat und dem Reichstagsausschuß zu.
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" Eino öffentliche Sitzung de« Provinzialausschusses findet am nächsten SamStag, vormittags 8>/sälhr, im Sitzungssaal des Regierungsgedäudes zu Gießen ftatL Tagesordnung: 1. Schulhausneubau Butzbach; hier: Enteignung von dem Landwirt Hermann Reitz daselbst gehörigem Gelände. — 2. Klage der Margarethe Weber zu Langsdorf gegen das Kceisamt Gießen wegen Versagung des Wandergewerbescheins für 1922. — 3. Klage des Ortsarmenverbandes Gießen gegen den Ortsarmenverband Bellersheim auf Erstattung von ilnter- stützungskosten und älebernahme des Hilfsbedürftigen Gg. Hümmer aus Bellersheim. — 4. Scheunenbau des Heinrich Schott V. in Groß-Felda; hier: Klage des Heinrich Ludwig Rühl in Groß- Felda gegen die Entscheidung des Kreisamts Alsfeld vom 30. März 1922.
** DiePreise fürGaS und Was- ser werden mit Wirkung von morgen, 1. De
zember, ab sehr wesentlich heraufgesetzt. Der Kubikmeter Gas kostet danach 10Z Mark, Wasser 43 Mark. Die Preiserhöhung wird mit der allgemeinen starken Vnkostensteige- rung deS Gas- und Wasserwerkes begründet.
"FürdieErgänzungs-undEr- satzwahlen zur Handelskammer werden im heutigen Anzeigenteil Termine und Wahlbezirke bekanntgegeben.
** Spende amerikanischer Du t heran er. Ein geborener Schützer, der Pfarrer Emil L i ft m a n n in Milcs, Texas, U.-QL, hat in lutherischen Gememden Nordamerikas durch Vorträge für deutsche, besonders hessische Rot, gesammelt. Der Ertrag der Sammlung, der in mehreren Sendungen herüberkam, ist bisher fvl- aenuer (ungenaue frühere Angaben, die durch die Presse gingen, werden dadurch berichtigt): Für die Innere Mission in Hessen 200 000 Mk. und 30 Dollar, die Theoi. Fakultät in Gießen (für Universitätsbibliothek, Theol. Seminar ufto.) 49 370 Mk. und 10 Dollar, Schliher Arme 5 Dollar, das Predigerfeminar Friedberg 7 Dollar, den Ev. Volksdienst in Frankfurt 34 556 Mk und 15 Dollar, die Dodelschwinghschen Anstalten in Bethel 17 392 Mk. und 10 Dollar, bestimmte Zwecke, für die Lehrer Elarius in Langen sammelt. 3 Dollar, 10 Dollar, sind in kleineren Beträgen für verschiedene Zwecke bestimmt. Dem hilfsbereiten Sammler und den Spendern ist vielfacher Dank sicher.
Wa r n u n g für Zi mm e r v e r m i e t er. Ein Schwindler, der sich als Stubent ausgibt, sucht Stu den tenwo hnu nge n auf und fragt bei den Vermietern an, ob der Student, dessen Ramen er auf dem Schildchen gelesen hat, zu Hause sei. 3m verneinten Falle stellt er sich als Freund des Mieters vor und ersucht die Vermieterin um äleberlassung eines Buches. Wenn ihm Einlaß gewährt wird, sucht er sich ein sehr wertvolles Buch heraus und verschwindest Auf diese Weise bat er verschiedene sehr wertvolle Bücher erschwindelt. Die Vermieter werden hiermit vor dem Schwindler gewarnt. Er wird wie folgt beschrieben: Etwa 1,75—1,80 Meter groß, schmale Figur, hageres, blasses Gesicht, trägt vereinzelt Kneifer, hat schwarzes Haar und ebensolchen Schnurrbart, dunklen 2Pv.ug, grauen äleberzieher und Rucksack. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalabteilung entgegen.
*■ Zur Anzeige gebracht wurden zwei Arbeiter eines elektrotechnischen Geschäftes, die Ältkupferdraht für einige tausend Mark in ihrem Geschäft entwendet und an einen Althändler verkauft hatten. Durch die hohen Dlthandelspreise mehren sich derartige Diebstahle täglich, obwohl in letzter Zeit sehr hohe Gefängnisstrafen verhängt worden sind. Die Althänbler werden in allen Fällen, wo sie fahrlässig handeln, wegen Hehlerei zur Anzeige gebracht.
*• Einstellung dLs Postscheckver- kehrs zwischen dem Saargebiet und dem übrigen Deutschland. Rach einer Mitteilung der Regierungslommijsicm des Saar» gebietet werden bei den Pvstanstalten des Saar» gebiete« vom 1. Dezember ab Einzahlungen mit Zahlkarte auf Konten bei den deutschen Postscheckämtern nicht mehr angenommen und Auszahlungen auf ®mnb von Zahlungsanweisungen, die von deutschen Postscheckämtern herrühren, nicht mehr geleistet werden. 3nfolgedessen werden auch die im Saargebiet durch Rachnahme oder Post- auftrag eingezogenen Beträge nicht mehr mit Zählkarte auf Konten bei den deutschen Postscheckämtern überwiesen werden. Zwischen dem Saargebiet und dem übrigen Deurschland wird hiernach vom 1. Dezember ab der Zahlungsverkehr auf Postanweisungen und Wertbriefe beschränkt.
Bornotizen.
— Tageskalender fürDonnerS- t a g. Reue Aula, 81/» Mr: Vortrag des Vereins für Luftfahrt. — Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Seepirctten", 5. Teil, und »Die Rächte des Ruppert Scharbach." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Das Weib des Pharao." — Palast-Lichtspiele, ab heute: „Sünden von gestern" und „Alles um die Höflichkeit."
— VortragüberdenRhönsegel- flug. Man schreibt uns: 3n der heute abend in der Reuen Aula stattfindenden Veranstaltung wird nicht bloß der vorn Verein für Luftfahrt eingeladene Vortragende, Herr B o t s ch , anwesend sein, sondern es werden auf Einladung unserer Studentenschaft mehrere Herren der akademischen Flie- gergruppe Darmstadt herüberkommen. Wir entnehmen dem „Darmstädter Tageblatt", daß sieben Mitglieder der Gruppe in diesem Sommer das D.plom als Segelflugzeugführer erlangt haben, und daß der Gruppe fünf erste, fünf zweite, zwei dritte und der einzige, der
Wärter die Tür ausschloh. Der Gesang brach ab, die Brüder standen sicy in der ungewissen Dämmerung gegenüber.
„Tag, Ernst." Lutz schüttelte dem Bruder die Hand.
„Ah---Lutz?"
„Za, ich; weißt du, ich märe schon längst mal gekommen, aber . . ."
„Du warst verhindert, versteht sich" sagte Ernst. „Aber ich hätte auch feinen Besuch angenommen.“
„Ich freue mich wenigstens, daß du den Humor behalten hast," fuhr Lutz fort, der in elegantem Zivil war, und wies auf den mit Büchern, Sch-eibzeug und Roten überschwemmten Tisch. „Du komponierst?"
„3a,“ sagte Ernst. „3eber hat manchmal das Bedürfnis, sich auszuleben. Och tue es in Roten Urob was führt dich her?" Ernst schob dem Bruder den einzigen Stuhl hin und nahm auf dem Fensterbrett Platz. Er hatte die Arme verschränkt und betrachtete Lutz' unentschlossenes, blasses Gesicht. Er hat mir etwas zu sagen, dachte er. „Dringst du mir Grüße von Mama?"
„Das auch." Aber Lutz war aus einem anderen Grunde gekommen. „Ich habe dir etwas zu beichten. Emst."
Ernst wurde um einen Schstn bleicher, er fuhr sich rasch durch daS Haar und sagte tonlos: „Also.“
„Ich wollte dir sagen — daß ich es war der damals die zweitauserw Mark aus dem Schreibtisch genommen hat."
Kein Laut.
S .nfi lehnte unbeweglich gegen das vergitterte Zensier, man sah von feinem Kopf Nur die Um-
riffe. Seine Hand tastete auf dem Fensterbrett, als wollte er etwas suchen — fortscheuchen.
„Du hast es dir wohl schon gedacht,' fuhr Lutz fori. „Wir hatten eine Verbi'.idung und brauchen Geld, und jemand sollte es beschaffen. Erler, der mit in der Klasse war. kniff, und weiß der Kuckuck, weshalb sie mich überall für wohlhabend halten, aber sie kamen zu mir, und ich — nun ja — es ehrte mich — ich fühlte mich dazu verpflichtet. Als ich an dem Abend heimkam, fand ich das Haus schon geschlossen und stieg über das Vorgartengitter ein. da sah ich die Schlüssel an Mamas Schreib.!sch hängen. Ein ©<iif, und ich hatte Geld. Wieviel es war, sah ich erst nachher, als ich in der Mansarde das Geld beim Kerzenschstn betrachtete. Ich schlief damals noch in der Eisregion oben. Ich erschrak sehr, laß es soviel war, und wollte es am anderen Morgen zurückbringen, aber als ich hinunterkam, hattet ihr es schon ter Polizei angezeigt, und ich fürchtete, wenn ich es gestände, würde ich geschwenkt. Ich nahm mir fest vor. es später Mama zurückzugebon, aber brr Augenblick kam leider nie. 3ch habe sehr darunter gelitten, das kannst du mir glauben.“
Ernst sah flüchtig auf und begegnete dem Blick des Binders. Aber das, was er auf dem Gesicht Lutz' suchte, sand er dort nicht.
„3ch hätte mich sofort gemeldet > wenn je der Verdacht auf eine., anderen gefallen toäie,“ fuhr Lutz fort. „Ader die Sach: blieb unaufgeklärt. Run habe ich gehört, daß man sie dir zuschieben will -"
„Ach deshalb bist du gekommen? ' sagte Ernst langsam. „Run, was ist daran so fonberbar? Wenn einer Smaragden stiehlt, nimmt er auch
Oberleitung zur Verfügung stehende Ehrenpreis, ein silberner Pokal, zuerteilt wurden. Möchte sich das Interesse an diesen außerordentlichen Erfolgen unserer hessischen Studenten auch hier durch lebhafte Beteiligung heute abend und durch kräftige finanzielle äln- terstützung betätigen.
-- ®in Kirchenkonzert des Konzert» organiften Adolf Wieber unter Mitwirkung ber Konzert- und Orator!enfängerin Elsa Wilhelm! wird im Anzeigenteile unseres heutigen Blattes angekündigt. Wieder ist in Gießen kein lln&cfannter, denn wir hörten ihn hier schon öfter. Durch feine über ganz Deutschland verbreiteten Kirch.'nkvnzertveranstaltungen hat er sich einen vorzüglichen Ruf geschaffen. Mit Rücksicht auf die Eigenart der diesmaligen Vorträge hat der Künstler die Walcker-Orgel der Iohannis- kiiche gewählt. 3n Elsa Wilhelm!- Berlin hat er eine Partnerin, die schon oft Gelegenheit hatte, durch ihre vorzüglich geschulte, große Stimme Bewunderung auszulösen. Es ist diesmal ein Advents ko nzert mit Dem Hinblick auf die kommende Weihnachtszeit. Das Programm, meisterlich alte und neue Meister verbindend, ist gut zusammengestellt. An Orgelvorträgen seien genannt: das gewaltige 8-Dur-Händelkonzert ('De arbeitung. von Wieder), ferner die berühmte Passacaglia (a. d „aparatus-musikv-organistikus") von Mussat und eine Introduktion des Münchener Komponisten 3. Haas. An Gesängen: Werke von Z. S. Bach 3. W. Franck und Peter Cornelius mit seinen trefflichen Weihnachtsliedern. Karten bei ©ballier und an der Kirche, hier zu etwas erhöhtem Preis. Die Kirche ist geheizt.
— Die Vertrauensleute ber Orts- Kartelle beS Kreises Gießen werden im heutigen Anzeigenteil zu einer Zusammenkunft im „Aquarium“ am kommenden Sonntag nachmittag eingeladen.
— Vortrags-Vereinigung. ,AuS Altnürnberger Dlütetagen" lautet das Thema, über das der Redner des dritten Vortrags-Abends. Geheimrat Professor Dr. Schmid-Bürgh aus Aachen, an Hand von zahlreichen farbigen Lichtbildern sprechen wird. (Siehe heutige Anzeige.)
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Wettervoraussage
für Freitag:
Wolkig, Rebelbildung, Rachtfrvst, später wieder wärmer, erneute Riederschläge nicht ausgeschlossen.
Der Sturmwirbel, welcher gestern und vorgestern Tauwetter brachte, ist abgezogen und hat hohem Druck Platz gemacht. Die Besserung wird ledoch nur vorübergehend fein, da sich infolge der hohen Temperaturen im Eismeer andauernd neue Sturmwirbel entwickeln.
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Landkreis Gießen.
t Ettingshausen, 27. Rov, Zum Andenken an unsere ®«iallenen wurde am Toten fonntag ein Gottesdienst auf dem Friedhöfe ge halten. Eine Kollekte für die Krieger- Hinterbliebenen, die habet vorgenommen wurde, ergab 905 Mk.
gck. Grohen-Duseck, 29. Rov. Gestern ereignete sich in einem hiesigen Steinbruch ein schwerer älnglücksfall. Durch das Ab- riz scheu großer Steinmassen wurde ein A r b e i t er aus Burkhardsfelden, ber noch schnell sein Arbeitsgerät aufnehmen wollte, verschüttet. Obwohl Kopf und Brust freigeblieben waren, gelang es erst nach langem Mühen, den Verunglückten zu bergen, da ein viele Zentner schwerer Block auf seinen Deinen lag. Gin Sanitätsauto verbrachte den schwer Leidenden nach ber Klinik, wo er seinen Verletzungen erlegen ist.
Kreis AlSseld.
* Alsfeld, 29. Rov. Herr Jakob Bamberger aus Reu York übermittelte ber hiesigen Bürgermeisterei eine Spend: der „Quarter Collection" im Betrage von 1 6 0 0 0 0 Mk. Davon sind 60 000 Mk. für den Kindergarten und 100 000 Mark für eine Weihnachtsbescherung der Armen unserer Stabt bestimmt. — Dieser Tage wurden bei einer Grundstücksversteigerang für eine Wiese von etwa 2630 Quadratmetern 1 60 000 Mark erlöst. Steigerer war ein Landwirt au- Eifa.
Kreis Lauterbach.
rr. Q u e cf b. Schlitz, 28. Rov. Der von hier stammende 27jährige Arbeiter Georg Fink, der in einem Kalibrrgwerk zu Vacha beschäftigt war, geriet dort so unglücklich zwischen zwei F-örderwagen, daß ihm der Kopf zertrüm^ merk wurde. Der Verunglückte war neben drei Schwestern der einzige Sohn einer Witwe.
Heutiger Stand des Dollars
10 Llhr vormittags:
Berlin 8325, Frankfurt a. M. 8350.
Geld. Was hast du beim eigentlich mit dem Geld gemacht?“
„Zch hatte es unter die Dielen versteckt, und so oft wir Geld brauchten in der Verbindung, spielte ich den Roblen. Es verschwand sehr schnell in diesem Sportklub, wir hielten Zeitungen, die Miete des Sportplatzes, manche waren recht knauserig. Ich war stolz darauf, daß man mich an pumpte, ich hab' mir davon, weiß Gott, nicht ein Zirkusbillett gekauft.“
„Ilnb woher glaubten denn Deine Kameraden, daß du es hättest?“
„Von Onkel Anton,“ sagte Lutz.
Ernst lachte auf.
„Mama tat mir leib. Ich fürchtete Die Fol gen. Dieses Geld hat mich nie gefreut, aber wenn Die Schuld jetzt auf dir sitzen bliebe,“ Lutz sprang auf und ergriff Ernsts Hände, „lieber reich' ich meinem 'Abschied ein! Meine Verlobung ist schon zurückgegangen, mag meine Karriere auch zum Teufel gehen, ich geh' bann nach Amerika oder sonstwohin — ich werde arbeiten wie ein Knecht." Ernst ließ ihn ausreden. Dann legte er dem 031über beide Hände auf die Schultern und sah ihn an. „Ich danke Dir, Lutz, daß du gekommen bist und dafür, daß du mich remwaschen willst. Aber es wird nicht nötig sein. Denn entweder stellen sich Meine Taten als die eines Verbr-echerS h.raus. dann werde ich verurteilt, auch ohne daß ich dich hinc-inziehe. Ober ich werde freigesprochen, to ll ich ein Harr bin und ins Irrenhaus gehöre, älnd für solchen braucht man keine Rcinwaschungen r.-orzunehmen. Aut zwrhause d Marc kommt es bii vrie ganzen Geschiche überhaupt nicht mehr an. Das ist eine Bagatelle, und von dir war eS ein Jungenstreich." (Fortsetzung folgt)


