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Mischen Militärfriedhöfen sind in gutem Zu­stand. Tine neuerliche Verfügung an die komman­dierenden Gener der Kampfzone gestatlel die &d>müdung durch Kränze und Erinnerungszeichen (Couronnes et Souvenirs), sofern dadurch der Gesamtcharakter des Friedhofs nicht beeinträchtigt wird. Der Zustand der Gräber auf den französi­schen Zwilfriedhöfen ist sehr verschieden, je nach dem Interesse, das die verantwortliche Persön­lichkeit dafür aufbringt. Die Gräber auf den Zivilfriedhöfen können beliebig, also auch durch Einfassungen, Gitter, Grabsteine u dgl. geschmückt werden. Das gleiche gilt für Belgien, doch ist dort unverständlicherweise eine Schmückung der deut­schen Gräber auf den Militärfriedhöfen trotz aller Vorstellungen noch nicht gestattet worden. In England und Italien ist der Zustand der Gräber im allgemeinen gut. In Polen lässt der Zustand sehr viel zu wünschen übrig. Trotz bester Zusicherungen der polnischen Regierung geschieht nichts, da der Bevölkerung jedes Verständnis fehlt. In Litauen und Lettland arbeitet das Zen- tralnachweiseamt durch besondere Kommandos. In Esthland und Finnland werden die Gräber in erfreulicher Weise durch die Einwohner und Aus- landsdeutsche gepflegt. Im Orient sind die Gräber leider dem völligen Verfall preisgegeben. Es liegt dies an der älnzulänglichkeit und dünnen Bevölkerung des Landes. Vicht einmal den Eng­ländern gelingt es, dort für ihre Gräber eine ausreichende Fürsorge durchzusehen. Hinsichtlich des Besuchs Der Gräber durch Angehörige wer­den von keinem Staate Schwierigkeiten gemacht, doch bestehen Erleichterungen im Eisenbahn- und Pahwesen nicht. Die Erwa rtungen haben Beden len dagegen, da sie Missbrauch zu anderen Zwecken besorgen. Verhandlungen sind im Gange. Hinter­bliebenen, die den Wunsch haben, ein Grab zu besuchen und die rechnen müssen, werden gut tun, ihre Absicht zunächst noch zurückzustellen. Auch Heberführungen wird kein Widerstand entgegen­gesetzt. Gegebenenfalls wird der Volksbund durch Vermittelung des Zentralnachweiseamts zuver­lässige älnternehmungen in Erfahrung zu bringen suchen. Die Franzosen werden in alller Kürze ihre sämtlichen In Deutschland r u he n- den Toten nach Frankreich zurück­holen. Es hartdelt sich etwa um 20 000. Es wird angestrebt, diese Gelegenheit im Vückbe- förderungswege auch für die umgekehrte Heber- führung nutzbar zu machen. Trotzdem muh nach wie vor grundsätzlich von der so überaus kost­spieligen äleberführung abgeraten und empfoh­len werden, die Toten da ruhen zu lassen, wo sie den Heldentod gefunden haben. Die Heber- nahme von Patenschaften für Kriegerfriedhose durch Gemeinden oder Vereinigungen, die dort vorzugsweise ihre Angehörigen beerdigt haben, soll gefördert werden. Zunächst empfiehlt es sich, dah derartige Gemeinden oder Vereinigungen einen Friedhof bestimmen und Gelder sammeln, damit nach der endgültigen Herstellung durch den vertraglich verpflichteten Staat ein älebriges ge­tan werden kann. Zur Zeit gestatten die Geld­wertverhältnisse nicht, auf diesem Gebiet wesent­liches zu leisten. Der Gedanke des allgemeinen Dolkslrauertages ist vom Volksbund in jeder Hinsicht gefördert worden. Der Mitgliedsbeitrag * wurde auf mindestens 10 Mk. festgesetzt, für die

Dauermitgliedschaft auf 200 Mk. Für Gießen sei bemerkt, dah die Mitgliederbeiträge für 1922 demnächst eingehoben werden. Diejenigen, welche t durch Zahlung von 100 Mk. die Dauermitglied­schaft erworben haben, werden freundlichst ge- beten, zu erwägen, ob sie angesichts des gesunke­nen Geldwertes nicht eine Vachzahlung hieraus ' leisten wollen.

Aus Stahl und Land.

Gießen, den 30. Juni 1922.

Der Vorstand der Ortsgruppe Gießen der deutsch-nationalen Vokkspartei hat in seiner Sitzung vom 28. Juni, wie er uns mitzuteilen bittet, einstimmig folgende Entschlie- hung angenommen:

Die Ortsgruppe tritt hinter die von ihrem Parteivorsihenden Staatsminister a. D. Hergt in der' Reichstagssihung vom 25. Juni abgegebenen Erklärung. Auch wir sind von tief­ster Entrüstung und Empörung über die verruchte Tat erfüllt, der der Reichsminister Dr. Rathenau zum Opfer gefalllen ist. Die Tat ist um so mehr zu verurteilen, als sie in ihren Folgen den inne­ren Frieden und den Wiederaufbau des Reiches auf das Schwerste bedroht. Wir erwarten von der Regierung, dah sie alle Mittel ausbieten wird, um die Mörder der Aburteilung zuzu­führen.

Mit alllem Vachdruck aber müssen wir uns gegen die unerhörten, unbewiesenen und nie be­weisbaren Hnterstellungen verwahren, die gegen unsere Partei und die in ihr vertretenen Volks­schichten geschleudert werden. Wir protestieren mit alller Entschiedenheit gegen die Anwendung von Ausnahmeverordnungen gegen unsere Partei.

Wir fordern Gerechtigkeit nach rechts und sinks, für jeden deutschen Staatsbürger. Die Gleichheit vor dem Gesetz darf nicht beseitigt werden. Die systematisch geleitete Hetze gegen unsere Partei hat dazu geführt, dah in Darm­stadt, Butzbach, Freiburg und Karlsruhe Gewalt­taten verübt wurden, denen auch Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Auch in Dietzen sind gröbere Ausschreitungen vorgekommen.

Wir fordern daher Schutz gegen öffentliche Beleidigungen, Angriffe und Beschimpfungen. Wir bedauern, daß die maßgebenden Behörden in Dietzen es zugelassen haben, daß durch öffent­liche Plakate und Flugblätter eingsladen werden durfte öu ciner Versammlung de.en Tagesordnung lautete:Deutschnationale Meuchelmörder". Wir bedauern ferner, dah die gleich.' Tagesordnung auch in der Presse veröffentlicht worden ist. Trotz allem bitten wir unsere Mitglieder und Parteifreunde, velbstoeherrfchung. zu üben und alles zu vermeiden, was zum Kampfe aller gegen alle führen muh. Wir werden nach wie vor eintreten für Versöhnung der Klassen, Heber- bnidung der Gegensätze und Schaffung einer groben Volksgemeinschaft zum Segen unseres ge­liebten Vaterlandes.

*

** Bon der Feuerwehr. Gestern nachmittag um 6.38 Hhr erhielt die Feuer­wache die telephonische Vachricht, daß im Kesselhaus des Sägewerks Crdkau- terweg ein Brand ausqebrochen sei. Die Äutospritze rückte sofort aus und fand da­selbst, daß die aus Holz bestehende Isolie­rung des Kessels, welche teilweise mit Oelsich durchdrängt hatte, in Brand geraten war. Da keine Wasserleitung, und für die Spritze lein

geeigneter Brunnen vorhanden war, so muhte das Wasser aus entfernten Hydranten heran­geholt werden. Es gelang der Feuerwache, das Feuer auf seinen Herd zu beschranken und um 8.30 Hhr konnte die Wache abrücken.

** D i e Astoria-Lichtspiele bringen zur Zeit einen äußerst interessanten Film Tarzan" zur Vorführung, der mit vollendeter Technik das Auswachsen eines jungen Menschen im Hrwald zeigt. Tarzan wird von einer Aesiin ge­säugt, und erst im beginnenden Mannesalter gelingt es ihm, wieder unter Menschen seiner Rasse zu kommen. Der an Abenteuern reiche Film erhält den Zuschauer bis zum Ende des ersten Teckes in andauernder Spannung.

Kreis Friedberg.

bs. AusdermittlerenWetterau, 28. Juni. Der Himmel hat seine Schleusen ge­öffnet. Der Regen hat die Pflanzen neu belebt. Prächtig stehen die Kartoffeln. Wenn nicht alles trügt, steht eine ganz autzer- gewöhnlich gute Ernte in Aussicht. Zum erstenmal seit vier Jahren konnte derLand- mann die Dickwurzpflanzen ohne das müh­selige Wassergietzen setzen. Klee, soweit solcher vorhanden ist, treibt gut, und auch verspricht es einen guten Grummetschnitt zu geben. Die Sommerfrucht steht gut, wenn auch in dürren Lagen der Hafer ungleichmäßig aufgegangen ist. Am wenigsten Arbeit wird der Obst- z ü ch t e r im Herbste haben. Aepfel hängen sehr dünn, bei Dirnen fällt Tafelobst fast ganz aus, nur Zwetschen zeigen einen vollen Be­hang. Der Hohenastheimer wird also dieses Jahr knapp,und dünn werden.

bs. Melbach, 27. Juni. Am Sonntag fand hier das erste DundeSfestdesWet- terauer Sängerbundes statt. Die Er­öffnung erfolgte Samstag abend durch einen Fackelzug nach hem Festplatz. Am Sonntag morgen begann dann in zwei Hallen das Wer­tungssingen der 38 Bundesvereine. Iieder Verein bekommt seine Würdigung schriftlich übermittelt. Mittags wurde im Anschluß an die Dannerweihe pes Ortsvereins noch ein Massenchor von 1200 Sängern vorgetragen.

Hessen-Nassau.

][ Marburg, 29. Juni. In denStadt- sälen fand gestern abend eine von der Demo­kratischen Partei veranstaltete, überaus zahl­reich besuchte Trauerkundgebung für Minister Rathenau statt. Prof. D. Rade gab in einstündiger Rede ein lebens­warmes Bild des Verblichenen und betonte, daß dieser ein Opfer seiner politischen Heber­zeugung geworden sei.

Vermischtes.

* Sine Frau als Brückenbauer. Der erste weibliche Drückenbauer-Ingenieur hat in England soeben einen bedeutenden Drückenbau vollendet. Es ist eine pinge Dame, Miß Peggy FvLwell, die auf der Technischen Hochschule von Cambridge ihre Examina be­standen hat.Peggy" ist 23 3al)re alt, sieht aber höchstens tote 17 aus und macht einen überzarten, fast gebrechlichen Eindruck. Man traut ihr eine solche Leistung wie den Dau einer Drücke gar nicht zu. Als die Dericht- erstalter sie ausfragen wollten, hatte sie ge­rade zwei Rächte durchgetanzt auf dem Fest, das zur Feier der Vollendung der Drücke ge­geben worden war.Ich habe zwei Jahre hin­durch hart gearbeitet," erklärte sie,aber ich habe auch mein Vergnügen nicht vernachläs­sigt und ebenso viel Zeit im Dallsaal und auf dem Tennisplatz verbracht wie am Fluh beim Drückenbau."

* Die Operation beim draht­losen Konzert. Ein Reuyorker Chirurge Dr. John Howard benutzte bei einer Ope­ration, die er an einer sehr empfindlichen jun­gen Dame vornahm, auf drahtlosem Wege übermittelte Musik, um die Gedanken der Pa­tientin abzulenken. Die Operation erfolgte bei lokaler Betäubung; außerdem wurden Tele­phonhörer für drahtlose Telegraphie an ihren Ohren befestigt, und sie hörte ein Klavierkon­zert, in dem Chopin gespielt wurde, während zu gleicher Zeit die Operation stattfand. Die junge Dame hatte von der 45 Minuten dau­ernden Operation nur angenehme Eindrücke.

Gcrndei.

Ber11it 29. 3unl Börsenstirnmungs- bild. Die frifenpo te rw e politische Lage, die zur ReichstagsauflPsung zu führen droht, hat in wirtschaftlichen Kreisen grote Beunruhigung her- Dorgerufen. Als nächste Folge ergab sich et ;e weitere sprunghafte 6t.igerj.ng der Devisenkurse. Der Dollar erreichte schon in den ersten Börsen« stunden den Stand von 8661/3. Für Industrie- aflien fehlte es bei aflgenvemer Hichicherheit an Hniemetymungelift Di^ we. igen Znf.Llegeschäfte bewirkten mir meist unerhebliche Veränderungen nach oben und unten. Auch Schiffahrtsuklien batten keine einheitliche Tendenz. Bankuttirn schwächten um Kleinigkeiten ab. Ausländische Au­lei Yen allgemein fest bet höherer Bewertung der valutarischen Papiere. Besonders ten waren bevorzugt und zum Teil beträchtlich höher. Mn- garifche Anlcihe nur toerrtg und ungleichmäßig verändert. Oesterreichische Anleihen neigten zur Schwäche. Deutsche Anleihen tonnten sich gut behaupten.

Frankfurt a. M., 29. Oirnt Börsen» stimmungsbild Dieselben Motive, die an den Vortagen auf Die Lebhaf i >keit des Geschäftes drückten, waren auch heute wieder im vorhanden. Immerhin machte sich anfänglich für einige ©onLefpapi-re eir» B.-festigung b-.m i.Lxir Eine Belebung trat auch am Devisenmarkt ein, wo der Dollar stärker beachtet wurde. Er notierte 357362; an der se 366. Der Freivrrkehr -eigte etwas freundlichere Tendenz. Duu sche P - troleum 21252150, E.ttreprises 4 25, Be z 43) bis 440 Hansa Lloyd 2102.0. Der Muntan- altfenmarlt stand in Zeichen der Geschästchinlust. In chemischen Aitien traten teilweise Erhöhun­

gen ein. ISlettrijitätäpapiere konnte sich de,a :p- ten. Zuckerfabcikaklien lagen unregelmäßig. Deutsche Anleihen schwankend. Im weiteren Ver­laufe erhielt sich die feste Grundtendenz des Ge­samtmarktes. Privatdiskont 43/44"/s Prozent.

Stan Hut: a. M., 20 Juni.

Börsenkurse.

Frankfurt Berlin

Sch'utz- Sch.uh- Schluß- Schluß' Kurs Kurs Kurs Kurs

Datum: 28.6.

5°/ -Dtfch. Kriegsanl. 77 50 4'/°Dtsch. Reichsanl. ^6,50 3°/gDtfch. Reichsanl. 14? F0 4°/0 Preuß. Konfols 81,- Hamburg-Paketf.. . "97,- Vorddeutfcher Lloyd 800, - Comm.u.Privatbank 292, Darmstädter Bank . 233,- Deutfche Bank . . . "08, Disconto-Gefellschast 413, Dresdner Bank. . . 208, Mitteld. Ereditbank. 247. Äationalbank f. D.. 238, Doch. Gutzstahlwerke

Bud.- Eisenw.» Akt.. 570# D.-Luxemb. Bergw.. 855, Gelfenkirch. Bergw.. 992, Harpener Bergbau. 1770, Obcrfchl. Eisenb.-B. 820,- Oberschles. Eisenind. 589,- Phönir-Bergb.-Akt. 1160,

Bad.Anilin-u. Soda 719, Höchster Farbwerke. 626, - Allg. Elektr.-Ges. . . 650,- Felten & Guilleaume 695, - Schuckert-Werke. . . 635, Adlerwerke 411, Daimler 395,-

4° 0 Hess. Staatsanl. Electron Griesheim 744,50 DIsche. Dereinsbank 180, -

29.6

77,50 105, 149,75

81,50 398 -

296.50 292,- 2»2,- 500,- 409,- 396,- 246,- 285. -

555* - 955,-

1003,- 1770,-

815,- 685 -

1150',- 720,- 637,- 648,- 670,- 625,- 439,-

3.6,50

78,10 760,- 18a.-

2b. 6. 29. 6.

77,50 77,50 107 75 105,10 150, - 161,

82,50 82,25 394,75 392,- 295,- 296,- 295,- 295, - 285,- 284,- 505, 506,

412, - 410,- 311,- 310, - 248,50 248,25 285,- -,-

1045,- 1075,- 550,- 535,- 948,- 952,- 1000, - 1005,- 1788,- 1776,- 822,- 814,- 575,- 576,- 1165,- 1141,-

719,50 718,- 628,- 630,- 6>0,- 633,- 682,- 6?8,- 6*5, 635,- 430,- 410,- 395,- 391.-

79.40 79,10 760,» 776,-

Derliner Devisenmarkt.

Geld Brief Geld Brief

Datum: 28. Juni. 29. Juni.

Amstd.-Rotterb. Brüssel-Antw. . Ehristiania. . . Kopenhagen . . Stockholm. . . . Helstngfors. . . Italien London Veuyork Paris Schweiz Spanien Deutsch-Oesterr» Prag Budapest.... Buenos AireS . Bulgarien . . . Japan Rio de Janeiro

13383,25; 3416.75 13982 50 14017,50 276o 50 2803,50 2926,30 2932/0 5652,90 5667,10 5307/C 5.i22 40 7515,55 7534 45 7800 20 7819*80 89ö8,76 9011.25 9388,26 9411,75 78-4, - 786, - 825,95 828,05

1652,90 1357,05 1717 85 1722,15 15.5,55 1549,46 1610,45 1614,55 250,06 350,94 3.4,03 874,97 2946,30 2d53,70 3091,10 3098,90 6661,65 6678,35 7036.16 ?o52,36 646d,lö 5476,35 5732,80 5747,20 1,80 1,84 ',88 1,92

667, 5 668,85 702,69 704,40 35,05 35,15 36,- 36,10

125,45 126,80 131,3z 131,67 226,70 2 7,30 235,70 2^6,30 168,50 109,50 177,- 174,-

4718,- <872, - 5018,- 5032,-

Marknotierungen.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:

Datum: 1.7.14. 28.6. 29.6.

Zürich Fr. 125.40 1,49 1,42

Amsterdam Fl. 59.20 -,74 -,70

Kopenhagen Kr. 88.80 1,36 1,31

Stockholm Kr. 88.80 1,14 1,10

Wien. . . A Kr. 117.80 -,-

Prag Kr. 117.80 16,20

London Sh. 97.80 . 1,52 1,42

Veuyork $ 23.80 -,28 -,27

Paris Fr. 125.40 3,42 3.25

Züricher Devisenmarkt.

29. 6. 30. 6.

Wechsel auf Schweizer Franken

Holland 100 Fl. = 202.25 202. 0

Deutschland 100 Mk. -- 1,47 L4<

Wien 100 Kr. = 0.027 0.027

Prag 100 Kr. --- 10.10 10.10

Paris 100 Fr. 44.15 44.10

London 1 £ 23.24 23.27

Italien 100 L. = 24.60 21.70

Brüssel 100 Fr. 42.- 41.75

Budapest 100 Kr. 0.53 0.51

Veuyork 100 $ 628-60 627.75

Agram 100 Kr. 1.675 1.65

Warschau 100 Ät- -- 0,115 0,115

Märkte.

Frankfurter Schweine- und Kleinviehmarkt.

Frankfurt a. M., 29. Juni. (Amtlich.) Markt versauf: Gangfamer Handel. Bei Schweinen etwas Heberstand. Im ehndnen ist zu bemerken: Auf getrieben waren 637 Kälber. 183 Schafe und 263 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebendgewicht: Kälber, be^te Qualitäten, 3300 bis 3700 Mk.. mittlerer Qualität 2800 bis 3200 Mk.. geringerer Qualität 2200 bis 2610 Mk., Schafe 1900 bis 2400 Mk., Schweine unter 80 Klgr. Lebendgewicht 4400 bis 5000 Mk., von 80 bis 100 Klgr. 5200 bis 5400 Mk.. von 100 bis 120 Klgr. 5300 bis 5500 Mk., von 120 bis 150 Klgr. 5300 bis 500 Mk., Fettschweine über 150 Klgr. 5300 bis 5500 Mk., Sauen und Eber 4700 bis 5000 Mk. Außerdem wurden 95 Ri ider ohne amtliche Preisnotierung gehandelt. D e Markt­preise liegen um so viel über den Stallpreisen, als sie die nicht unerheblichen Gewichtsverluste. Spesen und Händlergewinne in sich schließen'

(In einem Teil der Auslage wiederholt.)

Einer der Mörder Rathenaus ergriffen.

Berlin, 29. Juni. (Amtlich.) (WTD.) Einer der Mörder des Außenministers Dr. Rathenau, der 21 Jahre alte Ernst Wer­ner Dechow, ist heute vormittag in der Nähe von Frankfurt a. d. O. verhaftet wor­den. Gr ist derjenige, der das Automobil ge­steuert hat. Die Meldung, daß auch die an­deren beiden Mörder ergriffen worden seien, bestätigt sich nicht.

Der Gesetzentwurf zum Schutze der Republik.

Berlin, 29. Juni. Der Gesetzentwurf zum Schuhe der Republik hat gestern nach drei Sitzun­gen das Reichskabinett passiert. Er wird jetzt den Ministerpräsidenten der Länder zur Kenntnis ge­bracht und darauf an den Reichsrat und den Reichstag weitergeleitet werden. Der Reichs­kanzler hat die Führer der Koalitionspar­teien gestern mit den Grundsätzen des Gesetz­entwurfes vertraut gemacht, ebenso mit dem Ent- würfe eines Gesetzes über die Pflichten der IReichsbeamten gegenüb er der demo­

kratischen Republik, der gleichzeitig des gesetzgebenden Körperschaften borgelegt werden soll. Der Gesetzentwurf öum Schuhe der Repu­blik baut sich im allgemeinen auf der Verordnung des Reichspräsidenten auf und enthält weit schärfere Maßnahmen als die ur­sprüngliche Fassung.

Die Lage m Darmstadt.

rm. Darmstadt, 29. Juni. Die für heute im großen ©aalbaufaale von der Demokrati­schen Partei angeiagte Trauerkundgebung zu Ehren Rathenaus ist mit Rücksicht auf die erregte Stimmung in der Bevölkerung abgesagt worden. Wir erfahren noch, daß der Oberbürger» m e i st e r bei der Regierung die Verhängung des Belagerungszustandes im In­teresse des Schuhes der Bevölkerung angeregt hat, daß aber bis jetzt die Genehmigung versagt worden ist. Da der S t a-a t^s p r ä s i - dent noch nicht anwesend war, konnte er selbst noch keine Entscheidung treffen.

Ein Beileidstelegramm Tschitscherins.*

Berlin, 28. Juni. (WTD.) In der Reichs» kanzlei ist folgendes Telegramm des russischen Volkskommissars Tschitscherin eingelaufen: Ties erschüttert durch die schreckliche Vachricht deS abscheulichen Verbrechens und tragischen Ab­lebens meines persönlichen Freundes und bedeutenden Staatsmannes, der normale deutsch-russische Beziehungen anbahnte, bitte ich, der schwergeprüften Mutter und ganzen Familie Rathenaus meinen tiefen Schmerz aus­zusprechen. Mit unseren deutschen Sreunben füh­len wir uns in diesen Stunden noch näher.

Die Arbeit desGaranlieausschusses".

Paris, 28. Quni. (WTD.) Die Abendblätter geben bekannt, dah der Garantieausschuh seine Arbeiten in Berlin fortsetzt. Die alliierten Delegierten übten'ihre Kontrollrechte über die Einnahmen und Ausgaben des Staates aus und veranlaßten Erklärungen der Vertreter des deutschen Fiskus, wenn gewisse Ausgaben übertrieben oder übermäßig erschienen, oder wenn Saumseligkeit in der Erhebung von Steuern er­kennbar wird. Sie nahmen Die Erläuterungen entgegen, ohne für den Augenblick Bemerkungen zu machen. Wenn die Arbeit in spätestens acht oder zehn Tagen beendet sei, werde der Garantie ausschuh seine Konklusionen formulieren. Wenn die deutschen Vorschläge nicht befriedigten, wür­den Gegenvorschläge zur Sanierung der deutschen Finanzen, zur Herabsetzung der In­flation und der Stabllisierung der Mark gemacht werden. Eine der schlimmsten Fragen ist nach dieser Mitteilung, deren Hrsprung nicht erkenn­bar ist, die Verhinderung der Kapitalflucht, die äußerst schwierig erziell werden Lnne. Des­halb wäre es vielleicht vorzuziehen, auf Mittel zu sinnen, um das Kapital wieder dadurch nach Deutschland zurückzuführe^r, daß eine internatio­nale Anleihe aufgelegt werde. In diesem Falle würde die Frage der Kapitalflucht zu gleicher Zeit mit der Frage der Stabilisierung der Mark geregelt werden können.

Bürgerkrieg in Irland.

London, 29. Juni. (WTB.) Unter der HeberschristDer Bürgerkrieg" tn Dublin, veröffentlichtPall Mall and Giove" eine aus­führliche Drahtung über die dort im Gange be­findliche Schlacht, Die den ganzen Tag dort angedauert habe zwischen Den irischen Freistaat- truppen und den irregulären Truppen. Die Trup­pen des Freistaates, mehrere tausend Mann stark, haben eirien entschlossenen Versuch unternommen, Die Four Courts und Fowlers Memorial Hall, Die seit Monaten von Irregulären besetzt gehal­ten worden war, einzunehmen. In der Fowlers Hall ist nachmittags Feuer ausgebrochen, Die Garnison von Four Court würbe gezwungen, sich in den rückwärtigen Teil des Ge­bäudes zurückzuzichrn. Vvii den Dächern Der verschiedenen Stob t.Le Dublins wird geschossen. Hunderte von Zuschauern fielen an Den Quais und den Straßen, die an das umstrittene Ge­bäude angrenzen. Das G<fchästsleben ruht, keine Züge werden nach Dublin hineingelassen und auch der telcphonische Verkehr ist unterbrochen. Es ist infolgedessen sehr schwer, zuverlässige Vach­richten zu erhalten. Vach den Blätter-meldungen sind die Verluste der irischen Freistaat truppen sehr gering -G.gen 1 Hhr mittags sollen sie 142 Mann betragen haben. Hnter Den Verwun­deten befindet sich auch ein Kommandant Der Freistaat truppen. Von maßgebender ©rite ver­lautet, daß Die Verluste in Dublin nicht so schwer sind, wie man imch Der Stärke Der gegenemj ander kämpfenden Truppen hätte erwarte« können.

London, 29. Juni. (WTD.) Im Hnter- h a u s gab Chamberlain über die Ereignisse in Dublin eine Erklärung ab, die besagt: Dei Tagesanbruch haben die Truppen der provisori­schen Regierung Die Bande von Aufständischen, die den Iustizpalast besetzt hatten, angegriffen. Dieser Beschluß der provisorischen Regierung soll in feiner Weise durch Debatten im Hnterhause oder durch Die von Der britischen Regierung abgegebenen Erklärung veranlaßt worden sein, sondern auf die 'aggressiven anarchistischen Maß­nahmen von Rurh O'Connor zurückzuführen sein. Außer den in der Presse veröffentlichten Dar­stellungen lägen keine weiteren Mitteilungen über den Kampf vor. Die provisoris«che Regierung trage allein die Verantwortung für die Oppo­sition.

Die Mörder Wilsons.

Paris, 29. Juni. (WTD.) Vach einer Londoner Meldung ist jetzt die Identität der Mörder Wilsons festgestellt. Sie heißen nicht, wie sie angegeben haben, Cvn- nely and O'Drien, sondern R e g i n a l d 0 und Sullivan. Sie sind in EnglanD geboren und sollen während des Krieges in Frankreich un­ter den Irish-Garden gekämpft haben. Sul- liDan soll nicht der irisch-republikänischen Ar­mee angehören.

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