Kr. 151 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Zrettag, 50. Juni 1922
Iu dem Terror in Darmstadt
Veröffentlicht eine mit bescheidenen technischen Mitteln hergestellte »Not-Zei.ung" DeS „Darmst. Lägl. Anz." und der »Hess. Landesztg." noch folgende Einzelheiten:
Dr. 6 l r e d c r wandte sich in seiner Ansprache insbesondere gegen die nationale Presse und ertläite, sie habe ja bereits gelegentlich der Kundgebungen gegen die Ermordung Erzbergers auch hier in Darmstadt einen Denkzettel erhalten. Diese Warnung habe aber damals nicht genügt. Die Abgeordneten Helsserich, Hergt und Wulle seien verantwortlich zu machen für die Mordatmosphare, in der auch Der Mord an Rakhenau entstanden ist, und die Herren Din- geldey und Osann seien um keinen Deut besser als jene.
Als die Kundgebung selbst zu Ende war, loste sich die Versammlung allgemein aus. Dann aber formierten sich mehrere große Trupps säst ausschließlich jugendlicher Arbeiter, die durch eine starke Arbeiterkolonne aus Nieder- und Ober- Äamstadt noch verstärkt wurden, und zogen auf verschiedenen Wegen nach dem Eich'ergviertel und dem Zeitungsviertel. 3n den Straßen, die Mer- bet passiert wurden, wiederholten sich die Ausschreitungen gegen die Hoflieserantenabzeichen. Dabci wurde in der Elisaberhenstraße eine Schaufensterscheibe der Buchhandlung von Ioh. Waitz ein geschlagen. In der Heidelbergerstraße zwang man nach Zerstörung der Hoflieferantenwappen der Firma Thiele u. Döllinger den Inhaber des betreffenden Hauses unter Bedrohung seines Lebens vom Ballon aus dreimal ein Hoch auf die Republik auszubringen.
Inzwischen war es im Sichbergviertel bereits zu wetteren und schwereren Gewalttätigkeiten gekommen. Zuerst wurde in das Haus des Herrn von Helmolt'Holtensen an der Ede der Eichberg- und Wilh. Imst raße eingedrungen. Die Fenster wurden fast sämtlich zertrümmert, die Wohnungseinrichtung teilweise zerstört. Hier stießen die Demonstranten wohl zum erstenmal auf polizeilichen Widerstand, der allerdings so schwach war, daß er im Handumdrehen überwältigt wurde. Zehn blaue Polizisten noch dazu ohne Gewehr waren machtlos gegenüber der anflür- menden Menge. Erst als sie durch eine größere Abteilung der blauen Polizei, die auch mit Gewehren ausgerüstet war, Unterstützung erhielten, kam es zu ernsthafteren Zusammenstößen. Alsbald erwies sich jedoch auch der verstärkte polizeiliche Schuh als völlig unzureichend, weitere Ausschreitungen zu verhindern. Den Polizisten wurden, nachdem man sie umringt hatte, die Gewehre ab- genommen, entladen und teilweise auch zertrümmert.
Daraufhin traten die Polyeibeamten, von einer großen Menschenmenge, die fortwährend drohend auf sie eindrang, verfolgt, den Rückzug zum Polizeiamt in der Hügelstraße an. Hier kam es zu neuen Zusammenstößen. Wieder wurden den Beamten Waffen entrissen und entzwei geschlagen.
Der- in der Eichbergstraße zurückgebliebene Trupp zog währenddessen in die Hermannsstraße vor das Haus des IustizratsDr. Osann, ließ sich Dann aber, ohne tätlich vorgegangen zu fein, durch den Führer bewegen, nach der Heidelbergerstraße abzuziehen. Einige Zeit darauf kam jedoch von der Karlsstraße her ein zweiter Zug heran, der sofort unter großem Lärm in das Haus eindrang und in den Wvhnräumen ein wüstes Zerstörungswerk begann, das annähernd eine Stunde dauerte und mit der denkbar größten Gründlichkeit vorgenommen wurde. Besonders in den im ersten Stock gelegenen Räumen wurde unmenschlich gehaust: nrcht nur, daß die einzelnen Gegenstände zertrümmert wurden, man warf sie auch noch stapelwets durch die Fenster auf den Hof bzw. in Den Vorgarten. Mit sichtlicher Freude am Lärm und in blinder Zerstörungswut stürzte man schwere Möbelstücke auf Den Hof hinab und machte dann unten das Vern ich! ungswerk vollständig, indem man die Einzelteile der Möbel noch besonders zerschlug und jedes Wäschestück einzeln zerriß. Wertvolle Gemälde wurden dabei zer
schnitten . Betten und Bücher zerrissen, Licht- und Fernspcechanlagen zerstörst. Was Darei vielleicht noch alles gestohlen wurde, läßt sich in dem Trümmerhaufen naturgemäß gar nicht übersehen. Die Bewohner hatten die Raume tm letzten Augenblick noch rechtzeitig verlasfen, so daß sie wenigstens von Gewalttätigkeiten verschont blieben. Als so gut wie nichts mehr vorhanden war, was noch hätte vernichtet oder besudelt werden können, zog die Masse ab. Sie hinterließ die Stätte ihres Wirkens in geradezu grauenhaftem Zustande. Im Hof und in dem kleinen Vorgarten lagen Trümmer aller Art hoch aufgeschichtet. 5>er Schaden ist unübersehbar.
Als die Plünderer abgezogen waren — die Zerstörung hatte, wie gesagt, fast eine volle Stunde in Anspruch genommen —, erschien die Schupo. Ihr blieb nun nicht mehr viel zu tun übrig; sie machte Die Straße einigermaßen frei und sperrte das Haus des Abg. Dr. Osann durch einige Posten ab.
Das gleiche Bild wüstester Zerstörung zeigte darauf die Wohnung deS Abg. Singel- deh in der Heinrichsstraße. Der Abgeordnete selbst wurde auss schwerste mißhandelt und mußte schließlich auf die Rettungswache gebracht werden^ nachdem er nur mit Mühe vor Dem Aller- schltmrnsten hatte bewahrt toerDen können.
In Der siebenten Abenbstunde kam es Dann zu ungeheuerlichen Plünderungen und Verwüstungen in den Betrieben des„Täglichen! Anzeigers" in der Waldstraße und der „H e s- si scheu LandeSzeitung" in Der Grafenstraße. Das wahnwitzige Vernichtungswerk nahm hier die unglaublichsten Formen an. Alles, aber auch alles wurde zerstört, was irgendwie erreichbar war, am tollsten In den Räumen Der „Landeszeitung". Die Papiere und Geschäftsbücher wurden zerrissen und auf Dem Hof bzw. auf der Straße in alle Winde verstreut, Setzkästen wurden umgestürzt, Fensterscheiben, Bilder, Llhren, Fernsprechapparate, Lampen immer einzeln und mit größtmöglicher Gründlichkeit zertrümmert. Die Arbeitskleider des Seyer- und Maschinenperfo- nals, sowie das von den technischen Angestell- ten m den Schubkästen aus bewahrte Geld gestohlen, alle Gegenstände von irgendwelchem Wert ebenfalls, Die schwersten Möbelstücke, wie Schreibtische, Pulte und Aktenschränke zu Spittern geschlagen, GaS- und elektrische Lichtleitungen abgerissen, Tinten- und Oelfässer auSgegvssen, verschlossene Fächer erbrochen, auSgckramt und ihres Wertinhaltes beraubt — kurzum: zerstört, geplündert und gestohlen alles, dessen man habhaft werden konnte. Doch nicht genug damit, daß man Die Geschäftsräume in Trümmerhaufen verwandelte; man drang auch in die anliegenden Privatwohmingen ein und setzte hier das wüste Loben fort. Auch hier wurde alles einigermaßen Wertvolle gestohlen, der Rest planmäßig vernichtet. Wäh.end in dem Betriebe der „Landeszeitung" ganze Arbeit gemacht werden konnte, tour Den die Plünderer im Hause des „Täglichen Anzeigers" mitten in Der Arbeit durch das Heran- nahen Der Schupo, Die auch hier erschien, als es längst zu spät war, offenbar gestört, so Daß hier wenigstens ein Teil Der oberen Räume vor Der Vernichtung bewahrt blieb.
Das Bild Der Verwüstung unD Der Umfang Des angerichteten Schadens ist unbeschreiblich. Gegen 7 Uhr etwa . begann Die Schupo einzu- greifen. Zu retten war allerdings nichts mehr. Aach einer blinDen Salve tour De mehrfach scharf geschossen, wobei mehrere Personen — angeblich vier oder fünf — verwundet ü^rrDen, davon einer schwer. Die Schießereien spielten sich Dann in der Hauptsache in Der Elisabethenstraße ab unD Dauerten hier bis zum Einbruch Der Dunkelheit fort. Obwohl nach Dem Eingreifen Der Schupo Die anliegenden Straßen von den zerstörungswütigen Elementen im wesentlichen gesäubert waren, tat Die blaue Polizei nicht Das Geringste, um Die zerstörten Zeitungsbetriebe nunmehr wenigstens vor einem beutehungrigen Publikum zu schützen. Sie sah im Gegenteil völlig untätig zu, wie jeder in sämtlichen Räumen, einschließlich der Privaträume, ein- und ausging und dabei mitnahm oder fortschleppte. was ihm zweckmäßig erschien: Fensterläden, Tischbretter, Bücher usw. Ein einziger Polizist vor jedem Der beiden Grund
stücke hätte vollauf genügt, um daS im übrigen ganz harmlose Publikum — eS war eben nur Publikum, nur Neugierige — daran zu hindern und Den Zugang zu Den Innenräumen 8u sperren AlS die blaue Polizei Dazu nicht zu bewegen war, taten es ein paar Zivilisten und mit Erfolg.
Natürlich blieb bis in Die Nachtstunden eine Menge Neugieriger vor Den Trümmecstätten versammelt. Mich im Eichbergviertel fehlte es wenigstens bis in Die elfte Stunde — an jedem polizeilichen Schuh bis auf Die Wachtposten vor dem Hause des Abg. Dr. Osann. Dagegen wurde am Abend der Äiisenplah durch eine dichte Postenkette von Dchupolcuten mit Gewehren in großem Um trete abgcf.e.Tt. Gleichzeitig patrouillierte ein Panzerauto durch Die Straßen Der inneren Sstadt; es soll ihm gelungen fein, weitere Plünderungen zu verhindern. In Der Nähe Der katholisch.n Kirch? wurde einRadfahrerer- schossen. Ein Polizeiwachtmeister war noch um Mitternacht als vermißt gemeldet. In Die Rettungswache tour De eine ganze Anzahl Verwun- Deter eingeliefert.
Ein deutsches Sängerjubiläum in Czernowitz.
Anfang Juni feierte in Czernowitz Der Czernowitzer Mä nnergesangverein das Fest seines 50jährigen Bestehens. Es gestaltete sich zu einer Jubelfeier des ganzen Deutschtums im Buchenlande, an dem Die 'Vertreter der übrigen Deutschtumssplitter In Groß- Rumänien lebhaften Anteil nahmen. Der Czernowitzer Männergesangverein war urs rünglich eine nationalgemischte Gründung und wu.de erst rein deutsch-völkisch, als die nationalen Spannunaen im Buchrnlande sich verschärften. Dieser deutsche Verein ist ein Wahrzeichen deutscher Kultur im Duchenlande geworden, dessen Jubelfeier aber auch von den übrigen Nationalitäten der Stadt und des Landes neidlos als ein Fest von hoher Bedeutung für die gesamte Kultur des Landes anerkannt wurde. Zum festlichen Empfang der Gäste aus allen Teilen des Landes nm Bahnhof hatten sich mit dem deutschen Stadtratsvert eter Kipper Die Sangesbrüder zahlreich cingefunben. Sie wurden von Deieinsvorsitzenden Oberbaurat Würfel begrüßt, für die Bukarester Sänger antwortete Apotheker Schaster, in geschlossenem Festzug mit vielen Fahnen zog man sodann ins Deutsche Haus, wo Professor Lebouton im Auftrag des Landwirtschaftlichen Verbands, des Hausherrn, begrüßte. Beim Begrüßungsabend gab es noch eine Reihe froh und festlich gestimmter Ansprachen, unter Denen auch Die des Vertreters eines jüdischen Gesangrereins erwähnenswert ist. Chöre Der auswärtigen unD Der Czernowitzer Vereine verschönten Den Abend. Bei Der Festtagung selbst sprach auch ein Vertreter Des ukrainischen Gesangvereins, Der rumänische Obmann des Vereins zur Förderung der Tonkunst in der Bukowina, die Vertreter des rumänischen und siebenbürgisch-sächsischen Sängerbundes, des Wiener Männergesangvereins, der Bukarester und anderer auswärtigen Sänger. Prächtige Fahnenbänder und Geschenke wurden gestiftet und überreicht. An zwei Festkoiyertabenden zeigten die jubilierenden Sänger wie auch Die Gastvereine ihr hohes Können. Das Ganze war ein deutsches Fest von hoher Bedeutung und harmonischem Verlauf.
Papftspende
für tuberkulöse Studierende.
Leipzig. 26. Juni. Der verstorbene Papst Benedikt XV. hat auf Grund einer von Kardinal-Erzbischof Dr. von Faulhaber unterstützten E ngabe des Deutsck>en Fürforge- Durcaus Leipzig. Roßstr. 14 (Prof. R. Wol- tereck), den Betrag von 200 000 Lire für deutsche tuberkulöse und bedürftige Studierende aller Hochschulen und aller Konfessionen zur Verfügung gestellt, wovon jetzt eine Million Mark in der Weise ausgegeben werden soll, daß einer beschränkten Anzahl (etwa 300) bedürftiger Studierender Kurbeihilfen in Höhe von je 2000 bis 5000 Mark gewährt wer
den. Es kommen demnach leider nur leichtere Fälle, die in drei dis sechs QRonatcn nachweislich eine erhebliche Bejserung finden können, in Betracht. Anoererseir-.- darf oaS Ge.d ausschließlich für einen wirklichen Sanatoriums- aufenthalt, zu dessen Gesamtkosten auch von anderer Lecke beigetragen wird, verwendet werden. Gejuche mit Lebenslaus. Zeugnissen der zuständigen studentischen Kassenärzte und BermögenöauSweiS sind an das Fürsvrgeamt des Rektorats der für den einzelnen zuständigen Universität einzureichen.
Der Vatikau und die Palästinafrage.
Genf, 28. Juni. (WTD.) Am 15. Mai richtete Kardinal Staat, selre är Gaspari ein Schreiben an Den damals in Gens tagenden Völkerbundsrat, um gegen we'entliche Bestimmungen des gerade zur Verhandlung stehenden eng .f .ten Ma ida.sprojektes für Palästina zu prötestieren. Das Schreiben, des en Wortlaut erst heute bekannt wird, und für die kommende VölkerbundSratzsitzung über Da PalästinamanDat von größter Bedeutung werden Dürfte, erhebt in erster Linie Einspruch Dagegen, Daß Den Juden in Palästina eine Vorzugsstellung vor allen anderen G aubenobcfmntniffen eingeräumt werde, was im Widerspruch stehe zu Artikel 22 DeS Versailler Vertrages. Außerdem tre iDct sich Der Vatikan eingehend gegen Artikel 14 des Man- datsproiektes, den- eine Stommi1 Ion zur Regelung Der fonfcfiionellen Fragen einsetzt. Die von England ernannt und deren Präsident zum Völker- bundsvat bestätigt wird Der Heilige Stuhl könne nicht eintoiU.gen, Daß Die katholischen Interessen behandelt werden, die nicht von den zuständigen hierarchischen Behörden gewählt wurden. Auch fei es nicht annehmbar, daß diese Kommission über den Schutz uni) die Auswahl Der zu schützenden heiligen Orte zu befinden habe Diese Klausel würde England übermäßig große Rechte geben. Die mit Artikel 95 des Vertrages von Sevres nicht übereinstimmen. Der heilige Stuhl schlägt Daher vor, Daß Die Kommission nicht von England ernannt werde, sondern sich aus den Konsulen der im Völkerbundsrat vertretenen Mächte zu- sammensehen möge. — Das „Journal de Genöve" erfährt noch zu der Mandatsfrage, daß der italienische Minister des Aeußern, Schanzer, in seiner । Besprechung in London tm Einverständnis mit dem Vatikan verlangt habe, daß Italien Die Aufsicht über einen Teil Der heiligen Orte erhalte
Volksbund
Deutsche Kriegs räberfürsorge.
Am 8. Juni 1922 fanD eine Mitgliederversammlung Der Ort?• unD B zirkr'g upre Gießen des DolksbundeS Deutsche Xrteqe- gräbcrfüüforgc statt. Am Ende des Berichtsjahres (Ende 1921) zählte Die Ortsgruppe 368 Mit- glieDer, Die sich auf 37 Ortschaften verteilen. Von Diesen scheiden 74 Durch Die erfreuliche Gründung einer besonderen Ortsgruppe in Laubach aus. Trotz erfreulichen Antvachsens der Mll- gliederzahl ist festzustellen, baß noch viele Kreise Den Bestrebungen des Vollsbundes fern stehen unD ihm Die finanzielle Unterstützung zur Erfüllung seiner Aufgaben versagen, an denen Doch jeDer teilnehmen müßte.
Die bisherige Tätigkeit Des VollsbundeS. Die in Der Ermittelung unD Der notdürftigen Unterhaltung der Gräber besteht, ist nur eine vorläufige. Seine endgültige Aufgabe wird Die Vermüllung rcgslmäßi er G äbe schnückung und -erhaltung sein. Sie kann einfehm, sobald Die Gräber nach Den internationalen Bestimmungen als „hergestellt" anzusehen sinD. Wann Dies Der Fall ist, darüber herrscht noch Cinklarheit. Um Klarheit zu schaffen, hat der Volksbund durch das Zentralnachweisamt für Kriegsverluste und Kriegergräber bei Der französischen Regierung anfragen lassen, ob Der Friedhof zu Avignon, Dessen Zustand Dem Volksbund bekannt ist, als hergestellt angesehen wird. Na'ch dem Vertrag von Versallles verpflichtet sich jeder Staat, die auf seinem Gebiet liegenden Gräber zu achten und zu unterhalten. Die Gräber auf Den ftan-
Bit fiütowtfl M WM
Roman von Ernst Scherte!.
i. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Eduard von Wckf'en rief Dem K Frrcr and ließ sich Die Speisekarte bringen. Während er Diese studierte, fühlte er anaasgesetzt Die Aagen des Fremden auf sich gerichtet, and Die fiebernde Trockenheit dieses Blickes foaß sich in feine Nerven und erregte ihn p.inlich. Ec bestellte rasch etwas, um Di Zer anangenehmen Lage ei i Ende zu machen. Dann z'ändete er sich eine Zigarette an, und es dünkte ihm, als müßte Der bläalich Duf'.enDc Rarch Die giftigen Ausströrnavgen d s unbekannten Dok vrs arsgseichen unD anschäl lich machen.
Doktor Perzelrus aß mit fernen Händen Den Nachtisch. Er grub seine langen, traFenartigen Nägel tief in Die weiche Schale einer Banane und zog mit einem wohlgefälligen Grinsen Die gelbe dicke Hülle von Dem rosigen Fleisch. Dann schob er Die Frucht in seinen Mund, wobei häßliche, gelbe Zähne hinter fernen Lippen ziom Vorschein kamen.
Eduard von Wulfsen füllte einen anuber- wncklichen Ekel in seiner Kehle empörst stgen und warf Dem Fremden mehrere nicht mi'.zurerstehende Blicke zu, Die dieser jedoch unbeachtet ließ.
Als Doktor Perzellus zu Ende gegeben batte, zog er eine kurze Pfeife aus ferner Tasche and wollte sie stopfen. 2K) aber sein Tabak zur Neige gegangen war, winkle er einen Eingeborenen m weißem Burnus heran, welcher Zigarren, Zigaretten und Ansichtskarten in einem Kasten vor sich her trug. Nachdem Der Fellache mL vielen Dankesbezeigungen toi^Der ge angeu war. setzte Perzelius Die frisch crtoodxmc Zigarre in Brand, schlug ein Bein über das andere un) blies bie grauen Wolken in Die Luft Dann sagte er kurz zu Eduard von Walffen hin: »Ti ser schwn-ze Teufel weiß auch mehr wie er sagen will."
Der junge A ststokrat fühlte sich durch diese Anrede nicht sond rlich aug nehn beruhi. und tat einen Augenblick lang, als habe er fic nicht gehört. Aber da ruhte t schon wi der Die brennen Den Augen des Doktors auf ihm and hielten ihn so sicher lanflammert, Daß er nicht aasz i- weichen vermochte-
DB einen Pack -Tageblätter in s l er Harck» hielt und mit lautem Geschrei
zum Kaafe bot.
Nut am etwas zt tm, erwarb Eduard
kann ihnen höchstens ci rige müßige Daten entnehmen — aber das, was heute noch lebt von ter Vergangenheit, das ist das Wichtige. UnD es lebt noch unendlich viel mehr, als der Europäer glaubt"
Eduard von Wulflen fühlte sich eigentümlich dutchschaaert bei diesen Worten des jremDen. Die Spannung war am so größer in Edtard, als er schon fiüßev manches gehört hatte über merkwürdige G.b.äuche and dunkle Riten, dre sich in dreiem Lande unter Der künstlichen Schicht europoi'cher Zivilisation erhalten hatten and noch völlig das Gepräge Der ältesten Zeiten auftotefen.
Er war so erregt. Daß er es kaum bemerkte, wie Der Kellner Die bestellten Gerichte vor ihn auf Den Tisch setzte
x.lInD h ben Sie von Di fern unterirdischen Aegypten schon etwas mit dgc en A gen gesehen 7' fragte er dann Den Ge'eh.trn
„Mi eigenen Augen habe ich bis jetzt nur einige kleine Proben gejeßen, ober ich habe sichere Anzeichen dafür. Daß noch ung heare Dinge tm verborgenen liegen und dnrch geeignete Mittet crus Tageslich: g.fördert werden t.n en.
„Jeder.'alte besitze ich so tnci Materral, Daß ich für Die nächste Zell vollauf zu tin habe, tm die Pläne auszufüchfen, die ich m Den vergangenen Monaten entwarf." ,
UnD was getenlen Sic zunächst zu tun?" fragte Eduard.
„3m Volte f --eschen," entgegnete Perzellas. Dann 'ah er schw i;enb vor Lo hin und dltes dicke Ra-achto'lkrn über das Tischtach.
„W.se.: ci:, Die untotllk-ärlichen unD oerbor- gcren Aea er g:n be? Vo ks ebe .s brachten — Dc cuf’ temmi es an,“ sagte er dann, während ein bösartioes Zucken über fein veelallenes Ant-
Leben^wi en Foden feiner GeDa,.ken. Unsicherer richtete er U Dte ist 'einen Blick bald auf bei satanischen Gelehrten,
tb Die bedeatendst. bald auf las sammende Meer von Menschen, das ihn urnga-d.
In'diesem Augenblick trat ein Zeitangsi angr
von Wullfen eine Nummer und übetfljg di. Zeilen. Aber feine Gleichmütigkeit verwand st ? sich in heftigen Schrecken, als et die Worte laS:
Ein achtzehnjähriges Mädchen gerau bt.
Entsetzt ließ er Die Zeitung sinken, and Soft di Perzelius. welcher Ed -ards p 5H Ich-s Erbl<iche.> bemerkt hatte, griff nach Dem Blutt und las es scheinbar gl-stchzülig durch. Dann legte e e wieder auf Den Tisch and spuckte einige Tubuk» stückchen aus, Die ihm von feiner Zigarre in den Mund gekommen waren.
Immer noch ergriffen und bleich bis tn die Lippen, sagte Eduard ,Es ist namenlos fircht- bar, zu wissen, welche grauenhaften Mächtr einen umgeben, ohne daß man das g .ri rgste bagegen unternehmen kann. — Stellen Sie mi irgendeinen Feind entgegen. Der Körper und Blut hat, and ich will gegen ihn kämpfen — aber Dies schieichend Gefpenstethufte mrd H im.ückilch: in Len Gewa'^ ten die uns hier zu imangen scheinen, hat etwas Lähmen-Des und Niederdrückeirdes."
»Wissen Sie," warf der Doktor kultblüttg hin »Diese Verbrech.n wirte' nur de halb so geisterhafi und jngr.ifbar. w?il man dar Gesetz ihr^ Zusammenhanges >st ')t kennt. Die eii seinen Fälle entziehen sich mell: c Nxhsor'hu g and Versclgung. and stlbst wenn es g lange, da^ eine oder andre Ops r s.r en Räuber' wteder abzujagen, so wäre aach damit für das Ganze richt viel DeL-oimen. (Sbrnfo wie mit Der Töturg eines ci z.-lnen Sko pfoite ich! v e gcai ist. Ein Erfolg ist nur möglich, toe m cs grli rgt, den Punk» -r finden, wo . i er .realen Fäden za- sammenlaufen and von wo aus all die er izelnen Glieder gelenkt werden — kurz, wenn es glückt. Das Nest zu entdecken, aas Dem ct e immer neac Brut kes Verbr'chen^' h.-wor^ h trenn cs gelingt, Den GZ amte rgan is nu a die e dankte Welt bloßzulegen und za zerstören."
»Aber dies wäre doch Sache der Regierung.- enigegntte’ EdaarD. »denn n.ir Di.se besitzt Dte nötige Autori'ät and Machtbesagitts, am mit diesen äleberg i fen g.ü rdlich aufzaräamen."
1 Fortsetzung folgt)
.Wieso . . . Was soll er denn toi'sen 7" antwortete deshalb EdagrD mit erkürst l ei Gleichgültigkeit und sah Dabci Perzelias kaum an
»Wissen Sie nicht, da'; cs zwei Aegypten gibt — d.i oberi.D.sches und ein anterrrDischrs, eines von heute and einte vom Anfang der Geschichte?" entgegnete der unh rmliche Doktor und fahr fort: .Dieser b.aune Kerl gehört za dem unterirdischen Acghdten. das nun bald siebentausend Zahre alt wird."
Dann rauchte er wieder gleichgültig an ferner Zigarre weiter.
Eduard von Walffen war nun doch ne agiert g geworden, und das Geheimnisvolle, das dem ftem- I ben Doktor und dessen Reden anhustete, begann i ten anfänglichen Ab ch:u üb rto.n'en
„Sie tennen sich toot-I genauer aas in der Bevölkerung Kallws als ich," sagte er. »denn ich bin erst seit acht Tagen hier."
»Alleidings," entgeg-rete Doktor Perzelius, ich "habe einen großen Teil meines L.bms im nordöstlichen Asrcka verbracht unD amsangrerch. Ausgrab rngen geleitet“
„2ID . . . . 6.e sind Archäologe?" ftagte Eduard.
,Za. ich habe diese Disziplin zu meinem Spezialstudiarn gernatzt. nachDe n ich mich lange Zeit mit allen möglichen andern Dingen he.um- geschlagen Hütte. Llrsprü'glich to.v i G.richts- <rrzt und Dann Krimrnali t.“
Eduard von Wülffe-r konnte ein Gefühl von Interesse und äleberrosch _ng nich' u i ter c-rüden unD sah sich Dem Frcmten schon vxsent.ich näher gerück. Da er Dessen Intel igenz zr: späten be-
unb dämpfte seine Stimme, während er weiter-, währe sprach: »Wissen Sie. all Die Ruinen und andern | erhob« Hebcrbleibfel der Vorzeit sind rtu.nm und man '
90 älnb Sie befinden sich also auf einer Sta- dienreise?“ fragte er Den seltsamen Gelehrten. ^Ich lebe schon wieder über ein Iah hier.
Ich habe vorher nur einige Monate tn De rtsch- lanD verbracht um mette Fände zu orDuen mb
»»P* f-'- » tlll» trriSrt »on
K iw b^r 'ib?r » “ tSu txc'cm ,i-risch°n qL,ä*4<t in dem S° ich! Je* Xe iiMM W «oit* «y «J .wch IKK Stemben W -ul-unmen uni, nafor ben itomsie 2«hte: S-sH-d. - ®a* - -
S.s Da? wi k.iche gege .toart g: Leoen uns' jetzt Di Ha. ptfach^ »uu — Fundgrube für las Vergangene.
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