sollte. Auch der Berichterstatter txm Shsinga- Hvlland machte in feiner Rede auf diesen Passus des Berichtes besonders aufmerksam.
flmerih will deutsche Farbstoffe fordern.
21 eu hort, 28. Sept. (Wolff. Durch Funk- spruch.) Die „Deuhork Times" melden aus Washington: Staatssekretär Hughes arbeitet einen Plan aus wonach es vorbeHattlich der Zustimmung der Reparationskommission den Vereinigten Staaten gestattet sein soll, ihren Anteil in Gestalt von deutschen Farbstoffen ohne Geldbezahlung zu erhalten. Der Preis der Farbstoffe soll der amerikanischen Forderung von 256 Millionen Dollar für die Unterhaltung der amerikanischen Desatzungstruppen am Ak he in gutgeschrieben werden.
Der Streik der französischen Seeleute.
P ar iS, 28. Sept. (Wolfs.) Die Streikbewegung unter den französischen Seeleuten ist im Anwachsen begriffen. In Le Havre wird für morgen ein allgemeiner Ausstand erwartet. In Bordeaux dehnte sich der Streik auf drei weitere Passagier- dampfer aus.
Aus dem Reiche.
Beschlüsse des Reichsrates.
Berlin. 28. Sept. (WTB.) Der AeichS- rat hat die Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über Mahnahmen gegen die wirtschaftliche Rotlage der Presse ch der vom 5. Ausschuß dä Reichstages gebilligten Fassung unverändert angenommen. — Der Reichs rat genehmigte ferner die Verordnung über Reichszuschüsse zu den Kosten der öfsentllchen Arbeitsnachweise, wobei es sich um einen Reichsbeitrag von 40 Missionen Mark handelt, von denen 35 Millionen den Ländern zur Unter- Verteilung zugeführt werden. — Weiterhin wurde der Höchstbetrag der Darlehnskassen- scheine entsprechend dem Anträge der Reichsregierung auf 75 Milliarden Mark festgesetzt.
Die Rot der Presse.
Rach einer Meldung des „Lokalanzeigers" auS München geht die unabhängige ,.Munchener Morgenpost" am 1. Oktober ein. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" geben an Stelle des am 1. Oktober eingehenden Morgenblattes eine besonders zu abonnierende Telegrammzeitung aus. Die beiden vollsparteilichen Blätter, „Landshuter Zeitung" und „Straubinger Tageblatt" werden mit dem „Regensburger Anzeige r" vereinigt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 29. September 1922.
Preiskontrolle auf dem Gießener Wocheumarkt.
Sine Marktkommission aus Derbraucher- kreifen.
Die Preisprüfungsstelle der Stadt Gießen teilt uns mit, daß durch Beschluß der städttschen Lebensmitteldepu- tcttion eine Marktkommission aus Ilerbraucherkreisen eingerichtet worden ist, deren Aufgabe es ist, die P r e i s g e - sdaltung auf dem Wocheumarkt z u überwachen. Ueberbietungen der allgemeinen Marktpreise seitens der Händler, wie auch seitens der Käufer sollen für die Folge unnachsichtlich zur Anzeige gebracht und die Namen der betreffenden Personen veröffentlicht werden.
Die Teuerungszahlen
kn den fünf größten hessischen Städten auf Grund der Preise vom 20. September (23. August) betrugen für Mainz 11269 (7707), Darmstadt 11 161 (7340), Offenbach 11 556 (7639), Worms 11030 (7440), und Gießen 11 161 (7197).
Alle Lebensmittelpreise, ausgenommen der Kartoffelpreis, sind im September gewaltig gestiegen. Ganz besonders sind die Preise für Brenn- und Leuchtstoffe, Fett und Fleisch, sowie Nährmittel und Zucker emporgeschnellt.
Der Hessische Landgemeindetag wird am Mittwoch, 11. Oktober, in Frankfurt seine dritte Dertreterversammlung abhalten.
U. et. fei die Finanznot der Gemeinden, die Ent» schädigung der Gemeinden für die Dienstgeschäfte der Reichsfinanzverwaltung, die allg. Derwalttrngsreform, die Prüfungsordnung für die Beamten der Landgemeinden, der Urlaub der Demeindebeamten beraten und die Wahl von Berttetern der waldbefitzenden GemeindenzumForstarbettsamt oorgenommen werden. Bertteter der Ministerien haben ihr Erscheinenen zu- gesagt. Am gleichen Tage wird auch der Landesverband hessischer Bürgermeister am gleichen Ort zusammentreten, um verschiedene wichtige Stanbesfragen zu erledigen.
Die neuen Beiträge zur Invalidenversicherung ab 1. Oktober.
Am 18. Juli hat der Reichstag das Gesetz über Lohnllassen, Leistungen und Deittäge in der Invalidenversicherung beschlossen, das am 1. Oktober in Kraft tritt. Den bisherigen acht Lohnstufen sind fünf neue angegliedert worden. Ab 1. Okwber gelten folgende Lohnstufen und Beitragssätze:
Beittagsstufen
A bis M. 1000 Lohn
B von mehr als M. 1000 bis
wöchentt. Beittag
M. 3.50
M. 3000 „ 4.50
C „ ,, ,, 3000 „
5000 5.50
D „ „ „ „ 5000 „
„ 7000 „ 6.50
E „ „ ,, „ 7000 „
., 9000 „ 7.50
F „ „ .. 9000 ,,
„ 12000 „ 9 —
G „ „ „ „ 12000
„ 15000 „1-0.50
H „ „ „ „ 15000 „
„ 18000 „12.—
I „ „ „ „ 18000 ,,
27000 ., 18.—
K „ „ M ,, 27000 ,,
„ 39000 „24.—
L ......39000 „
„ 54000 „32 —
M ,, „ „ „54000 „
„ 72000 „42.-
N 72000
,, 52.-
Kein Eintritt in die Reichsmarrne ohne vorherige
Gestellungsauffordernng.
In letzter Zeit häufen sich die Fälle, dah sich bei den M-arineteilen junge Leute als Freiwillige — besonders aus den abgetretenen Gebieten — zum Eintritt in die Reichsmarine persönlich melden in der Annahme, dah sie sofort eingestellt werden könnten. Sie geben in der Regel an, von Behörden, Polizei, Arbeitsnachweisen. Grenzstellen usw. Anweisung oder den Rat erhalten zu haben, sich in einen Marinestandort zu hegeben: „Dort würden noch junge Leute eingestellt." So erwünscht der Zuzug junger Leute zur Reichsmarine ist, so muh doch dringend von persönlicher Meldung ohne vorherige Gestellungsaufforderung abgeraten werden. Die ernsten Aufgaben, die unserer Marine zufallen, und die 12jährige Dienstverpflichtung, die der Freiwillige aus fich nehmen muh, bedingen, dah nur körperlich und sittlich bestes Personal, das die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, im Alter von 17 bis 21 Jahren eingestellt wird. Bor der Gestellung beim Marinetell ist eine vorläufige ärztliche Untersuchung und eine eingehende Feststellung der persönlichen Dehältnisse des Freiwilligen unbedingt nötig. Die Erfahrung hat gelehrt, dah die meisten jungen Leute, die unaufgefordert bei den Marineteilen erscheinen, für den Marinedienst körperlich untauglich, dah sie nicht im Besitze der nötigen Papiere sind und dah sie ihre Staatsangehörigkeit und Unbescholtenheit nicht nachweisen können. Auch sind nicht immer Stellen frei. Ihre Einstellung kann dann häufig nicht erfolgen. Da sie meistens von weither kommen und die Mittel zur Heimreise nicht besitzen, müssen sie an die Arbeitsnachweise, Stadtmission usw. gewiesen werden, damit sie sich wenigstens das Fahrgeld für die Rückreise erarbeiten können. Den Gefahren der Groh- und Seestädte sind solche jungen Leute, zumal wenn sie keine Arbeit finden, ganz besonders ausgesetzt. Es wird daher darauf hingewiesen, dah die jungen Leute, die als Freiwillige in die Reichsmarine eintreten möchten, nicht ohne G e st e l l u n g s a u f f o r d e r ung eines Marineteils in die Standorte der Reichsmarine reifen, sondern sich schriftlich an die Schiffsstammdivision (Personalamt) in Kiel oder in Wilhelmshaven wenden. Don dott erhallen sie zuverlässige Auskünfte; von dort werden ihre persönlichen Verhältnisse geprüft; von dort wird die vorläufige ärztliche Untersuchung veranlaht und sie erhalten von dort schließlich auch, wenn sie für geeignet befunden werden, die Lllifsorderung zur Gestellung.
** Amtliche Persvnalnach richten. Ernannt wurden: Am 21. September der Lehrer Friedrich Anton Spielmann zu Heldenbergen, Kreis Friedberg, zum Rektor an der Volksschule zu Heldenbergen; am 23. September der Lehrer Dr. Georg Rein
Die Herrveghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.
3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Diese Badewanne war das ständige Kampf- objeft zwischen Lutz und seiner Mutter, denn immer, wenn man baden wollte, lag etwas darin, gehaltenes Holz oder eingelegte Wäsche, und es mußte erst alles ausgeräumt werden. „Dieser Umftanb allein tarn einem das Familienleben verleiden," fügte Lutz mißmutig hinzu.
Der Kamps verlies ergebnislos. Geh m den JSngel“, wurde er verwiesen. Die Mutter, in Anspruch genommen von ihren Vorbereitungen, hatte Ernst gar nicht bemerkt. Generals wvlllen zum Essen kommen, die Schmidt hatte zugesagt, sie sagte niemals ab, und Herbert sollte zu Doktor Rickert laufen und ihn dazu bitten.
„ Für was denn auch noch den?" fragte der Lümmel, der von jedem neuen Gast Porttonenverkürzung fürchtete. Was hatte man denn von ihm, Liane wollte ja buch nicht heiraten.
„Wenigstens nicht Doktor Rickert," sagte diese.
„Na, wen beim sonst, deine Aestheten haben ja selber nischt."
„Man braucht sich ja nicht unbedingt zu verheiraten." fand Liane.
Redensarten," mischte sich Emst ein. „Doktor Rickert ist ein sehr tüchtiger Arzt und hat die größte Kinderpraxis in ganz Rheinau."
„Das ist doch kein Grund, mich mit ihm trauen zu lasten," sagte die Schwester. Sie hatte ihren elegischen Tag; ihr Geld war wieder einmal zu Ende, und bei Lutz hatte sie auch vergebens angepocht.
„Verdient wat," sagte der Lümmel. „Im Sarasani kriegt die Schulreiterin jeden Abend hundert Mark, für was hast du denn Reiten gelernt? Unb unser Ernst hat sich auch auf so ein brotloses Handwerk verlegt. Bis der mal Amtsrichter ist, hat er graues Haar. Doktor Rickert kriegt für jebe Operation fünfhundert Mark, und der Ehrlich hat fich schon ein Haus am Kurgarten zasammenplädiert."
„Halt den Rand," wurde er verwiesen, „und sieh, daß du selber etwas wirst." Lutz goß sich aus der unerschöpflichen Karme von neuem Kaffee ein.
»Ach Kinder, ihr sitzt noch immer da." sagte Frau von Herwegh, die wieder mit einem dampfenden Napfkuchen hereinkam. „Unb ich hab' alle Hände voll zu tun. Liane könnte den Tisch decken, und sei lieb und gut. mein Goldiger, und lauf zu Generals und hol mir ihre Kristall- schalen für das Aprikosenkompott."
„Warum denn so schrecklich viel Süßes?" fragte der bleiche Lutz. „Ein guter Heringsalat wär mir bedeutend lieber wie der ganze Fraß."
„Geh, mein Lieber," wiederholte die Mutter, „und bestelle Doktor Rickert für halb zwei. Ihr seid gar feine höflichen Kinder, nur Ernst ist gefällig."
Daraufhin trennte sich der Lümmel von dem Kasteettfch und schob zur Türe hinaus, ittcht ohne Liane zu ermuntern. „Und sei auch recht freundlich zu Doktor Rickert."
„Ach Gott, dieser Zunge," seufzte Liane, indem sie sich erhob. „Er wäre viel besser in einer Erziehungsanstalt aufgehoben. Wo sind denn die Tischtücher, Mama, und wieviel Servietten soll ich auflegen ?“
Die Mama zählte an den Fingern: „Her- weghs fünf, die Schmidt sechs, Generals acht, Rickert neun —“
zu Wieseck, Kreis Gießen, zum Rektor an der Volksschule zu Wieseck, Kreis Gießen.
□ Dem Reichs-Zugendwohl- fahrtsgesetz entsprechmrd finden zur Zeit im Ministerium des Innern eingehende Erwägun- gen über die hessischen Ausführungs- estirnmungen statt. Von besonderer-Wich- tigfeii ist die Frage, welche Behörden und Organe mit der Fürsorge für die Zugend betraut werden. Vielleicht können die betreffenden Ausführungsbestimmungen schon am 1. April des kommenden Zahres erlassen werden.
** D i e Mindest frucht für Expreßgut erhöht sich ab 1. Oktober auf 75 Mark.
* Internationale Antwortscheine. Nach den für den WeltpostverUhr geltenden Vorschriften kann der Absender eines Briefes die Gebühr für die Antwort im voraus entrichten, indem er fernem Schreiben einen Antwortschein neuer Art sUmtauschwert 50 Centimes) ober zwei Antwort scheine alter Art (Umtauschwert 25 Centimes) beifügt. Bei ben deutschen Postanstalten werden bis auf weiteres nur Antwortscheine alter Art l Umtauschwert 25 Centimes) verkauft. Im Ausland wohnende Empfänger von Briefen aus Deutschland beflagen sich häufig, daß ihnen beim Umtausch deutscher Antwortscheine nur Marken im Wert der 'halben @ebübr für einen Brief nach Deutschland verabfolgt worden seien. Diese Klagen sind darauf zurückzuführen, dah die deutschen Absender ihrem Brief nur einen Antwortschein beigefügt hatten. Es wird deshalb daraus hingewiesen, daß, wenn der deutsche Absender eines Brieses nach dem Ausland die volle Gebühr für einen Antwortschein vorausentrichten will, er seinem Schreiben bis auf weiteres zwei Antwortscheine beifügen muß. da im Ausland nur für zwei deutsche Scheine eine Freimarke im Wert der einfachen Auslarrdbriefgebühr abgegeben wird, wird.
** Vorträge in den Gewerbevereinen und Dezirksverbänden will die Zentralstelle für die Gewerbe und Landesgewerbeverein auch im bevorstehenden Winter möglich machen. Nach Beschluß des Ausschusses des Landesgewerbevereins formen den Gewerbevereinen zu solchen Vorträgen Zuschüsse gewährt werden, und zwar für einen Redner am Ort 100 Mark, für auswärtige 200 Mark. Die Fahr kosten dritter Klasse müssen jedoch die Gewerbevereine übernehmen, ebenso die kostenlose Uebernachtting der Redner in Privatguartieren. Da dem Lanbes- gewerbeverein für dieses Zahr zu Vorträgen insgesamt rund 10 000 Mark zur Verfügung stehen, so können Vereine von 20 bis 100 Mitgliedern zu einem Vortrag unterstützt werden. Vereine über 100 bis 300 Mitglieder zu je zwei Vorträgen und jeder Dezirksverband mit je einem Vortrag. Die Zentralstelle nimmt eine Rednerliste bt Aussicht, doch rät sie den Ortsgewerbevereinen, möglichst von sich aus geeignete Redner zu beschaffen. Die Vorträge sollen sich über gewerbliche und wirtschaftliche Fragen, besonders tm Steuerwesen, erstrecken.
** Von der Gießener Pferde- markt-Lotterie fiel ein Gewitm von 10 000 Mk. auf Nr. 13 678. 5000 Mk. Prämie und 10 Mk. Gewinn auf Nr. 10 361. Ze 1000 Mark fielen auf die Nummern 2855 und 5159, je 500 Mk. auf die Dummern 12186, 17 663, 22 649 und 23 828.
Wettervoraussage
für SamStag :
WoMg bis heiter, trocken, schwache westliche Winde, kühl, Nebelbildung.
Eine Tiefdruckfurche läuft heute von Island über die Nordsee und Deutschland bis zum Mittelmeer. Sie ruft Bewölkung und zeitwellige Niederschläge hervor. Bei allgemein steigendem Barometerstand haben wir wieder besseres Herbstwetter zu erwarten.
Borno trzcn.
— Tag es ka l en der für Freitag. Volkshochschule: 8 Uhr Besprechung in der Oberrealschule, wichtige Tagesordnung.
— Einen schwedischen Kunst- film, dem die Kritik einen hervorragenden Platz in der Reihe der bemerkenswerten Kinoschöpfungen zugesprochen hat, sicherte sich das Lichtspielhaus,Bahnhof st raße, von heute ab zur Vorführung. ES handelt sich um den Film „Erotikon" (ein Spiel von der Liebe Leid und Lust), der seine deutsche Urauf- führung im Marmorhaus in Berlin erlebte und dort allenthalben sehr beifällig ausgenommen wurde. Die Berliner Tagespresse sowohl wie die Kinv-Fachzeitungen versichern nach den uns vorgelegten Pressestimmen übereinstimmend, dah dieser Film „einer der ent»
„Du weißt ja noch nicht, ob er kommt, Mama."
„Der kommt," sagte die Mutter.
„Also dann sind wir neun, unb ich muß den Tisch ausziehen. Dabei muh mir aber einer helfen, zu solchen Hausknechtarbeiten fehlen mir die Kräfte/' ßiane ging, gefolgt von Lutz, der ihr in dem dunklen Flur auf die Schleppe trat, was ein zorniges Duett zwischen den beiden zur Folge hatte.
„Du kannst niemals aufpassen."
„Ich hab' doch an den Füßen keine Augen."
Mit dem Geburtstag war es nichts, sagte sich Ernst. Unb er stieg in feine Mansarde hinauf, um ferne Geige hervorzuholen, wie jeden Sonntag. Da Lutz wegen „seines Rheumas in der linken Schulter" nicht in einem ungeheizten Raum schlafen konnte, hatte Ernst sich hier oben in der „Eisregion" eingerichtet mit seinen Büchern und Sammlungen. Die schrägen Wände zierten alte Geigen, Flöten, Mandolinen, Kastagnetten und Banjos mit bunten Bändern, dazwischen schauten die Köpfe berühmter Komponisten heraus, per weißhaarige Kantor Dach, der lang- mähnige Liszt, das feine melancholische Profil eines Chopin unb der zerwühlte Kopf eines Schubert mit ben Feueraugen, der sanfte Lyriker Schumann, Beethovens finstere Maske, der heitere Mozart. Lieber ben mit Bücherstößen und Papier überschwemmten Sekretär hing ein welker Lorbeerkranz, auf dessen rotseidener Schleife sich dankbare Schüler verewigt hatten, mit denen Ernst einmal zum Besten von auf dem Rhein verunglückten Schiftern ein Konzert gegeben hatte.
Wenn der kleine Kanonenosen Brannte und Trina Staub gewischt hatte, war es ein sehr behaglicher Raum, aber heute hatte sie vergessen, das Feuer anzuzünden, sie drang eigentlich nur
zuckenosten" sei und etwas ganz BesottdereS darstelle, der das Interesse des PublllumS voll und ganz verdiene. Näheres im heutigen Anzeigenteil.
— „Sodoms Ende" ist ein Grvhfilm betitelt, ben bie Palast-Lichtspiele von heute "ab zur Aufführung bringen. Das Werk ist nach dem Drama von Hermann Sudermann bearbeitet «und hat überall guten Anklang gefunden. Näheres im Anzeigenteil.
— Safe Astoria: Ab I. Oktober das Künstler-Trio Hiller-Opeh. (Siehe Anzeigenteil.)
Kreis Alsfeld.
* Burg-Gemünden, 27. Sept. Das ElektrizitätswerkDicknertsmühle zu Nieder-Gemünden plant eine Kapitals- aufnahme in Höhe von 400000 Mk. Die Gemeinden Nieder- und Burg-Gemünden, sowie Bleidenrod wollen die Bürgschaft übernehmen.
Kreis Friedberg.
* Bad-Nauheim, 28. Sept. Bis heute betrug der Gesamtbesuch 37 530 Personen. f
* Bad-Nauheim, 27. Sept. Die Stadt- verordneten-Dersammlung genehmigte in ihrer gestrigen Sitzung eine Vorlage betreff- Familien-Krankenversiche- rung für die städtischen Arbeiter bei der hessischen Beamten-Krankenkasse. Diese Versicherung soll nach Staatsmuster gehandhabt wer- ' den und ist, soweit Familienmttglieder in Frage kommen, eine freiwillige. Die Ortskrankenkasse kann diese Versicherung nur dann übernehmen, wenn alle, auch der Arbeiter, bei ihr versichert sind. Betont wurde vom Vorsitzenden, dah die Versicherung eine freiwillige sei und der Stadt insofern Kosten erwachsen Formten, daß sie ein Drittel der Beiträge zahlen müsse. Die Arbeiter aber hätten schon lange den Wunsch, ihre Familienmttglieder versichert zu wisien, und so wolle man den Versuch machen. — Der Bahn- h o f s m i s s i o n wurde anläßlich ihres 25jährigen Bestehens und in Anerkennung ihrer segensreichen Tätigkeit eine städtische Zubiläums- spende von 5000 Mark gewährt.
Starkenburg und Rheinhessen.
* Mainz, 27. Sept. Eine unliebsame Ueberraschung wurde am Montag hier vielen Hunderten von Beamten dadurch zuteil, dah sie ihr für diesen Tag fälliges Gehalt nicht erhalten konnten, well es an dem notwendigen Bargeld fehlte. Sowohl die Bezirkskasse als auch die von dieser angerufene Reichsbankstelle waren nicht in der Sage, das erforderliche Bargeld in ausreichender Höhe zu stellen. Die Knappheit in Papiergeld machte sich um so nachdrücklicher bemerfbar, als in den letzten Tagen hier viele Millionen zur Auszahlung gelangten, für die nicht sofort der erforderliche Nachschub einttaf. Wie indes versichert wird, soll die Zahlungsstockung nur von ganz kurzer Dauer sein.
Hessen-Rassau.
spd. Franks urta. M., 28. Sept. Im Stadt- teil Oberrab stieß am Mittwoch abenb ein mit Kohlen belabenes Lastauto mit voller Wucht gegen einen von Offenbach kommenden S t r a - ßenbahnzug. Der Zusammenstoß war so ge- toaltig, daß der Mo t o r wage n bet Straßenbahn sa st vollständig zertrümmert wurde. Der Führer mußte sofort in das Krankenhaus gebrad?t werden. Einer der Fahrgäste flog durch das Fenster auf die Straße, erlitt aber sonst keine Verletzungen. Der Sachschaden ist außerordentlich groß. — Am Eschersheimer Turm versuchte ein Mainzer Gastwirt auf eine rasch fahrende Straßenbahn aufzuspringen, rutschte dabei aus unb geriet unter d ie Räder , bie ihm am Kopf und ben Armen schwereVerlehun- gen zufügten. In der Franz-Rückert-Strahe sprang trotz eindringlicher Verwarnung eine ältere Frau von einem Wagen der Linie 4 und kam so unglücklich zu Fall, daß sie sich lebensgefährliche Kopfverletzungen zuzog. Beide Verletzte tarnen in das städtische Krankenhaus. — Maximbar unb „Tanz-Meier", zwei bekannt? Nachtlokale, wurden am Mittwoch abenb durch die Polizei ausgehoben, ba in beiden Wirtschaften unter dem Deckmantel der gefchloftenen Gesellschaft weit über die Polizei-
Heutiger Stand des Dollars
10 Uhr vormittags:
Berlin 1650, Frankfurt 1640—1646.
au fr äumenb hier em, wenn sie nebenan auf dem Trockenboden Wäsche aufhing.
Emst Holle seine Geige aus dem Kasten und stimmte sie, aber es wollte nicht recht gehen. Er schaute, während er spielte, gedankenvoll nach dem grünen Schimmer über dem Häusermeer am Horizont. Dort oben in den Wäldern „unter den Eichen" hatte er Grete versprochen, am Vormittag hinzukommen. Er hatte das Gefühl, als ob fte heute von ihm die Entscheidung erwarte.
Er war der Heimlichkeiten selber satt. Zeden Sonntag kam bet Rüdesheimer Vetter herüber, ben bie Großmutter, die ben zweiten Stock des Kollinschen Hauses bewohnte — sie hatte das entscheidende Wort zu sprechen, denn von ihr stammte der Reichtum —. als Gretes künftigen Gatten auserwählt hatte, und er mußte mitansehen, wie Grete mit diesem rvsenwangigen blonden jungen Manne mit der fröhlichen Stumpfnase im Kurgarten auf unb ab wanbeite zu den Klängen der Ouvertüre der „Lustigen Weiber", während er sich in ben Ecken herumdrückte.
Wenn er heute vor ihren Vater trat: ich attle um, ich werbe Rechtsanwalt! — aber dann ah er immer vor sich ein blinkendes Messing- chilb an bem Eingang eines dreistöckigen Hauses nmitten der staubigen, lärmenden Stadt. Sei» Ideal war das Land. Droben in ben Bergen, in bet Eifel, in reiner kristallklarer Lust zu leben um sich die große, stille Natur, grüne Wiesen, Burgen und Wälder. Er wollte weder Schätz« sammeln wie sein Zustizrat, noch Karriere machen, sein Ehrgeft lag auf künstlerischem Gebiet Wenn ihm der künftige Beruf mir Muße daz» ließ . . . das war ihm Hauptsache.
(Forftehung folgt.)


