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172. Jahrgang
Kettag, 29. September 1922
BietzeimAnzeiger
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Geneml-Anzeiger für Oberheffen
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Aus den Erinnerungen Kaiser Wilhelms II. „Ereignisse und Gestalten"
(Fortsetzung.)
Ich konnte inBrest-Litowsk bei den andauernden militärischen Veranstaltungen aller Art sehr Wohl ! beobachten, daß das Verhalten der russischen Offiziere mir gegenüber wesentlich kühler und hoch- : mutiger war als bei meinem ersten Besuch in ! Petersburg. Rur die kleine Zahl alter Generale, zumal bei Hofe, welche noch aus Alexanders II. Zeit stammten, und mit Kaiser Wilhelm dem Großen bekannt und ihm zugetan waren, trugen ihre Ehr- , furcht für ihn und ihre Deutschfteundlichkeit noch täur Schau. Bei einem Gespräch mit einem von .ihnen über die Beziehungen der beiden Höfe, 'Armeen und Länder zu einander, die ich als ii) Aenderung gegen früher'begriffen fand, sagte der alte General: „C’est ce vilain Congres de Berlin! Une grave laute du Chancelier. II a detruit l'ancienne jamitie entre nous, plante la mSfiance dans les coeurs de la Cour et du Gouvernement, et foumi le Sentiment d'un tort grave fait ä l’armee russe aprös sa campagna sanglante de 1877, pour lequel eile veut sa reyanche. Et nous voila ensemble avec cette maudite Republique Franyaise, pleine de Haine contre vous et remplie d'idees subversives, qui en cas de guerre avec vous, nous coüteront notre dynastie."1) Eine prophettsche Voraussage des Llnterganges des russischen Herrscherhauses!
Don Brest begab ich mich nach Straßburg, wo mein Großvater zum Kaisermanöver weilte. Trotz dem Scheitern meiner Mission fand ich eine ruhige Beurteilung der politischen Lage vor. Mefti Großvater freute sich über die herzlichen Grüße des Zaren, die wenigstens im persönlichen Verhältnis der beiden Herrscher keine Veränderung zeigten. Zu meiner Aeberraschung erhielt ich auch vom Fürsten Bismarck ein Schreiben, in welchem er mir Dank und Anerkennung für meine Tätigkeit und meinen Bericht aussprach. Dies bedeutete um so mehr, als meine Ausführungen meinem Großvater und dem Kanzler nicht angenehm sein konnten. Der Berliner Kongreß hatte, zumal in den russischen Militärkreisen, die Beste der bei uns noch gepflegten Waffenbrüderschaft beseitigt unb einen durch den Verkehr mit dem französischen Offizierkvrps geschürten Haß gegen alles Preußisch-Deutsche erzeugt, der von den Franzosen zu dem Wunsche nach Bache durch die Waffen gesteigert wurde. Das war der Boden, auf dem später der Weltkriegsgedanke unserer >Gegner Bohrung finden konnte: „Revanche pour Sedan“ vereint mit „Revanche pour San Stefano.“ Die Worte des alten Generals in Brest sind mir unvergeßlich gebüeben und haben mich zu den vielen Zusammenkünften mit Alexander III. und Rikolaus II. veranlaßt, bei denen mir die von meinem Großvater auf dem Sterbebette ans Herz gelegte Pflege der Beziehungen zu Rußland stets als Leitmotiv vor Augen starch.
3m Jahre 1890 bei den Manövern in Barwa muhte ich dem Zaren die Geschichte des Abganges des Fürsten Bismarck genau schildern. Der Zar hörte mir aufmerksam zu. Als ich geendigt hatte, ergriff der sonst sehr kühle und zurückhaltende Herrscher, der selten über Politik sprach, ganz spontan meine Hand, dankte mir für den Beweis meines 03 er trauend, bedauerte, daß ich in solche Lage gebracht worden sei und fügte wörtlich hinzu: »Je comprends parfaitement ta ligne d’action. Le Prince avec toute sa grandeur n’etait apres tout rien d'autre que ton employe ou fonctionnaire. Le Moment ou il refusait d’agir selon tes odres, il fallait le renvoyer. Moi, pour ma pari, je me suis toujours mefie de lui, et je n’ai jamais cru un mot de ce qu'il me faisait savvir on me disait, car j’£fais <ür et je savais qu’il me blaguait tout le temps. Pour les rapports entre nous deux, mon eher Guillaume - es war das erste Mal, daß mich der Zar so nannte — la chute du Prince aura les meilleures consequences. La mefiance disparaitra. J’ai confiance -en toi, tu peux te fier ä moi." 2) Ich habe mir seinerzeit dieses wichttge Gespräch sofort ausgezeichnet. Ich bin objektiv genug, mich zu fragen, inwieweit die Courloisie von Herrscher zu Herrscher und darüber hinaus vielleicht die Genugtuung über LieAusschaltung eines Sta'atsmannes vonBismarcks Bedeutung für die vorstehende Aeußerung des Zaren bewußt oder unbewußt mitbeftimmenb mar. Der Glaube des Fürsten Bismarck an das Der-
*) „Daran ist dieser abscheuliche Berliner Kongreß schuld! Der war ein schwerer Fehler des Kanzlers. XSr hat die alte Freundschaft zwischen uns zerstört, Mißtrauen in die Herzen des Hofes und der Begierung gepflanzt und die äleberzeugung ausgelöst, daß man ber russischen Armee nach dem blutigen Feldzug von 1877 ein schweres älnrecht zugefügt hat, für das sie nun Vergeltung will. Lind nun halten wir mit dieser verwünschten französischen Republik zusammen, die voller Haß gegen Deutschland ist und erfüllt von Llmsturzideen, die uns im Falle eines Krieges mit Ihnen unsere Dynastie kosten werden."
2) „Ich verstehe vollkommen Deine Handlungsweise. Der Fürst war trotz all seiner Größe schließlich doch nichts anderes, als Dein Beamter oder Beauftragter. 3n dem Augenblick, wo er sich weigerte, nach Deinen Befehlen zu handeln, mußte er entlassen werden. Ich meinerseits habe immer Mißtrauen gegen ihn gehegt und ihm niemals ein Wort von dem, was er mich wissen ließ oder selbst mir sagte, geglaubt, denn ich wußte genau, daß er mich immer anführle. Für die Beziehungen zwischen uns beiden, mein lieber Wilhelm, wird der Sturz des Fürsten die besten Folgen 'haben. Das Mißtrauen wird schwinden. 3ch habe Vertrauen zu Dir, Du kannst Dich auf mich verlassen."
aus den Jahren 1878—1918.
trauen des Zaren war subjektiv zweifellos echt. Außer allem Zweifel steht auch die Achtung, die Alexander III. vor dem staatsmännischen Können Bismarcks hatte.
Jedenfalls 'hat der Zar bis zu seinem Tode zu seinem Worte gehalten. An der allgemeinen Po- litik Rußlands hat das zwar nicht viel geändert, aber vor einem Lieberfall von dort war Deutschland wenigstens fidjer. Der gerade Charakter Alexanders III. bürgte dafür — bei feinem schwachen Sohne wurde es anders.
Mag man sich nun zu Bismarcks Aussenpolitik stellen wie man will, das eine muß gesagt werden, nämlich, daß der Fürst es ttoh dem Berliner Kongresse und der Annäherung Frankreichs an Rußland verstanden hat, Reibungen ernster Art zu vermeiden. Das bedeutet vom Berliner Kongreß ab gerechnet ein überlegenes diplomatisches und staatsmännisches Spiel über 12 Jahre (1878—1890). Man wird auch hervor- heben müssen, daß es ein deutscher Staatsmann War, der 1878 einen allgemeinen Krieg verhinderte und dafür sogar die Beziehungen Deutschlands zu Auhland schwächte im berechtigten Der- trauen darauf, daß es seiner genialen zielsicheren Staatskunst gelingen würde, sie nach Lieberwindung der allgemeinen Krisis wieder zu stärken oder wenigstens Konflikte zu vermeiden. Das ist ihm 12 Jahre lang und seinen Bach- folgern am Staatsruder weitere 24 Jahre gelungen. —
Von der Parteipolitik habe ich als Prinz mich absichtlich fern gehalten und mich ganz auf meinen Dienst in den verschiedenen Waffen, denen ich zugeteift wurde, konzentriert. Dieser gewährte mir Befriedigung und füllte mein Leben aus. Deshalb ging id; als Prinz von Preußen allen Bemühungen aus dem Wege, mich in das politische Parteigetriebe zu zerren. Häufig genug wurde es versucht, mich unter dem Deckmantel harmloser Veranstaltungen, Lees u. dgl. für politische *3irfel oder für Wahlzwecke einzufangen. Ich habe mich immer zurückgehalten.
Der Verlauf der tückischen Krankheit, die den Kaiser Friedrich III. dahinraffte, war mir von deutschen Aerzten, die als Experten von Sir Morell Mackenzie, dem englischen Arzt, hinzu- gezogen worden waren, ganz offen vorausgesagt worden. Mein tiefer Schmerz und Kummer waren IUM so größer, als es mir fast unmöglich war, meinen heißgeliebten Vater allein zu sprechen. Er wurde von den englischen Aerzten wie ein Gefangener bewacht, und, während Reporter aus allen Ländern vom Aerztezimmer aus den armen Kranken beobachten durften, wurden mir alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg gelegt, an meinen Vater heranzukommen oder mit ihm auch nur schriftlich in dauernder Verbindung zu bleiben; meine Briese wurden oft aufgefangen und nicht abgegeben. Außerdem wurde aus dem De- wachungskreise eine infame, regelrechte Verleumdungskampagne gegen mich in der Presse geführt. Besonders taten sich zwei Journalisten hierbei hervor: ein Herr Schnidrowih und Monsieur Jaques St. Ehre vom „Figaro" — ein deutscher Jude —, der den späteren Kaiser jahrelang in giftigster Weise in Frankreich verleumdete, bis ihm der Prozeß des »Petit Sucrier" den Hals brach.
Die letzte Freude, die der sterbende Kaiser erlebte, konnte ich ihm durch den Vorbeimarsch der von mir persönlich dem Vater vorgeführten 2. Garde-Jnfanterie-Brigade bereiten Es waren die ersten und letzten Truppen, welche Friedrich III. als Kaiser sah. Auf einem kleinen Zettel schrieb er seinem dadurch beglückten Sohne auf: Er sei dankbar für die Freude, diese Truppen zu sehen, und stolz darauf, sie die seinigen nennen zu formen. Dieses Ereignis war ein Lichtblick in den schweren 99 Tagen, die auch für mich als Kronprinzen viel Kummer, Demütigungen und Verdächtigungen brachten. Ich beobachtete während dieser Krise pflichtgemäß wach- famen Auges alle Vorkommnisse in militärischen, Beamten- und Gesellschaftskreisen und war innerlich empört über die Zeichen der Lockerung, die ich überall wahrnahm, vor allem aber über die sich mehr und mehr bemerkbar machende Feindschaft gegen meine Mutter. Qtuf der anderen Sette mußte mich dip andauernd gegen mich gerichtete Verleumdungskampagne, die mich als mit meinem Vater im Zwiespalt befindlich schilderte, tief verletzen.
Die Wirtschaftspolitik Sowjet- RrrßlandZ.
Berlin, 28. Sept. Die Zeitschrift „Der Wiederaufbau" veröffentlicht einen Aussatz über die neue Wirtschaftspolitik der Sowjetregierung, der von Krassin, dem russi- fd)en Volkskommissar für den Außenhandel, rer= fafit ist. Krassin gibt vom gegenwärtigen Stand der Wirtschaftsordnung folgende Darstellung: Für die Bauernschaft ist nach Rationalisierung und teilweiser Aufteilung des Großgrundbesitzes das Prinzip der freien Wirtschaft in der neuen Wirtschaftspolitik durchgeführt. Ebenso ist für den kleinen Gewerbetreibenden wie auch für den Binnenhandel wieder die freie Wirtschaftsform gewählt worden, während für die mittleren Betriebe Fachverträge, für die großen industriellen »Unternehmungen Konzes f i o n s v e r t r ä g e zum neuen Wirtschafts- Programm gehören. Diese neue Wirtschaftsform, welche die überwundene kommunistische ablöst, kennzeichnet fid) somit alsStaatskapitalis- m u s, der eine möglichst weitgehende staatliche Regelung aller wichtigen industriellen Zweige und Haupttriebkräfte des volkswirtschaftlichen Lebens sowie der Produktionsauellen anftrebt
Der Ernst der
London, 28. Sept. (WTD.) Die Abend- Presse weist auf den großen Emst der Lage im nahen Osten hin und erklärt, der Friede hänge an einem Faden. Heute wurden um 11 älhr vormittags und 4 älhr nachmittags Sitzungen des britischen Kabinetts abgefjalteri, in welchen die Lage im nahen Osten erörtert wurde. Dor der ersten Kabinettssitzung, die zwei Stunden dauerte, empfing Lloyd George den brttischen Botschafter In Berlin, Lord d'Abernon. Auch amt- liche Kreise halten, tote gemeldet wird, die Lage für ernst. Verschiedene Divisionen türkischer Truppen sollen sich in der Gegend von Jsmid konzentrieren. Man glaubt, daß sie die neutrale Zone überschritten haben, jedoch stehe eine Bestätigung dieser Meldung noch aus. Die Blätter erklären, falls sich die Meldung bewahrheite. würden die Alliierten in Konstantinopel gefährdet sein.
König Konstantin gefangen genommen. Einer seiner Minister getötet.
Paris, 29. Sept. (WTD.) Bach einer Havasmeldung aus Genf hat die griechische Delegation, an deren Spitze der ehemalige Minister Streit steht, die telegraphische Mitteilung erhalten, König K o n st a n t i n sei am 28. September nachmittags von den revolutionären Truppen gefangen genommen uni) einer seiner Minister getötet worden.
Athen, 27. Sept. (WTB.) Verspätet eingetroffen. Wie das Pressebureau berichtet, richtete König Konstantin an den Ministerpräsidenten folgendes Schreiben: Die in Griechenland nach dem Llnglück in Kleinasien und infolge des drohenden Verlustes Thraziens entstandene Bewegung hat bei einem Teil meiner Untertanen den Gedanken bestärkt, daß mein Verbleiben auf dem Throne unsere mächtigen Freunde hindere, Griechenland wirksam zu Hilfe zu kommen. Ich teile keineswegs diese Auffassung. Da ich jedoch sehe, daß diese irrige Meinung das Land einem inneren Kampfe entgegenführt, und in der ErwägunZi daß ber bruL-ennorderische Zwist den Gnadenstoß für Griechenland bedeuten würde, habe ich mich entschlossen, abzudanken, um ihm zuvorzukommen. Ich verzichte auf den Thron."
Die ganze Rächt perlief ruhig. Seit heute früh herrscht in Athen vollste Ordnung.
Athen, 28. Sept. (Wolff.) Konstantin richtete an das griechische Boll eine Botschaft, in der er darauf hintoeift, daß die Einigkeit der gesamten Ration die Vorbedingung für die ilcbertoinbung der gegenwärtigen Schwierigkeiten fei und daß er zugunsten des Prinzen Georg a b d a n k e. um der Einigkeit nicht im Wege zu stehen. Schließliche erklärt er, er sei bereit, an der Spihe der Armee für die Interessen des Landes zu kämpfen, falls die Regierung und das Griechenvolk es wünschten.
Veniselos.
Paris, 28. Sept. (Wolff.) Der „Chicago Tribüne" zufolge wird D e n i s e l o s am Samstag aus dem Seebad Deauville nach Paris zurückkehren. Zur Zeit halte er in Deauville mit griechischen Persönlichkeiten, die jetzt in Frankreich und England leben, Besprechungen über die Haltung, die Griechenland den Alliierten gegenüber einnehmen solle, ab.
Paris, 28. Sept. (WTD.) Havas betrag tet in einer Meldung aus Athen die erste Phase der griechischen Revolution als abge- schlossen. Die aufständischen Truppen seien im Piräus gelandet und in den öffentlichen Gebäuden untergebracht worden. Die Besetzung von Athen fei ohne Blutvergießen vor sich gegangen. Die Royalisten hätten unter Führung des Generals Konstantinopulus und des Obersten Sutos, der Platzkommandant von Athen war, einen bewaffneten Widerstand gegen die Rebellen versucht, aber die veniselistischen Elemente, geführt von General Pangalos, hätten sich ihrer Bewegung widersetzt, sich der Platzkommandantur bemächtigt und den Platzkvmmandanten verhaftet. Schließlich seien sie Herren der Lage geblieben und die royalistischen Truppen seien in ihre Quartiere zurückgefü'hrt worden. Der König habe ein Manifest veröffentlicht und feine Abdankung zugunsten seines ältesten Sohnes, des Prttizen Georg, angezeigt.
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Paris, 28. Sept. (WTB.) Das „Petit Journal" schreibt: Durcy seine übertriebenen persönlichen Ambitionen sowie durch feinen Mangel an älrteilsfähigkeit und Lovalttät hat König Konstantin das Werk von Veniselos zerstört und fein Land zerstückelt. In Frankreich wird man sich immer daran erinnern, daß Konstantin einer seiner Feinde gewesen ist. Er war von Herzen Deutscher, bevor er Grieche war.
„Oeuvr e" schreibt: Veniselos hat wie König Konstantin selbst seine Popularität nur dadurch erreicht, daß er den Größenwahn der Griechen ausbeutete, indem er für sie ein Reich verlangte, das über Griechenlands Kräfte hinausging und indem er die Griechen in die Abhängigkeit von Großbritannien und in einen Eroberungskrieg führte, den durchzuführen Griechenland nicht fähig war. Veniselos hat Wind gesät, und die Hellenen ernten jetzt den Sturm.
Der „Figaro" nennt die Revolte der bc^ siegten griechischen Armee die gewohnte Folge der Riederlage. Ein doppeltes Beispiel dafür
Lage im Osten.
hätten auch Rußland und Deutschland gegeben. Das Blatt hofft, daß die Türkei das Friedens- Werk nicht durch eine gewisse Ungeduld im Siege gefährde.
Das „Echo de Paris" schreibt: Die Abdankung König Konstantins ist die logische Folge von Ereignissen, die im Verlaufe eines einziger. Monats Griechenland zu einem vollständigen militärischen und pvlttischen Zusammenbruch geführt haben. Von dem Augenblick an, wo man den verbannten Monarch zurückrief, wurde die Katastrophe Griechenlands unvermeidlich, die es heute erschüttert. In Frankreich kann man nur Freude empfinden über die endgültige Abdankung des- jenigen, der stets sein hartnäckiger Feind gewesen ist.
London, 28. Sept. (Wolff.) Die Abdankung Konstantins. wird von der Presse begrüßt. Es wird betont, daß die griechische Revolution die Schwierigkeiten im nahen Osten vermehrt .habe.
Die „Time s" schreibt, nur wenige Leute Abdankung König Konstantins empfunden. Er des vormaligen deutschen Kaisers bedauern. Die Riederlage habe feinen Sturz unvermeidlich gemacht.
„W e st in i n st e r Gazette" schreibt, weder äleberraschung noch Bedauern werde über die Abdankung König Konstantins empfunden. Es sei kein Freund Englands gewesen. Vom europäischen Standpunkt aus gesehen sei es notwendig, daß Griechenland eine Regierung erhalte, mit der die Mächte verhandeln Eö nuten und die an der Konferenz teilnehmen könne.
„Daily Chronicle" meint, für die Staatsmänner in England und den anderen alliierten Ländern könne der Sturz Konstantins keinerlei wichttge Auswirkung in politischer Beziehung haben. Es liege im Interesse aller, daß •Unruhen vermieden würden und daß wieder ebu stete Regierung in Griechenland zustande komme
Abdankung des Sultans.
London, 29. Sept. (WTD.) Reuter meldet aus Konstantinopel von gestern nachmittag 3 Ahr: Obzwar keine offizielle Bestätigung vorliegt, wird in gut unterrichteter Kreisen mitgeteilt, daß der Sltan zugun- stendeSTHronfolgersAbdulMed- schijdabgedankthabe.
Ein englischesBataillon und 1000 Mann derbritischenLuftstreitkräfte sind gestern in Konstantinopel eingetroffen.
Ein Aufruf an die deutsche Landwirtschaft.
Berlin, 28. Sept. (WTB.) Ernteopfer für Oberschlesien! Der Reichsausschuh der deutschen Landwirtschaft, in dem alle landwirtschaftlichen Körperschaften zusammenge- schlossen sind, hat folgenden Aufruf an die gesamte deutsche Landwirtschaft gerichtet:
An das deutsche Lairdvoll! Deutsche Brüder! Die Landbevöllerung Oberschlesiens steht vor der Vernichtung oder vor dem traurigen Ausweg des restlosen Unterganges im Polenturn. Gin Land, seit Jahrhunderten dem Reiche treu, wendet sich durch den Oberschlesischen Hilfsbund an die Landbevölkerung des ganzen Reiches. Der Oberschlesifche Hilfsbund, der bei feiner vaterländischen Arbeit die Unterstützung aller Schichten des deutschen Volles fand, ist die einzig berufene Stelle, alle Kräfte zu diesem großen sinterst ühungswerk zu sammeln. Darum helft ihm bei dem Erntevpfer für Oberschlefien. Blühende deutsche Besitzungen wurden von polnischen Räuberbanden überfallen und ausgeplündert. Große Teile des Viehbestandes wurden zwecklos hingeschlachtet oder fortgetrieben. Weite Teile deutschen Bodens wurden von Polen mit fremden Hilfsmitteln auf- gekauft. Deutsche Landwirte wurden verschleppt oder erschlagen. Ihre Felder liegen auf Jahre hinaus brach. Eine getoaltige Rot im ganzen Land ist die Folge. — Hier muh die Hilfe des ganzen deutschen Landvolles einsetzen. Wehrlos gegenüber stehen die deutschen Landwirte Oberschlesiens dem unersättlichen polnischen Landhunger. Wer sich zum Deutschtum bekennt, hat weder Saat nod) Ernte. Deutsche Dauern sind es. bi» Euch um Hilfe bitten. Auf Euch allen lasten Sorgen, aber wenn jeder von Euch nach besten Kräften gibt, und wären eS auch nur einige Sack Kartoffeln, dann ist gehokfen. 'Darum gebt Eure Spende willig unb ohne Zögern zum Emte- opfer für Oberschlesien.
Don der Völkerbundsversannnkung.
Genf, 28. Sept. (Wolff.! Die Völkerbunds-^ Versammlung genehmigte den Bericht des zweiten Ausschusses (Technische Organisationen) über die Tätigkeit des Wirtschaftskomitees und Fmanzkomitees des Völkerbundes, in dem ausführlich auf die Resolution Cecil-Jouve- n e l Bezug genommen wird. Rach dem Bericht sprach der zweite Ausschuß die Hoffnung aus. daß diese Resolution die glücklichsten Folgen haben werde, die Wirtschafts- und Finanzorgani- sation des Völkerbundes werde stets zur Mitarbeit bereit fein, falls der Völkerbund zur Mitwirkung an der Lösung der großen Fragen, auf die die Resolution hinzielt, aufgeforbert werden


