Sekretär des Deine- unt> Mame-D^xrrtements, Dann zum LInterpräfekten von Brest. Als •Unter- 4>räfeft von Menns reichte er seinen Abschied ein, um für die Kammer zu kandidieren. 1885 wurde er im Departement Eure-et-Lvire gewählt und bestieg 1836 zum ersten Male die Kammertribüne, um die sog. „Krongesehe" zu verteidigen. Durch feine repräsentative Erscheinung und elegante DerÄ>sarnkeit gewann er solchen Ginfluh, das) er 1896 zum Vizepräsidenten der Kammer und 1898 bis 1901 zum Kammerpräsidenten gewählt wurde. 1902 unterlag er jedoch gegen den radikalen Bourgeois. 1905—1906 war er Präsident der Kommission für auswärtige und Kolonialfragen. 3m Rovernber 1910 bot Driand bei der Kabinettsbildung Deschanel das Unterrichtsministerium an, das dieser jedoch ablehnte. Am 23. Mai 1912 wurde er gegen Etienne, Cocherh uitb Daillant wieder zum Kammerpräsidenten gewählt. Auch nach den neuen Kammerwahlen nach dem Krieg blieb er Kammerpräsident, bis er wenige Wochen darauf, im Oanuar 1920, mit 734 von 889 abgegebenen Stimmen als Rach- folger Poincares' zum Präsidenten der franzosi- ichen Republik gewählt wurde Deschanel war stets ausgesprochen nationalistisch. Er war ein Förderer des russischen Bündnisses und der An- mäherung an England.
Reichsfinanzminister Hermes über die Not der Länder und Gemeinden.
Würzburg, 28. April. (Wolff.) Auf Ein- sadung des Reichsministers der Finanzen ist hier eine Konferenz zusammengetreten, an der die Finanzminister aller deutschen Länder und die Minister des Innern teilnehmen. Auf der Tagesordnung stehen die wichtigen Fragen des Finanzausgleichs zwischen Reich, Säubern und Gemeinden.
RMchsminifter Hermes eröffnete die Kon- ferenz mit einer Ansprache, in der er ausführte, dah es nicht nur eine verfassungsmähige Pflicht, sondern eine unmittelbare Lebensnotwendigkeit -des Reiches sei, die Länder und Gemeinden lebensfähig zu erhalten. Richt minder aber seien die Länder und Gemeinden auf den Bestand und die Leistungsfähigkeit des Reiches angewiesen. Als Rotgemeiwschaft sei das Reich allen seinen Gliedern nötiger denn je. Gemeinschaftlich wie die Rot, die uns oerbinbe, müsse aber auch diq Arbeit sein, in der wir sie bekämpfen. Der Finanzminister hob hervor, dah die Finanzverfassung und die Finanzverwaltung des Reiches durch die Gesetzgebung von 1919 und 1920 auf völlig neuer Orunblage geordnet worden sei, dah die Reu- Drbnung zwar von Anfang an teilweiser Ablehnung begegnet sei und noch heute begegne, und dah sie für die Rot der öffentlichen Haushaltung in erster Linie verantwortlich gemacht toerbe, aber dah es die Macht der Tatsachen sei, die auf eine Reuentwicklung unaufhaltsam hindrängte. Der fast untragbare Druck der wirtschaftlichen und politischen Lage muhte sich notwendigerweise weiter fvrtsetzen und auswirken, auch in den Ländern und Gemeinden. Wäre das Reich allein der Träger aller außenpolitischen Verpflichtungen und feine Glieder vor einem einzelnen, unmittelbaren Zugreifen von auf)en frei, so mühte es auch die steuerliche Leistungsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft in seiner Hand vereinigen. Der Finanzminister teilte mit, dah nach dem vor- •läufigen Abschluß für das Rechnungsjahr 1921 hie Reichseinnahmen aus den Steuern und Abgaben annähernd 90 Milliarden betrugen, was gegenüber dem Voranschlag von nur 56,6 Milliarden ein Mehr um etwa 60 Prozent bedeute. Wenn dieses Ergebnis auch zum Teil auf die Geldentwertung zurückzuführen sei, so stelle es andererseits doch einen sichtbaren Beweis dafür dar, dah die Finanzverwaltung des Reiches nunmehr laufe. Man dürfe hiernach die sichere Hoffnung hegen, dah es nicht lange mehr dauern könne, bis auch die letzten Schwierigkeiten der Umstellung überwunden seien.
Der Finanzminister schloß: Der Schulden- stand des Reiches von etwa 5000 bis 6000 Mark auf den Kopf der Devollerung wird jedenfalls in keinem Lande auch nur annähernd erreicht. Soweit die Ausgaben der Länder sich im Augenblick übersehen lassen, weisen sie nicht nur in ihrer relativen Hohe, sondern auch in dem ganz verschiedenen Verhältnis eine Steigerung und so auffallende Unterschiede auf, daß der Gedanke nicht fvrtzuweisen ist, es mühte in dem einen oder anderen Falle doch eine größere Sparsamkeit möglich sein. Aus der anderen Seite sind die Realsteuern zwar in zahlreichen Ländern neu geordnet, jedoch in einigen Ländern noch längst nicht voll ausgenutzt. 3n jedem Falle ist die Lage der Gemeinden ganz wesenllich schwieriger als wie der Länder. 3n ernster Zusammenarbeit mit Ihnen bin ich bereit, nach dem Wege zu «uchen der jedem von uns gangbar erscheint. Dabei muh' aber toieöer daraus hingewiesen werden, wie außerordentlich beschränkt der Kreis der Möglichkeiten ist. Es handelt sich im wesentlichen um zwei große Fragen. Die eine betrifft die Einnahmen der Länder und Gemeinden an eigenen
Steuern und aus Anteilen an Reichs steuern, die andere dagegen die Zuschüsse, welche die ßänfcer und Gemeinden anläßlich einer Erhöhung der Beamt engehälter erhalten würden. Werden die Gehälter abermals erhöht, so steigen auch die Zahlungen des Reiches automatisch mit, so daß eine Deckung durch Reichs- fteueranteile je länger desto mehr aus dem Bereiche der Möglichkeit rückt. Es wird dahin zu streben sein, daß die Zahlungen zu einer für das Reich selber etatmäßig vertretbaren Ausgabe und für die Haushaltungen der Länder und Gemeinden zu einer Einnahme gestaltet werden, die möglichst bn voraus berechenbar ist, und zwar auf einer für die künftigen Gehaltsveränderungen gültigen Grundlage. Bei einem System fester Zuschüsse wird den Ländern und Gemeinden einerseits ein geregelter Haushalt ermöglicht, andererseits ihre Finanzhoheit gewahrt. Mögen die jetzigen Besprechungen dazu beitragen, den Geist der Einigkeit unb des Vertrauens zu fordern, der es dem Reich und allen seinen Mitgliedern ermöglichen kann, aus schwerer Zeit gefestigt und gestärkt hervorzugehen.
Ein politischer Prozetz in München.
Um Eisners „Kürzungen".
München, 28. April. Im Rovember 1918 wurden von dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Eisner diplomatische Schriftstücke aus den Akten der bayerischen Gesandtschaft in Berlin veröffentlicht. Das Wichtigste dieser Aktenstücke war ein Bericht des Geschäftsträgers v. Schoen vom 18. Juli 1914, der als von dem Gesandten Gras Lerchenfeld herrührend bezeichnet wurde. Dieser Bericht war in wesentlichen Stellen gekürzt. Fortgelassen waren alle diejenigen Absätze in denen von den Versuchen der deutschen Regierung zur Lokalisierung des Konflikts und den Gründen gesprochen wird, die diese Lokalisierung erhoffen liehen. Ferner war der Absatz fvrtgelassen, dah Deutschland nicht mobilisieren und Oesterreich von einer allgemeinen Mobilmachung abhalten wolle, um nicht die Gegenmobilmachung Rußlands und damit den europäischen Krieg auszulösen. Der auf diese Art entstellte Bericht ist von den Verbündeten beim Friedensdiktat ausgenuht worden, um nachzu- weisen, daß die Mittelmächte den Krieg im gemeinsamen bewußten Zusammenwirken entfessell hätten.
Vor dem Schöffengericht des hiesigen Amtsgerichts kommt jetzt ein Deleidigungsprozeh des Kaufmanns Felix Fechenhach, des früheren Privatsekretärs Kurt Eisners, gegen den Heraus- geber der „Süddeutschen Monatshefte" Professor (So 6 mann, den verantwortlichen Schriftleiter der „Münchener Reuesten Rachrichten", Emanuel Müller, den Hauptschriftleiter Oslerhuber des „Daherifchen Kuriers" und gegen den Schriftleiter Dr. A d l m a i e r vom „Bayerischen Vaterland" zur Verhandlung. Die Witwe Einers mar kommissarisch vernommen worden. Die Verhandlung soll sich auf die Beantwortung folgender beiden Fragen hxschränLn: 1. Liegt eine Fälschung vor und war diese Fällchung von Rachtell auf den Friedensschluh? 2. Hat der Privatkläger diese Fälschung begangen? Aus der bisherigen Zeugenvernehmung und den Angaben des Privat- llägers ist hervorzuheben, dah letzterer entschieden in Abrede stellt, den Bericht gekürzt zu haben. Es sei vielmehr von Eisner selbst geschehen. Die Witwe Eisners erklärte, nichts davon zu willen, daß sie Fechenbach als den Urheber der Kürzung nannte.
Der Rechtsbeistand des Privatklägers legte die Abschrift eines angeblichen Briefes des Gesandten Grafen Lerchenfeld vom 9. Dezember 1914 an den Ministerpräsident Grafen Hertling vor. In dieser Driefabschrift, über deren Herkunft jede Auskunft verweigert wurde, heißt es, er müfte bet bet Behauptung bleiben, daß Deutschland von der österreichischen Aktion ebenso überrascht worden sei wie alle anderen Mächte, und es mülle daher auf alle Lalle bestritten werden, daß Graf Hertling den Inhalt des IHti- matums an Serbien vor seiner Aeberreichung gekannt habe.
München, 28. April. (WTB.) In der Verhandlung des Prozesses Fechenbach gegen Professor Coh mann meldete sich Graf von Lerchenfeld zur Aussage und legte das Antwortschreiben des Grafen Hertling vom 11. 12. 1914 auf seinen Brief vom 9. 12. 1914 vor, in Welchem Hertling betonte, daß seine Kenntnis über das Xllttmatum vor dessen Publikation sich nur auf den Schonschen Bericht stützte, und dah er es für ausgeschlossen halte, dah er gegenüber dem französischen Geschäftsträger die Kenntnis des Ultimatums zugab. Graf Mont- gelas, als Sachverständiger vereidigt, beschäftigt sich in seinem Gutachten zunächst mit dem Schonschen Bericht, aus dem in der Eisnerschen Deröftenllichung gerade die Stellen fortgelassen seien, aus denen flar hervorgehe, dah die Berliner Regierung den Krieg nicht wolle. Der gekürzte Bericht, bei dem eine ungemein schwere Entstellung der ganzen Tendenz vorliege, übe eine verhängnisvolle Wirkung auf das Ausland aus.
Aus dem Reiche.
Der preußische Landgemeindeverband gegen die Umlage.
Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Der Gesamtvorstand des Preußischen Landgemeindeverbandes faßte gestern einen Beschluß, in dem er sich gegen die erneute Getreideumlage für 1922 ausspricht. Eine solche Umlage toürbe die Landbevölkerung in Erregung bringen, die sich auch gegen die Gemeindeverwaltungen richten würde, so daß diese aufs ernsteste gefährdet würden.
Erfinder- und Reuheitemnesse in Mannheim.
Mannheim, 28. April. (WTB.) Heute vormittag wurde im Ribelungensaal des Rosengartens die zweite deutsche Erfinder- und Reuheitenmesse im Beisein der Spitzen der Behörden eröffnet. Rach einer Ansprache des Vorsitzenden der Mehkommission, Architekt Beirer, hielt Oberbürgermeister Dr. Äußer, Mannheim, die Eröffnungsrede, in der er die Bedeutung der Erfindermesse für das deutsche Wirtschaftsleben hervorhob und der Hoffnung Ausdruck gab, dah diese Ausstellung eine alljährlich Wiederkehrende Veranstaltung in Mannheim werden mochte. Handelskammerpräsident L e n e l gab der Genugtuung darüber Ausdruck, dah es gelungen sei, eine so reichhaltige und vielseitige Ausstellung zustande zu bringen, und wünschte ihr vollen Erfolg. Ein sich anschließender Rundgang durch die Ausstellung brachte den Beweis, dah wertvolle Reu- heiten und Erfindungen aus den verschiedensten Gebieten des Wirtschaftslebens ausgestellt sind.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 29. April 1922.
Dank aus französischer Gefangerfchaft.
Bei der Kreisgruppe Gießen der Reichs- bereinigung ehemaliger Kriegsgefangener E. V. ging vom deutschen Hilfsausschuh des Gefangenenlagers Fort Luwalgue-Toulon ein vom 7. d. M. datiertes Schreiben ein, in dem es heißt: „Endlich formen wir Euch heute den Empfang der so lange unterwegs gewesenen Kiste (sie enthielt von Gießener Bürgern gespendete Weihnachtsliebesgaben. D. RÄ>.) bestätigen und das mit wirklicher Fr ende und aufrichtigem Dank. Allen freundlichen Spendern unfern Dank und besonders Herrn Referendar Groß für die Mühen und die herzlichen Worte." — In dem Briefe wird dann weiter mitgeteilt, dah in der Zwischenzeit wiederum zwei der Gefangenen (einer begnadigt, einer nach Verbüßung seiner Strafe) das Lager verlassen haben, so dah sich noch29 Gefangene dort befinden. Sie haben, wie sie schreiben, jetzt ein Grammophon gespendet bekommen, das viel zu ihrer Unterhaltung und Aufheiterung beiträgt, leider dazu aber nur lOPlatten und wenige Radeln. Sie bitten daher, ihnen solche zu schicken.
** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde: am 25. April der Lehrer Heinrich W e i l zu Heldenbergen zum Lehrer an der Volksschule zu Ockstadt, Kreis Friedberg, am 25. April die Schulamtsanwärterin Therese Würth and Groh-Steinheim zur Lehrerin an der Volksschule zu Zellhausen, Kreis Offenbach. — Am 26. April 1922 wurde der Ministerialamtsobergehilse Georg Weichsel aus Darmstadt zum Kanzleiassistenten, der Hauswart Leonhard Knapp zu Darmstadt zum Ministerialamtsobergehllfen, der Ministerial- amtsgehllfe Georg Vierheller aus Darmstadt zum Ministerialamtsobergehilfen und der Hauswart Friedrich Wehn aus Darmstadt zum Amts- gehilsen, sämtlich vom 1. Juli 1922 an, bei dem Ministerium der Finanzen ernannt. — Ernannt wurde am 26. April der Feldbereinigungskommissar Regierungsrat Dr. Reinhard K o ch zu Friedberg zum Kreisamtmann „bei dem Kreisamt Groh- Gerau mit der Amtsbezeichnung Regierungsrat, mit Wirkung vom 15. Mai 1922.
Wochen Marktbericht. Die wärmere Witterung der letzten Wochen machte sich auf dem heutigen Wochenmarkte durch den großen Vorrat hauptsächlich an Eiern, Butter, Spinat und Rüßchen bemerkbar. Vor allem ist bei (Stern mit einem großen tUeberftanb und infolgedessen damit zu rechnen, daß die hohen Preise sich erheblich zu Ende des Marktes senken werden. Bei einem Vergleich mit den amtlichen Mitteilungen anderer hessischer Städte muß festgestellt werden, daß in Giehen die Preise fast durchweg höher sind. — Gefordert wurden: für Spinat 8.00 dis 8.50 Ml., Rüßchen 28—30 Mk., Salat Stück 8 bis 10 Mk., Weißkraut 10 Mk., Zwiebeln 6 bis 8 Mk., Merrettich 6 Mk., Kartoffeln 3.20 Mk., Ülnter-Kohlrabi 2 Mk., Sprossen 7 Mk., Rote Rüben 5 bis 6 Mk., Eier 3.50 bis 3.70 Mk., Butter 60 bis 63 Mk.
** Erhöhung des GaspreifeS. Infolge weiterer Verteuerung der Kohlen und Betriebsmaterialien muh der Gaspreis auf 3,60 Mk. je Kubikmeter vom l.Mai d. I. erhöht werden. Im Jahre 1914 kostete das Kubikmeter Gas 17 Pf. Das Kubikmeter wird somit vom l.Mai ab das 21 fache des Friedenspreises kosten. Inter-
Dcrs (Biebener Stadttheater in der Spielzeit 1921/22.
In der nun abgelaufenen Spielzeit 1921/22 beä (Siebener Stadttheaters, die vom 1. Oktober 1921 bis zum 23. April 1922 dauerte und die die 19. unter der Leitung von Direktor Steingoetter war, wurden im ganzen 4 5 W erfe zur Darstellung gebracht. Drei davon wurden mit auswärtigen Kräften gegeben (2 Opern und 1 Schauspiel), die übrigen tagen in den Händen des Gießener Personals. Von ihnen entfielen 35 auf das Schau- und Lustspiel, wobei unsere Klassiker mit 9 Werken zu Wort kamen, und 7 auf die Operette. Die Zahl der Vorstellungen betrug 162, wovon 75 im Abonnement stattfanden. Gastspiele wurden an 8 Abenden gegeben (darunter 3 Opernabende des Theatervereins). Schau- und Lustspiele füllten 111 Abende, Operetten 43; von den Schauspielabenden entfielen 33 auf klassische Werke. Von Schauspielen erreichten 2 Schillersche Stücke („Teil" und „Turandot"^ mit je 6 Vorstellungen die höchste Aufführungszahl; von Operetten wurde „Mas- cottchen" am häufigsten gegeben, nämlich achtmal. Bei 103 Veranstaltungen galten gewöhnliche Preise; bei 42 erhöhte und bei 17 Heine Preise In der Zahl der Aufführungen sind 5 geschlossene Sondervorstellungen für Verbände enthalten.
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Wieder liegt ein Jahr ernsten künstlerischen Strebens hinter unserer städtischen Bühne. ES ist
durchaus anzuerkennen und zu rühmen, daß die Leitung des Stadttheaters auch in der vergangenen Spielzeit wieder bestrebt gewesen ist, den Spiel- plan auf einer Gießens würdigen Hohe zu halten. Gerade unter den Abenden, die unseren Klassikern Vorbehalten waren, befinden sich die gelungensten und sorgfältig vorbereitetsten Qhiffübrungen. Wir erinnern uns besonders gern der Einstudierungen von Goethes „il r f a u st" und Schillers „T u r a n» dot“ und „Wilhelm Tell", die diese Werke in Darstellungen brachten, mit denen sich das Stadttheater wohl sehen lassen konnte, und zwar sowohl was darstellerische als auch technische Darbietungen anbetrifft. Es ist hier der Platz, auch der Kräfte am Stadttheater lobend zu gedenken, die sonst zurücktreten müssen und die der Zettel nicht nennt, des technischen Personals, ohne dessen tätige Mithilfe eine noch jo geschickte Spielleitung nur halbe Arbeit leisten konnte. Die Darsteller legten manche schöne Probe ihres Könnens ab. Im Schauspiel wie in der Operette batten wir ein recht gut zusammengestelltes Ensemble. Einzelleistungen besonders zu nennen, würde zu toett führen, aber es kann gesagt werden — und das ist eigentlich das höchste Lob, das man den Mitgli^>em unserer Bühne zollen kwm —. daß es dem G.iehener Publikum wohl um fast jeden unserer Hauptdarsteller, der etwa in der nächsten Spielzeit nicht wiederkehren sollte, leid tun würde. Anzuerkennen ist schließlich noch die saubere Arbeit. Die stets Kapellmeister Knü- bel und sein Orchester leisteten; sie konnten an
manchem Abend einen starken Anteil am guten Gelingen der Vorstellung auf ihr Konto buchen.
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Die Arbeit, die in der zurückliegenden Spielzeit geleistet worden ist, wird unserer städtischen Bühne manchen treuen Freund und Anhänger geworben haben und gibt eine Gewähr dafür, daß das Gießener Stadttheater auch weiterhin ein nicht zu unterschätzender Kulturfaktor im Geistesleben unserer Stadt bleiben wird. Möge man an der städtischen Bühne so auch in Zukunft arbeiten wie bisher, an unserer Anerkennung soll es nicht fehlen. —r.
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— Das Vas ari-Archiv in Arezzo. Ein unvergleichlicher Schah ist der Stadt Aresso von dem Grafen Rasponi-Spinelli geschenkt worden. Es ist das Archiv des berühmten Malers und Kunstschriststellers Giorgio Vasari, dessen Papiere und Briefschaften seit Jahrhunderten wohlverwahrt und unberührt lagen. Wie im „Cicerone" berichtet wird, wurde vor kurzem das Dasari-Archiv zu Arezzo in bem Hause, das einst Vasari bewohnte, eröffnet. «Auf einem Tisch stehen vier Holzkisten wohlverschnürt und versiegelt," erzählt davon ein Augenzeuge. „Schere und Hammer öffnen die Kisten, und die Pergamentbände kommen einer nach dem andern ans Licht. Salome Morpurgo, Generaldirektor der Bibliotheken Toscanas, nimmt einen Band nach dem andern heraus, prüft Aufschrift und Inhalt
effant ist die Steigerung des GaskohlenpreiseS Es wurden bezahlt für die Tonne frei Gaswerks- Hof: ab 1. April 1914 21,47 Mk., ab 1. April 1919 61,27 Mk., ab 1. April 1921 623,30 Mk., ab 1. Dezember 1921 597,90 Mk., ab l.März 1922 893,10 Mk. und ab 20. April 1325,10 Mk. Die Kohlen sind somit inzwischen um das 62sache gestiegen. Eine Tabelle über die Gaspreise der hiesigen und der Rachbarstädte werden wir in Kürze bringen.
** Ein Gewitter mit heftigem Donner und Blitz ging gestern nachmittag Vs4 Ahr über unserer Gegend nieder. Zugleich war ein Hagelwetter damit verbunden. Hoffentlich bedeutet das Unwetter den Schluß der bisher herrschenden schlechten, und den Beginn einer schönen Witterungsperiode.
** Das Fest der goldenen Hochzeit feiern am kommenden Montag, dem 1. Mai, Musikdirektor Karl Krauße und Sralr:Musll- direkter Krauße ist allen Musikfreunden unserer Stadt eine bekannte Persönlichkeit. Durch fein jahrzehntelanges hervorragendes Wirken auf musikalischem Gebiet, insbesondere als Leiter der Kapelle unseres ehemaligen Insanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Rr. 116 hat er sich in seiner Vaterstadt und weit über ihre Grenzen hinaus Verdienste erworben. Herr Krauße steht im 77., seine Frau im 72. Lebensjahre. Der alte Herr ist Mitkämpfer von 1866, 1870/71 und hat 47 Jahre gedient. Seit 1910 ist er in den wohlverdienten Ruhestand getreten, ohne jedoch den Dirigentenstab vollkommen niederzulegen.
△ Die Vereinigung des ehemaligen Landwehr - Infanterie - Regiments 116 hielt bei Mitgli^> S chrader eine gutbesuchte Versammlung ab. Es wurde beschlossen, im Juni ein Sommerfest in Klein-Linden abzuhalten und am 21. Mai einen Maiausfluz nach Steinbach zu unternehmen. Die ehemaligen Regimentskameraden der Rachbarorte sollen dazu eingeladen werden.
* Tomatenanbau. Aus gärtnerischen Kreisen wird uns geschrieben: Die Tomate hat sich durch ihre vielfältige Verwendbarkeit in der Küche im Saufe der beiden letzten Jahrzehnte auch bei uns immer unentbehrlicher gemacht und fein Gartenbesitzer, der in seinem Gärtchen auch mir über eine kleine förmige Hauswand oder ebensolchen Bretterzaun oder Mauer zu verfügen hat, wird sich die Ruhbarmachung einer solchen Fläche entgehen lassen. Vorbedingung für eine gedeihliche Entwicklung und befriedigende Ernte ist, wie schon bemerkt, ein recht sonniger Standort, nahrhafter Boden und, worauf es ganz besonders ankommt, gutes Pflanzenmaterial. Hierbei kommen dem Gartenbesitzer unsere Gärtner insofern in recht vorteilhafter Weise zu Hilfe, inbem sie Tomatenpflanzen, in Blumentöpfen vorkultiviert, zum Verkauf bringen. Diese Tomatenpflanzen haben anderen aus dem Beet entnommenen Pflanzen gegenüber den Vorteil, daß Jie mit ihrem ganzen unbeschädigten Wurzelvermögen an ihren neuen Standort verpflanzt werden, _ ohne ihre Verpflanzung überhaupt als eine Storung zu empfinden. Gänzlich verfehlt wäre es jedoch, durch recht frühzeitige Anpflanzung eine größere Ertragsfähigkeit erzielen zu wollen. So mancher Gartenbesitzer hat, noch im vergangenen Jahre war dies der Fall, die bittere Erfahrung machen müssen, daß seine Pflanzen eines Tages bei einem nur ganz leichten Frost vollständig erfroren waren. Unter keinen Umständen lasse man sich durch schöne warme Tage dazu verleiten, vor dem 15—20.Mai die Pflanzung vorzunehmen. Selbst in der letzten Mai- oder ersten Iuniwoche gepflanzte Tomaten gewährleisten eine vollere Ernte, als solche Pflanzen, die, schon frühzeitig gepflanzt, durch kühle Rächte in ihrem freudigen Wachstum gehemmt worden sind.
Uorrwtizen.
— Lageskalender für Samstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, heute und morgen : „Die rote Muhle" und „Der Kampf um Liebe und Laster".
— Tageskalender für Sonntag. Stadttheater, 7xk Uhr: Gastspiel des Großrussischen Balaleika-Orchesters. — Cafe Astoria: Abschiedskonzert der Hauskapelle.
— Aus dem Stadttheaterburea-.l. Die für Dienstag, den 2., und Mittwoch, den 3. Mai, angekündigten Kammersprele finden nicht statt.
— Oberhessischer Kun st verein. Die Ausstellung des Künstlerbundes Karlsruhe verbleibt nur noch acht Tage einschließlich zweien Sonntage.
— Gießener Wald bühne. Man schreibt uns: Am 6. und 7. Mai wird die Vereinigung der Freunde des humanisttschen Gymnasiums in Verbindung mit der Gießener Waldbühne im Stadttheater den König Oedipus des Sophokles aufführen. Es ist dies ein weiterer Schritt auf dem Wege, den die beiden genannten Vereinigungen in gemeinsamem Wirken gerade vor einem Jahre mit der erfolgreichen Aufführung des Euripideischen Hyppolitos betreten haben, um zu zeigen, wie gegenwartsnah und noch immer lebendig die Antike ist. Beide Vereinigungen ver-
und verkündet das Gelesene mit lauter Stimme: 1. Liste sämtlicher Werke von Giorgio Vasari mit Angabe der dafür geleisteten Zahlungen. (30031.) 2. Briese Dasaris an den Grohherzog Cosimo mit den Antworten und den Briefen anderer Fürsten seiner Zeit. (145 Bl.) 3. Briese Papst Pius V. an Vasari. (223 Bl.) 4. Briese Michelangelos an Vasari von 1550—1557 mit einigen Federzeichnungen. (29 Bl.)" Außer diesen Bänden enthält das Archiv noch ganze Stöße von Briefen der hervorragendsten Zeitgenossen Dieses Archiv ist zum Eigentum der italienischen Ration geworden und wird jetzt erst für die Wissenschaft fruchtbar gemacht werden.
— Die Entdeckung von Riesen- Höhlen mit Tiermumien. Höhlen in einer Tiefe von 60 Fuß und einer Ausdehnung von vielen Kilometern sind in dem Kostergebiet westlich von Prätoria entdeckt worden, wie aus Iohannisburg berichtet wird. Die Erforschung ist mit großen Schwierigkeiten verknüpft toeger der vollkommenen Dunkelheit der Höhlen, der Gefahr herabstürzender Felsen und dem Vorhandensein von Spalten. Man stieß zufällig auf diese Riesenhöhlen, die in einem unbewohnten Gebiet 40 Kilometer von der Eisenbahn entfernt liegen. Es wurden verschiedene mumifizierte Körper von Tieren entdeckt, und zwar von tigern, Assen, Antilopen usw. Auf dem Boden liegen große Mengen von Knochen und Feuerstein- Werkzeugen. Eine wissenschaftliche Erforschung dieses Aufsehen erregenden Fundes steht noch auS.


