Enthüllungen in einer Geheimsitzung des französischen Senats.
Paris, 28. Mär-. (Havas.) Heber die heutige geheime Sitzung des Senats glaubt Havas folgendes mitteilen zu können : Francois Marsal erinnerte zunächst an das zwischen den Alliierten vorgesehene Verhältnis bezüglich der Verteilung der deut'chen Kohlen. In Anbetracht der Richt- leistung Deutschlands habe die franz s.fche Regierung die Eventualität einer Besetzung des Ruhrbeckens in Aussicht genommen, die von den Alliierten ausgesührt werden sollte. Sie sei zuerst auf die Gegnerschaft Lloyd Georges geflohen, der erklärt habe, jedes Bündnis abzubrechen und den Konflikt sofort vor das Unterhaus zu bringen Am nächsten Tage habe Mille- rand erllärt, dah er seinen Standpunkt ausrechterhalte und dah unter diesen Bedingungen Frankreich sich gezwungen sehe, allein das Ruhrgebiet zu besetzen. Dieser Haltung gegenüber habe Lloyd George angekündigt, dah er die Besetzung mit Frankreich durchführen würde, habe aber sieben Bedingungen gestellt, deren hauptsächl chste die Bezahlung der Kohle zum britischen Weltrnarkt- v eis gewesen sei. Die französische Regierung habe Darauf bemerkt, dah bei diesem Tarif der französisch.' Verbraucher einen Te l der englischen Steuern bezahlen würde, da auf G und der Heber- gewinnabgabe 80 Prozent der vom englischen: Handel erzielten Gewinne an den britischen Staatsschatz zurückfallen. Trotzdem habe Lloyd George seinen Standpunkt aufrecht erhallen. Dann habe Der italienische Delegierte in Spaa, Graf Sforza, eine Ginigungs oinnel vorgeschlagen, die darin bestand, die Barzahlung des Preises der deutschen Kohle, die so an Frankreich geliefert würde, als einen an Deutschland gegebenen Vorschuh zu betrachten. Dieser Vorschlag sei angenommen worden, und diese Vorschüsse seien at, 380 Millionen angewachsen. Die Erklärungen Marsals wurden sehr aufmerksam angehört und der Sengt billigte die Haltung, die die Regierung damals unter dem Zwang der Umstände einnehmen muhte.
Immer noch deutsche Kriegsgefangene in Frankreich?
Berlin, 28. März. (Wolff.) Die „B Z. a. M." meldet aus Karlsruhe: Von den aus einem Fort bei Toulon in Frankreich zurückgehal- tenen deutschen Kriegsgefangenen ist der Karlsruher Kriegsgefangene Ludwig Stähle nach sic-benjähriger Kriegsgefangenschaft hierher zurückgekehrt. Er erklärte, in etwa 14 Tagen werde der A e st der noch in Frankreich gefangen- gehaltenen Deutschen nach der Heimat zurückbefördert.
Berlin. 28. März. (Wolff.) Von zustän- diger Seite wird mitgeteilt, dah die noch in Toul on sich aufhaltenden deutschen Gefangenen den Rest der früher in Avignon gefangen gehaltenen Deutschen darstellen, die dorthin übergeführt wurden. Die Regierung hofft, alsbald auch diese letzten Unglüälichen in hie Heimat befördern zu können.
(§ine Afrikareise Millerands.
Paris, 28. März. (WTD) Am Donnerstag abend wird Präsident M i l l e r a n d seine Reise nach Rordafrika an treten. Gr wird sich am 1. April in Dordeaur an Bord des ^Dampfers ..Edgar Guinot" einschiffen. Vorher .besucht er einige in der Gegend von Bordeaux ^gelegene französische Städte
Eine peinliche Erinnerung für Lloyd George.
Die „W e st m i n st e r Gazette- ist so boshaft, die Veröffentlichung der Denkschrift Lloyd Georges mit der Erinnerung an einen Vorgang au begleiten, der sich zur Zeit der Abfassung der Denkschrift zugetragen hat, und bei dem das Blatt selbst eine Rolle gespielt hat. ES schreibt:
..Die Denkschrift tragt das Datum des 25. März 1919. Am 31. März 1919 sandte uns unser Pariser Berichterstatter eine Meldung, die, wie er angab, auf einer Unterredung mit einer hohen Persönlichkeit beruhte, und die den wesentlichen Inhalt der jetzt veröffentlichten Denkschrift enthielt. wobei er ausdrücklich hinzufügte, dah er die mahgebende englische Ansicht wieder- gebe. Daraufhin sandten etwa 200 Mitglieder öeS Unterhauses ein Telegramm an den Ersten Minister, worin sie ihrer höchsten Besorgnis Ausdruck gaben, und von dem Ersten Minister, um ihre Wähler zu beruhigen, eine Versicherung verlangten, dah er in keiner Weise von den drastischen Friedensbedingungen abweichen werde, die er während der Wahl dem englischen Volk versprochen hatte. Kurz darauf kehrte Lloyd George nach London zurück und nahm in einer
Gießener Stadttheater.
„Der Arfaust."
® leben, 29. März 1922.
Aach Cefftng, Schiller und Hebbel kam gestern der größte unter den deutschen Dichtern mit seinem größten Werke cm unserer Bühne zum Worte. Die Theaterleitung verdient Dank und Anerkennung, daß sie sich diesem Wagnis unterzog — ein Wagnis bleibt eine Neueinstudierung des „Faust" immer, und nicht etwa nur in Gießen —, verdient doppelten Dank und doppelte Anerkennung, dah sie das Werk so herausbrachte; da« Wagnis gelang.
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Vor einer Würdigung der Darsteller muß diesmal stehen eine des Spielleiters. Wenn Hofrat Steingoetter seine Tätigkeit in dieser Spielzeit überschaut, so wird er sich des gestrigen Abends mit besonderer Freude erinnern können - - und wir können es mit ihm. Es Ist offensichtlich viel Mühe auf diese Vorstellung verwandt wor- dem und sie wurde gelohnt. Es blieb bei der Inszenierung schlechthin nichts zu wünschen übrig; nicht nur, dah sich die Verwandlungen in einer Reihe schöner Bühnenbilder überraschend schnell vollzogen, so daß die Zuhörer in Stimmung blieben, auch im Zusammenspiel wurde ganze Arbeit geleistet. Einige Kleinigkeiten seien genannt, die wir gern anders gehabt hätten: 3m ersten Bilde blieb die Stimme hinter der Szene allzu ver-1 schleiert und undeutlich, im Dom wieder hätten |
Reoe im Unterbaute am 16. April zu der Angelegenheit Stellung. Gr sagte, das Telegramm stamme aus keiner zuverlässigen Quelle und sei nichts weiter als einanonymerZeitungsartikel. Wir machen heute dem Ersten Minister keine Vorwurfe wegen seiner damaligen Ausrede. Er befand sich in einer schwierigen Lage, denn die Mehrheit des Unterhauses war noch heiser von dem Wahlgeschrei „Hänget den Kaiser!", und war noch gierig nach unmöglichen Entschädigungen. Aber wieviel Anheil wäre Europa erspart geblieben, wenn Lloyd George damals Großes gewogt und öffentlich gesagt hätte, was er in Paris niedergeschrieben hatte, und wenn er auch dem Anterhause erzählt hätte, was er seinen Kollegen in Paris auseinandergesetzt hat. Das Unglück ist eben, dah Lloyd George das Rechte wußte und das Unrechte tat."
Das gefestigte Kabinett Lloyd (veorqe.
London, 28. März. (WTD.) Die Blätter melden, daß im Kabinett keinerlei Spaltung wegen der Genueser Konferenz mehr bestehe Die Differenzen, die bestanden hätten, seien gestern abend aut einer Ministerkonferenz beseitigt worden. Heute vormittag führte Lloyd George in einer Kabi- nettssihung, in der die Genueser Konferenz und die Frage des Vertrauensvotums erörtert wurden, den Vorsitz. Hierauf fand im „Savoy-Hotel" ein privates Essen statt, an dem mit Lloyd George die liberalen Minister des Kabinetts einschließlich der Unterstaatssekretäre teilnahmen. Lloyd George hielt eine Ansprache, auf die eine allgemeine Erörterung Ver politischen Lage folgte. Churchill sprach ebenfalls. Der Premierminister erflärte den Blättern zufolge, dah durch das Kabinett die Bedingungen des Vertrauensvotums festgesetzt werden. Heule nachmittag wurde Lord George vom König in Audienz empfangen. Der Premierminister fährt heute abend wieder aufs Land und wird wahrscheinlich erst am nächsten Montag mittag nach London zurückkehren, um im Unterhaufe feine mit Spannung erwartete große Rede über Genua zu halten und das Vertrauensvotum zu fordern.
Das belgiftlie Köniqspaar in Rom.
Rom. 28 März. (WTB) Das Kön i gs- paar von Belgien in Begleitung des Kronprinzen und des Außenministers Jaspar ist heute mittag hier eingetroffen und ist vom Königspaar, dem Kronprinzen und den italienischen Ministern am Bahnhof empfangen worden. Sie fuhren durch die reichbeslaggte Stadt zum Qui- rinal. unterwegs von der VolLsmenge lebhaft begrübt
Der Friede im Osten.
London, 28 März. (WTD.) Das Reuter- fch« Bureau erfährt, daß in London eine gewisse Ueberraschung verursacht worden Ist durch die Aeußerungen der französischen Presse zum Abschluß des Uebereinkvmmens im Quai d'Orsay, in denen zum Ausdruck gebracht wurde, dah das UeVereinkommen der Alliierten Konferenz bezüglich des Orients nureine versuchsweise Vermittlung anstell? und den Weg für weitere Verhandlungen off/n lasse. Dies sei keineswegs der Fall Das, was gesprochen wurde, stelle die breiten Grundlagen dar, auf denen nach Ansicht der Alliierten der Frieden erreichbar fei. und die Grundlagen bildeten die endgültigen Befchlüsfe der Alliierten. Eine solche falsche Darstellung wie die obenerwähnte würde um so bedauerlicher fein, da man jetzt hoffen dürfte, dah die Mißverständnisse, die gelegentlich der ilnt:r;e chmrng des Angora-Abkommens durch Franllin Bouillon entstanden waren, zerstreut seien und dah die politische Ginhelt der Alliierten wieder zu einer Tatsache geworden sei.
Stadtverorduetenwahlen in Riga.
Kopenhagen, 28. März. (WTD.) Rach einem Telegramm aus Riga wurden bei den kürzlich abgehaltenen Stadtverordneten- wahlen in Riga 20 Sozialdemokraten, 18 Deutsche, 13 Kommunisten. 12 Radikale. 11 Liberale. 7 Konservative, 5 Juden und 4 Russen gewählt
Aus dem Reiche.
Aus der U S. P.
Berlin. 29. März. Zu der Angelegen- hell des Rücktritts der Redaktion der „Freiheit" schreibt heute der Vorsitzende der H. 6. P. Wilhelm Di ttmann. daß der Rücktritt mit dem Uebertritt der Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft zur A. S. P. nicht das geringste zu tun habe und die Partei in keine Krise geraten sei.
wir die Worte des Geistes lieber etwas abgedämpfter gehabt: aber, wie gesagt, das sind Kleinigkeiten, die nichts an unserer höchsten Anerkennung für diese prächtige Leistung anbern können.
Run die Darsteller: Hier drangt es uns, zuerst von Adolf Telekh zu sprechen. Sein Mephisto kam aus einem Guß und bestätigte erneut die an dieser Stelle schon wiederholt ausgesprochene Ueberzeugung, daß wir in Herrn Telekh an unserem Stadttheater einen Künstler Haden, der auf diesen Ehrentitel vollsten Anspruch hat Man braucht sich aus der gestrigen Vorstellung nur an die Schülerszene und an die mit Marthe zu erinnern — abgesehen von den anderen — um das sagen zu dürfen. — Da ist weiter das Gretchen Karla Kellers. Wenn sie nur die Kerkerszene s o gespielt hätte, wie sie es tat, würde es genügen, um ihr ebenfalls vollstes Lob zu spenden. Aber sie legte auch in ihrem von leidenschaftlicher Liebe durchglühtem Spiel im 10. Bilde und in dem vor der Mater dolorosa Proben gediegensten Könnens ab. Zu wünschen bliebe, dah sie die Szenen, die innig- rein gespielt sein müssen, ebenso fern abtönen möchte wie die, denen die Leidenschaft oder der Schmerz den Stempel aufdrücken. — Der Faust Karl Juhnkes befriedigte in gleicher Weise: er hatte seine besten Momente im Zusammenspiel mit Mephisto und Gretchen, während er in den Soloszenen mitunter etwas ins Deklamieren
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 29. März 1922.
Adreßbuch
der Stadt Gießen 1922.
Dom Donnerstag dem 30. März bis einfchließl. Samstag dem 1. April liegt ein Abdruck der
Buchstaben A bis H
des alphabetischen Einwohner- und Firmenverzeichnisses in unserer Geschäftsstelle auf. Wir bitten um Einsichtnahme und Eintragung etwaiger Berichtigungen. Spätere Beanstandungen können nicht mehr berücksichtigt werden.
Adrebbuchverlag. Schulstratze 7
* * Major z. D Walter t Am 18. d. Mts. verschied in Kassel nach langem Leiden ein in unserer Stadt noch Vielen in bester Erinnerung stehender sehr beliebter Offizier, Major z. D. Waller, neben dem hier lebenden General Kulimann ein letzter Veteran des Gießener Regiments aus den Kriegen 1866 und 1870/71. Er war geboren am 16. August 1843 und trat am 11 Juli 1861 in das damalige Grohh. Hess. 2. Inf.-Regt., spätere 116. K W ein, in welchem er am 6 September 1864 zum Leutnant befördert wurde. Er war lange Jahre Adjutant deS 2. Bataillons 3m Jahre 1887 wurde er als Major in das Bekleidungsamt nach Kassel verseht. Diese Stelle versah er eine lange Reihe von Zähren, nahm alsdann seinen Abschied und verlebte feine Pensionszeit in Kassel. Er war Inhaber des Eisernen Kreuzes und anderer hoher Orden und ein biederer, hochgeschätzter Offizier, feinen Kameraden ein treuer Freund, die ihm ein ehrendes Andenken bewahren werden. Er ruhe in Frieden!
* • Von der Landesvermessung. Rechstehende Oberlandmesser in Giehen haben die Amtsbezeichnung „Dermessungsrat" erhalten: Alexander Ludwig, Wilhelm Hanauer, Georg Knapp, Georg Mayer und Otto Kalbfleisch. - Die Dienststellen der Ober- landmesser und der Landmesser mit selbständigen Bureaus im Feldbereinigungsdienst führen jetzt die Bezeichnung: „Hessisches Feldbereinigungsamt" Das Kreisvermesiungsamt Gießen (Land) und die beiden Katastervermesiungsdienststellen heißen jetzt „Hessisches Vermessungsamt Gießen", „Abteilung Fortführung", anstelle des Kreis- vermcssungsamts und hinsichtlich der Kataster-- vermessungsdienststellen „Abteilung Reumes- fung" - Für Giehen kommen zur Zeit 13 Ein- zelämter in Betracht Es würde einen großen Fortschritt bedeuten, wenn diese Sinzelämter in ein entsprechendes Gebäude zusammengelegt werden könnten.
* e Straßensperrung. Wegen Vornahme von Kanakarbeiten ist die Senckenberg st r a h e bis auf weiteres für jeden Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gefperrt.
" Die Fußgängerbrücke über den Oberhefsischen Bahnhof In der Verlängerung der Friedrichstraße darf, nach der Po- lizet-Dervrdnung m'm 2. März 1901, nur mit Kinder- und Krankenwagen befahren werden. Auf wiederholte Gesuche der Bewohner des Seltersberges ist Im Jahre 1919 versuchsweise zugelassen worden, dah auch Handwagen bis zur Größe eines normalen Kinderwagens über die Drücke fahren dürfen. Diese Vergünstigung wird, wie vvrauszusehen war, häufig mißbraucht, so dah deren Aushebung zu erwarten steht. An die beteiligten Kreise ergeht daher zunächst noch einmal die Mahnung, die gezogene Grenze zu beachten.
Eine Erhöhung des Wasserpreises auf 1,50 Mark für den Kubikmeter ist nach einer amtlichen Bekanntmachung infolge weiterer Verteuerung der Kohlen, 'Betriebsmaterialien usw. ab 1. April notwendig geworden.
** Die Brotbreitung. Das hessische Ministerium für Arbeit und Wirtschaft (Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft) hat angeordnet, daß für die Folge allgemein ein Ausbackverhältnis von 136 Kilo Brot pro 100 Kilogramm Mehl zu Grunde zu legen ist.
** Anlagekonzert am Liebigdenkmal, Donnerstag, den 30. März, mittags von 12 bis 1 Ahr. 1. Durch Kampf zum Sieg, Marsch von Schröder; 2. Frühlings-Erwachen, ßteb von Dach; 3. Sanges-Fttihling, Potp. über Mendelsohnsc^ Lieder, von Oertel; 4. Immer oder nimmer, Walzer, von Waldteufel; 5. Gardejäger zu Pferde, Charakterstück, von P. Linke.
** Von der geftrlgen Sonnenfinsternis haben wir infolge des trüben Wetters nichts zu sehen bekommen. Frau Sonne, deren AMlih zu einem Teil durch den Mond beschattet wurde, versteckte es aus echt weiblicher Eitelleit leider zeitweise ganz hinter ihren Wollenschlerer
und verdarb den vielen Reugiertgen, die sich schon mit farbigen oder geschwärzten Gläsern auf das große Ereignis vorbereitet hatten, den Spaß. Jedenfalls axrren günstige Augenblicke sehr feiten.
Der Kriegerverein Gießen hielt vor einigen Tagen feine Jahres-Hauptversammlung im „Poslkeller" unter Leitung seines 1. Vorsitzenden Landg e richtsral T r ü m p e r t ab. Die Mitglieder hotten sich wieder zahlreich etnge- fanden; ein Beweis, daß man der Kriegerverems- fache und deren für Deutschlands Wicderaufva t wichtigen Aufgabe in Dürgerkreisen wieder volles Verständnis entgegenbringt. Der Knegervereir Gießen hat fett feinem Bestehen grobe Summen als Unterstützung an bedürftige Kameraden oder deren Hinterbliebenen bar aasgezahlt und manche Rot gelindert. Seit Kriegsende sind dem Kriegerverein Gießen 120 neue Mitglieder beigetreten, so daß er jetzt rund 400 Mitglieder hat, darunter 15, die über 40 Jahre, und 69, die über 25 Zähre dem Verein angehören; 84 Qubilare, das beweist, dah im Kriegervereine Giehen-tr$^e Kameradschaft gepflegt wird. Das Übliche Diplom und das Ehren-Hassia-Abzeichen mit der Zahl 40 erhielten in dieser Versammlung Adreas Göbel, Peter M a r g o l f f und Gottlieb Rauheimer. 2m abgelaufenen Vereinsjahr zahlte der Verein nahezu 1000 Mk. an Kriegerhinterbliebene als Unterstützung. Das Dereinsverrnögen steht mit 11 089 Mk. zu Buch. An fast 100 Mitglieder ist bereits die Kriegsdenkmünze des Kyffhäuser- bundes ausgegeben worden. Die Versammlung beschloß ab 1. Januar 1922 den Jahresbeitrag auf 12 Mk. zu erhöhen, und nahm in die Satzung folgende neue Bestimmung auf: „Bei Beerdigung von Kameraden wird vom Verein Grabmusik gestellt. Die im Laufe eines Halbjahre« für Beerdigungen (für ©rabmufif, Kranzspende und Todesanzeige) dem Verein erwachsenen Ausgaben werden im llmlageverfahren von den Kameraden bei Einziehung der Mitgliederbeiträge erhoben." Im Falle der Bedürftigkeit kann der Vorstand der Familie des verstorbenen Kameraden einen Deitrag zu den Beerdigungskosten bewilligen. Der bisherige Vorstand wurde einstimmig wieder-, einige Mitglieder neu hinzugewählt. Der 1. Vorsitzende bekleidet fein Amt jetzt feit 10 Jahren. Büchsenmacher Dikor 6. der lange Jahre dem Vorstand angehörte, aber dieses Mal eine Wiederwahl ablehnte, wurde zum Ehrenmitglied ernannt In 2 Jahren feiert der Verein fein 50jäh- rige« Bestehen.
•• 3m Lichtfpielhause In bei Bahnhofstraße wird in dieser Woche bis einschließlich Donnerstag der 2. Teil des großen Mia-May-Filmwerkes „Das indische Grab- m al“ gezeigt. Er heißt „Der Tiger von E s ch n a v u r" und ist noch reicher an spannenden Geschehnissen als der 1. Teil, reicher aber auch an gutgelungenen Innen» und Raturaufnahmen, namentlich die Bilder aus den letzten After sind reich an malerischen Szenerien.
i^ovnotHen.
— Lageskalender für Mittwoch. Stadttheater, 6’/2 Ahr: „Die blaue Mazur". — Astvria - Lichtspiele: „Das Geheimnis einer Brigg" und „Hände hoch!"
Wettervoraussage für Donners tag: Unbeständig, kühl, nordwestliche Winde. Unter dem Einfluß des wetöstllchrn Druckgefälles ist mit Fortbestand des unbeständigen kühlen Wetters zu rechnen.
Kreis Schotten.
ed. Eschenrod, 27. März. Gestern feierten Oberbriefträger i. R. Johannes V e tz und Frau Karoline geb. Wacker das Fest der Goldenen Hochzeit; 7 Kinder und 24 Enkel umgaben das noch sehr rüstige Jubelpaar. Kriegerverein und Kirchengesang- verein nahmen an der Feier in der dicht gefüllten, festlich geschmückten Kirche teil.
hg. Ulrichstein, 28. März. Unsere Jugendherberge, die auf Anregung des Vogelsberger Höhenllubs an Pfingsten 1921 hier eröffnet wurde und die 8 Betten für wandernde männliche und 4 Betten für weibliche Jugendliche enthüll, hatte im verstossenen Jahr eine Desucherziffer von 243 Jungen und 86 Mädchen aufzuweifen. Sie wird zu Ostern wieder ihre Pforten öffnen. — Unliebsame Erfahrungen zwingen allerdings zu der Einschränkung, daß fortan nur solche Wanderer Aufnahme finden werden, die den abgestempelten Ausweis einer Organisation, die sich die Pflege von Heimatliebe und Wanderlust zum Ziel gesetzt hat, oder ihrer Schule bei sich führen. Auf alle Fälle empfiehlt sich rechtzeitige Voranmeldung bei dem Herbergsleiter, da dlsbald bei Beginn der schöneren Jahreszeit mit einer sehr regen Wandertätigkeit gerechnet werden muh. Die Leitung der Herbergen liegt wieder in den Händen von Pfarrer Hellwig.
Starkenburg und Rheinhessen.
e. yffenbach a. M., 28. März. Der Antrag des Kuratoriums der höheren Mädchenschule, diese Anstalt zu einer Studtenan- stalt auszubauen, wurde von der Stadtverordnetenversammlung mit 18 gegen 15
geriet Abgesehen davon jedoch kann auch er sich den gestrigen Abend als Erfolg buchen. — Die übrigen Darsteller hielten sich gut zu den Hauptpersonen; besonders erwähnt sollen sein der Schüler Willi Simmers, Oskar F e i g e 1 s Frosch und Georg H e d i n g s Valentin, ßutfe Ram - mel fand sich mit der Marthe recht gut ab.
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Wenn diese Faust-Aufführung wirkllch, wie es angekündigt wurde, der erste von weiterhin folgenden literarischen Abenden sein soll, so darf man nach diesem glücklichen Beginn sich auf das Kommende aufrichtig freuen. —r.
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Frankfurter Opernhaus.
Drei ©matter von Paul Hindemith. Frankfurt a. M., 27. März 1922.
Von den drei Opern-Einaktern des jungen, hochbegabten Paul Hindemith, die das Frankfurter Opernhaus zur Erstaufführung brachte, hinterließ „<5ancta Susanna", die Uraufführung des Abends, den stärksten Eindruck. Das Motiö der Geschlechtsliebe, das auch den Grund- allord der beiden anderen Stücke bildet, ist in dieser bedrückend peinvollen Dichtung August Stramms ins MUieu einer Klvstereinsamkeit verlegt, wo eine Rönne in sündiger Sinnenbrunst zu dem gekreuzigten Christusbill) entbrennt. Die, Musik hat die Wirkung der atembeklemmenden Gefühlserregungen noch gesteigert, dabei aber I
doch die stammelnde Raserei des textlichen Vorwurfs stilisierend zu adeln vermocht und die geschlossene Einheillichkeit der Stimmung teilt sich dem Hörer als Ausdruck tiefer innerer Röte mit. Szenische Milderungen und Dämpfungen erfuhren, gegenüber der Stuttgarter Uraufführung, „M ö r- der Hoffnung der Frauen" und das „Rusch-Ruschi". Bei der Deftonung von Kokoschkas schwer verständlicher, einseitig eropathisch gehaltener Dichtung unternahm es Hindemith, die aufpeitschenden Geschehnisse dieses wild gesteigerten grellen Kampfes orchestral und rezitativifch auszudeuten und zu illustrieren; er zeigt, noch den Spuren Wagners und Richard Strauß' nachgehend, großes technisches Können, und seine Instrumentation ist bei aller Kraftentfaltung kaum je überladen oder billigen Prunkeffekten ergeben. In dem „Rusch-Rusch i", einem reichlich eindeutigen Vorwurf Franz Bleis, fehll es der Vertonung noch an Humor und Witz: die Groteske allein, wie sehr sie auch in diesem ..Spiel für burmanische Marionetten" am Werke ist, tuts da auf die Dauer nicht
Die kundige Regie Dr. Lerts, die feinsinnige musikalische Interpretation Dr. Rottenbergs, schöne Bühnenbilder von Ludwig S i e= vert und treffliche Leistungen von Orchester und Solisten halfen den drei Einaktern zum vollen Erfolg. Mit den Sängern itnb Aufführungsleitern ward der Komponist, der in Frankfurt als Konzertmeister an der Oper wirft, oftmals hervor- genifen. tt.


