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-nttinontem pvew. Dann YStte er tn dem faxten Selbstvertrauen auf seine Staatskunst darauf ge­rechnet, uns bei Rußland um so beliebter zu machen, weil die russischen Aspirationen allein von Deutschland erfüllt würden, und zwar zu einem Zeitpunkte, in dem die allgemeine politische Situation in Europa weniger gespannt war als 1877/78. Wenn dem so Ware, so hätte niemand außer dem Fürsten Bismarck selbst dieses großartige Spiel erfolgreich zu Ende spielen fön» nen. Darin liegt die Schwäche der Vorzüge großer Männer. Hatte er auch England über sein Angebot an den Zaren informiert? Dieses mußte dagegen sein wie anno 1878. Jedenfalls nahm der Fürst nunmehr die Politik auf, die mir schon damals dorgeschwebt hatte, als ich die Enttäuschung der Russen, die vor Stambul standen und nicht hinein- gelasfen wurden, erfahren hatte.

(Schluß folgt.)

Eine Polenrede.

Genf, 27. Sept. (WTD.) Die Erklärung, die Askenasi-Polen in der-heuttgen Sitzung der Dölkerbundsverfammlung über die besondere Lage Polens hinsichtlich seiner beiden Rachbarn abgab, hatte folgenden Wort­laut: Polen befindet sich zwischen zwei'groben Rachbarn, mit denen es in Frieden lebt. Es geht die feste Hoffnung, weiter mit ihnen in Frieden leben zu können. Der eine der beiden Rachbarn, der größer ist als Polen, hat materiell abgerüstet. Man muß hoffen, daß er auch moralisch abrüsten wird. Der andere, von ungeheurer Größe, größer als das gesamte übrige Europa, unterliegt bisher keiner Verpflichtung. Wir hoffen, daß auch er «brüsten wird, aber dies ist eine noch ziem» lich fernliegende Hoffnung. Polen lebe also zwischen diesen beiden' Rachbarn mit der furchtbaren Erinnerung an die andert­halb Jahrhunderte der Unterdrückung und des polittschen Todes und in der Erinnerung seiner jüngsten Rote und stärldigen Gefahren. Richts- destoweniger toirb Polen, soweit das menschlich möglich ist, sein ganzes Vertrauen nicht auf Ge­walt, sondern auf den Gedanken setzen, dem Werke des Fortschrittes und Friedens seine Unterstützung zu gewähren.

Ein neues Abkommen Hugo Stinnes'.

Paris, 27. Sept. (Wolff.) DieJour- nee Industrielle" veröffentlicht die Grundzüge eines Abkommens, über das zwischen Hugo Stinnes und dem Lothringer Me­tallindustriellen Jules D a r n a r d verhandelt werde. Die Lothringer Fabriken seien gerade deshalb auf dem Erzvorkommen aufgebaut, um den Lransportschwierigkeiten aus dem Wege zu gehen. Während die Lothringer Me­tallindustrie sich zur Zeit abarbeite, um Aus­fuhrmärkte zu gewinnen, bauten die deutschen Gesellschaften, die ehemaligen Eigentümer der Lothringer Fabriken, auf eigenem Gebiet neue Werke. Man könne sich also auf folgen­der Grundlage verständigen:

1. Einstellung des Baues neuer Fabriken für die deutsche Metallindustrie ersten Grades;

2. regelmäßige Lieferung einer bestimmten Koksmenge aus dem Ruhrgebiet nach Loth­ringen nach Ablauf der Periode für Kokslie- fetungen auf Grund des FriedenSverttageS; > 3. Lieferung einer gewissen Anzahl von

Halbfabrikaten durch die Lochringer Werke lit Hagendingen, Kneutingen unb Dörnbach an bie deutsche Industrie;

' 4. finanzielle Intervention Deutschlands

In diesen Werken.

CS sei von einem Viertel des Kapitals die Rede.

Demission Bradburys.

r Paris, 27. Sept. (WTD.) DieEre Rouvelle" will aus autoritativer Quelle er­fahren haben, Sir John Dradbury habe der britischen Regierung seine Demission als Delegierter in der Reparationskommission übermittelt. Er werde seinen Posten Ende Ok­tober verlassen.

Urteil eines französischen Militär­gerichts gegen einen deutschen Offizier.

Paris, 27. Sept. (WTD.) Havas zu­folge hat das Kriegsgericht von Amiens heute in Abwesenheit den deut­schen Generalstabshauptmann Karl P f l u g (?) zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er war beschuldigt, Diebstähle und Sittlichkeitsver­brechen begangen zu haben.

Aus dem Reiche.

Maßnahmen gegen die Rot der Presse.

Berlin, 27. Sept. (WTD.) Der Reichstags­ausschuß für Volkswirtschaft hat heute den Ent­wurf einer Verordnung zur Ausführung des Ge­setzes über Maßnahmen gegen die wirtschaft­liche Rotlage der Presse vom 21. Juli beraten. Rach einleitenden Worten des Staats­sekretärs Hirsch (Reichswirtschaftsministerium), der die durch den Marksturz verstärkte Rot der Presse schilderte, erklärte sich der Ausschuß damit einverstanden, daß die auf Grund des Gesetzes au errichtende Rückvergütungskasse für die deutsche Presse am 15. Oktober ins Leben treten soll. Die Organe der Rückvergütungskasse sollen Verwaltungsrat, Vorstand und Geschäfts­führer fein. Bezüglich der Zusammensetzung des Verwaltungsrates schloß sicy oer Ausschuß dem Verlangen des Reichsrates an, der vier Vertreter im Verwclltungsrat zu haben wünscht. Ent­sprechend dem Wunsche des Reichsrates wurde über die weitere Zusammensetzung des Derwal- tungsvates beschlossen, daß außerdem jede Frak­tion des Reichstages je einen, der vor­läufige Reichswirtschaftsrat drei, der Verein deutscher Zeitungsverleger zwei, die Ver­einigung großstädtischer Zeitungsverleger einen, die durch vorstehende Verbände nicht vertretene sozialdemokratische Presse einen und der Reichsverband der Deutschen Presse einen Ver­treter benennen. Zur Teilnahme an den Sit­zungen sind ferner berechtigt: Je ein Vertreter des Reichskanzlers und des Reichswirtschafts­ministers sowie der Reichsminister des Innern, der Finanzen und des Auswärtigen. Bei der sich an die erste Lesung anschließenden zweiten Lesung wurde auf Antrag des Abg. Sivkovisch beschlossen, daß Rückvergütungen auf den Druck­papierpreis nur an die Verleger der deutschen politischen Zeitungen und Zeitschriften zu zahlen seien. Angenommen wurde eine Entschließung des Abg. Streiter (D. Vp), nach welcher bei Rachprüfung der Rotstandsmaßnahmen für die Presse auch die gewerkschaftlichen, genoffen» schafllichen und wissenschaftlichen Zeitschriften aller Richtungen berücksichtigt werden sollen. Ent­sprechend einer Entschließung des Reichsrats wurde in die Verordnung eine Bestimmung ein­gefügt, wonach 5 v. H*der Gesamteingänge vorab einer von der Reichsregierung zu bestimmenden Stelle zur plnterstühung notleibenber wirtschaft­licher Zeitschriften überwiesen werden sollen.

Der Tabakzoll.

D e r l i n, 27. Sept. (Wolff.) Im Volks- Wirtschaftsausschuß des Reichstages wurde beschlossen, den Einfuhrzoll für Tabak von 60 Mark auf 75 Mark zu er­höhen. Angenommen wurde ein Anttag, wo­nach folgende Erhöhungen der Zollsätze auf Tabakerzeugnisse eintreten:

a) Für Tabakblätter, Abfälle hiervon und Abfälle von Tabakerzeugnissen auf 75 Mark pro Tonne;

b) für Tabakrippen, Tabakstengel 29 Mark pro Tonne;

c) für Tabaklaugen auf 46 Mark pro Tonne;

d) für Karotten auf 87 Mark.

Diese Zollerhöhung hat zur Vorausset­zung, daß die Einfuhrsperre auf Ta­bakerzeugnisse aufgehoben wird und die Auf­hebung der letzten Erhöhung der Ausfuhr­abgabe für Tabakerzeugnisse sowie eine Prü­fung der Möglichkeiten weiterer Herab­setzung der Ausfuhrabgabe für Ta­bakerzeugnisse erfolgt. Sie geschieht in der Er­wartung, daß Aenderungen in der inneren Tabaksteuer vermieden werden.

Sine Partei Ledebours.

Berlin, 27. Sept. Ledebour. und seine Anhänger teilen in einem Flugblatte mit, daß seine Partei konstituieren, um die XI. S. P. D. a u f r e ch t z u e r h a l t e n. Vorsitzende der Partei sind Ledebour und Theodor Liebknecht. Ledebour kündigt für An­fang Oktober das Erscheinen einer Wochen­zeitung an, die sichK l a s s e n k a m p f" nennt und deren Chefredakteur er ist.

Aus Hessen.

Landesparteitag der Deutschnatisnalen (Hess.) Dolkspartei.

In unserem ausführlichen Bericht über den Parteitag in Dad-Rackheim in der Montags- mzmmer unseres Blattes haben wir auf die wich­tigsten Beschlüsse bereits hingewiesen. Sie liegen Uns jetzt im Wortlaut vor und werden nachstehend veröffentlicht.

Ein Bekenntnis des Siegers im Meitflug.

Die erstaunlichen deutschen Erfolge im Flug Mit motorlosen Maschinen stellen einen Sieg deutscher Tüchtigkeit dar, den die ganze Welt anerkennen muß. Selbst französische Blätter brin­gen lange 'Berichte, und in den angelsächsischen Ländern ist der Gleitflug die Sensation des Tages. DieDaily Mail", die einen 1000= Pfund-Preis für den Gleitflug ausgesetzt hat, hat es sich nicht nehmen lassen, den deutschen Sieger Henhen auszufragen und schildert ihn als einen sympathischen jungen Mann von großer Bescheidenheit und fabelhafter Tatkraft. -Das motorlose Fliegen," sagte er,ist ein schöner Sport, den ich jedem andern vorziehe. Ob er mehr ist, weiß ich nicht. Ich fing ihn an, weil ich mich in der Luft glücklicher fühle, als irgend­wo sonst. Ich sehnte mich schon als Heiner Junge nach dem Fliegen, und als sich mir die Gelegen­heit bot, erwählte ich Fliegen zu meiner Lauf­bahn. Ich bin Ingenieur, aber nur Ingenieur, um die Mittel zu finden, durch die ich mich von der Erde in die Lust erheben kann. 1917 wurde ich Militärflieger unb kämpfte auf einem Einsitzer in Frankreich." Das Folgende sagte er nach dem Bericht des englischen Blattesmit großer Bitter­keit, aber doch mit einem entwaffnenden Zau­ber":Sie wollen wisten, warum wir diese mo­torlosen Flüge aufgenommen haben, die ein ein» fcW^r Sport sind. Vielleicht sind sie auch etwas mehr, aber wenn ich das behaupten wollte, wür­den meine Freunde sagen: .Henhen ist verrückt' Wir widmeten uns diesem Sport, weil wir die Luft lieben und in ihr sein müssen, aber wir sind an die Erde gefesselt durch alle Arten von Verboten, die uns von den Alliierten auferlegt wurden. Wir dürfen nur noch Spielzeug-Flug­maschinen haben. Da wir auf diese Weife von der

Entwicklung der Flugkunst in der normalen Form ausgeschlossen sind, so bliek uns nichts als der motorlose Sport. Run. haben wir damit einige Aufmerksamkeit erregt, und nun kommen alle und wollen wissen, was es damit auf sich hat."

In einem persönlichen Aufsatz in dem Lon­doner Blatt nennt Henhen als die Hauptbedin­gungen für den*Gleitflug: 1. eine besonders kon­struierte Maschine 2. Kenntnis der örtlichen meteorologischen Bedingungen und Flugerfah­rung.Der Gleitflug führt uns zurück zu den frühesten Anfängen des Flugproblems", schreibt er.Er kann für den HandeÜverkehr von Wich­tigkeit werden. Ich warf mich auf den Gleitflug nach dem Londoner Ultimatum, durch bad die Entwicklung des deutschen Motorfluges vernich­tet .war."

Dom schlafenden Homer.

Bisweilen schlaft auch Der gute Homer," sagten die Alten, wenn ein berühmter Mann auf einen Fehler ertappt wurde, und von solchen kleinen Vergeßlichkeiten großer Dichter spricht auch Goethe in jener Unterhaltung mit Ecker- mann, in der er auf die vielen Widersprüche bet Shakespeare aufmerksam macht. Er zitiert das Wort der Lady Macbeth:Ich habe Kinder aufgesäugt", und stellt es in Gegensatz zu Mac» duffs Aeußerung über Macbeth:Er hat keine Kinder". Von ähnlichen Entgleisungen plaudert G. K. E. Bogeng im neuesten Heft der bei Horst Stobbe in München erscheinenden ..Bücherstube". Da ist z. B. Don Carlos, der die Handschrift der Königin nicht erkennt, obwohl er einen Brief von ihr an seinem Herzen trägt; da ist der Wcuytmeister inWallensteins Lager", der die doppelte Löhnung zu schätzen weiß, während Piccolomini behauptet, daß den Soldaten feit einem Jahre ihr Sold fehle; da ist es Eduard in denWahlverwandtschaften", der keine Zeit hat,

1. Die Deutschnationale (Hess.) Vollspartei erhebt schärfste * Einspruch gegen die der Ver­fassung widersprechenden, frech.itsfeindttchen Ge­setze und Verordnungen, wie sie im Reiche und Land angeblich zum Schutze der Republik, in Wahrheit zum Schuhe der Parteiregierungen und zur Sicherung des beherrschenden Einflusses des Judentums erlassen worden sind. Die'Partei for-. Dort alle ihre Anhänger auf, nun erst recht zur Fahne zu stehen; sie erwartet insbesondere von den zu chr gehörigen Beamten Treue um Treue. Möge sich niemand unter ihnen durch Spitzel- und Denunziantentum abschrecken lassen, sein ihm ver­fassungsmäßig zustchendeS Recht der freien Meinungsäußerung auszuüben und sich innerhalb der Partei zu betätigen, die ihre hohen Ziele nur auf gesetzlichem Wegezu erreichen strebt. Die Deutschnationale Vollspartei wird, wie seither, jede Entrechtung der Beamtenschaft und jeden Versuch der Sozialdemottatie, das Be­rufsbeamtentum zu befeitigen, rücksichts­los bekämpfen.

2. Die Deutschnationale (Hess.) Dollspartei fordert die Beseitigung des seitherigen Orts- klassensystems und ausreichende Gerechtig­keit für die Beamten in Stadt und Land. Sie erstrebt eine Gehaltsreform, die sich auf sozial gerechter Grundlage aufbaut und dabei Leistung und Verantwortung berücksichtigt. Das System der prozentualen Teuerungszuschläge lehnt sie ab, dagegen verlangt sie Förderung der kinderreichen Famllien.

3. Die Deutschnationale (Hess.) Vollspartei verlangt eine tatsächliche Vereinfachung der Staatsverwaltung, Abänderung des Mi = nisterruhegehaltgesetzes, Verringe­rung der Zahl der Landtagsabgeord­neten und Verbesserung des bestehenden Land­tagswahlgesetzes.

4. Die Deutschnationale (Heft.) Dollspartei fordert für die kommende Derwaltungsreform eine größere Selbständigkeit der Gemeinden und für Land und Gemeinden eine größere steuerliche Unabhängigkeit vom Reich; sie be­kämpft nach wie vor die Zentralisation und setzt sich mit aller Kraft für den geschichtlich gewor­denen bundesstaatlichen Charakter des Deutschen Reiches ein.

5. Die Deutschnationale (Hess.) Vollspartei erklärt den Frieden von Versailles und die E r s ü l l u n g s p o l i t i k für die Quellen unseres unaufhaltsamen Riederganges, des Wu­chers, der Teuerung und der Devisenspekulation. Bleibt Versailles und bleiben die Desatzungskosten, dann ist Deutschland verloren. Sie fordert deshalb den schärfsten Kampf gegen die Kriegsschuld lüge als die Grundlage des Derttages von Versailles. Sie verlangt weiter gegenüber der französischen Forderung auf die Verfolgung angeblicher deut­scher Kriegsverbrechen die endliche Bekanntgabe der tatsächlichen Kriegsverbrecher der Feinde. Den Beamten im besetzten Gebiet, die Schweres erdulden müssen, entbietet die Partei treuen deut­schen Hessengruß in der unerschütternden Hoffnung auf das einige große und freie Deutschland der Zukunft.

6. Die Deutschnationale (Hess.) Vollspartei erwartet von Regierung und Landtag wirklich durchgreifende Maßnahmen, um der Dotlage der Kleinrentner. Ruhestandsbeamten, Witwen und Waisen zu steuern.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 28. September 1922.

Das Notgeld für die Provinz Oberhessen

wird nicht nur bei der Mitteldeutschen Eredit- bank, sondern nach neueren Anordnungen b e i allen hiesigen Bankinstituten aus­gegeben werden.

Verbot der Versütterung von Brot­getreide und Mehl.

Von amtlicher Seite wird uns mitgeteilt: Rach § 44 des Reichsgesehes über die Regelung des Verkehrs mit (betreibe aus der Ernte 1922 vom 4. Juli 1922 darf Brotgetreide, auch gequetscht, gefchroten oder sonst zerlleinert, sowie Mehl aus Brotgetreide nicht verfüttert oder zur Bereitung von Futtermitteln verwendet werden. Zuwiderhandelnde haben strengste Be­strafung zu erwarten.

Die neue Milchpreiserhöhung.

im. liebet die neue Milchpreisfest- sehung verhandelten gestern im Stadthaus in Darmstadt die Städtevertreter von Hessen-Rassau /mb Hessen mit den landwirtschaftlichen Organi­sationen bzw. Milchproduzenten. Das die Ver­treter der Landwirte den Betrag von 35 Mark als Stallpreis verlangten, wahrend die Städte

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mir bis zum Betrage von 2223 Mark gehen wollten, konnte eine Einigung nicht erzielt wer- en. Darauf trat alsbald das Schiedsgericht unter Vorsitz des Ockonomierates i. R. Sei» t & i g e r zusammen, das nach kurzer Aussprache den Preis auf 27 Mark ab Stall fest setzte, so daß sich der Verkaufspreis auf etwa 35 36 Mark stellen wird.

** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurde am 19. September der Ober» amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein Al­bert Hoffmann zum Amtsgerckchtsrat bei dem Amtsgericht Friedberg mit Wirkung vom Tage seines Dienstanttitts an. Ernannt wurde am 19. September der Geiangenaufseher auf Probe Wichelm Schwalb zu Marienschloß zum Straf­anstaltsoberwachtmeister am Landeszuchthaus Marienschloß mit Wirkung vom 8. Oktober 1922. Ernannt wurde am 20. September der Gerichts­assessor Dr. Alfred Andrae aus Büdingen zum Amtsgerichtsrat bei dem Amtsgericht Orten­berg mit Wirkung vom 1. Oktober 1922. Am 22. September wurde der in den Landesdienst zurückgetretene Oberregierungsrat beim Landes- sinanzamt Darmstadt Geh. Oberfinan^rat Christ. Braun vom b Oktober ds. Js. ab zum außer­planmäßigen Ministerialrat im Ministerium der Finanzen ernannt In den Ruhestand wurde versetzt am 20. September der Amtsrichter be dem Amtsgericht Ortenberg Amtsgerichtsrat Her mann Allwo hn mit Wirkung vom 1. Ok­tober 1922 unter Anerkennung seiner dem Staab geleisteten Dienste bis zur Wiederherstellung sei­ner Gesundheit Am 18. September wurde bei Rotar Dr. Angermeier in Sprendlingen aus fein Rachsuchen von dem Amte eines Rotars unter Anerkennung der dem Staate geleisteten Dienste enthoben. Ernannt wurde am 22. Sep­tember der Landwirtschaftsrat Dr. Hermann Schad zu Butzbach mit Wirkung vom 1. Sep­tember 1922 an zum Vorstand der Hessischer Landwirtschafllichen Schule zu Butzbach

** Z e u g e g e s u ch t. Am Sonntag nach­mittag gegen 1 Uhr hat eine Dame ihre Dos (Sttaußfeder) im Werte von etwa 3000 Mk. vor dem Katholischen Schwesternhaus in der Liebigsttaße verloren. Eine des Weges kom­mende Dame nahm den Fund.an sich und wurde dabei von einem Herrn gesehen. Dir Kriminalpolizei legt auf das Zeugnis dieses Herrn Gewicht und bittet ihn hierdurch, au' dem Polizeiamt vorzusprechen.

Mettervoraussage

für Freitag :

Wolkig, vereinzelt leichter Regen, mäßic warm.

Die Wetterlage ist recht unbeständig, dc wir im Grenzgebiet zwischen hohem und tie­fem Druck liegen.

Vornotizen.

Tageskalenb er für Donners­tag. .Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:DieStrand- nix e, heute letzter Tag. Astoria-Lichtspiele ab heckte:Das Haus ohne Tür und 5enfter fernerDas Verbrechen von Houndsdttch".

Landkreis Gießen.

Lauter b. Grünberg, 26. Sept. Ein fthr stimmungsvolles E h r e n b e n t m a I für die im Weltkrieg gefallenen Helben un­seres Dorfes wirb zur Zett hergestellt. Das Ehren- denkmal wird dargestellt durch einen mit Basalt, steinen ummauerten Heldenhain. Jeder bei für das Vaterland gefallenen Krieger bekomm einen besonderen Gedenkstein. Der Eingang erfolgt durch ein stattliches Portal mit prächtiger Bild- hauerarbeit. In die Rückseite der Umfassungs­mauer wird ein gewaltiges Kreuz eingelassen, das 10 Zentimeter 'hervorsteht. Die Dilbhauerarbeit ist in feinem Gungftein ausgeführt; sie stammt aus der Werkstätte des Bildhauers A. Leon­hard in Grünberg. Der Entwurf stammt vor Regierungsbaumeister Schneider in Gießen DerEhrenhain" liegt an der Hauptstraße unweit der Schule. Man hofft, das Denkmal noch in diesem Jahr weihen zu foimen.

Kreis Büdingen.

nb. Ribda, 24. Sept, Gestern Tarnen 'hier die drei neuen Glocken für unsere ev. Kirche an. Sie wurden vom Bahnhof in einem feierlichen Zuge zum 1. Pfarrhause gebracht uni in dem Hofe zur öffentlichen Besichtigung auf-

Heutiger Stand des Dollars

10 Ahr vormittags:

Berlin 1765, Sfranffurt 17701500.

einen Brief zu siegeln, inbeffen Ottilie später­hin bas Siegel dieses Briefes erbricht. Man kann in diesem Zusammenhang auch an das ver­hängnisvolle Wüten des Druckfehlerteufels er­innern: doch ist der Schreibfehler für die Text- geschichte viel unheilvoller gewesen. Eine Schreib­flüchtigkeit führt der Verfasser als Beispiel aus SchillersWallenstein" an. Schiller gab im ersten Aufzug derPiccolomini" am Schluß des dritten unb am Beginn des vierten Austritts dem Dia­log folgenbe Wendung:

Questenberg (besodglich)

Mein würd'gec Freund, ich hab' die beste Meinung

Vom Oberst Piccolomoni doch wenn Bedenken Sie

Oktaviv

Ich muß es darauf wagen Still!

Da kommt er

Mar Piccolomini

Da ist er ja gleich selbst. Willlommen, Vater!

Da es ganz sinnlos ist, baß sich Max Picco­lomini mit dem SatzeDa ist er ja gleich selbst", einführt unb Oktavio, wenn man ihm diesen Satz geben würde, nur zweimal das gleiche sagte, so bleibt keine andere Erklärung, als baß Schiller zuerst schriebStill! Da kommt er! unb biese Wendung bann durchDa ist er ja gleich selbst!" ersetzte, bann aber den überflüssigen ersten Satz auszu st reichen vergaß. Auch wird, wenn manStill, kommt er" wegläßt, erst durch die vollständigen fünffüßigen Jamben die me­trische Konttnunität gewonnen.

Die schwarzen Fliegen von Spangenberg.

Ein seltsames Raturereignis.

Aus Kassel wirb uns geschrieben: Alljährlich, um den zehnten August herum, erscheint über

dem Hessenstädtchen Spangen berg eine schwarz, Wolke. Eintagsfliegen sind e\ geflügelte Ameisen. In einem Hochzeitsflug schwirren sie um die Turmspitze der trotzigen Feste Spangenberg auf ihrem hohen Felsenkegel und sinken dann tot aufs Pflaster des Burghofs nieder. Oft sind ihrer so viele, daß sie zollhoch Gänge und Zimmei des uralten Schlosses bedecken. In diesem Jahre wohl infolge des vielen Regens, verspäteten sic sich. Aber sie kamen in diesen letzten Augusttager doch noch unb das alljährliche Schauspiel wieder­holte sich.

Um diesen Fliegenschwarm geht eine alters­graue Sage. Einmal, kein Mensch weiß wann, beherrschte die Burg ein mächtiger Ritter. Ein blonder Edelknabe liebte die schöne Burgfrau. Heimliches Raunen trug dem Herrn die Kunde davon zu. Eines Tages war.große Jagdgesell­schaft, und während des Mahles erhob sich bei Ritter und fragte die Edlen ringsum, was sie tun würden, wenn sie erführen, daß jemand versuche, in eines Ritters Abwesenheit dessen Ehegemahl zu verführen ... Grausame Todes» strasen wurden vorgeschlagen, aber eine gefiel dem Othello von der Spangenburg am besten. Ich würde, sagte ein Ritter, den Schuldigen greifen, ihm die Kleidung abreißen, den nackten Leib mit Honig bestreichen unb bann den Sünber in einem eisernen Käfig hoch an der Turmes- spitze aufhängen, der Sonnenglut unb ben In­sektenstichen solange ausgesetzt, bis er stirbt...

Unb so geschah's mit dem blonden Edel­knaben. Roch im letzten Jahrhundert soll der Eisenkäfig am Turm gewesen fein. In jedem Jahre aber, an dem Tag, da das furchtbare Gericht vollzogen wurde, kommt der Insekten­schwarm, fliegt um die Turmspitze unb stirbt.. Das ist die Geschichte der schwarzen Fliegen von Schloß Spangenberg im waldigen Hessenland!

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