Ausgabe 
28.4.1922
 
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Aus Stadt und Land.

Dietzen, den 28. April 1922.

Erhöhung des Schulgeldes an den hessischen höheren Schulen.

Mit (Beginn des neuen Schuljahres ist das »Schulgeld für sämtliche höheren Lehranstalten Hessens, einschließlich der höheren (Bürger- schulen, für alle Schulklassen auf jährlich 2500 Mark festgesetzt worden. Nur für diejenigen Eltern, die ein Einkommen von weniger als 1150 000 Mk. jährlich haben, treten Ermäßigungen lein, und zwar nach folgenden Richtlinien: Bei Einkommen unter 150 000 Mk. bis

125 000 Mk. beträgt das Schulgeld 1900 Mk.

»unter 125 000 Mk. bis 100 000 Mk. 1500

unter 100 000 Mk. bis 75 000 Mk. 1200

unter 75 000 Mk. bis 50 000 Mk. 900

unter 50 000 Mk. bis 40 000 Mk. 700

unter 40 000 Mk. 500

Diejenigen Eltern, die an der Schulgeld- crmätzigung Interesse haben, werden den Di­rektionen in Zukunft einen beglaubigten Nach­weis über die Höbe ihres Jahreseinkommens vvrlegen müssen. Solange dieses für das laufende I<chr amtlich noch nicht festgestellt ist, kann die vorläufige Erhebung des Schulgeldes einstweilen nach der zuletzt bekannten Steuerveranlagung er­folgen, aber vorbehaltlich der endgültigen Fest­setzung der Schulgeldschuld auf Grund der Steuerveranlagung des laufenden Schuljahres. iFür das Zahr 1922 ist die endgültige Steuer- "Veranlagung von 1921 maßgebend. Da diese noch »nicht bekannt ist, so wird zunächst das Schulgeld auf Grund der Veranlagung von 1920 erhoben werden, und die Fehlbeträge werden nachträglich emgezogen. R.

Verteilung der Zuschüsse zur Verbesserung derMilchversorguug.

Die vom Reiche zur Verbesserung der Milch- dersorgung bedürftiger Städte und Gemeinden dem Lande zur Verfügung gestellten Mittel wur­den durch das Ministerium für Arbeit und Wirt­schaft, Abteilung für Ernährung und Landwirt­schaft, nach Einvernehmen mit dem parlamenta- irischen Ernährungsbeirat nunmehr zur Verteilung gebracht. Es war selbstverständlich, daß bei dieser Verteilung in erster Linie die Städte des Landes berucksichttgt werden mußten, da erfahrungsgemäß die Milchversorgung in diesen die größten Schwie­rigkeiten bereitet, aber man hat auch weitestgehend die größeren Gemeinden, insbesondere auch die Industriegemeinden des Landes, bei dieser Ver­stellung bebac&t, mit Rücksicht auf die auch dort zutage getretenen Schwierigkeiten. Vorschriften über die Verwendung der Mittel wurden nicht gegeben, vielmehr wurde es den bei der Vertei­lung bedachten ©emeinben überlassen, die Mittel fo zu verwenden, wie dies im Notfall zweck- dierllich erschien: hierdurch ist Gewähr geboten, daß auf diese Weise die Mittel im Einzelfall der zweckdienstlichsten Verwendung zugeführt werden.

Es haben bei Verstellung der Mittel erhalten: Die Stadt Darmstadt 1000 000 Mk., die Stadt »Gießen 350000 Mk., die Stadt Mainz 1750000 Mark, die Stadt Offenbach 1 100 000 Mk., die Stadt Worms 600 000 Mk.

Die restlichen 1700 000 Mk. wurden in fol- S er Weise in den Gemeinden des Landes zur eihmg gebracht: Kreis Darmstadt 185 000Mk., .^eis Bensheim 201 000 Mk., Kreis Dieburg 184000 Mk., Kreis Erbach 50 000 Mk., Kreis Groß-Gerau 140 000 Mk., Kreis Heppenheim 95000 Mk.» Kreis Offenbach 445 000 Mk., Kreis Gießen 60 000 Mk., Kreis Büdingen 10 000 Mk., Kreis Friedberg 50000 Mk., Kreis Mainz 130 000 Mk., Kreis Alzey 75 000 Mark, Kreis Dingen 75 000 Mk., Kreis Oppen­heim 15 000 Mk., Kreis Worms 45 000 Mk.

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** Kündigung Schwerkriegs­beschädigter. Die Gauleitung Hessen- Nassau des Reichsbundes der Kriegs­beschädigten teilt uns Folgendes mit:Es ist allgemein bekannt, daß Schwerkriegsbeschä­digten (solche, die mindestens zu 50 Prozent und mehr als in ihrer Erwerbsunfähigkeit ein­geschränkt anerkannt sind) seitens ihres Arbeit­gebers nur mit Zustimmung der Hauptfür- svrgestelle gekündigt werden kann. Die Bestim­mung hatte aber nur Gültigkeit bis zum 1. April 1922. Nun ist aber durch ein Reichs- aesetz diese Frist bis zum 1. Oktober 1922 ver­längert worden. Nach wie vor können dem­gemäß Kündigungen gegen Schwerbeschädigte nicht eher wirksam werden, bis die zuständige Hauptfürsorgestelle, die sich am Sitze der Lan­desregierung befindet, die Zustimmung hierzu erteilt.

* Steuerabzug von den Mili- tärversorgungsgebührnissen. Wie die (Sauleitung Hessen-Nassau des Reichsbun­des der Kriegsbeschädigten mitteilt, unterlie­gen solche Versorgungsgebührnisse nicht dem Steuerabzug, die nach dem Mannschaftsver­sorgungsgesetz 1907, dem Reichsversorgungs­gesetz und dem Altrentnergesetz ausgezahlt werden. Hingegen kommt Steuerabzug in Frage für Dtenstzeitrenten, Dienstzeitpensiv- nen, Offizierspensionen und für die Renten aus dem WehrmachtSversorgungsgefetz.

** U e & e r Vorausbezahlungen auf die Einkommen - und Kirchensteuer für 1 92 2 erlassen die Finanzämter zu Gießen, Vuhbach, Grünberg und Hungen im heutigen Anzeigenteile eine Bekanntmachung, deren Deach- tung für jeden Steuerpflichtigen von Wichtig­keit ist.

"Der FahrplanderStrahenbahn gestaltet sich von heute ab wie folgt: Rote Linie: Abfahrt vom Bahnhof 6 Uhr 45; 7 Uhr; 7,30; 7,45; 7,52; 8 illjr ustv. alle 7-/e Minuten bis 8 Uhr 30; 9,30; 10,15. Ankunft am Bahnhof 6 Uhr 37; 7,22; 7,37; 7,52; 8 Uhr; 8,07, 8,15 ufto. alle 7J _. Minuten bis 8,15; 8,22; 8,37; 9,45.

Grüne Linie: Abfahrt 5,52; 6,22; 6,45; 7,07; 7,30; 7,45; 7,52; 8 Uhr alle 7i/2 Minuten bis 8,15; 8,22; 8,30; 9 Uhr; 10,15. Ankunft 5,45; 6,20; 6,52; 7,22; 7,52; 8 Uhr bis 8,15; 8,22, 8,37 und 9,45. Die Fahrzeit beträgt auf beiden Linien je 15 Minuten.

" Die Höchstpreise für Kohlen und Koks erfahren infolge Erhöhung der Zechenpreise mit Wirkung vom 28. April eine Neuregelung, über die Näheres aus einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteile ersichtlich ist.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Astoria-Lichtspiele:Das Panzergeschoß", 3.Teil: Die Flucht ins Ungewisse" undDie Aben­teurerin von Monte Earlo", 2. Teil:Marokka­nische Nächte".

Aus dem Stadttheater- Bureau. Dr. Fischers Musikalische Kam­merspiele gastieren hier bekanntlich am 2. und 3. Mai. Zur Orientierung sei bemerkt: Vor dem Kriege erhielt Dr. Fischer von dem Mini­sterium für Kunst und Wissenschaft den Auf­trag, einige Archive, sowie alten Noten­sammlungen zu erforschen. Neben vielen be­langlosen Sachen fanden sich auch wahre Per­len der Altmeister vor. Um diese Musik zu neuem Leben zu erwecken, verfaßte Dr. Erich Fischer zusammen mit seiner Mutter, Frau Helene Fischer, kleine reizende Singspiele und Spielopern. Gespielt werden diese kleinen Kunstwerke von einem Ensemble, das bereits 5 Monate das verwöhnte Berliner Groß­stadtpublikum entzückte. Das Ensemble be­steht aus Anni Eharas, einer anmutigen jun­gen Sängerin, die einen selten schönen Sopran ihr eigen nennt, Elaire Zache, einer weib­lichen Komikerin ersten Ranges, die die Presse mit Anna Schramm verglichen hat, Max Men- sing, einem ganz hervorragenden Tenor, und Herbert Neustadt, der gleichzeitig für die Re­gie verantwortlich ist.

Anläßlich des 30jährigen Stif­tungsfestes des Marinevereins hält Kapitän S ch m e h l am Freitag, den 5. Mai, in der Neuen Aula der Universität einen Vortrag mit Lichtbildern über die 15monatige Fahrt des HilfskreuzersWolf". Gchmehl (geborener Gieße­ner, seinerzeit erster Offizier dieses Kreuzers) dürfte hier durch den anläßlich seiner Rückkehr vor vier Zähren auf Einladung der Stadt im Hotel Einhorn gehaltenen Vortrag noch bestens bekannt sein. (Siehe heutige Anzeige.)

Starkenburg und Rheinhessen.

Des Mörders Geständnis.

fpd. Bingen, 27. April. Der unter dem Verdacht des Gattenmords bei Köln verhaftete Arbeiter Zakob Antweiler hctt jetzt das Ge­ständnis abgelegt, im November 1920 seine Frau erwürgt und die Leiche auf dem Turnplatz in Oberhilbersheim begraben zu haben.

Kreis Wetzlar.

* Wetzlar, 27. April. In der Stadt- verordnetensitzu ng wurde der Erlaß einer besonderen Gewerbesteuerordnu n g be­schlossen, und zwar fand die Vorlage der Ver­waltung, die die Veranlagung nach dem Ertrage vorsieht, Annahme. Die Steuer wird nach einem für jedes Steuerjahr durch Beschluv der Stadtverordnetenversammlung festzu stellen­den und in ortsüblicher Weise bekannt zu ma­chenden Satze von jedem Hundert Mark Les vom

Bürgermeister und einem Steuerausschaß ermit­telten Ertrages erhoben. Steuerfrei sind biejeni- gen Betriebe, welche weder einen Ertrag von 1500 Marb noch ein Anlage- und Betriebskawitat von 3000 Mark haben. Von denjenigen Betrieben, deren Ertrag 50 000 Mark und deren Anlage- und Betriebskapital 150 000 Mark nicht erreichen, wird der wie oben angegeben festzustellende Sah er­hoben. Eine Erhöhung dieses Satzes tritt ein bei Betrieben mit einem Ertrag von 50 000 bis 600 000 Mark gestaffelt um 1 bis 30 Zehntel.

Hessen-Nassau.

Ein Frankfurter Kriminal-Museum.

spd. F r a n f f u r t a. M., 27. April. In lang­jähriger mühevoller Arbeit hat das Polizeipräsi­dium aus seinen reichen Sammlungen ein Museum geschaffen, das in fast lückenloser Folge eine aus­gezeichnete Ueberficht über die in den letzten Zahrzehnten hier und in der Umgegend vorge- kvmmenen Verbrechen und für die Kriminalbe­amten eine Fundgrube der Belehrung bietet. Alle kriminalistischen Gebiete sind in vielen Anschau- ungsgcgenständen vertreten, vom einfachsten Die­trich bis zum vollendetsten Ginbrecherwerkzeug, Mordwaffen aller Art, von denen viele ihre eigene Geschichte haben, bilden einen wesentlichen Bestandteil des Museums. Aus der Nachkriegs­zeit fesseln die vielfachen Versuche der Münz­fälschungen, der Nahrungsmittelfälschungen. Von den vielen Spielerprozessen der letzten Zahre sind die Tische, Stühle und die kostbaren Spielgeräte in einem besonderen Raume aufgebaut. Tine historische Sammlung, deren Anfänge bis in die Befreiungskriege reichen gibt einen wertvollen Einblick in die Entwicklung der Kriminalistik. Mit dem Museum ist eine reiche fachwissenschaft­liche Bücherei verbunden . Es verdient schließlich noch erwähnt zu werden, daß augenblicklich in der Kriminalabteilung der Erkennungsdienst in mustergültiger Weise auggebaut wird. Die erheb­lichen Mittel dazu sind, wie wir hören, vielfach aus privaten Stiftungen zur Verfügung gestellt worden.

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mc. Frankfurt a. M., 27. April. Der Frankfurter Bürge rau8fchuß (Bürger- rat) teilt mit, daß ein gewisser Kresse versuche, unter dem Namen Alfred Schmitt aus Bonn bei Universitäten und vor allem bei wissenschaftlichen Vereinen statistisches Material sür eine Doktorarbeit zu erhalten. Kresse sei ein AgentdesfranzosischenNachrichten- di en st es in Bonn. - Wegen Unterschla­gung von 662 000 Mark zum Schaden einer Transportfirma in Saarbrücken wurde hier in einem Hotel der 21jährige Wilhelm Bechtel und der 21 Zahre alte Drogist Heinz Z u n g, beide aus Saarbrücken, fest genommen. Das unterschlagene Geld hatten sie bis auf einen Rest von 40 000 Mark, der sich noch bei ihnen vor­sand, bereits durchgebracht. Ein dritter Mit­täter, Peter D e w i ch. wurde mit 21 000 Mark in der Tasche in Höchst a. M. feftgenommcn.

fpd. Frankfurt a. M., 27. April. Der langjährige Leiter des Frankfurter Stadtarchivs, Prof. Dr. Rudolf Z u n g, ist heute im Alter von 63 Zähren gestorben. Zung hat sich um die Erforschung der Geschichte Frankfurts und als Geschichtsschreiber seiner Vaterstadt bleibende Verdienste erworben. Die Zahl der von ihm veröffentlichten historischen Werke ist außerordentlich groß.

* Marburg, 27. April. Zugendtagung des D. H. V. Der Bund der Kaufmannsjugend im D. H. V., dem heute bereits . über 35 000 deutsche Zungkaufleute angehören, veranstaltet Pfingsten 1922 in Marburg feinen 5. Gaujugend­tag. Die letzte derartige Tagung fand im Herbst v. Z. in Hirzenhain am Vogelsberg statt. In Marburg werden dieses Zahr Wettkämpfe in Steinstoß, 100-Meterlauf, Writsprung, Stafetten­lauf und Schwimmen ausgefochten. Am ersten Feiertag ist ein Fackelzug mit nachfolgender Schlvßbeleuchtung vorgesehen. Die Tagung wird einDeutscher Abend" mit lebenden Bildern, Schattenspielen, Theater ufto. im Kurhaus Mar­bach beschließen. Für Urlauber sind anschließend Wanderungen nach der Edertalsperre, Bad Wil- düngen, nach Ruine StaufenbergWetzlar- Taunus, nach dem Sauerland Siegen, nach Amöneburg Ober-AulaHersfeld geplant.

Schlichtmrgsausschus; der Provinz Oberhcsscn.

Sitzung vom 27. April 1922.

Die Einigungsverhandlung zur Beilegung des Ausstandes der Arbeiter der G i e ß e n e r Groß- Ha n d e I s b e t r i e b e, die vom Staatskommissar für die wirtschaftliche Demobilmachung veranlaßt war, war vergeblich. Der Schiedsspruch vom 6. April 1922, nach dessen Ablehnung durch den Arbeitgeberverband für Handel und Gewerbe der Ausstand begann, ist inzwischen für verbindlich erklärt worden.

Meininger Frühling.

Aus Meiningen wird uns geschrieben;

Es sah in den letzten Zähren so aus, als ob Kräfte am Werke wären, die von allen den Thü­ringer Bühnen nur die weimarische weiter als staatliches Theater erhalten wollten. Diese Gefahr kann, was die Regierung des jungen Landes Thüringen betrifft, längst als überwunden gelten. Zeht aber ist das altberühmte Meininger Theater so stark in den Mittelpunkt des Thüringer Geistes­lebens gerückt worden, daß es heute vielleicht überhaupt das volkstümlichste von allen genannt werden kann.

Die Thüringer Volkshochschule und ihr Leiter Dr. Buchwald hatten alle Verbände, die in Thüringen Kulturarbeit leisten, ohne jeden Unterschied von Partei und Bekenntnis, dazu die Zugendverbände aller Richtungen, zu volkstüm­lichen Osterfestspielen nach Meiningen geführt. Neben der neutralen Volkshochschule waren Hun­derte von Mitgliedern des Arbeiter-Wander- bundesDie Naturfteunde" beteiligt; neben dem Kronachbund der alten Wandervögel zog gleich­berechtigt und gleichbeteiligt die kommunistische Zugend (Wo bleibt aber deren Kulturverdienst? D. Red.) durch die erstaunt aufhorchende Stadt. Volkstümliche Festspiele" bot allen diesen Menschen der Intendant Dr. Ulbrich mit seiner Künstlerschar. Eine unglaubliche Arbeit 'muhte mit täglich drei Vorstellungen bewältigt werden. Nur thüringische Dichter kamen zu Worte Am Anfang standen Otto LudwigsMakkabäer" in der prächtigen, geschichtlich echten Einrichtung aus der Wanderzeit der alten Meininger; am Ende Otto LudwigsErbförster" in einer neuen Ein­richtung, die Dr. illbrich mit seinem Maler Ernst Schütte zusammen geschaffen hatte. In einen Rahmen von mächtigen thüringischen Tannen ist

die Handlung hineingestellt; der ThüringerWald rauscht überall in die Handlung hinein. Da­zwischen aber zwei Uraufführungen: Der erste Versuch, mehr als drei Zahrzehnte nach dem Tode seines Dichters, Heinrich von Steins,Karl Ludwig Sand" für die Bühne zu gewinnen, war für alle Teilnehmer ein erschütterndes Erlebnis; denn nirgends wird das geistige Ringen unserer eigenen Zeit nach Wahrheit, Echtheit, Ehrlichkeit, Ueberwindung von Lauheit zu so schlichten und ergreifenden Bildern verdichtet, wie in diesem herrlichen Einakter von Richard Wagners jugend­lichem Freunde. Und dann, als der eigentliche Höhepunkt der Aufführungen Otto Hi 1 ds wundersame Komödie"Hans im G cf".

Da sitzt oben auf dem Thüringer Wald in einem verschollenen Heimarbeiterorte ein Lehrer, in jungen Zähren politisch gemaßregelt und dann von dem weitblickenden Herzog Georg in den Meininger Schuldienst ausgenommen, und schreibt, fern von jeder großen Bühne, Werk um Werk. Er wird, wie so viele Hoffnungen unseres geistigen Lebens, ein jDbfer des Weltkrieges. Nach dem Kriege wandern seine wichtigsten Manuskripte von Verlag zu Verlag, von Bühne zu Bühne. Und nun bleibt es abermals Meiningen Vorbe­halten, wie einst dem Menschen, so dem Kunst­werke Heimatrecht zu bieten, und das bei einem Anlaß, wo Menschen aus ganz Thüringen als Zeugen dieser Tat versammelt waren. Denn hier wurde wirklich ein Dichter eigener Art entdeckt und in ganz erschöpfender Weise von einer selbst aufs tiefste teilnehmenden Künstlerschar zum Leben erweckt: eine restlos geglückte, jeder leisesten An­deutung des Dichters nachspürende Darstellung. Die Meininger Bühne ist längst ein echtes Landes­theater Bis auf den Kamm b'6 Thüringer Waldes hinauf richte! sie ihre regelmäßigen Kunstfahrten. Dabei wächst der innere Wert ihrer

künstlerischen Arbeit immer mehr. So war sie es denn auch, die zum ersten Male nicht reiche Fest­spielbesucher, sondern Tausende aus allen thü­ringischen Volkskreisen zu diesen Festspielen zusammenrief.

Mit dem Rucksack, und viele auf mehrtägigen Wanderungen, kamen sie zusammen und wander­ten ebenso in die Heimat zurück. Hunderte be­gnügten sich mit einfachem Strohlager. Zu­gleich waren es Tage geistiger Auseinander­setzung innerhalb dieser Menschen selbst. Denn die Hörerschaft der Thüringer Volkshochschule hatte selbst die Forderung gestellt, daß einmal die Hörerschaft selbst über die Aufgaben und die Arbeit der Volkshochschulen sich aussprechen sollte. In herzlicher und ernster Form ist auch dies in Meiningen geschehen, nicht nur über Lehrplan und Lehrweise hat man gesprochen, sondern vor allem über den Geist, der das Ganze beseelen muh, wenn das große Ziel er­reicht werden soll: die lebendige Volksgemein­schaft. B.

* . *

Eine Oedipus-Urauffuhrung in Darmstadt.

Das Hessische Landestheater brachte am Mitt­woch eine Uraufführung von starkem litera­rischen Wert heraus:Oedipus der Ty­rann", Trauerspiel von Sophokles, ilebertra- gung von Friedrich Hölderlin in neuer Text­bearbeitung von Wilhelm Michel. Michel sagt von seiner Bearbeitung, daß ihm oberster Grund­satz nxir die Erhaltung des Hölderlinschen Textes, nach seiner Ansicht die wörtlichste und der dichte­rischen Form nach die wertvollste der vorhande­nen Uebersehungen Nur wo int Hölderlinschen Text sich unauflösbare Dunkelhellen aufdrängten, ging er aus das griechische Original zurück. So entstanden etwa 200 Korrekturen deA Hölderlin-

Dem Sattlerverband und den Gieße­ner Sattlermeistern Kilbinger. Kühne, Spies und Groß wurden folgende Mindest­stundenlöhne vorgeschlagen, die von der laufen­den Lohnperiode an gelten sollen: für Gesellen über 23 Zähren 12,50 Mk., von 2023 Zähren 11 Mk., vom 2. Zahre nach der Lehre bis zum 20. Lebensjahre 9,50 Mk. und im ersten Zahre nach der Lehre 7,50 Mk. Bisher wurden seit dem 13. Februar 1922 9,90, 9,20, 8.10 und 7 10 Mark gezahlt. Ein Anspruch auf Lohnzahlung für die gesetzlichen Feiertage, die in die Woche fallen, wurde nicht zuerkannt. Die Parteien erhielten eine Woche Frist zur Stellungnahme zum Schieds­spruch. Heber die sonstigen allgemeinen Arbeits­bedingungen. wie Urlaub, lleberftunbenoergütung ufto. ergab sich Übereinstimmung zwischen ihnen.

Die Rheinische Elektrizitäts-A.G. soll in ihren Baugebieten Alsfeld und Lauterbach, in denen sie Ortsnetze und Hausanschlüsse baut, vom 1. Mai an die tariflichen Stundenlohne, die seit dem 1. April 1922 gelten, um 10 v. H. er­höhen auf 15.73 Mk. für die Kolonnenführer. 14,52 Mk. für die Elektromonteure über 24 Zäh­ren. 13,31 Mk. für die Hilfsmonteure und 12,10 Mark für die Hilfsarbeiter. Daneben sollen die bisherigen Auslösungssähe von 24 Mk. auf den Kalendertag für die ledigen Arbeiter und 26 Mk. für die Verheirateten weiterbestehen. Der Metall­arbeiterverband lehnte den Schiedsspruch ab, die Firma erkannte ihn an.

Auch für die Arbeiter der Lauterbacher Blechwarenfabrik wurden 10 v. H. Zu­lage ab 1. Mai vorgeschlagen. Der Stundenlohn der gelernten Arbeiter über 25 Zähren käme hier­nach auf 12,21 Mk., der der angelernten aus 11,99 Mk. ufto. Die bisherigen Löhne galten feit dem 1. April 1922. Die Familienzulagen von wöchentlich je 4 Mk. für die Frau und jedes Kind und die Derzinker- und Beizer-Stunden- lohnzulage von 10 Pf. sollen bestehen bleiben. Die Parteien erhielten eine Woche Erklärungs­frist.

In zwei ^aldarbeitertarifstreitigkeiten ver» ständigten sich die Parteien vor der Verhandlung.

Turnen, Sport und Spiel.

* Einen Frühjahrs-Turn- und Spieltag veranstaltet der Turnverein von 1 846 Gießen am Samstag, den 29. und Sonntag, den 30. April.

* I m 50-Kilo meter-Rennen des Gaues 9a des D. D. R. am vergangenen Sonntag teilt uns in Ergänzung unseres Berichtes der Radfahr-Verein Germania 03 Wißmar mit, daß Karl Wagner vom R. V. Germania den siebenten Platz (nicht den zehnten) dicht hinter Rüdiger- Gießen belegte.

Hungen. 28. April. Der hiesige Sport­verein hielt gestern abend in feinem Vereins­lokal eine außerordentliche Mitgliederversamm­lung ab. in der über verschiedene interne An­gelegenheiten beraten wurde. Es wurde u. a. be­schlossen, im Sommer d. Z. ein Sportfest im engen Vereinsrahmen zu veranstalten, das in Fußball. Leichtathletik ufto. bestehen soll. Die Vorarbeiten hierzu werden sofort tn Angriff ge­nommen. Kommenden Sonntag haben wir hier die zwei Mannschaften des Gießener Sp. C. 1900 (Liga-Ersatz und 3. Mannschaft) zu Gast; es stehen zwei äußerst interessante und spannende Spiele in Aussicht.

Riesenüberrasch unginvereng- 1 i s ch e n Liga. Am letzten Spieltage gab es bei den englischen Ligafußballspielen eine un­erwartete große Ueberraschung. Huddersfield Town und Preston Northend, die beiden Ver­eine, welche das Endspiel um den Pokal von England zu bestreiten haben, standen sich gegen­über. Preston Northend wurde mit nicht weniger als 6:0 geschlagen.

Deutscher Herrenreiter sieg in Budapest. Der Ehampion-Herrenreiter des Vorjahres, Herr v. Pelzer, weilt augenblkb lich in Budapest, um dort in einigen Rennen in den Sattel zu steigen. Gleich am ersten Tage, an» Dienstag, konnte er in der Großen Alager- Steeple-Ehase mit Attatroll nach einem meister­haften Ritt einen leichten Sieg feiern. Das Pu­blikum spendete ihm lebhafte Ovationen.

Schachmeister Theodor Scheve ist vor einigen Tagen in einem oberschlesischen Krankenhaus an den Folgen einer Lungenent­zündung verschieden, Die er sich im März 1920 bet der Reise von Berlin nach Oberschlesien zugezogen hatte. Scheve wurde 1851 in Kassel geboren. Seine schachliche Glanzzeit war um die Wende des ZahrhundertS. So konnte er im internationalen Turnier zu Monte Earlo 1902, das Tarrasch gewann, einen der ersten Plätze be­sehen. Er war langjähriges Mitglied der Berliner Schachgesellschaft und hat in jungen Zähren her­vorragendes auf schachlichem Gebiete g.leistet.

schen Manuskriptes, ohne die das Dra»na kaum ausführbar ist, zunr Mindesten nicht durchweg verständlich wird. Zedenfalls ist es das Verdienst Michels, das dichterisch wundervolle Drama für die deutsche Bühne zu neuem Leben erweckt zu haben. Daß es lebensfähig bleibe, wird im we­sentlichen von de'r Leistungsfähigkeit deutscher Darsteller und von dem verantwortungsvollen Ernst der Regie abhängen, die sich an die gigan­tische und hochwertige Arbeit wagt. Die Wirkung des Werkes in der Darmstädter Uraufführung war gewaltig. Trotzdem die fünf Akte, die übri­gens hier sehr geschickt in zwei zusammengezogen und die Zwischenakte nur durch Verdunkelung und Teilbeleuchtung des Ehors der Thebaner kennt­lich werden, fast ohne Handlung sind. Allein die gewaltige Tiefe und gigantische Gröhe des Wor­tes und Sahbaues, des dichterischen Gehaltes, gewährleisten die packende Wirkung. Sie restlos herauszuholen, bedarf es freilich einer Reihe aus­gezeichneter Sprecher, bedarf es Schauspieler, die die große Linie innehatten und sich in die ge­waltigen Leidenschaften dieser Gröhe einleben können, bedarf es einer Regie, die bei Verban­nung alles Nebensächlichen auch in dem architek­tonischen Rahmen des Geschehens die gigantische Linie, die große Geste formt. Beides war hier gegeben. Eugen Kellers Regie war tn Wahrheit groß und Pilarh Dühnenarchttektur primitiv und wuchtig in Form und Farbe. Die Darsteller, Valk (Oedipus), Gielea (Kreon), West er­mann (Tiresias), Rahel Sanzara (Zokaste). D a u m c i st e r (Priester) gleichwie der Chor der thebanischen Alten, fügten sich in den großen Rahmen. Das ausverkaufte Haus spendete, nach­dem die Ergriffenheit überwunden, dankbar stärk­sten Beifall. Michel wurde wiederholt gerufen

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