Ausgabe 
28.4.1922
 
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Nr. 99

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Freitag, 28. April (922

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steiudruckerei R. Lange. Schriftleltung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagcsnummer bis zum Nachmittag vorder ohne jede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen v 34 mm Breite örtlich 120 Pf., auswärts 150 Pf.: für Reklame« Anzeigen von 70 mm Breite 450Pf. Bei Platz. Vorschrift20^Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz, für den übrigen Teil: ftatl Walther; für den Anzeigenteil: Hans Deck, sämtlich in Dietzen

Eine neue Rede Lloyd Georges.

Eine Weisung aufschwerste Sturmzeichen". Genua, 27 April. lWTB.» Spezialbericb* deS Vertreters des WTB Auf einem von den englischen und amerikanischen Pressevertretern zu Ehren Lloyd Georges gegebenen Diner hielt der englische Premierminister eine Rede, in der er u. a. sagte: Als der Krieg zu Ende war, hofften wir, dah dies auch das Ende der Herr- schäft der rohen Gewalt bedeuten würde. Ob diese Hoffnung sich erfüllt, hängt in vollstem Mähe von der Genueser Konferenz ab. Die Schwierig­keiten in Europa bestehen darin, dah es zuviel ungeregelte Fragen gibt. Hede dieser Fragen enthält die Vorbedingung für einen europäischen Brand. Einige Leute sind ungeduldig, weil wir nicht in zwei Wochen zu einer Lösung gelangt sind. Es wird länger dauern. Die Washingtoner Konferenz hat drei Monate gedauert, aber sic hot ihr Ziel erreicht. Sogar sechs Monate oder ein Hahr würden nicht zuviel sein. Ich will nicht sogen, dah ich drei Monate oder noch länger hier bleiben werde. Aber wir dürfen nicht hoffen, die Schwierigkeiten binnen zwei, drei oder vier Wochen zu überwinden. Wir müssen mehr Zeit dazu haben. Drohe Probleme liegen vor. D i c ganze Grenze von Osteuropa ist so gut wie ungeregelt. Von der Ostsee bis zum Schwarzen Meere gibt es faunt eine Grenzlinie, um die es keinen Streit gibt, und zede Linie «rthält in sich die Möglichkeit eines furchtbaren Konfliktes. Zum-Seil liegt die Schuld bei keinem Dolle, sondern beim Durch­einander von Rassen, das in Mitteleuropa besieht. Es gibt unendliche Möglichkeiten für künftige Äonflittc, und ob Amerika will oder nicht, es würde unvermeidlich hineingezogen wer­den wie in den Weltkrieg. Hierdurch sind die Schwierigkeiten nicht erschöpft. Deutschland und R u bland sind im Zustande eines halben Antagonismus gegenüber dem Rest von Europa. Das bezieht sich auf zwei Drfttel von Europa Rur ein Blinder kann sich cinbilden, das: durch irgcncine Kombination zwei grobe Völker, d i e zwei Drittel von Europa repräsentieren, niedergehalten wer­den können. Die Völker Europas müssen in guten Beziehungen zueinander stehen. Man muh sich klar machen, was es heiht, wenn Europa ständig rn zwei Teile gelagert, verfallen würde. Dasdeutsch-russischeAbkvmmenwar für manche Leute eine Offenbarung. 3d) Hobe es schon vor langer Zeit gewagt, meine warnende Stimme zu erheben und zu sagen, was .inver m eidlich geschehen mühte, wenn es lern gutes Einvernehmen gibt. Cs ist unver­meidlich die Möglichkeit eines hunger- leidenden Ruhlands gegeben, das voneinemzornigenDeutschlandaus-- gerüstet wird. Wie lange wird cs noch dau­ern. bevor Europa verwüstet wird, wenn dies die ständige Politik irgendeiner europäischen Kombination bildet. 3m Augenblick gehören wir zu einer beherrschenden Gruppe von Siegern. Dies wird nicht ewig dauern. Wenn unser Sieg in Unterdrückung ausartet, werden wir nach dem Gefühl der Menschheit den Sieg, den Gott uns gegeben hat, miHbraucht haben. Die Strafe wird unvermeidlich folgen. Wir müssen gerecht und fair sein. Wir müssen uns in der Stunde unseres Triumphes beschränken: sonst wird Europa ein Chaos sein, und zwar noch zu Lebzeiten von Leuten, die, wie ich, graue Haare haben. Darum habe ich schwer gearbeitet, um die Konferenz zu einem Erfolge &u -gestalten. 3 ch bin er­schrocken über das Stur in weiter, das sich am Horizont zusammcnzicht und nm europäischen Himmel höher und höher empor- ffeigt. Cs wird unvermeidlich losbred)cn, wenn nicht durch irgendein Mittel die Atmosphäre gereinigt wird. Wenn Genua erfolglos bleibt, wird meine Warnung sich als berechtigt erweisen. Ich bin erstaunt über die Leute, die das nicht begreifen und angesichts der schwer st en Sturmzeichen sich mit selbstsüchtigen Trivialitäten befassen. Darum möchte ich. dah Genua mit einem wirklichen Friedenstag endet. Ohne dies wird es trotz aller Teilergebnisse em Mißerfolg fein. 3ch freue mich, Gelegenheit zu haben, dies vor der britischen und amerikani­schen Presse zu sagen. 3ch wollte, Amerika wäre selbst hier, nicht aus selbstsüchtigen Motiven, sondern weil Amerika eine besondere Autorität besitzt. Seine Richtzuge­hörigkeit zu Europa würde ihm das Rechtgeben, das zu sagen, wasuns, die wir alle in diese alte Streitfrage verwickelt sind, kaum möglich ist. Es ist zu spät, diesen Aufruf jetzt zu erlassen. Amerika ist nicht hier und Europa muh sein Mög­lichstes tun, um seine Probleme auf eigene Manier möglichst gut zu lösen. Dies kann mit Ihrer Hilfe geschehen. Sic können die öffentliche Meinung er­regen, die Leidenschaften aufstacheln und die Menschheit zornig machen. 3n solcher Atmosphäre ist kein Friede möglich. Qlbcr auf der anderen Seite können Sie Geduld. Versöhnung und kame­radschaftlichen Geist predigen, und wenn Eie dies tun. werden Sie Teil haben an einer histori­schen Tat.

Eine Erklärung Rathcnaus.

London, 28. April. (WTD.) Die Blätter berichten über die in einer Versammlung von Pressevertretern erfolgten zustimmenden Aeuhcrungen Dr. Rathcnaus zu der von LloydGeorgeauf dem Essen der ameri­

kanischen und englischen Hournalistcn gehaltenen I Rede.Daily Chrvniclc" schreibt, Rathcnau habe erklärt, die letzte Rede dcs englischen Premier-1 Ministers sei von allen glanzenden Re­den die glänzendste gewesen. Rathcnau habe die Rede Lloyd Georges gelobt nicht nur liegen der Erwähnung bestehender Möglichkeiten, sondern vor allen Dingen wegen ihres weiten Blickes in die Zukunft Besondere Beachtung habe Rathcnau den drei Worten Lloyd Georges zu- gcwandt, nämlich den Wortenfair",gerecht" undbillig". Diese drei Worte könnten aus die Wand dcs Konfercnzsihungssaales geschrieben werden, lieber Lloyd Georges Worte über den Fricdenspakt habe Rathcnau erklärt, nicht unter­richtet zu fein. Wenn jedoch der Plan der Rede Lloyd Georges entspreche, dann würden ihm die Deutschen bedingungslos zustimmen. Der Bericht­erstatter desDaily Chronicle" nennt dieses einen klaren Schratt von feiten Rathcnaus. Die Deut­schen setzten damit ihr Siegel unter den Plan des Friedcnspaktes, während er sich noch in seinem Anfangsstadium, sozusagen im Lloyd-George-Sta­dium, befinde.

Genua, 27. April. (WTD.) Spezialbericht des Vertreters des WTD. Rathcnau hat heute vor Pressevertretern zu der Rede Lloyd Georges erklärt: Hinter jedem Plan, der dem wirklichen Frieden der Welt auf der Grundlage wahrer Gerechtigkeit und gleichmähiger Pflichten und Rechte aller Rationen dient, wird unbedingt auch Deutschland stehen und helfen, ihm Erfolg zu verschaffen. Wenn es gelingt, ein solches Werk durchzuführen, werden sich alle glücklich schätzen, die an der Konferenz teilgenommen haben.

Deutsche Gäste bei der Sowjet-Delegation.

Genua, 28. April. lWTD.) Die Delegation der russischen Sowjetregierung hatte gestern abend eine Anzahl Mitglieder der deut­schen Delegation zu einem Abendessen im Hotel de Gencs cingcladcn. Der Einladung folgten der Reichskanzler. Dr. Rathcnau, Reichswirtschastsrninifter S ch m i b t und zahl­reiche Herren der deutschen Delegation. Der Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten begrüßte die Gäste als Vertreter des befreun­deten Reiches, des ersten groben Landes, das durch einen Vertrag auf der Basis friedlicher Zusammenarbeit zu Sowjetrutzland in normale Beziehungen trat. Der Reichskanzler betonte in seinem Trinkspruch der dem russischen Volke galt, den wirtschaftlichen Charakter des Vertrages, der nicht den engen Interessen einer Ration, sondern ganz Europa und der Menschheit zu bienen bestimmt sei. Das grobe Ideal der Ge­meinschaft der ganzen Menschheit erfordere die Arbeit vieler Geschlechter. Aber das engere Ideal, die Versöhnung und Arbeitsgemein­schaft z w e i e r D ö l k e r, die in blutigem Rin­gen sich gegenüberftanben, bas sei burch b e n Vertrag von Rapallo erreicht worden. Der erste Schritt.zu einer weiteren Entwicklung friedlicher europäischer Zusammenarbeit sei, wie er hoffe, damit getan.

Genua, 27. April. (Wolff.) Der Reichskanzler hat heute Vertreter der gesamten Randstaaten (Finnland, Esth- land, Lettland und Litauen) zum Frühstück ein­geladen. Für heute abend hat die russische Delegation die deutsche zum Essen ein­geladen. Der deutschen Delegation ist bis heute eine offizielle oder offiziöse Mitteilung über die Plane der alliierten Mächte bezüglich des Burgfriedens nicht vorgelegt worden.

Die Note an Rußland.

2 o n b o n, 27. April. (WB > Eine heute nach- mittag 2 Uhr aus Genua nbgcfanbte Rcttcr- inelbang besagt, es verlaute, bab die alli­ierte Rote an Rußland endgültig den Punkt darlegen werde, bis zu dem die Mächte bereit sind zu gehen, um zi einer Regel ang mit Ruy land zu gelangen und eine Erklärung ent­falten werden, bah bic Mächte eine unbegrenzte Erörterung nicht zulasfen werben. Wahrscheinlich werde die Rote den Russen am Montag zugc- ftellt. Es gehe bas Gerücht, bah ein- Voll- fitjung ber Konferenz am Montag ftattfinben werde, um bic bisherigen Ergebnisse der Kon­ferenz fcstzustellen.

Der Völkerbund und Deutschland.

London, 27. April. (WTB.)M a n - chester Guardian" berichtet aus Genua, es wurden Anstrengungen gemacht, um Deutschland zu veranlassen, vor der Sep- tembersitzung der Völkerbundsversammlung um Aufnahme in den Völkerbund nach- zusuchen.

Eine Zusammenkunft des Obersten Nates in Genua?

Lomd 0 n, 27. April. (WTD ) Reuter erfährt, bab während noch keine endgültige Entscheidung erzielt ist, man es in gut unterrichteten Kreisen in London für wahrscheinlich hält, bab eine Zu­sammenkunft des Obersten Rates in Genua gegen Enbe ber nächsten Woche stattfinden werde, um die Lage zu erwägen, die aus ber Haltung Deutschlands gegenüber ber Rcparationsfrage ent­stehe. In britischen Kreisen soll man sehr zu Gunsten einer solchen Zusammenkunft fein: auch bic italienischen Kreise seien dafür. Grobbritan­nien. Frankreich, Italien. Hapan und Delgien I würden auf dieser Zusammenkunft durch Delegierte vertreten sein und es sei möglich, dab die a m c r i- kanischc Teilnahme die Gestalt eines nichtoffi­

ziellen Dcobachtcndcn annehmen werde. Die ita­lienische Regierung werde wahrscheinlich die Ini­tiative dazu ergreifen, indem sie die Einladung dazu ergehen labt

Paris, 27. April. (Havas.) Linker den aus Genua eingclaufenen Telegrammen zog das Tele­gramm die besondere Aufmerksamkeit der Mit­glieder der Regierung auf sich, durch welches Barthou über seine gestrige Besprechung mit Lloyd George berichtete und dem Chef der französischen Regierung ?IUttcilung machte von der Anregung des britischen Premierministers, den Obersten Rat nach Genua einzubc- rusen. Dcr über diesen Punkt befragte Kabinetts­rat gab feine Zustimmung zu der Haltung, welche dcr Ministerpräsident in dieser Angelegenheit cinnehmcn will und die, Havas zufolge, etwa folgcnbcrmabcn sein wird: Man könne auf eine Teilnahme des Chefs ber französischen Regie­rung an ber Teilnahme des Obersten Rates nur in ben beiden gestern erwähnten Fällen rechnen. Entweder könne die Versammlung in Genua statt­finden und bann erst nach der Rückkehr des Präsi­denten M i 11 e r a n b nach Frankreich ob_r, falls sie vor biefem Datum flattfinben solle müsse sie in Paris abgehalten werden. Die Beratungen des Obersten Rates könnten sich nicht auf die Fragen beziehen, die gegenwärtig bic Repa- rationsko in Mission beschäftigten. Es sei ihre Sache, sich über bie verschuldete Verfehlung Deutschlands gegen seine Reparationsvcrpflich- tung auszusprechen. Man müsse daher über ben 31. M a i hinaus warten, bevor unter den Alliierten die Mabnahmen geprüft würden, die durch die Entschliehungen Dcranlafjt werden könnten, welche die Repa'.ationskommisfivn nach diesem Datum im Falle einer regelrecht feftge» stellten Verfehlung dcs Deutschen Reiches fassen würde. Was die Prüfung des beutsch-rusfi- f ch c n Abkommens anlangc, fo würbe fie ber Ministerpräsident zweifellos nicht adlehnen. wenn sie ber einzige Gegenstand ber Beratungen sein würde, und wenn die Einberufung des Obersten Rates an einem Orte unb au einer Zeit erfolgte, bic materiell annehmbar wäre. Au herbem würbe er mit Genugtuung die Mitarbeit t>cr Vertreter der Kleinen Entente unb Polens zugcstehcn, aber bic deutschen Delegierten mühten nach seiner Ansicht vollständig von dieser Zusammenkunft ausgeschlossen sein.

Havas fugt noch hinzu, bah bis heute abenb Pvincarc ned, keine persönliche Einladung Lloyd Georges erhalten habe, sich zur Tagung des Obcrften Rates nach Genua zu begeben.

Pari s, 27. April. Wie ber Sonberbericht- erftatter desHournal" aus Genua mit teilt, habe L l o y b © c o r g c die Absicht, im Falle Poincarc sich weigere nach Genua zu gehen, bic Zusammen- berufung bcs Obersten Rates in einer a n - bercnStabt vorzunehmen, die Genua möglichst nahe gelegen sei. Diese Zusammenkunft solle un­verzüglich ftattfinben. In der Zwischenzeit solle bic Wirtschaftskommission ihre Arbeiten vollenden.

Paris, 27. April. (WTB.) DerTemps" nennt ben Vorschlag Lloyd Georges, einen Ober­sten Rat der Alliierten nach Genua einzuberufen, einen Torpedo Die britische Delegation habe den Zeitungen über bic Frage ber von Deutsch- lanb burch bic Reparationskommifsion geforderten Maßnahmen mitteilen lassen, bah bic Mehrheit ber Signatarmächtc des Fricbcnsvcrtrages. bic in Genua vertreten seien, interalliierte Bera­tungen über biese Frage wünschten. Es scheine also, bah Lloyd George bic aoberen Alliierten befragt habe, vielleicht aber auch Dcutschlanb selbst, bevor er Frankreich bic Einberufung eines Obersten Rates, ber sich mit den Reparationen beschäftigen solle, vorgeschlagen habe. Das Blatt wünscht, bah das aufgeklärt werde. Wenn der Dor schlag Lloyd Georges ein Einkreisungs- rn a n ö v c r gegen Frankreich darstellen solle, wäre es überflüssig, ihn zu diskutieren

Auch dieSibert stellt die Frage Warum einen Obersten Rat? Damit Poincare sich über seine Rebe von Dar-le--Duc ausspreche? Für derartige AuseinanberseNungen gebe es Bot­schafter. Es wäre nicht nützlich, eine Versammlung abzuhalten, die den Schein bcs Tribunals annehmen könnte

DasHournal des Debats" sagt, Lloyd George käme auf einem Umwege auf seine ursprüngliche Wsicht. die Reparationsfrage in Genua behandeln zu lassen, zurück. Rach Ansicht des Blattes ist bic von Lloyd George vor- geschlagene Prozedur unzulässig. Frankreich habe nicht die Absicht, sich einer Diskussion zu entziehen. Es sei auch bereit, sich vertraulich mit seinen Alliierten über bic Folgen eines Verzuges von feiten Deutschlands am 31. Mai auszusprechen. Aber bic Atmosphäre in Genua sei verpestet. Wenn man inmitten bieses Babels von Genua einen Obersten Rat installiere unb wenn man warte, um bie Arbeiten ber Konferenz wiebcr auf- zunehmen. bis ber Oberste Rat sich über bic Sank- tionsfragc geäuhert habe, bann werde man bie Konferenz für unbestimmte Dauer verlängern, unb man sehe sich ber Gefahr aus, fie untergehen zu lassen. Dann werbe man nicht verfehlen, Frank­reich diesen Zusammenbruch anzukreiben.

Der Pariser Kabinettsrat.

Paris, 27. April. (Havas.) Der Kabinetts­rat ist um 6 lUjr nachmittags abermals zu- fammengetreten unb hat bie Prüfung der Tele­gramme aus Genua über bie Verhandlungen mit ben Sowjets fortgesetzt In dieser Sitzung wurde ber Text eines Telegramms festgelegt, bas sofort an bic französische Delegation in Genua gefanbt wird. Die Weisungen dieses Telegramms fordern den Führer der französischen Abordnung auf, sich an bic Bedingungen von Cannes zu halten sowie an bic im Memorandum fcftnclcgtcn Grund- jätze.

Die französische

Verdächtigungs Propaganda.

London, 27. April. (WTB» Eine Anfrage des Vertreters des Wolffbureaus an hiesiger amtlicher Stelle hat ergeben, bah im Gegensatz au ber hier verbreiteten Meldung, die britische Regierung verfüge über offizielle Informationen, bah zwischen Deutschland und Ruhland Verhand­lungen zwecks Abschlusses einer umfassenden p o litischen unb militärischen Verein - barung im Gange seien, an amtlicher Stelle nicht bas geringste von derartigen Verhandlungen bekannt ist. Unter der UeberschriftFranzösische Entente" schreibt der biplomalische Berichterftattcr desStar", sowohl bas britische auswärtige Amt als auch bas Kriegsamt legten der Meldung, bah ber beutsch-russ sche Der.rag cincG e h c i m k l a u- s e l enthalte, bie bie Entsendung beul» scher Marineoffiziere unb -Man n- schäften zur Bemannung ber russischen Kriegs­schiffe unb bic Ausleihung von beutschen Offizieren zur Ausbildung des russischen Heeres vorsehe, nicht bie geringste Debeutung bei. Diese Melbung sei nichtoffizielle französische Propaganda: ihr Ursprung sei Paris.

Anmerkung des Wolffbureaus: Dadurch er­fahren die von dem Reichskanzler und auch ander­weitig amtlich zurückgewiesenen Verleumdungeit auch ein indirektes Dementi durch bic offiziellen englischen Stellen.

Ein Ferienaufenthalt Lloyd Georges in Bayern?

Wie die Vossische Zeitung aus München meldet, soll Lloyd George beabsichtigen, auf seiner Rückreise von Genua nach Mu n - chen und Oberammergau zu kommen. Für Mitte Mai sei für ihn und seine Fa­milie in .Oberammergau Quartier bestellt worden.

Aus dem Reiche.

Beschlüsse des ReichSrateS.

Berlin, 27. April. (WTB.) Der R c i ch S r a t hat beschlossen, dieTaqe°und Uebernachtungsgelder bei Gienstrei- sen der RcichSbeamten um 100 Prozent zu erhöhen. Angenommen wurde ferner der Entwurf einer Verordnung über die Einkom­mensgrenzen im Reichsversorgungs­gesetz und über die Teuerungsmahnahmen für Militärrentner. Weiter wurden die Ausführungsbestimmungen zum Umsatz- steuergesetz teilweise neugestaltet. Wichtig ist die Bestimmung, dah die Grenze, bei der der Mangel der Buchführung nicht als Ver­schulden angesehen wird, auf 120 000 Mk. er­höht wurde. Schließlich erledigte der ReichS- rat noch den Gesetzentwurf über den Mieter­schutz der MieteinigungSämter. der eine Tren­nung bezüglich der Behandlung von Kündi­gungen und sonstigen Entscheidungen der MieteinigungSämter vornimmt. Kleber die Kündigungen sollen lediglich die Amtsgerichte entscheiden und als Revifionsinstanz die Land­gerichte.

Die Getreideumlage.

DerVorwärts" veröftentitcht eine Zuschrift 0es ReichsernährangS Ministers über bic Frage ber Getreide Umlage ES hrifft bann. Der Minister hat im Hanuar 1922 im Reichstag erklärt, er würbe cs für unverantwort­lich halten, jetzt etwa bic freie Wirtschaft aut bem Gctreibegcbietc vorzuschlagen, unb er halte es auch für unverantwortlich, wenn in einzelnen lanbwirtschaftlichen Kreisen biefc Forderung er­hoben werbe Wenn demgegenüber immer wieder behauptet wird, dah ein unbedingtes Verspre­chen ber Rcichsregicrung, unter allen Umftänben bic freie Wirtschaft im Hahre 1922 einzuführen, gegeben fei, so ist bas eine vollständige Irre­führung der öffentlichen Meinung. Die nach ber Verfassung berufenen Faktoren, die Rcichs- tegictting, ber Reichsrat unb ber Reichstag wer­ben in nächster Zeit zu entscheiden Haden, wie bic Drotversorgung im kommenden Wirtschafts­jahr in einer für die Bevölkerung crträalicbcn Weise sichergestellt werden fann.

Aus dem besetzten Gebiet.

Gegen eine angeblich geplante Neutralisierung der Rheinlande.

Köln, 27. April (WTD.) Die Zentrums­partei, die Sozialdemokratische Partei. dicDeutfcha Volkspartei, die Deutschnationale Vvlkspartci und die Deutsche Demokratische Partei haben in einer gemeinsamen Tagung in Königswin - t e r heute folgende Ent schlichung gefaht Die neuerdings von den Ententemächten angeblich geplante Reutralisicrung ber Rheinlandc würde mit ben Gefühlen unb Ueberzeugungcn ber Rhein­länder in denkbar schroffstem Widerspruch stehen. So sehr die Desetzung der Rheinlande uns trifft und belastet, auch um den Preis der Verminde­rung ober Zurückziehung der Dcsatzling wurden wir uns von unserer Treue zum Deutschen Reicht nicht um Haaresbreite weichen unb auf bic Zu­gehörigkeit zu Preuhcn nicht verzichten. Von einer Aenderung der staatsrechtlichen Verhältnisse ist auch in wirtschaftlicher Beziehung eine Besserung nicht zu erwarten. Der wirtschaftliche Rieder- gang im Saargebiet liefert dafür den schlagendsten Beweis. So halten wir aus nationalen unb wirtschaftlichen Gründen am Verbleiben ber Rheinprvvinz beim Reiche unb in Prcuhen ein­mütig unb unweigerlich feft