Ausgabe 
28.3.1922
 
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Nr. 74

Der Gießener Snjetaer erschein« täglich, außer Sonn» und Feiertags. Monatlichetzezugrpreise: Mk ll.bOeinschl. Träger» lohn, durch die Post Mk. 14. - einschl. Bestell» geld, auch bei Nichterschei­nen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt. Fern sprech «Anschlüsse: fürdieSchriflleituna 112; für Druckerei, Verlag und Geichastsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten. Anzeiger Siehrn.

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Frankfurt a. M. 11686.

Erstes Blatt

172. Jahrgang

Dienstag, 28. März 1922

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohne jede Verbindlichkeit, preis für 1 mm höhe für Anzeigen o 34 mm Breite örtlich 90 Pf., auswärts 120 Pf., für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 350Pf. Bei Platz« Vorschrift 200 8 Aufschlag Hauptschriftleiter: Äug Goetz Verantwortlich für Politik. Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den

Druck unö Verlag: vriihl'sche Univ.-Vuch- und Stdnönitferci N. Lange. Schnftlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrahe 1.

Anzeigenteil: Hans Beck sämtlich in Gießen

An unsere Leser!

Die deutsche Presse steht vor dem Zu­sammenbruch! Die immer unerträglicher wer­denden Preissteigerungen, vor allem des Druckpapiers, das im Dezember gegenüber dem Friedenspreis das 21fache, im März das 41- fache kostete und ab 1. April das bvfache des Friedenspreises betragen wird, aber auch die Erhöhung der Löhne und Gehälter, die Ver­teuerung aller Materialien und der sonstigen Herstellungskosten, drohen das gesamte Zei­tungsgewerbe einer baldigen unabwendbaren Katastrophe zuzuführen, wenn nicht durch ge­eignete Maßnahmen rechtzeitig versucht wird, den Zusammenbruch aufzuhalten. And ein Aufhören der deutschen Presse ist gleichbedeu­tend mit einer unheilbaren Katastrophe der deutschen Politik und Wirtschaft.

Aeue wesentliche Erhöhungen der Be­zugs- und Anzeigenpreise lassen sich nicht um­gehen. Wir geben unS jedoch der Hoffnung hin. daß die Leserschaft auch in Zukunft treu zu ihren Zeitungen hält, um ihnen so zu hel­fen zur Erhaltung von Dasein und Leistungs­fähigkeit, die ja nicht um des eigenen Vorteils, sondern um des öffentlichen deutschen Lebens willen gesichert werden müssen.

Der Vorstand de« Vereins Deutscher Zeitungsverleger, Kreisverein Hessen-Nassau und Hessen.

Die unten verzeichneten Zeitungen sind gezwungen, ihre Bezugs- und Anzeigenpreise zu erhöhen. Die Leserschaft möge versichert sein, daß die Erhöhungen angesichts der drückenden Notlage erfolgen mutzten und sich auf das allernotwendigste Matz beschränken. Die Zeitungen richten an die Leser die Ditte, dem Erfordernis dieser Preiserhöhungen ihre Einsicht nicht zu verschließen.

Oberhess sche Zeitung-Alsfeld.

Butzbacher Zeitung-Butzbach. Dillzeitung-Dillenburg.

Aeue Taaeszeitung-Friedberg. Oberhess'sche Zeitung-Friedberg. Gießener Anzeiger-Gießen. I Oberhess sche Dolkszeitung-Gießen. i Grünberger Anzeiger-Grünberg.

Herborner Tageblatt-Herborn.

Hess sche Lanbeszeitung-Marburg. Oberhess'sche Zeitung-Marburg. Dad-Aauheimer Zeitung-Nauheim. Sckottener KreiSblatt-Schotten.

Wctziarer Anzeiger-Wetzlar.

DerGießener Anzeiger" kostet somit ab 1. April monatlich Mk. 16. ausschließlich Trägerlohn. Die Einzelnummer kostet 80 Pf. Verlag des Gießener Anzeigers

Die Entschlüsse der Reichsregierung.

Der Weg. den die ReichSregierung gegen­über den Anforderungen der ReparativnS- kvmmission beschreiten wird, ist schon deutlich erkennbar. Sie wird die Hauptpunkte, das Steuerprojekt von 60 Milliarden und die Finanzkontrolle nicht annehmen; fie hat auch, wie heute gemeldet wird, keine Rückfragen nach Paris gerichtet, weil sie Klarheit genug über die dortigen Absichten habe. Diese Rück­fragen wären auch tatsächlich nur als ein küm­merliches und schwächliches Verlegenheits­mittel erschienen. Das Ende der Erfüllungs- Politik wird aber zweifellos nicht in einem katastrophalen Erguß des nationalen Mn- willens endigen. Herr Wirth beabsichtigt sozusagen einen zahmen und geduldigen Widerstand. Unseres Erachtens wäre er besser beraten, wenn er der Entente gegenüber eine aufrichtige, das heißt von berechtigter Em­pörung zeugende Antwort vorbereitete. Die englische Politik befindet sich gegenwärttg der französischen gegenüber in einem viel offe­ner ausgesprochenen Gegensatz, als die Ber­liner Stellen ihn glauben vertteten zu können. 3m englischen Unterhaus wurde gestern im Anschluß an Lloyd Georges Denkschrift das Banner eines Abbaues der Gewaltpolitik hochgezogen. Das dürste und sollte auch der deutschen Regierung berechtigten Anlaß ge­ben, aus dem Gebüsch der Erfüllungspolitik klar und entschlossen herauszutteten.

B e r l i n, 27. März. (WTB.) Heute nach­mittag fand im Reichskanzlerhaus unter dem Vorsitze des Reichskanzlers und in An­wesenheit der Reichsminister des Auswärtigen und des Innern, des Reichswirtschaftsministers und des Leiters des Wiederaufbauministeriums eine Aussprache mit den präsidierenden Mitgliedern der Regierungen der Länder über

die Note der ReparationSkvmmis- sion vom 21.März statt. Der Reichskanzler und der Reichsminister des Auswärtigen ent­wickelten in längeren Ausführungen die An­schauung der Reichsregierung. In der Aus­sprache, an der sich die.Minister und dis Staatspräsidenten der meisten Länder beteilig­ten, ergab sich einmütige Liebereinstimmung mit den Grundsätzen der von der Reichsregierung in dieser Frage befolgten und fortzuführenden Politik, die am Dienstag in der Rede des Reichskanzlers Ausdruck finden wird.

Berlin, 28. März. Im Anschluß an die Konferenz mit den Ministerpräsiden­ten der Länder empfing der Reichs­kanzler die Führer der Sozialdemo­kratie, der Demokraten, des Zen­trums, der Deutschen Volkspartei und-der Bayerischen Dolkspartei, um sie über die Auffassung der Reichsregie­rung zu der Entscheidung der Reparations- kommissivn und über die Grundlinien der heute im Reichstag abzugebenden Regierungserklä­rung zu unterrichten. Später fand auch eine Besprechung des Reichskanzlers mit den Füh­rern der Deutschnationalen Volks- Partei und der Unabhängigen statt. Mit Ausnahme der Deutschen Volkspartei, die bereits gestern abend zu einer Fraktions- sitzung zusammengetreten war, werden die Fraktionen erst im Laufe des heutigen Vor­mittags zu der Haltung der Regierung Stel­lung nehmen.

Zu der Erklärung des Reichskanzlers im Reichstag wird, wie dieGermania" hört, wahrscheinlich auch noch der Minister des Aeußern, Dr. Rath en au, das Wort er­greifen.

Mehrere Blätter wollen über die Stellung der Regierung zu der Note der Reparattons- kommission wissen, daß die Forderung von 60 Milliarden neuer Steuern und einer Finanzkontrolle als unerfüllbar anzusehen sei. Es sei aber notwendig, die Aus­gaben des Reiches durch eine noch größere Sparsamkeit zu verringern. Im übrigen wür­den die Möglichkeiten zu Verhandlun­gen mit der Reparationskommissivn offen ge­lassen werden.

Kiel, 27. März. (WTB.) Der Gesamt­ausschuß der schleswig-holsteinischen Unter» nehmerverbände, der 4500 Unternehmer aus Landwirtschaft, Industrie, Handel und Handwerk vertritt, hat sich am Samstag mit der neuen Note der Reparationskommissivn be­faßt. Einstimmig wurden die neuen Forderun­gen und die beabsichtigten Eingriffe in die Souveränität des Reiches aufs Entschiedenste abgelehnt. Eine in diesem Sinne gefaßte Ent­schließung wurde dem Reichskanzler und sämt­lichen Parteien des Reichstages übersandt.

D e r l i n . 27. März. Wie entgegen anders­lautenden Dlättermeldungen derGermania" von zuständiger Seite erklärt wird, bestehen bei der Reichsregierung keine Zweifel über die Bedeutung der in der R e p a r a t i o n s n o t e ausgestellten Forderungen, so daß auch keine diesbe­züglichen Rückfragen notwendig waren.

Eine Finanzdebatte im französischen Senat.

Paris, 27. März. (Havas.) Der Senat hat das Budget der von Deutschland zu erstattenden Ausgaben erörtert. Der Generalberichterstatter Senator Berenger gibt eine Zusammenfassung seines Berichts. Die Ausgaben des Budgets feien kaum vermindert. Auch in diesem Jahre werde Frankreich an Deutschland, gering geschätzt, 20 Milliarden Gold- ma k verschießen muffen, die zu den schon früher vorgeschoffenen 90 Milliarden hin'ukämen. Da das ordentliche Budget schon mit 11 Milliarden im Rück­stand sei, so könne der Senat sehen, vor welchem Abgrund Frankreich stehe. Hierzu muffe man aber auch noch mehr als 20 Milliarden Kredite und das Budget der zurückzuerstattenden Ausgaben rechnen. Trotzdem sei der Ausschuß der Ansicht, daß es eine unstuchtdare Geste wäre, das Sonderbudget abzu» lehnen. (Er habe deshalb beschlossen, dem Senat seine Genehmigung vorzuschlagen, jedoch mit der Maßgabe, daß der Voranschlag der Einnahme von 7 Mi iarden, die Deutschland zu bezahlen hätte, weggelaffen werde.

Zur Reparationskommissivn übergehend, sagte Berenger, diese habe Frankreich bis jetzt keinen großen Dienst erwiesen; trotzdem fei sie der Rettungs- anker. Das Land, das unter der Last der Steuern nicht zusammenbrechen wolle, verlange, daß Deutschland bezahle. Diese Bezahlung hänge von dem Willen der Männer in der Repara« tionskommission ab. Die Reparationskommission müffe eine Kontrolle über die deutschen Finanzen ein» richten und wenn Deutschland nicht die nötigen An» sttengungen mache, müffe man die Pfänder nehmen,' die der Vertrag von Versailles festgelegt habe. Be­renger warnt die Regierung vor der Emission einer deutschen Anleihe, die angeblich dazu bestimmt wäre, Frankreich zu bezahlen, in Wirklichkeit aber höchstens 2,5 Milliarden einbringen würde. - Finanzminister de Lasteyrie unterbricht von seinem Platze aus und sagt, zwischen den alliierten Ministern sei nichts ver» einbart worden bezüglich <iner solchen Anleihe; die Frage unterliege der Prüfung der Re» parationskommstsion. Es handele sich um eine einfache Anregung. Deshalb könne kein bestimmter Betrag ins Auge gefaßt werden.

Der Generalberichterstatter spricht alsdann von dem Vorschlag eines internationalen Konsortiums und bringt die diesbezüglichen Befürchtungen zum Ausdruck. DerFinanzminister antwortet, daß,wenn ein Uebereinkommen zustande komme, dies erst end­gültig werde nach der Genehmigung durch das Par­lament. Berenger spricht ferner von den Pfändern und den Sanktionen. Die Pfänder existierten; der Vertrag von Versailles habe sie festgelegt, und die Reparationskommission könne sie fordern. Wenn Deutschland sie verweigere, was werde man dann tun? Der Redner schließt unter Beifall, es wäre unser Untergang, wenn wir uns nicht auf der Höhe unserer Soldaten zeigten, die unseren Sieg errungen haben, und wenn wir es nicht verstehen würden, Deutschland zu zwingen, daß es bezahlt, was es schuldig ist.

Englische Erklärungen für Genua.

London, 27. März. (WTB.) 3m Unter- hause teilte Chamber lai n mit, daß bei der Aussprache am nächsten Montag eine Re­gierungserklärung über die für Genua in Aussicht genommene Po­litik der Regierung abgegeben würde. Ferner erklärte Chamberlain, so viel er wisse, werde die gesamte Frage des Wechselkurses eingehend in Genua erörtert werden, um festzustellen, welche internationale Aktion notwendig werden ibürbe. Unter dem Beifall und der Heiterkeit des Hauses fragte Lord Cavendish Dentinck, welchen Zweck e^habe, daß Lloyd George nach Genua gehe, wenn die Reparations­kommission in der Zwischenzeit an dem Wechselkurs Europas Sabotage verübe. Ein anderes Mitglied stellte die Frage, ob Lloyd George die Veröffentlichung des Memo­randums genehmigt habe, das er der Friedens­konferenz im Iahre 1919 unterbreitete und ob der Premierminister beabsichtige, zu der in dem Memorandum ausein­ander g e s e h t en Politik zurückzukeh­ren. Chamberlain bejaht erst die Frage, fügte dann aber hinzu, es bestehe keinerlei Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung des Memvrairdums und der Konferenz von Genua. Der Geist, von dem das Dokument ausgegangen fei, fei der Geist, der die Regierung während der ganzen Verhandlungen erfüllt habe. Oluf eine weitere Anfrage erklärte Chamberlain, daß die nächste Zusammenkunft des Völkerbundsrates gegen Ende April erfolgen werde.

Das Befinden Lloyd Georges.

London, 27. März. (WTB.) Lloyd George ist heute nachmittag auf Griccieth wieder eingetroffen, um sich persönlich der irischen Frage, der industriellen Lage und der Vorbereitung der Konferenz von Genua zu widmen. Bei feiner Ankunft über sein Befinden befragt, erwiderte der Premierminister:(Bott fei Dank geht es mir wieder gut."

Der italienische Minister des Aeußern in London.

London, 27. März. (WTB.) Der italie­nische Mini st er des Aeußern ist in Lon­don eingetroffen. Nachmittags wird er mit Lloyd George eine Zusammenkunft haben. Vorher hatte Schanzer eine Audienz beim König und empfing darauf die italienischen Sachverständigen, die an der Londoner Vorkonferenz teilnehmen. Der ita­lienische Minister beabsichtigt, abends die Rück­reise nach Rom anzutreten. Dem Reuterschen Bu­reau zufolge ist Schanzer von dem Ergebnis der Pariser Orientkonferenz sehr befrte. igt. Er erklärte, seiner Ansicht nach fei das gu e' Ein­vernehmen zwischen den alliierten Regierungen sehr gestärkt worden.

Italien und die Militärkontrolle in Deutschland.

Rom, 28. März. (WTB.) 3n Beantwortung einer Anfrage des Abgeordneten Paglioni über den Konflikt, der zwischen der Repa­rationskommission unb der interalliier­ten milit'irckchen Kontrollkommission in Berlin über die Anwendung der Artikel 168 und 169 des Versailler Vertrages angeblich bestände, und über die Haltung der militärischen Kom­mission gegenüber den deutschen Werken erklärte llnterftaatäfefretär des Aeußern *2jp st i in der Kammer, dieser Konflikt bestehe nicht, da die Reparattonskommission an dieser Frage kein 3ntereffe habe. Die alliierten Regierungen glaub­ten, daß eine Umstellung der deutschen Werke nicht zu ihrem Bankrott führen konnte, sondern lch'imm- stenfalls zur Deschä tigungslo igkeit von ?6 0 Ar­beitern, die in kurzer Zeit neue Beschäftigung finden konnten, ilm die 3nteressen der Arbeiter zu wahren, beschloß die Dotfchafterkvn'eren;,' daß die gesamte Umstellung und in olgedessen die Ver­minderung des Personals bis zur Aufhebung der interalliierten Kontrolle ausgesetzt werden ßnnte. Die italienische Regierung trug stark zu diesem Entschlüsse bei, indem sie ihrem Vertreter in der Bo:schasterkonferenz Anweisungen erteilte, seinen Kollegen die Wahrung der 3ntereffen der Ar­beiter lebhaft zu empfehlen. Die Delegierten 3ta- liens wirkten bei der militärischen Kontrollkom­mission stets für eine Milderung und Versöhnung. Zum Schluß erklärte der Unterstaatssekretär, die Regierung werde in einer wohlwollenden Haltung gegenüber den Arbeitern verharren.

Der Friede zwischen Türkei und Griechenland.

Paris, 27. März. lWD.) Die von den drei alliierten Autzenministern fest­gelegten Bedingungen zur Herbeiführung des

Friedens zwischen der Türiet und ® rte« ch e nland sind veröffentlicht wo.den. Den be­reits mitgeteilten Einzelheiten sind anzusügcn £>k Bestimmungen von der Heeresstärle der Türkei und über das Regime der Kapitulation. Der Türkei soll das Recht zustehen, 45 000 Mann Gen­darmerie und ein reguläres Heer von 40 0000 Mann, also 85 000' Mann zu unterhalten, wäh­rend im Vertrag von Sevre nur 50 000 Mann vorgesehen wurden. Die Entscheidung der Ver­bündeten stellt es als Grundsatz der alliierte» Mächte hin, in keinem ehemals feindlichen Lande das System der Aushebung von Rck.uten be­stehen zu lassen. 3ndessen seien die dret Minister bereit, gemeinsam mit der türkischen Regierung in fremrdschaftlichem Geiste die Festsetzung eines bestimmten Zeitraumes zu prüfen, nach dessen Ablauf in der Türkei Rekru­tierungen durch Freiwtlltgenwer- b u n g vorgenommen werden dürsten. Wenn die türkische Regierung zur Bildung der erwähnten Gendarmerie die ilnterflü-.ung ausländischer Of­fiziere wünsche, so konnten diese zur Verfügung gestellt werden. Hinsichtlich der Kapitutalion sott die Türkei in weitestem Akatze in ihrer wirt­schaftlichen Unabhängigkeit nicht geschädigt wer­den. Deshalb soll innerhalb dreier Monate nach 3ntrafttreten des Friedensvertiares eine Kom­mission gebildet werden, in der England, Fraitt- reich, 3tolien, Iapan und die Türkei vertreten sind, um das in steuerlicher Beziehung bestehende Kapitulationssystem zu revidieren. Auch in ju­ristischer Hinsicht soll ein Reformpla.t für die Kapitulationen aufgestellt werden, und zwar eben­falls durch einen Ausschuß, in dem die Türket vertreten ist, und dem es freistehen soll, em einheitliches oder ein gemischtes System zu schasse,,.

Paris, 27. März. (Wolff.) Das Ergebnis der Orientkonferenz wird von Havas vom französischen Standpunkt wie folgt bargdeg*: Durch das Angebot, das ihr gemacht werde, erk­länge dieTü rkei tatsächlich schätzenswerte Bo,-- teile. Ohne einen Schwertstreich und ohne Scha- - den nehme sie ganz Kleinasien in Besitz, ©in besonders politisches Statut sei nur für die- Stadt Smyrna selbst vorgesehen. Dieses Statut sei übrigens demjenigen ähnlich, unter dem das - den Griechen überlas ene Adrianopel stehen solle.~ Dagegen gelange das Dilajet Smyrna unter die- volle ottomanische Souveränität. Die Türkei er-», halte einen großen Teil Thraziens; denn die neue- Grenze gehe westlich von Rodostv und von da bis Kirkillissche und ende in Media. Griechen - land behalte allerdings Gallipoli, aber es besitze dort die Mehrheit in der Bevölkerung. Es sei schon offiziellbetannt, daß Konstantinopel den Waffen still st andsvert rag a n nehme. Die Vertreter von Angora ten, als sie gestern abend von den endgültigen Entschei­dungen der Alliierten in Kenntnis gesetzt wurden, eine gewisse Befriedigung nicht verhehlt.

Athen, 27. März. (WTB.) Die den Ge» sandten der alliierten Mächte übermittelte Ant­wort der griechischen Regierung auf den Waffenstillstandsvorschlag besteht aus zwei Roten, deren eine die grundfayliche Annahme des Vorschlages enthält, während die andere die Ansicht der griechischen Regierung über die Förmlichkeiten ausdrückt, unter denen der Waf­fenstillstand abgeschlossen werden soll.

Der neue

Reichsernährungsminister.

Berlin, 28. März. Wie derLokalanzeiger" aus München meldet, hat Profeffvr Fehr von der Akademie für Landwirtschaft und Brauerei in Weihenstephan bei Frey sing in Oberbayern den ihm vom Reichskanzler ungebetenen Posten des Reichsernährungsministers angenommen.

Aus dem Reiche.

DaS HauSgehilfengefth.

Berlin, 27. März. (WTB) Bei der fort­gesetzten Beratung des Hausgehilsenge- seh es im sozialpolitischen Ausschuß des vor- läufigen Reichswirtschafts rates wünst ten die A r- beitnehmer kie Etteichung te3 Paragraphen des Gesetzentwurfes, der tie 2'u^echnu"g von Schaf enersatansvrüchen re en Di l hi c e un­tren der Hausgeh l en vvriieht. so em der Schaken durch grobe Fahrläsi'kil im Wie>e hrlungssall oder vorsätzlich verursacht worden ist. Die Ar­beitgeber vertraten den Standpunkt, daß un­bedingt eine Sicherung gegeben werden müsse. Die Abstimmung ergab die Ablehnung der ver­langten Streichung mit Stimmeng lei->he it Ferner wurde ein Arbeitnehmeranttag, eine schriftliche Kündigung vvrzuschen abgelehnt. Angenommen^ wurde ein Vorschlag des Unterausschusses, nach dem den Hausgeh l en auf Verlangen bei Ablauf des Arbeitsverhältnisses ein von der Arbeits­bescheinigung zu trennendes und der Wahrheit entsprechendes Zeugnis über Leistung und Füh­rung zu erteilen ist.

Die Unstimmigkeiten in ver MSP.

3mVorwärts" veröffentlicht Karl Kautsky einen offenen Brief an die Zentrale der USP, in dem er schärfsten Protest einlegt gegen den Aufruf der USP., der die Vereinigung der USP. mit der kommunistischen Arbeitsgemeinschaft verkündet und auch die revolutionären Mitglieder der Rechtssozia­listischen Partei aufforderi, in die USP. einzutreten. Kautsky nennt den Aufruf einen Kriegsruf gegen die Sozialdemokratie, der das Fortbestehen der Spal­tung und damit der Schwächung des deutschen Pro­letariats fördern werde.