Ausgabe 
28.3.1922
 
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Aus Stadt und Land.

(Stehen, den 28. März 1922.

Das Farbenjahr der Mode.

Helle und starke Farben werden wieder ge­tragen . . Diese Parole wird auch, in diesem Frühjahr von der Mode wieder ausgegeben, und so manncher glaubt, daß es lediglich die Mode- firmen sind, die dieses Gesetz der Frauenwelt vorschceiben. Aber die Farbenwahl, die die kolo­ristische Haltung der Frauenkleidung bestimmt, ist doch im allgemeinen viel tiefer begründet, nämlich in der menschlichen Ratur und in der Natur überhaupt. Man kann einen alljährlich wiederkehrenden Kreislauf der Modefarben fest­stellen, der mit den Jahreszeiten im engsten Zu- fammenhang steht. Wenn im Frühling die ersten Blumen aus dem jungen Grün hervorbrechen und sich die Landschaft in bunte zarte Farben kleidet, dann kommen auch in der Frauenkleidung die lichten farbigen Töne hervor. Es ist der Ruf des Frühlings, der in die Herzen bringt und die Frauen veranlaßt, auch ihrerseits zu dem Fest des jungen Blühens und Grünens beizutragen, sommerliche Farbenpracht läßt eine stärkere kolo­ristische Rote in der Kleidung als selbstverständ­lich erscheinen, und den tieferen schwereren Fär­bungen des Herbstes entspricht in der Mode eine Borliebe für aparte und besondere Farbtöne. 3m Winter aber hören wir fast regelmäßig, baß jetzt Schwarz die große Mode ist". Die Ratur hat ihr farbloses dunkles Gewand angelegt, und dir Frau folgt ihr nach. Wie sehr der Wechsel der Jahreszeiten auf den Fa drnwandel unserer Mode Einfluß hat, kann man in den Tropen er­kennen, wo die Damen einförmige Toiletten das ganze Jahr über tragen und fast nie auf Ab­wechslung bedacht sind. Ihnen fehlt der starke seelische Anreiz, der für die Frau tn der gemäßig­ten Zone in dem sieten Wechsel der Jahreszeiten liegt. *

* Eine Feier zur Ehrung der Ge­fallenen fand, wie wir nachträglich erfahren, kür .lich im Drte t ägersaale des hiesigen Post­amts in Anwesenheit des gesamten Personals, der Direktoren der einzelnen Aemter und der Hinterbliebenen statt, bei der die von der Leha> werkstätte der Gewerbeschule hergestellte Ge- dächtnistasel enthüllt tour.e. Die Ta.el hat zu­nächst ihren Platz im Schalterraum des Postamts gefunden.

* Kriegsbeschädigte und Kriegs­hinterbliebene können nach - i er Dcla n.'- madjung der Städtischen'svrgestrlle von dem Brennstotfamte bis zu 20 Zentner Holz zu er­mäßigtem Preise beziehen.

* D i e staatlichen Prüfungen für technische Lehrerinnen und für Kin­dergärtnerinnen fanden vom 21. bis 23. März unter dem Vorsitz des Ministerialrats Dr. Bach in der Aliceschule statt. Es bestanden die Prüfung für theoretische Lehrerinnen der Hauswirtschaft und Handarbeit 23, die Prüfung für Kindergärtnerinnen 7 Schülerinnen. Einige Tage früher hatten sich 7 Kinderpflegerinnen einer Schlußprüsung unter dem Vorsitz von Kreis­schulinspektor Professor Alles unterzogen. Das technische Seminar hatte seine Arbeiten im Kunst- derein und im Schulhaus in der Steinstraße aus­gestellt, das Fröbel-Seminar im Schulhaus in der Gartenstraße Alle Ausstellungen erfreuten sich eines außerordentlich starken Besuchs. Zur Begut­achtung hatte die Regierung einen Sachverstän­digen aus Worms entsandt.

* D i e Kaufmännische Fachschule beginnt das neue Schuljahr am 27. April. Ra­ßeres über Anmeldungen und Au nahmeprüf ra­gen ist aus dem heutigen Anzeigenteil ersichtlich.

* Straßensperrung Wer ei Vor­nahme von'Straßenbauarbeiten ist der Riegelpsad zwischen Liebigstraße und Litewigstraße bis auf weiteres für jeden Fuhrwerks- und Fahrradver» kehr gesperrt.

* Belästigungen des Publikums durch Fufib.->ll°, SHlaZball- und anderen Spie e auf der Straße sind in letzter Zeit wiederholt vor­gekommen. Das Polizeiamt macht darauf auf- mcrtfanr daß sich derjenige mit Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen straf­bar macht, der auf Straßen oder öffentlichen Plätzen mit Steinen oder anderen Gegenständen wirft, wodurch Menschen beschädigt oder verun­reinigt werden können.

" F a h r r a d d i e b st a h l. Am Montag, dem 27. März, vormittags wurde aus einem Llniversitätsinstitut ein Fahrrad, MarkeBren- nabor", vollständig neu emailliert, mit neuer Be­reifung, entwendet. Vor Ankauf wird gewarnt.

Strenge Durchführung des Rauchverbots in der Eisenbahn. Rach- bem die von Eisenbahnseite gegen die Richt­beachtung des Rauchverbots in den Zügen er­griffenen Maßnahmen ohne den gewünschten Er­folg geblieben sind, sind nunmehr Anordnungen getroffen worden, die eine schärfere Trennung und auffallendere Bezeichnung der Raucher- und Richtraucherabtcile bezwecken, so daß Entschul­digungen, daß Richtraucherabteil als solches nicht

erkannt zu haben, künftig nicht mehr vorgebracht werden können. Außerdem wird nach erfolgter Ergänzung der Cisenbahnverkehrsordnung vom 1. April 1922 ab von jedem Reisenden, der mit brennender Zigarre, Zigarette oder Tabakpfeife in Richtwucherabteilen und in Räumen der Züge und der Bahnhöfe, in denen das Rauchen ver­boten ist, betroffen wird, ohne vorherige Ver­warnung eine zu erlegende Buße von 20Mk. erhoben werden. Die Erhebung wird sofort durch den die älebertretung fest stellenden Bediensteten erfolgen.

** Der Ortsverein der Reichsbahnzug­führer und deren Anwärter Gießen bittet uns um Abdruck folgender Entschließung, die in der Versammlung am vergangenen Sonntag ge­faßt wurde:Sie heute hier versammelten Reichs­bahnzugführer und ihrer Anwärter erklären, daß fte das Bestreben des Reichsverkehrsministeriums auf Beseitigung der Anwirtfchaftlichkeit der Eisen­bahn voll und ganz würdigen. In erster Linie kommen hierfür jedoch Sparmaßnahmen auf dem Gebiet der Betriebsführung und Materialbeschaf­fung in Betracht. Die gesetzliche Regelung der Ar­beitszeit der Eisenbahner muß grundsätzlich durch ein allgemeines Arbeitszeitgesetz geregelt wer- den, das den besonderen Verhältnissen der einzel­nen Berufe entweder durch Ausnahmebestimmun­gen innerhalb des Gesetzes oder ergänzende Sonder- beftimmungen Rechnung zu tragen hat. In den gesetzlichen Bestimmungen für Arbeiter, Ang:- stellte and Beamte ist eine Höchstarbeitszeit von täglich 8 Olunben festzulegen. Da zur Zeit ein solch allgemeines Gesetz nicht vorllezt, ftnb die Veilammelten damit einvwstanbm, daß zwischen den Spitzenverbävdeli unddemlldeich.verteh rsmim- sier.urn einevorläu.tge R: gelung,ür fra^Effe.-buhn- perfonal beraten und vereinbart wird, wobei vor­stehende Grundsätze zu beachten sind, so daß diese später in das allgemeine Arbeitszeitgeseh mit ein­gefügt werden können. Sie Versammelten können nicht anerkennen, daß die Zerlegung der Dienst- fchicht in reine Arbeitszeit, Dienstbereitschaft und Pausen eine unvermeidliche Rotwendigkeit ist. Sie Besonderheit des Eisenbahnbetriebes bringt es mit sich, daß für bestimmte Gruppen dauernd und für einzelne Gruppen und Personen zeit­weilig ein gewisser Leerlauf entsteht. Diese Zeit generell als Richtarbeitsarbeit anzusehen, geht, nicht v an. Vielmehr muß gefordert iberben, daß die Verwaltung diejenigen Gruppen oder Personen, bei denen dies nur zeitweilig zutrifft, in anderer Weise angemessen beschäftigt. Für die Gruppen des Zugbeförderungs- und Zugbegleit­personals, wo dieser Zusiand mit gewiffen Ein- schränkungen ein dauernder ist, ist eine besondere Vereinbarung zwischen den Spihenverbänden und dem Aeichsverkehrsministerium zu treffen "

Bornonren.

Tageskalender für Dienstag. Stadt­theater, 7 Ähr:Der älrfauft. Astoria-Licht- spiele:Das Geheimnis einer Brigg".

- Auf die erste Aufführung des Büh- nenvolksbundes sei nochmals hingewiesen. Alles Nähere ist aus dem Anzeigenteil ersichtlich.

Sie Bismarck-Gedenkfeier der Deutschnati onalen Volkspartei findet am Sonnei:3t.ig den 30. März in der Turnhalle stvtt. Die Gedächtnisrede halt an Stelle des verhinderten Professors Dr. Gramzow-Berlin Herr Pfarrer Julius Werner- Frankfurt. Letz­terer steht als geistreicher und glänzender Redner hier noch in gutem Andenken.

Der Evangelische Arbeiterver- e i n veranstaltet am Mittwochabe vfr tm Marlus- faal, Kirchstr. 9, einen Famtlienabend, in dessen Mittelpunkt ein Lichtbildervortrag über das Bergische Land" stehl, jenes wichtige Stück Deutschlands, das nicht nur für die Volksgemein­schaft so bedeutungsvoll ff, sondern auch Ratir- schönheiten in großer Zahl aufweist. Der Vortrag ist auch Freunden unserer Sache zugänglich.- heres siehe Inserat.

Wettervoraussage

für Mittwoch:

Unbeftänbig, kühl, Rachtfrvst, vorwiegend nördliche Winde.

Das ostwärts gezogene Tief hat auf seiner Rückseite noch stellenweise Ried.rschläge g bracht, lieber dem Kontinent herrscht unregelmäßiger Luftdruck. Das Wetter blelot unbeständig.

Landkreis Gießen.

v Großen-Linden, 27.^z. Ge­stern abend kam in der Turnhalle ein Sing­spiel vom Deutschen Ma.d durch Kinder un­serer Schule zu wohlgelungener Aufführung. Eine ganze Anzahl von Bildern aus dem Leden des Waldes zog über die Buhne. Von ci lern ver­bindenden Text zusammengehalten, wurden sie durch Gedichte und viele mehrstimmige Chorlieder erläutert und vertieft. Die Vortragsfolge wickelte sich flott ab. Das vollbesetzte Haus spendete leb­haften Beifall, den die Darsteller und ihr Leiter, Lehrer Blaß (tünftig in Gießen), wohlverdient haben. Der stleberschuß aus den Einnahmen wird

Die Pforte der Paradieses.

Roman von Ingeborg Vvllquartz.

Berechtigte Uebersetzung aus d m Dänischen.

20. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

Rora begriff auch sofort, daß es ihre Sache sei, auf die Bemerkung ihrer Schwägerin Ant­wort zu geben. Aeußerst gefühlvoll sagte sie daher:Liebe Inger, wenn Tante Ellinor, dieser prächtige, herrliche Mensch das Geld Jens und nicht dir vermacht hat, jo ist es wohl auch seine Sache, zu bestimmen, wie es angelegt wer­den soll."

Still, still, Rora," sagte der Hauptmann, etwas unangenehm berührt von dem zurecht- weisenden Tone feiner Halbschwester.Inger hat auch das Recht, ihre Meinung zu sagen."

Lieber Jens, ich meine, Inger sollte froh fein an allem, woran du Anteil nimmst," fahr Rora mit erhobener Stimme fortEs kommt wahrhaftig nicht oft vor, daß. da ]emanb mit deiner Ansicht lästig fällst. And wenn es dir jetzt Freude macht, dein Geld so anzulegen, daß d-r selbst ein Auge darauf haben kannst, und wie es bessere Zinsen trägt, so sollte Inger sich hüten, dir diese Freude zu verderben. Das darfst du nicht, Inger, dazu hast du kein Recht." <

Frau Inger schüttelte sachte den Kops.

Liebe Rora, wir wollen diese Dache nicht in so heftiger Weise besprechen," sagte sie mit leichtem Lächeln.Ich sehe voraus, ich habe nicht nötig, dich und Jens erst noch zu versichern, daß ich es gut meine aber ich habe Tante Ellinor doch auch gekannt"

Tanke Rora winkte abwehrend mit der Hand.

Sa« wissen wir ja, daß sie, solange sie lebte, dich uns allen miteinander vorgezogen hat," ruf fte.Ich kann es deshalb recht gut begriffen, baß du etwas bei eifrig* darüber bist, daß sie dich so vollständig übergangen hat. Ader da ist ja nun nichts zu machen. Tas habe ich immer gesagt, liebe Inger, das Wahre und Tiefe trägt doch zuletzt den Sieg davon. Deshalb freut mich auch nicht tn erster Linie das Geld, sondern es ist mir eine große Genugtuung, weil mir die Erb­schaft ein Beweis ist, daß Tante Ellinor mich verstand. Aus diese Anerkennung lege ich großen Wert. Du liebe Güte, dich hat sie ja rechc gern gehabt du hast ja auch 'das oberflächlich Ge­winnende das Blendende, das die Leute sofort einnimmt, und davon hat sie sich am Anfang auch bestechen lassen. So bin ich nun gar nicht. Ich weiß recht wohl, daß ich nicht annähernd so leichtherzig und anmutig bin, weder in meinem Gefühlsleben noch in meinem Denken, wie du, liebe Anger, aber in mir ist Wahrheit und Tiefe. Zu­weilen fühlen sich ja die Menschen von mir ab­gefloßen, aber im Laufe der Zeit glaube ich doch, daß es sich lohnt, wenn man so ist wie ich."

Run, bet dieser Gelegenheit hat es dir fünf­undzwanzigtausend Kronen gebracht," lachte Orla gutmütig.

-Ach. der Junge, der Junge!" lachte Base Malwine und drohte ihm scherzend mit dem Finger hörte aber sofort auf, als sie Roras mißbilligenden Blick bemerkte.Liebste Rora, über dich habe ich nicht gelacht," erklärte sie mit den Augen blinzelnd,.lieber dich habe ich nicht gelacht nein, gewiß nicht. Ader es kam mir so drollig vor. daß Tante Ellinor dir and mir and Jen« Geld hinterlassen bat, während Inger,

einem wohltätigen Zweck innerhalb der Gemeinde zugoführt. Daneben aber steht der ideale Ge­winn, den jung unfr alt aus der poesievollen Dar­stellung des Zaubers und der Gemütswerte des deutschen Waldes mit nach Hause nehmen konnten.

S. R ö d g e n. 26. März. Das Krieger- denkmal auf dem Friedhof geht seiner Vol­lendung entgegen und soll in Kürze viel­leicht auf Ostern eingeweiht werden. Es ist eine aus Dasaltsteinen hergestellte Halle, die einen Kostenaufwand von etwa 40 000 OHL erfordert.

ne. Bellersheim 27. März. Gestern gab hier Musikdir<lltor Müller (Friedberg) ein O r gelkonzert mit sehr reichhaltigem Programm. Es wirkten dabei mit Frau Professor Paula Schaum (Mezzosopran) aus Friedberg, Frau Pfarrer Hedwig Weck (Vic-lince.lo) aus Stein­furth, Schulrerwalter Hans Fern g es (Tenor), Seminarist Ernst I l g e (Violine), Referendar Ernst Müller (Orgelbe^leitung) und der Män­ner chor ehemaliger Chorschüler aus Friedberg. Musikdirektor Müller, ein geborener Dellers- Heimer, zeigte sich als Meister auf der Orgel. Alle Vortragende leisteten vorzügliches und ver­dienen den Dank der Gemeinde. Die Vormittags- Predigt hielt .ebenfalls ein geborener Bellers- Heimer, Pfarrer Vogel aus Reichelsheim i. d. W. Pfarrer Vogel zeigte was in unserer Zeit besonders nottut, die Rückkehr zu dem, der uns zuruft: Kommet her zu mir, alle, die ihr müh­selig und belaßen seid.

* Ste inb ach, 27. März. Im Laufe die­ses Winters wurde von der Liga zum Schutze der Deutschen Kultur, deren zahlreiche Anhänger sich im vergangenen Jahre zu einer Ortsgruppe zusammengeschlos­sen haben, eine Reihe von Vorträgen abgehal­ten. Die Vorträge behandelten u. a. die neue Deutsche Reichsverfassung, Dank- und Dör- senwesen, Siedelungswesen, praktische Soziali­sierungsfragen, Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft, und die Einkommensteuer. Die Vortragsabende fanden viel Anklang und wurden rege besucht.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 26. März. Dem neugegrün- beten Verein der Kleinrentner traten Mitglieder bei. Die Leitung der Ortsgruppe übernahmen Fräulein Elise Berck und Julius Bücking. Drei hiesige Schüler der Oberreal­schule drangen in das Direktorzimmer e l n und versuchten sich die Unterlagen zu den Prüfungsarbeiten zu ve schaffen. Am hiesigen Bahnhöfe soll ein neuer Bahnsteig angelegt werden, auch ist die Errichtung einer weiteren Persononunt.-rführ-ung beabsichtigt. Die Ver­größerung des Viehmarktplatzes wurde beschlossen und soll noch dieses Jahr aus- gesührt werden. Die hiesige Schlachthos- a n 1 a g e ist das Sorgenkind der Stadt, schloß doch das Rechnungsjahr 1921 mit einem Fehl­beträge von 50 250 Mk. ab. Es ist deshalb eine Erhöhung der Gebühren von 75 bzw. 100 v. H. geplant. Dadurch würde der Fehlbetrag auf 12 000 Mk. herabgehen. Die Erhöhungen sollen mit dem I. April in Kraft treten. Die Metzger weigern sich entschieden, auf die Erhöhung ein- zugchen. - Sie Kreislehrerkonferenz für den Kreis Alsfeld findet am 31. März im Singsagle der Stadtschule statt.

Kreis LnuLerbrrch.

vr. Schlitz, 27. März. Unter außerordent­lich starker Beteiligung wurde am vergangenen Freitag' im nahen Willofs Lehrer Stephan, der in dem entlegenen Dörfchen über 50 Jahre tätig gewesen war, zur letzten Ruhe getragen. Unter Dem Trauergefolge befanden sich auch Graf Wil­helm von Schlitz und Gemahlin, Kreisdirektor von Werner und Schulrat Andres. Der Bezirkslehrer­verein Schlitz fang dem alten väterlichen Kollegen und Führer als letzten GrußLieber den Sternen wohnet der Friede". Aus all den zahlreichen An­sprachen, die am Grabe gehalten wurden, ersah man die Anerkennung und Wertschätzung, die der Verstorbene in seiner langen Amtstätigkeit als Lehrer und Pädagoge, wie auch als Mensch und Christ sich erworben hatte. Sein Andenken wird im Schlitzerland und weit Darüber hinaus in Ehren bleiben.

rr. Schlitz, 27. Marz. Kantor Bohl, der fast 30 Jahre lang den hiesigen Kirchengesangverein geleitet hatte, war beim Scheiden aus diesem Amt zum Ehrendirigenten ernannt worden. An seinem Geburtstag wurde ihm jetzt aus diesem Anlaß ein künstlerisch hervorragend ausgeführtes Ehren- diplom überreicht. Der Grast. Görtzsche Forst­meister S e e g c r brachte bei Schneewetter am Frei- tag und Samstag zwei starke Wildschweine zur Strecke.

Kreis Schotten.

ck. Gonterskirchen, 26. März. Heute fand hier die Einweihung der Gedenk­tafel für die gefallenen Krieger statt, welche von der Gemeinde gestiftet und von dem Maller

die einzige, die etwas für sie getan hat und aas der fte sich etwas machte nichts bekam gar nichts nicht einen Pfennig."

Daran kann ich nichts Lächerliches finden." erklärte Rora streng.

Es ist auch nicht lächerlich gar nicht nicht die Spurl" qafc Malwine zu,

Laßt doch Inger einmal ausreden," rief der HauptmannEs ist nicht mehr als tn der Ordnung, fraß wir auch ihre Ansicht hören."

Auf einen Wink Des Hauptmanns zogen sich die Kinder ins Eßzimmer zurück, und Malwine ging mit ihnen unter unaufhörlichen Dersicherun- gen, sie habe wirklich nicht die Absicht gehabt, lästig zu fallen durchaus nicht.

Ich weiß nicht, was du damit willst, Jens," sagte Rora und sah ihren Bruder unruhig an. Was hat es jetzt noch für einen Wert, IngerS Ansicht zu hören'!' Die Sache ist doch abgemacht."

Ist das wirklich schon fest abgemacht, daß dieser junge Mann euer Geld verwalten soll?" rief Frau Inger erstaunt.

So gut wie abgemacht," gab der Hauptmann jiLEs hat mehrere Vorteile, die wir dir noch nicht mttgetellt haben."

Mer es ist ja gar nicht notwendig, daß du mir eine Mitteilung machst, lieber Jens," sagte Inger sanft.Das Geld gehört euch, und ihr könnt damit an fangen, was ihr wollt." <

Was mein ist, das ist selbstverständlich auch dein," sagte der Hauptmann kurz.Ich sehe jetzt ein, fraß ich dich eigentlich hätte zu Rate ziehen sollen, ehe wir das Geld dem Sachwalter Flint-Jensen anbertiauicn; aber es ist altes sehr schnell gegangen.

Darum brauchst du dich nicht zu entschul-

Velten in Riederramftadt fertiggefteCLt wurde. Dieselbe ist aus Eichenholz, hat ovale Form mit einem eisernen Kreuz als Kopfsttick und Eichen­laubumrahmung. Die Einweihung erfolgte in Der Kirche. Die Feier wurde durch den hiesigen Musikverein mit dem LiedeJesus meine Zuver­sicht" eröffnet. Pfarrer Hohgraef e hielt die Weihrede und verlas anschließend unter Glocken­geläute die Ramen der 28 Gefallenen, wobei junge Mädchen für jeden derselben am Altar einen Kranz niederlegten. Die Gedenktafel wurde hierauf von der Gemeinde der Kirche übergeben und an ihren Bestimmungsort in der Rähe der Kanzel gebracht und wird dort den Rachkommen zeigen, welche großen Opfer unser kleines Dorf dem Vaterland hat bringen müssen.

Zur Abwanderung unserer Dienstboten nach dem Ausland.

Bei dem Tiefstand unserer Vullttr im Ver­gleich zu der holländischen, schweizerischen und nordamerikanischen ist der starke Drang unserer Dienstboten ins Ausland verständlich, und manche Mutter hat ihre Tochter gerne hinausgehen lassen tn der Hoffnung, daß sie vom Ausland her ihr erhebliche Mittel zur ilnterftüßung zufenden könne. Diese Hoffnung hat sich leider nur in seltenen Fällen erfüllt. Konnte auch manches Mädchen zu Anfang, wo es noch keine Anschaffun­gen nötig hatte, manchen Gulden, Franken oder Dollar ersparen, den es zurücklegen oder heim­senden konnte, fo hörte diese ilnterftüßung der Angehörigen doch auf, sobald das Mädchen sich auch nur Kleinigkeiten anschaffen mußte. Denn diese sind nicht in deutschem Geld, sondern in der fremben Valuta zu bezahlen, und bei dem starken Angebot der deutschen Mädchen bekommen diese in Der Regel nicht das gleiche Gehalt wie die landeseingeborenen Mädchen. Die S eilen werden meist durch Bekannte oder Verwandte ausgemacht. Rach den dem Deutschen Ausland-Institut vor- gelegten Briefen scheint neuerdings auch der holländische Dienstbotenmarkt ziemlich überfüllt zu sein, nachdem bereits Rorwegen und die Schweiz in ihrer Aufnahmefähigkeit deutscher Mädchen fast vollständig nachgelassen haben. Die Mädchen stellen auch meist nicht in Rechnung, daß sie als Fremde recht erhebliche Steuern und Krankengeld zahlen müssen, und daß bei einer etwaigen Aufgabe der ersten Stelle sie nicht leicht eine zweite erlangen. Damit wachsen natürlich die Gefahren für diese Mädchen, welche leicht Schwindlern und Mädchenhändlern in die Hände fallen.

lieber die Aussichten für deutsche Mädchen als Dienstboten in den Vereinigten Staaten be­richtet an ihre Eltern ein kürzlich dorthin aus- gewandertes und demnächst zurückiehrendes Mädchen:

Hier kann ich nicht auf eigenen Füßen stehen, hier ist es minder wie draußen: die Leute sind hier gefühllos, sozusagen kalt. Wenn jemand auf Besuch nach Deutschland kommt, prahlen sie so. Hier ist alles auch furchtbar teuer. Die Arbeits­losigkeit ist hier schlimmer wie draußen. Amerika ist nicht das Land, wie es gesagt wird. Auf eigenen Füßen stehen, das geht hier für ein Mädchen nicht, vor allen Dingen kann ich die Sprache nicht. Die Leute sind zu den Dienstboten so wüst, in Deutschlano tst man besser: und dann muß man die schlechteste Arbeit tun. Ich würde jedem streng abraten, hier herüberzukommen: es ist nicht mehr das Land wie früher, was man hier durchmachen muß, das ist schrecklich."

Ohne gute persönliche Beziehungen ist daher heute für ein deutsches Mädchen bei der Aus­wanderung inS Ausland größte Vorsicht geboten. Das Deutsche Ausland-Institut steht zur Er­kundung der Zuverlässigkeit der betreffenden Stelle gegen Erstattung der Linkosten jederzeit zur Verfügung.--

SchSfsengcrkchr.

Gießen, den 24. März 1922

Ein Viehhändler aus Allendorf a. d. Lda. erhielt zwei Geldstrafen von zusammen 400 M k., weil er eine Kuh gekauft hatte, ohne einen Schloch schein ausgestellt und »inert Eintrag tn sein Geschäftsbuch vorgenommen zu haben.

Im Oktober v. I. gingen ein Lokomotiv­führer-Anwärter aus Lollar und ein R e i- s e n d e r aus Bettenhausen, nachdem sie mit meh­reren anderen jungen Leuten in einem hiesigen Weinlokal 8 Flaschen Wein zu je 45 Mr. getränten hatten, in ein öffentlich Haus, wo sie nvch eine Flasche Wein zu 13 5 M k. tranken. Später zeigten sie die Inhaberin wegen Preistreiberei an. Diese erhielt eine Geld­strafe von 4 0 0 M k. (Wenn man sieht, wie manche Leute mit bem (Selbe umgehen, dann braucht man sich nicht zu teunfrem, daß alte Lohnerhöhungen für sie nicht ausreichen.)

Wegen Diebstahls eines Fahrrads, einer Uhr und eines Armbands erhiell ein bereits vorbestrafter Kutscher aus Lollar 8 Monate Gefängnis. Ein in derselben Sache wegen Hehlerei angeklagter W a - schinenschlos, er aus Klein-Linden

Ligen, Jens," sagte Frau Inger gutmütig. Sie kannte Tante Rora genau und konnte sich sehr gut Vorst eilen, wie es zugegangen war, als Meter Entschluß gefaßt wurde.Aber welch m Vorteil hat es denn, daß ihr Herrn Flint-Jensen das Geld anvertraut habt?" fragte sie und sah von einem zum andern.

Den Vorteil, daß wir selbst mehr Verfü- gungSrecht haben," rief Rora rasch.Tante El- linvrs Sachwalter, Herr Ponsin, ist einer von ten alten, vorsichtigen DcschLftSmännern, bie nichts wagen wollen und darum auch nicht» ge­winnen."

Ja, wollt ihr denn mit dem Geld speku­lieren?" fragte Frau Inger und sah ihren Mann sehr verblüfft an.

Rein, nicht spekulieren, aber etwas freiet darüber verfügen, als wir es bei Herrn Ponsm gekonnt hätten," erllärte der Hauptmann.Du weißt, Roras und mein Geld steht auf dem Haus, in dem Herr Ponsin wohnt, und nun hat uns Herr Flint-Jensen sehr vernünftig voraeschla- gen, dieses Haus zu verkaufen, was wir, wie er meint, jetzt mit Gewinn tun können."

®v hat auch schon einen Käufer," warf Rora sehr bestimmt ein.

ilnfr dann will er etwas von dem Geld nicht alles in einem kleineren Haus anlegen" fuhr fier Hauptmann fort.

llnb dieses Haus hat er wohl auch schon?" fragte Inger mißtrau sch.

3a, natürlich," erwiderte der Hauptmann und schaute mit ehrlichen, offenen Augen z i ihr hinüber.Sonst hätte er doch seinen Plan nicht so klar vorlegen können."

(Fortsetzung folgt)