Ausgabe 
27.11.1922
 
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ttnferc Währung zu stützen, würde ich o!8 einen Verbrecher am deutschen Volk betrachten. Alle Delürchtungen, das; eine Wertstcigerung der Mark für die Industrie verhängnisvoll fern koiurte. ändern nichts daran, daß wir den Wäh­rungsverfall auffeiten müssen, um den Unter­gang der Kulturschicht, die uns mechr angeht als das Kapital, zu tKnVmtem. In den Verhält­nissen im Innern ist eine BerrMgung eingetreten, so daß das Kabinett prüfen tonnte, wann In den republikanischen Dchuhgesehen, deren Annahme seinerzeit eine Rolwendigkett war, di jeirigen Bestimmungen aufgehoben wer­den könnten, die nicht der Bestrafung der Mör- Lerorgane dienen, sondern tatsächlich das Recht der freien Meinungsäußerung beschränken. In I t a l i e ir haben sich die p o l i t i s ch e n V e r- hältnisse z u unseren ilngunften ver­ändert. R i t l i, der die Sanktionspolitik gegen Deutschland bekämpft hat, hat keinen Einfluß mehr. Wir braucherr vor allem bessere wirtschaftliche Ver­bindungen mit Amerika. Die Welt war niemals weniger pessimistisch eingestellt als jetzt. Die Hal­tung des Völkerbundes in der oberschlesischen Frage war für uns die grösste Enttäuschung nach dem Versailler Vertrag. Die Aussichten auf eine Gesundung für uirs liegen in dem, was man ironisch den internationalen Kapitalismus nennt, und was ich die Verbundenheit der weltwirtschaft­lichen Interessen nennen möchte. Diese Weltwirt­schaft würde einen schweren Schlag erleiden, wenn ein Zusammenbrechen Deutschlands im Bolschewis­mus erfolgt. Die Erkenntnis dieser Gefahr in der Weltwirtschaft kann allein unseren Untergang auf­halten. Als der Weltkrieg begann, wurde Frank­reich von Deutschland nicht gehasst, höchstens Eng­land. Wenn es jetzt anders geworden ist, so liegt das nicht an dem Friedensvertrag an sich, son­dern an der Fortsetzung des Krieges nach dem Friede ns schluh. (Allseitige Zustimmung ) Es ist die Dolttik der fortgesetzten Demütigung Deutschlands, die sich ein Volk mit solcher Vergangenheit nicht gefallen lassen kann. Wir brauchen eine definitive Lösung des Reparationsproblems. Wir b i l l i- ?en das Programm des Reichskanz- ers und hoffen, das) es ihm gelingen wird, alle Kräfte zusammenzufassen zu gemeinsamer Arbeit.

Abg. Dr. Leicht (Bayer. Vpt.) bedauert, teß in dieser Stunde der Rot die Sozialdemo­kratie sich nicht dem Beispiel der bürgerlichen Partcicn angesch'osien habe, um dem neuen Ka­binett keine Schwierigkeiten zu bereiten. Dr. Breitschcid, der angeblich für den Posten des Außenministers in Aussicht genommen worden sei, habe mit seiner gestrigen Rede den Defähi- gurns achw.is nicht erb aht Dr R du er weist bann auf die von Mussolini und Poiacare auf- gestellte Behauptung bin. Deu schänd habe seinen Währungsverfall künstlich herbeigejührt. Das werde widerlegt durch das furchtbare Elend, das überall im deutschen Volke herrsche, besonders in den Kreisen, die früher als der befere Mittel­stand bezeichnt wurden. Die Wohnungsnot sei ungeheuerlich, während arterersetts bi» reichen Ausländer unbeschränkt Wohnungen in Berlin fänden. Deso.rters groß sei die Aot der Studen­ten und der freien Berufe. Jetzt müsse die Losung gelten: Erst Brot, dann Reparationen!' In dieser einsten Zeit müsse dringend vor Terror und Ge­walttaten gewarnt werden.

Von dem Kommunisten ist ein Miß - trauensantrag eingegangen, we'chr besagt, baf) die Erklärung der Reichsregierung nicht den Anschauungen des Reichstags entspreche, insbe­sondere wegen der angelünbigten Durchbrechung des Achtstundentages und wegen der zu befürch­tenden Beseitigung der Getreideumlage

tQIbg. von Gräfe (deutsch-völkisch) hält die jetzige Gruppierung der Parteien für veraltet. In xtott Lager tonne man die Abgeordneten aller Posteien teilen. Die eine Richtung, ter die Par­tien von den Sozialisten bis zu den Deutsch- nationalen angeboren, sähe die Lösung der poli­tischen Zeitfragen durch die kapitalistische Inter­nationale. Dieser Richtung stehe entgegen die völkisch-idealistische Bewegung. Das jetzige Ka­binett zeige seine Schwäche bart.i, das) es sich nicht klar bekenne als Vertretung eines neuen Kurses gegen den jüdischen Marxismus. Wenn

Giehener Sradttyeater.

Wallensteins Tod.

Don Friedrich von Schiller.

Diesten, 26. Rovember.

Die große Aufgabe, die unsere Theaterleitung mit der Aufführung desWallenstein" sich gestellt hatte, kann man nach der heutigen, austervrdent- lich eindrucksvollen Wiedergabe des Schlustteils der Trilogie, des TrauerspielsW allen- st e i n s T o d", als voll und ganz gelungen be­zeichnen. Das Schwergewicht desWallenstein" hegt in seinem Schluhteil, den Schiller selbst die eigentliche Tragödie" genannt hat. Hier sehen wir den gewaltigen Kriegsherrn in seiner über­ragen Sen Gröste tin Vordergründe der Handlung stehen, hier erlebt man schauend und mitfühlend feine schweren inneren Kämpfe mit, wird man tiefbewegter Zeuge des so unendlich tragisch aus- klingenden glänzenden Menschenlebens. Hier ist es, wo der grobe Dichter dem erhabenen Ge­samtwerke, seiner umfangreichsten dichterischLN Schöpfung, die packendste Sprache gibt, die tiefste Ergriffenheit auszulosen vermag. Wenn dieser Teil s o künstlerisch vollendet herausgebracht wird, wie es heute der Fall war, so kann man mit Fug und Recht tonftatieren, dast der grobe Wurf ge­lungen ist.

Hosvat Steingoetter, der bereits im Lager" sehr erfolgreich die Aufführung geleitet hatte, sorgte selbst dafür, dast auch der heutige Schluß teil der Trilogie In künstlerisch hochstehen­der Form herauskam. Seiner verdienstvollen Spielleitung ist warme Anerkennung zu zollen. Paul Schubert gestaltete seinen Wallenstein au einer künstlerisch recht bedeutenden Leistung, Oie er allerdings bei noch intensiverer Ein­fühlung in die Dichtung noch wett stärker hätte steigern können. An dem Ottavio Adolf Tele- khs konnte man sich wieder in bester Weise er­freuen; er wurde der von dem Dichter gegebenen Eferakterzeichnung dieser Rolle uneingeschränkt gerecht. Hans Frommann war als Wax Piccolomini am rechten Platze, er wustke seiner Rolle Hinreistende Ueberzeugungskrast zu geben. Karla Kellers THella ist wieder mtt bester Anerkennung zu nennen. Kitty Frankes Gräfin Terzky war im allgemeinen durchaus zu-

der Reichskanzler die alte Wirth-Politik fort- führen wolle und so tiefe Sehnsucht nach dem ©Intlitt der Sozialdemokraten in das Kabinett Lüste re, so könne er auf die Unterstützung der Deutschvölkischen nicht rechnen.

Abg. Müller- Franken (Soz.): Die völki­schen Verbände werden niemals den Wieder» auf Leu fördern. Wir kennen diese Verbände, die in Oberschlesien nicht Arbeit, sondern Strafen- räubevei betrieben haben. Daran must erinnert werden, weil Abg. Dr. Stre emann leider ettrrn Qlbbau der republikanischen Schuhgesehgehang fordert. Wir müssen im übrigen die Legende zer­stören, dast wir Sozialdemottalen das Kabinett Wirth gestürzt hätten. Don allen bürgerttchen Politikern war Dr. Wirth derjenige. Der ber ocr Arbeiterschaft bad gröstte Vett rauen gtrneßt Wir haben ihm auch bei der N.ubesehurrg ver­schiedener Ministerposten alle Konzessionen ge­macht. Es war nicht Dr. Wirth, der auf Die groste Koalition hindrängte. Es war auch nicht Die Deutschs Dolkspariei. Der Krisen Herd war vielmehr Inder Zentrumspart ei. Es war der von Sieger Wald geführte Zcntrumsslügel der Agrarier u.ib Industriellen, die unbedingt die Vvlkspartei in die RegiLvrng bringen wollten. Bei den De.Handlungen über die Repavationsfrage waren die Parteien durch­aus nicht so einig wie es hier dargestellt wache. Wir 'haben unbedingt an der Forderung sesthalten müssen, dast die Stabilisierung der Mark allen unteren Ma st nahmen vorausgefen must. Wtr ha­ben bet der Kabi'.iettSkrise ten Eindruck gehabt, dast man nicht aus Zufall ten Hauptstoß gegen ten Wirtschaftsmürister Schmidt geführt hat. Der die Stabilisierung der Mark betrieb. Wir hatten Wüter ten Eindruck, dast bis bürgerlichen Par­teien bie letzten Dämme ter Zwangswirtschaft nictertelfen und sie durch bie Syndikatsmonnpol- wirtschaft ersetzen wollten, bie fälschlich freie Wirtschaft genannt wird. Wir betrachten Dünnes nicht als ten schwarzen Mann. Öfter sein Ein- flust auf die Deutsche Volkspartei ist so groß, dast die Arbeiterschaft es nicht verstehen würde, wenn wir mit einer Partei Zusammengehen, in dem dieser Befürworter des Ze'hnstuntentages sitzt. Wir sehen in der Bildung deS Kabinetts keine Verbesserung des parlamentarischen Systems. Ein solcher Fall Muller wäre nicht vorgekommen. Wir werden jederzeit bereit fein, für die deutsche Re­publik zu wirken. Wir erkennen an, dast die neue Regierung auf dem Boten der Weimarer Ver­fassung steht, and dast ihr Männer angehören die, um mit Herrn Stirmes zu reden, diskontfähige Untergriffen haben. Wir hoffen, test es tem Kabinett gelingen wird, das Programm zur Stüt- zu ig ter Mark durchzuführen. Wir werten alle schritte der (Regierung in dieser Richtung unter­stützen und im übrigen den D)den der sachlichen Opposition nicht verlassen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialisten.)

Ein Antrag Petersen auf Schluh ter Debatte wirb gegen die Kommunisten angenommen.

Abg. Sollmann (v ) erklärt ii einer per­sönlichen Bemerkung, er habe in der gestrigen Defprcchrng teiin Reichsjustizminister Dr. Heinze keineswegs feine Vorwürfe gegen Dr. Müller zurückgenommen, und dieser bäte keinen ter Vor- loürfe widerlegen tonnen. Dr. Maller habe viel­mehr zuqegebm, dast In seinem Aktionskomitee einige Mitglieder bie LoSlösung ter Rheinlande vom Reich propagierten, dast er aus dem Aktions­komitee ausgeschieten sei, aber keinen ter ihm fetannten Verschwörer dem Strafrichter über­geben habe.

Die Abstimmung.

Rach erregter GeschaflSordnungsdebatte wird beschlossen, über bas kommunistische Misstrauens­votum zuerst abzustimmen.

Ein kommunistischer Antrag auf namentliche Abstimmung wird nicht ausreichend unterstützt. In einfacher Abstimmung wird das Miß­trauensvotum gegen die Stimmen der Kom­munisten und ter Unabhängigen abgelehnt.

Der demokratische Vertrauensan­trag wird gegen die Kommunisten und die Deutschvöllischen angenommen.

Rächste Sitzung Montag nachmittag 2 Uhr.

frietenstellend, nur am Schlüsse hätten wir ten Ausdruck ihrer Leidenschaftlichkeit und ihrer düsteren Ordnungen gerne noch etwas stärker herausgearbeitet gesehen. Der Terzky Georg H e d i n g s verdient volles Lob. Oskar Feige! als Illo hat sich berechtigten Anspruch auf big gleiche Wertung erworben. Karl Juhnke schuf einen ganz prächtigen Buttler. Karl V o l ck als Oberst Wränge! und Rudolf Goll als Isolani führten ihre Qlufgaten in gewohnter künstlerischer Vollendung durch. Auguste M a r ck s züHnete khre Herzogin von ßfdeblanb auch diesmal wieder mit ter ganzen Innigkeit ter Frau und Mutter aus und sicherte sich ba< durch einen guten Erfolg. Paul Mehnert - Deni, Hermann Steingoetters schwe­discher Hauptmann und Heinz B e ch st e i n als Kürassier, sodann als Gordon verdienen volle Anerkennung. Die übrigen Personen aller Mit- wirkunasgrate erfüllten ihre Obliegenheiten in glücklicher Weise. Der trefflichen Inszenierung möchten wir noch ein ganz fesonderes Wort ter Anerkennung widmen.

Das nahezu ausverkaufte Haus dankte den Künstlern mit starkem Beifall. Cs ehrte dadurch die hervorragend gute Ausführung in sehr be­rechtigter Weise. Bedauerlicherweise muh man einem erheblichen Teil des heutigen Publikums eine Ermahnung geben. Die Theaterleitung hatte in entgegenkommender Weise ten Wünschen nach früherem Beginn ter Vorstellung Rechnung getragen, um ten auswärtigen, auf die Zugver- blnbung angewiesenen Besuchern die Möglichkeit zu bieten, ter Vorstellung bis zum Schluh bei­wohnen zu können. Die halbstündige Vorverlegung des Dorstellungsbeginnes hatten aber viele Be­sucher trotz mehrfacher Veröffentlichung gänzlich unbeachtet gelassen, und so kamen sie nun wahrend ter ersten beiden Aufzuge einlaßfegehrend an, betraten geräuschvoll den Saal und verdarben denen, die pünktlich gewesen waren, den Genuß. D i e Herrschaften, die sich in dieser Weise schuldig machten, mögen nächstens etwas mehr Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen. Wir meinen, bei einiger Aufmerksamkeit und bei etwas gutem Willen durste es nicht schwer sein, wenigstens j an Sonntagen, wo keine geschäftliche Behinderung in Betracht kommt, pünktlich zu sein. Dm I

Aus Stadt und Lano.

©leben, ten 27. Rovember 1922.

Eine würdige (Kl)rnng nnfcrct gefallenen Krieger fand am gestrigen Totensonntagmittag auf tem Friedbose statt. Düster, wie die Bedeutung des Tages, der Himmel, ernst und gesammelt die Menschheit. die sich dort oben auf dem Hügel vor ter Stadt versammelte, um in Wehmut der teuren Toten zu gedenken, die in dem groben Kriege ihr Leben hingegeben haben für die Sicherheit ihrer Lieben und für das Vaterland in feiner Ge­samtheit.

Die militärischen und sonstigen Vereine, eine Abordnung des Bataillons des Ins -Rgts. Rr. 15 und die Studentenschaft in Wichs hatten in grobem Viereck unter Mi suhrung zahlreicher Fahnen mit Trauerflor Aufstellung genommen, und viele Tau­sende von Mitbürgern beiderlei Geschlechts und aller Altersstufen hatten sich darum gesammelt. Weihevolle Stimmun.g ffefcelte alle, kein lautes Wort war hörbar, vom Himmel sprühte feiner Schnee und kalt wie ©rabcdluft blies der Wind. Totensonntag-Stimmung. Leise, wie aus weiter Feine hörte man die ersten Klänge ter Choral- musik, sie schwollen an und dann erto ite ter feier­liche Gesang: »Wir treten zum Beten", vor­getragen von einem Militär-Sängerchor mit Be­gleitung der Militärkapelle unter ter Leitung des Obermusikmeisters Gober. Hierauf hielt Prof. Hans Schmidt, ein Mitkämpfer des gr oben Krie­ges, die Gedächtnisrete, in ter er die gewaltige Gröhe des Opfers der gefallenen Brüder ernst mahnend ten Lebenden vor Augen hielt und auf­forderte, stets und überall dieser Brüter in Liebe und Treue zu gedenken. Rach dem Gesänge eines Vereinigten Sängerchors: »Wie sie so sanft ruhn", erfolgten bei gesenkten Fahnen und dem im zar­testen Picvio gespielten Liete: »Ich hall' einen Kameraden" zahlreiche Kranzni^>erlegungen, imb zwar vom Beigeordneten Dr. Frey für ten Reichsbund ter deutschen Kriegsgräoerfürsorge, von Oberstleutnant Fett für das Inf.-Rgt. 15, von Pfarrer Becht ois Heimer für die Evang. Kirchengemeinte, von Rabbiner Dr. Sander far die Israelitische Gemeinte, von Rektor Prof. Dr. Eger für die UniDcrfität, von Studienrat Prof. Dr. K r ä m e r f ür bie Vereinigten Militärvereine und von Sekretär Denner für ten Reichsbund ber KriegsbeschB'.gten und Äriegerljnteibl ebe ei. Mit ten feierlichen Klängen desJesus meine Zu­versicht". klang die sehr eindrucksvolle Fe Er gegen 1/21 Ähr auS.

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♦♦ Amtliche Personalnachricht en. Ernannt wu den: am 16. Rovember ter Iustiz- insp.ktor bei tem Amtgericht Bad-Rau eim Odo Weih zum Zustiz-ncspek-vr fei tem Amts^e bchi Friedberg, ter Iu'üzinspeltor Karl Kling in Butzbach zum Justiz insV'ktor bei dem Amts­gericht Bad-Rau heim: dec Landgericht Zr-tt bei tem Landgericht ter Provinz Ober ,e fei Richard Schudt in (Sieben zum Oterlandesgerichls- rat bei dem OterlanteZgericht in Darmstadt: am 17. Rorember ter AmtLrich'er bei te n Amts­gericht Gießen Amt.gerichtZrat A>oti Meyer zum Landgerichtsrat bei tem Landgericht ter Srovinz Oferhc-ssen, ter Amtsrichter bei dem mtsgericht Lich Antkgeriht rat Wil elm Brücke l zum Amtsgericht?rat bei tem Amts­gericht (Sieben, und ter Amtsrichter bei tem Amtsgericht (Sieben Amtsgerichtsrat Emil W i l - lenbü che r zum überplanmäßigen Landgerichts- oat bei tem Landgeincht ber Prvv. Oberchessen: am 20. Rovember die Daupraltikanten Wilhelm Hübner au3 Langd, Karl Ieckel aus Gedern und Joses Konrad aus Dingen zu Oberbau­sekretären: am 22. Rovember Regier-ungsrat W e i s e l in Schotten (Finanzamt) zum Obeiregie- rungsrat unter Versetzung zum Lande Zfinanzamt Darmstadt: Steurrsekretär Karl O to Willi Kleid 0 w bei der Oderfinanzkasse Darmstadt zum Obersteuersekretar: Zvllobecwach'mrister Karl Ewald zu Worms zum Zoll- bet ciebsassistenten beim Hauptzo limt Worms: am 23. Rovember die Krankerckassengehilsen Georg Graf zu Darmstadt und Heinrich Wolf zu Darmstadt vom 1. April 1922 an zu Oferassi- stenten bei tei staatlichen Detriebskrankenkaste: am 24. Rovember Steuersekretär Paul L i n g - not fei tem Finanzamt Reichsschahverwalt ing in Darmstadt zum Ob.ufteueijefretär; Steuerbe- triebsdiätar Adam Eckhard bei der Obers inanz- kasse Darmstadt zum Stcuerassistenten: die Zoll­assistenten Konrad Lippert in Gi:ben (Haupt­zollamt) und Philipp Reinhard in Friedberg zu Zollsekretären. Entlassen wurde am 16. Ro­vember ter Kriminalkommissar bei ter Staats­anwaltschaft Darmstadt Wilhelm Derz auf sein Rachsucben aus dem Staatsdienst. In den Staatsdienst übernommen tourte am 22. Rovem- ter ter Forstwart ter Kommunalforsttoartei Steinbach, Oberförsterei Schiffenberg, Karl Her­bert zu Steinbach vom 1. Rovernter 1922 ab unter ter Amtsbezeichnung .Förster".

** Eine Stadtverordnelenfit- zung findet am Freitag nachmittag 4 Acht im Stadtverordneten-S hungSsaalr statt.

** Erhöhung von Eisenbahn- Rebengebühren. Als Mindestfracht für Reisegepäck werten ab 15. November 40 Mk. erhoben. Der Preis für Fahrradkarten betragt ab 1. Dezember 30 Mark.

* Ermäßigung der Margarine­preise Die nieterrheinischen Margarinefabri­kanten haben die Verkaufspreise ermäßigt, und zwar diesmal um 6578 Mk., so daß ter Groß­handelspreis für die billigste Sorte 850 Mk. und für die beste Sorte 1007 Mk. pro Pfund beträgt Diebstahl imWäschegeschäft. In der Nacht zum vergangenen Samstag wurden aus einem Wäsche» undHerren-- artikelgeschäst in hiesiger Stadt mittels Ginsteigens ein großer Posten Herrensocken, mehrere Dutzend Garnituren Hosenträger und Sockenhalter, mehrere Dutzend weiße Sport- und Stehumlegekragen, Größe 37, eine grö­ßere Anz-ahl Ober- und Normalhemten, ge­fütterte Lederhandschuhe, W ldlederhand- schuhe, und einige Dutzend Selbstbinder im Gesamtwerte von mehreren Hundert­tausend Mark von noch unbekannten Tä­terin gestohlen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.

Der erste Schnee In diesem Winter nxir gestern in der Mittagsstunde bei kaltem Winde hier zu verzeichnen. 3m Verlaufe des Nachmittags und tes Abmds wurde ter am Mittag sachte gekommene Winterbote durch Re­genfälle toieter verdrängt. Heute früh halle die Mutter Erde jedoch ein zartes weißes Gewrnd angelegt und "gegen 10 älhr setzte bei einigen Kältegraden erneut feiner Schneefall ein. Wenn mit diesem WttterungsMech'el die Kvhlenfcage in Liebereinstimmung zu bringen wäre, tonnte es ja gefen, aber so . . .

* Eine hochherzige Spende. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Gießen, spendete ter Ortsgruppe Gießen tes Reichsvcrbantes deutscher Kriegsfeschädigter und Kriegerhinterbliebenen zur Weihnachtsbescherung den Betrag von 10 000 Mark.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag. Stadttheater, 7 älhr. «Der Herr Senator". Astoria-Lichtspiele, ab heute:Äömigoeb, ter große ilnfefannte, undDie, die Lieoe suchen". - Lichtspielhaus, Bahnhofstraße ab heute:Der Gras von Monte Christo":Sie ToÄNhand", Er im Hause des Schreckens" undAusnahmen rom Leipziger Arfeiterturnsest". Palast-Licht- spiele, ab heute:Ihr schlechter Ruf" undAlexan­der ter Große".

Aus dem Stadttheaterbureau. Es sei nochmals auf das heute abend 7 älhr be- güinente Gastspiel Carl William Büller alsDer Herr Senator" hingewiesen. In wetteren Hauptrollen sind beschäftigt die Damen M a r ck s, Rubner, Iven (für das erkrankte Fräulein Türk), Keller, sowie die Herren L e u t h e i s e r, B e ch st e i n und Feigel, ter auch für die Spiel­leitung zeichnet. Am Dienstag kommtDoktor Klaus" mit Büller als Kutscher Lubvwski zur Darstellung, in tem fast das gesamte Schauspiel- personal beschäftigt ist. Spielleitung Karl V 0 l ck.

Wettervoraussage

Vorwiegend bedeckt, Schneefälle, Frost, Nord­wind.

Das gestern über ter Ostsee lag ernte TiH zieht nach Osten ab. Das westlich England ruhende Hochdruckgebiet gewinnt verstärkten Ein­fluß auf unsere Wetterlage. Es wird fälter, doch ist mit Aufklärung nicht zu rechnen. Heute morgen tourten folgende Temperaturen gemessen: Gießen4, Darmstadt4, Lauterbach 6 Grad.

Kreis Schotten.

* Schotten, 25. Nov. Der Haus­haltsplan für 1922 ist in ter letzten Ge- meinteratSsitzung verabschiedet Worten. Er schließt mit 3 360 000 Mark (1921: 732 540 Mk.) ab. Unter Berücksichtigung ter voraussicht­lichen Rückvergütungen tes Reiches bleiben noch 720 000 Mark zu decken, die durch eine Umlage auf Gebäude, Bauplätze, Gewerbe und landwirtschaftlichen Grundbesitz erhoben werden sollen.

Kreis Friedberg.

fpd. Bad-Nauheim, 26. Nov. Die Polizei ist augenblicklich mit ter Feststellung der Todesursache eines hiesigen jun­gen Mädchens beschäftigt, das an dem 2ll>end seines plötzlichen Todes, am 14. No­vember, von Gießen nach hier gefahren und abends zwischen 7 und 8 Llhr mit einem Herrn in der Ludwigstrahe gesehen worden war. Wo sich das Mädchen zwischen der Ankunft deS Gießener Zuges abends 6.20 und 7 Uhr, dem Zeitpunkt des Zusammentreffens mit tem un­bekannten Herrn, aufgehalten hat, konnte bis­her nicht ermittelt werden. ES hantelt sich, derBad-Nauheimer Zeitung" zufolge, um ein Frl. A n n a H u t h.

Der Darmstädter Landsriedensbruch vor Gericht.

rm. Darmstadt, 25. Nov. Vor ter Darm­stadter Strafkammer tourte heute die zweite Gruppe der wegen Landfrietensbruchs, Haus- frietensbruhs, Sachfefchädigung, Mißhandlung ufto. Angeklagten abgeurteilt, die nach dem De­monstrationszug am 27. Juni d. I aus Anlaß tes Rathenaumordes sich schuldig machten. Dies­mal sind es 16 Angeklagte, von denen einer, der 20 Zahre alte Schlosser Ludw. Bauer au- Rieter-Deerbach, abgetrennt und mtt den anderen Angeklagten abgeurteilt wird, da noch verschiedene Zeugen gehört werden sollen. Den Vor-sitz führt wieder Landgerichtsdirektor Dr. Stein, auch das Richterkollegium ist dasselbe, ebenso der Vertreter ter Anklage, Staats­anwalt Dr. Langenbach. Die heute An­geklagten sind hauptsächlich beschuldigt, sich an der Zusammenrottung in tem Anwesen tes Abg. Dingeldey und an dessen Mißhandlung und Bedrohung beteiligt ya haben. Es kommen be­sonders zwei Jugendliche, ter 17 Jahre alle Kammacher Jakob Wedel aus Oberramstadt. sowie ter 15 Jahre alte Spenglerlehrling Geora Gautner aus Seeheim in Frage, welche nach ihrem eignen Geständnis sich an der Mißhand­lung Dingelteys betcUigt Hafen. Einige der An­geklagten leugnen ihre Teilnahme oder versuchen wieder ihre früheren AuZsagen afeuschwächen. Hier kam auch zur Sprache, daß sich einer der Hauptbeschuldigten, Kindinger, im Hnter- suchungsgefängnis erhängt hat.

Als erster Zeuae ntirte ter Abg. Ding et- dey vernommen, der in einfachen, aber über» zeugenden Schilderungen ein lebendiges Bild der tief betrüblichen Vorgänge jenes Tages gibt Während bei früheren Demonstratwnen die Um­züge sich ruhig an der Wohnung oorüterfewrg- ten, schien es Anfangs, als ob die Strafe, in der­er toc'bnt. diesmal verschont bleiben sollte, bis plötzlich Stimmengewirr, Geschrei ufto. au die Ofrren ter beim Tee sitzenden Familie D. drang, worauf alsbald die H<ruZtüre verriegell und ge­schlossen wurde. Sie tourte mtt Gewalt von ter Menge eingeschlagen. Run begab sich die Fa­milie in die oberen Räume, während das Per-

Heutiger Stand des Dollars

10 Ubr vormittags:

Berlin 7400, Frankfurt a. M. 7450.

DEQEA-SDARGLUHKOnPER

VERBÜRGEN LAUT WISSENSCHAFT­

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