Ausgabe 
27.11.1922
 
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Tonal versuchte, bte AnwesenHeit DingelvehS $n «bcrleugnen, da toitbe Rufe alter QLrt Laut tour» ben. Dies half aber nichts, so dah der Bedrohte den Arbeitern «tilgegentrat, woraus die ruhigeren Glemeirte ihn au forderten, nur ein Hoch auf die Republik vom Fenster aus o-uZzu bringen, worauf sich die Menge beruhigen toürbe; er habe sonst nichts zu be­fürchten. Inzwischen waren aber schon fast alte Scheiben ein geschlagen worden und toir eine Menschenmenge von wenigstens 3000 auf der Stvahe und dem Hol versammelt. Schon nach den ersten Worten Dingeldeys, die etwa lauteten:Fluch jeder Gewalttat! Wir wol­len im Frieden leben mit dem Volke! Wir sind alle aufeinander angeiuMen! wurde der Redner durch wüstes Geschrei unterbrochen, die Menschen drangen in immer gröberen Scharen in das Heus, da onfebetneub die radikaleren Elemente die Kleber- Hand gewonnen hatten. Schimpfworte aller Art, wieMörder", .Rauh mit ihm", und De- orohungen wieRache' usw. ertönten. Obwohl ver­schiedene ältere Arbeiter versuchten, persönliche Angriffe abzuwehren, so das) zwischen ihnen und den Aadauelementen ein Kampf entstand, waren diese dem Ansturm nicht gewachsen. Run begann man im Schlafzimmer die Einrichtung zu demo­lieren. Für den Bedrohten Dingeldey gab es jetz. nur zwei Möglichkeiten, da auch seine Frau aus das schwerste bedroht wurde, entweder im Haue mit seiner Familie box härtesten Gewalttaten aus­gesetzt zu sein, ober mit auf die Strafte zu gehen unb sich dem Loben der wilden Menge zu fügen. Er entschloh sich im Interesse sei­ner Angehörigen zu dem letzteren Schritt, einer- lei. welche Folgen entstehen könnten. Schon auf der Strafte aber wurden die ihm gut gesinnten Elemente auf die Seite gedrängt unb er mit Schimpfworten, Drohungen unb Schlägen auf den Kops traktiert. In bem furchtbaren Gedränge wurde fortmarschiert und wurde nun dauernd auf ihn ein geschlagen. Ein besonders gefährlicher Bursche war der obenerwähnte Kindinger (durch Selbstmord geendet), der ihm immer wieder mit der Hand an den Hals unb in den Kragen fuhr und versuchte, ihm die Luft abzuschnüren. Es wurde ihm bann eine rote Fahne in den Arm, gedrückt, und so tarn er eingepfercht unter bauern­den Faust schlügen, Stöben aller Art durch die Hemrichstraye in die Wilhelminenstrabe. Dort versuchte man, ihn an einem Baum aufzuhängen: daS schon angebrachte Waschseil war aus der Be­hausung Dingeldeys mitgenommen worden. Einige vernünftige Arbeiter schoben den schon halb Ohn­mächtigen über eine Mauer in den Merckschen Tarten, um ihn der Menge zu entziehen, doch drängte sofort alles nach. Man schob ihn in der dortigen Villa auf eine Veranda: hier versuchte ein Arbeiter Ziegs durch eine Ansprache auf die Masse beruhigend zu wirken, wurde aber als­bald durch feine Gegner übertönt. Es flogen Steine, Blumentöpfe usw, ein Arbeiter, der versuchte D. vor Mibhandlungen zu schützen, wuide dabei aber selbst verletzt. Als es plötzlich hieb, »die Polizei kommt", kam Bewegung In die Menge, der Zug ging weiter nach der <5aal- baustrafte, wo etwa 25 Mann Schutzpolizei auf einem Lastauto standen. Die Polizei wurde durch die Menge zur Seite gedrängt, zu Boden ge­stoben, es ging weiter, angeblich nach der Kaserne der Schutzpolizei. Hier hatten die roheren unb radikaleren Elemente anscheinend die Oberhand gewonnen, denn die Polizei wurde völlig m t allen walt abgedrängt. Die Mibhandlungen mit allen möglichen Gegenständen nahmen dauernd zu Man kam nun nach dem Marienplah. Hier brachten ihn wieder einige besonnenere Elemente in ein Haus der Riedeselstrabe, dort wurde er über eine Mauer gehoben, unb nun kam man In die Sandstrabe. Man wo^te ihn rasch nach dem Polizeiamt in der Hügefttrahe bringen, doch war D. durch die Mihhandlungen und die Erregung so matt ge­worden. dah er nicht mehr gehen konnte. Man brachte ihn nun in ein Haus der Hügelstrabe und führte ihn in die im oberen Stock gelegene'Uöofynung -rnes Arbeiters Jost, dessen Frau ihn alsbald abwusch und zu stärken versuchte. Sehr bald aber hatte die Mcute seinen Aufenthalt ausgekund­schaftet, man stürmte die Wohnung, und nun muhte er wieder im Zuge mitmarschieren. Hier wurde er dann mit einer Mauserpistole bedroht. Auf der Strafte wurde er von jugendlichen Ele­menten aller Art wieder auf das gemeinste be­schimpft, bedroht und getreten und so nach und nach weiter durch die Saalbau-, Glisaöethen- stvabe bis zum Marktplatz geschleppt. Von da auS ist das Erinnerungsvermögen D.'s ge­schwächt, »<r Weib nur, dah ihn junge MenscAn schlugen, ihm in das Gesicht spuckten und ihm eine grobe Qual bereiteten. Er hörte dort, Lab die Parole ausgegeben war, ihn an einem La­ternenpfahl aufzuhängen, während er weiter mit Luftpumpen, Holzbeilen und allen mögliche Werkzeugen geschlagen wurde. Er frug sich wv er denn die physische Kraft zu den ganzen Mibhandlungen schauderhaftester Art her- genommen habe. In diesem Augenblick kam eine kleine Menge Polizisten aus dem nahen Po­lizeirevier, die ihn kurzerhand aus der Gewalt der anscheinend etwas verblüfften jugend­lichen Elemente, deren Widerstand etwas gelähmt war, entrissen und ihn nach dem Revier brachten. Don Interesse ist die weitere Schilderung Dingel- unb die Polizei ihn notdürftig reinigte, das Blut deyS, daß jetzt, als er hier auf dem Boden lag von seinem unkenntlichen Gesicht abwusch unb ihn notdürftig verband, der Redakteur Geihlinger des hiesigenVolksfreund" und der Vorsitzende Horn des Sozialdemokratischen Vereins erschienen und ihm ihr Bedauern aussprachen. Unter ihrer Führung konnte dann das Krankenauto den schwer Mißhandelten ohne weitere Störung nach dem Krankenhaus bringen.

Auch die Ehefrau Dingeldeys schilderte noch in kurzer Weise die schwer.- Gefahr, in der sie durch die rohe Menge verseht war.

Durch dte Zeugenaussagen gelten die meisten Angeklagten für überführt.

Der Staatsa n wa 11 wendete sich zu­nächst gegen die in beiFrankfurter Ze i - t u n g enthaltene Auffassung, als ob es sich um Ausschreitungen jugendlicher Raufbolde handle, cs handle sich hier vielmehr um recht tief liegende Vorgänge, die man nicht abschwächm könne ba- durch das) man glaubt, auf die Fül/nng eines Hysterischen Frauertzimmers Hinweisen zu können. Rur durch einen Zufall fei ein Mord an dem Abg. Dingeldey verhütet worden: besondere Der- uiti-ilung verdiene aber die Mißhandlung Dm- geldeys: selbst mit einem Tier auf der ©trab« 'habe man mehr Mitleid.

Rach den Plädoyers der beiden Anwälte Stadel unb Dr Garnier wurde nach ein­einhalbstündiger Beratung das Urteil gefällt.

Der Vorsitzende erläuterte nochmals die Kennzeichen des Landfriedensbiuches, unb sagte bann, leider sei es nicht möglich, alle, die daran teilnahmen, vor den Richter- zu bringen. Ötraf- erschwerend wirke die ungeheuerliche Verfehlung gegen die sonst im ganzen Lande herrschende Ord­nung. Cs komme auch die höchst bedauerliche Tat­sache in Frage, dah die Führer die Menschen wohl in gröbter Ordnung z u der Demonstration führten, aber es nicht mehr fertig brachten, sie auch nachHausezu bringen. Sie haben durch die Duldung des Tragens der Revolutionsabzei­chen aller Art, wie Galgen, ebenso wie durch die Sturmangriffe aus die Presse und mit dem Aufruf zur Mobilmachung, recht erheb» licheSchukd an den Vorkommnissen, da hierdurch besonders die jugendlichen Elemente aufgehetzt wurden. Richt zum wenigsten ist aber nach der Ansicht des Gerichts die Polizei (nicht der einzelne Mann) an den Vorkommnissen schuld, da sie es nicht verstand, rechtzeitig die Macht und Kraft zu handhaben, um mit Energie rechtzeitig die Menge zu zügeln Dies ist ein Hauptgrund, weshalb die Strass so mild ausgefallen jst. Auch in den Umzügen müsse der Ernst der Zeit gewahrt bleiben, durch diese Abzeichen aber werde die Demonstration in Lächerliche gezogen. Leider stehen nur die minder Schuldigen vor Gericht.

Das Urteil lautete: Richard Werner, Schlosser aus Dberstadt, 22 Jahre alt, 1 Jahr 2 Monat Gefängnis, ab 2 Monate Haft. Kamm- nWKbzr 3at. Wedel, 17 Jahre alt, aus Ober- ramftabt, Laglöhner PH Kriechbaum, 19 Zahle, aus Cberstadt, Installateur Jakob Schmidt, 22 Jahre, aus Riederbeerbach, Tag- löhner Christian W i 11 m a n n. aus Eberstadt, je 10 Monate, Jak. Strauch Fabrikarbeiter aus Hahn bei Pfungstadt, und Franz Volk, Hilfs­arbeiter. 19 Jahre alt, aus Schifferstadt, wohn­haft in Darmstadt, je 9 Monate Gefängnis. Ze 6 Monate erhalten: der 15 Jahre alte Spengler- lehcling Georg ßautner aus Seeheim und der 19 Jahre alte Hilfsarbeiter Jakob Hinter- m e h e r aus Eberstadt, 5 Monate der 23 Jahre alte Zimmermann Hch. Germann aus Messel, sowie der 20 Jahre alte Fuhrmann Phil. Ger­hardt in Da rmstadt, 4 Monate der 19 Jahre alte Wilh. 01 e 11 e r. Schreiner in Gundern- hausen. und der 20 Jahre alte Spengler Friedr. Mangold m Eberstadt. Die Angenagten Hch. Schneider, Schlosser aus Pfungstadt, sowie der Former Gg. Eastritius werden mangels Beweises freigesprochen.

SpieLplan der frankfurter Theater.

Opernhaus. Dienstag 28. Rov.: Rigo- letto. Mittwoch, 29: Cavalleria rufticana. Hierauf Der Bajazzo. Donnerstag, 31: Boccaccio. Freitag. 1. Dez.: Die verkau.te Braut Samstag, 2.: Martha. Sonntag, 3.: Die Frau ohne Schat­ten. Montag, 4.: Königskinder. Dienstag, 5.: Die 3au5erflöte. Mittwoch. 6 : Doris Godunow. Schauspielhaus. Dienstag, 28 Rov.: Die Weber. Mittwoch, 29.: Des Esels Schatten. Don­nerstag. 30.: Hannibcll. Freitag. 1. Dez.: Mohren­wäsche. Samstag. 2.: Iphigenie auf Tauris. Sonntag, 3 : Machm. 3V2 Uhr: Alt-Heidelberg. Abends 7l/e äLhr: Mohrenwäsche. Montag. 4.: Die Weber. Dienstag. 5 : Heber unsere Kraft. Mittwoch, 6.: Mohrenwäsche.

Vermischtes.

Em Künstlrrstrrik?

Berlin, 26. Rov. Da bei den gestrigen Verhandlungen zwischen dem Präsidium des Bühnenvereins und dem der Bühnen- genossenschast eine Einigung über die Sätze der Gagen nicht erzielt werden konnte, hat die Genossenschaft den Streik prokla­miert. ES wurde jedoch in einer Anzahl Theater gestern abend noch gespielt. Die Ver­handlungen werden heule fortgesetzt. Man nimmt an, dah die Berliner Bühnen gröhlen- teilS den Betrieb aufrechterhalten können, da viele Berliner Schauspieler mit den Gagen zu­frieden sind.

354 000 Mark geraubt.

Berlin, 26. Rov. DieVoss. Ztg." mel­det auS Halle: Auf der Blankenhainer Bahn wurde aus einem verschlossenen Post­wagen, der eine besondere Begleitung nicht hatte, ein Po st beutel mit 354 000 M k. geraubt.

*

* Fords Glaubensbekenntnis. Der Automobilkönig Henry Ford, der nach den neuesten Schätzungen seines Vermögens jetzt der reichste Mann der Welt ist, hat in einem soeben erschie­nenen BuchMein Leben und Werk" seine Er- fahrungen und Anschauungen niedergelegt.Kraft und Maschinen, Geld und Güter," so schreibt er

darin,rtno nur mfotoett nutzbringend, als sie uns das Leben lebenswerter machen: sie sind nur Mit­tel zu diesem Zweck. Ich z. D. betrachte die Ma­schine!», die meinen Ramen tragen, nicht einfach als Maschinen. Wenn sie nur das wären, würden sie für mich nichts bedeuten. Ich nehme sie als den sichtbaren Beweis für die Durchführung einer be­sonderen KeschäftSauffassung, die in die Zukunft schaut und die Welt zu einem Ort machen läfjt, aus dem man besser leben kann. Alle Industrie empfängt ihren Fortschritt von besserer Organi­sation und Einrichtung." Ford ist ein grimmiger Feind jeder Form von Verschwendung. Spar- methoden erscheinen ihm als der Schlüssel zu jedem giohen geschäftlichen Erfolg. Diese Idee lebt in ihm feit feiner frühesten Kindheit die er auf einem Landgut verbrachte.Meine frühesten Erinnerun­gen," schreibt er,bestehen darin, dah ich den Ein- drua gewann, es würden viel zu viel Mühen a if= gewendet im Vergleich mit den Ergebnissen, und das ist auch heute noch meine Anschauung von der Landwirtschaft. Selbst als ich noch sehr jung war, ahnte ich schon, dah sich Vieles auf eine bessere Weise einrichten liehe." Ford behauptet, dah sich jede Kraft nützlich verwenden läßt, und dah diese Ausnützung aller Kräfte das Wich­tigste ist für die Besserung der Lebensbedingungen. In feinen Fabriken werden selbst die Krüppel und die Dlindcn beschäftigt, und sie erhalten ebensoviel Lohn wi: tte g sunden Ackeiter In einem Kapital, das überschrieben istWarum arm sein?", sagt er über die Zeitverschwendung bei Saisonarbeiten: Man ne'yrne das Bau Handwerk als ein Beispiel. Was für eine Derschaxmdung an Kraft ist es, dah der Maurer während des Winters nichts tut. Aehnlich ist es mit dem Qandmann. Wenn der ßanbmann in der Fabrik arbeiten würde und in den Jahreszeiten der Siat und Ernte, die nur ein kleiner Teil des ganzen Jahres sind, sich der Land­wirtschaft widmete, und wenn der Maurer von der Fabrik zu seiner Saisonarbeit ginge, wieviel besser würde bann alles sein? Angenommen, wir würden alle nur einen kleinen Teil des Jahres arbeiten, wie sollte dann die Welt bestehen? Wenn alle Menschen alle ihre Kräfte einsehen wurden in richtiger Organisation, dann gäbe es keine schlechten Zeiten, keine Rot unb keine Armen."

* Kompromittierender Beifall. Von einem schwedischen Schauspieler, der mit Applaus nicht verwohnt war, wird inReclams UniDerfum eine lustige Geschichte erzählt. Er kam auf den klugen Gedanken, seine Kinder, von denen er neun besah, im Beifallklatschen unb Bravorufen auszubilden, unb sie brachten es halb zu vorzüg­lichen Leistungen. Voller Freude nahm er die Schar eines Abends in das Theater mit. Kaum aber war seine grobe Rede im ersten Akt zu Ende, da ertönte es von der Galerie herab im lautesten Schreien, von rasendem Klatschen begleitet:Bravo Papa, bravo Papa!"

Handel.

Berlin, 25. Rov. Börsen st immun gs- bi 1 d. Dir Zweifel an einem schnellen und gün­stigen Ergebnis der Brüsseler Konferenz haben kaum eine Verminderung erfahren, und Demgemäß ei hielt sich die feste Stimmung am Devisenmarkt. Die Umsätze hielten sich aber bei der Unsicherheit der politischen Lage in engen Grenzen. Eine im Verlaus einsehende leichte Ermattung erwies sich als nicht stark genug, um eine wesentlichere Herab­setzung der hohen Devisenkurse zu bewirken.

Frankfurt a. M.» 25. Rov. Bör sen­kt i m m u n g s b i l d. Wie üblich am Sonnabend war die Börse heute geschlossen. Es wurden nur Devisen und Roten notiert. Die Kurse der aus­ländischen Zahlungsmittel waren etwas höher. Der Dollar wurde anfangs 7300 genannt, ging aber später auf 7125 zurück. An der Börse wurde er mit 7225 bis 7240 genannt. 3m Effektenverkehr wurden heute meist höhere Kurse genannt. Zell­stoff- unb Schifsahrtsaktien zogen an. Stärkere Rachfrage bestand auch für Montanpapiere. Gröhe Aufträge lagen für Kassa-Jndustriepapiere vor. Unter den Slektrizitätspapieren fanden QL E. G. größere Beachtung. Auslandsrenten lagen ruhig, aber fest. Auch für unnotierte Werte war das Interesse sehr rege.

Frankfurter Devisenmarkt.

(Telegraphische Auszahlung.)

Amtliche Rotierungen.

Datum: 24. Noveiuber 25. November

(Sei!) Bries Geld Brie? Antw.-Brüssel . 458,85 4ßl 15 46S80 471.20

Holland 2753,10 276-'.,80 2847X> 28-2,15

Vonöüii 31421,75 31578,25 32418.75 32581.25

Pariö 501,75 504.20 512,75 515,25

Schweiz 1321.® 1328,35 1327,65 1334,55

Spanien 1074,80 1080,20 1087,75 1002,25

Italien 331,15 332,8a 338,15 340,>5

Llssnbon-Oporto Dänemark . . .. 1418,45 1425.55 1456,35 146365

Woriumctt .... 1276.80 1285,20 1331,65 1338,35

Schweden .... 1880,75 1880.25 1925,15 1934,85

^elsinnfors. . . . 175.50 17(150 182-50 183,50

Nennork 7067,25 7102.75 723U5 7268,15

Denisch-Oesterr. 10,95 11,55 10.02 10,08

Budapest 303, - 305,- 3H- 311 -

Vraa 227,40 22Ü60 23L85 233,15

Sofia.......

Märkte.

Berliner Produttenmarkt.

Berlin, 23. Rov. Am Produktenmarkt zeigte sich zwar im Inland« etwas mehr Qin» gebet, die Preisforkterungen waren jedoch meist zu hoch gehalten-um einen lebhafteren Umsatz zu ermöglichen. Die Stimmung war allerdings mit Rücksicht auf den Deoisenmartt vorwiegend fest. Weizen war für Süddeu sch.and begehrt. Roggen wurde teilweise zur Deckung des Bedarfs der Reichsget.eid.stelle gekauft. Die Preise für Brot­getreide stellten sich etwas höher wie gestern. Auch Gerste und Hafer hatten eine durchweg feste Haltung, obwohl von Hafer neue Anschaffungen der Aemter nicht mehr erfolgen. In Mais fanden

auch heute vorwiegend Verkäufe auS zweiter Hand statt. Mehl unb öelkuchen begegneten vermehrter Kauflust. Futterstoffe blieben ruhig. Weizen, märkischen 12 00012 300 Mk. (fester), Roggen, märkischen 1100011200 Mk.. westpreuhischrn 10 900 Mk. (sehr fest), Sommergerste 11 200 bis 11 400 Mk. (Mt). Haser. märkischm 12 400-12 700 Mark, pommerschen 12 30012 600 Mk. (sehr fest), Mais, La Plata, loco Berlin 13 500-13 800 Mk. (fest), Weizenmehl (100 Kg ) 33 000- 38 000 Mk. (fest), Roggenmehl (100 Kg ) 29 500-32 500 Mk. (fest). Weftenkleie 65006700 Mk (fester). Rog- gcnllcie 65006700 Mk. (fester), Raps 20 000 bis 21000 Mk. (behauptet), Lupinen, blau 15 000 bis 16 500 Mk., Seradella, alt 30 000-35 000 Mk.. Rapskuchen 7500 7800 Mk Rauhfultcr: Weizen- unb Rocigenstroh, drahtgeb 53005500 Mk.. Haferstroh dvahtgepreht 53005500 Mk.. Stroh, strohseilgcbündelt 51005220 Mk., Wiesenheu, gut, gesund unb trocken, Vormahd 33003400 Mark, Rachmahd 29003000 Mk.

Büchcrtisch.

Der Kaiser der Sahara. Roman von Otfrid von Haustein. (Stuttgart.Deutsche Verlags-Anstalt.) Otfrid von Haustein hat die Idee einer eventuellen Urbarmachung der Sahara aufgegriffen und im Rahmen einer packend erfun­denen und in tollem Wirbel dahinjagenden Erzäh­lung ausgesponnen.

Märchen auS 1001 Rächt. Verlag Hermann Schaffstein, Köln. Die schönsten dieser alten und ewig jungen Märchen die besonders auf unsere Jugend ihren ganzen Zauber ausüben, hat Wilh. Spohr nach bet Well'schen Heber- setzung aus bem Urtext ausgewählt unb bearbeitet Bilder von Gustav Traub schmücken das Werk, das Knaben und Mädchen in gleicher Weise ein hochwillkommenes Weihnachtsgeschenk sein wird.

Ferdinand v. Raesfeld:Die B r a f f e n b u r a. Verlag 3. Reumann, Reu- bamm. Eine schlichte Familiengeschichte, bie aber in sehr ausgeprägter Charakterisierung Land und Leute Westfalens vor dem geistigen Auge des Lesers erstehen läht.

Thekla von Gumpert: Herz­blättchens Zeitvertreib. Band 67 (1522). Heransgegeben von Josephine Siede Mit zahl- rerchea mehrfarbigen und en arbi gen Abbildungen. Te lag von C. F.emming und C. T. Wi .kott, A. G, Berlin. DteRamen von Mitarbeitern wie Friedrich Lienhard, Marte Renate Fischer, Ludwig Finckh, Luise Glast, Margarethe Dorländec unb andere zeigen, dah auch dieses Jahr sich wirklich die Besten zusamme.rsmdrn, um der Jugend etwas Wertvolles zu geben. Reben heiteren und ernsten Erzählungen stehen Märchen. Reime, Rätsel, be­lehrende Artikel.

F a l k e n st e i n, 22. Rov. 1922. 3n dem Kreise Königstein haben nun bereits in den Glashütten und Fischbach die Protestversammlungen gegen die zwangsweise Einführung der Landbürgermeisterei- Verfassung stattgefunden und ist in diesen Ver­sammlungen nachstehende Resolution einstimmig angenommen worden:

Die am 22. Rov. 22. in Fischbach i. T. tagende Volksversammlung, besucht von den Einwohnern der Orte Fischbach. Kelkheim, Hornau, Eppstein. Ruppertshain, Eppenhain, Ehlhalten, Reuenhain, Schneivhain und Astenhain erhebt nach eingehen­der Aussprache nachdrücklichst Einspruch gegen die zwangsweise Einführung der Landbürger- meisterei-Verfaffung in der Provinz Heffen-Raffau.

Die Einführung der Landbürgermeistereien würde nicht nur die bewährte Selbstverwaltung in den Gemeinden und Kreisen zerstören, sondern auch eine neue finanzielle Belastung bringen.

Es muh auch weiter verlangt werden, dah die Vereinheitlichung der Gemeindeverfassung Halt macht vor der historischen und wirtschaft- ltchen Entwicklung in den einzelnen Landesteilen.

Es wird erwartet, dah die bei der lieber- nähme der zur Provinz Hessen-Raffau gehörigen Landesteile im Jahre 1866 gegebenen Ver­sprechungen auch von der jetzigen Regierung respektiert werden.

Zum mindesten verlangt die heute tagende Dollsversammlung die in dem Gesetz für Hannover gewährte Vergünstigung auch auf die Provinz. Hessen-Raffau ausgedehnt, dah die Einführung der Landbürgermeisterei-Verfaffung durch Pro- vinzial-Gesetz überhaupt ausgesetzt werden ilann.

Bürgermeister Hesselbach, welcher das Referat übernommen hatte und am Sonntag, dem 26. Rov., nachmittags 4 Uhr, in Oberhöchstadt, Gasthaus Sachs, für die Orte Falkenstein, Schönberg, Marn- melshain, Schwalbach, Weiskirchen, Stierstadt, Rieder- und Oberhöchstadt gesprochen hat, hat die Rachteile der Landbürgermeisterei-Derfassung er­läutert und ist es auher Frage, dah nach der historischen und wirtschaftlichen Entwickung der Pro­vinz Hessen-Raffau das angekündigte Gesetz einen Rückschritt bedeutet. Auf keinen Fall wollen die Bewohner die bisherige Selbstverwaltung der Ge­meinde noch mehr beschneiden lassen.

In allen Gemeinden kommen noch Listen zur namenllichen Unterzeichnung in Zirkulation, welche den Abgeordneten als Material übersandt werden. Rach dem Beschluh, der am 26. 10. in Sieben statt­gefundenen Versammlung, soll das gleiche Vorgehen in allen Kreisen der Provinz Hessen-Raffau statt­finden. Die Regierung erhält auf diese Weise einen, wenn auch nicht offiziellen, Vollsentscheid.

Wenn in der vom preuh. Staatsrat eingesetz­ten Kommisfion bei der Generaldebatte der Herr Vertreter des Ministeriums des Innern die Er­klärung abgab, dah bei der Regierung keine Be­denken beständen, die für Hannover gewährte Ausnahmebestimmung betr.öer Landbürgermeisterei- Verfassung auch auf die Provinz Hessen-Raffau auszudehnen, so kommt diese Grllärung reichlich spät, denn alle Eingaben über diese Fragen wurden bisher nicht gewürdigt und auch in keinem Reudruck des Entwurfs berückfichttgt. 10331

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BATOCHAR/^^

C/GARETTEN

-in, höc/isten VoiZend