Ausgabe 
27.7.1922
 
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aus dem Schilfdickicht des Elfers eine Stimm

Bist de me|

Theben, das jahrhundertelang die Residenz der Könige der beiden Aegypten gebildet hatte.

Roman von Ernst Schertet.

20. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

der ist, für

türlrch sollte mir da adgetzolzt werden. toD sonst Siedlungsland nicht za haben ist. Hebrigens hal­ten wir die Unterstellung des Siedlungsamtes unter das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft für falsch. Es gehört als selbständige Abteiluua unter das Finanzn.i ästerilm. D.amte und sonst Leute die nicht mit vollem Herzen und größtem Interesse am Siedlungs wesen arbeiten, sollten ausgeschaltet werden. Hier kann nur intensives, energisches Arbeiten helfen.

Erst die Helle des Morgens weckte ihn aus diesem Zustand trüben Halbb-wup ts.ins und w e gerädert erhob er sich, um seine Obliegenheiten zu erfüllen.

Der Jude schlief noch und grunzte nur dann und wann.

Perzelius säst am Steuer und rauchte feine Pfeife. Er schien guter Dinge. was bei ihm ge­wöhnlich der Fall war, wenn er sah, daß sich die Annahmen bestätigten. Für ihn war das Ganze ein interessanter und verwickelter Fall und er genoß fast mit Behagen die Möglichkeit, wieder einmal alle Register seines Scharfsinnes, feiner Erfahrung und seiner Kenntnisse ziehen zu könne u.

Für Eduard war jeder Tag, der nun kam. eine neue Marter. Er tonnte nichts tun als warten und zusehen, wie das Boot dirch die braungrünen Wogen schnitt, wie die Wüsten­berge rechts und links der Ufer immer wich­tiger emporwuchsen und immer steiler abfielen in die Ebene des Riftales, tote Heine schmutzige Hütten wechselten mit den gigantischen Ruinen der Dorzeit, Die die Sonne aufging und tx't> schwand in ewig gleicher Fahrt und wie jeder ihrer Untergänge einen Tag bedeutete, den er abstrei­chen muhte von den kostbaren drei Wochen.

Wann würden sie landen, und würden sie Hann Sillh wirklich finden?

Man hatte bereits die Ruinen von Luksor ünd Karnak hinter sich, die Stätte des antiken

werden lernen, sich frei zu bewegen und zu entwickeln. Die große Dauernbewegung. die wir wollen, wird uns zu einer vernünftigen Wirt- schafts- und Srnährungspolitik führen, die uns unabhängig machen kann vom Ausland. Hun­derttausende von Dauernstellen können neu ge­schaffen werden und die Produktion erhöhen. Wenn das durch das Siedlungswesen erreicht ist, haben wir einen positiven Gewirm. Was wir aus dem Boden herausholen, das nimmt uns keiner weg, das bleibt unserer Volkswirtschaft. (Bravo! links.)

Rach der Pause teilt Präsident Adelung mit. da" Herr Obarr>gi?ru-g?rat Emmerling im Auftrage der Kommission die Abgeordneten zur Besichtiging der Eugen Pracht-Aus­stellung auf Donnerstag, nachmittags 3' - Uhr eingeladen habe.

Abstimmung über die Mißtrauensantrage.

Es folgt eine Reihe von A b st i m m u n g e n. Zunächst über den Mißtrau en San trag der Deutschen Volks Partei:Sie Deutsche Dolkspartei beantragt, der Landtag wolle be=

.wer iw*':" 265,26 (209,80).

Leuchtstoffe 53,61 Zimmern unoM (55,80). 3m Mom allgemein m M Melpreise finb ge

uMvu/v v Vlv WAXI Ult v 1 i .

Scha: Scha!"^) klang es leise durch die

Finsternis,e Mijuches^) hat «uns verraten. Nimm der fain zusamm', dah de net verlierst dun Kopf. Du kannst bleiben jetzt e halbes Jahr in dem Rest."

Iechiel ben Iehud schien aufs höchst: über­rascht. diese Stimme hier zu hören.

Wer mochte es sein, der dieses unverfälschte Jüdisch redete?

Es blieb dem Doktor im Augenblick feine Zeit, darüber nachzudenken, denn er mußte auf dos Ausladen der drei Toten bedacht sein. Denn diese sollten hier an das Land gebracht werden.

Aber was hatte jener unsichtbare Bekannte von Verrat gesprochen? Was war verraten? Dec merkwürdige Gütertransport Icchiels? Oder sollte der Hude seine Hände in noch viel 'um- fossenderer Weise bei diesen dunkeln Verbrechen im Spiele haben?

Perzelius trug zunächst mit Eduard die drei Säcke durch den Schlamm und legte fte am Ufer unter einem Schutzdach aus Resten and Blättern nieder, wie es die Hirten dieser Gegend als Wohnung benutzten. Eine hagere, schwarze Ge­stalt geleitete sie dabei.

Nachdem sich Iechiel beu Iehud versichert hatte, daß das Schiffstau gut befestigt war. ver­fügte er sich auch zu der Unterkunftsstelle und wollte dort ein kleines Feuer anmadyzn, um seine Rachtsuppe zu kochen.

>) Stillr Still!

2) Ein Adeliger.

»Wann werden wir in Assuan sein?" fragte Eduard den Juden, da er an Perzelius diese Frage schon zu oft gerichtet hatte.

Weiß ich? 3n vier Tagen oder fünf" er­widerte dieser.

Perzelius, der zugehört hatte, erstaunte. Er war diese Strecke doch schon öfters unter den verschiedensten Verhältnissen gefahren was mochte den Huden zi dieser übertriebenen Schätzung veranlassen? Hatte er Verdacht ge­schöpft und weidete sich nun an der Enttäuschmg feiner Feinde?

Iechiel ben Iehud bemerkte die Verwun­derung des Doktors und sagte'Mer werden vorher haben en Aufenthalt. Ich werde löschen mei Ladung noch vor Assuan. Nachher werden mer kommen schneller durchaus. Vielleicht auch fahren mer gar net bis Assuan."

Daß jener Punkt, an welchem man Aufent­halt machen und die Ladung von Toten löschen wollte, nur Kom Omb) sein konnte, erschien dun Doktor jetzt zweifellos. Er ließ sich aber nichts davon merken.

Rach kaum einem Tag legte das Doot unver­mittelt am rechten Rilufer an. Es war ein: finstere Reumondnacht. Die Felsen der nubischen Wüste standen wild und zerklüftet gegen den schwarzen Himmel. Die Strömung war reißend und begann bereits sich zwischen Geröll und Sandbänken in kleinere Sturzbäche zu verzetteln. Man war nahe am ersten Katarakt.

Iechiel ben Iebiud stieß einen merkwürdigen Kehllaut aus und kurz darauf hörte der Dottor

säl.eßen. dem Wirtschaftsminister Raab wigen feines Verhaltens am Demonstratio ns- tage, dem 27. Juni 1922, das Mißtrauen des Landtages auszusprechen.

Der Antrag wird abgelehnt.

Ueber den Antrag Kaulund Genossen der Landtag wolle beschließen, dem Minister für Arbeit und Wirtschaft, Raab, Las zur Fort­führung seines Amtes e r f o r de r l i ch e .Ver­trauen auszusprechen, wird namentlich ab-- gestimmt.

Der Antrag wird mit 40 geg en 22 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung an» genommen. (Bravo!)

UeBcr die Anträge Dr. Osann und Gen.: Wir beantragen, der Landtag wolle b. schließen, die Verfügung des H ssischea Landesamtes' für das Bildungswesen vom 21. April 8U mißbilligen (Ausfall des Schul mter» richtes am 1. Mai),

und Kindt «und Gen.: Wir beantragen dem Henn Staatspräsidenten Ulrich das Miß­trauen des Land.ages auszusprechen, weil er 511x4} eine von ihm verantwortlich gezeichnete Derordnung die Schließung der Schulen am 1. Mai angeordnet und damit diesen Tag auch für die nicht sozialistisch-gläubigen Lehrer und die Kinder nichtsozialistischer Eltern, entgegen der Clären Willensäußerung der großen Mehrheit des Landtages gewaltsam zu einem Feiertage gemacht hat, wird ebenfalls namentlich abgestimmt.

Die Anträge werden mit 41 gegen 21 Stimmen abgelehnt.

Der Antrag der Abg. Osann und Gen.: Wir beantragen, der Landtag wolle beschließen: 1. Die Ernennung des Abg. Dörne­rn a n n zumMinisterialrat beim Staatspräsi­denten" entbehrt der Rechtsgülligkeit: 2. der Landtag mißbilligt diese Ernennung, wird mit 41 gegen 21 Stimmen abgelehnt.

Das Haus setzt dann die Debatte über das

Siedluogswesen

Aus dem besetzten Gebiet.

Behinderung der Rheinschiffahrt

Koblenz, 25. Juli. Auf Befehl der tntexaWiierten Dinnenschiffahrtskommi ftvn bringt der Präsident der Rheinstrombauverwaltung den Schiffahrttreibenden zur Kenntnis, daß am 27. Iüll von 11 Uhr morgens ab bei Uerdingen auf der linken Rheinseite durch belgische Pioniere Drückenübungen ausgeführt werden, die sich bis 100 Meter in den Rhein erstrecken. Während dieser Uebungen haben alle Fahrzeuge mit ver­minderter Kraft zu fahren und dem linken Ahein- ufer auf mindestens 150 Meter entfernt zu bleiben.

2lbg. Schildbach (Soz.): Der Grohgru.nd- pesitz habe dem Siedlungswesen großen Wider­stand entgegengesetzt. Er hat behauptet, daß ein großer Desch besser rentiert als ein kleiner, der Die Produkte öerteure. Das ist in der Landwirt­schaft aber anders wie in der Industrie. Es ist nicht so, daß der Großbesih allein rentabel wirt­schaften kann. Maschineller Detrieb kommt auch für Kleinbetriebe in Frage, wenn auch auf anderer Grundlage. Das Genossenschaftswesen muh hier eingreifen. Die Behauptung, daß Kleinbetriebe die Lebensmittel verteuern, ist also fatsch. Der Kleinbauer, der mit seiner Familie arbeitet, i im Gegenteil besser daran als der große Be­sitzer, der auf die zufällige Qualität feiner Ar­beiter angewiesen ist. Der landwirtschaftliche Grohbesitz ist nur so stark geworden, weil er durch Gesetzgebung besonders geschützt wurde. An der Abnahme der ländlichen Bevölkerung trägt der Grohbesitz die Hauptschuld, denn einen elbständigen Bauernstand wollte er nicht auf­kommen lassen, das gift auch von Hessen. (Zwischen­rufe, Widerspruch rechts.) Freilich, Arbeitersied­lungen wollten Sie haben. Im allgemeinen liegen die Verhältnisse in Hessen ja besser als im Osten, aber befriedigend sind sie nicht. Man könnte mit Leichtigkeit 1600 neue selbständige bäuerliche Be­triebe schaffen. Den Beanstandungen des Abg. Urstadt zum Siedlungsg:setz ist im allegmeinea zuzustimmen. Streubesitz von geringer Morgen- zcihl sollte man nicht angreifen. (5(3 wurden mehrfach sog. Schuhbriefe ausgegeben, des In­halts, daß man den Besitz in einer gewissen Seit nicht angreifen werde. Davon ist nichts im Landgesetz enthaften und man sollte das unter­lassen. Wenn die Verhältnisse es erfordern, werde man trotz der Schuhbriefe, die keinerlei Gesetz­recht haben, zugreifen. Das Landessiedlungs- amt sollte selbständiger gemacht werden und von der Forstverwaltung getrennt werden. Welchem Ministerium es unterstellt wird, das ist an sich gleichgültig. Die Ausführungsbestimmungen zum Enteignungsvei-fahren sind noch nicht er­schienen. Das sollte baldigst kommen. Namens seiner Fraktion fragt Redner, wie es mit der Auflösung der Fideikommisse steht und in wel­cher Weise diese erfolgen soll. Er verweist hier­zu auf folgende Anträge. Dem d^nokratischen Antrag, der Erwefterung des Siedlungswesens bezweckt, stimmen wir zu. Wir befürworten die Erbpacht, da diese rentablere Bewirtschaftung ermöglicht. Wir müssen erreichen, dah wir vov der Einfuhr von Lebensmitteln frei werden, die Landwirtschaft muh das deutsche Doll selbst er­nähren können. Wichtig hierzu ist die Frage der landwirtschaftlichen Arbeiter. Wir müssen seßhafte Landarbefter haben. Auch hierzu ist der landwirtschaflliche Kleinbesitz berufen, der viel mehr Arbeiter beschäftigt, als der Groh­besitz und bei dem die Arbeiterfrage gut gelöst ist Wir müssen einen Bauernstand haben, der nicht Diktaturgelüste hat, der nicht die Mah­nahmen der Regierung, die Dolksernährung sicher zu stellen, ständig sabotiert, mit Erzeugerstreik droht usw. Das kann nur einer, der zu viel Land hat. Auf der Grundlage des Sozialismus erstreben wir eine soziale und kulturelle Hebung des Landarbeiterstandes, aber auch die stärkste Hebung der Produktion. Welche Wege dazu die prattischsten find, muh erprobt werden. Wir werden unablässig unser Ziel in dieser Richtung verfolgen, um gut zu machen, was im alten Staat gesündigt worden ist. Bisher ist jede Agrarreform in ihren Anfängen stecken geblieben. Das muß jetzt anders werden. Die Dauern

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fort Abg. Knoll (Ztr.): Wir sind im all­gemeinen mit dem Siedlungsgesetz zufrieden. Ueber die Düdinger Fälle mochte ich mich nicht näher verbreiten. Meine Fraktion steht auf dem Standpunkt, dah die Susagen, die unter dem Druck der Gewaft erpreht wurden, keine Rechts- gültigfeit haben. Die Hergabe von Wald für Landbegehrer ist nicht so einfach. Wir können gerade in jetziger Zeit unseren Wald sehr gut gebrauchen. Immerhin wird in der Rot auch hierauf zurückgegriffen werden müssen. Redner erwähnt dann teeiter eine Anzahl spezieller S<Ule, so R )ckenb^rg, Oppersh f it und Rah- locf), wo man die getätigten Verträge endlich genehmigen sollte usw. Es muß bei allen Wün° chen^ die Abg. Urstadt geäußert hat, darauf Rücksicht genommen werden, dah wir an das Reichssiedlungsgeseh gebunden sind. Dor allem auch bei der Enteignungs- und Entschädigungs- ragc.

" Amtlici ten. Ernannt lvu Mizeilvachtmeiste auf Probe bei den Anton Herth cm berg), Heinrich M Worms), Z selb, mit Wirkung zrilvachtmeister an amt Aen-Jsenbur, Wadt (Kreis C maus Butzbach 1922. - Ernannt dimssessor an b( ÄMstabt Karl 6 M Studienrat m 1922 ab. - Erna! Lehrer Peter W < Mvr an der CBd Achestand versetzt Landesgestütsaufs Mischen Landge unter Anerkennnnj steten Dienste mit 1922 an

. ", Mhns durch das Pv? AmW Mtäni derdMMgWi Don ühr vvmi un& öon 2-Z ll^r n< auf einen Jetertag M, M Mse für März r gezahlt. 3 iullungöerM A.der Zahlmigz, pijcn. Dordiucte * Nfang «e».

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Aus Stadt und Land.

Gießen, den 27. Juli 1922.

Die Qrräkerfpeisungeu.

Welchen Umfang dieses für unser unter ( schwierigsten Crnährungsverhältrrifsen leidendes Doll so wichtige Hilfswert angenommen hat, iff aus der amtllchen Statistll zu evs<chm. Danach' wurden vom 1. Wai 1921 bis 1. Mai 1922 im Deiche 122 Millwnen Mahlzeiten öcrteilt; in den Monaten Juni und Juli 1921 wurde täglich über eine Million Kinder in 1640 Ge meinDen bedacht, und zur Dewäftigung dieser Aufgabe dienten 2271 Küchen, 8364 Speisestellen, über 300 Lagerhäuser sowie neben dem bezahlten Persona! über 20 000 freiwillige Helfer. Zur Her - stellung der Mahlzeiten wurden rund 22 000 Tonnen Lebensmittel verbraucht. Davon waren 12 000 Tonnen amer ikanische Spen­den, die einen Wert von 3 Mlllionen Dollars haften. Die deutsche Regierung stellte im Etatsjahr 1921/22 10 000 Tonnen Mehl und Zucker im Werte von 116 Millionen Mark. Der Ge- stehungspreis der einzelnen Mahlzeft betrug durchschnittlich 4.80 Mark. Die gegen toärttgc Speiseperiode hat nach den Osterferien begonnen und reicht bis zum 30. September. Durchschnitt- lich werden täglich 300 000 Mahlzeiten verabreicht. Aus dieser Zusammenstellung läßt sich ermessen, wie außerordentlich wertvoll diese Unterstützung für die notleidende Bevölkerung geworden ist. Angesichts der ständig steigenden Teuerung gewinnt sie natürlich immer met>r an Bedeutung und ihre toeitere Durchführung ist mit allen Mifteln zu gewährleisten. Leider er­scheint die Zukunft des Hilfswerkes nicht völlig gesichert.

Wenigstens läßt die Entwicklung ir unserer Stadt die Befürchtung nicht unge­rechtfertigt erscheinen, dah die Speisungen in ihrem bisherigen Umfang nicht auf die Dauer aufrecht erhalten werden können. Zu Anfang dieses Jahres muhte die Ausdehnung schon auf die Hälfte beschränkt werden. Die Spenden von den Quäkern selbst liefen spärlicher ein, und btc Stadtverwaltung sah sich genötigt, namhafte Zu­schüsse zu leisten, um Die Speisung überhaupt aufrecht zu erhallen. Es wurden im Laufe die­ses Jahres rund 100000 Mark städtische Zuschüssen» Lebensmitteln und Verwaltungs­kosten geleistet. Cs konnten so bisher noch 35 0 Kinder und 50 werdende und st i l - lende Mütter gegen Entgelt von 50 Pf für die täglich einmal verabreichte Mahlzeit ge­speist werden. Rur zur Zeit der Schulferien wird die Speisung ausgesetzt. Während früher ausnahmslos alle Unterer nährten teilnehmen konnten, werden die Mahlzeften feit Beginn dieses Jahres nur noch an nachweisbar Min­derbemittelte ausgeteilt. Die vorhandenen Dor-

Hessischer Landtag.

2 2. Sitzung.

St. D a r m st a d t, 26. Juli 1922.

Am Regierungstische: Staatspräsident Ulrich, Finanzmmister Henrich, Wirtschaftsminister Raab.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 8,40 Uhr. Die S pez ia l b e r a tu n g des

. Hauptvoranschlags 1922

wird fortgesetzt. Die Verhandlungen und ein Zusatz des Finanzausschusses, sowie Kapitel 1, 1-10 Im ?»J.r ü? e r e n 3 a b ren (Einnahmen 178 388 000 Mk., Ausgaben 935 000 Mk), werden ohne Debatte bewilligt. Kapitel 2 wird zurück- gestellt.

Zu Kapitel 3, Siedlungswesen (Ein­nahmen 1 792 000 Mk., Ausgaben 2 036 000 Mk) mad)t Abg. Urstadt (Dem.) längere Ausfüh­rungen. Er fragt, welche Schritte die Regierung rm Srnne des demokratischen Antrages getan habe ber eine Abänderung des Gesetzes dringend der-

Manches sei ja bisher schon geschehen, aber bet höchstens zwei Stiftel der landsuchenden Ge- rneinden fei das Verfahren eingeleitet. Leider fehlt es ja vielfach an Siedlungsland. Wo das der Fall sollte man Mittel und Wege finden, solches zu beschaffen durch Tausch oder Zusammenlegen und dergleichen. Im Kreis Büdingen haben mehrmals Äderungen der Mahregeln stattgefunden, was schädlich gewirkt hat. Den Beamten des Siedlungs- wesens sei kein Vorwurf zu machen. Eine so große einfach durchzusetzen, aber es JmD Fehler gemacht worden, die im System liegen Quan habe im Vogelsberg die Landbedürftigen l Ulcht richtig eingeteilt und zugewiesen. Es ist hier wiederholt.gejagt worden, daß die Landzutellung f nicht auf Kosten anderer kleiner Besitzer geschehen , krrf. Hierbei ist wichtig, daß kleine Handwerker r cnit dem Lande genau so behandelt werden wie - Keine Dauern. Pachtbesitz muh den Leuten blei­ben, auch wenn die Landmenge schon die festgesetzte Moraenzahl überschreitet. Es muß vermieden wer- den, daß derartige Dauern in ihrem Desitz gefähr- lich beschrankt und gefährdet werden. Vielfach sind auch Leute von der Landzuteilung ausgeschlossen worden, aus Gründen, Die wir nicht anerkennen ni<^ sind. Redner führt einige Spezialfalle an. Es handle sich da durchweg nn Segler, die man hätte vermeiden können. Er bittet Die Regierung, die Beschwerden, die einla ifen genau #1 prüfen. Manches ist noch gft zr machen' aus anderen könne man für die Zckmft lernen ou beanstanden ist auch die Hinaasschra rbung des Pacht- imD Kaufpreises für Siedlungsland. Man muß dabei bebenfen, daß die Preise für land­wirtschaftliche Produkte auch wieder herubgehen wrnien, wie soll sich das Land Dann rentieren bei den hohen Pachtpreisen? Bei'den Dcmänen- verpachtungen muß gefragt werden, ob sich di-se rentieren. Wir erwarten Die Vorlage einer D-- rechnung hierüber. Wo die Hvfgüter sich nicht rentieren, verlangen wir Parzellierung zu Sied- ^un^^b>eden. In Vielen Fällen wttd man auch zu Waldgelände greifen müssen. Wir haben noch rnrmer Wald genug, wenn wir ihn wieder aus den I Umfang von vor 10 Jahren zurückschrauben. 21a-1

Abg Sturmfels (Soz.): Auch Klein- bauern haben Hervorragendes in der Züchtung bon Saatgut und von besseren Kartoffeln usw. geleistet. In Den Kreisen Der LanDbewerber jetzt Die allergrößte Unzufriedenheit ^^tch zu dem Landhunger ist wenig geleistet worden. Dor allem Dauert das Ver­fahren stets zu lange. Die Besetzung der Aemter bietet uns keine Gewähr, dah das Landgesey ganz seinem Sinne nach erfüllt wird. Es fehlt den Beamten die innere Anteilnahme. Es war em Fehler, das Landgefetz der Forstabtellung anzuschtiehen. Es gehört unter das Arbeits­und 'Wirtschaftsamt. Redner kritisiert dann das Siedlungs- und Landgesey in verschiedener Einzelheiten.

. , ^bg-Glaser (Dbd.): Es geht nicht so. daß Die Landwirtschaft immer nur den Spiel baU abgibt, soweit Arbeiter in Frage stehen Wenn die Industrie zurückgeht oder nicht meh, die hohen Löhne zahlen kann, werden die Ar­beiter der Landwirtschaft zugewiesen. Die In­dustrie kann tzur Zeit durch die Valuta usw. höhere Löhne zahlen, wie die Landwirtschaft. Wir ver- treten Die Interessen der Bauernschaft besser und gerechter, als die Linke. Das wird sich in Sufunft erweisen. Die Linke hat nur das Be­streben, Zwietracht in die Landwirtschaft zu säen. Wir sind nicht gegen die Siedlung, aber sie kann nicht in Bausch und Dogen erledigt werben, es muß von Fall zu Fall entschieden werden.

Nächste Sitzung Donnerstag, 8V2 Uhr Schluß 342 Uhr. U /2 7

Präsident Soherr teilt mit, daß der Lei­test enrat beschlossen hat, die Redezei t auf eine halbe Stunde für jedes Kapitel zu beschränken. nr, i n d t (D.-R.) polemiftert gegen Den 2lbg. tzchildbach. Der Großgrundbesitz hat bei Der heutigen Steuergesetzgebung ohnehin kaum noch Lebensmöglichkeiten. Wenn dem Großbefitz zum Vorwurf gemacht wurde, dah er fremde Arbeiter ins Land zog, so ist dabei die Rotwendigkeit Der ProDuktion billiger Lebensmittel der Grund. Man kann unmöglich Die Preise herabsehen, so lange Die Herstellungskosten dauernd steigen. Herr Deft> hat gesagt, er hoffe, dah Die LanDwirte im Herbst Die Kartoffeln um 3040 Mark liefern können. (Zu­rufe links: Das war doch nur ein Scherz!) Solche Scherze macht man nicht. Man soll von diesem Platze aus nicht derartige Hoffnungen im Volle erwecken, das führt dann nur zu Unruhen. (Sehr richtig! Widerspruch.) Eine wirtschafttiche Besse­rung kann erst eintreten, wenn Die Ketten des Versailler Vertrages gesprengt sind. (Bravo! rechts.)

Abg. Brauer (Dbd.) wendet sich gegen Die vom .Abg. Schildbach angeführten Zahle.i. In Hessen ist verhällnismähig sehr wenig Groß­besitz. Woher soll also das Siedlungsland kom­men. Man kann nicht einfach Güter zerschlagen und Interessenten zuteilen. Die Domänenpächter ind bereits erheblich mehr belastet als früher. Die von Herrn Abg. Urstadt vorgebrachten An- tänDe und BeschwerDen sind zutteffend. Auch ich habe eine Reihe solcher Beschwerden erhallen. Dah Die SieDlungsbestrebungen helfen Annen, unser Volk zu ernähren, muh beftritten werden.' Gewih ist die Landwirtschaft in der Lage, unser Volk zu (ernähren, aber das bedingt andere Vor­aussetzungen. Es fehlt an künstlichem Dünger, an Kohlen, an landwirtschaftlichem Geräte und Maschinen und an Landarbeitern. Zur Zett decken die Preise für die Zwangsbewirtschaftung nicht die Produkttonskosten. Es kann daher niemand verübelt werden, wenn er den Getreideanbau ein- schränkt. Kartoffeln werden im Herbste un­möglich unter 300 Mark Der Zentner geliefert werden können. Im Gegensatz zu Dem Abg. Schildbach möchte ich doch feststellen, daß!

Großgrundbesitz unbedingt leistungsfähiger als der Kleinbauer. Weiter tritt Redner Ausbau der Landwirtschaftsschulen ein. Die landwirsschaftlichen Fortbildungsschulen auf Dem Lande genügen in keiner Beziehung, sie schaden sogar. Cs ist nicht richtig, daß Der Rückgang Des Klembeslhes auf Dauernlegerci des Grohbesitzes zurückzuführen ist. Daran waren Die unrentablen Getreidepreise schuld, Die Die Kleinbesitzer zum verkauf zwangen. Der Grohbesitz und auch der Staat haben gekauft und das Land erhalten. Der Grohbesitz hat Hervorragendes geleistet in bezug auf Saatgut usw.

die lange Dürre ©eftalt,willst De, dah se gleich kommen und uns verhaften for De EwereH, wo mer haben be­gangen seit viele Jahr?"

Iechiel ben Iehud hatte jedoch schon ein Stück Reisig entzündet, das er zwar sofort wieder - verlöschte, aber Der kurze Feuerschein hatte ge­nügt, um Perzelius Die Züge jenes andern Juden erkennen zu lassen. Es war niemand anders als Samuel Chajim.

Wie tarn Der hierher? Dah et sonst nicht an diesem Orte anzutreffen war, ging schon aus der äleberraschung Iechiel ben Iehuds hervor. Dennoch stand er seinen eigenen Worten nach un Zusammenhang mit Dem Treiben des andern. Er war also hierhergeeilt, um Iechiel von Dem Verrat zu unterrichten. Aber wer hatte Den Verrat Begangen? EinMijuches", ein Adeliger. Sollte Die Regierung Die Sache in Die Hand ge­nommen haben? Oder sollte Der Baron ...? Das war doch nicht anzunehmen. Lauter Frag«! also, zu Deren Beantwortung vorläufig jeder An­haltspunkt fehlte.

Pcrzelms war sich zum erstenmal tin un­klaren über den Weg, den er zu gehen hatte. Dis jetzt war es ihm möglich gewesen, Tatsache an Tatsache zu reihen, etwaige Lücken durch Annahmen auszufüllen, die ssch nachher bestä­tigten jetzt auf einmal trat ein unvorher» gesehenes Ereignis dazwischen verwirrte die Fä­den und störte Den klar berechneten Verlauf Der Ereignisse.

*) Sünde.

LFortsetzung folgt)

Mr betonen auf das Entschiedenste und sind bereit, gerichtlich Den Wahrheitsbeweis anzutre­ten, daß in Hessen bei keinem Regimenlslest ober keiner Versammlung jemals Verstöße vor- gekommen sinD, Die die Anwendung Des Aus­nahmegesetzes auf uns rechtfertigen könnte. Rie- mals wurde irgendwie gegen die Verfassung oder die Republlk gearbeitet, niemals irgendein An­gehöriger der Regierung angegriffen. Es ist -bezeichnend für Die Rechtslage, Dah trotz Der ।jüngsten, tiefbedauerlichen Vorgänge in Darm- 'ftabt erneute StraßenDemonstrationen zugelassen tDuwOT zu einer Zett, Da man Versammlungen Der Regiments vereine verboten hatte.

Der Verband der Hessischen Regimentsver- eme, 28 000 alte Soldaten, haben von Der Ver­ordnung der Hessischen Regierung mit Empö­rung und tiefen Bedauern Kenntnis genommen unb erheben scharfen Protest. Wir lassen uns nicht an der Ehre kränken durch völlig willkür­liche Maßnahmen, wett wir Anspruch auf Ach­tung und Anerkennung haben. Wir bitten Des- halb um Aufhebung Des Verbotes, gegen das zu protestieren wir niemals aufhören werden.