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Nach Schweden entflohene Offiziere.
Berlin. 27. Febr. Nach einer Meldung „Welt am Montag" aas Swinemünde teilt Swinemünder »Ostwacht" mit, daß die fteck-
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Die Frankfurter Goethewoche. Reichspräsident Ebert über Goethe als Wegweiser.
Frankfurt a. M., 26. Febr. (Wolff.) An- läßlich der morgen beginnenden G o e t h e--Woche sind Reispräsident Ebert. Neichsminister Dr. Köster, Kultusminister Dr. Doelih, Ministerialdirektor Meißner und Staatskommissar Dr. Weißmann heute morgen 9i/2 Lihr eingetrvffen. Sie wurden auf dem Bahnhof von Oberprasident Dr. Schwänder. dem bereits vorher eingetrvf- fenen Staatssekretär Dr. Decker. Regierungs- Präsident Dr. M o m m, Oberbürgermeister Dvigt, Polizeipräsident Ehrler u a. empfangen. 2n den Mittagsstunden unternahm der Reichspräsident in Begleitung des Oberbürgermeisters Dvigt eine Rundfahrt durch die ©tobt, auf der auch die historischen Räume des Römer besichtigt wurden. Am Abend fand in den Räumen der Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft eine Begrüßungsfeier statt, an dem der Vorsitzende der Gesellschaft Konsul Dr. Kohenberg den Reichspräsidenten willkommen hieß imb ihm dafür dankte, daß er als Vertreter des deutschen Voltes die Gelegenheit wahrgenommen habe, Deutschland und der Welt zu beweisen, daß die Begriffe der wahren Kulturwerte dem deutschen Volke in der Erinnerung an feine größten Söhne aus warmem Herzen fließen; er wünsche, " daß die Gvethe--Tage weit über die Grenze Frankfurts hinaus klingen mögen als Ausdruck echt deutscher Art und echt deutschen Wesens.
Der Reichspräsident erwiderte hierauf mit Worten des Dankes für die freundliche Begrüßung und fuhr dann fort:
»Ihr Herr Vorsitzender hat die Bedeutung der Frankfurter Goethe-Tage dahin gekennzeichnet, daß das deutsche Volk in der Erinnerung an Goethe als einen seiner größten Söhne den Begriff echter und wahrer Kulturwerte vor aller Welt klarstellen wolle. Damit ist Goethe, seine dichterische Gestalt sowohl als sein ganzes bedeutendes Erdenleben, als Mensch, gewissermaßen als Symbol aufgestellt für das, was wir selbst unter deutschem Wesen verstehen und was die Welt darunter verstehen sollte»
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brieflich verfolgten Offiziere Di t tmar und Boldt sich während des Eisenbahnerstreiks tn Swinemünde aiusgehalten hätten, um mit rrnem im Hafen liegenden ausländischen Dampfer, nach Schweden zu gelangen. Das sei ihnen auch gelungen. Das Schiff habe den Hafen verlassen dürfen entgegen ausdrücklicher Anordnung des Schiff- fahrtSdireTtors.
Aus Hessen.
Der Wiederbeginn der Landtagsverhandlungen.
rm. Darmstadt, 27. Febr. Der Zusammentritt des hessischen Landtages ist durch den Kammerpräsidenten Adelung | soeben auf Mittwoch, 22. März, festgesetzt worden. Hauptgegenstand der Beratungen dürften außer verschiedenen Regierungsvorlagen besonders die Deckung des MUlivnendefizitS der hessischen Landwirt» schaftSkammer bilden. Für die Deratun- gen sind nur 2—3 Tage vorgesehen. An den beiden vorhergehenden Tagen, Montag und DrenStag, werden die Fraktionen zusammen- treten.
Die Frankfurter Sozialistenkonserenz.
Frankfurt a. M.. 25. Febr. (WTB.) Die internationale sozialistische Konferenz wurde heute, SamStag,25.Februar, in einem Saale des DachauseS zu Frankfurt a. M. eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde berufen der Sekretär der französischen sozialistischen Partei, Paul Faure, dem Ledebour (Deutschland), W a l l h e a d (England). Tom Shaw (England), und Vandervelde (Belgien) zur Sette stehen.
Delegiert sind: von England: Ben Tillet, A. Purcell (Trade Union Congreh), Iewett, Shaw (Englische Arbeiterpartei), Gil- lies (Sekretär), Wallhead und Francis Johnson (Unabhängige Arbeiterpartei); von Frankreich: Leon Blum, Paul Faure, Longuet, Auriol, Grumbach, Bracke, Renau- del und Cvrard; von Deutschland:Adolf Braun, Molkenbuhr, Hildenbrand, Wels; Stampfer von der Sozialdemokratischen Partei, Bernstein, Hue, Silberschmidt, Sollmann und Bogel von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktton; von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei: Breitscheid, Dih- mann, Ditttnann, Erispien, HUferding, Ledebour, Rosenfeld und Mathilde Wurm; ferner von der Kommunistischen Arbeitsgemeinschaft: Paul Levi und Kurt Geher; von Belgien: Bandervelde, Anseele, Dejardln Hubin, Bon- daS, HuhsmannS, de Man und van Roh- brvek; von Italien: Serrati.
Zunächst wurde beschlossen, daß die Der- Hondlungen keinen öffentlichen Charakter halben und daß die Presse nicht zugelas- Fe n werden soll. Der sozialistischen Presse wird das Kommunique der Konferenz in •einem offiziellen Bericht übergeben.
Bon der französischen Partei wurde der Konferenz ein Exposö bezüglich der R e * parativnS- und Entwaffnungsfrage vorgelegt. Die Konferenz beschloß, daß zunächst die einzelnen Delegationen dieses Expose prüfen und daß erst nachher die zu besttrnmenden Kommissionen die Beratungen aufnehmen sollen. Nachdem noch die in Paris bestellten Kommissionen durch Hinzuwahl deutscher Dertre- ter (zwei Bertteter der S. P. D. und zwei Der- tteter der U. S. P. D. für jede Kommission) ergänzt worden waren, wurde die Sitzung bis 5 Uhr nachmittags vertagt, um der französischen Delegation die Möglichkeit zu geben, ein Resurne ihrer Resolutionen vvrzuberetten.
in seine badische Heimat, von wo er am Februar wieder nach Berlin zurückkehrt.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 27. Febr. 1922.
Frühling.
Die letzten warmen Tage haben nacfy der schweren Frostperiode, welche 10 Tage dauerte und in Gießen Kälte bis zu 18 Grad Reaumur brachte, den von allen Wärmebedürftigen ersehnten Umschwung gebracht. Mit dem weichenden Schnee ist auch die Natur erwacht. Die Amseln singen und lassen uns die sommerlichen Räubereien vergessen. Die ersten Schneeglöckchen blühen, Krokus zeigen ihre Spitzen. Auf den Wiefecker Wiesen ist der Storch zu sehen. Sogar der erste Schmetterling, ein Weißling, ist aus- geb-rvchen und wurde der Redaktion üblicher Weise eingeliefert. Aber auch der erfrorene Rosenkohl, sowie der stark zurückgegangene grüne Kohl und der
Außer den offiziellen Delegierten der geladenen Parteien wohnen der Konferenz als Gäste hei: Fritz Adler (Sozialdemokrat. Partei Oesterreich), Andersen (Sozialdemokrat. Partei Dänemark). Scbreider (Linksrevolutionäre Partei Rußlands), Grimm (Sozialdemokratische Partei der Schweiz), und Bliegen (Sozialdemokratische Partei Hollands).
Aus Dem Reiche.
Der Reichskanzler.
Berlin, 25. Febr. Wie das Berliner Tageblatt" erfährt, begibt sich der Reichskanzler Wirth zu einem kurzen Aufenthalt
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die Cellosonate: Beethovens unvergleichliches ^-Dur-Werk. Es wurde vom Aufschwung des ersten Satzes an, in der Mondscheinstiminuna der Durchführung, den Ruhepunkten von klassischer Erhabenheit, bis zum schließlichen Entschweben des letzten Satzes in die Gefilde der Seligen vollendet dargeboten, mit äleberwindung aller zerbrechlichen Feinheiten und unbeirrt durch die im zweiten Teil des Scherzo geforderten Ruhmkünste. Wenn gegenüber dem herzenswarmen und wunderschönen Ton Feuermanns, der Reinhett und Sicherheit seines Spieles noch ein Wunsch erlaubt war, so konnte er nur dahingehen, vom dolce, das ihm ja wie alle anderen Ausdrucksmtttel voll zu Gebote steht, in den ersten Sätzen noch etwas, mehr Gebrauch au machen. Was Llzielli an An schbagskunst leistete, war geradezu verblüffend. Bis ins Letzte weiß er die dynamische Abwandlung zu erstrecken, ohne daß je ein Ton isoliert heraustrittt. So bringt er ein Singen des Klaviers zuwege, das allen Ernstes den Wettkampf mit dem Saiteninstrument aufnehmen kann. Die scharfe rhythmische Zeichnung beider Spieler endlich gab dem Ganzen das Gepräge eines echten Beethoven. Die'Regersche Suite für das Cello brachte sodann Feuermann Gelegenheit, sein blendendes technisches Können an außerordentlich schwierigen Auf gaben zu bewähren. Das frisch-natürliche Dahin^ fließen des ersten, der packende Ernst des lang' tarnen Satzes und die überaus gefällige, glänzend aufgebaute Fuge des Schlußsatzes lassen eine harmonische Unterlage von Klavier oder Orchester nicht allzusehr vermissen Es folateBrahms' zweite Cellosonate. Die leuchtende Pracht des ersten Satzes können wir uns nicht besser ausgeführt denken, und die innige Verbindung von Geschmeidigkeit und Wucht, wie sie älzielli eigen ist, scheint ihn zu einem Drahmspieler ganz be sonders auszustatten. Die Sprödigkeit mancher Drahmsschen Kvmpvsitionsweise verliert sich bei solcher Wi^>ergabe aus dem Gesichtskreise. Lind die Größe der Auffassung, welche den zweiten Satz trug, ließ es vergessen, daß gegenüber dem Thema dieses sicherlich aus tiefster innerer Anteil- nähme geborenen Stückes doch über eine gewisse Verlegenheit schwer wegzukommen ist. R.H
tim wollten. — Die Aussprache, in der der Referent auf verschiedene Fragen von seinem Stand- puntte aus antwortete, verlief gleichfalls ruhig.
Bornotizen.
— Lageskalender für Montag: Caf6 Leib, 7Vs ^hr: Oefsentliche Volksversammlung der äl. S.P. — Astoria-Lichtspiele, ab heute: „Der Schatz der Azteken" und „Die Frau im Käfig". — Lichtspielhaus, Bahn- Affstraße, ab heute: „Der Schicksalstag" und „Professor Rehbein und sein Schüler".
— Aus dem Stadttheaterbure.au.- Es sei wiederholt darauf hingewiesen, daß alle Operettenvorstellungen, auch die an Wochentagen, bereits um 61/2 Ufjr beginnen.
— Vortrag über „Die Fremdenlegion". Rachdem der von der Liga zum Schutze der deutschen Kultur am Dienstag, 7. Februar, geplante Vortrag von Regierungsrat Dr. v. Papen über die Fremdenlegion durch den Eisenbahner" streik unmöglich gemacht wurde, soll der Vortrag nunmehr am Mittwoch, dem 1. März im Saale des „Cafe Leib" nachgeholt werden. Um die Fremdenlegion durch Augenschein kennen zu lernen, hat Dr. v. Papen unter schwierigen Verhältnissen eine Reise nach Afrika in die Garnisonsorte der Fremdenlegion unternommen.
Wettervoraussage
Wolkig, leichte Riederschläge, mild, westliche Winde.
Unter dem Einfluß von süd-nöiä»lichen Druck- gefältef. führen westliche Winde milde, feuchte Luftmassen heran und bringen leichte Aiederfchläge
Landkreis Gießen.
— § int gen, 26. Febr. Am vergangen« Mittwoch fanden sich im „Darmstädter Hof" dahier die Schäfer Oberhessens zwecks Gründung eines Schäferverbandes zusammen. Außer vielen Schäfern aus allen Kreisen waren erschienen Oekonomierat Wagner vom Canik wirtfchaftskammer-Ausschuß sowie Bürgermeister Fendt, Hungen. Der versammlungsleitende Stadtschäfer Müller dahier eröffnet; die Versammlung. Rach dessen Begrüßungsansprache ergriff Oekonomierat Wagner das Wort und erörterte eingehend die Wichtigkeit der Schafzucht, ihre Verbesserung, Vergrößerung, sowie ihre Un- entbehrlichkeit in der Landwirtschaft. 3m Anschluß daran behandelte Bürgermeister Fendt das Thema: „Schäferstand, Ansehen, Rechte, Pflichten und deren heutiger Rotstand." Zum Schlüsse ihrer Ausführungen gaben die Redner der Meinung Ausdruck, daß den Schäfern geholfen werden müsse. Hierauf ging der Versammlungsleiter zur Tagesordnung über. Die 25 Paragraphen der Satzungen wurden mit Ausnahme des t? 23 genehmigt. Runmehr schritt - man zur Dorstandswahl. Es wurde gewählt: Müller, Hungen (1. Vorsitzender), Wirth, Wetterfeld (2. Vorsitzender), fünf Beisitzer aus verschiedenen Kreisen, Köhler, Laubach (Rechner), Hofmann, Steinheim (Schriftführer). Rach einer kurzen Pause wurde der Arbeitsplan des Vorstandes aufgestellt. Es wurden verschiedene wichtige Punkte zur Forderung der Schafzucht und zur Beseitigung grober Mängel zwecks Emgabe ausgearbeitet, z. B.: Wirlliche Bekämpfung der Räude durch Jwangsbadung aller Schafe; Versetzung der Schäfer aus der I. Lohnklasse nach der Defoldungsordnung für Gemeindebeamte und Bedienstete in die 4. Lohnklasse. da nach den Ansichten der Schäfer ein Unterschied zwischen Gänsehirten und ihnen bestehen darf. Freigabe derjenigen Stratzenufer, die bis zur heutigen Zeit von keiner Schafherde betreten werden durften, während im weitaus größten Teil Hessens btefe schon längst zur Weide freigegeben sind; Freigabe der enttoanbfrelen, unverseuchten Tierlerchen zu Hundefutter; Lehr- und Prüfingszeit für angehende Schäfer; desgl. Kurse für diese zur Erlangung ausreichender Kenntnisse für ihren Berus. Die Erschienenen erflärten sich bereit, vorläufig pro Person 10 Mark als Aufwen- dungskosten des Verbandes zu zahlen. Kurz vor 3 in>r mußte die Versammlung geschlossen werden, um einem Teil der Anwesenden die Heimreise zu ermöglichen. — Cs ist mit Freuden zu begrüßen, daß der Schafzucht tn Oberhessen, der ein Rückgang drohte, wieder größeres Interesse entgegengebracht wird. Soll die Schafzucht aber gehoben und gestärkt werden, dann muß man zunächst mit der Bellerstellung der Schäfer beginnen. — Für die wegen der großen Fahrtunkvsten nicht erschienenen Schäfer findet eine belehrende Versammlung am 8. März in Alsfeld Im „Mainzer Hof" statt. (Siehe Anzcuga)
Butterkohl werden bald ersetzt werden Der Wintersalat fängt schon an üppig zu wachsen und der Sauerrampser zeigt grüne Spitzen. Kommt nun noch die bisher fehlende Feuchtigkeit in den Boden, so ist wenigstens nach dieser Richtung die Hoffnung auf eine bessere Zukunft berechtigt, zumal in nicht zu rauhen Gagen das Wintergetreibe dank der Schneedecke im allgemeinen gut durchgekom- men ist.
Wochenmarktbericht. Infolge der ein getretenen wärmeren Witterung war der Wochenmarkt am Samstag im Vergleich zu den vorhergehenden bedeutend reichlicher beschickt. Eine besonders große Anfuhr war an Butter und Sier zu verzeichnen. Hauptsächlich waren Eier in derartigen Dkengen vorhanden, daß ein grober lieber- stand blieb und infolgedessen die Preise stark zurückgingen. Während zu Beginn des Marktes für das Ei ein Preis von 4,20 und 4Mk. gefordert wurde, mußten diese später, um sie überhaupt absetzen zu können, mit 3,50 und 3Mk. abgegeben werden. Durch diesen Preisrückgang waren viele Händler gezwungen, die Eier unter dem Preise abzugeben, Den sie dafür auf dem Lande gezahlt hatten und haben infolgedellen größere Verluste erlitten. Dieser Preisabschlag für Eier ist auch in tn allen umliegenden Städten eingetreten. — Auch die Butter, für die zuerst 44 Mk. verlangt wurde, mußte zu Ende des Marktes mit 40 Mk. abgegeben werden. Die Preise für Gemüse hielten sich noch auf der alten Höhe.
** Ein Spion wurde am verflossenen Freitag in Gießen festgenommen. Er war mit Soldaten des hiesigen Regiments in Beziehungen getreten, um Gegenstände, deren Geheimhaltung für die Landesverteidigung erforderlich ist. zu erlangen. Die Soldaten gingen zum Schein auf fein Ansinnen ein, lockten ihn in die Rahe der Reuen Kaserne und veranlaßten dann seine Festnahme.
"Diebstähle. Aus dem Pflanzgarten bei Wieseck wurde ein guter, viereckiger Koch- ofen, ferner in Gießen ein Kanonenofen (etwa 70 Zentimeter hoch), und vom freien Felde ein Wendepflug gestohlen. Aus einem hiesigen Institut wurde ein brauner Gummimantel mit Gürtel entwendet. Dor Ankauf wird gewarnt.
■** Für die Mehrheitssozialisti- sche Partei sprach gestern in öffentlicher Versammlung der Reichstagsabgeordnete Eduard Bernstein. Der Redner, bekannt als der Wortführer des Revisionismus in der deutschen Sozialdemokratie, ist unstreitig einer der einsichtigsten und klarsten Köpfe dieser Partei. Er bemühte sich auch gestern bei seinen 2lllsführungen sachlich zu bleiben und reine Tatsachen zu schildern, wobei allerdings manchmal, namentlich in inner- politischen Fragen, der Parteimann in ihm den Sieg davontrug. So wird man ihm unbedingt zustimmen müssen, wenn er die wirtschaftliche Rot, in der wir uns befinden, den Folgen des nicht erfüllbaren Versailler Diktates zuschreibt, wird aber andererseits über die Beweggründe, die Frankreich zu seiner Politik gegen uns treiben, anderer Ansicht sein müssen. Es geht, was beispielsweise die Schuldfrage anbetrifft, nicht an, die Friedfertigkeit der französischen Regierung vor dem Kriege zu behaupten, von der deutschen aber zu sagen, sie habe zwar den Krieg nicht gewollt, aber sie sei imstande gewesen, ihn zu verhindern und habe das unterlassen. Man kann weiterhin mit dem Referenten darüber einig fein, daß unsere Zukunftshoffnungen im Innern auf stets wachsender Solidarität beruhen und nach außen hin auf der zunehmenden Einsicht von der älnhaltbarkeit des Versailler Mordfriedens auch im Auslande. Man versteht es aber tn dieser Hinsicht nicht, wie selbst heute noch ein Mann wie Bernstein auf die Hilfe der Internationale rechnen kann, ein Traum, der doch nach den Erfahrungen der letzten Jahre endgültig ausgeträumt sein sollte. Man muhte sich auch darüber wundern — oder vielleicht mit verständnisvollem Lächeln ansehen — wie der Referent bei der Erörterung der Erfassung der Sachwerte durchaus an der Oberfläche blieb und hier eigentlich nur mit Schlagworten arbeitete. Interessant waren die Darlegungen des Redners zum Gisenbahner- streik, den er seiner Führung wie seiner Folgen wegen verurteilte. Die Reichsregierung hat seiner Ansicht nach in der Sache recht, in der Form unrecht gebanbett Zu der Frage der großen Koalition äußerte sich Bernstein dahin, daß ein Zusammengehen seiner Partei auch mit der Deutschen Volkspartei wohl im Bereiche des Möglichen liege, wenn die Unabhängigen nicht mit»
hervorragenden deutschen Persönlichkeiten befanden sich der Präsident des Oberverwattungs- gerichtshvfes, Staatsminister Dr. D r e w s, Professor Dr. von Harnack, Ludwig Fulda und Reichstagsabgeordneter R i p p l e r, ferner der Vorsitzende ter Riederländischen Handelskammer für Deutschland ter Horst. Zum Schluß des Essens brachte der Vorsitzende des Vereins, de Kanter, Abgeordneter der zweiten holländischen Kammer, einen Trinkspruch auf Deutschland aus. Darauf erwiderte Reichsminifler Köster mit herzlichen Worten, die in ein dreifaches Hoch auf Holland und das holländische Verständnis für Deutschland ausklangen. Sodann sprach der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Dr. Dresselhuys, ebenfalls Abgeordneter der zweiten hol.ändischen Kammer, für die Rvtwenr ig- teil der Wiederherstellung des Vertrauens zwischen den Völkern und des Optimismus. Geheimrat Dr. Schumacher vom Vorstand der Deutsch-niederländischen Gesellschaft in Berlin legte die gemeinsamen Ziele der niederländischen unb deutschen Gesellschaft dar. Das holländische Vorstandsmitglied Dr. H a r t o g h feierte die Verdienste der deutschen Wisienschast um die Forderung der menschlichen Kultur, namentlich auf medizinischem Gebiete. Professor Bernhard von der Universität Berlin brachte zum Schluß in holländischen Worten einen Trinkspruch auf die holländischen Frauen aus. Die Empfindung, daß der schöne Abend zur gegenseitigen Verständigung und bafferen Kenntnis der beiden Rach- bam untereinander ausgezeichnet beigetragen habe, war allgemein.
Lohnverhandlungen im Kohlenbergbau.
Berlin, 25. Febr. Die gestern im Reichs» arbeitsministerium aufgenommenen Lohnverhandlungen für den Kohlenbergbau sind gescheitert. Die Forderungen der Arbeiter allein würden einschließlich der erhöhten Kohlensteuer eine Kvhlenpreiserhöhung von etwa 150 Mark verursachen. Am Montag soll ein Schiedsgericht über die Höhe der Löhne entscheiden.
Verhaftungen und Haussuchungen in der Erzbergerschen Mordsache.
Berlin, 25. Febr. Wie die „Münchener Dost" erfährt, wurden außer dem in der Erzbergersache verhafteten Rechtsanwalt Müller zwölf im Dienste einer von Sanitätsrat Dr. P i 11 i n g e r geleiteten politischen Bewegung stehende Herren bet einer Sitzung von der Polizei überrascht. Unter den Verhafteten befand sich ein Ungar vom Verein des „Erwacheirden Ungarn“, der frühere Leiter der politischen Polizeistelle in Bamberg, Gras Soden, der Vertrauensmann von Kahrs und Pöhners. Die aus diesem Grunde bei dem früheren Polizeipräsidenten von München und jetzigen Oberlandesgerichtsrat P ö h n e r vorgenommene Haussuchung verlief ergebnislos.
In diesem Sinne möge von den Frankfurter Tagen ein neuer Impuls für das geistige und politische Deutschland ausgehen und Goethe zum zweitenmal von Frankfurt aus seinen Weg in das deutsche Voll gehen, von der Stadt aus, die wie keine andere tn Deutschland geeignet und berufen ist. die Tradition ihres großen Sohnes zu pflegen ujtb in ihrer glücklichen Lage an dem Flusse, der den Süden und Rorden Deutschlands trennt, ein festes Bindeglied zu fein zwischen Ländern, Stammen und Menschen verschiedener Eigenart. Wie Goethe nicht der Frankfurter Bürgersvhn geblieben ist, sondern sich zu einem Geist entwickelte, in dem ganz Deutschland, die ganze Welt sich> spiegelte, so ist auch das heutige Frankfurt nicht mehr das Frankfurt der Goethe- Zeit, sondern eine Stadt, deren Horizonte wett über Deutschland in die Welt hinausgewachsrn sind. Mögen beide, die Stadt und ihr großer Sohn, unserem Volle dergestalt Führer sein, daß es Herkunft, Vergangenheit und Heimatliches treu bewahrt, diesen festen Besitz aber so entwickelt, daß er mehr und mehr auch fremder Achtung inb Bewunderung zugänglich wird."
Den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Worten folgte ein zwangloses Beisammensein, bet dem der Reichspräsident sich eine Reihe hervorragender Persönlichkeiten des Frankfurter Wirtschaftslebens sowie der Kunst unb 'Wissenschaft vorstellen lieh.
Gietzener Konzertverein.
Prof. L. Llzielli und Em Feuermann aus Köln.
Gießen, 25. Febr. 1922.
Einen zweiten genußreichen Kammermusik- abend haben uns die Kölner beschert, und herzlichen Dank an die Mitglieder der Konzertvereinsleitung, welche die Wiederkehr dieser hervorragenden Künstler so bald zu erzielen vermocht haben, darf nicht unterdrückt werden. Wenn wir uns in Abwesenheit des Geigers vom Januar- abend mit der minder vollen Wirkung von Sonaten und Cellosolo begnügen mußten, so gab dafür die Auswahl der Stoffe bet vorigen an Erlesenheit nichts nach An erster Stelle stand
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Diese Forderung ist nicht neu an sich. Ein kleiner, freilich immer wachsender Kreis des geistigen Deutschlands hat dies stets so empfunden unb die Meinung vertreten, daß Goethe, der, wie jedes Genie, seiner Zeit vorauslebte, erst von späteren Geschlechtern voll gewürdigt und als ein Führer der ganzen Ration angesehen werde.
Reu ist aber, daß wir jetzt Lebenden das Bewußtsein haben, daß diese Zett erfüllt ist, unb bah wir entschlossen sind, Goethe aus dem Heinen Kreis sachgelehrter Bewunderer herauszuführen unb i h n der ganzen Ration zu geben, für d i e er gelebt hat.
Darin sehe auch ich die besondere Bedeutung Ihrer Veranstaltung, und deshalb bin ich und sind mit mir die offiziellen Vertreter der Reichs- und preußischen Regierung Ihrer freundlichen Einladung gern gefolgt. Wo der Versuch unternommen werden soll, Goethe als den großen Menschen zu feiern, in dessen Licht unb Wärme sich die ganze lebende Generation, das ganze Volk und auch seine polttische Organisation, das Reich, die Länder stellen sollen, darf auch die amtliche Leitung des Reiches und des Landes nicht fehlen. Rach dem, was wir im letzten Jahrzehnt erlebt haben, haben wir es bitter nötig, nach solchen Wegweisetm für unsere Gegenwart unb Zukunft zu suchen. G v e t h e ist ein solcher Wegweiser, nicht allein, weil er ein großer Dichter war, unb bie bedeutendsten Geschenke an die Menschheit hinterlassen hat, sondern weil in diesen Werken und in seinem Leben alles auf das glücklichste entwickelt worden ist und sich offenbarte, was der Deutsche nach seiner gangen Veranlagung und nach seiner Stellung im Kreise der Kulturvölker zu leisten vermag.
Lassen totr ans tn dieser Auffassung birch nichts beirren. Wohl ist richtig, daß Goethe das Rationale in das Menschliche hinaus entwickelt und an fremden Äutturq jeJcn gern and freudig geschöpft hat, aber das fnÜ uns nicht hindern, auch hierin seinen großen objektiven Weltgeist zu achten unb zu bewundern. S o wollen wir Goethe für unsere Zeit gewinnen, weis wir glauben, daß in ihm das deutsche Volk etn Fu ndamen t fhti>et, auf dem es seine Gegenwart und Zukunft sicher errichten kann.


