Nr. 49
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Erstes Blatt
U2. Jahrgang
Montag, 27. Zebruar 1922
GieheimAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhefien
vnick ttnö Verlag: vrühl'sche llnio.'vvch' und Steindruckerei R. Lange. Schriftieitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstraste 7.
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Die neuen Zugeständnisse Lloyd Georges.
Die Begegnung in Boulogne ist noch versöhnlicher verlaufen. als wir erwartet hatten. Wenn man den offiziösen Bericht darüber liest sowie die Kommentare der Pariser und Londoner Presse, so hat man den Eindruck, dast von den bisherigen „Mißverständnissen" oder Meinungsverschiedenheiten überhaupt nichts mehr übrig geblieben sei. Wahrscheinlich stecken aber hinter der geglätteten Oberfläche doch noch mancherlei Differenzen. Zu einem Teil befriedigt Lloyd George die Eitelkeit Frankreichs, seine Sucht nach Gehör und Erfolg, auf der anderen Seite sehen seine Zu- Zugeständnisse aber beinahe danach aus, als hätte er darin seine legten Reden über Frieden und Wohlgefallen für die Menschen völlig zurückgezogen und dementiert. Denn die Schlechtigkeit der unausführbaren Frie- densverttäge ist es doch wohl, die nach einer Umwandlung der Völkerpolitik im Sinne der Vernunft und Mäßigung dringt. Und von solchen Diskussionen soll in Genua gar nicht die Rede sein dürfen. Wir sind gespannt daraus, welche neuen Pläne und Absichten Lloyd George aus den grohenManteltaschen seinerKon- junkturpolittl ziehen wird, um seine Rach- giebigkeit nicht als Ohnmacht und Schwachheit erscheinen zu lassen. Ein zehnjähriger Burgfriede? Ein schönes, vortreffliches Wort! Wenn man aber dafür die „sichere Pforte der Gewißheit" sucht, tappt man in tausend Zweifeln. Die Früchte der Besprechung von Bou- logne, die in ihrer Unreife ungenießbar sind, werden wohl noch von kalten Rachtfröstcn geschüttelt werden. Und polttisch scheint es noch nicht Frühling zu werden.
Pari«, 25. Febr. lWTB.) Lloyd George ist kurz vor drei ülhr nachmittags in Begleitung von Sir Maurice Aankey und ftinem Privatfekretär Sylvester in Boulogne angekommen und hat sich lofort in das Gebäude der Unterpräfeftur begeben, in dem bereits Minister- vräfident Pvincare, der politische Direktor im Ministerium des 2lcuHeren Peretti della Rocca und der Dolmetscher Kannnerlynk anwesend waren. Wie der Sonderberichterstatter von HavaS mittellt. hat sic Konferenz zwischen den beiden Ministerpräsidenten unmittelbar darauf begonnen.
Paris, 25. Febr. (WTB> Lloyd George hat vor seiner Abreise von Boulogne den englischen Zournalisten milgeteilt, er sei mit dem Ministerpräsidenten P o i n c a r ö dahin überein» gekommen, in kürzester Frist, dos Heidt sofort nach Konstituierung des italienischen Ministeriums, eine Konferenz zusaimnenzuberufen, an der Frankreich, Station und England teil- nehmen werden, um die Frage deö Rahen Orients zu verhandeln.
JarlS. 25. Febr. (WTB.) Kurz nach 7 Uhr
8 hat Poincare Boulogne verlassen und die Rückreise nad> Paris angetreten. 10 Minuten später trat auch Lloyd George die Rückreise nach England an.
Ein Erfolg Poincar^S.
Paris, 25. Febr.^WTB.) Rach Schluß der heutigen, in Boulogne ftattgefunbenen, Konferenz wurde folgendes französisches Kommunique ausgegeben: Lloyd George und Poincar6 hatten heute in Boulog c für Mer eine älnterredu ng von mehr als drei Stunden Dauer, in deren Verlauf sie mit g r ö ß t e r H e r z l i ch i e i t eine gewisse Anzahl augenblicklich zwischen den MUier- ten gestellter Probleme besprochen haben. Die beiden Premierminister haben sich besonders mit der Konferenz von Genua beschäftigt und sind vollkommen dahin üdereingeknmmen, daß p o l i • tische Garantien grtch.ffen ttrrbm müßten, damit weder den Prärogativen des Völkerbundes, • noch den in Frankreich nach dem Frieden unterzeichneten Verträgen, noch den Rechten der Alliierten auf Reparationen Abbruch getan werde. Äe Sachverständigen werden in kürzester Zeit in London zufammentreffen, um die wirtschaftlichen und technischen Fragen zu prüfen.Die italienische Regierung wird ersucht, die Konferenz von Genua auf den 10. April z u- sammenzuberufen. Lloyd George und Poin- car6 haben sich in sehr freundschaftlicher Weife über die Fragen verständigt, die verhandelt wurden und die Gewißheit erhalten, daß das Einverständnis zwischen England und Frankreich in allen internationalen Fragen bald sruchtbareErgebnisse zeitigen werbe. Sie haben besonders die ilebeneugung gewonnen, daß keine Schwierigkeit politischer Art die beiden alliierten 'Rationen daran verhindenr wird, in vollem gegenseitigen Vertrauen an der wirtschaftlichen Wiederherstellung von Europa und an der Konsolidierung des Friedas zu arbeiten.
London, 21. Febr. (WTB.) Lloyd George erklärte in einer llnterrebung mit einem Sonderberichterstatter des Reuterschen Bureaus nach feiner Rückkehr nach England, Pvincare und er selber befänden sich in vollkommene r ilebereinfl immung, so daß er keine weitere Zusammenkunft mit Pvincare vor bem 10. April mehr erwarte. Zweifellosseienalle Schwierigkeiten durch die lange und freimütige Aussprache beseitigt worden. Die Erörterung habe in der Hauptsache der Konferenz von Genua gegolten und der Behandlung der Fragen, die dort erörtert werden sollen. Es sei eine vollkommene y.cbercin»
flbnmung erzielt worden. Die 'Frage, ob Rußland anerkannt werden solle, hänge vollkommen von Rußland selbst und seiner Haltung in Genua ab
Havas über die Einzelheiten der Begegnung.
P a r i s. 26. Febr. (Wolff.) DerSvnderbertcht- erftatier der Agentur Havas meldet folgende Einzelheiten über die gestrigen Beratungen Lloyd Georges mit Poincare:
Drei besonders .wichtige Fragen feien nunmehr geregelt: I. Die Konferenz von Genua könne die in Frankreich feit dem Frieden unterzeichneten Verträge nicht mehr in Frage stellen, also nicht nur nu/ den Vers aillcr FricdenSvertvag, sondern auch die von Tria- non, St. Germain und R e u i l l y, drren vvt_e Aufrechterhaltung von den Staaten der Kleinen Entente verlangt werde. Es werde das auch mit dem Vertrag von S d v r e S der Fall fein, der noch nicht ratifiziert fei und noch ©eg.-iv stand der Ve . Handlungen zwischen den l Heren testen Regierungen bilde. Auf der Genueser Konferenz fömttcn auch Verträge wie der von Brest- Litowsk oder die, welche die Eowjetreglerung mit den von dem ehemaligen 2dußland abgetrennten Staaten abgeschlossen habe, nicht in Frage gestellt werden. 3n dieser Hinsicht fei auch der Artikel 6 des (Sanner Beschlusses, der ausdrücklich erkläre: „2IHe Länder müssen gemein am die Verpflichtung übernehmen, sich jeden Angriffes auf ihre Rachbarn zu enthalten", formell festgelegt worden. Hierdurch solle das Recht auf Sanktionen, namentlih etwa nottoe ".big we - dende neue Gebietsbesey ungen in Deutschland vollkommen ge idjert bleiten. Es handle sich nur darum, den Artikel 10 des Völkerbundsstatuts zu erneuern, indem man ihn auf diejenigen Rationen ausdehne, die, wie Rußland und Deutschland, dem Völkerbund noch nicht ange- horten. Es scheine auch, daß nach der Meinung Englands diese Klausel sich auch unmittelbar auf die Beziehungen zwischen Polen und Sowjetrußland beziehen.
2. könne in allgemeiner Form die Konferenz von Genua ben Ansprüchen der Alliierten auf Reparationen keinen Abbruch tun; weder deren Hohe noch ihre Art forme dort in Frage gestellt werden. 3. Die Rechte des Völkerbundes sollen in Genua nicht eingeschränkt werden. Diesem Organisrnus würden die alliierten Regierungen das Studium der Probleme, die der Genuaer Konferenz zu unterbreiten seien, übermittelt haben, toetm Deutschland und Rußland ihm angehörten. (Rach dem Berichterstatter des „Matin^ soll Frankreich durchaus bereit fein, Deutschland und später auch Sowjetruhland zum Völkerbund ^uzulassen, da die Genuaer Konferenz bem Völkerbund die erforderlichen Grundlagen liefern werde, um die politische Haltung dieser beiden Staaten abzuwägen.) Gewisse Entscheidungen der Genueser Konferenz konnten trotzdem dem Völkerbund zur Aus ührung überwiesen werden. Auf alle Fälle solle aber die Konferenz von Genua sich nicht zu einem ständigen Organismus aus bilden, der ntit dem Völkerbund in Wettbewerb träte. Die Sowjetregierung könne aus der Tatsache ihrer Zulassung in Genua nicht auch schon ihre juristische Anerkennung als Regierung folgern. Diese Frage werbe bis zum Schluß der Beratungen zurückgestellt. Jede Regierung behalte nach dieser Richtung ihre volle Handlungsfreiheit. Was die russischen Schulden anbetreffe, so müsse die bolfchewisti- sche Regierung die Staatsanleihen der vorausgegangenen Regierungen übernehmen. Das Problem oer europäischen Abrüstung werde in Genua nicht zur Erörterung stehen, da Deutschland die im Versailler Friedens vertrag vorgesehenen Verpflichtungen noch nicht vollkommen erfüllt habe. Die alliierten Sachverständigen würden jedenfalls Ende dieser Woche in London zusammen treten, um die finanziellen, wirtschaftlichm und die Verkehrs technischen Probleme, die nyf der Konferenz von Genua behandelt werden sollten, technisch vorzubereiten.
Sodann betont der Sonderberichteritatter von Havas, daß Lloyd George bei Poincar 6 lebhaft darauf gedrungen habe, daß er selber Frankreich, wenigstens in den zwei oder drei ersten Wochen vertreten möge, da auch er, Lloyd George, nicht die Absicht habe, längere Zeit in Italien ^u bleiben. Es fei also nicht unmöglich, daß Pvincare sich nach Genua begeben werde. Schließlich wird noch hervorgehoben, daß Poin- care und Lloyd George auch das Problem des französisch-br. tischen Schutzvertrages in Boulogne anschnitten. Aus Mangel an Zeit sei man jedoch in eine eingehende Verhandlung nicht emgetreten; anscheinend werde nunmehr eine einfache Angleichung genügen, um den englischen und den französischen Standpunkt miteinander in Einklang zu bringen. Vielleicht werde Pvincare noch vor der Genueser Konferenz sich nach London begeben, um dieses Abkommen festzulegen. (Rach einigen Mvrgenblättern soll bestimmt worden fein, daß die Gültigkeit des Vertrages über die Dauer der Besetzung der Rheinlande verlängert werde.) Die beiden Ministerpräsidenten seien, so sagt der Havas-Vertreter, xu bem Schlüsse gekommen, daß eine Einheitsfront der beiden Rationen auf der Konferenz unerläßlich sei, um den Erfolg ihres Programms für den Wiederaufbau und die Gewährleistung des Friedens sicherzustellen, an dem Frankreich ebenfo wirkungsvoll Mitarbeiten wolle wie die andern europäischen Mächte.
französische Prcsseftimmen.
Paris. 26. Febr. (DTB.) Die Pariser Presse zeigt sich von bem Ergebnis der gestrigen Beratungen in Doulogne sehr befriedigt.
Der „QUatin“ schreibt: Der Ehes der französischen Regierung habe jetzt das Recht, zu sagen, daß Frankreich ohne Deuimchigung am 10. April nach Genua gehen könne. Die Zusammenkunft von Boulogne, so kurz sie auch gewesen sei, werde eine bedeutende Wirkung in der Welt ausüben. Sie jeige ben Alliierten Frankreichs in Mitteleuropa. bah sie nicht zu befürchten hätten, in Genua zwischen der englischen und ftanzösischen Politik zu wählen. Eie werde Sowjetruhland und Deutschland beweisen, daß jeder Versuch, In Genua auf die Uneinigkeit zwischen den beiden Ländern zu rechnen, ein vergebliches Bemühen wäre.
„Oeuvre" führt aus: Rach der Regelung der mit der Genueser Konferenz in Zusammenhang stehenden Hauptftagen habe Lloyd G:orge daraus gedrungen, daß das französisch-englische Garantieabkommen be'prcchen werte. Pvincare habe sich der Besprechung dieses ich-- tigen aber heiklen Gegenstandes entzogen. Richte.» beftotoeniger habe der englische Premierminister Wert darauf gelegt, ihm darzu legen, daß das Av- kommon nicht die Gestalt einer militärischen Heber> einkunst haben dürfe, und daß es im wesentlichen einen moralischen Eharaltei erhalten müsse. Es solle also das Ablommen angenommen toci - ben, das Briand vorgeschlagen wvrden fei. England habe weder die Absicht noch die Möglichei'., den Fralczosen ein anderes zu bieten.
Das „Journal" beschäftigt sich ebenfalls mit dem Schutzvertrag. Es schreibt: Der p r a f - tische Wert des Vertrages gehe nicht über eine moralische Bürgschaft hinaus. Mehr habe man nicht erlangen können. Der Vertrag werde eine Fessel fein. Pvincare sei der Meinung gewesen, daß es nicht so eilig sei, sie zu schassen, und er hatte recht.
Der sozialistische .Populaire" sagt, die Boa logner llnterrebung dauerte etwas mehr als drei Stunden. Wenn man fo naiv wäre, dem amtlichen ©ommuniqae zu glauben, dum hätten Poincarä und Lloyd George in diesem kurzen Zeitraum alle Streitfragen geregelt, die sich auf die Genueser Konferenz, den französisch'-b.-itllcher. Schuhvertrag, die Reparationsfrage mb die Orientfrage beziehen. 3n Wirklichkeit gebe, der völlige Mangel an Bestimmtheit tn hem ©ommuniqae zu der Auffassung Anlaß, daß die beiden Ministerpräsidenten nach der ersten kurzen Fühlungnahme morgen mit Hilfe ihrer Botschafter die Verhandlungen wieder aafnebmen werden.
Ter „©auloiS“ spricht von einem ausgezeichneten und großen Tage für die französisch- englische Entente.
Paris, 26. Febr. (WTB.) Der .Temps" schreibt, die gestrige Begegnung in Boulogne sei kurz und gut gewesen. Sie befriedige in gleicher Weise die Franzosen wie die Engländer, deshalb beendige sie nicht nur eine Episode ber Diskussion, sie eröffne auch eine Periode der Zusammenarbeit und lasse noch mehr hoffen, als bis jetzt realisiert worden sei.
Die Meinungsverschiedenheiten „weggefcgt"?
London, 27. Febr. (WTB.) Der Sonderberichterstatter der ,Sunbay Times", der Lloyd George auf jflner Reise begleitete, meldet, die Zusammenkunft sei ein vollständiger Erfol g gewesen. P oincare habe eine unerwartete Reigung zur Versöhnlichkeit gezeigt. Lloyd George äußerte in einer Unterredung mit dem Sonderberichterstatter auf der Rückfahrt nach England, er fei außer-ordentlich erfreut über ben Verlauf, ben die Erörterung genommen habe. Er habe erklärt, daß mit Ausnahme des Angvra-Vertrages. über den in Anwesenheit eines italienischen Vertreters noch gesprochen werden würde, alle zwischen England und Frank.-eich bestehenden Meinungsverschiedenheiten weggefegt worden seien.
Auch der Sonderberichterstatter des „06- server", der ebenfalls mit Lloyd George nach Frankreich gefahren ist, stellt das Ergebnis der Unterredung zwischen den beiden Premierministern als einen Erfolg Lloyd Georges dar. Er sagt, Poincare habe auf die Frage Lloyd Georges, ob Frankreich bereit fei, nach Genua auf der Grundlage des Programms von Cannes (?) zu gehen, mit ja geantwortet. Es fei nicht schwer gewesen, Pvincare zu überzeugen, daß seine Befürchtungen bezüglich des Völkerbundes. ber Verträge und der Reparationen unbegründet seien.
Für das in Nancy zurückgehaltcuc deutsche Kind.
Berlin, 25. Febr. 3n ber Angelegenheit ber achtjährigen Marcelle Hehmann, die in einer französischen Familie in Randy fest gehalten wird, weil das Pflegegeld von 5000 Franks oder 100 000 Papiermark von den in Köln weilenden Eltern noch nicht bezahlt ist. rufen jetzt auf Anregung der Frau von O h e i m b die weiblichen Abgeordneten des Reichstages (mit Ausnahme ber äußersten Linken) zu einer öffentlichen Sammlung auf. 3n bem Aufruf heißt es: Cs ist nicht unsere Aufgabe, die Schuldfrage zu prüfen oder die Billigkeit des Geldanspruches, aber unsere Pflicht ist es. das Kind aus den Händen von Menschen zu befreien, die sich nicht scheuen, mit grausamen Ansprüchen das Kind ihren Ellern vorzuenthallen.
Das neue italienische Kabinett.
Rom. 25. Febr. (WTB.) Das neue Kabinett findet in fast allen Blättern eine günstige Ausnahme. Die Blätter erkennen an, daß Faeta bei der Bildung des Kabinetts große Schwierigkeiten zu überwinden hatte, und er
klären. das neue Kabinett werde eine Kammer' Mehrheit erhallen, da es von den vier Hauptparteigruppen, len Demokraten der Katholischen Dolkspartei und den Reformisten unterstützt werde
Rom. 26- Febr. (Wolff.) Der König hat die Demission deS Kabinetts D o n o m i angenommen und beauftragte den Abgeordneten Facta mit der Reublldung der Regierung. Facta unterbreitete dem König die Liste des neuen Kabinetts, die ber König billigte. Sie lautet wie folgt: Ministerpräsident und Inneres: Facta; Auswärtiges: Schanzer; Kolonien: Amendola: Justiz: Luigi Rossi; Finanzen: Dertone; Schatz: Peano; Krieg: di Scalea: QRarinc: de Dito; alnterricht: Änile; Oeffenlliche Arbeiten: Riccio; Ackerbau: Bertini; Handel und Industrie: Teosilr Rossi; Arbeit und Fürsorge: Dellosbarba; Post' (Scfaro; befreite Gebiete: vorläufig Facta.
Das neue Kabinett setzt sich aus acht Demokraten, und zwar den Deputierten Facta, Peanv, Luigi Rossi, de Ditv, Eesaro, Amendola und den Senat-ren Schanzer und Devfilv Rossi, aus drei Mitgliedern der latbvlischen Dolkspartei, und zwar den Deputierten Dertoni, Bertini und Anilc. einem Mitglied ber Landwirtspartei, dem Depu tlertcn di Scalea, einem Reformisten, dem Abgeordneten Dellosbarda und einem Mitglied ber liberalen Rechten, dem Abgeordneten Riccio, zusammen.
(Kine neue Wahluicdcrlagc der ensilischcu 5roalition.
L v n d o it, 27. Fsbr. (WTB.) Das gestem bekanntgegebene Ergebnis der Ersatzwahl in Bvfmin, wobei der Kandidat der unabhängigen liberalen Partei gewählt und die KöalilivnSMehrheit, die sich bei den Wahlen von 1918 auf 3583 Stimmen belief, in eine Minderbrit von 3141 Stimmen umgewandelt wurde, findet in der Presse größte Beachtung. Es wird sestgestellt, daß die Koalition innerhalb einer Woche bei nicht weniger als 3 Nachwahlen unterlegen ist.
Scheidemann in Kopenhagen.
Berlin, 27. Febr. Wie die Berliner „Montagspost" aus Kopenhagen berichtet, hielt am Sonntag in der Festhalle des Rathauses Phlltpp Scheidemann vor mehreren tausenden Menschen einen Dortrag. Er sagte, daß es ungerecht sei, Deutschland allein die Schuld am Weltkrieg z n geben. 2lber der Weltkrieg hätte ohne Zweifel verhindert werden können, wenn Deritschland schon 1914 eine dem DolkSwillen entsprechende Regierung gehabt hätte. Lieber den Krieg äußerte sich Scheidemann nur kurz und betonte, daß die deutsche Sozialdemokratie pom ersten Lage an bereit gewesen wäre, Frieden zu schließen. Sin großer Teil des DortragS war dem Versailler Friedensvertrag gewidmet, den Scheidemann mit außerordentlicher Schärfe zerpflückte, und dessen Ungerechtigkeit er so eindringlich dav- legte, daß er oftmals von Beifallskundgebungen unterbrochen wurde. Als Scheidemann für das dänische Liebeswerk für die deutschen Kinder dankte und zuletzt die Hoffnung auf einen wahren Völkerbund aussprach, erntete er tosenden Beifall.
Ein holländischer Tag in Berlin.
Verl in, 25. Febr. (WDD^) Der zweite holländische Tag, veranstaltet von der Deutsch-Riederländischen GefellsHaft, begann heute vormittag mit der Besichtigung der staatlichen Museen. Rachmittags veran'taktete die Ge ellschaf! in den Räumen der Deutschen Gesellschaft von 1914 einen musikalischen Tee. ttniversitcttsprofessor Penck schilderte in einem Dort rag über die niederländischen Häfen in ihrer Bedeutung für bas Deutsche Reich die innigen Beziehungen zwischen beiden ßänbem, die besonders durch den Rhein entstanden seien und die jetzt noch inniger aus- gebaut werden durch die Schaffung eines Mittel land-Ärain-Donnu ^Kanals. Deso ders beleuch e e er die großen Leistungen ber holländischen Ingenieure zur Sicherung des Lanbes burch Dünen unb Deiche, vor allem bie Sicherung der Mündungen der Flüsse vor Versandung. Er betonte, es gebe kaum einen Parallelismus zwischen den Interessen zweier Länder, wir zwischc' denen Deutschlands unb Hollanbs. Daraus verlas der srellvertretenbe Vorsitzende des Rieberländischen Vereins, D r e s s e l h u y s, ein Telegramm des deutschen Gesandten im Haag. v. Lucius, worin dieser der Tagung besten Erfolg und wei.e e Fe derung ber deutsch-holländischen Intere'fen wünschte. Der Abschluß des geselligen Boi' mm m.» seins bilbeten Dankesworte des Vorst tze^ 2.1 ber« Riederländischen Vereins, Ka n t er *ür alle Gastfreundschaft. die sie in Berlin neioifen haben.
Berlin. 25. Febr. (Wolsf.) Im Rahmen der Veranstaltung des holländischen Tages in Berlin bildete gestern abend ein 00m Verein „Redellanb tn den Dreemde" gegebenes Feste'sen den Höhepunkt. An ber Spitze der holländischen Gastgeber erschien ber niederländische Gesandte Baron Gevers. Don ber Reichsregie- mng waren Reichsminister des Irmern Dr K ö - st e r und in Vertretung des Auswärtigen Amtes Gesandter von W u t i u s antoejenb. Unter ben


