Ausgabe 
27.1.1922
 
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rief er. hochaufatmend. »Sie ist schwer verletzt. Du wirst sie mir hüten und gesrnbpflegen . .

An demselben Sage, an Leisen 2lbenb Las Palais RasumowSki ausioderte, ist ein Mann die Breite Straße in Berlin vom Schloßplatz ge­schritten. Gr muhte noch jung sein, aber LaS Gesicht schaute schmal aus und verhärmt, vor der, Zeit gealtert. Die Kleidung war stark abgetragen, der Gang müde, wie vom langen Wandern oder von einer schweren Fahrt.

Auf der linken Seite der Straße ging er und sah scharf musternd über die Fensterreihen drüben. Bun blieb er stehen, dem Hause gegen­über, in dem Frau von Giese wohnte. Qlber grab in der Mansarde waren die RouleauS dicht ge­schlossen. Waren sie verreist, die Mutter und die Töchter? Fast schien eS so.

Verreist oder verzogen. Auch das letztere möglich. Was passiert nicht in drei langen Jahren?

Man muh sich erkundigen.

Der Fremde bih die Zähne aufeinander, wirbelte an seinem kurzen, kecken, schwarzen Schnurrbart. Aber wo erkundigen? Auf der Polizei das war immerhin langwierig und unter Umständen bedenklich konnte zu Weiterun­gen führen. Man verlangte Papiere. Wer von den Flüchtenden, die jetzt nach dem Friedens- schluh aus Rußland kamen, hat Po Piere, wie fie ein preußischer Polizeisergeant zu sehen begehrt?

3m Hause drüben bei den Mitbewohnern an- pochen? Gr kannte dort niemand. Man würd- ihm die Türe weisen, würde grob werden. 3n Berlin wurde man leicht grob. Lind Grobheiten hat man bei den verfluchten Moskowitern genuc genossen- (Fortsetzung folgt)

Aus Stabt unb Land.

Dietzen, den 2k. Han. 1922.

An Einkommen st eueranteilen wurden laut Verfügung des Ministeriums des Innern folgenden Gemeinden die ihnen für 1921 zustehenden Betrage angewiesen: Albach 100 Mk.. Allendorf an der Lahn 1100 Mk., Allendorf an der Lumda 300 Mk., Allertshausen 200 Mk., Alten-Buseck 1000 Mk., Annerod 500 Mk., Bel­lersheim 600 Mk., Beltershain 400 Mk., Bersrod 100 Mk.. Dettenhausen 300 Mk., Beuern 200Mt, Birklar 700 Wt., Burkhardsfelden 600 Mk., Clim­bach 100 Mk., Daubringen 1100 Mk., Dorf-Güll 600 Mk., Eberstadt 500 Bll., Garbenteich 900 Mk., Geilshausen 300 Mk.. Giehen 172500 Mk., Göbelnrod 400 Mk., Grohen-Buseck 800 Mk., Grohen-Linden 6600 Mk., Grünberg 3400 Mk., Grüningen 800 Mk., Harbach 200 Mk.. Hattenrod 100 Md, Hausen 600 Mk., Heuchelheim 9000 Mt, Holzheim 1000 Mk., Hungen 2000 Mk.. Inheiden 300 Mk., Kesselbach 500 Mk., Klein-Linden 4300 Mark, Langd 400 Mk., Lang-Göns 1600 Mk.. Langsdorf 500 Mk., Lauter 300 Mk., Leihgestern 2000 ML, Lich 3400 Mk.. Lindenstruth 500 Mk., Lollar 8700 ML. Londorf 1200 Mk.. Lumda 300 WL, Mainzlar 2300 Mk.. Münster 400 Mk., Müschen heim 700 ML. Rieder-Bessingen 200 Mk., Aonnenroth 100 ML. Obbornhofen 700 ML, Ober--Defsingen 200 ML, Ober-Hörgeim 500 Mk., Odenhausen 200 ML. OpppenroL 200 ML. Queck- born 600 ML. Rabertshausen I 200 ML. Rein- bardshain 200 ML, Reiskirchen 500 ML, Rod- Heim 300 ML, Rödgen 700 ML, Röthges 100 ML, Rüddingshausen 400 ML. Ruttershausen 300ML, Saasen 700 ML. Stangenrod 300 ML, Staufen­berg 100 ML. Steinbach 800 Mk.. Steinheim 500 ML. Stockhausen 700 Mk.. Trais-Horloff 1000 ML. Treis an der Lumda 700 ML, Trohe 200 ML. Lltvhe 500 ML. Dillingen 200 ML. Watzenborn 3000 ML, Weickartshain 800 ML. Weitershain 400 ML, Wieseck 4300 Mk.. Winne­rod 100 ML

* Die Beschäftigung Schwerbeschä­digter in Privatbetrieben. Das Ge° samtminisleriüm hat am 22. ds. Wts. beschlossen, datz im Interesse der noch nicht versorgten Schwer­beschädigten alle größeren staatlichen Aufträge nur an solche Firmen vergeben werden dürfen, die ihre Verpflichtung aus dem Schwerbeschädigtengefeh erfüllt haben. Dor Er­teilung des endgültigen Zuschlags hat sich die amtliche Stelle, die den Auftrag vergibt, mit der Hauptfürsorgestelle in Verbindung zu sehen, um zu erfahren, ob die betreffende Firma die gesetzlich vorgeschriebene Zahl Schwerbeschädigter beschäftigL

* Anmeldungen für die Höhere und Erweiterte Mädchenschule. Für das kommende Schuljahr werden Schülerinnen nach 3 jährigem erfolgreichem Be­such der Volksschule in Klasse VII (4. Schuljahr) der Höheren Mädchen­schule ausgenommen. In der Erwellerten Mädchenschule finden Aufnahmen indessen erst nach 4 jährig em Besuch der Volksschule in Klasse 4b (5. Schuljahr) statt. Selbstver­ständlich können in sämtliche höheren Klassen beider Schulen Kinder eintreten. (Siehe An­zeige.)

** Hasendieb st ahl. In den letzten Tagen wurden aus einem Garten in der Hammstraße dahier vier Stallhasen, ein brauner französischer Widder, ein weiß und brauner deutscher Riesen- scheck und zwei schwarze belgische Riesen, gestohlen.

** Helft den Wassergeschädigten von Klausen! Man schreibt uns: Als ich vor Jahren mit dem Rade durch die lachende Früh­lingslandschaft des Cisacktales nach Bozen hinab­fuhr. ahnte ich nicht, welch trauriges Schicksal dieser von der Ratur so verschwenderisch ausge­statteten Gegend bevvrstand. Ich meine nicht die bangen Kriegsjahre, denn die Südtiroler waren von unerschütterlichem Glauben an die Festigkeit der nahen Front getragen, aber den Zusammen- bruck. die Fremdherrschaft. die die Deutschsüd- tiroler zwangsweise zu Angehörigen des ihnen völlig wesensfremden ttalienischen Dolles machte, mit dem sie bisher jede Gemeinschaft ablehnten. Roch heute dünkt den Südtirolern diese sinnlose Wucklichkett unfaßbar. Sie wird ihnen noch fühl- barer durch das wirtschaftliche Elend, denn der bessere Stand der italienischen Geldwerte vermag den Schaden nicht aufzuwiegen, den jene Gegenden durch das Ausbleiben der Wanderer aus Deutsch- land und Oesterreich erleiden. Aber nicht genug an den nationalen und wirtschaftlichen Röten,

die Zahl der Prüfungen noch vermehrt durch das Wüten der Elemente: ein Wolkenbruch läßt etn«i Gebirgsbach zum reißenden Strome an­wachsen. der Eisack staut die Wassermassen auf, bte das freundliche Klausen überfluten und kein Haus unverschont lassen. So ungefähr war der Hegang der H o ch wa s s e r ka t a st r o p h e, die sich im August vorigen Jahres ereignete. Die Einwohner von Klausen vermögen den ihnen

erwachsenen Schaden aus eigenen Mitteln nicht zu decken; von dem ihrem Volkstum fremden Staate, dem sie jetzt angehören, erhalten sie keine ausreichende Llnterstützung. Da wenden sich ihre Blicke auf die Volksgenossen im Reiche, die zwar selbst die Röte des Krieges noch nicht überwunden haben, aber immer bereit sein werden, verstoße­nen Volksgenossen nach bestem Können zu helfen. In allen deutschen Gauen wird denn auch für die Klausener gesammelt. Auch Gießen will nicht zurückstehen. Am 9. Februar wird Professor Küster einen vom Verein für das Deutschtum im Ausland veranstalteten Vortrag über die heimgesuchten Gegenden halten, dessen Ertrag den geschädigten Klausenern zu­fließen wird. Möge ein reger Besuch unserer Gießener Mitbürger zeigen, daß sie an dem harten Geschick der Deutschsüdtiroler Anteil nehmen.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Stadttheater. 61/? Hßr:Die Tanzgräfin". Katzh. Dereinshaus. 8l i Uhr: Hauptversammlung des Mietervereins. Astoria-Lichtspiele:Der große Chef". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Was tat ich dir" undJacks Geheimnis".

* Aus dem Stadttheaterbureau Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die heutige Aufführung derTanzgräfin" die letzte dieses Werkes ist. Es sei ferner nochmals aus­drücklich auf die Schülervorstellung vonR a - than der Weise" am kommenden Samstag hingewiesen. Das Werk wird genau in der Be­setzung und Ausstattung gegeben wie in den Abonnementsvorstellungen. Hm auch von aus­wärts Besuch zu ermöglichen, ist der Anfang auf Rachmittags 4 llßr festgesetzt worden. Das Ende erfolgt gegen 7 lUjr. Das Gastsviel des Ballets Petz-Kain er" bringt nach allen Pressestim­men, sowie nach den übermittelten Photographien etwas ganz eigenartiges, weil Ellen Petz, Tän­zerin von Ruf und Eigenart, und Kainer, dessen Begabung Kostüme und Dekorationen schuf, in dem Ballet etwas zeigen, baß Anspruch darauf erheben darf, als vollwertige künstlerische Eigenart ge­wertet zu werden.

Die Vereinigung der Freunde des Humanistischen Gymnasiums hat für kommenden Dienstag, abends 8'/2 älhr, im großen Hörsaale der Hniüerßtät eine Aussprache über die Frage: Reun oder acht Klassen höherer Lehranstalten? angefeßt (Siehe heutige Anzeige. -

Der Raturheilverein macht im Anzeigentell seine Mitglieder auf die am Sonntag. 29. Januar, nachmittags 5 ältyr, von der Volks­hochschule veranstalteten Vorlesungen von Prof. Dr. Dürker im Physiologischen Institut über Verdauung und Ernährung" aufmerksam und bittet, diese recht zahlreich au besuchen.

Der Wartburg-Verein veranstal­tet am Sonntagabend im großen Saale des Hotels Einhorn ein Wvhltätigkeitskonzert, bei dem Werke von Schubert. Mozart. Mosgkowsii und Chopin zum Vortrag kommen, und das nach dem uns vorliegenden Programm wegen der reichen Abwechslung von Solos und Gesamts viele sehr genußreich zu werden verspricht. Fräulein Aenne H o ch h u t h vom Konservatorium Frank­furt a. M., der ein guter Ruf als Sängerin vorausgehl, wird mit den LiedernAve Mana" von Schubert,Meine Liebe ist grün vonDrahms. Drossel und Fink" von D'Lllbert undArie aus Carmen" von Bizet zur Ausgestaltung des Abends beitragen. Für gute Heizung des Saales ist gesorgt.

Landkreis Gießen.

L Ettingshausen, 26. Jan. In der kommenden Woche soll dahier eine öffent­liche Pro test Versammlung der an der Strecke LichGrün berg liegenden Gemeinden stattfinden, au der die Orts Vorstände von Rieder- und Oberbeningen, Münster. Ettingshausen. Har­bach und Queckborn erscheinen werden. Es ist aber dringend erwünscht, daß auch die übrigen zahlreichen Interessenten aus den genannten Dör­fern sich einfinden. Es soll die Schädigung der Gemeindeinteressen durch die Butzbach-Licher Dahnverwaltung besprochen werden. Dabei wer­den sehr interessante Belege dafür gegeben wer­den. auf welche Art die Dahnleitung zu ihrer älnrentabilitäts"rechnung kommt. Man hofft durch ein geschlossenes gemeinschaftliches Vor­gehen die Regierung zur Unterstützung der hier vorliegenden Eisenbahnwünsche (Abend- und evL Frühzug) zu gewinnen. Auch die Wiedereinstel­lung der Bahnpost LichGrünberg soll be­sprochen werden. Eine Anzeige über Zeit und Ort der Versammlung erscheint in der Sams­tagsnummer desGießener Anzeigers". Die Ortsvorstände sind gebeten, vorher in einer ©e- meinderatssitzung die Dahnfrage zu besprechen und ihre Wünsche protokollarisch festzulegen.

* Großen-Duseck. 25. Jan. Ver­mißt wird seit dem 24. Oktober abends Hein­rich Wagner von hier. Er entfernte sich mtt seinem Fahrrad, und es steht zu befürchten, daß er sich unter Umständen ein Leid angetan

habest könnte. Nachrichten über den Verbleib des Genannten werden erbeten an die Bür­germeisterei Großen-Buseck. Personalbeschrei­bung: Alter 22 Jahre, Gestalt: schlank. Größe: 1,68 bis 1,70 Meter, Augen: braun, Haar: schwarz, Schnurrbartanflug: dunkelblond. Be­sondere Kennzeichen: Rasenzucken, durch wel­ches die Stirne in Falten kommt. Bekleidung: dunkelgrünes Oberjäckchen, schwarze Hose, braune Mütze. Das Fahrrad, das er mit sich führte, trägt die Marke ..Brestow" und ist von schwarzem Farbanstrich.

th. L i n d e n st r u t h. 26. Jan. Eine nach­trägliche Weihnachtsfreude wurde den bedürftigen Kindern der hiesigen Gemeinde zu° leit Lehrer Dolp an der deutschen Schule in Mexiko, der von hier gebürtig ist. und vor seiner Ausreise in Lollar tätig war. übersandte seinen Eltern eine namhafte Summe, die ihm von seinen Schülern in Mexllo zur Unterstützung bedürftiger deutscher Kinder übergeben worden war. Herr Volp hat bestimmt, bau die Summe entsprechend der Größe der beiden Orte hier und in Lollar zur Verteilung gelangt Geber sowie Hebermittler können gewiß des herzlichsten Dankes aller von der Gabe Betroffenen versichert fein.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach. 26. Ian. Eine in wellen Kreisen des Hessenlandes bekannte Persönlich­keit. Rechnungsrat t R. Johannes Sri, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Er war Kriegsteilnehmer von 1870/71 und hat viel für das Kriegervereinswesen im Kreise Lauterbach gearbeitet Lange Jahre war er Vor­sitzender des Hassia-Bezirks Lauterbach-Schlitz. Mehrere Kriegervereine der ilmgegenb nahmen an der Beerdigung teil.

rr. Schlitz. 26. Jan, Die letzten Tage stan­den in unserem Städtchen unter dem Zeichen der Kinvaufführung vonTischlein deck b t ch" nach dem bekannten Märchen von Grimm. Die Aufnahmen hierzu waren im vergangenen Jahre von einer Berliner Filmgesellschaft in un­ser Stabt unb deren reizvollen Gegend gemacht worden. So kam auch in der Darstellung der Zauber einer deutschen Kleinstadt mit ihren Tür­men und Burgen als Zeugen vergangener Zeiten wirksam zur Geltung, unb wurde dadurch dem Geist des Münchens gerecht. Abgesehen von den Hauptdarstellern waren die Mitglieder durchweg Schliherländer. namentlich die weibliche Jugend in ihrer kleidsamen Landestracht. Sv war es kein Wunder, baß ble zahlreichen Vorführungen des Films, darunter auch zwei Schülervorstellan- aen. sehr stark besucht waren. Die gelungenen Bilder fanden lebhaften Beifall. Richt an die Enge eines Bühnenhauses gebunden, hat hier deutsche Filmtechnik ein Märchen glaubhafte Wirklichkeit werden lassen. Linser altertümliches Städten aber wird der Film weithin bekannt werden lassen im deutschen Vaterland.

Wettervoraussage

für Sams tag:

Wolkig, leichte Riederschläge, Rachtfrvst, Tag etwas milder. Winde aus südlichen Richtungen.

Der Einfluß des all antischen Tiefdruckgebiets macht sich in unserem Beobachtungsgebiet durch Zunahme des trüben und milden Wetters lang­sam geltend.

Kirche unb Schule.

X Wieseck, 26. Ian. Der Widerspruch aller Beteiligten nötigte den Gemeinde rat, in sei­ner letzten Sitzung sich nochmals mit der Frage derDenuhung derSchulräume durch ver­schiedene Körperschaften zu befassen. Längere Er­krankung seines Vorsitzenden hatte den Kirchen­vorstand bisher nicht zur Verhandlung des Gegen­standes kommen lassen: dem Evangelischen P,arr- amt lieh aber die Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugendpflege in Darmstadt durch ein Schreiben an die Bürgermeisterei ihre Unterstützung. Zunächst bis 1. April wurde nun dem Frauenchvr, dem Stenographenverein unb der kirchlichen Vereinsam beit unb Jugendpflege die Be­nutzung des Rathaussaals gestattet: für Heizung haben sie selbst zu sorgen, unb ber Anteil der Kosten für Licht soll auf sie ausgeschlagen werden. Gegenüber der schroffen Ablehnung vom Dezember immerhin ein Entgegenkommen! Wirtschaftlich ist nun die neue Regelung insofern nicht bei der großen Kohlennot, als die früher" benutzten Schul­räume durch die Fortbildungsschule bis 7 llhr be­nutzt waren und eine besondere Heizung für den Abend nicht nötig war. llnvollständig ist dort auch die Beleuchtung und es fehlt an Tischen fast ganz. Wie man hort, will die Stenographenvereinigung, deren Schwester-Vereinigung in Gießen die schule benutzen darf, in einen Wirtsraum gehen: sie un­terrichtet auch schulpflichtige Knaben unb Mäbchen. Es wirb sich fragen, ob diese Losung ben Beifall ber Schulbehörde findet. Unfer Gemeinde rat hat schon allerlei Kommissionen, vielleicht bildet er

auch einmal eine solche für weniger materielle Dinge, die mit ben einschlägigen Instanzen sich in Verbindung setzt. Dann wird es nicht mehr Vor­kommen baß Körperschaften, die das Beste der Gemeinde wollen mit hohen Zielen und Idealen, plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt und Be­schlüsse gefaßt werden, die doch wieder einer Revision unterzogen werden müssen.

Die Hessische ßanbeswanöer» bühne in Oberhessen.

Man schreibt und: Die Kunstreise unserer Landeswanderbühne durch das ver­schneite Oberhessen war ein Triumphzag. Gut Ding wlll Welle haben. Hatte die Landes­wanderbühne im ersten Jahre ihres Bestehens mit mancherlei Arten von Mißverständnis und Mißtrauen zu kämpfen, so findet sie heute überall im Hessenland das herzlichste Willkommen. In Oberhessen gab es überall dichtbesetzte Zuschauer­räume: die an jedem neuen Orte" vor Beginn ber Aufführung seitens des Direttors Hassin - ger an das Publikum gerichteten Dearüßungs- worte und Einführungserläuterungen sorgten in glücklichster Weise für richtige Einfühlung und Einstimmung von Bühne und Publikum Berell- willigste Mitarbeit wurde seitens aller Ver­trauensleute geleistet unb gastliche Aufnahme von ber Bevölkerung gewährt. Don wellher strömten bie Äunftbegierigen herbei, aus entlegenen Dör­fern und Weilern über schwierige und verschneite Wege. Keine Unbill der Witterung hielt sie ab. unb faßen sie dann vor dem leichten Gerüst der Schaubühne, so brachten sie ihren Darbietungen die herzlichste Bereitschaft entgegen, ein empfäng­liches Gemüt und ein sehr schätzbares Verständnis. So lieferten sie auch ben Künstlern jene Antriebe, bie die Leistung immer wieder mit Leben Un­fällen und verhindern, daß sich Ermüdung oder Gleichgültigkell einschleichL Es ist nicht zu ver­gessen. daß das Tägliche von Ort zu Ort, das immer neu gestellte Problem der Quartiere, der Garderoben, der verschiedenen HllfsmitteL an die gesamte Organisation unb an die Künstler die größten Anforderungen stellt. Selbst Ratur- aewallen werfen sich ihrer Arbett manchmal in Den Weg: die Landeswanderbühne hatte gerade in Oberhessen GelegenheiL Studien au machen über die Zusammenhänge zwischen Kunst unb Witterung, als einmal ber Anhänger ihres Last­autos im hochgetürmten Schnee stecken blieb und am Tage darauf mühsam herausgeschaufell wer­den mußte. Glänzt aber bann von innerlich er­hellten Gesichtern der Widerschein der künstleri­schen Leistung zur Bühne hinauf, spricht lautlose Stille für die seelische Ergriffenheit der Zuhörer, bewegen sich bei Amaliens Klagen leise die Taschentücher zwischen Hand und Augen dann ist volle Entschädigung da.

Den Menschen ergreifen, ihn- für Erschütte­rungen zugänglich au machen, die seinem Inter-- essenleben fern sink, ihn so herausreißen, aus dem Ring täglicher Affekte, und ihm eine all­gemeinere Welt auftun, bie doch seine eigentliche Heimat ist wie vieles ist geleistet, wenn das gelungen ist! Die Landeswanderbühne hat tüchtig an solcher Ausschließung der Seelen gearbeitet unb kehrt reich belohnt durch den Hank von vielen Tausenden an ihren Standort Darmstadt zurück: nicht zum Ausruhen, sondern zur Vor­bereitung ber neuen Stücke, mit denen sie in wenigen Tagen ihre zweite Rundreise beginnen wird.

Turnen, Sport und Spiel.

Winterkampfspiele in Gar- m i sch.DasAuSscheidungSrvdeln zur Deutschen Kampfspielrodelmei st er schäft, das am Dienstag auf der 1500 Meter langen Dahn des S. C. Rissersee ausgefahren wurde, sah den baye< rischen Meister Seebacher-Oberaudorf in 2:13 als Sieger vor Langer-Wien 2:18,6, v. Osterroth-- Homburg v. b. H. 2:18,8 unb Scheimpflug-Wien 2:20,2. In den Eisläufen dominierten wieder die österreichischen Teilnehmer. Kofler-Klagen- furt Holle sich die 500 Meter in 49.6 Sek. vor seinem Landsmann Bombig, der mit 50,2 Sek. ebenfalls die deutsche Rekordzell von 50.8 Set. unterbot 3m 1500-Meter-Lauf kehrte Bombig den Spieß um und siegte in 2:39.1 (deutscher Rekord 2:39,6). Zweiter wurde Kosler mit 2:48. Driggl-Klagenfurt wurde in beiden Läufen Dritter in 52 Sek. resp. 2:47,8. Dann erst folgten die Deutschen Müller. Reusttster, Grund usw. Das Hauptkunstlaufen ergab ebenfalls die Heb erlegen- beit der österreichischen Teilnehmer, von denen Weltmeister Kachler, Döckl unb Dr. Oppacher- Wien die drei ersten Plätze vor dem deutschen. Meister Ritberger belegten. Im Eishockey traten die Leistungen der Oesterreicher dagegen in ben Hintergrund. Der deutsche Meister M T. B. München schlug Wien mit 1:0. Berliner Schlitt­schuh-Club unb S. C. Charlottenburg spielten 0:0, während der Münchener Hockey-Club die hohe Riederlage von 18:1 vom B. S. C. hinnehmen mußte.

Die Blüchermchten.

Roman von Hanns von Zobeltih.

14. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)

r,,Eec Hauptteil des riesenhaften Gebäudes glich nun einem einzigen lodernden Flammenmeer, schvn griffen de Gluten auch aus die Reben» gebaube über, ab und zu huschten noch immer, eüeno, einzelne Gestalten und Gruppen von Flüch­tenden an ihm vorüber, irrten, schien es, fast ohne Vesmnung durch bie breiten Parkwege. Befehle au'- bie Spritzen mehrten sich, Die 415af|ecschlauche wurden angeschraubt, ihre Strah- «W«1 lich zischend und wir-

rungslos mit den Flammen

?nl>?rn S^te' des langen Bretter­stapels faß; em junger Mann, de Brust doll Orden: dahinter hartten. mit Ruy und 'Schutt bedeckt, ein paar Höflinge in golbstrohendenUni­formen. Vor dem Gebieter aber stand ein Greis unb rang in Verzweiflung die Hände. Dicke Trä- nen rannen üb?r die Backen, von denen sie die Schminke längst abgewaschen hatten. Elend ver- fallen sah er aus.

»Wie war es möglich, Cyrill?" frag'e der 5ar streng. Hart tönte seine sonst so einschmei­chelnde Stimme.Du hast unsägliches Un! il verschuldet, Cyrill!"

Der Greis brach in die Knie.Was kann ich dafür, Majestät? Ich bin schwer genug b^

»Pah du bist reich genug, dir einen neuen Palast zu bauen. Aber ich fragte: Wie war das Unglück möglich? Störft du nicht? Sprich, was bu weiß*"

Aufschlachzte der Greis.Es soll an der Luftheizung gelegen haben. Verflucht der Bau­meister"

Graf Martinez hörte das alles nur wie von fern her.

Er mußte endlich einen Entschluß fassen

Wo mochte die zierliche Frau sein? War sie überhaupt gerettet ? Sollte er die Geliebte nach dem Hotel bringen? Das lag weit ab.

Ein Wagen? Ein Wagen!

Endlich entschloß er sich, hob Luise wieder auf, schritt mit der holden Bürde dem Park- auägang za, durch bie langen Reihen der Wasser­träger, die Eimer auf Eimer za den Spritzen brach-- ten, durch den Kordon der Truppen . .

Zu seiner Mutter wollte er.

Sie schlief schlecht, war meist bis nach Mitter­nacht auf mit ihrer Gesellschaftsdame. Sie würde Luise auf das liebevollste aufnehmen, das wußte er. älnd sie wohnte nicht allzuweit, nahe der Belvedere. Bis zu ihr konnte er Luise auf feinen Armen tragen. Er fühlte sich stark genug.

Zur Mutter! War's nicht das Gegebene, das einzig Richtige? Wie hatte er zögern können?

Tie Straßen waren dicht gefüllt. Halb Wien schien zusammeng. strömt Eltern, d e U>ie Kinder auf dem Wunderfest wußten. Kinder, die um ihre Ellern sorgten. Rcugierige aus allen Volks- klassen. neben den kostbaren Pelzen der derbe Arbeiteranzua. neben dem bordierten Hat das kleine Häubchen der Zofen, der Wäscherinnen. Schweigsam, von der Größe, der niederzwingenden Gewalt des iUnglücks gebannt, standen, die Zehn­tausende.

Man machte Martinez respektvoll Platz. Man sah ja die Frau in seinen Armen, an feiner

Brust. Manchmal schlag ein leiser Ton des Mit­gefühls an fein Ohr. Einmal fragte ein stäm­miger Arbeiter:Soll ich tragen helfen. Euer Gnaden?"

Er schüttelte den Kopf. Aber er sah doch wie neidvoll, wenn einer ober der andre Wagen, ein Kaiserlicher Hoischlitten etwa, vor über sauste.

Es hatte zu schneien aufgehört. Leuchtend, Har und kalt, stand der Mond am Himmel.

Ein einziges Mal hatte ßuife gesprochen. Wie im Traume, mit lallenden Lippen, fast wie ein Kind.Weh. . . weh. .

Gleich sind wir zu Haus, Liebste. Dann werden wir dir helfen"

Run noch eine Querstraße endlich das Haus der Mutter. Ober leuchtete noch Licht aus ihrem Zimmer. Gottlob

Er mußte Luise in dem einen Arm halten, den Hausschlüssel, den er zufällig bei sich trag aus ber Tasche lösen zu können, um die Tür zu offnen. Tie Veränderung ihrer- Lage schien ihr neue Schmerzen zu machen. Sie stöhnte auf, wimmerte dann

Gleich gleich, du Liebe"

Er schellte stark, als die Tür sich geöffnet hatte. Es wurde lebendig im Hause. Der alle Diener kam die Treppe herunter, stand erschrocken Dis in diese friedvolle Straße war die Künde von dem Unglück noch nicht gedrungen.

Still. Alvis. Fass' hier an. Vorsichtig" So haben sie Luise die Stiege ßlnangetragen. Oben, auf dem Podest, stand bereits die Mutter. Es war fast, als hätte sie gewartet.

Mama, ich bringe dir das Liebste, was ich auf der Welt habe meine Braut Luise!"

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