Nr. 25
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Frankfurt a. M. 11686.
Erstes Blatt
112. Jahrgang
Zreitag, 21. Januar 1922
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Vrvck und Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- und Steinöruderci N. Lange. Sdfriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstratze 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer dis zum Nachmittag vorher vhnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigern, 34 mm‘Breite örtlich 70 Pf, auswärts 90 'Pt; für Reklame- Anzeigen von 70 mm Breite 360Pf. Bei Platz. Vorschrift 20 ', Aufschlag. Hauprschriftleiter: Ang. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Karl Walther; für den Snjeigenteil: Han» Beck, sämtlich in Dietzen.
Pressestimmen zur Reichskanzlerrede.
Berlin. 27. Januar 1922.
Die gestrige Bede deS Reichskanzlers (siehe 2 Blatt) wird von der Mehrheit der Blätter als ein parlamentarischer Erfolg Dr. Wirths bezeichnet. Die „Dvssische Zeitung" sagt: Die sehr eingehende Polemik des Kanzlers gegen die Regierungserklärung Dvincarös war im Ton sehr maßvoll, in der sachlichen Abwehr aber sehr bestimmt. Mit Bezug auf die Erklärung des Kanzlers, das) die deutsche Regierung jeder französischen Regierung gegenüber dle gleiche Politik betreiben werde, die darauf hinausgehen müsse, dje Interessen Frankreichs soweit zu befriedigen', als es nur immer möglich sei, schreibt das Blatt: Wir hoffen, daß diese Erklärung in Frankreich den Widerhall findet, den die Ausführungen des Kanzlers verdienen, und das) nunmehr endlich die ruhige Heberlegung der Volkswirte in den Vordergrund tritt, gegenüber der leidenschaftlichen Erregung und den parteipolitischen Interessen der „nichts als Politiker".
Auch die „Germania" knüpft an die Bemerkung des Reichskanzlers an. daß d e Poli'.ik Tr. Wirths die Befriedigung der Interessen Frankreichs erstrebe, soweit dies in Deutschlands Mächt stehe und fährt fori: Mehr hat der Frie- densvettag nicht statuiert, mehr kann auch Frankreich nicht verlangen! Um so grober aber ist unser Recht, auf diesem Gebiete die Anerkennung unserer tatsächlitzen Lei ungen xu verlangen. In dieser B ziehu-g hat Dr. Wirch eine Frstigkeit der Sp ache gezeigt, die aufs neue beweist, 7>ah die Politik der Erfüllung nichts weniger tft als eine Politik der Schwäche fand Phrase. Wahrheit und Recht sind unsere einzigen Waisen gegenüber dem ®'$ner, die zu geb ccuchen wir uns keinen Qlugentiltd zu scheuen haben. Man redet mit gutem Recht so viel von der weltwirtschaftlichen Vernunft, die nun endlich in den internationale.! Beziehungen die Oberhand gtomne.i mässe Die finanziellen Anstrengungen!, die wir nun machen, beweisen jedem, der sehen will, daft "Deutschland keineswegs ein Hindernis, sondern vielmehr geradezu ein Pionier auf dem Wege dahin tft
Der „Vorwärts" führt aus, dah die Polemik Dr. Wirths gegenüber dem neuen französischen Kabinett streng im Rahmen des Sachlichen geblieben ist und der Möglichkeit einer späteren Verständigung nicht die Tür verriegelt hat, was in den Reihen der Sozialdemokratie angenehm berührte. Der Kanzler setzte sich in glücklich gewählten Wendungen sehr richtig niit dem Wesen der Erfüllungspvlitik auseinander, die nicht die Erfüllbarkeit des Londoner Finanzdiktals behaupten, sondern im Gegenteil durch einen sachlichen Er- füllungsverfuch seine tatsächliche Unerfüllbarkeit beweisen will.
Die „Freiheit" meint: Es ist im wesentlichen die Politik, die wir in ihrer Grundlage stets gefordert haben: Eine Politik der Offenheit, Ehrlichkeit und des gesunden Menschenverstandes. Die Entgegnung Wirths auf die Rede des französischen Ministerpräsidenten war glücklich und würdig.
Die »Zeit" nennt die Abrechnung desReichs- fanterS mit den Unrichtigkeiten Poincar^s sehr milde und vorsichtig in der Form, vernichtend ober in der Sache. Es werde der französischen Presse schwer fallen. Stichhaltiges gegen die Ausführungen Wirths vvrzubringen.
Auch der „Lokalanzeiger", der im übrigen an der Red? mancherlei auszusetzen hat, betont, dah die Rede Dr. Wirths auf die Anschuldigungen Poincares. soweit sich diese auf Gegenwart und Zukunft beziehen, eine ausreichende Antwort erteilt hat.
Das Steuerfcompromi&.
Berlin, 26. Han. (WTB.) In einer interfraktionellen Besprechung der bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie wurde vereinbart dah die Zwangsanleihe nicht bis zu einer Milliarde Goldmark, sondern in Höhe dieses Betrages aufgelegt werden soll, lieber die Verzinsung soll entschieden werden, wenn die Frage zur Beratung steht, und wenn sich die Geldverhältnisse einigermaßen übersehen lassen. Die Sozialdemokraten verlangten, da ihnen die Befreiung der Genossenschaften von der Umsatzsteuer nicht zugestanden wurde, die Besteuerung der Genossenschaften nur in der bisherigen Höhe. Unter dieser Voraussetzung waren sie bereit, für 2V2 Prozent Umsatzsteuer zu stimmen. Die bürgerlichen Par t e i e n lehnten diese Differenzierung ab. Infolgedessen kam es zu dem Kompromiß: 21/« Proz. Umsatzsteuer. dafür 40 Proz. Kohlensteuer und 50 Mk. Zuckersteuer für den Doppelzentner. Voraussetzung für die Zwangsanleihe ist, dah ihr Erträgnis nur zur Decllmg des außerordentlichen Bedarfs verwendet wird, nicht aber zu Zuschüssen zu den Betriebseinnahmen (Post und Eisenbahn). An dieser Beratung nahmen die Deutschnatto- nalen nicht teil.
Zusammentritt des Auswärtigen Ausschusses.
D e r l i n. 27. Jan. Wie die Blätter melden, tritt der ReichStagsausschuh für Auswärtige Angelegenheiten heute vormittag 11 Uhr zusammen zur Entgegennahme einer Erklärung des Reichskanzlers über den Garantie-und Reparationsplan, der heute abend oder morgen früh in einer Rote der ReparattonSkom- rnifsion mitflcteilt werden soll.
Englische Stimmen zum deutschen Stcucrkompromift
L o n d o n, 27. Jan. (WTB.) Der Pariser Berichterstatter des „Daily Telegraph" erfährt aus Ententekreisen, die Antwort der deutschen Regierung auf der von ihr bezüglich der finanziellen Reform der Garantien und Reparationen im allgemeinen geplanten Grundlage werde als befriedigend angesehen werden. Das Zustandekommen eines annehmbaren Steuerkompromisses sei ein großer Sieg für Dr. Wirth, dessen Prestige während der letzten Tage bei der Behandlung der äußerst schwierigen Frage sehr zugenommen habe.
In einem Leitarttkel schreibt „Daily Ehronicle", dah Deutschland mtt dem Steuerkompromih eine Höchstleistung gemacht habe, die nicht bald wiederholt werden könnte.
Die Politik Frankreichs.
P a r i s. 26. Jan. (WTB.) Der Vorstand der republikanischen demokratischen und sozialistischen Partei (Partei Ionnatt) hat ejne Tagesordnung angenommen, in der er für die Durchführung der Friedensverträge, besonders ihrer Reparations- und Abrüstungsbe- stirnrnungen als Voraussetzung jeder Befestigung des Friedens und des wirtschaftlichen Wiederaufbaues von Europa eintritt und es für Frankreich als unbedingt notwendig bezeichnet, dah Deutschland in jeder Form, die sich mit den Forderungen seiner Wirtschaftslage verträgt, die ihm zur Pflicht gemachten Zahlungen in vollem Umfange leistet. Der Abschluß des französischenglifchen Sicherheitsabkommens wird von dem Parteivorstand als wünschenswert erklärt, müsse aber durch methodische Behandlungen vorbereitet werden.
P a r i s. 26. 3an. (WTB.) Der diplomatische Berichterstatter des „Paris Midi" Philippe Millet schreibt, es fei nur zu flar, dah die öffentliche Meinung Amerikas in diesem Augenblick Frankreich nur wenig günstig gestimmt fei. Die Situation fei in Wahrheit sogar schlimmer als sie scheine. Wenn die Kundgebungen der Mißbilligung nicht zahlreicher seien, so deshalb, weil die amerikanische Regierung mit aller Kraft die Presse und den Kongreh zurückhalte.
Der Abgeordnete H e r r i o t sagt in der „Information" : Roch niemals feit dem Waffenstill- ftand war die Konfusion in unferen auswärtigen Angelegenheiten so grvh wie jetzt. Wir müssen erkennen, dah man unserem Land Argwohn entgegenbringt, der unseren Interessen ernsthaften Schaden zufügt, besonders unseren Handelsinteressen. Zur Zeit des Krieges hatte man nicht genug Lyrik zur Verfügung, um uns zu feiern, heute wirft man uns vor die Hunde! Selbst Amerika spricht zu uns mit harten Worten.- Handelssekretär Hoover läht und von Washington aus wissen, dah das System der Reparationen umgestaltet werden müsse. Die amerikanische Verwaltung scheint uns des Militarismus zu verdächtigen, so stark verlangt sie unsere Entwaffnung. Man Der- sichert auch, dah Präsident Harding, bevor er sich in Genua vertreten lassen will, die llmgeftal- tung unseres Budgets verlange, was dazu führen würde, uns unter Vormundschaft zu stellen.
Der (Entwurf eines englischbelgischen Schutzvertrages.
Paris 26. Ian. (WTB.) Der „Petit Pa- rtfien“ veröffentlicht den Text des geplanten eng- lisch-belgischen Schu h ve r t r a g es. Der Entwurf der augenblicklich der Prüfung des Lon- doner Kabinetts unterliegt, hat folgenden Wortlaut- Im Hinblick darauf, dah das belgische Gebiet welches zwischen Deutschland und Frankreich liegt in besonderer Weise exponiert ist, im Hinblick'darauf dah Deutschland, um Frankreich an- zugreifen, Anfang August 1914 in Belgien einbrach sowie im Hinblick darauf, dah Belgien noch unter' den durch den Einfall und die Besetzung verursachten Schäden leidet, entschlossen sich der englische König und der König von Belgien zu folgendem Abkommen: Artikel 1. Im Falle eines direkten, nicht provozierten Angriffes auf Belgien wird Grohbritan- nten Belgien sofort mit allen seinen Streitkräften zu Wasser, zu Lande und in der 2uft zu Hilfe eilen. Artikel 2. Belgien wird alle seine militärischen und Luftstreitkräste verwenden, um seine Grenzen im Falle eines Angriffes oder einer Verletzung seines Territoriums zu verteidigen. Belgien wird keinen Vertrag schließen ober kein Abkommen treffen, das mit diesem Abkommen unvereinbar ist.
Die Konferenz von Genna.
London. 26. Ian. (WTB.) Das Reutersche Bureau erfährt von zuständiger Seite, dah das Gerücht, wonach möglicherweise der Zeitpunkt der Einberufung der Konferenz vvnGenua aufgeschoben werden würde, vollkommen unbegründet ist. Es fei sicher, dah Lloyd George an der Konferenz teilnehmen werde.
Paris, 27.. Ian. (WTB.) Ter ,Rew Port Heralö" berichtet aus Washington, dah nach Rachrichten aus D;friiellen Kreisen Präs.deut Har - ding sich weigern werde, die Einladung zur Konferenz nach Genua anzunehmen. Seit Empfang der Einladung hätten der Prätt^ dent, Staatssekretär Hughes und andere Beamte die Frage sehr sorgfältig geprüft. Ter Korrespondent glaubt zu tojien, dah sie zu dem Ent- schluh gekommen seien, es liege im Interesse Der Vereinigten Staaten, nicht an der Konferenz ttilzunehmen. Man nimmt an, dah in der heute
erreichen war.
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1 429 986 Ballen.
über die Lv n
der Reuyorker „Sun“:
„Obwohl der Handel mit Deutschland, mit dem wir noch vor gar nicht langer Zeit im Kriege standen, den Umfang vom Jahre 1913 noch längst nicht wieder erreicht hat, hat er doch bereits eine wichttge Rolle gespielt im Sinne einer Verminderung der Depression, die unser Wirtschaftsleben bettoffen hat. Vor allem in Bezug auf zwei wichtige Erzeugnisse, Baumwolle und Kupfer, stellt dre Ausfuhr nach Deutschland direkt das Linderungsmittel in dieser unserer bedrängten Lage dar. Im Jahre 1921 kaufte Deutschland bet den Vereinigten Staaten fast so viel Rohbaumwolle wie Grohbritannien, und zwar 1 416 505
Stage erstatten.
bon, 26. Jan. (Wolff.) Reuter er»
Deutschland als Kunde der Vereinigten Staaten.
(F.P.S.) Wie wichttg allmählich wieder die Bedeutung Deutschlands als Abnehmer der Erzeugnisse der Vereinigten Staaten eingeschätzt wird, bezeichnet folgende Aeußerung
fährt: Aus Wien in London eingetroffene Rachrichten erklären, derRiedergang derKrone rief ein solch ungeheures Steigen der Preise hervor. dah die Lage verzweifelt sei und Unruhen zu befürchten seien. Die Österreich'sche Regierung habe deshalb den alliierten Mächten Vorstellungen gemacht, die Lage auseinandergeseht und erklärt, dah sie, wenn nicht innerhalb der nächsten Tage Hilfe aus dem Auslande einträfe, jebe Verantwortung für die Folgen ablehne.
Die „Westminster Gazette" meldet, dah die britische Regierung die Gewährung einer Anleihe von 2 Vs Millionen Pfund Sterling an Oesterreich erwäge. Als Sicherhett für diese Anleihe würden die österreichischen Zölle dienen. ---
Arbeiterfragen in Dänemark.
Kopenhagen, 26. Jan. (WTB.) Der dänische Arbeitgeberverband kündigt für den 3. Februar die Aussperrung von ungefähr 100 000 Arbeitern verschiedener Berufe an, mit deren Organisationen bisher eine Einigung über die Lohnherabsetzung und die Aufhebung deS Achtstundentages nicht
halten und die Rotlage der Pflanzer des Südens zu erleichtern.
Der deutsche Markt hat ebensoviel getan für den Kupferbergbau, der von allen Industriezweigen während der letzten Jahre mit am schwersten getroffen worden ist. Deutschland nahm 1921 nicht weniger als 212 101 469 Libras unseres Kupfers ab, d. h. dreimal so viel als England, das nur 61 158 053 Libras bei uns kaufte. Diese deutschen Käufe haben unfern riesigen Kupfervvrrat gelichtet, der solange Zeit ein unüberwindliches Hindernis für die Wiederaufnahme des vollen Bettiebs in den amerikanischen Kupferbergwerken und -schmelzen dargestellt hatte, und haben damit die Aussicht auf bessere Zeiten in nächste Nähe gerückt.
Der amerikanische Baumwollpftanzer und Metallurgist werden weiterhin auf Deutschland als auf einen der Märkte für ihre Erzeugnisse blicken. Aber es bleibt noch Vieles zu tun, um für diese großen und wesentlichen Zweige des Handels den ungehinderten Verkehr zu gewährleisten."
Aus dem Reiche.
Ein Erlaß des ReichsverkehrsmimsterS.
Berlin, 26. Ian. (WTB.) Der Reichsverkehrsmini ft er hat in der Frage des Beamten st reiks den Reichsbahnbehörden folgende Anweisung gegeben: Rach Zeitungsnachrichten beschloh der Vorstand der Reichsgewerkschaft deutscher Eisenbahnbeamten und -an- Wärter, der Reichsregierung Forderungen vorzulegen unter Stellung einer Frist, nach deren fruchtlosem Ablauf die Beamtenschaft zum Eintritt in den Streik aufgefordert werden soll. Ich habe die Reichsgewerkschaft befragt, ob die Rachricht zutrifft, uno sehe mich veranlasst, folgendes bekanntzugeben: Zeder Eisenbahnbeamte ist verpflichtet, feine volle Kraft einzufehen für den Dienst, insbesondere für die sichere und geordnete Bewältigung des Betriebes und des Verkehrs. Gegen diese Pflicht verstößt nicht nur, wer sich ohne begründete Entschuldigung vom Dienste fernhält, sondern auch, wer Arbeiten nicht ausführt, die feiner Dienststellung gemäh ihm obliegen oder von der zuständigen Stelle aufgetragen werden. Iede willkürliche Dienstverweigerung ist eine Verletzung der Amtsund Dienstpflichten, die den Beamten der Allgemeinheit gegenüber obliegen. Sie ist als Dienstvergehen strafbar. Gleichwie das Reich nicht in der Lage ist, das Anstellungsverhältnis eines Beamten unter Außerachtlassung der gesetzlichen Schutzvorschriften zu lösen, steht auch den Beamten ein Recht auf Arbeitsverweigerung nicht zu. Gegen Beamte, die dieser Warnung entgegen ihre Pflicht verletzen sollten, ist unbeschadet der Bestimmung des § 14 Abs. 3 des Reichsbeamtengesehes die Einleitung eines förmlichen Disziplinarverfahrens und die vorläufige Enthebung vom Dienste alsbald herbeizuführen.
Der erwähnte § 14 Abs. 3 des Reichs- beamtengefetzes entzieht den Beamten für die Zeit einer unerlaubten Entfernung vom Dienste sein Diensteinkommen. Die Reichsbahnverwaltung weiß im übrigen, dah sich die Beamten, die einem Streik zugeneigt sind, der Zahl nach durchaus in der Minderheit befinden. Die in dem Erlaß des Reichsverlehrsministeriums erfolgte Klarstellung der Rechtsverhältnisse wird aber, wie man hoffen darf, auch diejenigen Teile der Beamtenschaft, deren Haltung zur Zeit schwankend ist, zur Besonnenheit zurückführen.
Die Notlage der Kleinrentner.
Berlin, 26. Jan. (WTB.) Der Haupt- ausschuß des preußischen Landtages hat heute den Anttag Christange (U. S. P.) ab- gelehnt, für Sozialrentner als Beihilfe zur Mllderung der herrschenden Not 100 Millionen Mark bereitzustellen. In der Aussprache wies der Regierungsvertteter darauf hin, dah damit auf den Einzelnen 64 Mk. entfallen, womit auch nicht geholfen sei.
Doske als Warner.
’ Harburg, 25. Jan. Der Oberpräsident der Provinz Hannover, NoSke, hielt auf der Kreiskonferenz der Sozialdemokratischen Pattei eine Rede, in der er u. a. aus- fühtte: Man dürfe sich nicht über die Kraft der internationalen Beziehungen täuschen; hinter den rauschenden Reden französischer Sozialisten stehe nichts. Das Zusammenarbeiten mit dem Zentrum sei genau so gefährlich wie mit der Deutschen Volkspartei, denn es
ftattfindenben Kabinettssitzung diese Rachricht offiziell werde. Emer der Haup g g^er fet der Staatssekretär Mellon, der in weitestem Matze ten Präsidenten Harding gegen jete Teilnahme an ter Konferenz beeinflußt habe. Er stehe auf dem Standpuntt, es sei nicht die Rolle der Vereinigten Staaten, sich darum za k immern, was getan werden müsse, um die Wirtschaft und die Finanzen der europäischen Staaten zr ftabili- fieren. Die in Betracht kommenden Rationen müßten sich unter sich a if eine Prozedur einigen. Andererseits kündigt man an, Präsident Harting fei der Meinung, daß die europäischen Rationen aushören müßten, fabelhafte Summen Papiergeldes auszugeben. D.e Regierung drück e ferner die Ansicht aus, die europäischen Rationen müßten anerkennen, daß die wittschaftliche Wieder- terficllung des Kon iieittZ in d r k.er D hang zur wittschaftliche.i Wiederherstellung Deutschlands stehe and eine gerechte, ras cheund räf onnablc Regelung der Reparationsfrage in sich schließe.
Rücktritt des Bundeskanzlers Schober.
Wien, 26. Ian. (WTB.) Rationalrat. Vor- bericht. Am Schluß der heutigen Sitzung machte der Präsident Mitteilung von der erfolgten Demission des Bundeskanzlers und der Regierung. Der Rationalrat wird die neue Regierung morgen wählen.
Wien, 26. Ian. (WTB.) Der Rationalrat hat das politische Abkommen mit der Tschecho-Slowakei in namentlicher Abstimmung mit 104 Stimmen der Sozialdemokraten und der Christlichsozialen gegen 23 Stimmen der Großdeutschen angenommen. Bundeskanzler Scho ber erklärte nach eingehender Polemik gegen die Grohdeutschen, daß er der wiederholten Aufforderung der Großdeutschen Volks- Partei, zu demissionieren, unmittelbar nach Schluß der heutigen Sitzung nachkommen werde.
W i e n , 26 Ian. (WTB.) ImRational - rat erklärte der Großdeutsche Dr. Dinghof er, daß die Haupturfache des österreichifchen Elends der unglückselige Friedensvettrag fei, an welchem die Hauptschuldigen Kramarsch, Benesch und Ma» sarht seien. Angesichts ber tagtä glichen Drangs a° lieiungcn ter Deutschen in der Tschechoslowakei finde es die Österreich. Regierung für richtig, gerade mtt der Tschechoslowakei als erstem Staat cm politisches Abkommen abzuschliehen und darin den Friedensvertrag von St. Germain freiwillig anzuerkennen. Der Bundeskanzler Schober sagte gegenüber einem Vorwurfe der Grohdeutschen, daß er ebenso gut deutsch fühle wie sie, und dah in feinem Herzen die deutsche Flamme ebenso rein und hell brenne. Er habe niemals den Der» fall der Entente erstrebt, aber den Beifall und das Derttauen der Deutsch-Oesterreicher.
Oesterreichische Anleihe in England.
London, 26. Ian. (WiTD.) Das Ersuchen Oesterreichs um eine Anleihe ist dem Schatzamt zur Prüfung überwiesen worden. Dieses wird dem Kabinett einen Bericht
drohe eine nicht zu unterschätzende Katholi- sierung der Staatsämter. Der Völkerbund sei geplatzt. Wenn die Sozialdemokraten angesichts der Bedrohung durch die Siegerstaaten es nicht verständen, einen vaterländischen Ton anzuschlagen, laufen die Leute nach rechts weg. ES heiße jetzt einpacken mit allen Sozialisierungsbestrebungen, solange die akademische Jugend nicht gewonnen sei, die das wahrhafte Proletariat darstelle. Deutschland stünden Tage vermehrter Sorge bevor. Die Anspannung aller Steuern nütze schon nichts mehr, die Leistungsfähigkeit der Steuerzahler sei bereits überschritten; es set falsch, zu glauben, die Besitzenden zahlten Luvut unt -----------------------nichts. Zu einer Reichstaqsauflösung zu ttei-
Ballen gegen Käufe der Engländer von den, sei falsch; dte Radikalen wurden dann 1 429 986 Ballen. Diese deutschen Käufe haben wieder gelb werden, die Demottaten zerfahren dahin gewirkt, den Baumwollpreis hochzu->und die Rechtsparteien zunehmen.


