eilte »allgemein getroffene TRegelmtg Den besonderen Ortsverhältnissen nicht entsp^cht.
Gin neues Urteil des Eiaalsgerichtshofes.
Leipzig, 25. Oktober. (WTB.) Der GtaatSgerichtshof verurteilte den 21» jährigen Landwirtschaftseleven Rudolf fiepte» Greifswald zu einer G e f ä n g - niSstrafe von insgesamt 9 Monaten, von denen 3 Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet werden, weil er in Schönhausen a. d. Elbe anläßlich des Rathe- naumordes den gegen die Mörder erlassenen Haftbefehl abgerissen und dafür ein Spottgedicht angeklebt hatte.
Rückgang des Passagierverkehrs nach und von den Vereinigten Staaten.
(FPS.) 3n der Zeit vom 1. Januar bis 30. September sind in sämtlichen atlantischen Häfen der Vereinigten Staaten auf transatlantischen Dampfern insgesamt 268 173 Passagiere eingetroffen: das sind um 204 822 weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Abgereift sind in den neun Monaten dieses Jahres 287 892 gegen 381 563 in der entsprechenden Zeit des Vorjahres, so daß der entsprechenden Zeit des Vorjahres gegenüber die Schiffahrtsgesellschaften insgesamt einen Rückgang um 298 493 Passagieren zu verzeichnen haben. Der Rückgang ist in erster Linie zurückzuführen auf die Eintvanderungs» gesetzgebung. Verschiedene Schiffahrtsgesellschaften fangen bereits an, gewisse Dienste zusammenzulegen, um so einige ihrer Schiffe freizubekommen für die üblichen Wintervergnügungs- reisen nach wärmeren Meeren und Ländern, wie solche in großer Zahl bereits angekündigt sind. Ein Teil ihrer Dispositionen dürfte aber durch die Ereignisse im nahen Osten noch gewisse Abänderungen erfahren.
Gegen den Plan einer weiteren Einschränkung der Einwanderung, der dem Ginwanderungskomitee des Repräsentantenhauses bereits vvrgelegt worden ist, haben die Arbeitgeber eine Bewegung ins Werk gesetzt, um zu erreichen, daß künftig die Zahl der nach den Vereinigten Staaten Zugelasseneit über die Quote von 3 Prozent Wiedel heraufgeseht werde. Den Stahlwerken, den Kupferbergwerken und -Schmelzen und anderen Industrien, die vorzugsweise zu- gcwanderte Arbeiter beschäftigen, ist es sehr um eine stärkere Beschickung des Arbeitsmarktes zu tun — sehr begreislicherweise, nachdem es ihnen immer schwerer fällt, ungelernte Kräfte für die schwere Arbeit in ihren Betrieben zu gewinnen, die auch unter den absolut noch immer iecht zahlreichen Reuankömmlingen wenig Gegenliebe mehr findet. Hierin ist auch die Erklärung zu suchen für die zum 1. September, wie es schien, ganz aus freien Stücken erfolgte unvermutete Lohnerhöhung des Stahltrustes für seine sämtlichen Arbeiter. Es stellte sich nämlich heraus, daß der Trust einer- steits eine Abwanderung von Arbeitern fest stellen und andererseits mit der nicht mehr sehr fernen Wiederkehr einer Hvchkonjunkturperiode rechnen mußte. Als einziges Mittel, seine ungelernten Arbeiter zu halten, blieb ihm nur die Lohnerhöhung.
Aus Stadt und Land.
I Gießen, den 26. Oktober 1922.
7 Svprozentige Erhöhung der Gütertarife.
WTD. Durch die erhebliche Derschlech- lterung der Mark sind auch bei der Eisenbahn die sachlichen und persönlichen Aus- «gaben ungeheuer gestiegen. Die geltenden Eisenbahngütertarife werden deshalb zum 1. November um50 Prozent erhöht.
Reisegepäck, Handgepäck und Traglasten.
Die Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. macht darauf aufmerksam, daß als Reisegepäck nur solche Gegenstände abgefertigt werden können, deren der Rersende zu seiner Reise bedarf. Lebensmittel, Obst, Kartoffeln, Mehl u. dgl. werden als Reisegepäck nicht angesehen. Das Reisegepäck muß durch feine Verpackung — in Koffer, Reisekörbe, Reisetaschen, Hutschachteln, handliche Kisten und dergleichen — als solches kenntlich sein.
Handgepäck (leicht tragbare Gegenstände) darf in die Abteile der Personenwagen mitgenommen werden, wenn der Raum unter und über dem Sitzplatz des Reisenden zur Unterbringung ausreicht. Die Sitzplätze selbst dürfen durch Handgepäck nicht ausgenutzt werden.
Traglasten im Gewicht von höchstens 50 Kg. können nur in die 4. Wagenklasse mit-
Die Herweghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.
23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Wie das Geld schlecht machte, wie es erniedrigte. Goldenberg bleib seine letzte Hoffnung. Der alte geriebene Wucherer war zwar teuer, aber er war wenigstens diskret, und darauf kam es jetzt an.
Zum Unglück war Goldenberg über die Feiertage verreist, seine Wohnung war abgeschlossen.
Ernst wartete in fieberhafter Ungeduld. Er hatte die Fürstin bis zum dritten Feiertage vertröstet.
*
Am Dienstagmvrgen nach dem Fest ließ sich Fräulein Müller-Güth, die Hochdramatische des Königlichen Opernhauses, bei Herwegh melden.
Die stattliche Dame rauschte, bis an das Kinn m einen skunksverbrämten Sealmantel gehüllt, in sein Bureau, das rote Haar tief in die Augen frisiert und für Tagesbeleuchtung etwas stark gemalt. Ernst kannte sie natürlich längst. Isoldes Liebestod- von der Müller-Güth war eine unerreicht schauspielerische und gesangliche Leistung. Sie übertraf darin noch die Sucher. Fräulein Müller-Güth nahm dieses Urteil nicht ungnädig auf, denn wann hätte eine Künstlerin über ihre Leistungen jemals genug Lobes gehört!
„Mit was für amüsanten Bildern Sie sich umgeben!" Die Künstlerin betrachtete mit der Loranete interessiert feine gesammelten Wagnerkarikaturen an den Wänden. „Berlin in der
genommen werden. Jeder Reisende darf nur eine Traglast mit sich führen.
Bei Nichtbeachtung der Bestimmungen hat der Reisende die Nacherhebung der erheblich teuereren Expreßgutfracht zu gewärtigen.
Die Preisbildung für handwerkliche Erzengnisfe.
Die Hessische Handwerkskammer teilt uns mit, daß eine in Darmstadt stattgehabte Versammlung von Vertretern sämtlicher Landesfachverbände des hessischen Handwerks sich eingehend mit der Preisbildung für handwerkliche Erzeugnisse beschäftigte und folgende Entschließung annahm:
„Die wirtschaftlichen Verhältnisse, unter denen das Handwerk genau so schwer zu leiden hat wie andere Berufsstände, die stetig steigenden Kosten der Lebensführung, die schwankende Konjunktur, die unausgesetzte Erhöhung der Löhne und Besoldung der Angestellten zwingen die handwerklichen Organisationen zur Aufrechterhaltung der schwer bedrohten Existenz, sich dauernd mit der Preisbildung zu befassen. Besondere Kommissionen innerhalb der einzelnen Innungen haben die selbstverständliche Pflicht, ständig die Marktlage der Rohmaterialien und die Lohnbewegungen zu beobachten, die Endpreise für handwerkliche Erzeugnisse in Einklang zu Bringen mit den beständig sich ändernden Verhältnissen und die Mitglieder der Innungen stetig zur ordnungsmäßiger Kalkulation zu erziehen.
Das organisierte hessische Handwerk ist sich seiner Verantwortung gegenüber der Bevölkerung als Produzent lebenswichtiger Bedarfsgegenstände voll und ganz bewußt und weist daher die gegen das Handwerk erhobenen Vorwürfe der Bewucherung mit aller Entschiedenheit zurück.
Von den Behörden, Preisprüsungsstellen, den Kreis- und Stadtverwaltunggen und von der Oeffentlichkeit darf erwartet werden, daß sie den Lebensinteressen des Handwerks Verständnis entgegenbringen und insbesondere den Grundsatz anerkennen, daß das organisierte Handwerk sich in gleichem Maße mit der Preisbildung für seine Erzeugnisse beschäftigen muh, wie das von anderen Grwerbsgruppen, von Industrie, Handel und Landwirtschaft, von Arbeitern, Beamten und freien Berufen rastlos und unbeanstandet geschieht. Die Vorschriften der Gewerbeordnung, vor allem § 100 q, stehen dem keineswegs entgegen.
Die Vertreter der Landesfachverbände verpflichten sich, ihre Unterorganisationen wie seither auch weiterhin zur ordnungsmäßigen Aufstellung der Kalkulationen anzuhalten. Die Korporationen sollen ihre revidierten Preisberechnungen jeweils der zuständigen Preisprüfungsstelle zur Kenntnisnahme vorlegen. Die Preisprüfunasstellen werden gebeten, wenn erforderlich, mit Den zuständigen Organisationen zwecks gemeinsamer Nachprüfung in Verbindung zu treten.“
•* Amtliche Personalnachrichten. DaS Gesamtministerium hat am 16. Oktober 1922 mit Wirkung vom gleichen Tage dem Rechtsanwalt Dr. Eckhard zu Darmstadt die Dienstverrichtungen eines Dolmetschers und beeidigten UeberseherS der italienischen Sprache' für den Geschäftsbereich der sämtlichen hessischen Gerichtsbehörden übertragen. — Ernannt wurden: am 19. Oktober die Forstassessoren Reinhold Maul aus Ossenheim, Philipp Job aus Bad-Naaheim, Emil Vogt aus Butzbach, Wilhelm Henzel aus Büdingen und Karl De sch aus Laubach, sämtliche vom 1. Oktober ds. Is. an, zu Oberförstern. — In den Ruhestand verseht wurde am 5. Oktober der Förster der Forstwartei Glashütten, Oberforsterei Nidda, Förster Karl Z i in- mer zu Glashütten vom 1. Oktober ds. Is. ab. — Ernannt wurden: am 21. Oktober der Mini» sterialoberrevisor bei dem Ministerium der Finanzen im Daudienst Ferdinand Hansel vom 1. Oktober 1922 an zum Rechnungsrat bei dem Ministerium der Finanzen im Baudienst: am 23. Oktober der Oberstudiendirektor an der Ober» realschule am Friedrichsplah in Offenbach Karl H e n s i n g zum Oberstudiendirektor an dem Realgymnasium in Gießen, der Oberstudiendireltor an der Obe:-realschule in Gießen Dr. Heinrich Schn e l l zum Oberstudiendirektor an der Oberrealschule am Friedrichsplah in Offenbach, beide mit Wirkung vom 16. November 1922 ab. — Verseht wurde der Regievungsrctt Merz vom Finanzamt Groß- Gerau zum Landesfinanzamt, Abteilung für Besitz- und Verkehrssteuern, Darmstadt.
** Zur Stadtverordnetenwahl am 19. November sind auf dem städtischen Wahlamt fünf Wahlvorschläge eingereicht worden, und zwar von der Zentrumspartei, der Kommunistischen Partei und der Freien Arbeiter- und Angestellten-Bereini- gung, von der Deutsch-Demokratischen Partei, Der Bereinigten Sozialdemokratischen Partei, und schließlich von der Bereinigten Bürgerliste der Deutschen Volkspartei, der Deutsch-
Unterwelt", „Leipziger Charivari 1844“, „Offenbach als Heldentenor", „Madame Schröder-Deo- rient als stille Beobachterin der Dresdener Barrikaden", die Parodien auf Lohengrin aus der Petersburger „Iskxa“, Burlesken und Apotheosen des Pariser Theaterdirektors Pasdeloup. Wie hatte die Presse ihm Opposition gemacht und wie hatte sie gegen die finanzielle und moralische Untevstützung des Baireuther Unternehmens gekämpft. Aber er hatte alles überwunden, auch solche Karikaturen.
„Dieser „Mann mit dem hohen C“! Köstlich! Sie sind antiwagnerisch gefirmt?"
„Gewiß nicht," sagte Herwegh. „Diese Zeichnungen geben uns aber den gewaltigen Kamps Wagners wieder und die Mittel» mit denen man diesen Zauberer zu bekämpfen suchte."
„Zauberer! Da haben Sie recht." Die Mül- ler-Güth warf Herwegh einen prüfenden Blick äu. „Sie haben gewiß auch kämpfen müssen, um sich durchzusetzen. In der Kunst meine ich. Herr Stolzenberg hat mir erzählt, daß er mit Ihnen musiziere. Sie haben etwas in Ihrer Stimme, das einen warmen Tenor verrät."
„Ich finge nur zu meinem eigenen Vergnügen," sagte Ernst. „Aber ich begleite leidenschaftlich gern."
Die Müller-Güth griff nach den Notenftohen, die auf einem Stuhl lagen. „Das spanische Liederbuch? Ah! Ausgabe für Alt, das ist gerade meine Lage. .Wunden trägst du, mein Geliebter'." Sie blätterte in den Heften. „Spottlied aus Wilhelm Meister." Sie trällerte ein paar Takte, während sie mit der Lorgnette die Worte suchte. „,Heiß mich nicht reden', das mag ich weniger... 2lh, hier steht ja auch ein Klavier. . .“
nationalen Bolkspartei und des Dürgerver- eins. Eine Listenverbindung ist bis jetzt amtlich noch nicht angemeldet, die Frist hierzu läuft erst am 5. November ab.
** Militärrentenzahlung durch das Postamt. Infolge Erhöhung der Militär- verforgungsgebührnisse erhalten die R.- und H.-Empsänger am Samstag, den 28. d. Mts. für den Monat November Den dreifachen Betrag des in den Stammkarten angegebenen Monatsbetrags. Für Dezember und die folgenden Monate wird der doppelte Betrag gezahlt. Der nach der Erhöhung auszuzahlende Gesamtbetrag wird auf volle Mark aufgerundet. Den Empfängern, welche erhöhte Beträge erhalten, wird in diesen Tagen durch die Drief- befleUer ein Quittungsvordruck überbracht, auf welchem der November betrag vermerkt ist. Die auf diesen Vordrucken ausgefertigten Quittungen sind bei der Abhebung der Beträge vorzulegen.
** Die Dienststellung der Beigeordneten in den Landgemein- d e n. Veranlaßt durch eine Reihe von in letzter Zeit vorgebrachten Beschwerden weist das Kreisamt im neuesten Amtsverkündigungsblatt die Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises darauf hin, daß die Beigeordneten Sitz und Stimmrecht im Gemeinderat haben. Das Kreisamt empfiehlt den Bürgermeistereien, sowohl die Beigeordneten wie auch die Gemeindevertretungen auf die Bestimmungen in Artikel 105 der Landgemeindeordnung hinzuweisen und nach diesen Bestimmungen zu verfahren.
** Vergehen gegen das Reichs- fleischbeschaugesetz. Das Kreisamt hat den Gendarmeriestationen des Kreises zur Kenntnis gebracht, daß sehr viele Gastwirte des Kreises die von ihnen geschlachteten Tiere nicht durch die zuständigen Fleischbeschauer untersuchen lassen. Die Gendarmerieflativ'.ren sind beauftragt worden, Erhebungen anzustellen und Verstöße unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen.
** Richtig adressieren und Absender angeben. Bei der Ober-Postdirektion Darmstadt mußten im Jahre 1921 etwa 15 600 im Gebiete des Freistaates Hessen aufgelieferte Postsendungen, darunter 6080 Briefe, 9200 Postkarten und 312 Drucksachen vernichtet werden, die infolge ungenügender Anschrift weder dem Empfänger ausgehändigt, noch an Den Absender zurückgegeben werden konnten. Wieviel Anannehmlichkeiten mögen hierdurch den Absendern und Empfängern erwachsen sein, und wieviel ungerechtfertigte Vorwürfe sind wohl gegen die Post Verwaltung und ihre Beamte erhoben worden! Ohne genaue und vollständige Angabe des Empfängers und des Absenders, zu der bei größeren Orten außer dem Vor- und Dem Zunamen, der Stand, Die Straße und die Hausnummer gehören, ist Die richtige Bestellung Der Postsendungen selbst den finbigften Bestellern nicht immer möglich. Es wirb daher von neuem empfohlen, auf allen Postsendungen stets Namen und Wohnung des Absenders handschriftlich oder durch Abdruck eines Stempels anzugeben, Damit Dem AbsenDer Die Sendung im Falle Der iin- bestellbarkeit wenigstens zurückgegeben werden kann.
** Verdorbene Eier verkauft. Ein auswärtiger Händler lieh auf einem der letzten hiesigen Wochenmärkte durch seine Tochter 120 gänzlich verdorbene, zum Teil vollständig eingetrocknete Eier zum Preise von 18 Mark pro Stück verkaufen. Da hier zweifellos eine betrügerische Handlung vorliegt, wurde Anzeige erhoben.
** Diebstähle. Anfangs dieses Monats wurde aus einer hiesigen Klinik ein Wasserkifsen, am gestrigen Bormittag gegen 11 Ahr ein vor der hiesigen Ortskrankenkasse aufgestelltes Fahrrad, Marke „Diamant", gestohlen.
** Ein altes Wahrzeichen der Stadt Gießen. Der Ambau des Hauses des Herrn Bette, Mäusburg 10, ist in seinem ganzen Amfang vollendet. Das Gebäude, welches unter Denkmalschutz steht, ist im Jahre 1460 erbaut; es ist somit eines der ältesten und auch höchsten Häuser der Altstadt. Die Jahrhunderte sind auch an diesem Bau nicht spurlos vorübergegangen. Allmählich hatte sich bemerkbar gemacht, daß sich im Innern der Geschäftsräume Dalken senkten, die das Alter zermürbt hatte, und hierdurch war ein Ambau unumgänglich notwendig geworden. Es waren bei diesen Arbeiten große technische Schwierigkeiten zu überwinden, die dem Architekten gestellte Aufgabe wurde aber ttefflich gelöst. Auch das Aeußere des Hauses hat ein neues Kleid bekommen; alle Anebenheiten sind durch Aufflicken beseitigt und die Wandflächen mit
„Ich habe es mir gemietet, um Darauf zu üben, es ist ein guter Ivach" Ernst spielte ein paar Takte aus „Tannhäuser". Er hatte sie vergangene Woche als Venus gehört. „Hin zu Den kalten Menschen flieh!"
Die Müller-Güth zog Die Handschuhe aus und warf ihren Sealmantel über einen Sessel. „Das ist nur eine kleine Rolle," sagte Die Künstlerin. „Ich finge sie nicht einmal gern. Erstens liegt es mir nicht, diese entfliehenden Männer Durch allerlei Künste zurückzuhalten, mag er Doch in Gottesnamen laufen, Denke ich jedesmal, und Dann hat Die Rolle Das an sich, daß ich mich regelmäßig Dabei erkälte. Es zieht fürchterlich auf unserer Bühne, un£ so war ich Dann richtig am Freitag zur Leonoke im „ Fidelio" heiser und man muhte einen Gast aus Mainz herbeitelephonieren, die Lützelberger. Haben Sie etwas gehört?"
„Nein," sagte Emst, „einen unbekannten Gast höre ich mir nie an.“
„Da haben Sie recht Daran getan,“ sagte Die Müller-Güth, „Denn es war ein Reinfalk. Sie tremulierte entsetzlich und Detonierte schon beim Dritten Sah. Schauen Sie her! So hat diese Dame die Leonore gesungen." Sie schlug ein paar Takte an mit kräftiger, geübter Hand, „lind beim Höhepunkt, „Töt erst fein Weib", hat ihre Stimme offenbar berfagt, weil sie sich vorher abgeschrien hatte — ein Fehler aller Dilettantinnen, Denn ich muh sie eine solche nennen, wenn sie so singt." Fräulein Müller-Güth erhob ihren mächtigen Mezzosopran: „Töt erst fein Wei—b." Im Nachbarbureau fuhren Die Schreiber vor Schrecken von ihren tlluftrierten Zeitschriften tnxf. Hatte nicht jemand um Hilfe ge- fdmen?
einem Edelkratzputz versehen worden. DgS Ganze macht jetzt einen guten Eindruck.
** Oberhessischer Kun st verein. Die angemeldeten Werke für die hessische Wander-Ausstellung für bildende Kunst sind soweit eingettoffen, daß die Eröffnung der Ausstellung am nächsten Sonntag vormittag 11 Ahr erfolgen kann.
** Briefmarken zu 100 Mark hat die Reichsdruckerei jetzt hergestellt. Sie zeigen das große breite Zahlenmuster wie die Marken zu 5 und 10 Mark. Die Marke ist braunviolett auf rahmfarbenem Papier gedruckt. Das Papier zeigt noch das alte Rautenwasserzeichen.
8* Ant erbrechung des Flugpost- Dienstes Königsberg (Pr.) — Moskau. Die Flugpost Königsberg (Pr.) — Smolensk — Moskau wird wegen Unterbrechung dieses Flugdienstes vom 1. November an bis auf weiteres eingestellt. Im Oktober verkehren die Flüge noch planmäßig. Nach Eintritt Der Frostperiode in Rußland soll der Flugdienst wieder ausgenommen werden.
"?er Dollar als Index. Unter dieser Uebcrschrift bringt die „Offenbacher Zeitung" Den folgenden, leider nur allzu sehr berechtigten Stoßseufzer: Der Dollar steigt und steigt — und jedes einzelne Erzeugnis unseres Wirtschaftslebens bemüht sich, mitzullettern. Die Hausfrau, die Lebensrnittel einkauft. Der Familienvater, Der für feine Kinder Schuhe oder ein Kleidungsstück ersteht, quittiert nur noch mit Seufzen die traurige Tatsache, daß die Preise von heute auf morgen sich ändern — well der Dollar steigt. Nur Die Zeitung hält Dabei nicht Schritt. Nur sie, die doch auch alle Materialien nach Dem Dollarstand einkaufen muß, kann nicht regelmäßig die Preisschraube drehen, und werm sie sie schüchtern anzieht — dann nur von Monat zu Monat. Aeberall ist der Dollar der Maßstab für den Preis — und nur hier hinkt Die Zeitung, Die Doch sonst immer das Neueste zuerst hat, lläglich und veraltet hinterdrein.
** Der Ruderklub „Hassia" beging am Samstag in Der Turnhalle am Oswaldsgarten fein 16. Stiftungsfest, das sich eines außerordentlich starken Be uchs zu erfreuen hatte. Nach einer kernigen Begrüßungsrede durch Herrn C a ft e i n bereiteten Darbietungen Der verschiedensten geselligen Art den zahlreichen Desuckrecn eine angenehme Unterhaltung. Zur Ve^chönerung des Abends führte Der Gießener Radklub „Germania" einen wohlgelungenen Ler-Neigen sowie Radballspiele vor. Durch diese se'hr schön gelungenen Darbietungen veranlaßt, überreichte Der 1. Vorsitzende der „Hassia", Herr Schußler, dem 1. Vorsitzenden des Radklub „Germania“, H. Rö° D i g e r, die GhreimadF Der „Hassia". Bei frohem Tanz blieb man noch manches Stündchen beisammen.
Vornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Stadtkirche, 8 Ahr: Oeffentlicher Vertrag über „Hat Beten Zweck?" — Astvria- Lichtspiele, ab heute: „Eddie Polos 3. Aden- teuer im Wilden Westen", „Der Fuhrmann des Todes" und „Freddy spielt Hamlet". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Graf von Monte Ehristo", 3. Teil; „Eroberungen in Paris" und „Er" und 20 Minuten Angst". — Palast-Lichtspiele, ab heute: „Die siebente Nacht".
Wettervoraussage
für Freitag:
Heiter, trocken, kalt, Nachtfrost.
Der hohe Druck hat sehr an Intensität verloren, doch beherrscht er noch immer unsereWetter- lage. — Heute morgen wurden folgende Temperaturen festgestellt: Gießen — 4 Grad, Lauterbach — 6 Grad, Darmstadt — 3 Grad.
Kreis Schotten.
F~I Laubach, 23. Oft. Nachdem in diesem Sommer die W e 11 e r f e ID e r und die G o n- terskircher Straße durch Neubauten nicht unbedeutend erweitert worden sind, wird nunmehr auch die Ruppertsburger Straße weiter ausgebaut werden. Oberhalb des „Hällenberges" sind verschiedene Neubauten von Privaten in Aussicht genommen und vom Gemeinderat genehmigt worden.
Kreis Friedberg.
sf. Friedberg, 22. Oft. Zu Beginn Der letzten Stadtverordnetensihung wurde die Mitteilung gemacht, daß Herr W. Strauß in Neuhork 35 000 Mk. für wohltätige Zwecke überwiesen hat. — Für die Kleinrentner Hilfe
Heutiger Stand des Dollars
10 Ahr vormittags:
Berlin 4350, Frankfurt a. M. 4400.
Herr Dantelmann beruhigte sie, die Müller- Güth sei Drin. UnD sie beruhigten sich. Drinnen tönte nun das Klavier, Lieder erklangen, bald von einer Frauenstimme, bald von einem Tenor, und bald fangen beide Stimmen zusammen . . . Die Wartenden im Vorzimmer lauschten. Es war fast wie ein Konzert.
„Sie begleiten ja wundervoll," lobte die Müller-Güth, und griff über Ernsts Schuller, um ihre Stimme anzudeuten. „Nehmen wir das „In der Frühe", es ist herrlich. . . Ganz ohne Vorspiel, die Begleitung stets piano, innig und zart. Nur die Morgenglocken müssen Rar herausklingen. Es liegt nur etwas tief für mich —“
„Das macht nichts, ich kann es transponieren."
„ Um so bester."
„Kein Schlaf noch kühlt das Auge mir," begann die Sängerin, getragen und schwer. „Dort gehet schon Der Tag herfür an meinem Kammer- fenfler — Es.wühlet mein verstörter Sinn, noch zwischen Zweifeln her und hin unD schaffet Nacht- gespcnster.“ Ihre herrliche Stimme stieg sieghaft: „Aengst'ge, quäle dich nicht länger, meine Seele. Freu Dich, ^schon find Da unD Dorten .Morgenglocken wach geworden."
Die Klienten waren vergessen.
„Wahrhaftig, mein Repetitor könnte sich ein Beispiel nehmen, wie Sie sich einer Stimme an- schmiegen," lobte Die Künstlerin, „älnd alles vom Blatt, Sie transponieren ohne Schwierigkeiten. Werm ich zurück bin, müssen wir oft zusammen musizieren. Ich bin Mittwoch abenDs zu Hause"
(Fortsetzung folgt)
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