Nr. 252
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172. Jahrgang
Donnerstag, 26. Oktober 1922
GietzenerAiizeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Um die Krise herum.
Der Reichspräsident hat die Mahnung ausgesprochen, „bi» groben und wertvollen Kräfte unseres Volkstums zusammenzufassen und zu- sammenzuschlieben tn dem uns allen Gemeinsamen". Die Politiker werden das tn dem Sinne verstehen, dah hierbei vor allem auch an die Erweiterung der Koalition, an die dringend notwendige Stützungsaktion für die auf allzu schwacher Basis ruhende Regierung gedacht ist. Diese Möglichkeit oder richtiger gesagt Rotwendigkeit aber hängt ab von der Beseitigung der anderen, noch schwebenden Krisen. Um die eine von ihnen scheint man schon herumgekommen zu sein, nämlich um die Getreideumlagekrisis. Als der volkswirtschaftliche Ausschub des Reichstags statt der von der Regierung vorgeschlagenen dreifachen Erhöhung des Preises für das Umlage- gctreide einen vierfachen Aufschlag beschlob, drohten die Sozialdemokraten unter dem Einfluh des unabhängigen Flügels mit einer Abwanderung aus der Koalition. Fetzt hat das Plenum mit 236 gegen 160 Stimmen die Vorlage in dritter Lesung angenommen, und es ist zunächst nichts geschehen, obwohl der unabhängig gebliebene Ledebour den ^Reichskanzler diktatorisch aufforderte, den Reichstag aufzulösen und an die Wähler zu appellieren. Die Volksvertretung aber hat Ledebours Ultimatum abgelehnt und s i ch b is zum 7. Rovember vertagt, damit innerhalb dieser 14tägigcn Frist die innerpolitifche Krise beigelegt werde.
Das ist allein die M a r k k r i s i s, die im Grunde schlechthin die Krisis ist, der gegenüber die anderen Krisenerscheinungen an Bedeutung verlieren. Die Erkenntnis hat sich jetzt allenthalben durchgeseht, dah man die Dinge nicht weiter gehen lassen kann, wenn Markentwertung und Teuerungskatastrophe nicht zu dem grohcnKlabde- radatsch führen sollen, den die Pessimisten schon für diesen Winter prophezeien. Die Devisen- notverordnung hat, wie das nicht anders zu erwarten war, sich als ein Schlag ins Wasser erwiesen. Der innerhalb des Reichskabinetts geführte Streit, „Aushebung oder Verschärfung der Devisennotverordnung", der vor allem zwischen Reichsfinanzministerium und Reichswirtschasts- ministerium geführt wurde, ist nunmehr im Grundsatz dahin entschieden worden, bah die Rvtver- vrdnung durch ein Gesetz erseht werden soll, welches dem leg-timen Handel gewisse kontrollierte Erleichterungen bringt, bei der Spekulation aber schärfer zupackt. Man ist sich jedoch darüber klar, dah em noch so erfolgreiches Vorgehen gegen die Devisenfpefu'ation zwecklos ist und den seit der Devisennotverordnung eingelretenen Abstieg der Marl nicht aufzuhalten vermag. wenn nicht gleichzeitig eine positive Währungspolitik g;tri*ie.i wird (nich. blüh eine auf die Ausgabe von Goldschahscheinen be- scheäntte), über die nunmehr zunächst mit Bank- und anderen Cxuteerftänbigen verhandelt wird. Man will sich nicht auf die einheimischen Sachverständigen beschränkest, sondern die Reichsregierung hat auch eine Reihe hervorragender Finanzkenner des Auslandes nach Berlin eingeladen, um mit ihnen darüb er zu beraten, welche Mahnahmen für eine Stabilisierung der Währung ergriffen werden könnten. Es darf gesagt werden, dah die Einberufung dieser Konferenz nicht ohne vorherige Fühlungsnahme mit den in erster Linie interessierten mafcgcb.nben ausländische Stellen erfolgt ist. Unabhängig davon bat die Reparativ ns- k o m m i s s i o n beschlossen, sich nach Berlin zu begeben, um mit der deutschen Regierung über Mahnahmen zu verhandeln, die zum Ausgleich deS Budgets und zur Stabilisierung der Mark führen sollen. jedenfalls wird das Reichskabinett der ReparationSIommission klar machen müssen, bah. wenn es nicht durch eine großzügige Hilfsaktion, an der sich wohl oder Übel auch die alliierten Gläubiger Deutschlands werden beteiligen müssen, gelingt, der deutschen Mxlutakata- strophe abjiibelfcn, daß bann der Stundung der Reparcttions- und Ausgleichszahlungen auch die der Sachleistungen wird folgen müssen. Und am Ende nicht nur die Stundung!
Die Berliner Besprechungen.
Berlin. 26. Oft Rach dem „Vorwärts" bienten bei den gestrigen Verhandlungen der Sozialdemokratie mit der Reichsregierung die Beschlüsse der sozialdemokratischen Reichstags- fraktion vom letzten Dienstag als Grundlage. Als wichtigste Voraussetzung für die Gesundung der Wirtfchastsverhältnisse sei eine planmäßige Aktion zum Schutz e-ber Mark erforderlich Zu diesem Zwecke soll ein Devisenfond bercitgestellt werden, um den tatsächlichen Bedarf der deutschen Wirtschast innerhalb der nächsten drei Monate zu beliebigen. Dafür soll ein Teil des Goldbestandes der Reichsbank in Anspruch genommen werden. Die Sozialdemokraten sind für die Aufrichter Haltung der Devisenverordnung. Dem weiteren Fallen der Mark forme aber nur Einhalt getan »werden, wrnn auch die Devisenkontrolle verschärft wird. Um den Kapitalbesitzern Gelegenheit zu geben, ohne in fremde Devisen flüchten zu müssen, ihre Kapitalien gegen Entwertung zu sichern, wird die Ausgabe einer toertbeftän» big en Anleihe* durch die Reichsbank verlangt. Reben den eigentlichen währungspolitischen seien auch sinanz- und wirtschaftspolitische Mab- nahmen notwendig. 3n bieiem Zusammenhang verlangt die Fraktion erneut beschleunigte Steuereinziehung und Unterbindung der Luxuseinfuhr. Es dürfe nicht zugelassen werden, dah Kartoffeln und Getreide für die Erzeugung von Trinkbrannt- wein verbraucht werden. Auch die Forderung auf vollständige Erfassung der wichtigsten Lebensmittel wird die Fraktion erneut der Regierung gegenüber vertreten. Eine endgültige Ordnung
unb Gesundung unserer Wirtschaft forme nur her- beigesührt werden, wenn die Verhandlungen mit der Reparationskommission zu einem günstigen Abschluh führen.
3m Anschlub an die Besprechung mit den sozialdemokratischen Führern fand die Konferenz der Berliner Bankfachleute unter dem Vorsitze des Reichskanzlers statt. Die Besprechungen. die gestern noch keine Beschlüsse zeitigten, werden heute fortgesetzt werden. Heute abend wird die Besprechung zwischen dem Reichskanzler und den Führern der Koalitionsparteirn sowie der Deutschen Dolkspartei statt- finden. Hierbei werden die Vorschläge des Reichs- Wirtschaftsministers zur Abänderung der Devifen- verordnung erörtert.
Die bevorstehenden Beratungen der Reichsregierung mit den ausländischen Finanz- sachverständigen werden sich, dem „Bert. Tageblatt" zufolge, in der Form abspielen, dah die Reichsregierung zuerst die Ansicht der einzelnen Vertreter anhören wird und bann eine allgemeine Finanzkonferenz der deutschen und ausländischen Sachverständigen sowie der Regierungs- Vertreter veranlassen wird.
Reichsfinanzminister Dr. Hermes wird dieser Tage aus Kissingen zurücllehren, um an den weiteren Finanzbesprechungen und den wahr- scheinlich am Dienstag beginnenden Verhandlungen der Reparationskommission teilnehmen zu können. Das Reichsfinanzministerium dürste bestimmte Vorschläge für die Stabilisierung der Mark unterbreiten. Die Ar betten für diese Vorschläge sind gegenwärtig noch in vollem Gange. 3n "den letzten Tagen hat auch die vom Reichswirtschaftsrat eingesetzte Kommission täglich Sitzungen abgehalten. 3n der gestrigen Sitzung machte ein Vertreter des Reichsfananzministeriums längere Ausführungen über die Frage der inneren Volksanleihe.
Die Rcparationskommission in Berlin
Paris, 25. Oft. (WTD.) Havas zufolge sind für den Aufenthalt der Reparationskommission in Berlin 10—14 Tage vorgesehen. Auster den ersten Delegierten Barthou, Dradbury, Salvago. Raggi und Delacroix reifen die zweiten Delegierten sowie der Generalsekretär der Kommission und einige Beamte, im ganzen etwa 15 Personen, am Sonntag abend nach Berlin ab.
Had) dem „D. T." sind- zur Teilnahme an der Berliner internationalen Finanz- sachverständigen-Konferenz be i eit 3 Professor 3. M. Keynes aus London, Prvseftor Gustav Cassel aus Stockholm und der Präsident der Riederländischen Dank Vissering in Berlin eingetroffen, ßav.t „Voss. Ztg." hatte der Reichskanzler 1?eute vormittag tir.e längere Unterredung mit Dissering
Den Blättern zufolge ist vor einiger Zett bei der Reichsregierung eine Rote eingetroffen, in der die Aeparationslommifsion eine Steigerung der deutschen Kohlenlieferungen verlangt. Die Regierung hat mit Sachverständigen bie Rote einge end beraten unb will, wie bie „Germania" schreibt, versuchen, mit ben Alliierten zu Ve Handlungen zu kommen, um dabei ihren Standpunkt zur Geltung zu bringen. Trotzdem bie deutsche Regie ung nur mit dusterster Anst rengung und durch empfindliche Schädigung der eigenen deutschen 3nteressen die bisher gemachten Kohlenlieferungen ausführen konnte, fordert jetzt bie Repaationskommission eine Mehrlieferung von über 200 020 Tonnen Kohlen monatlich Sämt'ich? Blätter erklären die Forderung für unerfüllbar. Die weiter fortgeschrittene Entwertung des beutschen Gelbes habe jetzt bie Einfuhr englischer Kohle unmöglich gemacht. 3n den letzten Monaten habe Deutschland für 8—9 Milliarden Mark monatlich ausländische Kohle einführen müssen. Samstag wird bie Regierung erneut mit ben 3nbuftvielten über die Kvhlenfrage beraten.
Das Abkommen
über die AnssilcichSzahlnnsieu.
03erHn, 25. Oft. (Wolff.) Das von den Vertretern des Reichsausgleichsamtes mit ben Vertretern der alliierten Ausgleichsämter am 21. Oktober unter Vorbehalt der Ratifikation vereinbarte Abkommen über bie künftige Regelung der Zahlungen im Ausgleichsverfahren hat im wesentlichen folgenden 3nhalt: Deutschland ist bis zum 10. Juli 1923 von sämtlichen Barzahlungen im Ausgleichsverfahren befreit. Zur Begleichung der noch ungedeckten beutschen D b.t albeberc i Umfang t>r "läufig im Wege bes Kompromisses aus 24^ Mill. Psirnb Sterling geschätzt wird, verpflichtet sich die deutsche Regierung, Schatzanweisungen in Höhe dieses Gesamtbetrags auszustellen, die vom 10. Juli 1923 an bis »um 10. Oktober 1928 in monatlichen, von 300 000 Pfund allmählich bis 500 000 Pfund ansteigenden Teilbeträgen fällig sind Die Schahanweisungen werden bei der Reichs bank hinterlegt, die als Treuhänder der alliierten Ausgleichsämter die Beträge bei Fälligkeiten einzieht. Stellt sich im weiteren Verlauf des Ausgleichsverfahrens heraus, bah bas deutsche Gesamtdebetsalbo 24.2 Mill. Pfund Sterling übersteigt, so werden über den Restbetrag weitere Schatzanweisungen ausgegeben, die vom 10. Rov. 1928 ab tn Monatsraten von 500 000 Pfund fällig sind. Erweist sich dagegen der Gesamtbetrag des deutschen Debets als geringer, so werden die zu feiner Deckung nicht erforderlichen Schatzanweisungen Deutschland zurückgegeben und etwa zu viel geleistete Barzahlungen in bar zurückerstattet. Eine Bürgschaft für die Schatzanweisungen oder eine anderweitige Garantie ist nicht vorgesehen.
Das Abkommen soll zunächst der Repara- tirnskommisfion mitgeteilt werden. Für -ben Fall
ihres Einverständnisses ist eine Frist vom sechs Wochen für die Ratifikation der beiderseitigen Regierungen vorgesehen. Ob deutscherseits ratifiziert werden kann, wird davon abhängen, ob die Regelung der Reparationsfragen die Möglichkeit der Erfüllung des Abkommens offen läfjt.
Eine neue Rede Lloyd Georges-
London, 25. Ott (WTD.) Lloyd George legte in seiner Rede auf der heutigen Zusammenkunft der Rationalliberalen Partei die Politik seiner Abhänger bar. Großbritannien komme an erster Stelle, jede Partei, selbst seine eigene, dagegen an zweiter oder sogar an letzter Stelle. Ein Grohbritannien, das auf Weltkonferen.zen mit einer Furcht vor seinen Verantwortlichkeiten gehe, würde von diesem Augenblicke an aufhören zu zählen. Die englische Politik müsse friedliebend, jeboch nicht furchtsam sein. Er habe an zahlreichen internationalen Konferenzen teilgenommen. Er habe niemals persönliche Differenzen mit irgend einem Minister irgend eines ßanb-eS gehabt unb hierbei nehme er keineswegs gewisse Ramen aus, die sich einem sofort aufbrängten. Aber dabei habe er Grobbritannien niemals fallen gelassen. Er gebe seinen Anhängern den Rat, feine Vendetta gegen früheres Unrecht zu üben. Welche Regierung auch an der Macht sei, man dürfe ihr keinerlei parteisüchsige Opposition entgegenstellen. Man müsse eine Politik des Friedens unterstützen. Dies sei der" einzige Weg zum Wiederaufbau der Welt. Man müsse für die traditionelle Politik Englands einstehen, Mähigung in der Behandlung internationaler Fragen üben und nach besten Kräften mit allen unseren Alliierten zusammenwirken. England dürfe sich nicht an den Wagen irgendeines anderen Landes binden lassen. Wenn in der Frage der Meerengen England seine Aktion unb seine Politik vollkommen von seinen Alliierten abhängig gemacht hätte, so würbe bie Freiheit der Meerengen verloren fein. Bezüglich der Reparationsfrage sagte Lloyd George, man solle nicht versuchen, Deutschland irgendeine Zahlung aufzuerlegen, die feine Leistungsfähigkeit übersteige. Was jedoch innerhalb seiner Leistungsfähigkeit liege, müsse Deutschland [«zahlen. Wenn man, um die Zahlungen innerhalb der Leistungsfähigkeit Deutschlands zu halten, bie Forderungen ermäßigen müsse, so wolle er dazu clEiären, er sei vollkommen dafür. Aber es dürfe nicht ausschlieblich auf Kosten Grobbritanniens gehen. Er sei für Fair play, auch für England. Die Engländer feien schwer besteuert und hätten riesige Opfer im Kriege gebracht. Solange nicht alle Rationen Europas und die Vereinigten Staaten im Völkerbunbe seien, könne dieser nicht feinem vollen Zwecke dienen und werde nicht die nötige Autorität und Macht haben. Das Zusammenwirken mit den Vereinigten Staaten von Amerika müsse eines der Hauptziele jeder englischen Regierung fein.
3n der inneren Politik müsse das Hauptziel notwendigerweise bie Förderung des Handels und Erwerbs fein, lieber die gestrige Rede Mac Kennas sagte Lloyd George, Mac Kenna sei ein Schauspieler und zwar nicht einer erster Klasse. Llotch George fuhr bann fort: Wenn die Arbeiterpartei bie Mehrheit erhalte, so wisse er boch, dah Clynes, Henderson unb Thomas ferne Revolutionäre seien. Die C-esahr sei bie, bah sie von einer aus Fanatismus getrieb nen Rücksichtslosigkeit getrieben würben. Er wolle auch Donar 2a© nicht einen Reaktionär nennen. Es seien aber zwei ober drei andere Persönlichkeiten in prominenten Stellungen vorhanden, die er als Reaktionäre brandmarken würde. Lord Curzon habe sehr grobe Fähigkeiten, er habe ihn jedoch niemals als ein Bollwerk gegen die Reaktion angesehen. Man müsse daher eine genügend starke Gruppe im Unterhause haben, um es jeder Regierung unmöglich zu machen, England in das Extrem zu treiben, sei es nach rechts oder nach links.
Lord (Hrcy über die errglifchc Politik'
London. 25. Oft (WTD.) Lord Grey erklärte gestern abend in einer Rebe bei einer groben liberalen Kundgebung in Drabford, bie Art, in der die bisherige Regierung die politischen Angelegenheiten geführt habe, emiebrige das ßanb im 3nnern unb gefährde es im Auslande. Er würbe eine gerade konservative Regierung einer Rückkehr zur früheren Koalition vorziehen. Das Land wolle Ruhe und Stetigkeit in den poli- tifchen Angelegenheiten. 3folterung sei eine Lage, die nicht sicher sei, selbst für ein so starkes Reich wie Grohbritannien. Der englische Einfluh, den bas Land früher gehabt habe unb der auf bie Tatsache zurückzuführen sei, dah man sich auf bie britische Politik habe verlassen können, sei geschwunden. Es sei kein Grunb vorhanden, warum es nicht möglich fein forme, bah Englanb zu einer auswärtigen Politik zurückkehre, die auster- halb der Parteipolitik stehe. Der kommende Krieg müsse jetzt abgewehrt werden durch Verminderung des Anwachsens der Rüstungen. Grey sagte, er -habe seine Ansicht nie geändert, dah der letzte Krieg vorsätzlich vom preussischen Militarismus her beigeführt worden sei, und dah er mit Leichtigkeit im Jahre 1914 hätte vermieden werben tonnen, wenn in Deutschland der Wille zum Frieden vorhanden gewesen wäre, der in anderen Ländern vorhanden war. Diese seine Ansicht sei heute noch stärker als im Jahre 1914, aber er sei rückblickend auf bie Ereignisse der Meinung, bah, wenn bie Rüstungen ebenso anwachsen würben wie 1914, von neuem irgendwo ein preußischer Militarismus da sein werbe, und zwar wenn nicht in Preußen, sv doch irgendwo anders. Die Rüstungen könnten nur in einer Weise niedergehalten werden, indem die Macht des Völler-
bundes so entwickelt werde, dah die Rationen ein Gefühl der Sicherheit erhielten.
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Glasgvw, 26. Ott. (WTD.) Sir R v b er 1 Home erklärt tn einem Driese an feine Wähler, es gebe keine MeinungSverschiebeicheilen zwischen ihm und Donar Law bezüglich der großen politischen Fragen. Die Fortsetzung eines Dündnisses mit ben Ä oa l i t i o n 81 i b c- ralen schliche keineswegs ben Verzicht auf bie unionistischen Grunbsähe in sich. Hörne appelliert an bie Unionisten unb Liberalen des Wahlkreises, damit sie Hand in Hand arbeiten, mit der Begründung, dah es feine Regierung geben könne. Die ihre Obliegenheiten in konstitutioneller Weise erfüllen könne ohne das Zusammenwirken der Unionisten und Liberalen.
London, 26. Oft. (WTD.) 3n einer Versammlung der nationalbemokratischen Partei wurde eine Resolution angenommen, in Der die Partei sich verpflichtet, eine Regierung zu unterstützen, deren Politik den von Lloyd George befanntgegebenen Grundsätzen entspricht. Die Resolution tritt für die Lösung der Arbeitslosenkrise durch das System der Versicherung ein und gibt die Ansicht kund, bah einq Kapitalabgabe den Lewünjchten Ergebnissen nicht entsprechen werde.
London. 26 Oft. (WTD ) Die Arbeiterpartei veröffentlicht ein Manifest, in dem sie ihr offizielles Programm auseinanderseht und unter anderem für die Errichtung eines besonderen Fonds zur Amortis.ierung der Kriegsschulden eintritt. Diese Amortisierung soll durch Abgaben.von ben über 5000 Pfund (Sterling betragenden Vermögen erhoben werden, um 3n- buftiie und Handel von den auf ihnen liegenden Lasten zu befreien.
Die Lage im Orient.
Konstantinopel, 26. Oft. (WTD ) Die französischen Truppen sind in Abrianopel eingetroffen unb bie Engländer haben Mu - raDli und Gallipoli besetzt.
Frankreich unb Rußland.
Paris, 25. Oft (WTD.) Poincarä hat heute abend den Abgeordneten H e r r t o t empfangen, der ihm Mitteilung über das Ergebnis seiner Studienreise durch Ruhland machte. Eine Havasnote besagt, die Politik der französischen Regierung gegenüber Rustlanb bleibe anveränbert. Den Kaufleuten und 3nbustriellen, die in Rust- land Handel treiben wollten, würden Erleichterungen gewährt werden. 3nbeffen erfolgten alle Geschäfte auf die Gefahr der Deteiligten.
Die internationale Arbeitskonferenz.
Genf, 25. Oft (WTD.) Der schweizerische Delegierte Schürch brachte auf der internationalen Arbeitskonferenz einen Antrag ein, der die Einführung der deutschen Sprache als dritte Amtssprache für wünschenswert bezeichnet und zur Verwirklichung dieses Zieles die notwendigen Mahnahmen fordert.
Genf, 25. Oft. (WTD.) Der Ausschuß für Arbeitslosenfragen beschlob heute nachmittag, auf Grund der in dem Sonderbericht des Arbeitsamtes aufgestellten Richtlinien in die Beratung des Arbeitslosenproblems einzutreten und zunächst bie Schlußfolgerungen bes Berichts zu prüfen. Die ersten drei Punfte dieser Schluh- folgernngen, die eingehenbe statistische Untersuchungen der Arbeitslosenfrage unb bie Veröffentlichung ber Ergebnisse fordern, wurde mit geringfügigen Aenderungen angenommen.
Der schweizerische Arbeitnehmervertreter Schür gh beantragte, da bie Konferenz von Genua die Hoffnungen der Arbeiter nicht erfüllt habe, die Einberufung einer neuen internationalen Konferenz, deren Mitglieder aus Arbeitnehmerkreisen, aus Arbeitgebern, den Regierungen, der Finanzwelt unb auch dem Genossenschaftswesen angehören sollen, unb bie auch bas gesamte Problem ber Arbeitslosigkeit zu prüfen hätten. Die Einberufung der internationalen Konferenz solle der Völkerbund übernehmen, aber auch bie nicht dem Völkerbünde angehörenden (Staaten als gleichberechtigt einlaben.
Der deutsche Arbeitnehmervertreter Wissel trat lebhaft für biefen Vorschlag ein, der an ber Spitze aller Beschlüsse der Kommission stehen müsse, da alle bisher ins Auge gefahten Matz- nahmen nur Palliativmahnahmen wären unb eine wirksame Regelung des ernsten Problems nur erzielt werden könne, wenn der freie Handel tn der Welt wiederhergestellt fei
Aus dem Reiche.
Sie Beamtend esoldung.
Berlin, 25. Oft. (WTD.) Die von einem Berliner Abendblatt gebrachte Rachricht über eine unmittelbar bevorstehende allgemeine Erhöhung der Dezügeder Beamten, Angestellten unb Arbeiter des Reiches trifft nicht zu. Die Erhöhung der Deamtengehälter ist bereits durch bas am Montag vom Reichstag angenommene Gesetz, dessen Vollzug schon verfügt worden ist, erfolgt. Gleichzeitig ist die Zahlung der entsprechend erhöhten Angestellten- bezüge angewiesen worden. Zur Zeit schwebst im Reichsfinanzministerium Verhandlungen mit ben Organisationen der Reichsarbeiter über bie neue Lohnregelung, die von vornherein für diesen Zeitpunft in Aussicht genommen war. Anschließend wird unverzüglich eine ergänzende Regelung für die Orte getroffen werden, bei denen


