tanb 3 4080DÖ000 Dollar im Jahre 1920/21 lauf etwa 2 075 000 000 Dollar, was, wie fchoa Les öfteren betont, noch feinen Rückgang der «US- und eingeführten Warenmengen bedeutet.
Eine Aussprache im englischen UnLerhause.
London, 24. 3uIL (WLB.) 3m Un- sterhau se sagte Sir Robert Horne in Erwiderung auf eine Anfrage bezüglich der Kosten für die britische Besatzungs- karmee, daß Großbritannien ungefähr 50250 000 Pfund Sterling an Reparationszahlungen «halten habe, wozu noch 60 Mill. Papiermark kämen, die im Rheinlande eingegangen seien. Die gesamten Kosten der Be- satzungSarmee betrügen bisher ungefähr 54 Millionen Pfund Sterling; somit entsprächen die Einnahmen ungefähr die Besapungskosten.
Kenworthy fragte rm UnterhOllse, ob Die britische Regierung der französischen Republik ein Angebot gemacht habe, nach welchem Frankreich seine Schulden an England erlassen werden könnten unter der Bedingung, daß die LeparationSforderungen herabgesetzt würden. Hörne verneinte diese Frage. Er könne rm Augenblick den früher gegebenen Erklärungen nichts hinzufügen. Kenworchh fragte: Sind somit die in der Presse, besonders die in der amerikanischen, erschienenen Berichte unbegründet? Hörne erwiderte: Es würde besser fein, sich in dieser Frage nicht toif Presseberichte zu verlassen.
Die italienische Kabinettskrisis.
Rom, 24. 3ult (WTD.) Orlando hat den ihm erteilten Auftrag, das Kabinett zu bilden, abgelehnt, weil die Sozialisten sowohl wie die Katholische Dvlkspartei rächt mit den Abgeordneten der Rechten in das Kabinett ein« treten wollen. Der König hat heute den Kammerpräsidenten Dicola empfangen.
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Aus dem Reiche.
Der Staatsgerichtshof.
Leipzig, 24. Juli. (WTB.) Die endgültige Zusammensetzung des Staatsgerichtshofes zum Schutze der Republik ist folgende: Den Vorsitz führt der Senats- Präsident Hagen, fein Stellvertreter ist Se- natspräsidmrt Richter. Zu Mitgliedern des Staatsgerichtshofes sind Reichsgerichtsrat Baumgarten und Reichsgerichtsrat Zeit- l e r ernannt Zum Untersuchungsrichter wurde Landgerichtsdirektor A l ck e n vom Landgericht Frankfurt a. M. bestellt.
35 Mark Stundenlohn.
Magdeburg, 24. Juli. (WTB.) Die „Magdeburgische Zeitung" berichtet, daß die Arbeitgeber im mitteldeutschen Baugewerbe den vom Bezirkslohnamt Sachsen- Anhall gefällten Schiedsspruch auf Erhöhung des Stundenlohnes um sieben auf 35 Mk. abgelehnt haben. Der Bauarbeiterverband beschloß, sofort in allen Orten der Provinz Sachsen und in Anhalt die Arbeit eiuzustellen.
t Sine Beschwerde im badischen Landtag.
r Karlsruhe, 24. Juli. (WTB.) 3m Landtag begründete Dr. Mayer fbntl.) die '«förmliche Anfrage der Deutschnationalen betreffend Veröffentlichung der Unterlagen für einen Geheimbericht» den das stellvertretende Generalkommando des 14. Armeekorpsimvierten Kriegsjahr an das Kriegsministerium erstattete. Finanzminister Äbg. Köhler verlas dann den ihm zur Kenntnis gelangten Geheimbericht vom 11. Aovemöer 1917. Darin wird dem Zentrum die nationale Zuverlässigkeit abgesprochen. Die Geistlichkell habe korumpierend auf die DvlkSstimmung gewirkt. Der Bericht spricht von verderblichem Einfluß an Freiburger Stammtischen unter Hinweis auf die Person des jetzigen Reichskanzlers Dr. Wirth und andere, von der ungeheuren Schädlichkeit dieser Organisation und deren objekttv landesverräterischem Charakter. Gezeichnet ist der Bericht von Ahlefeld, Oberst. Der Redner hebt hervor, das "Zentrum habe das Recht, gegen eine derartige Verleumdung aufs schärfste zu protestieren. Die Abgeordneten sämtlicher Parteien bedauern diesen Bericht.
Die iMato wa tanos.
Roman von Ernst Scheitel.
18. Fortsetzung. (Aachdrack verboten.)
Perzelius beschloß, der Sache jedenfalls ait den Grund zu gehen, wozu ihm ja die bevorstehende DilfaHrt bis Assuan in Gesellschaft Hechle! ben Zehubs die beste Gelegenheit versprach. Der Dollar Halle ja von Anfang an den Plan gehabt, nur solange auf dem Schiffe zu verbleiben, bis er beurteilen tonnte, ob von hier aus eine Spur nach dem gesuchten Ziele führte.
Einstweilen kehrte Zechiel den Zehud schimpfend und flachend aus das Doot zurück, löste das Tau vom Ufer und raunzte Eduard und Perzelius an. weil diese nicht rasch genug das Segel hißten. Das Schiff trieb in die Mitte des Stromes und bald entschwand die Stelle der ßanbung in der dunstigen Ferne. 3n Schweigen ging die Fahrt dahin, nur der Zude brummte von Zell zu Zell etwas in seinem zahnlosen Mund, und seine Laune schien endgültig verdorben. Bald war ihm das Tempo zu langsam unb er blickte mürrisch nach dem wolkenlosen Himmel, bald ruhten seine Argen auf den Sacken und schienen seinem Aerger Ausdruck zu geben, daß es nicht mehr waren.
Perzelius brannte vor Ungeduld, hinter das Geheimnis zu kommen, und er tonnte die 'Rächt kaum erwarten, wo er eine genaue Untersuchung der Waren vornehmen wollte.
Eduard fragte ihn dann unb wann, ob er sich etwas von der Reise verspreche. Er lill Qualen unter der Untätigkeit, zu der er die meiste Zeit über nun wieder Der urteilt war, und
Aus Hessen.
Die Siedluugstätigkell in Hessen.
D a r m st a d t, 24. Zuli. Unter dem Vorsitze des Finanzministers Henrich fand eine Sitzung des Beirats beim Landessiedlungsamt stall, in der zunächst Bericht über die Siedlungstätigkell in Hessen erstattet wurde. Das Landessiedlungsamt war in der Lage, zu zeigen, daß troh aller sachlichen Hemmnisse und trotz Personalmangels und öfteren Personalwech- sels die Arbeiten im letzten Zähre ein gutes Stück vorwärts gekommen find. Rund 8300 Morgen tonnten im letzten Zahre an Landbedürftige verteilt werden. 97 Gemeinden wurden neu in Bearbeitung genommen, in 52 Gemeinden wurde das Verfahren zu Ende geführt. Der Stand der Siedlung am 1. April 1922 ergibt folgendes Bild: Anträge auf Durchführung des Landverfahrens sind aus nicht weniger als 524 Gemeinden gestellt. die Bearbeitung ist in insgesamt 337 Gemeinden in Angriff genommen und in 128 dieser Gemeinden bereits förmlich abgeschlossen. Zn weiteren 43 Gemeinden ruht das Verfahren, in 101 Gemeinden wird ein solches voraussichtlich nicht zur Durchführung kommen, entweder weil bereits außerhalb des Verfahrens den Landbedürftigen Gelände zugeteill werden konnte, oder weil Gelände, das zu Siedlungszwecken in Anspruch genommen werden kann, nicht vorhanden ist. 43 Gemeuiden harren noch der Znangriff- nahme der Siedbrngsarbeiten. Zugeteill wurden im förmlichen Landverfahren 16 900 Morgen und durch die staallichen Oberförstereien 5600 Morgen, zusammen 22 500 Morgen. Lieber 11 000 Landbewerber in 220 Gemeinden konnten mit Land bedacht werden. Eingehende Erörterungen fanden u. a. die letzten Ereignisse im Kreise Büdingen. Der Beirat war übereinstimmend und im Einklang mit der Regierung der Meinung, daß man Vorgänge, wie sie in Büdingen vorgekommen sind, in keiner Weise billigen dürfe. Die dort getroffenen Vereinbarungen könne man lediglich als Wünsche der Landbewerber ansehen. Man möge diese Wünsche prüfen und soweit sie im Rahmen des Gesetzes als berechtigt anzu- erkennen seien, im ordentlichen Verfahren weiter bearbeiten. Den Vertretern der Landlieferer wurde dringend empfohlen, doch in ihren Kreisen alles aufzubieten, damit dort dasjenige Maß von Bereitwilligkeit gezeigt werde, das notwendig ist, wenn die Durchführung des Landgesetzes weiter reibungslos von statten gehen soll. Eine Abänderung der Vollzugsvrdnung auf Grund der Erfahrungen, die eine 2V2jährige Siedlungspraxis gezeitigt habe, wurde in Aussicht gestellt. 3n den Spruchausschuß beim Landessiedlungsamt wurden einstimmig gewähll die Herren Land- tagsabgeordneten Knoll, Lux und Zvst sowie Herr Fürst zu Zsenburg-Dierstein, die beiden letzteren als Vertreter der Landbewerber und Landlieferer.
Der Erweiterte Vorstand der Deutschnationälen (Hess.) Vvlkspart-ri hat in einer Sitzung zu Frankfurt a. M., die außerordentlich stark aus allen drei Provinzen besucht war, nach eingehender Aussprache über die politische Lage und die letzten Vorgänge im Reiche und in Hessen einstimmig folgende Entschließung gefaßt:- .
"Der Erweiterte Landesvorstand erhebt schärfsten Widerspruch gegen die bereits erlassene und noch Weller geplante Ausnahme- gesetzgebung zur Riederhaltung nationaler und völkischer Bestrebungen, insbesondere von Organisationen, wie den Deutschvölkischen Schutz- und Truhbund und andere, die, ohne den Boden der Verfassung zu verlassen, oder gegen die Gesetze zu verstoßen, für sittlichen und geistigen Wiederaufbau tätig stnd. Gleicher Weise legt die Parieivertretung Verwahrung ein gegen das Verbot von Regimentsfeiern, der Versammlungen von K iepe vere nm und gegen jede re.fassungswidrige Entrechtung von Beamten aller Stufen. Ferner wendet sie fich gegen die zahlreichen und auf Grund unkontrollierbarer Denunziationen erfolgten Haussuchungen bei Parteiführern und der Parteigeschäftsstellen, sowie gegen das überall jetzt schon well verbreitete Angeber- und Spitzelsystem. Der Vorstand ruft alle Mitglieder der Partei auf, dem schon lange vorbereiteten Kamps gegen den deutschnationalen Gedanken durch verdoppelte Arbeit und Opferwilligkeit zu begegnen und um so fester und treuer zu unserer Sache zu stehen, je mehr sie Gegenstand maßloser Angriffe ist. Dem deutschnationalen Gedanken gehört doch die Zukunftl“
Ein ZentrumSparteitag.
rm. Darmstadt, 24. Zull. Der heute im Konkordiasaale in Darmstadt veranstaltete Landesparteitag der Hessischen Zentrumspartei war gut besucht. Es wurden geschäftliche Angelegenheiten erledigt; dann sprach der Reichstagsabgeordnete Hof- ........... *> । ui —n—
Perzelius gab sich verschlossen und einsilbig. Er fbrad» nicht gerne über seine Gedanken, sondern liebte es, erst im Augenblick des Gelingens seine Karten zu zeigen.
So gestaltete sich die Fährt recht peinlich für die drei, die sich so plötzlich und unter so absonderlichen Umständen zusammengefunden hallen.
Endlich ließ die Schwüle Las Tages nach und eine kurze Dämmermg lellete über in eine sternklare Rächt. Aber der Zude schien gewohnt zu sein, erst spät den Schlaf zu suchen, Unentwegt faß er am Steuer, als wollte er nienunb an denn die Obhut über sein Schiff amxnra.tcn.
Erst als Mitternacht vorbei war, gab er Per- zeliuS den Auftrag, statt seiner das Steuer zu führen. Er selbst kroch auf einen Harfen von Lumpen, wo er sich zusammenlaueite wie em altes Tier unb bald in tiefen Schlaf verfiel.
Der Doktor wartete in höchster Spannung eine halbe Stunde und noch eine. Dann weckte er Eduard, der schon lange eingenickt war und hieß ihn sich statt seiner an das öieuer sehen und nm erst tonnte er seine Wißbegiecde bc- friedigen. Er schlich an dem Zeiten vorüber, hm zu den Dollen mb verbarg sich zwischen biefea und der Schiffswand. Dann versrchte er einen Spalt in der Umhüllung der Säcke za finden und schob seine Hand hinein. Aber er fühlte nrr einen derben, leberateigen Stoff. So zog er denn fein Messer und bohrte mit diesem weiter in das Innere. Er durchschnitt ein? der Umhüllungen nach der andern, bis er mit dem ganzen Arm einzudringen vermochte. ■ Da spürten ferne Finger einen weichen, tlebrigen G.g.nstand. der sich kühl anfühlte. Er griff nun mit der Hand
mann- Ludwigshafen über Die allgemeine Politik. Seine Ausführungen gipfelten in der Zustimmung zu der von der Reichstagsfraktion des Zenttums bisher in den verschiedenen Fragen eingenommenen Stellung, die ausdrücklich gebilligt wird. Seine Worte wurden mit großem Beifall ausgenommen. lieber Die hessische Politik sprach Domkapitular 2lbg. Lenhart. Sine lebhafte Aussprache schloß sich an.
Aus StKÄt und Lnnd.
Gieß en, den 25. Zuli 1922.
Um deu Schiffenberg.
Herr Prof. Dr. H. Äraenter schreibt uns: Im Gießener Anzeiger, Ar. 162 vom 13. Zuli, waren Bedenken gegen die Pläne geltend gemacht worden, wMach der Schiffenberg zur Begründung 'einer Tierzuchtstativn dienen sollte. Inzwischen wurde in Ar. 170 vom 22. Zuli ein Bericht über die zehnte Sitzung des hessischen Landtags veröffentlicht, der von einem Tier- seuch en instllut spricht. Man gestatte mir hierzu einige erläuternde Worte.
Damit die Bürgerschaft Gießens sich nicht beunruhigt fühle, darf ich betonen, daß von einem Seucheninstitut keine Rede gewesen ist. Es handelt sich um die Schaffung eines Mustergutes, an dem auch die Gießener Bürger Gefallen finden, sowie einer Tierzuchtstation mit ausgedehnter Haltung von Geflügel und allerlei Versuchstieren zum Studium von Dererbungserscheinungen und anderen biologischen Fragen. Der Schiffenberg wird dadurch als Ausflugsort nur gewinnen, und an eine Absperrung desselben ist nie gedacht worden.
Im Gegenteil! Alles, was wir irgendwie tun können, um in diesen schweren und sorgenvollen Zeiten eine liebliche Erholungsstätte zu schaffen, soll in reichstem Maße geschehen, unb auch die Gastwirtschaft wird sich gewiß allen Wünschen anpassen. Wir können den Mitbürgern schon heute in aller Oeffentlichkeit versprechen, daß nicht nur ihre guten alten Rechte gewahrt bleiben, sondern daß sie ihre helle Freude an all dem neuen find interessanten haben, das mit der voraussichtlichen Verpachtung des Schiffenbergs an das Tierzuchtinstitut der Universität Gießen geplant ist.
Der Kampf gegen die Wohnungsnot.
Die Wohnungsfrage ist noch immer eines der schwierigsten Probleme unseres gesamten öffentlichen Lebens. Trotzdem nun schon seit Kriegsende mit allen verfügbaren Mitteln an der Linderung Der Mißstände auf diesem 'Gebiete gearbeitet wird, sind wir noch weit davon entfernt, ein Ende der Schwierigkeiten voraussehen zu können. Za. wenn man die Zahlen der Wohnuung-' suchenden überblickt, ist man versucht zu glauben, daß eine Verschärfung der Roklage, stall eine Milderung eirrgetreten sei Unb doch wird nun schon mehrere Zahre hindurch an der Erstellung neuer Wohnungen mit höchster Intensität gearbeitet, da mit Woh nunx^beschlagnahme und Zwo: g ieinquartierung bet weitem nicht alle Bedürfnisse befriedigt Serben konnten.
Die Aachfrage nach Wohnungen steigt rm allgemeinen mit der Größe des Ortes. In den Großstädten ist die Zahl der Wohnungsuchenben am größten. Aaturgemäh müssen dann auch hier die größten Anstrengungen zur Beschaffung neuen Wohnraumes gemacht werden. Ein Ueberblick über die ‘Sautötigteit in 35 Großstädten des Deutschen Reiches, den die Zettschrift „Wirtschaft und Statistik" veröffentlicht, veranschaulicht sehr deutlich den Kampf gegen die Wohnungsnot Es wurden neuerstellt: Im 1. Vierteljahr 1920 insgesamt 528 Wohngebäude unb 3508 Wohnungen; im 1. Vierteljahr 1921 insgesamt 2147 Wohngebäude und 5404 Wohnungen, und im 1 Vierteljahr 1922 insgesamt 1767 Wohngebäude uni) 5267 Wohnungen. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich, baß die Abwehrmaß- nahmen gegen die Wohnungsnot im Zahre 1921 ihren Höhepunkt erfliegen und im Zahre 1922 nicht unerheblich nachgelassen haben. Es dürfte zu einem Trugschluß führen, wenn man aus dieser Tatsache auf eine wesentliche Besserung der Aot- stände schließen wollte. Die Erklärung für die verminderte Bautätigkeit ist vielmehr darin zu finden, daß die Verschlechterung der Finanzlage die einzelnen Stadtverwaltungen zwang, ihr Bauprogramm einzusch.anten. Die, gemeinnützige Bautätiglett mußte dadurch Nachlassen. Mit wenigen Ausnahmen trifft diese Gesamterscheinung auf jede einzelne der bei dieser Auf stell ung berücksichtigten Großstädte zu. «Auch in dem nahegelegenen Frankfurt a. M. konnte man dieselbe Entwicklung beobachten. Dort wurden im 1. Vierteljahre 1920 12 Wohngeböude und 370 Wohnungen, im 1. Vierteljahre 1921 164 Wohngebäude und 385 Wohnungen, mb im 1. Vierteljahre 1922 nur 12 Wohngebäude unb 71 Wohnungen errichtet.
nach oben unb unten, um van dem fraglichen Gebilde durch den Tastsinn eine Vorstellung z i gewinnen. Bald glaubte er große, überreife Früchte vor sich zu haben, von deren Vorkom- men und Beschaffenheit er sich teilte Rechenschaft geben konnte, bald schien es ihm wie der Leib eines länglichen, unbehaarten Tieres.
Er schob den Arm nach, so tief es ging und da fühlte er ganz deutlich ein Knie. Er zog Die Hand zurück, tastete nach dem andern Ende hinauf, und da blieb kein Zweifel mehr, es mußte cm totes Mädchen fein, was in dieser schauerlichen Umhüllung vor ihm lag. Wäre er nicht von Ratur mit einer großen Unempfindlichkeit begabt gewesen, Ekel und Grauen müßten ihn vernichtet haben. So aber verzeichnete er feine scheußliche Entdeckung nur unter die sicheren Tatsachen, die er Bei weiteren Schlußfolgerungen z u berücksichtigen haben würde. Was aber mochten die andern Ballen bergen, die äußerlich diesem einen so ähnlich waren — vielleicht enthielten sie wirklich das, was der Zude vorgegeben Halle, und war jener Ballen nur eingeschmuggelt? Ober tag hier die grauenhafte Tatsache eines ganzen Transportes von Toten vor? Und zu welchem Zweck? Und woher stammten sie?
Perzelius überlegte. Die letzte Frage schien ihm verhältnismäßig am leichtesten b? tntwortbar. In Svkkara waren sie in das Schiff gebracht worden. Und in dem unterirdischen Grabraum nahe bei Abusir hatte er selbst eine Anzahl flüchtig präparierter Mumien gesehen. Sollte bte unglückliche Tote eine von diesen fein?
Statt weiterer Ueb erß gungen b gönn er nun auch die beiden andern Säcke zu untersuchen anb, sand, daß jie den gleichen Inhalt bargen.
Amtliche Personalnachrich- t e n. Ernannt wurde am 18. Zuli der Studienassessor am 'Realgymnasium in Darmstadt Dr. Anton Buchner aus Pfungstadt zum Studienrak mit Wirkung vom 1. August 1922 ab. — Ernannt wurde am 22. Zuli der Lehrer Peter Bergoint zu Brensbach zum Lehrer an der Volksschule zu Spachbrücken,
** Abgefaßte Wäschediebe. Zn bei Rächt zum 24. Zuli wurde ans einer verschlossenen Waschküche Die eingeweichte Wäsche vollständig entwendet. Die Diebe konnten sich nicht lange ihrer Beute freuen. Einer Polizeipattouille fielen in jener Dacht zwei Personen mit vollbepackten Rucksäcken auf. Die Untersuchung förderte Daß wüsche in den Rucksäcken zutage. Es handelt sich um zwei übelberuchtigte Personen, die erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen wurden, nachdem sie ihre ‘Strafe für Diebstähle in den Jahren 1918/19 abgebrüht hatten. Der eine dieser beiden, der in Düsseldorf- wohnt, hatte einen Abstecher nach Gießen gemacht und wollte nun wieder zuruckkehren.
”* Erfrischungen für minderbemittelte Reisende auf den Bahnhöfen. Ein Erlaß des Reichsverkehrsministers verpflichtet die Dahnhofswirte, in Zukunft neben den üblichen Reiseerfrischungen auch frisches Trinkwasser und trockene Brötchen zu führen und anzubieten, damtt auch minderbemittelte Reisende die Möglichkeit haben, unter» Wegs Erfrischungen zu sich zu nehmen. Die Dahn- hofswirtschasten sind gehalten, diese einfachen Erfrischungen zu billigen Preisen abzugeben, unb bei der ständig wachsenden Benutzung der vierten Klasse wird dieser Erlaß des Reichsverkehrsministers zweifellos als eine verständnisvolle Berücksichtigung der wirtschaftlichen Lage der meisten Reisenden begrüßt werden.
y‘* Don der Waldbühne wird uns geschrieben: Die für den 21. Zuli in Aussicht genommene Aufführung der „Versunkene Glocke" von G. Hauptmann wurde von der Zn- hoberin des Aufführungsrechtes verboten. Die Waldbuhne hatte ihren Aufführungsanttag an den Buch Verlag S. Fischer, Berlin, anstatt an die wahre Znhaberin, Fa. F. Bloch Erben, gerichtet. Ehe noch Fischer geantwortet hatte, traf das strikte Verbot der Fa. Bloch Erben ein, und die Zeit reichte nicht mehr aus, telegraphisch die Angelegenheit zu ordnen. Da eine frühere Aufführung des Werkes durch Die Waldbühne tm Zahre 1914 von zuständiger Stelle gutgeheißen worden war, kam das nun. mehrige glatte Verbot gänzlich unerwartet und in hohem Grade Befremden erregend.
LZorrrotjzen.
— Tageskalender f ür Dienstag. Stadttheater, 7 Uhr: „Ein idealer Gatte".
— Aus dem Stadttheaterbureau. Auf das heute abend ? Uhr ftatt- findende Gastspiel des staallichen Kurtheaters Bad-Dauheim mit „Ein idealer Gatte" von Oskar Wilde sei nochmals hingewiesen.
Wettervoraussage
für Mittwoch.
Aufheiternd, wärmer trocken.
Die Depresfion, die wahrend der letzten Tage unsere Wetterlage beeinflußt hat, ist ostwärts abgezogen. Der Druck hat allgemein za genommen, so daß mit wärmerem Wetter zu rechnen ist.
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Landkreis Gieszen
— Hungen, 24. Zuli. Rachdem sich am Der« gangenen Sonntag hier ein Hausbesiherverein gegründet Halle, beschlossen auch die Mieter, einen Mieterschuhverein zur Wahrung ihrer Interessen zu gründen. Zu diesem Zweck fand gestern nachmittag im „Darmstadter Hof" eine Mieterversammlung statt, zu der Reallehrer Hebeimehl, Gießen, das Referat übernommen Halle. Der Redner sprach über die herrschende Wohnungsnot und Wohnungsteuerung, über die Mieteinigungsämter, Verordnungen über den Wohnungsmangel während des Krieaes, über ZwangsbrNvirtsHaftung und das Reich ßmieten- gesetz. Unter Berufung au' die außerordentlich wichtige Aufgabe, die die Mieterschuhvereine auszuführen haben, betonte er, wie notwendig die Gründung eines solchen Vereins am hiesigen Platz sei. Der Vortrag wurde von den Zuhörern mit großeim Beifall ausgenommen, und alle Anwesenden erklärten ihren Beitrill zu dem Verein, dessen Vorstand sich sofort aus der Versammlung zusammensetztc.
Rachdem Perzelius diese Ergebnisse gewonnen hatte, verwischte er sorgfältig jede Spur feiner Rachforschungen, vergewisserte sich, daß der Jude noch schlief unb schlich Samt langsam za fernem PlÄtz am Steuer, um Ebaarb abz ilvsen.
„Haben Sie etwas gefunden?" fragte dieser gespannt.
„Allerdings." entgegnete der Doktor. ..ich glaube, daß tr.tr ans aaf guter Fährte befinden."
„Und was haben Sie herausgrdracht?" fragte Eduard Wetter and hing mit seinen Blicken an den Lippen des Doktors. „Wgs befindet sich denn in den Bündeln, die wir verfrachtet haben?"
Der Doktor nxir noch unentschlossen, ob er Eduard in das Geheimnis einweihen sollte, aber nachdem er ihn nun einmal als Gehilfen bei feiner Erkundangsarbeit angenommen Halle, maßte er ihm auch die wichtigsten Pankte anvertraaea Er sagte also kurz entschlossen: „Leichen sind darin."
Eduard erblaßte. Für ihn war es fast sicher, daß Silly sich unter diesen befinden müsse, denn die Angst ließ ihn überall das Schlimmste ahnen
„Doktor, ich beschwöre Sie, was hat es für eine Bewandtnis Damit V Glauben Sie, daß Silly unter diesen Ermordeten ist?" stieß er hastig, aber tonlos hervor.
„Beruhigen Sie sich nur etwas," erwiderte Perzelius fast anberührt von der Angst des jan- geiT Mannes „so schnell gebt das Umbringen nicht, unb ich habe Ihnen ja schon gesagt, daß die Baronesse vor Ablauf von drei Wochen tr Sicherheit ist."
„Aber Sie können sich ja täuschen, Herr Dov tor," fuhr es Eduard heraus. fFortfetzung folgt v


