Ausgabe 
23.12.1922
 
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m. 302

Erscheint glich, trafen Sonn» und Irieriogs, mit berSamstagibeilage: GtetzenerFomckienblLtter Monatlich« B«)oaspr«lle: 380 Marli und 20 Marli Irügerlohn,durch dxPost 400 Mort»,auch bei Nicht» erscheinen einzelner Num­mern infolge höherer Bemalt.- jernlpred)» Anschlüsse: für dieSchrtft» lellung 112 ; ftr Verlag und (öeschüslsstelle 51. Anschrift für Drohtnach- richten HwirigerKietze».

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(Elftes Blatt

172. Jahrgang

Samstag, 23. Dezember 1922

GiesjenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

vrvS mb Verlag: vrühl'sche Univerfitalr-Vuch' nnb Stelnörudcrci R. Lange in Sietzen. Zchrislleitung und Geschäftsstelle: Zchnlftratze 7.

Annahme von 21 n t uit für die laqtsnumn er bis zum Nachmittag vorher ohne jebe Verbindlichkeit. Srets ttir 1 mm höhe sur njeigeno 27 mmBrette örtlich 16 Mk, aufwärts 20 Mk.; für Reklame» Anzeigen von TU mm Breite 60 Mk. Bei 'Platz» Vorschrift20 .Aufschlag. Houpischriftleuer. Auq. Goetz Pernntwortlich für Politik: Aug. Boetz, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans "bedi, sämtlich in Wieben

Weihnachten.

Die dreitägige Ruhepause des bevor­stehenden Festes ist für das deutsche Voll eine Gelegenheit, noch einmal die Blätter der rauhen Vergangenheit zu ordnen. Die rich­tende Hand der Völkerpolitik hat da, ob sie eS ursprünglich wollte oder nicht, in der letz­ten Zeit tüd)tig vorgearbeitet: au her den Franzosen spricht kaum noch jemand von dem schuldigen Deutschland, und in den eng­lisch-amerikanischen Erörterungen spielt jetzt sogar dasVergessen- deS Vergangenen eine gewisse Rolle. Wir aber wollen nicht vergessenl Die innerpolitisck-en Rotwendigkei- ten liegen im allgemeinen heute klar auf der Hand; eS gibt im Grunde wenig Anlaß, sich darüber zu ereifern. Die Grundsätze und Theorien liegen wie stumpf gewordene In­strumente in ihren Futteralen, während der Sturm der Rot die kleinen AlltagSschmerzen zurückdrängt und übertönt. Aber rings um uns her liegen die Trümmerhaufen und bie­ten den stummen Anblick größerer, äußerer Ge­walt. Ganze Stände sind zusammengebrvchen, manche Im StaatSinteresse notwendige Arbeit stocüt, mancher Betrieb wird eingestellt, und LuxuS wird nur in sehr geringem Maße noch getrieben, wenn man einiges Wohlleben so­genannterReichen" in Kleidung und Nah­rung über normalen Verbrauch hinaus nicht noch so nennen wckl.

Unb noch immer ist eS nicht genug! Der Rachbar im Westen will uns über die Schwelle, um sich mit Pfändern und Kontributionenbe­zahlt zu machen". Kann eS uns genügen, daß tm Auslande die Einwendungen gegen schroffste Militärpolitik sich mehren, daß man fich dort anschickr, die härtesten Hiebe gegen ein wehrloses Volk abAufangen? Ost das der Sieg der Liebe in der Welt, daß in den besser gestellten Ländern jetzt für unsere Ar­men und Unter ernährten gesammelt werden soll, als wäre eS eine ausgemachte Sache, daß den Deutschen nicht Recht und Gerechtigkeit, londeru Almosen gebührten, und daß auch wei­terhin der Schleier der Vergessenheit die Fehler und Untaten der Siegermächte be­decken müsse?

Dieses Christfest, von vielerlei Unterhal­tungen über vernunftgemäßen Abbau der un­erfüllbaren Zwangsverträge urnklungen, von Moral- und Rützlichkeitöpredigten, Ueber- redungSkünsten und Kommissionsplänen, er­scheint doch vor dieser Welt der Berechnungen als das Gegenteil leuchtender Christgemein­schaft. Om besten Falle soll ein Bankieraus- schuß der Weisheit letzten Schluß herbeifuh- ren. Man mißt die übrig gebliebenen Kräfte des kranken Reiches, um das Maß seiner Lasten zu bestimmen. Und darüber sollen wir uns freuen, daS soll daS Wohlgefallen der Menschen bedeuten, daß der Wert der Mark um ein paar Stufen steigt, daß die Re­gierungen ihren ungeduldigen und bangenden Völkern gegenüber einen Lichtstrahl der Milde und Rücksichtnahme in die Finsternis herein- lassen? Das ist wahrlich nicht der Weg der Hirten unter dem Stern Bethlehems. Wir erblicken den Stern der Verheißung nicht über den noch recht dunkeln Beratungen von Washington. Roch ist es nicht dahin gekommen, daß der siegreiche Geist der Wahrheit und eigentlicher Wiedergutmachung den Hebel zur Gesundung Europas ansetzt. D.e Wahrheit be­darf eines freudigen und unbestochenen Wil­lens, um sich durchzusetzen und Frucht zu bringen. Die jammervolle Gegenwart bestä­tigt uns in dieser Beziehung sv j^d)t, was uns nicht nur das Evangelium lehrh- sondern auch in den Buchern der großen deutschen Geisteshelden zu finden ist. Der junge Goethe schrieb im Aufblick zum Werk deS großen Friedrich einige VerSzeilen, denen wir heute sehnsuchtsvoll nad-f nnen können, weil sie wahrlich ein Schlüssel sind zur Erkenntnis und Wendung der gegenwärtigen Weltlage:

»Willst du aber die Meinung beforschen, beherrsche durch T a t sie, nicht durch Geheiß und Verbot: der wackere Mann, der beständige, der den Seinen und sich zu nutzen versteht und dem Zufall klug sich beugt und groß dem Zufall wieder gebietet, der den Augenblick kennt, dem unverschleiert die Zukunft in der stillen Klause des hohen Denkens erscheint, der, wo alle wanken, noch steht, der beherrscht fein Volk und gebietet der Menge der Menschen."

Wohl ist es heute für deutsche Staats­männer schwer. Taten zu ersinnen, weit vor- auszuschauen in die Zukunft aber wir müssen, wenn, wir von Knechtschaft befreit sein wollen, doch wieder einen Willen ge­bären, der daS eigene Voll beherrscht und der Menge der Menschen gebietet, damit das unterdrückte Recht aufsteige und nicht Unzu­länglichkeiten und Halbheiten aufgerichtet werden. Darum soll man nicht vergessen, daß die Ursachen deS großen Weltkrieges und seine Sühnung in dem Gericht der Sieger- Dächte in lügnerische Fehlsprüche gemünzt

wurden, auf denen die Zukunft nimmermehr aufgebaut werden kann.

Wir sind eine gute Strecke Weges weiter­gekommen, Indem vor allen Dingen das deutsche Voll selber die falschen Zweifel fallen läßt, die eS am Kriegsende in die Falle der Feinde eingehen ließ. Das deutsche Gewissen atmet wieder eine reinere Atmosphäre. So können wir unö trostvoll versenken in das heilige Erlebnis der Hirten auf dem Felde, die ja nicht selbst lenkten und herrschten, son­dern vertrauten und anbeteten. Die Winter­nacht im Freien, unter der die Sterne glitzern, ist wie ein Symbol des Deutschen Reiches in Kälte und Armut: im ärmlichen Stalle zu Bethlehem wurde aber der göttliche Wille ge­boren. Auf Stroh gebettet, in einer Krippe lag derHerr in der Stadt Davids": wie seltsam geht hier alle Hoheit des Menschlichen und Göttlichen von schlichter Hablosigkeit aus! Das sind doch Bilder, die uns heute innerlichst erwärmen müssen, der Zug der heiligen Fa­milie in all seiner anspruchslosen Dürftigkeit, diese Geburt in bettelarmen Verhältnissen! Mnb wie hat unser Dürer diese trauten Ge­stalten gebildet in feinen unvergleichlichen Holzschnitten, diese Odylle von Anspruchs­losigkeit. die dod) von Feinheit, Frische und Lebensmunterkeit durchpulst sind. Entzünden wir an der lieblichen Glut altdeutscher LebenS- fülle, an der wiedergewonnenen Flamme des reinen deutschen Gewissens diesmal unsere Weihnachtskerzen! Es ist ein von Gefahren mannigfacher Art umlauertes Fest. Die Pläne des Herrn Poincare sind ernster und bestimm­ter als die englisch-amerikanischen Hem­mungsversuche. Eine Ration bedarf eben eigner Kraft und selbständigen Wil­lens, um sich durchzusetzen. Dieser Gedanke darf die Deutschen nicht wieder verlassen. Der bittere Gedanke, daß gerade ihr junger Rach- wuchS so hart bedroht wird gestern wieder ist der MUd)preiS um 50 Mark pro Liter ge­stiegen darf und kann sie nicht In Friedens­seligkeit erschlaffen lassen. Morgen kann ein neuer bethlehemiiischer r -Ij m o

be r ner Praxis gegen uns ins Werk gesetzt werden. Das Fest besiegle darum uns den inneren Frieden und stärke und für Kampf und Rot!

Die Berliner

Neparalionsbesprechungen.

Berlin, 23. Dez. Bei der gestrigen Be­sprechung der Reichsregierung mit len Partei­führern wurden die Vertreter der Demokraten, des Zentrums und der Deutschen Vollspartei vom Reichsfinanzminister Dr. Hermes emp­fangen, die anderen Parlamentarier vom ReichSminister des Aeußern von Rosen­berg. Die Reichsminister macksten Mitteilun­gen über ihre weiteren Pläne in der Repa­rationsfrage. Om Anschluß daran fanh eine Kabinettssitzung statt, die sich aber dem B. T." zufolge nicht mit dem Reparations­problem beschäftigte.Lokal-Anzeizer" und Vorwärts" wollen wissen, daß die deut­schen Vorschläge erst nach den Weih­nachtsfeiertagen fertiggestellt werden können. Allerdings sei man laut demLokal-Anzei­ger" im Laufe des gestrigen Tages einen guten Schritt vorwärts gekommen, so daß sich bereits ein bestimmter Plan erkennen lasse. DerVorwärts" will wissen, daß hauptsächlich Differenzen darüber beständen, welche Summe angeboten werben solle, und welche Garantien sonst zu leisten seien.

Der Repcrrntfonsausschutz und die Sachlieferunqsfrnye.

Paris, 22 Dez. (WTB.) Die Repara- tlonskommisfion beschäftigt sich heute nach­mittag mit dec Sachlieferungsfragc. 2Iut ®mib des Moratoriums vom 21. März hatte Deutschland im Laufe des Jahres 1922 für 95) Millionen Sachlieferuigen an Frankreich und 500 Millionen an die anderen Staaten zu liefern Frankreich hat nicht entfernt seinen Anteil in Anspruch genommen, anders die übrigen Betei­ligten. Die Repara'.ionskommis'ion untersucht heute nachmittag, ob durch die Sachlielerungen an die anderen Staaten als Frankreich der Gesamt­betrag von 500 Millionen Mark gedeckt ist. Wenn nicht, solle der Restbetrag festgesetzt werden. Rach demTemps" wünschen schon jetzt verschiedene Mächte, an den restlichen Lieferungen beteilig, zu werden.

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Pari-, 23. Dez. (WTB.) Eine französische Kommission hat in Berlin über die Liefern ig von Stick st offdüngemitteln für t ie f onzösi- lchen Landwirte für das Jahr 1923 verhandel' Der Berliner Berichterstatter des »Echo de Pa iS" meldet hierüber, die französische Delegation ba'e ihm vor seiner Abreise mitzeteilt, die deutsche Regierung habe erllärt, es sei ihr unmöglich, au Repavativnskonto auch mir geringe Men;en vv Sitckstoffdüngemitteln zu liefern. Die deutsche Re­gie .mag habe der französischen Delegat ron geant­wortet, die deutschen Erzeuger könnten Frank­reich gewisse Wengen liefern unter der Bedin­

gung, daß die abgefchlosienen Verträge der deut­schen Landwirtschaft g.nügend Vorteile bieten. DaS Verlangen der fran.ösifchen De eiation bade sich auf den zehnten TeU der deutschen Erzeugung erstreckt.

Der Plan

eines amerikanischen -Ausschusses.

Paris, 22. Dez. (WTB.) Rach einer Havasmeldung aud Reuyort telegraphiert der Washingtoner Korrespondent derAssoc Preß": Obwohl bis jetzt keine offiziellen politischen Ver­handlungen stattgefunden hätten, so bestünde in zuständigen Kreisen durchaus die Ansicht, daß die Vereinigten Staaten, England und Deutschland geneigt seien, ihre Zustimmung zur Bildung eines Ausschusses von ame­rikanischen Geschäftsleuten zur Rege­lung der Reparationsfrage zu geben. Der Korre­spondent bemerkt weiter, offizielle Persönlichkeiten, die anfangs nur In unbestimmter Form hätten vernehmen lassen, daß man nach Möglichkeiten suche, die Regelung der europäischen Fragen zu erleichtern, wären nicht abgeneigt, das Projekt des amerikanischen Ausschusses zu diskutieren, das bereits ausgearbeitet wäre. Schließlich habe, nach dem Korrespondenten, Staatssekretär Hughes in einer Rote erklärt, daß die Regierung keinerlei Vorschläge in dieser Hinsicht gemacht habe, jedoch habe man weder im Staatsdepartement, noch in der Handelskam­mer die Rachricht dementieren wollen, in der der offizielle Plan auseinandergeseyt und erllärt wurde, er sei der Regierung mitgeteilt worden.

Reu York, 22. Dez. (WTB) Funlspruch. Wie derReuhork Times" aus Washing- t o n gemeldet wird, war es die Handelskammer der Vereinigten Staaten und nicht, wie eine Lon­doner Depesche mitteilte, eine deutsche Handels- kommission, welche mit dem Plan hervorgetreten ist, daß ein Komitee amerikanischer ©e- schäftsleute bei der Lösung der Repara­tionsfrage mitwirken sollte. Cs heißt, daß der Handelskammerpräsident Barnes in den letzten Tagen mit Hughes konferiert habe, und daß Bar­nes es gewesen fei, der HugheS jenen Plan vorlegte.

Der Entschluß Frankreichs für einevermittelnde" Lösung.

Paris, 26. Dez sWTB.^ DieCreRouvelle" schreibt, die französische Regierung habe sich nun­mehr für eine vermittelnde Lösung der Reparationsfrage entschieden. Hierbei solle nicht mehr von einem Moratorium, sondern von einer Folge von kur' frist igen Zahlungsstun­dungen die Rede sein. Bis zu jedem dieser Ter­mine müsse Deutschland gewisse Verpflichtungen erfüllen. Hede Verfehlung werde automatische Sanktionen nach sich ziehen. Die Harten dieser Strafbestimmungen würden progressiv gestaltet. Das Watt nennt diese Form lraifonable".

Berlin, 22. Dez. (WTB.) DerReuyork Herald" meldet aus Washington: Das Staats­departement erhielt von Paris die Bestätigung der Blättermeldungen, daß Frankreich sich zur Zeit nicht mit dem Plan trüge, zu Anfang Oanuar das Ruhrgebiet z u besehen. Staatssekretär Hughes sei von Paris aus in­offiziell davon in Kenntnis gefetzt worden, daß Frankreich in der Reparationsfrage keine gewalt­samen Schritte unternehmen werde, bis die schwe­benden Verhandlungen zwischen den alliierten Premierministern einigermaßen einen Abschluß er­halten hätten. Gleichzeitig wird laut ..Reuyork Herald" in Washington dementiert, daß die Ver­einigten Staaten ihre Truppen vom Rhein zurückziehen würden, wenn die Franzosen weiter nach Deutschland einrückten. - -

Die Lausanner Konferenz.

Lausanne 22. Dez. (WTB.) Heute vor­mittag hatten Lord Curzon, Barrere und Marquis Garroni eine neue Zusammen­kunft mit 0 Smet Pascha On unterrichteten Kreisen wird erllärt. daß über den ersten Teil der strittigen Punkte die Derständipingsbemü- hungen erfolgreich waren. Dir türsifche Abord­nung veröffentlicht heute den Text einer Er­klärung, die sie in der Sitzung vom 20 De­zember ab geben wollte, die jedoch nicht in das amtliche ßommuniqul ausgenommen wurde. Sie hat folgenden Wortlaut: Osmet Pascha erllärt, daß er, um Mißt-erständnissen über die Befug- ni se der interalliierten Meerengenkommifsioi aus­zuweichen, über folgenden wesen'sichen Punkt einen Erklärung zu geben wünsch': Aus den gestrigen und beutlaen Erklärungen geht klar hervor, daß in liebetcinftimmung mit dem Problem über die Fage der Meerengen die Kommt sion ausschließ­lich die Aufgabe haben soll, sich barüber zu veigewissem, ob die Bestimmungen über die Kriegsmittel brachtet werden. Ausserdem bilden die Punkte, dir die türkisch: Abordnung ange­nommen hat und die Punkte, in denen sie eine Abänderung verlangt, ein unteilbares Ganzes

Der französisch: Devollmächiste Barrere wird morgen abend nach Paris zurückkehren, um dort die Feiertage zuzubringen und dem Mi- nisterpräst:«nten Poincarc- über dir Arbeiten der Konferenz zu berichten.

Lausanne 22 De;. (WTB.) Der Unter- aussch ß für die Minderheitenfragen hielt heute zwei Sitzungen ab, die zu kei­nem Ergebnis geführt haben Zwar wurde er gestrige lebhafte griechisch-türkische Zw.schen- «all dadurch beigelegt, daß die Türken das Aus­wanderungsrecht zugestanden, aber in allen an­deren Fragen wie Amnestie und Z i v i l st a n d behielten sich die Türken die Ent­

scheidung vor. während sie andere Voischlüge glatt ablehnten, so den Vorschlag der Alliierten, der auf völlige Befreiung der Minderheiten vom Militärdienst verzichtet, aber entw der eine zeit­weilige Befreiung ober einen Militärdienst der Christen in bestimmten, rein christlichen Format in­nen unter ch ist sichen Offizieren anregte Ebenso lehnte die türkisch.' Abordnung einen neuen Vor­schlag über eine Kontrolle du ich den D filier« bund ab. Frühere Vorschläge bezweckten, daß die Türken die Ernennung der Inspektoren für den Minderheitenschutz durch den Völkerbunds, al ein Mitsprecher recht hätten Die Tkitrvtcr der Dal- kanstaaten ihrerseits protestierten gegen die tür­kische Forderung, wonach sie genau a>ie Griechen­land die Grundsätze des Minderheitenschrines in der Türkei auch in ihren Ländern durchführen sollten. Sie rech.fectigten ihre Haltung damit, daß sie bereits Verträge über den Minderheitenschutz unterzeichnet hätten. Die heutige Sitzung hinter­ließ In den Kreisen der Konferenz einen pessi- mistischen Eindruck.

Der neue Staatssekretär des Auswärtigen.

D c r l i n, 22. Dez. Wie den Blättern mit« geteilt wird, übernahm der neue Staatssekre­tär im Auswärtigen Amt, Freiherr v. M a 11 - zahn, die Geschäfte.

Die deutsch spanischen Handclsbezicßn iigcn.

Berlin 22. De^ (Wolfs) Wie ben betei­ligten Handels- und Ondustriekreifen bekannt ist, ist das modus viver^di-Abkommen, daS bisher un­sere Handelsbeziehungen zu Spanien regelte, mit dem 20. Dezember abgelaufen Leider war es der deutschen Regierung unmöglich, bis zu diesem Zeitpunkt mit der spanischen Regierung zu einem neuen Arrangement zu gelangen, das wenigstens den dringendsten deutschen Ontei elfen genügt hatte. Die Verhandlungen zwischen Berlin und Madrid gehen indessen fort, und es besteht Aussicht, schon in den nächsten Tagen zu einer Verständigung zu gelangen, die uns wenigstens über die nächste Zeit hinweghilft. Es besteht bo gründete Hoffnung, daß die Verzollung be »ach dem 20. Dezember tn Spanien eint reffen c en Waren nach dem spanischen Maximaltarif vermieden tvi»d

Die russisch-türkische Freundschaft.

Moskau, 22. Dez. (WTB.) Russische Telegraphenaaentur. Bei der lleberreichung des Beglaubiaungsschreibens hielt der neu» erannte türkische Gesandte. Machtar Bey. eine Ansprache, worin er darauf hin­wies, baß ungeachtet der Dersuck>e auslän­discher Mächte, eine gegenseitig? Annäherung zwischen dem russischen und türkischen Volle zu verhindern, beide Völler einander gefunden und verstehen gelernt hätten. So habe sich die russisch-türlische Freundschaft entwickelt, die durch ben Moskauer Vertrag von 1921 ihre Weihe erhalten habe. Der Gesandte ver­sicherte, er werde alles daran setzen, die enge Freundschaft zwischen ben beiden Böllern weiter zu festigen.

On seiner Antwort gedachte der Präsident des Allru'si'chen Zentralvollz'g'ausfchussc^, Kall Gin, der Lausanner Konserenz. die der beste Beweis für die Schwierigkeiten des der Türkei bevorstehenden Kampfes sei, bei dem nur die Sowjetrepubliken der Türkei zur Seite ständen.

Das flämische an brr (öenter Ihnvrrfttnt.

Brüssel, 22. Dez (WTB.) Die Kammer hat tn zweiter Lesung mit 89 gegen 83 Stimmen bei 9 Stimmenthaltungen den ersten Artilei l es Gesetzentwurfs, nach dem an der G e n t e r Uni­versität Vorlesu igen In flämischer Sprache gehalten werden sollen, angenommen Der ganze Entwurf über die Flamis:erung der Genter Unioerfität wurde sodann in zlveiter Lesung mit 89 gegen 83 Stimmen bei 7 Stimment­haltungen angenommen.

Brüssel, 22. Dez. (WTB.) Mel'rm'e taureni> Studenten der Universitäten und Hochschu en deS Landes demonstrierten in den Straßen gegen die Annahme des Gesetzes über die F kam i sie» ru n g derGenter Universität. A > dein Gebäude der deputiertentammer kam es zwischen Demonstranten, die die Sperre durchbrechen woll­ten, und Polizei zu einem Zusammenstoß Ein Polizeibeamter und ein Student wurden verletz!

Uns Dem Reiche.

Eine Spende für daS Rheinland.

Königsberg, 23. Dez. Die Stabt- verorbnetenversammlung von Kö­nigsberg i. Pr. hat 100 000 Mk. als Spende für bas besetzte Rheinlanb bewilligt.

Rene Lohnforderungen der Bergarbeiter.

B e r 1 i n, 23. Dez. Den Blättern wird auS Bochum gedrah et, daß d e Ortsgruppe Berg­bau des ReichSverbanbeS bei deutschen Onbu- strie ben vier Bergarbeilerverbänden auf ihren Antrag, Verhandlungen zur 2leufestietzung der Löhne einzuleiten, erwibert hat, die Beran