Ausgabe 
23.11.1922
 
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Ans Siebt «nd Land.

Rieften. Den 23. November 1922.

Anzeigen-Annahme.

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Geschäftszeit

da» 812»/° Mr und do« 2S'/s Mr.

Die Kohlenproduktion in Heften.

Die monatliche Statistik der Kohlenprodut- tarn des Dollsstaates Hessen weist für den Monat Oktober 1922 die folgenden Zahlen nach. Ar SotbcaunlDiIen wurden gefördert 51166 Tonnen, acriaufi. wurderr dawn 19 741 Tonnen der größte Teil der Rohkohle wurde weiterverarbeitet oder war zur weiteren Verarbeitung bestimmt. Olite» den verarbeiteten Rohkohlen wurden neben Schwelereiprol ulten erzeugt: 28tiö To. Drauir- kvhlenbrlle 1s, Z31 To. Raft preft steine.

Au her dem wurden inHessen erzeugt IOZ8ST0. Striuprehkv^en.

Bluter Ve.ücksichtigung der au: Vormonaten übernommenen DrstänX, sowie de - A tatze? u d äxckbstoerbvauchs. verblie.en am Jtio. aUfd)U6 absatzfähig: 5923 To Rohkohlen, 2249 To. Raft- -retzsteine, zusammen 8163 To. Braunkohlen und Braunkvhlenprodukte im Gesamt'verle von '20 251 430 » .

* Amtliche Perfvnalnachrichten. (Krncmat wurden: am 11. 2lot>an':cr der HOssouf» 'iLher Kari Brvo zum Gtrofanstaltsoberwacht-- meister am Landgerichtsgefangnis in Mainz: am 13. November der Scrafans1altsoberwaW1'..:eistrS -an der Zellenst vafwn ft alt Butzbach Georg 5v unz zum Strafanstaltshauptwachtmeistcr an der Zellen- Tlrafanftali Butzbach; am 20. 2rovember die Re- gierungSrcitc M e i f f e n b u ch und Bühner beim LandessltUvnzamt Darmstadt zu Oberregie­rungsräten.

** Die Germania marken mit der Kaiserkrone sind bekannt lich seit Oktober außer Geltung gesetzt. Sie dursten noch bis Ende Oktober umgetauscht werden. Biele Besitzer hatten es aber- versäumt, sie der Post zurückzugeben, so daft sich noch beträchtliche Mengen Germania- macken In den Händen der Derwtterung befinden. Das Reichspostmii'.isterlun hat de-halb jetzt nach­gegeben, dah die Marken noch bis Ende Dc- 8tiw;er gegm andere Postwert-,eichen un getauscht werden können. Dies gilt auch für drn Eintausch von Vordrucken mit gultiaem Wertslemrel und nachgekle ten Germaniamarken Di? ungetauschen Werrzeichen Werden von den Poftanilal.e i an die Oberpostkassen eingesandt. Die O erpostdire t o er sind angewiesen, die Wertzeichen zu verbrennen.

" Die Paketbeförderung. Bei dem Publikum besteht vielfach die Auffassung, dah Pakete, die mit dem Verlangen der E i l b e st e l - lung zur Post gegeben werden, schneller als andere Pakete befördert werden. Dies ist im allgemeinen nicht der Fall. Die Eilpakete werden zusammen mit den gewöhnlichen Pa­keten vielfach unter Benutzung der Gilgüter- und Güterzüge versandt; die Bevorzugung vor den gewöhnlichen Paketen besteht allein darin, dah die Eilpakete anstatt mit der regelmäßigen Bestellung, sogleich nach der Ankunft den Emp- tängern durch besonderen Boten zugestellt werden. Soll Paketen eine befchleuniHteDeförde- Fung zureil werden, so sind sie alsdrin­gend" aufzuliefern. Dringende Pakete unter­liegen der dreifachen Freigebühr für gewöhnliche Pakete und werden gleich den Drieffendungen mit den schnellsten Desorderungsgelegenheiten ab- gestncht.

Landkreis Gietzen.

X W i e f c d, 20. Avv. Der zweite FamUlen- abend desWartburgvereins im übe füllten Saal von Braun hatte als ThemaDas deut° gelegenheiten hatte er den lieberblick Über seine eigenen Verhältnisse verloren.

Zuweilen überkam es ihn Wie ein Hunger nach Musik, nach einem Orchester, dem Klang einer Orgel, Gesang.

Dann warf er alles fort und ging ms Theater, in ein Konzert im Kursaal oder auch in eine Kirche, um seine Seele einmal wieder reinzu­baden von dem Staub der Geschäfte.

Wenn seine Bureaus leer waren und die Putz­frauen Besitz von den überfüllten Papierkörben genommen hatten, schlof) ec sich in sein Zimmer ein unb spielte Harmonium bis in die Dacht hinein.

Gr störte niemand mehr damit, denn feine Wohnung oben war meist leer. Seine Frau erschien nur noch zu den Mahlzeiten und auch oft zu diesen nicht mehr. Man sah sie täglich im Kurgarten, elegant gekleidet, mit auffallenden Hüten und groben Brillanten im Ohr, im Kreise neuer Freundinnen. Sie lernte jetzt reiten und ging des Morgens, die Schlepve ihres Reit- kleides überm Arm, eine zierliche Reitgerte in der Hand, einen Straus; Blumen an der Brust, in den Tattersall.

Sie hatte mit einigen jungen Frauen einen Klub dec Vernachlässigten" gegründet, der bald im Kursaal tagte, bald auf einem Rheinschlss oder in einem Cafe.

Ernst lieb sie gehen. Gr gedachte seiner ver­unglückten Erziehungsversuche zu Hause. Zuweilen erzählte ihm Gimpel im Vertrauen davon, denn

sche diefc und wurde usrter AKrwkvrn-g eines Hugendorchesters und des Frauenchors (Leiter Philipp Grob) von der MädchLnadteilung mit Deklamationen, dabei einem Melodrama, bestrit­ten. Farbenprächtige Bilder bi kleidsamer Volks­tracht boten unsere Mädchen, verstärkt durch einige Gießener Vereinüschwest em, in den beiden Lie- derspielen von Rose! KleefothUnter der Dorflinde" undDas Lied daheim", die zwei Hetserinnen aus der Lehrerschaft, Fräulein Ratz uni> Stoll einstudiect. Letztere gab u. a. einige Lbnslieder zur Laute hinzu. Pfarrer Sattler hielt eine zeitgemäße Ansprache überDas deutsche Lied". Der Reinertrag des Abends kommt dem weiteren Ausbau unserer Jugendarbeit zugute, beten nach Gießener Vorbild geplante Freundeokganisation ihren An­fang nahm.

Kreis Lauterdach.

* ßautc r 6 ad), 21. Avv. 2a der Aacht Aum Montag stürzte sich der in den sechziger Jahren stehende ge.fteskrankc Funk aus Lan- denyausen, der stier bei Verwandten wellte, aus dem Fenster seiner Dachstube. Er fiel auf einen Zaum, dessen Latten ihm in den Lew drangen. Am Morgen fand man den Mann als Leiche auf.

* LauiorbaH. 22. Avv. Veranlasst durch das Illeber Handnehmen der Zigeunerplagc hat das ^treisamt jetzt die scharfe Bekänrpiung dec Zigeunerbanden angcorbnef. eh: Ortspolizer^ behöcten itrtb Genbarm?riesta tionen sind angr^ Diesen worden, rücksichtslos -regen diese Lante plage vorMgedm. Das 2dßem der Zigeuner in der Feldtnar: und in den Wärtern soll unter allen Umständen verhindert und ihireu cchtetlei AufenlH^ttserlaubalS erteilt 'reiten. Vor allem ist dir Beschlagnahme bon Schuss. a>affs,r durch- zufüchvsn. In ter Bevölkerung, die durch dir Banden und zahlreich: Son ihnen verübte Dieb- stichlr ichwer beunruhigt wurde, nimmt man die energischen Maßnahmen mit Genugtuung auf.

Starksnburg und Nhemheftcu.

Darm st adt, 21.Rov. Die Direktion des Gas° und Wasserwerks hat den GaS - und Wasser preis mit sofortiger Wirkung be­trächtlich erhöht. Das Gas kostet jetzt 100 Mk. für den Kubikmeter, gegen 65 Mk. zu Anfang des Monats. Das Wasser wird mit 45 Mk. für den Kubikmeter gegen 30 Mk. am 1 Äovember berechnet. Diese aufterorten!- liche Preissteigerung ist durch die jüngste starke Erhöhung dec Kohlenvveise ausgelost worden.

Mainz, 21. 'Hob. Der Vorsitzende des Mainzer Börsen Vereins, Veh. Kom- merzien.at Aug. Fein e, hat die 'Mitglieder des Vereins au einer Hilfsaktion für die not» le 1 denoe Bevölkerung au'gerufen Auf den ersten Ruf wurden folgende Olaturaimengen zur Hilfe bereitgestellt: 28 Zentner Mehl, 167 Ztr. Kartoffeln. 5 Rentner Gerste, 6 Zentner ©rieft, 10 Ztr. Erbsen, 4 Ztr. Bohnen, 1 Ztr. Linsen, 4 Zentner Hafers locken, 8 Ztr. Zucker, 8 Ztr. WalzLcrffee, 1 Kiste kondensierte Milch, 5 Pfund Kakao. Außerdem wurden bis jetzt an Bargeld 140 000 Mk. gegeben. Die Sammlung unter den Börsenvereinsmttgliedern soll fortgesetzt werden. Man ist des Empfangs so grvfter Warenmengen und Geldmittel gewiß, daft eine wirklich tat­kräftige und groftzüglge Hinter stützung der Minder­bemittelten erfolgen kann. Die Verteilung der Spenden soll in den Händen der Börse bleiben, die sie unter Hinzuziehung der Geistlichkeit aller Konfessionen und sonsttger In der Armenpflege erfahrener Herren vornehmen wird.

Gietzener Strafkammer.

Stehen, 17. November 1922.

Der Buchbinder A. M. aus Kröppen bei Pir­masens hatte sich kurz vor Ostern 1921 In einer hiesigen Pension einlogiert. Nachdem er am zwei­ten Öfterfeiertag, ohne mit der Pensionsinhaberin abgerechnet zu haben, verschwunden war, entdeck c ein anderer Logiergast, daft ihm au3 der geiralt.am geöffneten Geldtasche, die sich in einer in einem

8000 Mark entwendet, waren Trotz hartnäckigen Ableugnnis der Beschuldigung wurde er als über­führt erachtet, den Diebstahl, wenn nicht allein, so doch in gemeinsamer Ausführung mit einem noch nicht ermittelten Mittäter cmsgeführt zu haben. Ferner hat er während seines hiesigen Arif ent­halte einen Zigarren Händler veranlagt, ibn als Provisivnsreisendcn anzustellen und ihm Muster von Tabakwaren im Werte von 6700 Mark zu geben. Statt aber Geschäfte abzuschlieften, har er weiterhin versucht, unter der nachweislich falschen Angabe, daft er in Wetzlar Zigarren und Zigaret­ten verkauft habe, dem Zigarrenhändler zu be­wegen, ihm die bestellten Waren zu übergeben. Er hat sich dadurch des Betrugsversuchs und durch die nach feinem Verschwinden von Gießen in Ber­lin vor genommene Veräußerung der Muster der älnterschlagmrg schuldig gemacht. Als rückfälliger Dieb und Betrüger erhielt er eine Gesamt- gefängnisstrafe von zwei Jahren un­ter Anrechnung der erlittenen älntersuchungShaft. Ferner wurde auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für 5 Jahre crEannt

In der (Jrzlehungsanstalt Steinmühle bei Ober-Erlenbach üxrren rm Laufe dieses Jahres mehrere Brände ausgebrochen, die z. T. nicht an» erheblichen Schaden an Gebäuden und Vorräten hervor tiefen. Ms der Brandstiftung verdächtig wurden die Zöglinge F. H. und M. in Haft ge­nommen. Während letzterer auf Grund sachver­ständigen Gutachtens, das ihn für nicht zurech- nungsfähig erklärte, aufter Verfolgung gesetzt wurde, stand H. unter der Anklage ver schweren Brandstiftung^, in zwei Fällen. In einem Zstnlle geständig tehauptete er, im zweiten Fall sei der heute als Zeuge vernommene M. der Brandstifter gewesen, während dieser angibt, daft H. dabei mit* gewirkt und ausgepaftt habe, haft er bei der 2ln- legung deS Brandes nicht gestört werde. Das Ge­richt crkanntc im zweiter: Falle auf Freisprechung, da es der unbeeidigten Aussage des außer Ver­folgung gesetzten früheren Mitbeschuldigten M. nicht diejenige Beweiskraft beizumessrn vermochte, um darauf eine Verurteilung zu stützen. Im ersten Falle erhall der noch nicht 18jährige H. eine G e° fän an iS strafe von 1 Jahr wegen einfacher Brandstiftung.

Bttckertisch.

In der SammlungSchneiders Büh­nens ührer" (Verlag Jran§ Schneider, Berlin und Leipzig) sind kürzlich wieder einige wertvolle Bändchen erschienen: Julius Bad: Gerhart Hauptmann, Theodor Kappstetn: Suder­mann und Hanno Martin Glster: Wedekind. Aufter eine Gesamtwürdigung der Dichter bringen diese Büchlein eine sorgfältige und eingehende Er­klärung ihrer Werke. Dem Theaterbesucher ist die Möglichkeit gegeben, sich an Hand dieser Schrift auf die Ausführung vorzubereiten und sich damit den ästhLtischen Genuft zu erhöhen.

Flemmings Bücher für jung und a l t (im Verlag E. Flemming und C. T. Wiskott, A.G., Berlin, fterauigegeceiT von DörrieS, Freiherr v. Münchhausen) bieten In zierlichem Bändchen abgeschlossene Erzählungen soliden Inhalts. Wir nennen: Marie Diers: Das Herz im Holze, die Geschichte einer edlen Hingabe an die Kunst, G Asmussen: Einer der es schwer hatte, ein Lebens­bild düsterer Ao-V In der Groftstadt; derselbe Ver­fasser formt in einigen Erzählungen eine« weiteren Bandes wiederum die Lebenswege Don Industrie­arbeitern und Ingenieuren, Paul G r n st gibt mLange Rüben und Genossen" eine Anzahl lustigerSpitzbubengeschichten". Th. Mügaes Retter" ist eine erhebende Erzählung aus der Franzosenzeit Pommerns,Der zerbrochene Ring" ist nach Wicherts geschichtlichem Roman ^Heinrich von Plauen" von Borries, Fryrn. v. Münch­hausen für die Jugend bearbeitet worden. Hermamr Bvussets Pastorenjungs führen ins evangelische Pfarrhaus und durch stimmungsvolle Erinnerungen aus der Knabenzeit. Hier sind auch Carl FerdmandSHöhlenbären" zu nennen, eine rheinische Pennälergeschichte von erzieherischem Wert.Flemmings k.eine Dreibogenbücher liefern kürzere Erzählungen bekannter Dichter, z. D.

August KopischsDer Träumer", Fr. ®erffli<fett Loürtnger WaldmärchenGermels^rusen". Achim v. Arnims ^.Tollen Invaliden auf dem Fort Acttrmnoau". Die grbfteren der hier aufgefüftrten Bändchen find alle mit zahlreichen Textillustra­tionen versehen.

O. v. Sten;T aian", der grofte Frieden. Frankfurter SocietätSdruckerei, Frank- furl a. M. Ein hervorragender Kenner Chinas und feiner geheimen politischen Organisationen hat in diese Schilderung auftervrdenttich spannender Abenteuer die jüngsten Ereigniffe im fernen Orient htneinverwoben. In dem Strudel der Gefchehnifse spielt sich das Schicksal zweier Liebenden in er­greifender Anschaulichkeit ab.

Else Zurhellen-Psl e tde r er, Jesus. Gin Roman. Verlag Eugen (».lzer in Heilbronn. Die Autorin hat ein Buch geschaffen, in dem künstlerische Intuition die uns allen ver­trauten Worte und Erzählurrgen der Gvangelien zu neuem Leben erweckt. Das Bild, das sie zeichnet, ist nicht der historische Jesus, noch weniger der Ehrtftus des Dogmas. IhrJesus" ist.,ihr Eigen­tum, iftic Schöpfung, aber eben darum eine Ge­stalt voll Fletsch und Blut und Leben.

Scherls Iungmädchenbuch lDd.Vlll), hevausgegeben von Lotte Gubalke (Verlag von August Scherl G. nt b. H., Berlin SW 68). Reich illustriert, bietet das Buch mit seinem vielseitigen Inhalt Erzählungen und Märchen wechseln ab mit guten belehrenden Aufsätzen, Sprüchen und Gedichten unserer weiblichen Jugend mannig­fache Aitregung und frohe genuftreiefte Stunden.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Mussolini für das Writerbestehmr der Entente.

Paris. 22. Rov. (WDB.) Mussolini gewährte einem Sonberberic^erftatter dasMw- tin" in Lausanne ein Interview, in dem er er­klärte, Frankreich fei mit seinem Frieden unzu­frieden und es habe recht. Der Friede sei schlecht: denn der Krieg sei nicht bU zu ferner natürlichen Folge durchgeführt worden Man hätte ihn beenden müssen: die Franzosen in Ber­lin, die Italiener in Wien und Budapest. Der Feind hätte an der Gurgel gefasst werden muffen. Jetzt legten sich die Franzosen Rechenschaft dar­über ab, Saft sie wenig Aussicht hätten, das )U erhalten, was man ihnen schuldig fei. Die Deuts chen hätten den Willen, nicht zu bezahlen. Deutschland sei bedrohlich für Frankreich und auch für Italien: denn Tirol sei nur ein geographischer Begriff. Daher sei Frank­reich berechtigterwe.se unruhig. Innerhalb weni­ger Tage werde die öffentliche Meinung Frank­reich vielleicht zu einer Handlung treiben. Es werde nicht anders können, selbst wenn es augen­blicklich zu spät sei, als daft es von dieser Han^ lung die Erfüllung seiner Forderungen erhoffen könne. Frankreich wurde in diesem Fall gegen feine eigenen Interessen handeln. Es tourte dann ein Deutschland vor sich haben, hinter dem Sowjetruftland steht. Er sehe Europa vor einem Ehaos. Der Osten sei von ter bolschewistischen Torheit durchsetzt, bie sich auch Deutschlarrds, das nach Revanche schreie, bemäch­tigen werde. Denn ter Bolschewismus und der Chauvinismus seien zwei Kräfte, die slch tonntet^ bar miteinander verständigten. Gr glaube nicht an die Widerstandsfähigkeit Mitteleuropas, aber er glaube an die mächtige Tugend ter westlichen Zivilisation, wenn alle ihre Kräfte vereinigten. Belgien, Frankreich unb Italien auf dem Konti­nent und England an ter Seite, toemt es seine wahren Intevffsen versiehe, das sei die Allianz, mit ter man dem verhängnisvollen Einsluft des Ostens widerstehen müsse. In diese Allianz m'"^e England mit erhobenem Haupt wie eine GrH- macht unter Gleichberechtigten eintreten. Schließ­lich erklärte Mussolini noch, er sehe ein Abkommen mit Frankreich nach drei Richtungen hin: 1. Ern enges Wirtschaftsabkommen. 2. Eine militärW Entente gegen alle Eventualitäten. 3. Gin vöilige- EinverstäiLnis, durch das man srch verpflrchte in allen europäischen Hauptstädten die gleich- Haltung einzunehmen.

dessen junge Frau konnte ebenfalls keinen Nach­mittag za Hause bleiben.

Ater es war zwischen Grete and ihm eine solche Entfremdung eingetreten, daft ihn ihr Leben kaum noch interessierte.

Die Dienstboten sahen nicht ein, warum sie an einem fremten Hau Zhalt mehr Interesse haben sollten, wie die Besitzer, und legten ihrerseits nun auch keinen übermäßigen Wert mehr auf die WiNschastsfuhrung. ES wurde alles gerate so zusammen gehalten, daft es nicht auseinanterfiel.

Das ganze Haus alich allmählich einem öffent­lichen (Safe, in tem jeter aus- und einflog, wie es ihm beliebte, im Erdgeschoft die Pärchen, im ersten Stock die Klienten und oben daS Ehepaar und die Dienstboten.

Grete regte sich nicht mehr über offen- stehende Türen auf. Jeder konnte zu jeter Tages­zeit ungehindert eintreten, ter Briefträger, der Milchmann, die Allhändlerln, die nach seidenen Kleidern suchte für ihr öffentliches Haus. Grete wechselte ihre Loiletten dreimal in ter Saison und dieser Hantel ergab wenigstens wieder ein paar Goldstücke für einen neuen Hut. Sie ver< schwendete da« Geld, ohne nachzutenken, sie streute es mit ihren kleinen S)änten aus wie Papier- schnitzel auf ter Schnitzeljaad. Sic ging täglich zu einer Dame, welche in Ihrem Atelier hinter roten Paravents die Haut ihrer Kundinnen massierte und glättete.

Sie brauchte warme Dampsbäter- und lost- spiellge Kuren, Parfüm« ustd feine Seifeis, ihr

Schlafzimmer, das ganze Haus hatte .den Duft angenommen, ter an Gretes Kleidern hing. Wenn sie die Treppen herunterrauschte, kokett in Pelzen, Spitzen und Chiffon, hoben die Schreiber die Rasen, und die weiftgekleiteten Konditorjungens waren entzückt, einmal etwas anderes zu riechen wie warme Cremeschnittchen.

Grete richtete sich ihr Schlafzimmer nach den Theaterdekorationen des letzten Aktes ter Ka­melien dame ein, die Defsel gab sie jetzt während ter Maifestspiele. Sie trug im Hause kubistische Rachtgewänter, in denen sie während der warmen 2Xige bei geschlossenen Jalousien ost bis zum Abend blieb, in weiten weiften Pierrotanzügen aus Seide empfing sie ihre Bekannten zum Tee. Man fand sie originell. In diesen phantastischen Kostümen und funkelnd besttckten Schlafschuhen auf tem Diwan hinge streckt, konnte sie ihre Tage Verbringen, um eine Zigarette nach ter unteren zu rauchen und die Bücher' M verschlingen, die ihr ter Jüngling in der Leihbibliothek unter den Kolonnaden beiseite legte.

Sie schien nur noch Interesse dafür zu haben, sich z,r schmücken, die Blicke ter Männer auf sich zu ziehen, zu wirken ...

Und sie bet.xit nie ihr- Lvgr tes A end-, de» Kronenreiher im Haar, tief tetolfettert mit einem Diamantschmuck, ter allerdttms nicht echt war, ohne von tem heimlichen Wunsch verzehrt zu werden, Lutz möchte ihr einmal so begegnen

Aber sie sab ihn nicht mehr. Er war wie öom Erdboten re.Ichwunten. Ihr leer^ewvrtenes

Leben brachte sie zur Verzwerflung. Sie warf diese hellen Gewänder fort, um sich in Trauer zu kleiden. Eine entfernte Cousine, die sie nie gesehen hatte, war in Unkel gestorben, das benutzte sie um In schwarzem Krepp, verschleiert, mit we'ifter Witwenschnebbe, und ßacT/aefele: en in den Kurgarten zu gehen.

Ihr Vater, tem sie so begegnete, fragte sie erstaunt ob dieser Oltadierate, ob sie verrückt geworden sei. Lind qr empfahl seiner Gattin, etwas besser auf ihre Tochter aufzupassen.

Aber diese wies entrüstet seinen Verdacht zurück. Die arme Grete hatte dochsonst nichts vom Leben", sie putzte sich nun mal gern. Und wenn es Ernsts Praxis vertrug

Das scheint mir eben nicht ter Fall zu sein " knurrte Kollin. Ernst sah so sorgenvoll au£ in letzter Zeit. Aber bis Madame Kollin ettoas spürte, mußte ihr schon das Haus überm Kopf zusammenprasseln.

Obwohl zwischen Grete und Lutz jede Bei bindung abgeschnitten war, nahmen ihre Ge-- danken doch immer wieder den Weg zu ihm zurück.

Sag, Herbert, wie geht es eigentlich Lutz?" fragte sie ihren Schwager,- den sie allein am Kaffeetisch traf. Er hatte einen Serviettenring ins linke Auge geklemmt undprobte Lutz'-

Mercie, Madame, es geht nach Wunsch. Man liebt, wird wietergeliebt und vergessen. Cest la vie."

(Fortsetzung folgt. ________

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Zs'SS -HL ff»1 ®: erfiämng beraten die polürfche Sozialdemokratie er bie politische 2luO Ende geM achttägige Pau/e der ber neuen Aegterung chreGeschä/tecm.urr In Erkenntnis thi neue Regierung, ton tritt, aii' ein pDfitice) sie teilt sich mit W begnügen, die das M auch der Soziatt ermöglichen soll Diese fühcerbesprechung Heu In einer mehrinn Jachmittag beschäitlßi kratische 5raf11f bti neuen Kadinette, i hervorgerufm hat Es folge sicher, daß die einer positiven Qkrti Dach demSagebL bürgerlichen Parteien Antrag ein^ubringen, gietung und den Inf vember billigt. '

Die terLokal« hast, ob ein ÄachfolK ches Müller ernannt1 der Direktor bet *Kev schäfte übernommen, derAomätts" als den 'oisherigen Press und Jelchsfttmitzmkni

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Berlin, 23. wechsel im Reiche sich heute bormittac 2-lnsprachen des sche und des neuen Min sen vollzogen. Dir schloierigen Aufgab in der Vergangenh^ wurden, belvegten i ernsten, sehr ac ^c n. Ser neu? J styetdenden Kolkten sachliche Degnei j 'Uchen Feind ar sammelten State te ten öes DinjsleiW r werde bei seine, patte.politische Ces MeititDUIen unb bQt- 'hm mit dem

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