Ausgabe 
23.3.1922
 
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Aus Stabt und fianb

Dietzen, den 23. März 1922.

* Eine auherordentliche Sitzung des Provinziallandtages der Provinz Oberhessen findet am Samstag, 25. März, vor­mittags 10 Uhr, im Sitzungssaal des Regierungs­gebäudes zu Dietzen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Rachtragsvoranschlag zum Voranschlag der Prvvinzialkasse der Provinz Oberhessen für das Rechnungsjahr 1921. 2. Antrag des Provin­zialausschusses betreffend die Tagegelder der Mit­glieder des Provinzialtags sowie der Mitglieder und Ersahmitglieder des Provinzialausschusses. 3. Antrag des Provinzialausschusses auf Kredit­erweiterung für den Aushau der elektrischen Ueberlandanlagen in der Provinz Oberhessen. 4. Errichtung von Wohnungen für das Personal der Üeberlandanlage in Friedberg: hier: Antrag des Provinzialausschusses auf Bewilligung eines Kredits.

" Allgemeine Einführung von Schülerkarten ab 1. April 19 22. Rach Mitteilung der Eisenbahnverwaltung können die bisher nur den Studierenden der Hoch­schulen zugängigen Schülerferienkar­ten vom 1. April d. I. ab auch von Len Schülern der öffentlichen (staatlichen und städtischen) Schulen und der staatlich geneh­migten Privatschulen benutzt werden, und zwar zur Reise bei Beginn der größeren Ferien nach dem Wohnort der Eltern bzw. Erzieher der Schüler und am Ferien- schlutz zurück zum Schulort. Die zur Lösung der Schülerferienkarten vorzulegenden Antrags­formulare werden von den Fahrkartenausga­ben verabfolgt, von denen die näheren Be­stimmungen zu erfahren sind.

** Eine erfreuliche Rachricht kommt aus Mannheim. Es wird von dort gemeldet, daß infolge einer Preisabschwächung auf dem Schlachtviehmarkte es den Metzgern möglich war, den Preis für Rindfleisch um 4 Mark für das Pfund herabzuschen. Glückliche Mannheimer, denkt man. wenn man das liest, und hofft, datz man ähnliches wird recht bald auch aus Dietzen melden.können.

Vornotizen.

Ta g es kalen de r für Donners­tag. Stadttheater, 7 Uljr:Donna Diana". Zohanneskirche, 7Vx Ahr: Meisterbilder-Andacht für die Jugend. Gesangsaal des Realgym­nasiums, Ludwigstrahe 11 (nicht LiebigUratze), 8 Ahr: Dortrag überDie Stellung der höheren Beamten zu den Deamtenfragen der Gegenwart". Kaufm. Dereinshaus, 8 Ahr: Dortrag der Iu- gendgruppe und Gehilfenabteilung des D. S). D. - Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Das indische Grabmal".

Zu Jordans vierter und letzter Meisterbilder-Andacht in derIohannes- kirche versehe man sich mit Karten im Vorverkauf, ha die Sperrsitze am Abend stets ausverkauft sind. Heute (Donnerstag) findet eine Schülerfeier statt.

Kreis Alsfeld.

§ Ober-O hmen, 22. März. Das Trans- fvrmationshäuschen zur elektrischen Licht- und Kraftanlage geht seiner Vollendung entgegen Die Hochspannung nach Rupperten­rod ist bereits vollzogen. Diese Leitung geht vorerst nach Zeilbach und Grohfelda. Sobald der Anschluß bewerkstelligt, kommen wir aus der Lichtnot heraus, die jetzt durch eine unzeitige Anlage hervorgerufen wird.

A Lingelbach, 22. März. Lichtfest ^konnte unsere Gern i ide abhalten. Wir sind ebcno wie Dieben und Elbenrod an die Edertal- 'sperre angeschloi ,Ln. Leider hat das Licht schon wiederh-lt versagt.

Kreis Lauterbach.

QBaar 22. März. Ein Denkmal für di e im Weltkrieg gefallenen Söhne unserer Gemeinde soll hier errichtet werden. Die Platzsrage ist nun entschieden, das Denkmal kommt auf den Friedhof. Dem Architekten Pfeifer wurde die Ausführung übertragen. Durch Samm­lungen sind 15 000 Mk. aufgebracht worden; die Gemeinde legt den übrigen Betrag zu.

Grebenhain, 22. März. Sein gol­denes Amtsjubiläum feierte Oberwacht­meister Martin in Freiensteinau. Zahlreiche Gendarmen Oberhessens waren zur Frier erschie­nen. Als Dertreter der Behörde hakte sich Rech­nungsrat Bechtold (Lauterbach) eingesunden.

Kreis Schotten.

e. Schotten. 22. März. Auf Beschluß des Gemeinderats und nach Anhörung des Kreis­ausschusses wurde mit Genehmigung des Mini­steriums des Innern hier eine Warenhaus­und Filialsteuer eingeführt. Danach sind gewerbliche Unternehmen insoweit sie den Klein­handel mit Waren verschiedener Gattungen nach Art der Warenhäuser, Großlager-, Abzahlungs-, Dersteigerungs- und Versandgeschäfte im großen mit mindestens 80 000 Mark Jahresumsatz be­treiben, neben der allgemeinen Gewerbesteuer zur Zahlung eines besonderen Zuschlags von 100 Pro­zent zur Gewerbesteuer an die Stadt Schotten verpflichtet. Auch Zweigniederlassungen auswär­

Giesiener Stadttheater.

Ioseph-Plaut-Abend.

Dietzen, den 23. März 1922.

Sine Göttergabe ist der Humor, und Joseph Plaut ist sein Prophet. Man hat viel und herzlich gelacht gestern abend im Stadttheater; viel, wenn der Gast mehr auf Massenwirkung berechnete Gaben bot; herzlich, wenn er feinere Saiten aufzog. Cs gereicht oem Künstler zum Ruhme, daß er mit den letztgenannten Dar­bietungen besonderen Beifall fand.

Cs gibt unter den modernen Vortragskünst­lern kaum einen, der vielseitiger ist als Joseph Plaut. Ob er nun ostpreuhisch oder plattdeutsch redet, ob er sächselt oder berlinert, ob er An­dersen oder Reuter spricht, ob er schliehlich ein Quartett, ja ein ganzes Opernensemble verkör­pert immer trifft er ins Schwarze.

Man wird schon nach den ersten Worden warm, unterhält sich einige Stunden lang köstlich und geht schließlich befriedigt nach Hause mit dem Wunsche, den Künstler recht bald wieder hören zu können.

Am einzelnes besonders zu würdigen, seien genannt die treffliche Wiedergabe von Andersens feinem MärchenDer Schmetterling", von Kopisch' Dichtung von des alten Fritzen Leibkutscher und vor allem vielleicht das Beste des Abends - von Hanne Rütes Abschied vom Pastor, durchweg Kabinettstückchen gediegenster Vortragskunst.

Das Tbeater war leider nicht so gefüllt, wie es

tiger Geschäfte werden zu dieser Steuer heran- gezogen.

lg. Gedern, 22. März. Am Sonntag, den 2. April, wird die Gesellschaft der Musikfreunde ihr letztes Konzert veran­stalten, an dem auch Frau Johanna Hesse vom Landestheater in Darmstadt mitwirken wird.

e. JHf a, 22. März. Seit einigen Jahren ist in unserem Orte eine Schwesternstation errichtet, eine Einrichtung, deren Segen von den Bewohnern dankbar anerkannt wird. Leider schließt die letzte Iahresrechnung bei einer Einnahme von 5418.70 Mk. mit einem Fehlbeträge von 730 Mk. ab, der von der Gemeiwde- und Kirchenkasse gedeckt wird. Dazu kommt noch, daß die Aus­gaben für notwendige Stationswäsche sich auf 2000 Mk. belaufen, das SchwesterngehUt in an­betracht der Teuerung erhöht werden muß, die Vei-sicherungsgebühren bedeutend gestiegen sind, so daß die monatlichen Mitgliederbeiträge hinauf­gesetzt werden müssen Immerhin genügte als Monatsbeitrag der Preis für ein Hühnerei.

Alrichstein, 22.März. Die Land­wirtschaftskammer für Oberhessen hat den Selgenhof übernommen und ist gegen­wärtig mit der Einrichtung beschäftigt. Anter Lei­tung des Oekonomierats Wagner wurden Zug­tiere und Rindvieh angekauft.

Kreis Büdingen.

e. Ortenberg, 22.März. Amtsgerichtsrat Dr. Bernhard von Schotten wurde durch Ver­fügung des Hess. Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft zum Vorsihenden der Miet­einigungsämter der zum hiesigen Amts­gericht gehörigen Gemeinden des Kreises Schotten ernannt.

Kreis Friedberg.

* Butzbach, 22. März. Im hiesigen Zellen­gefängnis erhängte sich ein junger Mann von 18 Jahren, der dort eine dreijährige Ge­fängnisstrafe abzusihen hatte.

i. Beienheim, 22. März. Anser Orts­geistlicher, Dekan und Kirchenrat Wilhelm Wahr, beging am Sonntag sein 50jähriges Dlen >t- jubiläum. Wchl ist zugleich der S nior der amtierenden Geiillichen der Landeskirche. Schon am Freitag veranstaltete die Landessynode, deren Mi.glied der Iub lar ist, eine Vorfeier in Ge­stalt eines parlamentarischen Abends in den Räu­men derVereinigten Gesellschaft". Ehrende An­sprachen der Kirchenbehörde wie des Präsidenten der Landessynode legten Zeugnis ab von der An­erkennung, deren sich der Jubilar allsei ig er­freuen darf. Rach der gestrigen Plenarsitzung der Landessynode überrei-chte der De'an dw theo­logischen Fa utät der Landes-Ui iversität K.rchen- rat Wahl die Arku 'dr, dieden durch fünf Jahrzehnte B währten S elsorger" zum Ehren­doktor der Theologie ernancke. Wil­helm Wahr stammt als Glied der weitverzweig­ten Familie Drrnbeck errem asten b^sstswm Pfarrergeschlecht, von dem auch heute noch eine große Anzahl als Pfarrer im Vienne der Landes­kirche stehen.

Starkenburg und Nheinhessen.

e. Offenbach, 22. März. Die der Deutsch- nationalen Partei angehörige Frau Profes­sor Julie H e r g n u s ist als Mitglied der Etadwerordn7tenve'-samnl ng au s g e sch i e d en. Auf Beschluß des Schulvorstandes soll zu Be­ginn des neuen Schuljahres für Besitzer des Ein­jährigenzeugnisses und des Reifezeugnisses einer zehnklassigen höberen Mädchenschule an der Städtischen Handelsschule ein einjähriger Handelsschullehrgang nach dem Muster der Frankfurter Handelslehranstalt eingeführt werden.

'Offenbach, 22. März. Was heute ein Gleisanschluß kostet. Zur Herstel­lung eines Gleisanschlusses an die Hafenbahn (für die Firma Rivoir) werden 490 000 Mk. von den Stadtverordneten gefordert unter Vorbehalt des volllständigen Rückersatzes durch die Firma. Also eine halbe Million bloß für den Gleis­anschluß!

* Worms, 21. März. Eine Zw e i - zimmerwohnungfüreinenZentner Kartoffeln. Dieses Kuriosum passierte diese Woche einem hiesigen Hausbesitzer, der im Vorderhaus eine Zweizimmerwohnung mit Keller und Speicher zu 300 Mk. jährlich vermietet hat. Der Mieter gab dem kartoffel­armen Hausbesitzer einen Zentner seiner überflüssigen Kartoffeln aus Gefälligkeit zu 300 Mark ab. Damit war also die Jahres- miete bezahlt.

wd. Worms, 22. März. Die Stadt­verordneten - Versammlung hat gestern abend in geheimer Sitzung den An­kauf des Kurhauses in Michel st a d t i. O. genehmigt und die dazu erforderlichen Kredite in Höhe von 2 400 000 Mk. bewilligt. In das Protokoll wurde eine Erklärung des Oberbürgermeisters ausgenommen, daß das Objekt, wenn infolge veränderter Verhältnisse sich aus der Weiterunterhaltung eine zu große Belastung für die Stadt ergibt, nach drei Jah­ren einem anderen städtischen Werk dienstbar

das Dargebotene verdient hätte. Man kann aber sicher sein, daß Plaut bei seiner hoffentlich recht baldigen Wiederkehr nach Gießen vor ausverkauftem Hause sprechen wird.

Als verständnisvoller Begleiter bei den musi­kalischen Darbietungen zeigte sich Ludwig Mar- guth.r.

Das letzte Rennen.

Uraufführung in Darmstadt.

Darmstadt, 21. März.

Das Hessische Landestheater krachte gestern aEenb im Kleinen Haas das LustspielDas letzte Rennen" von Max Roosen zur Uraufführung. Roosen ist bekanntlich der Verfasser des fatyrischen StücksDas europäische Konzert", das kurz vor dem Krieg seine Araufführung erlebte und vom Spielplan abgeseht wurde, da es politische Dmge, in denen die Armeen des Feindpu.rktes und die deutsche appostrophiert werden, enthielt. Auch das neue Lustspiel Roosens spielt in Offiziers­kreisen, ist also wohl vor dem Amfturz entstan­den. Auf dem Spielzettel wird als Zeit ange­geben:Ist längst vorbei".

Dec Obei l utnant e.nes feuda'en Kavalier! regimentes steht vor dem Abbruch seiner militäri- fd>en und Lebemanns lau f ba hn. Ec hat die Pflicht und Absicht, mit nicht weniger als 4 Liaisons zu brechen, um sich mit der Tochter eines Mil­lion en reichen Kommerzienrates zu verheiraten. Der Bruch ist leichter gedacht als getan. Cs

gemacht oder zur Veräußerung gebracht wer­den soll.

Kreis Wetzlar.

ra. Wetzlar, 22. März. Landtagsabgeord­neter Schulrat Schwarzhaupt-Frankfurt a.M. hielt in der Ortsgruppe der Deutschen Volks- Partei einen Vortrag überDie politische Lage im Reich und Preußen". Die in vaterländischem Geiste gehaltenen klaren Ausführungen des Red­ners fanden lebhaften Beifall bei den Versamm­lungsbesuchern. Eine ergiebige Aussprache schloß mit Dankesworten an den Redner die gut ver­laufene Versammlung.

ra. Aus dem KreiseWetzlar, 22. März. Der Kreis Wetzlar besitzt nach der jüngsten Zäh­lung in 9395 Vieh besitzenden Haushaltungen: 1836 Pferde, 24 513 Rinder, 8318 Schafe, 19 502 Schweine, 7349 Ziegen, 3453 Kaninchen, 5240 Gänse, 2014 Enten, 90 439 Hühner und 1762 Bienenvölker.

Hessin-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M 22. März. Der M o r d a m M a i n ist nun völlig aufgeklärt. Als Täter wurde der Zuhälter Haas ermittelt, der bereits ein Geständnis abgelegt hat. Haas hat den Flame zunächst seiner Barschaft in Höhe von 500 Mk. beraubt und ihn dann in den Main geworfen. Es liegt also Raubmord vor. Die Leiche des Flame ist noch nicht gefunden.

e. Bad Soden (Taunus), 22. März. Der Badebetrieb, der wegen erheblicher Reparaturen im Dadehause seit Januar ge­schlossen war, wurde heute wieder e r ö f f - net. Rach der offiziellen Fremdenliste wei­len bereits nahezu 400 Kurgäste hier.

* Hanau, 22. März, ©in eigenartiges Versteck. Die in einer hiesigenKognak-Brennecei beschäftigte Arbeiterin Hedwig G. hat es in raffi­nierter Weise verstanden, eine ganze Anzahl Flaschen Kognak aus dem Betrieb zu schmuggeln. Sie band sich einen Gürtel um den Leib, be­festigte daran ehre Kordel, hängte an diese die jeweils von ihr gestohlene Flasche Kognak und zog dann lyrgnügt heimwärts. Eines schönen Tages aber bekam .die Kriminalpolizei Wind von der Sache, sie beobachtete die Arbeiterin und konnte sie in dem Augenblick abfassen, als sie wieder eine FlasHe in ihrem eigenartigen Versteck verschwinden lassen wollte. Rach ihrer eigenen Angabe hat die G. auf die erwähnte Act 60 Flaschen Kognak aus dem Betriebe entwendet.

Landwirtschaft.

ed. A u s d e m V o g e l s b e r g, 22. März. Der Tag des Frühlingsanfangs brachte dem Vogelsberg Sturm, Kälte, Eis und Schneetreiben. Die Frühjahrs­bestellung, die hier und da schon einsetzte, mußte zurückgestellt werden. Die Hoffnungen auf einen bei dem großen Futtermangel höchst wünschenswerten baldigen Beginn des Weid­fahrens haben sich als trügerisch erwiesen.

Kirche tmb Schule.

* * Freie Lehrer st eilen. Erledigt ist die mit einem evangelischen Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Volksschule zu Kimbach (Kreis Erbach), eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Pfungstadt (Kreis Darmstadt), eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Utphe (Kreis Gießen).

e. Der Feuerversicherungsver­band hessischer Lehrer, der am 8. April imStorchen" zu Frankfurt a. M. seine diesjährige ordentliche Hauptver­sammlung abhält, erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Reingewinn von 41 132.73 Mark. Die gesamten Geschäftserträgnisse be­liefen sich, auf 100 230.02 Mk., denen 50 097.29 Mark an Geschäftslasten gegenüber standen. Für Feuer- und Einbruchdiebstahlsschäden wurden 15 935 Mk. ausgegeben, 1405 Mk. sind noch für Schäden zu decken. Die Ein­nahme an Prämien betrug insgesamt 78 297.25 Mark. An der Hauptversammlung kann je ein Vertreter aller Kreislehrervereine des Lan­des ordnungsgemäß teilnehmen.

Hochschulnachrichten.

Eine peinlich« Affäre an der Rostocker Aniverfität.

Aus Rostock wird denLeipziger Reuesten Rachrichten" gemeldet: In der medizinischen Kli- nit unserer Aniverfität hat sich vor kurzem ein peinliches Vorkommnis abgespielt. Professor Dr. Fritz Weinberg, der erst seit kurzer Zeit an un­serer Aniverfität lehrt er ist außerplanmäßiger Ertraordinarius ter inneren Medizin hatte mit einer Studentin einen an sich nur geringen Kon­flikt, der jedoch infolge der verletzenden Ausdrucks­weise des Professors recht böse Folgen nach sich zog. Die Studentin hatte bemerkt, daß em Kragen­knopf des Pcofeßocs nicht geschlossen war. In ruhig freundlicher Weise machte sie ihn darauf

kommt allerlei dazwischen und brim letzten Ren­nen, mit dem sein bisher siegreicher Rennstall abschließen sollte, kommt es durch das Zusammen­treffen der 4 Damen zur Katastrophe. Gleich­zeitig aber auch bet der Millionenbraut, die im letzten Augenblick für einen Kameraden des Ober­leutnants ihr Herz entdeckt. Beide heben die Ver- lot-ung auf, doch gelangen die beiden Briefe nicht in den Besitz ihrer Empfänger. Der Ober­leutnant stürzt bei dem Rennen und dadurch bricht dec Konkurs über ihn herein. Der verflossene Millionenschwi.g rvater erwirbt nun den Renn- flall und der Held des Stückes entdeckt im letzten Moment seine heiüe und wahre Liebe zu einer Krmtesse, einer Willensstärken jungen Dame, mit der allerlei Zwischenfälle ihn letzten Endes zu­sammenbringen. Der verflossene Millionen­schwiegervater bringt den Rennstall dem rangen Paare als Hochzri tsgabe dar.

Also ein Ges-lllch^ftsstück mit allerlei Zwi­schenfällen, sehr vornehmer und gediegener Auf­machung, halb Sport-, halb Lebewelt, kommer- zienrätlich-ftid'fcher Einschlag, g gen das nichts einzuwenden wäre, als etwa die nicht gerade sehr schmeichelhafte Persiflierung des feudalen KavUlerie-OfsizierslandeZ. Der Dialog ist witzig, nicht ohne Geist und sehr flüssig geschrieben, die Arbeit einer Intelligenz, aber mit ermüdenden Längen, über die nur die ausgezeichnete Aus­führung hinweghelfen konnte. In der Insze­nierung durch Gustav Harting erhielt das Lust­spiel äußerlich einen Rahmen von charakteristischer

aufmertjam. darauf anttoortete ixterer nur ganz kurz:Besser das, als wenn ein Hosenknopf offen wäre." Die junge Dame, in ihrem sittlichen Emp­finden schwer verletzt, erzählte die Antwort einem Kommilitonen, dem früheren Feldoffizier, jetzigen cand. med. Ahlhorn. Dieser bat den Professor Weinberg auf den Hausflur hinaus und versetzte ihm nach kurzer heftiger Zwiesprache zwei Ohr­feigen. Dann wandte er sich an einige Wärter, i>ie herum standest und zugesehen und zagehört hatten, mit den Worten:Meine Herren, Sie sind Zeuge gewesen, dc»h ich den Professor Weinberg geotyrfeigt habe." Rektor und Konzil mußten sich nunmehr mit der Sache beschäftigen. Arteil: Ahl­horn wurde für vier Semester von der Aniverfität ausgeschlossen. Anerkannt wurde aber auch zu­gleich, daß seine Handlungsweise ritterlichen Ge­fühlen entsprochen habe. Weinbergs Tätigkeit an oer Aniversität hatte zugleich auch ein Ende.

Vermischtes.

Berlin, 23. März. DerLokal-Anzeiger" meldet aus Dortmund: In Wickede -tourbe die Tochter eines Bergmannes mit dem Kopf im Morast steckend als Leiche ausgefunden Der Bräutigam des Mädchens wurde verhaftet, weil verschiedene Amstände darauf hindeuteten, daß er sich des Mädchens auf diese Art ent­ledigt hat.

Hessischer Landtag.

4. Sitzung.

St. Darmstadt, 22. Marz.

Am Regierungstisch: Staatspräsident A l r i ch, Finanzminister Henrich, Minister der Innern v. Brentano, Arbeitsminister Raab und Regierungskvmmisfare.

Die auf 10 Ahr an beraumte Sitzung wird um 10Vi Ahr durch Präsident Adelung er­öffnet. Der Präsident teilt mit, daß Aussicht be­steht, die Tagesordnung im Laufe dieser Wochc zu erledigen. Die Regierung hat mitgeteilt, daß der Voranschlag Ende April an das Haus ge­langen kann, so daß der Finanzausschuß Anfang Mai die Vorlage bearbeiten tarnt.

Kleine Anfragen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung verliest 2lbg. Ebner (K.) eine Anfrage, betreffend die sofortige Auszahlung der Dezugserhöhungen für Beamte, auf die der Finanzminister mit­teilt, daß die Auszahlung sofort nach Abschluß der notwendigen Erhebungen erfolgt.

Abg Kaul (Soz.) fragt (auf der Tribüne unverständlich) wegen der Durchführung der Ver­waltungsgesetze, auf die Minister des Innern v. Brentano antwortet, daß demnächst eine Besprechung stattfinden wird.

Abg. Kaul (Soz.) fragt weiter wegen deL Ausgleichsstockes. Auch diese Frage wird auf der Tribüne nicht verstanden. Der Fi ranzminister gibt Aufklärung. Für die Gemeinden ist im Vor­anschlag für 1921 der Betrag von 30 Millionen ein­gestellt. Die Ci ikommenstcueoeinnohuen für 1920 betragen weit über 600 Millionen Mark, eine alle Erwartungen übertreffende Summe, so daß zu allzu großem Pessimismus kein Anlaß ist. Etwa 75 Millionen werden zu Zuschüssen für die Ge­meinden zur Verfügung stehen, doch ist zur Zeit nicht ein Betrag von 14V2 Millionen Mark greif­bar. Die Verteilung erfolgt nach der Bedürftig­keit der Gemeinden. Zur Verteilung soll ein Ausschuß berufen werden, dem auch Vertreter der Gemeinden angehören werden.

Es wird dann in die Tagesordnung eilige- treten.

Rach Artikel 32 der Geschäftsordnung

3ur Kenntnis des Landtags

gebracht werden folgende Regierungsvorlagen be­treffend Telephonanlage im Landtagsgebäude, Wohnungsbauabgabe für das Rechnungsjahr 1921, Verwendung der Aeberschüsse der Landes- Milch- und Fettstelle, Bewilligung eines Zu­schusses aus dem 20-Millionenfonds zu den Kosten der Räumung des Land- und Scheidgrabens im Kreise Groß-Gerau, die gewerb'ihen Anwcrichts- anftalten, Zuwendung von Mitteln zur Besserung der Milchversorgung bedürftiger Städte und Ge­meinden.

Die gewerblichen Fortbildungsschulen.

"Abg. Köhler (D. Dp.) macht wiederholt, auf den Artikel 32 aufmerksam, in dem aus­drücklich steht, daß die Behandlung der Posi­tionen in der Ausschußerledigung nur in drin­genden Fälllen erfolgen soll. Fast alle diese Gegenstände, zu denen das Haus nun keinerlei Stellung nehmen kann, sind nicht so dringlich, daß sie die Ausnahmebehandlung erforderlich machen. Es wird dringend beantragt, die Gegen­stände, die im Ausschuß erledigt werden, mög­lichst einzufchränken. Eine ganze Reihe dieser Positionen ist erst im Ausschuß erledigt worden, nachdem die Einladung zur Plenarsitzung bereits in Händen der Abgeordneten war. Ein der­artiges Verfahren entspricht nicht der Würde des Plenums und widerspricht auch dem Sinne der Geschäftsordnung. Weiter rügt Redner die Tatsache, daß das Landesamt für das Dil- dungswefen sich das Recht angemaßt hat, auch

Eigenschaft und vorzüglicher Zeichnung der Si­tuation. Der erste Akt spielt in der vornehmen Wohnung des Helden des Stückes, der zweite be­sonders geschickt inszeniert auf der Rennbahn und der dritte im Rennstall, in dem In einer Klye auch das schöne Rennpferd, das Lieblingspserd des Oberleutnants, mit dem er stürzte, mitspielt Die glänzende Ausmachung und die g ite Wieder­gabe sicherten den äußeren Erfolg. Man rief den Autor und Hartung mit den Darstellern vielfach vor die Rampe. Max Streese.

Ein neues Danziger Moor» schuhgebiet. Auf Anregung der Danziger Vereinigung für Raturschuh- und Raturdenk­malpflege" Die sich jetzt gebildet hat, erklärte der Senat des Freistaates das im Forst von Soblowih gelegene Moor zum Raturschuh­gebiet und schloß es von jeder forstlichen und landwirtschaftlichen Ruhung aus. Das Moor um­gibt, wie Dr. Wangerin in der ZeitschriftRa- turschuh" berichtet, rings in breiter Zone das Ufer eines kleinen, dunklen, von bewaldeten Hügeln umschlossenen Waldsees und gehört forma­tionsbiologisch zum Typus der Sphagnetum- Schwingmoore. Die Pflanzenwelt des Moore- enthält .eine Reihe bemerkenswerter Arten; fi befindet sich hier der in ganz Westpreußen ein­zige Standort der zarten Carex chordorrhiza Die durch Entwässerung immer seltener wird.