dcre solche, die eine Erhöhung der Hundesteuer. und zwar der bisherigen Steuersätze von 20, 15, 10 und 5 Mk. auf 100, 75, 50 und 25 Mk. vorsieht. Auch erhält das Gesetz verschiedene Lcndecungen. Sine tpeitere Regierungsvorlage fordert für die Erweiterung dec Bureauräume de-.' Generaldirektors des Landestheaters durch ein Warte- und Sprechzimmer den Betrag von 190 000 Mk. Die dritte Vorlage enthält die Verordnung über die Sammlungen und die Organisation der „Nothilfe Hessens". Der Abg. Ruh beantragt die zeitgemäße Erhöhung der Dienstauf- warrdenbchädigung für die Kriminal- und Ge- N>erbepolizeiboamten in Hessen. Abg. Engelmann fragt wetzen der Gewährung von Sonderzuschlägen an Beamte in den Teuerungsgebieten des Westens > an. Der Abg. Storck fragt an wegen Mißständen bei den Mainzer Gerichtsbehörden, sowie wegen verschiedener Artikel im „Freien Hessebauer". Eine Regierangeantwort gibt Auskunft auf die Anfrage der Abgg. Kiel u. Gen. bctr. die Freizügigkeit der Tabakarbeiter in Gießen «die nicht gefährdet sei): außerdem liegen verschiedene Ausschußberichte des 1. Ausschusses betr. die Tagegelder und Vermessungskosten und über die Förderung des Wohnungsbaues vor.
*
Dic Herabsetzung der Getreide- Umlage für den hessischen Staat ist, wie verlautet, noch in Schwebe. Das ursprüngliche Liefersoll ist wie in Preußen, auch für Hessen herabgesetzt worden und beträgt jetzt statt 45 000 Tonnen tn- iDige der schlechten Ernte noch 35 000 Tonnen. Aach den letzten Feststellungen ist auch dieser Betrag wegen des geringen Ernteertrags noch zu hoch: die Hess. Regierung bzw. das Landesernährung s- amt hat die Herabsetzung auf 35 000 Tonnen beantragt. Trotz erneuter Vorstellung beharrt das Reich vorläufig auf der Lieferung.
Aus Stabt und Land.
Gießen, den 22. Aodember 1922.
Gegen den Mißbrauch des Alkohols.
Tas Kreisamt veröffentlicht folgenden Erlaß an die Polizeibehörden unb Gendarmerieslatronen des Kreises:
3n neuerer Zeit mehren sich die Aachrrchten über Alkdholausschreitungen usw. der Iagmö. Das Ministerium des Innern hält für angebracht, trenn in Gegenden, wo die gedachten Mißstände etwa allgemeineren Charakter anzunehmen drohen, Polizeiverordnungen erlassen werden, dir ähnlich den früheren Verordnungen über das Verbot der Abgabe von Alkohol an Gewohnyeits- 2linier, die Abgabe alkoholischer Getränke an Jugendliche unter 16 Jahren durch Gast- und Schankwirte sowie Dcannt- -vrinkleinhändler verbieten. Bevor wlr hrerzu schreiten, canpfehlen wir dem Polizeiamt Gießen und den Bürgermeistereien dec Landgem^mden, die Gast- und Schankwirte ihres Dienstbezirks auf die große Verantwortung hinzuweisen, die sie gegenüber der Gesamtheit dos Volkes und ms- besondere der Jugend gegenüber tragen, wenn sie diesen Mißständen Doi'schub leisten. Wir empfehlen allen Polizeistellen, jeden Fall übermäßigen Alkvholtzenusses von jugendlichen, der zu ihrer Kenntnis kommt, hierher zu berichten, damit arir ein V erfahren gegen den etwa für die Verabreichung verantwortlichen Gast-, S chan kwirt oder Händler auf Entziehung der Wirtschafts-vderHandels- k o n z e s s i o n wegen Förderung der Völlerei beim Prc^inzialausschuß anhängig machen.
Die ernste wirtschaftliche Aotlage des Volkes rrfokdert darüber hinaus allgemem eine weitgehende Einschränkung des Ausschanks von geistigen Getränken, sowie des Kleinhandels in Brgnntwein und Spiritus.
Das Ministerium des Innern hat daher entsprechend dem Vorgang anderer Länder bestimmt:
1. Hinsichtlich der Mitwirkung der Octs» volizeibrhörden bei Anträgen auf Aeubewil- l i g u H g von Konzessionen nach § 33 der Gewerbeordnung :
Die Ortspolizeibehorden haben bei Erteilung ihrer gutachtlichen Aeußerung davon auszugehen, daß eine weitere Vermehrung der Schank statten im Interesse der Allgemeinheit und einer gesunden Volkswirtschaft u n e r -
Dis Herweghs.
Tine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.
43. Fortsetzung. (Buchdruck verboten.)
Cs war einfach nicht mehr auszuhalten, Und als eines Mittags Ernst wieder auf sich warten lieh und die Uhr bereits halb Drei zeigte, erhob sich Grete, die bis dahin an einem Eisdeckchen gestickt hatte, warf die Handarbeit fort und verließ das Haus.
Als sie die Tür hinter sich zudrückte, war sie entschlossen, nicht mehr hierher zurückzukehren. Sie ging zu ihren Eltern. Aber Frau Kollin pflegte die Nachmittage außerhalb ihres Hauses zu verbringen, und ihr Vater war auf eine Weinversteigerung gefahren. So ging sie zu Fräulein Schmidt, um sich auszuweinen.
Das alte Fräulein, das eben aus den „Drei Hasen" gekommen war, band sich mit zitternden Händen den Kapotthut ab und setzte sich neben die arme junge Frau aufs Sofa, während Grete über ihrem verlorenen Leben schluchzte, das feinen Inhalt mehr hatte. Sie war aus allen Himmeln gestürzt von diesem Bekenntnis. Hatte sie doch Mdacht, daß das junge Paar immer noch in Glück und Wonne schwelgte wie im ersten Jahr. Obwohl sie wußte, daß man auch die Gegenpartei hören muhte, so bestanden doch hier Tatsachen.
Also Ernst verschloß sich vor seiner Frau! Das sand Fräulein Schmidt abscheulich. Er war launisch und krittelig, das war zu entschuldigen bei einem vielbeschäftigten Mann, aber daß er feine Kritiken immer aus die arme Grete herab- prasseln ließ, war unritterlich und deutete auf Untiefen. Aein, Grete konnte zu solch einem
Die Wählen in der Provinz Oberhessen.
Die neue Zusammensetzung des Gießener Kreistages auf Grund der gestern mitgeteilten Mandats- Verteilung ist voraussichtlich folgende:
Deutschnationale Volkspartei und Hessischer Bauernbund:
Wilhelm Fenchel, Landwirt in Ober-Borgern. Jrnst Ludwig Sack, Mehgermeister in Gießen. Gilbert Sames, Landwirt in Bettenhaus.n. Heinrich Will VIII., Landwirt in Treis a. d. Lda. Konrad Anton Schaum, Landwirt In Lang-Göns. Adolf Roll, Fabrikant in Gießen. Heinrich Wetz II., Bürgermeister und Landwirt in Holzheim. Georg Friedrich Müller, Bürgermeister und Landwirt in Bellersheim. Heinrich G o 1 t m a n n, La.rdwirt in Gießen. F. iedäch Bommersheim, La.rdwirt in Langsdorf. Heinrich Bausch, Metzgermeister in Grünberg.
DeutscheVolkspartei:
Richard S ch u d t, Landgerichtsrat, Gießen. Carl R i n t e r. Zimmerobermeister, Aonnenroth bei Hungen. Georg Lind, Rechtsanwalt, Grünberg (Hessen). Ludwig Wagner, Landwirt und Bürgermeister, Geilshausen.
Deutsche Demokratische Partei:
Günther K r e n z i e n, Bürgermeister in Gießen. Jakob Becker, Landwirt und Sparkassenrechner, Kesseibach.
Vereinigte Eozialdemvkr. Partei:
Georg Beckmann, ReichZtagsabgeordneter, Dießen. Ludwig Haas, Zigarrenfabrikation, Steinbach. Paul Hornberger, Rechtsanwalt, Gießen. Johann Karl Benner, Gewertschafts- anaestellter, Wieseck. Heinrich R o h r ba ch VIII., Schlosser, Lollar. Marianne Hüter geb. Weber, Hausfrau, Gießen. Otto Müller, Eisenbahnsekretär, Reiskirchen. Willy Schilling, Parteisekretär. Lollar. Ferdinand Germer, Stuhlschreiner, Heuchelheim. Otto Weißgerber, Studienrat Professor, Gießen. Karl Weigand, Installateur, Grohen-Linden. Heinrich R u d l o f. Land- und Gastwirt, Trais-Horloff.
Kommuni st ische Partei:*
Karl Hildebrandt, Eisenbahner, Gießen.
Das Abstimmungsresultat aus der kleinen Gemeinde Rabertshausen liegt bis jetzt noch nicht vor. Die endgültige Zuteilung der Sitze kann erst nach Eingang dieser Ziffern vorgenom- men werden. Voraussichtlich wird aber dieses kleine Resultat an der oben berichteten Gruppierung des Kreistages nichts ändern.
Die Verteilung
der Provinzialtags-Mandate
kann vovauZsichtlich erst Anfang nächster Woche mitgeteilt werden. Die hiesige zuständige Stelle besitzt zur Zeit noch nicht alle amtlichen Unterlagen zur Beurteilung des Wahlausganges, sie rechnet aber damit, in einigen Tagen die erforderliche Aachprüfung und danach die Feststellung des Resultats vornehmen zu können.
Weitere (Hemeinderatswahl- Ergebnisse:
U Rödgen, 20. Aov. Zur G emeinde» ratswahl stimmten von 459 Wahlberechtigtem 306 ab. Für die Ver. Soz. Partei stimmten 152,
für den Bund der Landwirte 141. 13 Stimmen waren ungültig.
s. Trohe, 21. Aov. Bei der Gemeinderatswahl erhielten die Sozialisten 57, die Bürgerlichen 51 Stimmen. Die Vertreter der Linken erhalten 4, die Bürgerlichen 3 S tze.
eu. Beuern, 20. Aov. Gemeinderatswahl: Bauernbund 185, Soz. 164, Phil. Arnold 53, Kumpf HL 63, ungültig 21 Stimmen. Es. erhalten: Bauernbund 4, Soz. 3, Arnold 1, Kumpf 1 Sch.
—d— Grohen-Linden, 21. Aov. Aach einer Aachprüfung des Ergebnisses der Gemeinderatswahl fallen der V. S. P. 7 Sitze, den Ver. Land. 3 und dem Bürgerverein 2S:he zu. Demnach hat der Dürg.-Ver einen Sitz an die V. S. P. verloren, während die Ver. Landw. ihren Besitzstand hielten. Von 1400 Stimmberechtigten wählten 1078 = 77 Proz , V. S P 614, V L. 281, D. V. 145, letztere beiden mit Listen Verbindung.
»Butzbach, 20. Aov. Bei der G e m e i n d e- ratswahl erhielten: Deutschnationale Liste 322 Stimmen (3 Sitze), Deutsche Volkspartei 579 (5), Zentrum 175 (1), Sozialdemokraten 434 (4), Angestellte und Beamte 193 (1), Kommunisten 132 (1).
:: Pohl-Göns, 21. Aov. Gemeinderatswahl: 162 bürgert. Stimmen mit 5 Sitzen (früher 7), 136 sozialdem. Stimmen mit 4 Sitzen (früher 5).
:: Kirch-Gons, 21. Aov. Gemeinde- ratswa hl: Bürgert. Stimmen 160 (früher 199), sozialdemokr. Stimmen 149 (früher 176).
nd. Aihda, 20. Aov. Bei der Gemeinderatswahl wurden hier 512 bürgerliche und 389 sozialistische Stimmen abgegeben. Auf die bürgerlichen Parteien kommen 7, auf die soziatistische Partei 5 Sitze.
nd. Ranstadt, 20. Aov. Bei der Gemeinderatswahl erhielten die Bürgerlichen (Partei größerer Bauern) 4 Sitze die Mittelstandspartei (Kleinbauern, Handwerker usw.) 3 Sitze und die Arbeiterpartei 2 Sitze.
□ Laubach, 19. Aov. Zur heutigen Gemeinderatswahl wurden von 1300 Wahlberechtigten nur 525 Stimmen abgegeben; 18 waren ungültig. Die „Vereinigte Liste" erhielt 197 Stimmen (5 Sitze): die Liste Forstrat Andre 158 (4); die Liste Diehl Dbd. 152 (3). Vom alten Gemeinderat (12 Personen) sind neun geblieben.
wg. Gedern, 19. Aov. Bei der heutigen Gemeinderat'swahl erhielten Sitze: Dbd. 4, Vereinigte D. V. P. und Dn. P. 2, Vereinigte Dem. und Soz. 5 Siedlung 1. Von den Gewählten gehören sieben dem bisherigen Gemeinderat an. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 792 (16 ungültig), die Wahlbeteiligung 69 Prozent.
—er. Homberg, 20. Aov. Bei den Wahlen zum Gemeinderat wurde der von den Landwirten aufgestellte Wahlvorschlag mit 157 und der von den Arbeitern, Gewerbetreibenden und Beamten ausgestellte Wahlvorschlag mit 249 Stimmen gewählt. Von Wahlvorschlag 2 treten 7 und vom ersten Wahlvorschlag 5 Mann in den Gemeinderat ein. Es stimmten 52 Proz. dec Wahlberechtigten ab.
rr. Schlitz, 20. Aov. Bei der Gemeinde- ratswahl-wurden abgegeben für die vereinigte Dürgerliste 503, die sozialdemokratische 430 und die Beamtenliste 107 Stimmen, ungültig 30. Danach erhalten die Bürgerlichen 6 Sitze, die Sozialdemokraten 5 und die Beamten 1. Die Bürgerlichen haben zwei Sitze an die Sozialdemokraten und einen an die Beamten verloren. Die Wahtbeteiligung betrug etwa 75 Prozent.
t r äg l ich ist. Insbesondere wird die Bedürf- n i s f r a g e grundsätzlich zu verneinen sein.
2. Bei Anträgen auf Bewilligung von Kon« zessionen für bereits bestellende Schankwirtschaften an neue I nha ber hat die Ortspolizei- behörde, abgesehen von den sonstigen in Betracht kommenden Fragen, genau zu prüfen, ob in Berücksichtigung der veränderten volkswirtschastlichLN Verhältnisse ein Bedürfnis für das Bestehen- bleiben der Schankwirtschaften noch vvrliegt, oder ob nicht vielmehr in der in Frage stehenden Gegend eine Einschränkung der vorhandenen Schankstätten erforderlich ist.
Bei der ziffernmäßig zu belegenden 'steigenden Belastung dec Wohlfahrtspflege durch die Wirkungen des Alkoholkonsums ist es dringend erforderlich, daß alle Stellen, die bei beit Änn- zessionierungsgesuchen mitzuwirken haben, sich in erhöhtem Maße der Verantwor-
Manne nicht eher zurückkehren, bis er versprach sich au bessern.
In Fräulein Schmidts Schlafzimmer bei der gründschi mte.r Lampe, dir anderenZimmer waren in der Woche ungeheizt, wurde ein Bries aufgesetzt. Fräulein Schmidt schrieb und Grete diktierte von der Ofenecke her, wo sie chr Taschentuch mit den Zähnen zerbiß.
Lieber die Anrede waren sie sich nicht klar. „Lieber Ernst" konnte man nach dem Vorgefallenen nicht mehr gut schreiben, „Sehr geehrter Herr" klang zu sehr nach Scheidungsklage und Grete fürchtete, daß ihr Vater darin anderer Ansicht war. Also ohne Anrede. Man teilte Ernst mit, daß sich seine Gattin entschlossen habe, fein Haus bis auf oeitered zu meiden, da man sie in diesem als einen überflüssigen Menschen behandelte.
„Schreiben Sie ruhig — überflüssig —sagte Grete, „bean( er ist selbst ausgezogen." Sie würde nur unter vier Bedingungen wiederkommen. Erstens mußte er versprechen, wieder zu ihr zu fein wie früher, und nicht alles, was sie sage, dumm, albern und lächerlich zu finden, sondern richtig. Fräulein Schmidt unterstrich das letzte Wort auf Gretes Befehl. Zweitens durfte er sich nicht mehr einschließen, denn das war lächerlich, dann sollte er endlich pünktlich zu Lisch kommen, und viertens, weim er ewig nach Eppenhausen fuhr, wollte Grete den Konsens haben, ebensogut ihrem Vergnügen nachzugehen, ohne daß man ihr Bemerkungen darüber machte.
Fräulein Schmidt wollte hier eine Einwendung machen, aber Grete fügte hinzu: „Aein, schreiben Sie so, ich weih, was ich zu sagen habe, und muh es auch verantworten."
Sie lasen die Bedingungen noch einmal durch, und Grete schrieb den Brief mit ihrer steilen
tung, die sie gegenüber dem Dvlksganzen tragen, bewußt werden. Es muß verlangt werden, daß in einer Zeit, wo die Mittel der Wohlsährtspstege auch nicht annähernd mehr ausreichen, um die allergrößte Aot von den verschiedenen Aotleiden- ben, insbesondere auch den kulturtragenden Schichten unseres Volkes, fernzuhalten, alle Maßnahmen getroffen werden, die geeignet sind, die Quellen zu verstopfen, aus denen Die Zahl der Fürsorgebedürftigen gespeist wird, die die der Größe der Aot gegenüber kargen Mittel der Wohlfahrtspflege in vermeidbarer Weise in Anspruch nahmen.
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** Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden: am 8. November dec Studienassessor Wilhelm Kritzb aus Aidda zum ©tu» dienvat an dec Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) in Friedberg mit Wirkung vom
Schrift sorgfältig ab, wobei sie sich zweimal verschieb und auf Eppenhausen einen großen Tintenklecks fallen ließ, so daß man einen neuen Bogen nehmen mußte. Es wurde Mitternacht, bis der Brief fertig war. Grete steckte ihn selbst am Bahnhof in den Kasten. Dann ging sie zu ihren Eltern.
Die postwendend erbetene Antwort an die Adresse des Fräulein Schmidt traf erst nach zwei Tagen ein und lautete:
„Sehr geehrte gnädige Frau!
Ihr liebenswürdiges Schreiben hat mich als Willkommengruß empfangen, als ich aus Eppenhausen zuiückkam. Ich bitte daher um Verzeihung, wenn ich nicht, wie gewünscht, postwendend geantwortet habe.
Ich gebe, da die Sache Eile zu haben scheint, gleich zu meinen Vergehungen ein.
Zunächst die Frage meiner Kritiken. „Was du sagst, ist richtig." Sehr richtig.
Wie konnte ich das auch nur einen Augenblick vergessen: Selbst der Papst ist ein Waisenknabe gegen Sie, denn er muß, wenn er etwas sagt, erst sein Konzilium befragen. Ich will aber mir Mühe geben, alles richtig zu finden, was Sie künftig sagen werden.
Punkt zwei: Ich habe mich des öfteren eingeschlossen. Das stimmt ebenfalls und es war nicht schön von mir. Aber Sie üben ja selbst diese Lugend, ich erinnere nur an gewisse verschlossene Salontüren. — Daß ich diese Vorsicht auch des Aachts übe, ist eine Angewohnheit, die sich nur durch persönlichen Mangel an Mut entschuldigen läßt. Ich habe meinen besten Freund dadurch verloren, Laß dieser feine Schlafstubentüre offen ließ und von einem Einbrecher erschossen wurde, und er war genötigt, die Reise ins Jenseits im Negligü anzutreten, und an solchen Reisen habe
1. Aodember ab; am 14. Aodember: der Schulamtsanwärter Georg Morgenthaler aus Stein-Bockenheim zum Lehrer an dec Volksschule zu Grebenau, Kreis Alsfeld: am 17. Aovember: die Steuersekcetäre Heinrich H y l 1 in Alsfeld (Finanzamt), Heinrich Aern in Butzbach (Finanzamt), Karl Schmidt und Adolf Steller tn Hungen (Finanzamt) und Awlf Zeitz in Aidda (Finanzamt) zu Obersteuersekretären.
** Die Kohlenversorgung ist Atoat nach der letzthin bekanntgegebenen Preiserhöhung, die durch die allgemeine Wirtschaftslage notwNi- big geworden war, für viele Haushaltungen schon sehr problematisch geworden. Dennoch aber ist den jetzt noch zögernden Verbrauchern dringend anzuraten, die ihnen zustehenden Vorräte baldigst ab'zuholen und sich möglichst reichlich einzudecken. Die in Frage kommenden Mengen Brennmaterials sind für die aufgerufenen Abschnitte der Kohlenkarten erhältlich. Weitere recht erhebliche Preissteigerungen sind mit Sicherheit zu erwarten, so daß jedermann dringend anzuraten ist, auch jetzt schon beträchtlich erscheinende Ausgaben nichi za scheuen, anstatt zu einem späteren Zeitpunkt noch weit größere Summen aufwenden zu müssen.
** Dollarnotierungen finden am heutigen preußischen Buß- und Bettag nicht flat'.
Bornotizen.
— Tageska lender f ür Mittwoch Stadttheater, 31/2 Uhr: „Verliebte Leute" 7 Uhr. „Der letzte Walzer". — Kath. Vereinshaus, 8 Uhr: Volksspiele Dlachetta.
— Aus dem Stadttheaterbureau Am Montag, den 27., und Dienstag, den 28. Aov. gastiert hier Carl William Büller in den Lustspielen „Dec Herr Senator" und „Dr. Klaus". Welcher Beliebtheit der Gast sich hier erfreut, hat sich im vergangenen Sommer bei der Aufführung des „Raub der Sabinerininen" gezeigt. Sicherlich wird auch das diesmalige Gastspiel großes Interesse erregen.
— Die Vortrags-Vereinigung hat zu ihrem zweiten Olbertb die bekannte Märchenerzählerin Vllma Mönkeberg zu einem Märchen ab end für Erwachsene gewonnen. Die junge Künstlerin hat, wo sie auftrat allgemein große Anerkennung gefunden. (S. gestrige Anzeige.)
— Der bekannte Zauberkünstler B e 11 a ch i n i kommt demnächst zu einem Gastspiel nach Gießen. Bellachinis Vater war einst der berühmteste Zauberkünstler seiner Zeit. Der Aberglaube hals ihm bei seinen Kunststücken. Dellachinis Sohn hat es nicht so leicht. Heute steht man den Zauberer n und Hexenmeistern kritischer gegenüber. Als bezeichnend für die Leistungen des Künstlers sei erwähnt, daß in allen Städten die Vorstellungen des Herrn Bellachini großen 2bi- flang fanden.
für Donnerstag:
Abnehmende Bewölkung, wechselnde leichte Winde, kälter.
Das über England liegende Hochdruckgebiet hat einen Ausläufer über Deutschland nach Rußland entsandt. Unter dem Einfluß dieses Hochdruckrückens ist vorerst aufllärendes Wetter zu erwarten.
Landkreis Gießen.
xh. Hausen, 20. Aov. Für das Evangelische Schwesternhaus in Gießen wurde hier eine Fuhre Kartoffeln, Gemüse, Obst usw. gesammelt; für Bielefeld wurden 15 Zentner Kartoffeln, und für die vertriebenen Elsaß-Lothringer 1530 Mark gegeben.
Kreis Büdingen.
)( L i ß b e r g, 20. Aov. Von einem in Amerika wohnenden Lihberger, Herrn Spielmann, wurden bei seinem letzten Besuch in der Heimat 50 000 Mark für kirchliche Zwecke geschenkt.
Starkenburg und Rheinhessen.
wd. W 0 r m s, 20. Aov. Zugunsten der W i w t er n o t wurden an der hiesigen Produktenbörse ly2 Millionen Mark gesammelt.
Hessen-Nassau.
Frankfurt a. M, 21. Aov. (WTD.) Der Magistrat sieht sich gezwungen, bei dec Stadtverordnetenversammlung zu beantragen, daß die Gewerbesteuer nicht mir (wie int Nach-
ich nun mal „fernen Spaß". Die verschlossene Salonture ist Übrigens verjährt, in letzter Zeit sind solche taktische Ungeschicklichkeiten nicht mehr votgekommen und die Feigheit werde ich durch das Tragen eines elektrischen Gürtels zu besiegen versuchen, den ich mir soeben gekauft habe.
Drittens. Ich soll pünktlich zum Essen zu Hause fein. Auch darin hast Du recht, wie in allem, was Du bekanntlich sagst. Sonst wird das Essen kalt und die Hausfrau ist verstimmt. Also, ich werde pünktlich sein, vorausgesetzt, daß unsere Uhren wieder schlagen und uns die Stunden verkünden, denn das haben sie im letzten Jahre nicht mehr getan.
Den letzten Punkt kann ich jedoch nicht ganz verstehen. Du scheinst meine Reisen nach dem Orte Eppenhausen als Vergnügen aufzufassen. Ich schlage Dir deshalb vor, mich jedesmal dorthin zu begleiten. Ich fahre zweiter Klasse, welche im Winter nicht geheizt ist, aber dafür im Sommer gut warm, und muh einmal umsteigen und auf freiem Felde eine halbe Stunde warten, wobei ich den Gesang „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein" anstimme, denn der Bahnhof ist immer noch nicht fertig, und das Bahnwärter haus darf man nur benutzen, wenn's regnet. Was sich sonst noch dort begibt, ist mir bisher nicht als eitel Lust erschienen, mit Ausnahme einer Ausführung der Matthäuspassion, die an jenem Abend stattfand, als hier eine sehr gelungene Maskenredoute vor sich ging und Du so brav zu Hause bliebst, Du wuschest Dir Dein Haar. Es ist möglich, daß ich mich seit dieser Matthäuspassion verändert habe. Aber vielleicht hattest Du Dich selbst beränbert, es kam mir wenigstens so vor.
(Fortsetzung folgt)
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