Ausgabe 
20.12.1922
 
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Aus Hessen.

DuS dem Finanzausschuß.

cm Darmstadt. 19. Dc?. Der Finanz­ausschuß des Landtags trat Heute vormittag unter dem Vorsitz des Äl>g. Dr. DeHl inner zu seiner diesjährigen letzten Tagung zusammen. Der Antrag des Abg. Dc. Werner aus Aus- dch.mng der schulärztlichen Untersuch­ungen auch aus die Schüler höherer Lehranstal­ten wird von der Regierung, wie von dem Aus- schuß freudig begrüßt. Allseitig wurde die Not­wendigkeit einer solchen.Maßregel anerkannt und vom Ausschuß beschlossen, dem Antrag Folge zu geben. Lieber das Ergebnis der Besichti­gung der H e i l - u n d P f l e g e a n st a l tP h i- . tp s h o s p i t a l" bet Goddelau wird hier­aus Bericht erstattet, wobei se^tgestellt wurde, daß die Einrlchtungen wie die Leitung ganz vor­züglich sind.

Versäumte Ernte von Feldfrüchten.

rm. Darmstadt. 19. Dez. Auf die Kleine Anfrage des Abg Henzel zu Obbornhof.n über r,as Hofgut Obbornhofen vom 27. Ao- vember hat die Regierung erwidert: Durch die Gendarmerie wurde festgestellt, daß am 6. De- 5 e m b e r 1922 noch in 6bis ^Morgen die Kartoffeln steckten. Mit dem Aus- machen waren gerade 35 Mairn beschäftigt: tags zuvor sollen es etwa 70 Personen gewesen sein. Gleichzeitig waren am genannten Tage noch Leute mit R ü b e n a u s m a che n beschäftigt. Aach Aussage des Pächters sollten die Arbeiten bis Ende der vorige» Woche fertig sein. Erfrorene -Zuckerrüben wurden nicht festgestellt, dagegen viele faule Kartoffeln. Lim künftigen Schädigungen der Bolksernährung vorzubeugen, wird gegebenen- falls von dec Verordnung über die Sicherung der Landbewirtschaftung Gebrauch zu machen sein Das Kreisamt Gießen habe entsprechende Wei­sung erhalten.

Aus Stabt und Land.

Dießen, den 20. Dezember 1922.

Das soziale Hilfsrvcrk in nuferer Stadt,

baS für unsere bedürftigen Mitbürger ein Sonnenstrahl in dem Grau der schwere i alltäg- lichen Lebenssorgen ist, hat bis jetzt em Resultat gezeitigt, mit dem sich unsere Stadt ohne rege schaffende, bedeutende Industrie sehr gut sehen lassen f<nm.

Zuerst trat bekanntlich aus eigener Initia­tive die

Notstand5h'lfe von Industrie, Danken, Han­del, Gewerbe und Landwirtschaft

auf den Plan. Sie Hat bis zum 18. Dezember ein Gesamtergebnis von 2 328 008 Mark erbracht, s-as sich aus Da.-wecten von 625 0C8 Marl und aus Sachwerten im Dttoage von 1 703 00? Mark zu­sammensetzt. Mit der Zuführung der Erträgnisse dieser Hilfsattion an die Ao kleidenden wurde alsbald begonnen, wobei Dertre er der helfenden Derufsgruppen selbst mit entscheidend tätig waren. Als diese Sammlung bereits sehr weit vor­geschritten war. die Verteilung der Spenden auch schon begonnen hatte, wurde auf die Anregung der Darmstädter Regierung hm auch in unserer Stadt die

Nokhllfe Hessen

in die Wege geleitet. Don vornherein stellte man sich an führender Stelle aus den sehr richtigen Standpunkt, daß dieses zweite Werk die völlig selbständige Vollendung des ersten nicht behin­dert dürfe, daß man das neue Well für sich al^in aufbauen müsse. So kam es ganz natürlich da^u, daß die NoHülfe Hessen in Gießen von vornh.-rein nur ein eng begrenztes Willungsfeld hatte, da weite Kreise unserer Bürgerschaft schon in das erste, selbständige Hilfsü'ell verflochten waren. Als Arbeitsgebiet wählte man für die ActWfe Hessen die Verbände und Ver­eine unserer Stadt. In Aller, aber eifriger Sammeltätigkeit durch die Vereins Vorstände wur­den 'hier bis zum 18. Dezember 304 8 7 1 Mark aufgebracht. Dieses Ergebnis ist recht befrie­digend: wer es vergleicht mit dem Resultat der Industrie usw.-Ao Hilfe und dabei beteckt, daß dieser eine stärker fundierte Wirtschaftskraft zu­grunde liegt, als sie den Nothilfespendern eignet der wird mit uns auch das Resultat dieser An- 'trengung hoch veranschlagen.

Insgesamt hat also unsere Bürgerschaft in beiden LiebeSwerken bis zum 18. Dezember

2 632 879 Mark Bargeld bzw. Sachwerte

in weitgehendem Ausmaße aufgebracht, die es ermöglicht haben, mancher Aot schon wirksam

entgegenzutreten, in zahssreich? Stuben den wär­menden Sonnensträhl der chllstlichea Nächstenliebe zu schicken.

Aber die Aotlage vie'er Familien, zahlreicher Kleinrentner, Kriegsbeschädigten usw. ist trotz eifrigster Hilfe noch immer groß, und sie wird aller Voraussicht nach leider noch stärker wer­den. Da gilt es a>eiter zu helfen nach besten Kräftenl Die hessische Staatsregierung hat für unsere Stadt 1 Million Mark Aot Hilfespende in Aussicht gestellt. Diese Million, so dankbar sic auch angenommen wird, genügt aber noch nicht, um unsere leidenden Brüder und Schwestern in Gie .er über diesen schweren Winter hinwegzubringe i. Die tätige Hilfe der Bürgerschaft muß ty.er U eiter am Werke blllbeni Weihnachten, das Fest der Liebe, sttHt vor der Tür. Möge es locht vielen Erwerbs­kräftigen em Anlaß sein, den in schwerer Aot befindlichen Mitbürgern durch ei: e Weih- nachtsgabe ein h lle e3 Weihnachtsfest zu bereiten. Das städtische Wohlfahrtsamt ist sicherlich bereit, sich auch bie,e;n Dienst gerne helfend und beratend zur Verfügung zu stellen.

*

Einspr6che«ieftcnGcmeinderatswahren vor dein Aretsansschnft.

In einer öffentlich:» Sitzung des Kreisaus- schlstes, d'e gestern vormittag im Sitzungssaals des RegierungsgebäudLs stattsand, wurde über mehrere Einsprüche gegen Gemei.rderatswahlen entschieden.

Den Vo:sitz führte Regierungsrat Hem­merde, als D.ll i^ec fungierten La:idtagSabge- ordneter Fenchel- Ober-Hörgern, Oekonom ©ottmann-Gießen, Rech sanwalt Hom- berger-Gießen und Prof. Weißgerber- Gießen.

Vier Sachen standen zur Verhandlung. In allen Fällen war Einspruch erhoben word.m, weil auf dem Kopf von Wahlzetteln nicht der nach A tikel 35 des Gesetzes vvrgesch iebene Vordruck Gerneinderatswahl" stand. In dec Verhandlung des Einipcuchs gegen die Gemeinderatswahl in Klein-Linden, die zuerst auf der Tagesord­nung stand, entschied der Kreisausschuß dahin, daß die Stimmzettel trotz des Fehlens dieses Aufdrucks gültig feien, well es sich in dem Artikel 33 um eine sog. Soll- und nicht um eine Muß-Vorschrist ha'.rdle. Diese Interpretation habe das Mi nsterium selbst auf Anfrage g g.bm, und ihre Rich igkett gehe her­vor^ aus Artikel 39 des Gesetzes, in welchem die G.ünbe, aus denen ein Stt.nmzettel ungültig sei, e schöpfend aufgeführt feien; der Llmstand, daß daZ WortGemeinde attzwahl" auf den Stimm­zettel fehle, werde nicht als Llngältigl'eitsgrund aufgeführt. Daraufhin zogen die Personen, die Einipruch gegen die Wahl in der Gemeinde Lang-Göns und in der Gemeinde Reis­kirchen aus dem gleichen Grunde eingerelcht hatten, ihre Beanstandungen zurück, so daß über die e beiden Wahlen nicht verhandelt zu werden brauchte.

Bezüglich der Wahl in der Gemeinde Reis­kirchen war außerdem noch Einspruch eingelegt worden wegen eines angeb ich unzulässigen Ver- wandtschaftsve hältnisses zwi chen Gemeinderats- mitgliedem. Es handelt sich darum, daß zwei Gemeinderalsmitglieder Schwestern zu Frauen haben. Auf Belehrung des Vor­sitzenden, daß dieses Verwandtschaftsverhältnis nicht unter das Verbot des Artikels 6 des Wahlgesetzes falle, wurde auch dieser Ein­spruch zu i ückgezogen.

Die beiden Einsprüche gegen die Gemeinde- ratswahl in Beuern kamen zur Verhandlung. Sie waren von zwei verschiedenen Seiten ein­gelegt und betrafen vier Punkte. Zunächst war Las Fehlen des AusdruckesGemeinderatswahl" auf den Stimmzetteln einer Partei bemängelt. Insoweit wurde der Einspruch zurückgenom- m e n. Dec zweite Anfechtungsgrund war darin gefunden, daß die W a h l z e t t e l einer Partei aus H o l z f a s e r st o s f hergestellt seien und nicht aus ordnungsmäß g Weitzen Papier. Der Kreis­ausschuß erklärte die Stimmzettel jedoch für gül­tig, da er der Meinung war, dieser Holz- a s e r st o f f stelle weißes Papier dar. Die beiden weiteren Einspruchsvuntte waren darin gefunden, daß eine a l t e, g e br e chl i ch e W ä h - lerin sich beim Ginstecken des Wahl- z e t t e l s in den Llmschlag hatte helfen lassen, und daß ein Beisitzer der Wahlkommis° i o n seinen Wahlzettel am Wahltisch. in den Llmschlag gesteckt und den LI m s ch l a g selbst in die 31 r ne geworfen hatte. Der Kreisaus- ch ß entschied auf Zurückweisung der beiden Einspruchspunkte, da durch den ersteren, selbst wenn das Vorgehen den gesetzlichen Bestimmun- gen nicht entsprochen hätte, eine Aenderung des

Die Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von 2 i e S v e t Dill.

66. Fortsetzung. (Aachdruck verboten.)

»Sie haben keine Karten geschickt, beim er ist Amerikaner, die zeigen nur die Hochzeit an, und bei Liane dst es auch besser so. Sie hat ihn auf dem Schiss kennen gelernt, sein Vater hat Braue­reien in Nordamerika; er gibt jedem Sohn bei seiner Mündigkeit eine Million mit, und er hat fünf Söhne." Ernst begann mit der Zange Figu­ren auf die Decke xu zeichnen.Lind was sie später erbt, ist sicher dreimal so viel." Aun, Liane konnte das geb rauchm und er war schon gang in ihren Händen. Sie hatte gar nicht gedacht, daß Amerikaner so verliebt sein könnten. Lind wie er die Mama verwöhnte. Diese Geschenke, die Ausstattung. Sie lag jetzt bei Meyers im Fenster. Sie blieben vorläufig hier und hatten sich eine Villa am Kurgarten gemietet, denn so­lange die Mutter lebte, ging Liane nicht nach drüben. Lutz war mit seiner jungen Frau jeden Sonntag hier, und es mußte ihm doch entsetzlich peinlich sein, wenn es geschehen sollte, daß er einem Von der Familie auf der Straße begegnete

Es ist geschehen," sagte Ernst, tu seine Figu­ren Verlieft.

Ach du lieber Herrgott. Wer war es beim?"

Die gute Großmama. Sie kutschierte gerade ins .Nachmittagskonzell und fragte mich, ob ich glücklich alles hinter mir hatte"! Lind da sagte ich mit gutem Gewissen ja.

Es ist eine alte Frau, verwies ihn Fräu­lein Schmidt.Lind so gut ist sie gar nicht, denn sie hat Grete während ihrer Sch.idungszeit feinen Heller gegeben, sondern ihr immer Vorwürfe gemacht. Änd früher wollte sie es doch nicht haben mit Ihnen, weil sie gegen Juristen etwas hatte. Denken Sie aber, wen i es- Ihr Bruder Lutz oder gar Liane gewesen wäret"

Auch das war geschehen. Lind zwar gestern. Auf bei Kurhauspromenade gegen Abend.Latz mit einer Dame am Arm, ich dachte erst, es sei meine einstige Gemahlin, aber es w.rd wohl seine junge Frau gewesen sein und Liane mit einem Kavalier. Sie gingen vor mir her. und ich hörte gerade Lutz sagen:Meinen Bruder haben wir aufgegeben.

Lind was taten Sie daraus?

Ich stieg bi eine Droschte, die gerade vor» überkam "

Sehen Sie, Ernst. Lind so was kann sich doch wiederholen. Es könnte doch auch mal Her­bert fein, er ist jetzt auf Goldenbergs Bureau."

Was macht er denn dort?"

Er schreibt Adressen. Später wlll ihn Grler übernehmen."

Der Glückliche," sagte Ernst, und scheuchte die surrenden 5.legen von der Zuckerdose

Denken Sie doch an ihre arme Mama," fuhr sie fort, da alles nicht die gewünschte Er­schütterung bei Ernst hervorzurufen schien.Wenn sie wüßte, daß Sie hier wohnten! W.nn Sie die einmal träfen in der Stadt! Von so einem Schreck kann einen der Schlag rühren, Ernst."

Aber er hatte schon wieder die Augen ge­schlossen, und seine Hand lag leblos uni) leer in der ihren. So entschloß sie sich zu dem letzten Stoß. Sie senkte ihre Stimme, um ihm das Bitterste zu sagen. Grete hatte sich verlobt. Mit einem Obciingenieur der großen Maschinenfabrik da draußen am Rhein, Heureka oder so.

Llmla," verbesserte Ernst.

Ja, sie hatte sich rasch getröstet. Aber sie würde auch hier bleiben, in derselben Stadl... Ernst war zum erstenmal zusammengezuckt, als Gretes Aamen fiel.

Gehen Sie fort von hier, Ernst," fuhr sie eindringlicher fort.Sie leben sich überall ein und setzen sich überall durch. Das ist Herweghsche All. Auch Lutz hat sich durchgesetzt und Liane, und dec Lümmel wird es auch. Aber Sie Ijaben

Wahlergebnisses nicht herbeigeführt würde, und das Cinwerfen des Wahlum,chlages durch den Beisitzer nicht zu beanstanden fei, da dieser, wie der Bürgermeister bekundet hatte, von ihm mit dem Einwerfen der Wahlumschläge in die ilrne ausdrücklich beauftragt war.

Die ErnspruchSerheber haben in allen Fällen die Kosten des Verfahrens zu tragen. Den Well des Streitgegenstandes setzte der KreisauSschuß jeweils auf 5000 Mark fest.

L.L1. Von der Landesuniversität. Die venia legendi wurde an unserer ilnioerfität erteilt dem Dr. Phil Ernst R e u n i n g für das Fach der Mineralogie Petrographie und Lager­stättenkunde bei der Philosophischen Fakultät, dem Dr. Julius Lewy für das Fach der semitischen Philologie bei derselben Fakultät. Ferner wurde dem Privatdozenten Dr. Erich Stern die venia legendi für das Gesamtgebiet der Philosophie und Pädagogik bei der Philos. Fakultät ertoeitert.

* D i e Teuerungszufchläge zu den Gebühren der Schornsteinfeger sind mit Wirkung vom 11. Dezember ab wie folgt fest­gesetzt worden: Für die Kehrbezirke der Städte Darmstadt, Mainz, Offenbach und Gießen auf 5200 v. H., für die übrigen Kehrbezille des Landes auf 6800 v. H.

** Die Feststellung des Provin­zialtags » Wahlergebn isses wirb morgen, DvnnnerStag, nachmittag 5 Ahr, im S'tzungssaale des RegferungSgebäures, Land- graf-Ph.lipp-Platz Ar. 3, vorgenommen werden.

"Die nächsten Zahltage der Kreis­kasse sind wie folgt feftge.ejt worden: Hun » gen in der WirtschaftZur guten Quelle", Bahnhofstraße 8, auf Donnerstag, 23. Dez., nach­mittags von 2Vs bis 6 Llhc; Lich im Rathaus auf Freitag, 2d. Dez., nachmittags von 2xk bis 6 Llhr; Grünberg im Rathaus cuf Sams­tag, 30. Dez., vormittags von 9V2 bis 2 Llhr nachmittags. Die Zahltage an den genann en Orten anfangs Januar 1923 fallen dagegen aus.

** Nochmals d ie Llmlausszeit des oberhessischen Notgeldes. Der Provinzialdirektor gibt im neuesten Amtsver- kündigungsblatt bekannt: Die Llmlausszeit für das von Der Provinz Oberhe'sen angegebene Notgeld ist durch den Herrn Reichsfinanz­minister weiterhin bis 5. Februar kommenden Jahres verlängert worden. Wegen der Einlö­sung der NotgelLscheine wird später eine be­sondere Bekanntmachung erfolgen.

** Versuchter Raub in der Iohanneskirche. Ein Kicchendiebstahl wurde am Montag abend zwischen 6' 28 Llhr in der Iohanneskirche versucht. Diebs­gesindel hatte sich während der Konfirman­denstunde in die Kirche eingeschlichen und sich einschließen lassen. Darauf drangen die licht­scheuen Gesellen in die Sakristei ein und ver­suchten h er, einen schweren eisernen Schrank, in dem das wertvolle AlbendmahlSgerät auf­bewahrt war, - aufzubrechen. Von außen her war man aber auf das Treiben aufmerksam geworden, die Gesellschaft wurde gestört und ging schleunigst durch die Hintere Tur der Sakristei, die sie mit dem von innen steckenden Schlüssel öffnete, unter Mitnahme des Schlüs­sels flüchtig. Die Nachforschungen nach den Kerlen sind im Gange. Seitens des Kirchen­vorstandes sind sofort besondere Vorsichts­maßnahmen getroffen worden. Das Schloß m der Sakristei yat man natürlich ärtbern lassen, außerdem hat man auch alle Wertsachen der Kirche aus dieser entfernt und an einem siche­ren Orte zur Aufbewahrung untergebracht.

** Fest genommen wurde ein Hau­sierer mit Schreibpapier, der in einem Hause der Frankfurter Straße einen Herren- und Damenmantel entwendet chatte.

< Tod auf dem Bahnhof. Gestern abend um 6 Llhr wurde ein Herr aus Bad- Ems, der aus der Marburger Klinik kam und von seinem Sohn begleitet tou.b-2, auf dem hiesigen Bahnhof von einem Herzschlag ereilt. Der Tod trat in wenigen Augenblicken ein.

**DerZollamtsdienstamWeih- nachtsfest. Die Amtsräume des Haupr- zollamts Gießen werden am 25., dem ersten Weihnachtsfeiertage, vormittags von 10 bis 11 Llhr, zur Abfertigung von aus dem Aus­lande eingehenden Weihnachtspaketen geöff­net sein.

turmhoch über allen gestanden. An Sie hab' ich geglaubt, als Sie noch nichts waren wie ein Gymnasiast, und damals, als sich alles gegen Sie erhob, alle Sie deckte die Zuckerdose zu. AIS es Ihnen am schlimmsten ging, da droben in dem Gefängnis, verzeihen Die

O bitte.

Als alle Sie für schuldig hielten, hab' ich gesagt: Gr ist ohne Schuld. Als sie Sie in die Anstalt brachten, bin ich zu Doktor Rickert ge­laufen und habe ihm unter Tränen gedankt. De m es ist besser, unser Geist ist krank, wie unser Charakter schlecht. Lind dann bin ich zum Notar gegangen und habe mein Testament gemacht. Gerad' tote ich's immer gewollt. Sehen Sie, Ernst," fuhr sie fort,mein Bruder, der die Näh- Maschinenfabrik in der Pfalz hat, der braucht mein Geld nicht mehr, er hat nur einen Sohn, und sonst habe ich keine Verwandten. Wenigstens keine, die sich je um mich gefümmert haben, denn viele denken, um so ein altes Fräulein braucht man das nicht, nachher fällt einem ja doch alles in den Schoß. O nein, ich will mein Geld denen vermachet, die meine Freunde gewesen sind. Lind das sind Sie. Ihre Mutter hat sich um mich ge­kümmert, tote ich krank war, und in gesunden Tagen hat sie mich eingeladen. Lind nicht mal ein Zimmer hab' 'ich ihr tapezieren lassen und Feinen Ofen gesetzt..." Sie weinte.Das tun mir jetzt leid, und ich mochte das alles gittmachen. Air Ihnen, Ernst. Wenn Sie das Geld jetzt brauchen sollten, es liegt ja da. Mit warmer Hand soll man schenken, nicht mit kalter, hat meine selige Mutter immer gesagt. Aber ich verlange ein Versprechen von Ähnen, eher gehe ich nicht aus dem Zimmer: Gehen Sie fort von hier, Ernst, und zwar bald."

Fräulein Schmidt hatte einen Freudenaus­bruch erwallet. Aber Ernst blieb stumm. Er hatte ihr während der letzten Wolle die Hand entzogen und sie in die Tasch: gesteckt. Er schaufelte sacht auf feinem Stuhle hin und her und schaute an ihr

Bornottzen.

Tages ka lender für Mittwoch. Stadtth.ater, 7 Llhr:Die Hambarger Filiale". Stadtkirche, 8 Llhr: Schützsches Weihnachtsora­torium. Cas4 Leid, 8 illyr: Konzell und humo- listische Vorträge. Palast-Lichtspiele:Die Macht der Versuchung undWer wirft den ersten Stcin".

Aus dem Stadttheaterbureau. Am kommenden Freitag geht Anton Wild- g a n s' dramatisches GedichtK a i n hier erst­malig in Szene und wird am 1. Weihnachtsfeier­tage wiederholt. Die Spielleitung bei Einstudie­rung dieser interessanten Neuheit führt Herr Telekh, in die darstellerischen Aufgaben teilen sich die Herren Juhnke, Schubert, From- mann und Fräulein Marcks. Als nächste Neueinstudierung im Schauspiel steht Tolstois Macht der Finsternis" auf dem Spiel- plan: in der Operette wird MlllöckersG a s p a- rone" vorbereitet, und zwar mit der dankens­werten Llnterstützung einer hiesigen gemischten Chorvereinigung. Llm den Inhabern von Gut­scheinen Gelegenheit zu geben, diese ^außerhalb der Abonnements unterzubringen, wird für die erste Hälfte des Januar Dario Aicodemis inter­essante KomödieS c a m p 0 l 0 wiedereinstu­diert, die nicht ins Abonnement kommen soll.

In der Stadtkirche findet heute abend ein Weihnachtsvratvrium statt. (Siehe Anzeige.)

Wettervoraussage

für Donnerstag-

Einzelne Regenschauer bei starken nvrdwestt lichen, später nördlichen Winden, kälter.

Don der ausgedehnten Depression südlich Ir­lands, die noch immer unverändert an derselben Stelle liegt, hat sich ein tiefer Teilwirbel los­gelöst, der noch im Laufe dieses Tages über uns hinwegzi.hen wird. Nach seinem Abzug wird sich das Wetter zeitweise aufheitern.

Landkreis Gictzen.

X W i e s e ck, 18. Dez. In einer von der Soz'aldemokratischen Partei einberufenen öffentlichen Versammlung sprach der frühere Hess sche Pfarrer Schultheis, zur Zeit in Gelnhausen, überE Vangel iumundSo- z i a l i s m u S. Als Cvangelischsozialer er­widerte ihm Pfarrer Sattler von hier.

* Mainzlar, 19. Dez. In der letzten Nacht wurde dem Land- unö Gastwirt Hein­rich Vogel IV. eine trächtige Kuh aus dem Stalle gestohlen. Die Gendarmerie- wachtme ster Brück und K n a u h von Lollar stellten fest, daß die Diebesspur durch Dau- bringen führt, von da ab gingen aber weitere Merkmale verloren. Die Hausbewohner hatten von der Gegenwart der Diebe nichts gemerkt.

Kreis Schotten.

n 2au bad?, 18. Dez. Gestern abend hiell der Zweigv^rcin Laubach des Vogelsberger Höhenklubs (Vorsttzender Dr. Wach'el) seine Weihnachtsbescherung ab. Der Singchor des Klubs verschönt» die Feier durch treffliche musikattsche und dramatische Ausführungen.

* Wetterfeld, 18. Dez. Prof. Dr. Roeschen-L-iubach, der im Auftrage der staatlichen Denkmalpflege zur Zeit das Wet- terfelder Gerneindearchiv ordnet und verzeich­net, hielt hier einen für unseren Ort recht inter­essanten Vortrag über Sagen aus Wet­terfeld und Hingegenb. Vorträge über die Geschichte unseres Dorfes, die Prof. Roes­chen angekündigt hat, werden mit lebhaftem Interesse erwartet.

Starkenvnrg und Rheinhessen.

rm. Darmstadt, 22. Dez. Der 22jährige Kaufmann Weigand hat heute nacht seiner Braut, der 20jährigen Irmgard Kießling, in deren Hause, Alexanderstraße 8, nach einem Wortwechsel den Hals mit einem Rasiermesser durchschnitten. Der Täter ist flüchtig.

Kreis Friedberg.

* Friedberg, 19. Dez. Das Mini­sterium für Arbeit und Wirtschaft hat die Zahl der Mitglieder der Handelskam­mer Friedberg auf 17 festgesetzt. Der Wahlbezirk (Amtsgerichtsbezirk) Butzbach stellt 3 Mttglieder.

Heutiger Stand des Dollars

10 Llhr vormittags:

Berlin 6925, Frankfurt a. M. 6900.

vorbei auf die blonde Nymphe, deren schlanker Rücken in der Sonne glänzte. Die Türe war offen geblieben, und es war, als hörten die Bilde! doll alle zu.

Ich danke Ihnen, Fräulein Schmidt, sagt« Ernst,für Ihre Absicht, mich in Ihrem Testa^ ment zu bebmfen, und für das Vertrauen, bai Eie in mich sehen. Ich habe nie an Ihrer Gütc gezweifelt. Abei. ich muß Ihren Vorschlag, ver^ zeihen Sie, ablehnen, weil ich mit allem, was ftüher war, abzeschlossen habe. Er machte eine entschiedene Bewegung mit der Hand, die er bann wieder in die Tasche schob.Ich denke gar nicht daran, fortzugehen.

Aber Herr Ernst! rief das verzweifelt« alte Fräulein,wenn Ihnen Ihre eigene Familie gar nichts mehr bedeutet, so denken Sie doch an die Kvllins? Besonders den alten Herrn! Sv wissen wohl nichr., was ihn die Sache gekostet hat?"

Doch fünfzigtausend Mark," sagte Ernst.

Fräulein Schmidt fand diese Bemerkung fri­vol, aber sie ging darüber hinweg.Auch Grete hat viel durchgemacht. Nein, Herr Ernst, ich finde es nicht hübsch von Ihnen, daß Sie darüber lachen."

Aber ich lache ja gar nicht, Fräuleii Schmidt.

Doch Sie haben gelacht. Ich sehe, daß Sie alles noch viel zu leicht nehmen. Damals im Gefängnis haben Sie auch gefiedelt und gesungen. Das ist keine Lebensauffassung. Sie müssen die Kraft haben und sich auf raffen und hier fort gehen," setzte sie mit jener EntschiÄ>enhett hinzu die sie nur böswilligen Mietparteien gegen- über fand.

Warum soll ich denn follgehen, wenn eS mir hier gefällt?" sagte Ernst.LliG warum finden Sie das so unbegreiflich? Es hat mir immer hier gefallen.

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