Dienstag, 19. Dezemder 1922
172. Jahrgang
Eine Wendung durch Amerika?
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Französische Flottenrüstungen
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Kammer tritt hierauf in die Einzelberatung Budgets ein.
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Länder die Meerengen durchfahren, doch sollen die Kriegsschiffe einer kriegführenden Macht erst dann einsahren, wenn die der anderen Macht die Mecrcngen verlassen haben. 3n dem Gebtete zwischen den Meerengen sowie in der Zone 20 Seemeilen vor den beiden Meer'engen und vor den Inseln am Eingang der Dardanellen sind feindselige Handlungen verboten. Wenn die Türkei den kriegführenden Staaten angehört, ist der Zugang nur neutralen Kriegsschilfen gestaltet. Die türkischen Gegenvorschlag.' über die Entmilitarisierung der Meerengen sind noch nicht bekannt
Auch die russische Abordnung überreichte heute dem ersten Ausschuß ein G ege n - Projekt über die Meerengenfrage, das fünf Kapitel und 22 Artikel enthält. Danach fallen die Dardanellen, das Marmara-Meer und der Bosporus unter türkisch? Souveränität, während die Inseln Lemnos und Samotrake autonom werden sollen.
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Die Lausanner Konferenz.
Ein türkischer Gegenvorschlag in der Meerengcnfrage.
Lausanne. 19. Dez. (WTB.) Das türkische Gegenprojekt für di? Schiffahrt in den Meerengen sieht für Handelsschiffe die freie Durchfahrt in Friedenszeiten vor Für Kriegsschiffe ist di? Bestimmung getroffen, dah sie nur am Tage anlegen dürfen. Die stärksten in einer bestimmten Zone weilenden Seestreit- kcäfte ldürsen nicht stärker als die türkischen Kriegsstreitkräfte in derselben Zone sein, bann kann jederzeit eine Seestreitkraft, bestehend aus drei Kriegsschiffen, von denen keines mehr als 10 000 Tonnen fassen darf, die Meerengen durchfahren. 24 Stunden vor dem Eintreffen müssen die Kriegsschiffe dec internationalen Meerengenkommission angemeldet werden. Sie dürfen sich nicht in den Meerengen, im Marmara-Meer und im Hafen von Konstantinopel aufhalten Di? gesamte Kraft einer fremden Flotte im Schwarzen Meer dürfe nicht die Gesamtstärke der bedeutendsten Schwarz- meerflotte überschreiten. In Kriegszeiten, wenn die Türkei neutral ist, dürfen Kriegsschiffe aller
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Die Grenzfeftfctzttng in Obcrschlcsierr
Breslau. 18. Dez. (WTB) Die Grenz- festsetzungskommission für Oberschlesien fällte die Entscheidung über die Grenzziehung im ober- schlesischen Industriegebiet.
Bei Deutschland verbleiben der Ge> meindebezirk Aieborowihcr-Hammer. die Gemeinde Schönwald und das gesamte Feld Königin-Luisen- gi-ube ohne Glück-auf-Kolonie, der Aordzivfel der Gemarkung Rud.i ohne Auda-Hammer. dec gesamte Gemeindebezirk Rohberg und Fied'.ersG'.ück. Dadurch, bah die Gemarkung Roßberg und Fiedlers Glück D. n schland zugesproch.m worden sind, behalt Deutschland auch den wichtigsten Teil des Dleischarleyfclbes. .
Die Entscheidung über die Zugehörigkeit der Delbrückschächte ist von der Grenzfest- sehungskommission ausgesetzt, bis die Botsä>after- konferenz zu dem polnischen Anträge aus Ernennung nichtinteressierter Sachverständiger Stellung genommen hat.
Pari«, 18. Dez. (MTB.) Die Kammer ist heute vormittag in die allgemeine Aussprache über das Budget der Marine eingetreten. Der Berichterstatter, Abg. de Chappedelaine. sagte: Unsere Kollegen von der äußersten Linken fragen, weshalb wir unsere Küsten verteidigen. Ich zögere nicht, daraus zu antworten: Gegen Deutschland! Dec Vertrag von Versailles hat tatsächlich Deutschland genügend Elemente gelassen, um eine Kriegsmarine zu organisieren, die besonders gefährlich werden kann. Man hat ihm 1 5 000 Marinesoldaten gelassen, und an dem Tage, an dem wir aus irgendeinem Grunde gezwungen sein werden, das linke Rheinufer zu räumen, wird Deutschland die Welt durch die Geschwindigkeit, mit der es sich wieder erheben wird, in Erstaunen sehen. Endlich dürfen wir nicht vergessen, dah die noch in embryonischem Zustande befindliche Marine der Sowjets mit Hilfe der Deutschen sehr gefährlich werden kann. Wir dürfen also unsere Küsten nicht ohne Verteidigung lassen und müssen an den Fehler denken, den wir vor 1914 dadurch begangen haben, dah wir uns sozusagen verteidigungslos gegenüber der ungeheuren deutschen Marine befunden haben.
Der Marineminister Raiberti sagte: Die französische Flotte, die vor dem Kriege 7.00C0 Tonnen umfaht hat, umfaht jetzt nur noch 660 003 Tonnen. Frankreich gebraucht eine Marine und auch einen Marinelustdienst. Der Krieg hat gelehrt, dah die Flotte ihre Aktivnsfreiheit haben muh, um die überseeischen Deroin' ungen ficherzusteilm, während die Küsten sich selbst verteidigen müssen durch Kanonen und älntereseeboote. durch Minen und durch die Luftwaffe. Frankreich kann seine Marine nicht untergehen lassen. Mehr als jede andere Ration muh es bereit fein, den Frieden zu sichern, denn eine längere Friedensperiode ist notwendig, damit die Welt sich wieder erholen kann. — Die
sammenhang mit den amerikanischen Nachrichten über Pläne der Bereinigten Staaten in der Reparationsfrage eine Erklärung abgegeben, in der er sich auf den Standpunkt stellt, Frankreich könne sich mit keinem neuen Plan einverstanden erklären, der die Räumung des Rheinlandes in naher Zu'unft vorsehe. Frankreich werde keine Abänderungen des Versailler Vertrages hinnehmen, der bekanntlich mindestens 15 Jahre für die Besetzung vorsehe. Die in der Pariser Presse veröffentliche Re- parationspläne schienen ihm aus Deutschland über Reuyork nach Frankreich gekommen zu sein. Weder die französische Botschaft in Washington noch die amerikanisch? Botschaft in Paris wühlen irgendetwas über diese Vorschläge. Botschafter Herrick habe ihm gestern erklärt, dah ihm nicht bekannt sei, was in den Zeitungen stehe. Poincarö ging auf die letzten Verhandlungen in der Reparationsfrage ein und stellte fest, bab die französische Regierung entschieden gegen jede Lösung d?r Reparationsfrage sei, die ausgedehnte französische Zugeständnisse vorsehe.
Acußerungcn der französischen Presse.
Paris, 18. Dez. (WTD.) In auffallender Weise wendet sich heute abend die gesamte Abendprefse gegen die angeblichen amerikanischen Vorschläge in der Reparationsfrage. Der „Temps" spricht von bederklichen amerikanischen Interessen, die sich schon kurz nach dem Waffenstillstand gezeigt hätten, als Deutschland Lebensmittel und Rohmaterialien sehr teuer habe kaufen müssen, und die dem Reich eine Milliarde Goldmark gekostet hätten. Der „Temps" fährt fort: Wenn die ameriätnischen ober anbere Bankiers Deutschland nur einen Teil bes erforderlichen Kapitals lieferten, damit sie die Reparationen zahlen könnten, brauchten sie sich nur mit der deutschen Regierung zu einigen, und diese werde den Alliierten ein Programm vorlegen. Rur mit Deutschland, ihrem Schuldner, hätten die Alliierten zu verhandeln, aber nicht mit Dritten, die sich als Händler vorstellten, und noch weniger mit Dritten, Ibte sich zu Schiedsrichtern aufwerfen. Wänn die deutsche Regierung sich mit ausländischen Bankiers über die Bezahlung von Reparationen mit Hilfe einer Kreditorganisation verständige und den alliierten Regierungen, die ihre bevorrechtigten Gläubiger seien, ihre Pläne unterbreitet habe, würden diese
erst prüfen, ob es ihnen angebracht erscheine, die verschiedenen Derzugsfristen und Diskonten zu bewilligen. die Deutschland als Gegenleistung für eine Zahlungen nachsuchen werde. Die Verh.rnd- lungen würden bann übrigens in keiner Weise durch den Umstand behindert werden, dah etwa bis dahin eine oder mehrere alliierte Macht? in gemeinsamem Interesse auf deutschem Boden Gebietspfändungen vorgenommen hätten. Es müsse immer wiederholt werden, das) die Pfändungen nur ein einziges Ziel hätten: die Zahlungen zu sichern. Wenn auf kftese Weise erst der Zahlungswille gewährleistet sei, wäre es nach dem „Temps" Zeit, an eine überlegte und chrittweise Sanierung der deutschen Finanzen heranzugehen. Der Franzose^ sei kein unbarmherziger und kurzsichtiger Gläubiger.
Dem „Ö o u t n a l des Debat s" fallt es auf, dah in dem Zeitpunkt, tvo die Alliierten zusammentreten sollen, wo das Versagen Deutschlands von niemand mehr bestritten werde, wo dte Rotwendigkeit, methodisch vorzugeien, Dcutsch- land tatsächlich zum Zahlen yu bringen und Pfänder mit Beschlag zu belegen, in die Augen pringe, die höchst unbestimmte Nachricht von einem amerikanischen Projekt in die Welt gesetzt (Derbe, die alles noch einmal toieber in Frage stellen und die Beschlüsse, die demnacht gefaßt werden könnten, vertagen würden. Wenn Dcutschland älnterstützung in den Beieinigten Staaten finde, so werde Frankreich sich nicht darüber beklagen. Es liege auf der Hand, baf) biefe Kombination, wenn sie wirklich bas Licht der Welt erblickte, tneber an ben Zahlungen noch an den Garantien etwas ändern würde.
Die „2 i b c r 16“ sagt: Wir haben das Recht, der Regierung von Washington mb ben Finanzleuten von Rouyvrk zu etfiärei, baf} wir alles versucht haben, unb wenn wir zu bem Gedanken dec Pfänder gekommen sind, so geschieht es, weil wir feinen anderen mehr haben.
Auch der „I n t r a n s i g e a n t" wendet sich gegen die Pläne der Bereinigten Staaten und spricht von verdächtigen Manövern, die bis zum 15. Januar unternommen würden. Was man in Berlin, in deutschfreundlichen Kreisen in den Bereinigten Staaten unb auch in England in der Partei Lloyd Georges wolle, sei eben, Frankreich daran zu verhindern, Pfänder zu nehmen, durch die allein die Forderungen flüssig gemacht werden tonnten
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Welch gewaltige Wirkung die Rachricht von größerer Aktivität Amerikas in den europäischen Fragen gehabt hat, läßt sich daran ermessen, daß binnen wenigen Tagen der Dollar um ungefähr dreitausend Punkte gefallen, also die Mark um ebenso viele Punkte gestiegen ist.
Rein wirtschaftlich gesehen, macht sich in Amerika Immer stärker das Bedürfnis geltend, den mitteleuropäischen Absatzmarkt für Rohstoffe zu rückzugewinnen, und dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn die Reparationsfrage mit allen damit verbundenen Beunruhigungen aus dem Wege geräumt wird. Das wirtschaftliche Bedürfnis Amerikas nach dem mitteleuropäischen Absatzgebiet kam bei den amerikanischen Wahlen Anfang Rovember durch sehr schwere Einbußen der herrschenden Partei so stark zum Ausdruck, dah Präsident Harding und seine Ratgeber daraus die Not- wendigkeit ableiteten, an die Stelle der Passivität stärkere Aktivität zu setzen, und so erklärt sich das Heraustreten Amerikas aus seiner bisherigen Zurückhaltung.
Die Hauptschwierigkeit, die überwunden werden must, liegt, wie aus dem neuesten Verhalten Poincarös und der französischen Presse hervorgeht, natürlich bei Frankreich. Cs wird eines sehr starken Druckes von Amerika unb England bedürfen, um Frankreich zu einer Haltung zu veranlassen, die unsere Last im Westen beseitigt oder wenigstens auf ein geringes Mast herabseht. Manche Pressemeldung über Ersatz oder Revision des Versailler Vertrages eilt den Versuchen und Ereignissen voraus. Verfrühter Optimismus ist nicht am Platze. Bald aber wird sich die Lage klären müssen.
Die angeblichen Absichten Amerikas.
London, 18. Dez. (Wolff.) Der Sonderberichterstatter der „Daily Sketsch" will von mah- ff-benber Seil« ersähren haben, dah Präsident Harding durch den amerikanischen Botschafter in England demnächst zwei internationale Abkommen Vorschlägen werde, für das eine dieser Abkommen werde er die Unterschrift jeder alliierten Macht unb für bas anbere die Unter- schrifl jeder Ration fordern, unb zwar sowohl von ben am Kriege beteiligten Alliierten wie auch von ben Zentralmächten. Die"« neuen Ueberein- kommen würden in ihrer Wirkung eiren groben Teil bes Versailler Vertrag es zum Zwecke bei Sicherung deZ Weltfriebens unb zum Wiederaufbau der hauptsächlich in Betracht kommenden Rationen ersetzen. Es sei zu hoffen, baf) durch das Zustandekommen der beiden Abkommen die Industrie in England wieder in den Gang kommen und Fr-ankreich beruhigt werde, indem es die Wohlfahrt erhalte, die es so dringend benötige. Deutschland solle dadurch wieder einer der kaufkräftigsten Märkte der Welt werden Alls die ilnterfclixTung des neuen Abkommens hin würden drei Gruppen amerikanischer Bankiers einen auswärtigen Ärebit für Deutschland unterschreiben, der zwischen England, 5' ank eich Belgien und Deutschland verteilt werden soll Dieser Kredit werde nicht unter eineinhalb Milliarden Dollar betragen. Vermöge dieses Kiedits würde Deutschland dann in ben Stand gesetzt werden, seine Lebensmittel ober die anderen Rohstoffe in jedem beliebigen Lande zu kaufen. Kein Teil dieses Kredites solle an Frankreich England oder Belgien zahlbar sein, ausgenommen im Austausch gegen Waren, die von den bezeich- ne'en Ländern in Deutschland gekauft wurden. Die amerikanische Regierung werde, nach dem Blatt, diesen Bankierskredit garantieren, dafür aber die erste Hypothek auf die gesamten Hilfsquellen Deutschlands fordern. Diese Hypothek werde sämtliche Zölle, die Ein- unkr-Ausfuhr- abgaben und die deutsche Cinkvmmeikftouer umfassen und soll alle anderen deutschen Verpflichtungen. einschiestlich der Reparationen, ersetzen. Da bet gesamte Vorschlag auf praktische Herabsetzung der Reparationen, und auf gründlich?, eichgültige Ucbereintunft unter ben Alliierten gegründet sein werde, so werde Amerikä durch diese Methode, die allerdings noch nicht entschieden sei, 1 jedoch von Elihu Root untersucht werde, eine 1 schnelle Zahlung jeder vereinbarten Reparations- i fvrderung durch Deutschland garantieren. Auster । diesem Kredit, der in Deutschland, England. Frankreich, Belgien und Amerika untergebracht und von der amerikanischen Regierung garantiert werden solle, würden, dem Blatt ^ufotgt, die amerikanischen Bankiersgruppen private beträchtliche A n l e i h e n an die deutsche Regierung geben, die, dem Vernehmen nach etwa 750 Millionen Dollar । betragen werden Die Bankiersgruppen würden als Sicherheit industrielle und städtisch? ersteHypo- theken in üblicher Weise annehmen. Die Vertreter dieser Bantiersgrnrppen, die an Ort und Stelle die deutsche Wirtschastslage seit über einem Jahr untersuchen, würden darlegen, dast Deutschland augenblicklich nicht mehr als 300 Millionen Dollar zahlen tonne; sie seien jedoch der Ansicht, daß dieser Betrag sofort bezahlt werden könne (?) unb bah berfetbe in 2 Jahren au 400 Millionen Dollar erhöht werben könne. Allmählich mühten, mit ber zunehmenden Zahlungsfähigkeit Deutschlands, die jährlichen Zahlungen vergröbert werden. Diese jährliche Zahlung würbe Deutschland nach Ansicht der amerikanischen Bankiers und der amerikanischen Regierung in ben
Die Regierungskrise in Hessen.
Halbamtlich wirb au- D a r m ft a b t mit- geteilt: Staatspräsident Ulrich empfing am Montag die Führer der Kvalitionsfrak- tionen zur Besprechung der durch di« Amtsniederlegung des Finanzministers Henrich geschaffenen Lage. Zunächst kam von allen Seiten das tiefste Bedauern über ben Schritt des Fo- nanzministers Henrich zum Ausdruck. Allgemein würbe festgestellt, bah die in dem Schreiben bes Finanzministers an ben Staatspräsidenten notgetragene Motivierung seines Rücktritts in dem Verhalten der beiden Koalitionsfraktionen eine Stütze nicht finden könne. Die Fraktionsführer erflärten weiter, dast Finanzminister Henrich noch nach wie vor auch bas Vertrauen bes Zentrums und ber Sozialdemokraten im Landtage besitze. Von dem Vertreter ber demokratischen Fraktion wurde erklärt, dast der Rücktritt des FinanzmimsterS keineswezs das Ausscheiden seiner Fraktion aus der derzeitigen Rcgierungs- foalition bedeute und dast seine Fraktion nach wie vor an der Durchführung ber aus ber jetzigen Koalition auf gebauten Regierungspolitik Mitarbeiten werbe. Auch die Vertreter bes Zentrums unb der Sozialdemokraten betonten den Willen zur Fortführung ber bisherigen Koalition. Aus Grunb der Erklärungen ber Fraktionsführer des Zentrums und ber Sozialbemvkraten soll darum der Versuch unternommen werben, Finanzminister Henrich zur Zurücknahme seiner Rücktritts- erllärung zu bewegen.
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Paris, 19. Dez. (WTD.) P o incarö .
j ber „Chicago Tribüne" gestern abenb ben amerikanischen Journalisten im Zu-
Aus Dem Reiche.
Die Berliner Reparations- bcrntunqen.
Berlin, 19. Dez. In den Besprechungen der Reichsregierung mit Industriellen und Bankiers soll nach dem „D.T." in der Hauptsache die Frage einer inneren Anleihe erörtert worden sein, deren Hauptzweck die Rückführung des im Ausland befindlichen deutschen Kapitals sein soll. Weiterhin hätten die Besprechungen den Zweck gehabt, Aufklärung Über die Lage der deutschen Wirtschaft zu geben. Die Besprechungen sollen am Donnerstag fortgesetzt werden.
Deschlüffe des RelchsrateS.
Berlin, 18. Dez. (WTB.) Der R e i ch S- rat hat in seiner heutigen, vorn Minister Oeser geleiteten öffentlichen Sitzung den 9. Nachtragsetat für 1922, der die Erhöhung der Beamtenbesoldungen um 44Prozent und die Erhöhung der Frauenzulage auf 3500 Mk. enthält, angenommen. Weiter wird der Finanzminister in diesem Nachtragsetat ermächtigt, 6 Milliarden Schatzanweisungen flüssig zu machen zur Fortführung der von der Rhein-Neckar-Gesellschaft begonnenen Kanalbauten. Ferner wurde die Ausdehnung des örtlichen Sonderzuschlaqes auf die Beamtengehälter auf weitere Orte des Reichsgebiets beschlossen; insbesondere kommt wieder der Westen in Betracht, ferner das Saargebiet und einige andere Groh- und Hafenstädte. Außerdem sind die Prozentsätze etwas geändert. Der Reichsrat erklärte sich mit einer großen Reihe von Gesetzentwürfen einverstanden, die der Reichstag erledigt hat, dar-
Stand sehen, den vorgeschlagenen Kredit in Iahreszahlungen von 12 0 Millionen Dollar zurückzuzahlen, was unter Berechnung der Zinsen eine Rückzahlung des Kredits innerhalb 10 Zähren ermöglichen würde. Die Privatanleihe durch die amerikanischen Bankiers an Deutschland würde auf 25 Jahre erfolgen, mit fünfjährigen teilweisen Amortisationen. Die amerikanische Regierung werde auch verlangen, daß Frankreich seine Absichten auf das Ruhr- gebiet oder jeden anderen Schritt gegen Deutschland aufgebe, der geeignet wäre, das industrielle Gleichgewicht zu stören. Garantien in dieser Richtung würden in dem Abkommen verlangt werden, das zwischen den Vereinigten Staaten und den Alliierten unterzeichnet werden solle und wodurch alle Garantien aus dem Versailler Vertrag ersetzt werden sollen.
Die türkische Frage müffe endgültig zwischen England, Frankreich unb der Türkei geregelt werden, da ein stabiler Balkan für den industriellen Fortschritt Deutschlands notwendig ei. Nirgends in den amerkicrmschrn Vorschlägen oürden die interalliierten Schulden, bo onders die englischen Schulden an die Vereinigten Staaten erwähnt. Diese Schuldet müßten nach Ansicht der amerikanischen Regierung unb ber beteiligten Bankiers, außerhalb der Verhandlungen bleiben, jedoch werde, toeim auch nicht von maftgeb-enber Stelle, erklärt, bah, wenn ber amerifanisch? Dorsch'ag ang nDaunen werde, auch bie Frage ber interalliierten Schulben in be- friedigenber Weise geregelt unb bie bisherige Haltung Amerikas in den gesamten Fragen der interalliierten Schulben geänbert werben.
Eine Erklärung
der Morgan-Gesellschaft.
Neuyork, 19. Dez. (WTD.) Durch Funkspruch. Die Morgan - Gesellschaft veröffentlicht folgende Erllärung: Der deutsche Botschafter W i e d f e l d hat am Sonnabend Morgan besucht, um sich zu erkundigen, ob es uns möglich sei, die Versuche zur Flottmachung einer großen, sogenannten internationalen Anleihe für Deutschland zu unterstützen. In seiner Antwort wies Morgan auf die Sitzungen des Bankierausschusses im letzten Juni hin und sagte im wesentlichen dem Botschafter, daß unsere Lage genau dieselbe sei >wie damals. Er habe dem Botschafter mitgeteilt, wenn er auch sehr wünschte, der allgemeinen Lage zu dienen, seien nichtsdestoweniger die Verhältnisse derartig geworden, dah eß für uns nicht möglich sei, eine Anleihe für Deutschland zu erörtern oder in Erwägung zu ziehen, bevor nicht die Reparationsfrage geregelt sei.
Poincar^ gegen die amerikanischen Pläne.
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhesfen
druck und Verlag: Vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steinörutferei H, Lange in Gießen. Zchrlftleitung und Geschäftsstelle: 5chulstratze 7.


