Wietzener Strafkammer.
Gießen, lt. Oft
■piittcr verschlossenen Türen wurde gegen das Dienstmädchen P.S. und das Küchenmädchen CH.S. beide von Limburg, wegen Abtreibung und Beihilfe dazu, und gegen die Fvau K. W. von hier wegen Kuppelei verhandelt Die beiden ersten Angeklagten erhielten sechs und drei Monate Gefängnis, Fvau W. wurde mangels ausreichenden Beweises freigesprochen.
Verworfen wurde die Berufung einer Wirtin oon hier, die wegen Vichtanmeldung einer weiblichen Angestellten vom Schöffengericht zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt worden war. Es wurde festgestellt, daß das angeblich nicht an- meldungspflichttge Büfettfräulein auch Gäste bedient und mit ihnen am Tisch gesessen hatte, also mit ihnen in unmittelbaren Verkehr getreten war. Vach Sinn und Zweck der Verordnung ist die polizeiliche Meldepflicht damit begründet.
Ebenfalls hinter verschlossenen Türen wurde gegen .den jugendlichen Bergmann R. Z. von Dillrngen wegen Sittlichkeitsverbrechens verhandelt Er hat mit Mädchen unter vierzehn Jahren in vier Fällen unerlaubte Handlungen vorgenommen. Strafe sieben Monate Gefängnis. In zwei Fällen erfolgte Freisprechung mangels ausreichenden Beweises.
Gerichtssaar.
Berlin, 18. Oft. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts Berlin wurde heute das Verfahren gegen den Hausdiener und Bademeister in Wannsee, Obendvrf, eröffnet, dem
zur Last gelegt wird, seine Geliebte Anna Wrobel in seiner Wohnung in der Zivnskirche ermordet, die Leiche nach der Tat zerstückelt und teilweise verzehrt zu haben.
Danzig, 18. Oft. (Priv.-Tel.) Das Schwurgericht hat den Heizer Otto B e t h k e, der im Mai 1921 in einem Kornfeld in der Vähe von Danzig den Deutsch-Amerikaner Dredewski ermordete und um 12 000 Dollar beraubte, zum Tode verurteilt.
Vermischtes.
Zum Muter gang der „Hammonia".
Hamburg, 18. Oft. (Wolff.) Vach dem heute mittag verkündeten Spruch des Seeamts wurde der Untergang des Dampfers „Hammonia" durch das Vollaufen der hinter dem vorderen Kesfelraumschott befindlichen Vü-ume verursacht. Ein Teil des Wassers drang durch die nicht fest geschlossenen undichten Steuerbord- kvhlenpforten. Eine.weitere größere Menge Wasser muh aber durch andere undichte Stellen, welche von der Besatzung nicht ausgesunden wurden, hinzugekommen sein. Ob die Mndichcheiten durch das Ausstößen auf einen unter Wasser befindlichen Gegenstand oder durch andere Mrsachen entstanden Vt, war nicht festzustellen. Die Schiffsleitung trifft an dem Mnsall keine Schuld; der einzige Vorwurf betrifft das nicht mit genügender Sorgfalt ausgcfü'hrte Abdichten der Kohlenpforten im Hamburger Hafen. Das ist den damit betrauten Personen zur Last zu legen. An der Bekämpfung des eindringenden Wassers wurde von der Schiffsund Maschinenleiiung sowie von den Mannschaften
mit aller Anstrengung sachgemäß gearbeitet. Die Pumpenanlagen fnnrtioniecten ordnungsgemäh. Bei dem Ausbooten der Passagiere und der Besatzung wurden durch die Aufregung spanischer Zwischendeckspassagierc und mehrerer Mitglieder ter Besatzung einige Boote voreilig zu Wasser gelassen, von denen drei kenterten. Vach den bisherigen Feststellungen sind 15 Passagiere unovierMann der Besatzung ertrunken. Im übrigen vollzog sich das schwere Rettungswerk mit anzuertennender. Ordnung und Disziplin.
Schiffsuntergang. — Die Besatzung umgekommen ?
Stockholm, 18. Oft. (WTD.) Der hol- ländische Dampf ev „Cornelia" ist bei Grundhallen gestrandet und gesunken. Man vermutet, dah die Besatzung von 29 Mann umgekommen ist.
wd. Köln, 18. Oft Die große allgemeine karnevalistische Gesellschaft hat beschlossen, in der kommenden Saison keinerlei karnevalistische Beran st altun gen abzuhalten, da die breite Masse der Bevölkerung nicht in der Lage ist, sich mit dem Votwendigsten zu versehen. Weiter wurde beschlossen, den Kassenbestand der Gesellschaft dem Oberbürgermeister für die Armen der Stadt zur Verfügung zu stellen.
Siegen, 18. Oft. (WTB.) Amtlich. Heute vormittag wurde auf der Strecke Kreuztal— Ferndvrf auf einem unbewachten Wegübergange ein Lastauto von einem Personenzuge überfahren. Das Auto wurde vollständig
zertrümmert, bte Lokomotive unerheblich beschädigt. Der Kraft- und Wagenführer ist schwer, der Begleiter leicht verletzt.
Berlin, 18. Oft (WTB.) Bei der Abteilung für Brotversorgung des Berliner Magistrates sind auf eine Anzeige hin mehrere Personen festgenommen worden, die dringend verdächtig sind, sich der Mn treue, des Betruges oder der Beihilfe, Hehlerei und Kettenhandels schuldig gemacht zu haben.
* Berlin, 17. Oft. Die Stadtverordnetenversammlung hat heute den neuen Strahenbahn- tarir genehmigte. Vach diesem kostet jetzt die einfache Strahenbahnfahrt 20 Mk. Ein Mmsteigefahrschein wird 30 Mk. kosten.
Kirchliche Nachrichten.
3fr. Religionsgemeinde. Gottesd. L d. Lynag. (Südanl.). Samstag, 21. Oft Dorabd. 5,15, morg. 9, abds. 5,30 u. 6,10. — 3fr. Religionsgefellfchaft. Sabbatfeier 21. Oft. Freitag abd. 4J55, Samstag morgens 8,30, nachm. 3,30, Sabbataüsgang 6,10. Wochengottesdienst: morg. 6,30, abds. 5,00.
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Behördliche Anzeigen
Bekanntmachung.
Betr.:iDen Verkehr mit Kartoffeln.
Vach einer Verordnung des Hessischen Ministeriums vom 16. Oktober 1922 ist zur Sicherung des Bedarfs an Kartoffeln für die einheimische Bevölkerung auf Grund des Art. 48, Abs. 4 der deutschen Reichsverfaffung vom 11. August 1919 folgendes angeordnet worden:
1 Der Versand von Kartoffeln in Wengen von über 50 Ztr. nach Orten auherhalb deS DolkSstaates Heffen (einfchliehl. der preußischen Städte Frankfurt a. M, Fulda, Gelnhausen, Griesheim a. M., Hanau, Höchst a. M., Homburg v. d. H., Kreuznach, Wetzlar und Wiesbaden) darf in der Zeit 'vom 17. Oktober biS4. Aovember 1922 t nur auf Frachtbriefe erfolgen, die mit 1 demGenehmigungSvermerk desjenigen r KreisamtS versehen sind, in deffen Be
zirk die Versandstation liegt. Gegen , die Versagung des Genehmigungsver
merks ist Beschwerde an das Ministerium für Arbeit «und Wirtschaft (Abtlg. f. Ernährung und Landwirtsch.) zulässig; die Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung.
2. Die auf hessischem Gebiet erzeugten Kartoffeln dürfen in Mengen von über 50 Ztr. nur auf Stationen zum Versand gebracht werden, die in Heffen liegen; Ausnahmen können durch das für den Grzeugerort zuständige Kreisamt bewilligt werden.
3. Die auf Grund einer Bescheinigung der Reichsregierung für die Versorgung der saarländischen Bevölkerung bestimmten Kartoffeln sind ohne den nach 1 erforderlichen Genehmigungsvermerk zu befördern.
Zuwiderhandlungen gegen obige Bestimmungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe bis zu 100 000 Mk. oder mit einer dieser beiden Strafen bestraft. Kartoffeln, die ohne den vorgeschriebenen Genehmigungs- vermerk auf die Bahn aufgeliefert werden oder den Bestimmungen zuwider zum Der- sand gebracht werden sollen, sind durch das zuständige Kreisamt für verfallen zu erklären. Gegen die Verfallserklärung ist binnen einer Woche Beschwerde an das Ministerium für Arbeit und Wirt- chaft (Abtlg. f. Ernährung und Landwirtsch.) zulässig. Die Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung. 9397B
Gießen, den 18. Oktober 1922.
Der Oberbürgermeister. I. D.: l)r. Selb.
Bekanntmachung.
Die städt. Sandgruben unterhalb der Liebigshöhe und an der Rödger Straße werden oom 1. Vovember lfd. IS. bis auf weiteres geschloffen.
Vach diesem Zeitpunkt kann Sand nur nach vorheriger Anmeldung auf dem diess. Amt in den Gruben noch abgegeben werden.
Gießen, den 16. Oktober 1922.
Stadtbauamt. Braubach. n3l>gB
Mittwoch, den 25. Oktober d. IS., vormittags 101/, Mhr, wird in der Lehr'schen Gastwirtschaft zu Cichelsdorf der Lungsteinbruch im Vothcberg 2, Oberförsterei Eichelsdorf, öffentlich meistbietend versteigert.
Vähere Auskunft erteilt Herr Förster Schmitt zu Eichelsdorf und die unterzeichnete Stelle.
Gichelsdorf, den 16. Oktober 1922.
Hessische Oberförsterei Gichelsdorf.
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