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Der erste Kongreß für Erfindungswesen in Gießen. (@tg. Bericht deS Gieß. Anzeigers.)

G i e h e n, 16. Oft

Am Donnerstag nachmittag fand das Referat Von Dr. Bergmann über .Reue Wege elek­trischer Nachrichtenübermittelung auf Grund der Sntdechingen von Johnson jinb Rahbeck" be­sonders durch die zahlreichen überzeugenden Ex­perimente lebhaftes Interesse. Die Beziehungen -wischen wissenschastlicher Arbeit, ©ntbedung und Erfindung kamen zum klaren Ausdruck Das gleiche gilt für den Freitag früh von Dr. B e r g - mann gehaltenen Experimentalvortrag über .Die Anwendung von Elektronenröhren in der draht­losen Telegraphie". In der außerordentlichen Der- stärtung elektrischer Wellen durch die Elettronen- röhren, in deren Verwendung als Empfänger und Ausfender zeigte sich eine erstaunliche Kraft der Erfindung. Die vorgesührten Experimente ge­langen ausgezeichnet und gewährten einen vor­züglichen Einblick in dieses wunderbare Gebiet von Erfindungen.

Herr K lernt-Berlin hielt einen mehr theo­retischen Vortrag überAether-Theorie". Im physiologischen Institut sprach dann Dr. Feul« gen, mit zahlreichen hochinteressanten Experi­menten, überFarbenmischung", wobei sich für die Zuhörer viele 'Beziehungen zu praktischen Aufgaben km gewerblichen Leben, soweit es mit Farben zu tun hat, ergaben.

Freitag früh gab Geheimrat Sommer in der psychiatrischen Klinik sein Referat über .Psychologie und Psychopathologie der Erfinder und der Erfindungen". Der Redner ging von der Analyse der geistigen Vorgänge beim Erfinden aus, stellte die Untersuchung des mechanischen Sinnes durch eine Reihe von Methoden und Experimenten bar, erörterte sodann die Erfinder- ideen, die einerseits in der Gegenwart wurzeln, andererseits in die Zukunft deuten, so daß ein Doppelcharakter der Erfindungsidee vorliegt Hierin liegt zugleich für die Erfinder die llr- Hache zur tragischen Lebensführung, weil ihre auf die Zukunft gerichtete Idee mit der Gegen­wart zum Teil in Widerspruch steht, häufig von der Umgebung verkannt wird, so daß auch bahnbrechende Erfinder zunächst, wie z. D. Lilienthal und Zeppelin, als sonderbare Schwär­mer erscheinen, bis die erfolgreiche Durchführung der Idee ihnen Recht gibt. Geheimrat Sommer ging dann zu den praktischen Beziehungen der Erfindung zur Industrie und zu dem Bedürfnis der Zeit über, wies auf den meist vorhandenen Mangel an Geschäftssinn bei den typischen Er­findern hin und gab bann praktische Beispiele für die Psychologie und Psychopathologie der Erfinder und der Erfindungen. Aus Grund solcher Untersuchungen hat Sommer den Plan eines deutschen Erfindungsinstitutes ent­wickelt Der Kongreß bedeutet einen wesentlichen Fortschritt in der Richtung dieses Zieles.

Freitag nachmittag wurden entsprechend dem Programm die Probleme des Fliegens und der F l u g t e ch n i k erörtert Herr Dietrich- Mannheim gab eine Geschichte des Flug- prvblems feit Leonardo da Vinci, schilderte dann die Versuche und Studien der Brüder Otto und Gustav Lilienthal, sowie die weitere Entwicklung durch den Einbau von Motoren durch die Ameri­kaner Gebrüder Wright Er erörterte dann die statischen und dynamischen Einzelheiten des Flug­zeugbaues. Daraus stellte Baumeister Gustav L i l i e n t h a l aus Berlin, von dem 'Kongreß lebhaft begrübt, d e aerodynamischen Grundlagen deS Segelfluges der Vögel im Hinblick aus seinen Aussah in der .Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschiffahrt", Jahrgang 1913, bar. Er zeigte auf Grund zahlreicher Experimente, wie unter den Flügeln der Segelflieger Luftwirbel­bildungen Zustandekommen, die einerseits eine He­bung, andererseits eine Vorwärtsbewegung ent­gegen der Windrichtung bedingen. Diese Vorgänge beim echten Segelflug, die von dem leicht nach abwärts geneigten Gleitflug durchaus zu unterscheiden sind, sind bin wahres Wunder, der Ratur. Im Anschluß daran zeigte Geheim­rat Sommer mit Hilfe genauerer Präparation des ganzen Flugapparats eines Bussards, bab das Flugsegel, das bei den Segelfliegern zwischen Ober- und Unterarm ausgespannt ist, nicht nur ein fibröses Band, also nicht nur eine mecha­nisch wirkende Tragfläche ist, sondern daß das Flugsegel von 4 verschieden gelagerten Muskeln durchsetzt ist, mit Hilfe deren das Flugsegel in wechselnde Spannung verseht werden kann, wäh­rend Gelenkbewegungen bei dem eigentlichen Segelslug nicht erfolgen. Diese physiologische Tat­sache bildet die Ergänzung zu den aerodynami­schen Studien von Gustav Liliental. Das Flug­segel ist ein außerordentlich wichtiges physiolo­gisches Organ zur Anpassung an die leichtesten Veränderungen der Windströmung. Geheimrat Sommer wies im Anschluß daran auf die weiteren Aufgaben der experimentellen Physio­logie der Segelflieger hin und deutete die Folgen

feiner Auffassung für die Entwicklung bet motor­losen Flugkunst an.

Rach dieser höchst spannenden Sitzung, bet der die drei Vorträge sich auf das Genaueste ergänzten, fand abends im Hörsaal des physi­kalischen Instituts ein vom Reichsbund deutscher Technik Im Einvernehmen mit der Kongreß­leitung veranstalteter öffentlicher Vortrag von Gustav Lilienthal über den Segelfl u g der Vögel und die Rhönflieger statt, der sehr stark von Technikern und Ingenieuren, sowie von Raturwissenschaftlern und na tu rtoiffen- schaftlich Interessierten besucht war.

Bei dem Kongreß sprach noch Herr Sladt- Bureauinspektor Wolter- Kassel überWie­deraufbau und Erfindung", wobei er besonders die Einführung der Seidenraubenzucht vom tech­nischen, wirtschaftlichen und erfinderischen Stand­punkt behandelte.

Am Samstag früh sand zum Schluß eine Sitzung der Arbeit sgemeinscha ft deut­scher Erfinderschuhverbände statt. Es lag eine Anregung vor, di? Vereinigung durcy Hinzunahme anderer Organisationen zu erweitern. Die Versammlung beschloß, zunächst die Ar­beitsgemeinschaft durch Zusammenschluß aller ge­meinnützig arbeitender Erlinderschnhvereine aud- zubauen. Gleichzeitig erklärte sie sich zum Zu­sammenarbeiten mit anderen Verbänden bereit, soweit diese die gemeinnützigen Interessen des deutschen Erfindungswesens vertreten. Zum Schluß wurde eine Entschließung einstimmig an­genommen, in der das Reichsjustizamt gebeten wird, zu den Verhandlungen über patentrecht­liche Fragen einen Vertreter der Arbeitsgemein­schaft zuzuziehen.

Rachmittags sand eine Besichtigung der Zigarrenfabrik von Gg. Phil. Gall mit ausge­zeichneten Erläuterungen von Herrn Dr. jur. Gail, sowie der Gailschen Tonwerke unter Füh­rung durch Herrn Direktor Wagenschein statt. Die Besichtigungen boten den Anwesenden vom Standpunkt der Technik und Erfindung sehr viel Anregendes.

Damit schloß der eigentliche Kongreß mit all­gemeiner Anerkennung von Seiten der aus vielen Teilen Deutschlands in Gießen zusammengekom- menen Besucher.

Einen schönen Nachklang bildete eine abend­liche Wanderung durch den Schiffenberger Wald.

Im nächsten Jahre soll, toeim möglich, von der Arbeitsgemeinschaft eine Ausstellung von Erfindungen in Berlin veranstaltet werden. Eine Wiederholung des Kongresses ist für 19 2 4 in Gießen geplant.

Bnchevlisch.

Schülerwanderungen. Eine Ziel­weisung zur geistigen, künstlerischen und sittlichen Bereicherung auf Wanderfahrten. Don Studien­direktor Frih B r a t h e r. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.

Ludwig Anton-Drücken über den Weltenrau m". Verlag Georg Hvlz- warth, Bad Rothenfelde im Teutoburger Wälde. - Ein Zukunftsroman, der mit reicher Phantasie Möglichkeiten in der Entwicklung der Technik voraussieht, ist dieses Werk, dem eine spannende Handlung zugrunde gelegt ist.

Handel.

Frankfurt a. M., 18. Oft. Börsen- stimmungsbild. Dollarkurs im Frühver­kehr 2850, im Verlaufe 2875. Arn Devisenmarkt war im Bormittagsverkehr Devise Neuhork gefragter, sonst blieb das Geschäft ruhig. Die Effektenbörse verkehrte in fester Grundstim­mung. Llnregelmäßig gestaltete sich die Hal­tung der Montanpapiere. Es stellten sich ver­schiedene Abschwächungen ein. Am Markte der chemischen Werte ließ das Interesse für Ani­linwerte etwas nach. Erneute Nachfrage machte sich für Berliner Handelsgesellschaft geltend. A. E. G. büßten zirka 100 Prozent ein. Für Zuckeraktien hielt das lebhafte Interesse unvermindert an. Gebr. Fahr hatten regeres Geschäft. Die Amsatztätigkeit in Auslands­papieren hat nachgelassen. Türkenwerte setz­ten niedriger ein. Am Einheitsmarkt war die Haltung fest. Der Dollar wurde gegen 1 Uhr 2875 genannt

Berlin, 18. Oktober. Börsen st im­mun g Sb ild. In der seit einigen Tagen an­haltenden strammen Auswärtsbewegung der Kurse ist heute eine Berlangsamung, und für eine größere Anzahl besonders stark gestiege­ner Papiere ein Rückschlag eingetreten. Die Spekulation nahm anscheinend im Zusammen­hang mit den über die Neuordnung des Re­parationsproblems vorliegenden Nachrichten hierin umfangreiche Glattstellungen vor, so daß die Kurse um 100300 Prozent und dar­über, für Oberschl. Kokswerke 450 Prozent, Stöhr 375 Proz., Rheinische Braunkohle 700

Prozent Hösch 800 Proz., Felten u. Duille- aume um 900 Proz. sich senkten. Das Inter­esse wandte sich mehr den bisher vernachlässig­ten Nebenwerten zu, die Steigerungen von 50 bis 200 Prozent und vereinzelt von 300 Proz. erzielten. Stärker stiegen Eisenbahnverkehrs- mittel (um 600 Prozent), Harpener zeitweise um 1600 Proz. Das Geschäft hat von seiner Lebhafttgkeit noch nicht viel eingebüßt, so daß zur Aufarbeitung der großen Rückstände von dem Börsenvorstand die Einlegung eines Ruhetages für den Effektenverkehr für morgen beschlossen wurde. Die Realisationsneigung wurde später allgemeiner, so daß die heute er­zielten neuen Kurssteigerungen nicht überall voll aufrecht erhalten werden konnten.

Berlin, 18. Oft. (WTD.) Morgen (Donnerstag) fällt der Börsenverkehr für Effekten aus. Es werden nur Devisen und Noten notiert Der Produktenmarkt findet tote gewöhnlich statt.

Börsenkurs«.

Frankfurt a. M. Berlin Schlub- Si-luh» Schlich. Schlich.

Kurs fturt Äurs Kur» Datum: 17.10. 18.10. 17.10. 18.10 v'/,Dtfch. RetchSanlethe 77,50 77,50 77,50 77,50 4°/0 Dergleichen 285, 235, 230, 235, B/A Terfllcictien 130, 137, 13K 135, 3°/o Dergleichen 570, 580, 585, 580, Dtfch.Spar-i-iräm.-Anl 80,25 80450 81,- 81,25 4°/> Preußische Stonfoie 88,- 88,- 89,25 92,75

3*///0 Hessen» W,>, 3'/tf Hessen......... 62.10 62.- 61- 62,80

47» Holltürken 4175,- 4500,- 4000,- 4400,- 57o Goldmexikaner36700, 37500, Berliner HandelSgef . 2250, 320Ü 2400, 3000, Commerz u. Privatbk. 380, 899. 400, 410, Darmü.n.Nauonalbank 370, 390. 370, 397, Deutsche Bank 1025, 1100, 990, 1074,- Deulsche Vereinsbank. 219, 225,,, DiScomo Commandir . 610, 630, 600, 720, MeiaUbank 2400- 2100,- -,- -,- Milteldeui. Kreditbank 380, 405, 400, 415, Cefterr. Credilanstalt. 470, 500, 475, 48L - Bochumer Guß 4500, 4300, 4450, 4500, BuderuS..........2400,- 2380,- 2500,- 2275.-

Caro 2200,- 1975,- 2050, 1925,- Deuisch-Luremburg. . . 4600, 4450, 4500, 4400, GelsenkirchenerBergw. 4700, 4675, 4750, 4660, Harvener Bergbau. . . 8100, 5*900, //00,, Kaliwerk ölschcröleben. 2600, 2700, 2775. 3000, Kaliwerk Westeregeln . 3700, 3600, 3800, 3700, Vninabülte 4950, 4670, 4550, 4395, Lberbedari 2375. 2375,- 2225,- 2240,- Pl.önir Bergbau 5600,- 5550,- ü4O5,- 5150,- RheinstaM 5100,- 4900,- 5000,- 4950,- Mhebcd Montan .... 5290,- 5075,- 4960,- 5000,- Tellus Bergbau 1495, 1450,,, r amburlvAmer. Paket 1190,- 1230,- 1300- 1170,- Norddeulscher Vloub. . 725, 820, 750, HementiverkHeidelberg 2000, 199Ü,, ^Shiltvp Holzmann . . . 1050, 1115, 110Ü 1350, Anglo-Cont.'Guano. . . 6200, 6300, 6395, 5*110 Badische Anilin 3150,- 3100,- 2900,- 3200,- GMdfchmtdl 3160,- 2910,- 3006, 2800. Griec-beimer. Electron. 23)0, 2350, 2500, 2400, Höchster Farbwerke . 2325, 2500, 2650, 2300, Hvlzoerkoblung 1725, 1600,,--

Nütgerswerke 1890,- 1880,- 1850,- 1875,- Lcheideannalt 2770, 2500.,, ANg. ElektrizttätS-Ges. 1580,- 1410,- 1600,- 1360,- Bergmann 1300,- 1:400,- 1300, 1225,- Schtickert 2700, 2425, 2550, , Diemens & HalSke. . 3950,, 3650,- 3500,- Adlerwerke Kleyer. . . 600, 800, 640, 900, Daimler Motoren. . . . 720. 800, 730, , Heyliaenstaedt 1240, 1480,,, Megutn 2800,- 2400,- -,- 2250,- Metallges. Frankfurt. 2900,- 2925.- -,- -,- Dchuhsabrik Herz.... 657, 700,,, Tichel............ 725,- -,- -,-

Zellstoff Waldhof .... 1525.- 1550,- 1700k- 1500,- Zuckerfabr. Frankenthal 1500, 2oOO,,, Zuckerfabrik Wag äufel 1400,- 2000,- -,- -,-

Frankfurter Devisenmarkt.

(Telegraphische Auszahlung.) Amtliche vlotiemngen.

Datum. 17. Oktober 18. Oktober

Geld Brief Geld Brief

Antw.-Brüstel . 19880,- 19920,- 20079,90 20120.10 Holland 11138,8,50111611,501121)78,20112912^0 Vonbon 12712,20 12737,80 12837,10 128iLu0 Paris 21553,40 215t»6,60 21565,90 21609,10 Schweiz 52947 - 53053,- 53146,80 LW3.20 Spanien 43tk56,30 4374:3,70 44155,80 44244,20 Italien 12050,40 12074,60 12212,70 12237^30

Lissabon-Oporto,,,,

Dänemark .... 56943,- 57057 - 57942, 58058,

Norwegen .... 52447,50 52552.50 52947,- 53053,

Schweden .... 76623L0 76776,70 77822,60 77477,40

HelstngiorS. . . .,,,,

Neuvork 2872,10 2877.90 2889,60 2895,40

Deulsch-Oesterr. 3.90 3,98 3,98 4,06

Budapest 110,89 11LU 110,88 111.12

Prag 937H10 9390,90 9415,50 9434,50

Sofia,,,,

Märkte.

Berliner Produktenmarkt.

Berlin, 18. Oft. Im Produttenverkehr kam schon gestern abend eine feste Tendenz zum Durch­

bruch unb beute fand diese bet durchaus unge­nügendem Inlands angebot und infolge der schar­fen amerikanischen Preissteigerung für Weizen und MaiS ihre Fortsetzung. Für Weizen wurden in den Provinzen noch höhere Preise gezahlt alS hier. Roggen loar lebhaft zur Umlage gefragt Die amerikanischen PreiSsorderungen wirkten gleichfalls preiserhöhend. Die Nachfrage nach Gerste und Hafer konnte nicht befriedigt werden. Mais zog kräftig im Preise an auf steigende AuS- landssorderungen. Mehl hatte bei ruhigem Ge­schäft eine feste Tendenz. Kleie und sonstige Futtermittel waren für spatere Lieferung begehrt, in naher Ware aber angeboten. Weizen, mär­kischen 67006900 Mk., mecklenburgischen 6700 bis 6800 Mk. (fest), Roggen, märkischen 6100 bis 6200 Mk., pommerfchen 61006200 Mk. (fest). Sommergerste 67506850 Mk. (fest), Wintergerste 6700-6800 Mk., Hafer, märkischen 62006350 Mark (fest), Mais, loco Berlin 65006550 Mk (fest), Weizenmehl (100 Kg.) 17 800-19 000 Mk. (sehr fest), Roggenmehl (100 Kg.) 16 00016 800 Mark (sehr fest), Weizenkleie 3200-3300 Mk. (behauptet), Roggenkleie 33003350 Mk. (fest), Raps 73307500 Mk. (behauptet), Diktoriaerbfen 10 00010 650 Mk., kleine Erbsen 90009500 01».. Lupinen, blau 3500-4000 Mk., gelb 4500 Mk., Rapskuchen 35003700 Mk., Trvckenschnihel 2900 bis 3000 Mk. Rauhfutter: Weizen- und Roggen­stroh, drahtgeb. 13501425 Mk., Haferstroh, drahtgepreht 13501425 Mk., Sttoh, strohfeil­gebündelt 13501425 Mk., Wiesen Heu, gut, ge­sund und trocken, Dormahd 820850 Mk., Rach- mahd 720-820 Mk.

Frankfurter Getreidebörse.

fpd. Frankfurt a. M., 18. Oft. Lek fester Geschäftslage und steigenden Preisen für Mehl wurden bezahlt für je 100 Kilo: Weizen Mk. 13 00013 300, Roggen Mk. 12 300 bis 12 500, Gerste Mk. 13 500-14 000, Hafer Mark 13 50014 000, Weizenmehl, südd., Mark 2020021 800, Roggenmehl Mk. 16000 bis 17 000, Kleie Mk. 62006500, Mais (Mixed) Mk. 12 00012 500.

22. Südwestdeutsche Zentral-Häuteauktion.

Die am 17. d. Mts. in Mainz stattgehabte 22. Südwestdeutsche Zentralhäuteauktion war mit rund 10 000 Großviehhäuten, 2000 Kalbfellen und 4000 Hammelfellen beschickt. Die Tendenz bei der Versteigerung war äußerst fest. Die Preise fliegen der Geltentwertung entsprechend und über­trafen diejenigen der letzten Frankfurter Auktion.

(In einem Teil der Auflage wiederholt.)

Am die Stabilisierung der Mark.

Paris, 18. Oft. (WTB.) DieChicago Tribüne" behauptet, daß Pierpvnt Mor­gan als amerikanisches Mitglied einer ge­planten neuen Kommission zwecks Stabilisie­rung der Mark auftreten werde. Die neue Kommission sei der Kern des Bradburhschen Projektes. In englischen Kreisen der Repa­rationskommission habe man gestern bereits versichert, daß Morgan die inoffizielle Ber- sicherung gegeben habe, er werde der Auf­forderung nachkommen, wenn es von allen Be­teiligten der Alliierten in freundschaftlichem Einvernehmen gewünscht werde. Bradbury be­absichtigt, nach dem Blatte die Mark auf 750 für einen Dollar zu stabilisie­ren, während er noch vor einigen Wochen sich mit dem Plane getragen habe, die Stabili­sierung auf 500 vorzunehmen. Ein weiterer Aufschub werde möglicherweise dazu zwingen, für die Stabilisierung 1000 pro Dollar fest­zusetzen.

Rücktritt Pasttsch'S?

Paris, 18. Oft. (WTB.) Nach einer Meldung desMattn" aus Belgrad erklärte Ministerpräsident P a s i t s ch, daß er nach dem 24. Oktober, dem Erinnerungstage an die Schlacht von Kumanovo, demissionieren werde.

Eine englische Note

an die italienische Regierung.

London, 18. Oft. (WTB.) Die brittsche Regierung hat gestern eine Note an die italie­nische Regierung gerichtet über die Kündi­gung des 12-Insel-AbkommenS,in 5er gegen diese Kündigung Einspruch erhoben wird, da eS sich um eine internationale Frage handele, die nur durch die Friedenskonferenz in Angriff genommen werden könne. Die Auf­fassung der italienischen Regierung geht da- hin, daß das Abkommen von 1920 eine Folge des Vertrages von S e d r e S war und daß, da dieser nicht mehr existiert, das Abkommen zwischen Griechenland und Italien von selbst hinfällig geworden fei. Die italienische Regie­rung müsse mit freien Händen zur Friedens­konferenz kommen.

Die Herweghs.

Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesbet Dill.

18. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Solche Männer eignen sich nicht zur Ehe," sagte Liane.

Wieso?" fragte Grete

Und sie erfuhr, daß es viele Arten der Erotik gibt, daß jedes Land, jede Menschenrasse ihre eigene besaß und ausübte, daß die der Germanen so verschieden mar von der der romanischen Völ­ker, wie die der Australneger sich von der Erotik der Inder unterschied. Daß jebe Ration und Rasse ihre eigenen Schönheitsideale besah, und welche Anziehungskraft exotische Männer, wie Reger, Araber, Abessinier, Marokkaner. Inder. Japaner und andere, auf weiße Frauen aus­übten . . . Sie hörte von seltsamen Liebes­affären zwischen diesen ungleichen Paaren, von romantische Entführungen urtb tollen Aben­teuern. Das Eigenartige und Pikante der fremden Rassen wirkte wie ein Fetisch auf weihe Frauen. Es war die Physiognomie, die Hautfarbe, der Geruch die Tätowierung, der Schmuck, die fremd- klingende Sprache dieser wilden Menschen, die faszinierte und berauschte. Dagegen hatten cvieder weiße Männer ein Faible für Mulattinnen and Kreolinnen. Schon die Schwarzen, die Ravoleon von seiner Aegyptischrn Expedition mitgebracht, sanden grohen Zuspruch von Männern und Frauen . . .

In Amerika spielte das coloured girl eine stark anziehende Rolle für den Durkee, und die

stolzesten Amerikanerinnen verschenkten zuweilen Gunst an männliche Riggers . . .

Grete lausch e mit verhaltenem Atem. Rie hatte ihr jemand dergleichen erzählt. Ernst wies alle Versuche, von erotischen Dingen zu sprechen, energisch von sich, als seien sie etwas Anreines. And sie waren doch da. Man konnte doch da­gegen die Augen nicht verschließen . . . Liane berührte diese Dinge wie etwas Alltägliches, das sich unter ihren Augen abspielte.

Die Gräfin, der man so viele Abenteuer nachsagte, war eigentlich eine kühl reservierte Natur, der Typus einer femme de glace, deren natürliche Zurückhaltung gerade auf die Männer einen großen Reiz ausübte, und sie war innerlich ihrem crflen Geliebten treu geblieben.

Eie traf ihn jedes Frühjahr an der Riviera, tov der Großfürst hinkam, um zu spielen. Rächstes Jahr begleitete sie ßianc dorthin.

»Ja,, du bist zu beneiden. Liane."

»Wieso? Ich finde das absolut nicht," meinte Giane, »und eine junge Frau sollte das eigentlich von niemand sagen."

Rein, so meinte ich es auch nicht, Liane, aber meine Freundinnen hier sind so ganz anders, es sind alltägliche Raturen und haben für nichts Irrteresse."

Warum hast du sie dir denn ausgesucht?" sagte Liane und goß zum zweitenmal Tee auf.

Dach fünf llhr tarn Ernst herauf und bekam seinen Tee. Es war schon dämmerig, aber Liane wollte kein anderes Licht als das des Kamins und den Widerschein ber zuckenden gelben Flamme auf dem weißen Bärenfell, auf Dem sie hinge­gossen lag.Du Bnntefi uns mal wieder etwas oeflamieren/ bat Ernst. Rach seiner trockenen

Attenwirtschaft tat ihm so etwas not Liane hatte den rotblonden Kopf mit dem schweren Gelock in die feine Hand gestützt, an der die blitzenden Armreife funkelten, und schaute sinnend in die Flammen. Dann begann sie langsam mit ihrer Weichen, gedämpften, dunklen Stimme: Wie rafft' ich mich auf in der Nacht, in der Nacht, und fühle mich fürder gezogen,

Die Gassen verlieh ich vom Wächter bewacht, durchwandelte sacht in der Nacht, in der Nacht Das Tor mit Dem gotischen Dogen . . .

Ernst hatte die Stirn in die Hände gelegt und die Augen geschlossen.

Liane betrachtete ihn, während sie sprach . . . O wehe, wie hast du die Tage verbracht, Nun stille du sacht in der Nach, in der Nacht 3m pochenden Herzen die Reue."

Von wem war das, Liane?" fuhr er auf.

Von Platen ..." x

Ah, von dem also . . . Sag es noch ein­mal, bat er,es war so schön . . .

Ich spreche ein Gedicht nicht zweimal hinter­einander," sagte Liane.

Nun, dann mir den letzten VerS . . ." llnd sie wiederhotte ihn, während sie ihren Bruder beobachtete . . . Irgend etwas tarn ihr verändert an ihm vor.Wenn das du so sagst, Liane, könnte man wirklich glauben, du habest schon etwas durchgemacht."

Liane schwieg und spielte mit ihren Arm­reifen . . .

Eie besaß eine Menge dieser feinen, blitzen­den Reifen, mit Diamanten besetzt, von denen ihre Muller glaubte, daß esausgezeichnete Nach­ahmungen" seien.

Als ßiane heimging, waren ihre Gedanken bei dem Bruder. Ich weiß nicht warum, dachte sie, aber mir ist, als bereite sich mit Ernst etwas vor . . .

Am nächsten Mittag, Herwegh Halle gerade sein Bureau geschlossen, erschien der Kammer­diener der Fürstin Rasumichin, die in denVier Jahreszeiten" wohnte, bei ihm und brachte eine schwere eiserne Kassette, die den Familienschmuck der Fürstin enthielt. Diese war im Begriffe, nach dem Kaukasus zu reifen, Weihnachten wollte sie wieder zurück fein. So lange sollte der Schmuck hierbleiben. Da es schon spät war und Dantelmann den Stahlschrank geschlossen hatte, nahm Ernst den Diener mit hinauf, um ihm die Quittung auszustellen.

Während er den Inhalt der Kassette im Salon mit dem Manne aufnahm, tarn Grete herein.Gott, so komm doch endlich," sagte sie ungeduldig.Immer wenn wir Fisch haben, hast du solche Geschichten," und sie machte sich ärger­lich an dem Blumentisch zu schaffen, ohne den Kammerdiener eines Blickes zu würdigen.

Was war es denn wieder?" forschte sie, als die Suppe endlich aufgetragen werden konnte und sie sich im Speisezimmer gegenüberfaben.

-Ach, nichts, es hat mir nur eine Same ihren Schmuck zur Aufbewahrung übergeben."

Warum spracht ihr denn französisch?"

Weil der Diener kein Deutsch kann und ich kein Russisch," sagte Ernst. Er hatte die Kassette neben sich auf einen Stuhl gestellt.

(Fortfehung folgt)