Ausgabe 
19.8.1922
 
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Nr. m

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Samstag, <9. August 1922

172. Jahrgang

General-Anzeiger für Gberheßen

vruS and Verlag: vrühl'fche Univ.-Vnch- und Stetnörutferei K Lange. Schrtftleitung, Seschaftsftelle und Druckerei: Schulfttaße 7.

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WochenrüürbNÄ.

Wir hatten auf die Londoner Konferenz keine Hoffnungen gesetzt, weil wir wieder ein im Hali bares Kompromiß, neue, lästige Fesseln fürchteten. And nun sind die Beherrscher Eu­ropas auseinandergegangen, ohne eine Eini­gung gefunden zu haben. Sollen wir Genug- 'tuung darüber empfinden, zuversichtlicher in /die Zukunft blicken? Der Zankapfel, um den / Lloyd George und Pvincar6 sich stritten, ist einstweilen in die Müllgrube geworfen worden. DaS englische Kabinett hat den Zugriffen des Franzosen diesmal nicht zugestimmt. DaS ist uns wahrlich eine Erlösung, ein ttöstender An­blick. Die Haßpvlitik des westlichen Nachbarn jft gründlich isoliert. Aber was hilft uns dies, was nützen uns, da wir wehrlos und schwach am Boden liegen, die Sympathien der Welt? Herr Poincars greift zur Aährung seiner Polittk in die Müllgrube zurück. Diese Hand­bewegung hat uns unsere Valuta weiterhin ruiniert. Sie hat eine ängstliche und beängsti­gende Meinungsäußerung des Reichskanzlers Dr. Wirth zur Folge gehabt, der dunkle Schat­ten an die Zukunftswand malte, womit er vielleicht mehr das eigne Volk als die außen- liegende Welt schreckt. Vorher wurde, recht­zeitig zum 15. August, der angekündigte Teil der Ausgleichsschuld im Dettage von 500 000 Millionen Mark gezahlt, also das letzte Er- füllungSei gelegt, ebenfalls ein Angstprodukt, daS schwerlich jemanden zu Erwartungen auf aünstige Folgen anregen wird. Rein, der Lon­doner Bruch, den wir allerdings für weniger schlimm halten möchten als irgend ein faules Kompromiß, öffnet noch kein Fensterlein einer besseren Aussicht. Herr Pvincare ist noch nicht recht entschlossen, die Kraftbeweise seiner zu- rückgewonnenen Handlungsfreiheit sogleich abzulegen. Vielleicht liegen die Brutuswvrte vor ihm, die das Wägen und Wagen ihm nicht ganz einfach machen:Dis zur Vollführung einer Schreckenstat vom ersten Vorsatz ist die Zwischenzeit wie ein Phantom, ein grauen­hafter Traum." TinS gibt diese Zwischenzeit ebenfalls nur quälende Träume. 3n der Repa- rattonskommission, die jetzt über das deutsche Moratoriumsgesuch das letzte Wort zu spre­chen hat, geht vorläufig noch der Vermitt­lungsgedanke um; PoincarL gibt ihm Nah­rung, freilich nur im Sinne der Sankttons­politik. So erleben wir vielleicht noch einmal das Spiel der Kompromisse für kurze Zeit. Denn der Zweck des Aufschubs wäre, nach den letzten Nachrichten, das Lossteuern auf eine neue große Konferenz, in der die interalliier­ten Ähulden und die ReparationSfrage be­handelt werden sollten. Es wäre zweifellos gut, wenn in diesem Plane die Vernunft schließlich siegte. Aber Frankreich will uner­füllbare Riesensummen, und so lange es keine Vernunft annimmt, werden Amerika und Eng­land daS erforderliche Entgegenkommen in der Stteichung der Schulden nicht zeigen. Die Kompromihluft hat keinen Halm gedeihen lassen. Möglich, daß nach einigen Wochen kalter, gefährlicher Konfliktluft Frankreich zu kühlerer Tieberlegung gebracht werden kann. Die Dinge könnten aber auch in einen rascheren Lauf getrieben werden, falls Frankreich in der Reparativnskommission überstimmt und der französische Ministerpräsident sich gedrängt und getrieben fühlen wird, seine Androhungen auszufuhren. Wer vermag also zu prophe­zeien, was die nächste Zukunft bringen wird?

Lloyd George hat sich seit einigen Tagen in ein spannungsvolles Schweigen ge­hüllt. Sein französischer Gegenspieler hat in­zwischen eine Fanfarenrede gehalten, in der er jene schroffen Anschuldigungen gegen Deutsch­land vorbrachte, die der Reichskanzler in seinen gestern veröffentlichten Erklärungen als Vorwände und als durchaus unwahr bezeich­nete. Geht die Entente in die Brüche? Man farat vielleicht besser sagen: sie löst sich lang­sam auf. Lloyd George scheint mit Worten zurückhalten zu wollen bis irgendwelche Taten geschehen sind. Eine umwälzende Aenderung der englischen Polittk ist für die nächste Zeit schwerlich zu erwarten. Die englischen Müh­len werden langsam mahlen. Denn das Insel- reich wäre im Falle eines offenen Konfliktes mit Frankreich auf dem Luft- und Wasserweg ernsten Gefahren ausgesetzt. Aber die Stim- mung des englischen Volkes ist doch unzwei­deutig in der letzten Zeit zum Ausdruck ge­kommen. Poincars endigte seine letzte Rede damit, daß er sagte, es sei besser, daß man sich in London getrennt habe als daß durch schlechte Kompromisse die gegenseittge Ab­neigung der beiden Völker vertteft worden sei Das klingt für die englisch-französischen Be­ziehungen nicht verheißungsvoll. Langsam, aber sicher, wird die Londoner Politik bei-. Kurs ändern. Auf irgend eine Weise muß de Versailler Vertrag geändert oder ersetzt wer­den; nimmt Poincars seine Handlungsfreiheit zurück, so nimmt Lloyd George dasselbe für sich in Anspruch, und wir werden dann sehen,

ob etwa der Völkerbund irgend eine mora-° lische Kraft erproben kann, um der Welt den so notwendigen Ftteden zu geben.

3n den letzten Stunden scheint der Leiter der französischen Politik, der eben erst Deutsch- ' iand so ungeheuerlich verdächtigt und ange- - schuldigt hatte, einen Versuch ins Werk gesetzt zu haben, der darauf hinaufläuft, Deutschland selbst, halb mit Drohungen, halb mit Zureden, zu neuen Opfern anPfändern" breitzuschla­gen. Man kann sich denken, mit welchen Ge­fühlen die deutsche Regierung jene Abord­nung des sogenannten Wiederherstellungs­ausschusses in Berlin empfangen wird, die den Auftrag erhalten hat, neueErkundigungen" einzuziehen. Der Dertteter Englands, Sir John Bradburh, befindet sich mit Frankreich noch Halbwegs im Einvernehmen und hat die Reise nach Berlin mitgemacht. Wir sind nun nicht gerade der Meinung, daß der Reichs­kanzler die Herren heißen soll zum Teufel zu gehen. Er kann sie über den Ernst unserer Lage informieren, kann sie Hinweisen auf all die Hochspannungen, die im Zusammenhang mit unserer Valuta-Verschlechterung eingetreten sind und noch eintreten werden. Mit einigem Ernste hat er bereits auswärtigen Pressever- tretern erklärt, die Regierung sei dafür ver­antwortlich, daß unser Volk nicht verhungere. Mit noch größerer Schärfe wird er den Herren vom Wiederherstellungsausschuh sagen müs­sen, daß schwarze Gefahren in unmittelbarem Anzuge sind, die alles unerquickliche Pfänder­spiel über den Haufen werfen werden. Hinter verschlossenen Türen kann man da viel deutlicher reden als vor den Ohren der großen Oeffentlichkeit. Dr. Wirth muß seiner­seits dringende Wünsche Vorbringen und Ga­rantien verlangen, und das brächte eine ebenso zeitgemäße wie angenehme Abwechstung in seine bishettge Polittk, in welcher er ein großes Maß von Wünschen und Garantien vorzugsweise deutschen Volksgenossen, Landerregierungen und politisch Anders­gerichteten, vorgelegt hatte. Was spielt der sachliche Inhalt der Auseinandersetzungen mit Bayern für eine Rolle gegenüber der ungeheuren Tragweite dessen, was uns die auswärtige PoliÄ in Paris und London vor­setzt! Die Koalitivnsparteien in Bayern haben an der Abmachung Lerchenfelds einige Ab­änderungen beantragt. Wir hoffen, daß von ihnen nicht neue innerpolitische Erschütterun­gen ausgehen werden. Besonders der Reichs­regierung wäre anzuraten, die tnnerpvlittschen Kampffeuer nach Möglichkeit zu verlöschen, denn sie ist nicht nur für Brot und leib­liche Nahrung des Volkes verantwortlich, son­dern guch für dessen inneren Frieden.

Delegierte der Reparations- Kommission in Berlin.

Paris, 18. Aug. (WTB.) Das offizielle Kommunique der Reparationskom- Mission über den heutigen Beschluß hat fol­genden Wortlaut: Rach einem Meinungsaus­tausch über die Sachlage sind die Mitglieder der Repavationskommission gestern zu einer Voll­sitzung zusammengetreten und haben Sir John Bradburh, das Kommissionsmitglied und Mau c le re, den Vorsitzenden des Garantie­komitees, ersucht, sich nach Berlin zu be­geben, um bei der deutschen Regierung be­sonders unentbehrliche Informationen einzu­ziehen.

Offiziös fügt Havas hinzu, in Begleitung Sir John Dradburhs und Maucleres reisten der stellvertretende Generalsekretär Dergerh und der Finanzsachverständige Belkin. Die Delegation be­nutzt morgen abend den Warschauer Zug. Sie wird sich nur einige Tage in Berlin auf halten und wahrscheinlich mit Finanz­minister Dr. Hermes und Staatssekretär Derg- mann Besprechungen haben. Der Zweck dieses Verfahrens ist, die Verhandlungen mit der deut­schen Regierung zu beschleunigen und der Repa­rationskommission einen einstimmigen Beschluß betreffend die Antwort auf das deutsche Mora­toriumsgesuch zu ermöglichen.

Paris, 19. Aug. (WTD.) Heber die be­vorstehenden Verhandlungen, die in B e r l i n zwi­schen der deutschen Regierung und der Dele­gation der Re Pa r a t ion s k o m m is sio n geführt werden, schreibt derPetit Parisien", be­vor die Reparationskommissivn eine endgültige Entscheidung fälle, wolle sie natürlich volle Er­kenntnis der Lage erlangen. Man forme sagen, daß die Hauptsorge der Delegation sei, nicht im voraus die allgemeine Diskussion zu kompromittieren, die für den Monat No­vember vorgesehen sei und das Problem der Reparationen mit dem der interalliier­ten Schulden verbinden solle. Diese Dis­kussion toürbe, wenn nicht unmöglich, so doch schwierig werden, wenn man nicht inner-halb der Reparationskommissivn zu einer einstimmig an­nehmbaren Entscheidung gelange. Die Abreise der Delegation nach Berlin bedeute kein^wegs, wie es im Vertrag 'heiße, die Deutschen in direkter Weise anzühören. Bradburh und Mauclere wür­den in Deutschland keine einfache Prozedur-For­malität erfüllen. Wenn die Reparationskommis­äon cs für nötig gefunden habe, die Deutschen zu hören, so geschehe es, um über die Möglich­

keit von Pfändern äu verhandeln. I Man könne also sagen, daß die Vertreter der ReparationSkommission in Berlin wirkliche Der- I Handlungen führen wollen. i

DerBlatin" bestätigt diese Meldung, inden I er sagt, man wolle die einfache Gewährung de. \ Moratoriums durch eine andere Lösung ersetze:: 1 und Zeit gewinnen dadurch, daß man -mit dem« Reichskanzler und den verantwortlichen Ministern verhandele. Die Reparationskommission wolle vermeiden, daß sich in der Moratoriums- fnage die Stimmen spalten, was In Wirk­lichkeit zu keiner Lösung führen würde, da 14 Tage später in der Debatte über die Verfehlungen sich dasselbe Stimmenverhältnis gegen die französisch. These wenden würde. Wenn man Deutsch­land dahin bringen werde, Pfänder vorzuschlagen, wäre das ein großer Erfolg von Str John Bradburh, und man würde hierdurch die wirkliche Debatte zurückstellen bis zur Reparattvnskonferenz, die zweifelsohne im Monat November in Brüssel stattfinden werde.

Auch dasEcho de Patts" bestätigt, daß man in Berlin produktive Pfänder finden wolle, die das Rttch geben könne und die die Pfänder ersetzen sollen, die der französische Ministerpräsident mit Beharrlichkeit verfochten habe, nämlich die Pfänder der Gruben und Wäl­der. Das Blatt spricht von mehreren Plänen.

Paris, 18. Aug. Havas meldet: Die Be­vollmächtigten der Reparationskommis­sion hielten gestern nachmittag eine halbamt­liche Zusammerckunft ab, um die Prüfung der auf den deutschen Moratoriumsantrag zu erteilenbcn Antwort zu beginnen. Ohne dem Problem auf den Grund zu gehen, faßten sie verschiedene grund­sätzliche Entschließungen, allerdings mir bedin­gungsweise. Die Bevollmächtigten sind alle mit dem gleichen guten Wollen sehr lebhaft bemüht, eine gemeinsame Lösung zu finden, der alle alli­ierten Regierungen zustimmen können. Zu diesem Zweck arbeiten sie im geheimen und bewahren strengstes Stillschweigen. Es ist nicht damit zu rechnen, daß die endgüllige Entscheidung vor Mitte nächster Woche fallen wird.

FranzösischeGeschästpolitik" zwischen Frankreich und Deutschland.

Paris, 18. Aug. (WTD.) Nachdem bereits seit einiger Zeit dieIournöe Industrielle" auf die Notwendigkeit hingewiesen hatte, ole Repara­tionsfrage mit Hilfe direkterdeulsch-fran- zösischer Abmachungen auf wirtschaft­lichem Gebiete zu regeln, wird dieses Thema heute von fast der gesamten Pariser Morgenpresse aus­genommen. Die qanz rechts stehendeLibre Parole" erllätt: Frankreich und Deutschland sind durch gemeinsame Interessen verbunden. Wir haben Kohlen. Ihr habt Erze. In Kali teilen wir uns. Derbinden wir unsere Arbeit und wir können die ganze Welt befrie­digen, die Wiederherstellung der verwüsteten Ge­biete und die Erholung der Besiegten gewähr­leisten.

DerG a u l o i s" hält es für möglich, daß die Reparattonskommission eine Hntersuchungs- kommission nach Berlin schickt, sv daß man also nicht vor einigen Tagen mit einer Antwort rech­nen könne. Daran knüpft das Blatt die Bemer­kung, daß durchaus noch nicht gesagt sei, daß nicht in der Zwischenzeit Zwischen Berlin und Paris unmittelbar Verhandlungen ausgenommen würden, wenn keine Verständigung erwartbar sei.

DerFigaro" schreibt, es sei sehr zu wün­schen, daß die Reparattonskommission zu einer klaren, der Oeffentlichkeit verständlichen Formel gelange, die keinerlei Zweideutigkeit, um nicht zu sagen keinerlei Doppelentente zulasse. D i e neue Wendung der französischen Po­litik gegenüber Deutschland zeichne sich in kühnen Hmnffen qb. Die öffentliche Mttnung sei von einem bis zum andern Ende darauf vorbereitet.

DieLa n ter ne" führt aus, Loucheur und Rathenau hätten sich in Wiesbaden verständigt, Demelmans und Bergmann über die Sachliefe­rungen für Belgien in Baden-Baden geeinigt Warum sollte man also im weiteren Verfolge dieser Idee es nicht fertig bringen, eine Ge° schäf tspolitik zwischen Frankreich und Deutschland in die Wege zu leiten? Es heiße, daß dies die Ansicht von Stinnes sei. Dann wäre auch er einmal von keinem üblen Gedanken geleitet.

DasOeuvre" schreibt: Die Instruktionen, die' die englische Regierung ihrem Vettreter in der Reparattonskommission gegeben hat läßt keine Hoffnung mehr zu, daß wir solidarisch mit den Engländern handeln können. Er bleibt uns also keine Wahl. Wir müssen versuchen, uns direkt mit Deutschland zu verständigen.

Dr. Hermes' Hochschätzung in Paris.

Paris, 18. Aug. Nach demMattn" haben sich die Mitglieder der Reparationskommission bei der Erörterung der Frage, ob man vor einer Entscheidung über das Moratorium Vertreter der deutschen Regierung hören soll, wie etwa die Staatssekretäre Dr. Fischer oder Bergmann oder den Reichsfinanzminister, daran er= innert, daß die Verhandlungen mit Dr. H e r m e s einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen hätten und daß es ihnen durch ihn möglich gewesen sei. die Bedingungen des ersten Moratoriums zu ! regeln.

Keine Demission Sir John Bradburhs.

Paris, 18. Aug. DerenglischeDele- g i e r t e in Der Reparattonskommission, Sir John I Bradburh, hat der Ha v a s ° Ag e n t u r gegenüber erklärt, daß er zwar vor einiger Zeit den Wunsch geäußert habe, sobald die Um«

stände es gestatteten, sein Amt aufzugeben, dc indessen die englische Regierung diesen Zeitpunkt damals nicht für opportun göhilten habe, sei er gewillt, den Posten bis zum 30. November, viel» < :icht auch darüber hinaus, beizubehalten. So» .ange er das Vertrauen der englischen Regierung dabe, konnten ihn Meinungsverschieden. beiten mit seinen Kollegen in der Rcpara- tionskommission zu keinem Rücktritt be- wegen.

Die englische Antwortnote über die Ausgleichszahlungen.

Berlin, 18. Aug. (WB.) Die britische Regierung hat der deutschen Botschaft in London am 17. 8. folgende gemeinsame Ant­wort der Alliierten auf die deutsche Note vom 14. 7. mitgeteilt:

Hinsichtlich der Barzahlungen, die von Deutschland auf Grund der Abschnitte 3 und 4 der wirtschaftlichen Bestimmungen geschuldet wer­den beabsichtigen die alliierten Regierungen, die Zahlung von 2 Millionen Pfund, die am 15. 8. geschuldet wurden, binnen 4 Wochen von diesem Tage an zu fordern. Vsn diesem Tage an beabsichtigen sie, das Abkommen vom 10. Juni 1921 zu kündigen und Schtttte zu tun, um ein­zeln mit der deutschen Regierung Ab­machungen über die Regelung aller Salden zu treffen, die ihnen aus Grund der wittschaftlichen Bestimmungen geschuldet werden. Diese Ab­machungen sollen der Reparationskommission zur Einverständniserklärung unterbreitet werden.

Anmerkung des W o 1 f s b u r ea u s. Aus der Note ergibt sich, daß auf dem Gebiete der Ausgleichszahlungen usw. weitere Barzahlun­gen von der deutschen Regierung bis Mitte September nicht gefordert werden.

Ein englisches Weihbüch.

London, 18. Aug. (WTB.) Heute tourbä hier ein Weißbuch veröffentlicht, das über die Vorbesprechungen zur Genueser Konferenz be- ttchtet. Es enthält Oie zwischen der britischen und der französischen Regierung gewechselte Korre­spondenz.

Deutschland und Italien.

London, 18. Aug. (WTD.)Daily $ele* graph" meldet aus Mailand, in politischen Kreisen in Rom werde mitgeteilt, daß der italienische Finanzminister Paratore, der soeben in Lon­don gewesen sei, sich nächsten Monat In einer Sondermissivn nach Berlin begeber werde, um direkt gewisse finanzielle Fragen zwi­schen der deutschen und .italienischen Regierung zu regeln. Es werde hinzugefügt, daß dies das Ergebnis seines Aufenthaltes in London sei.

Zentralasien.

Teheran, 18 .Ang. (WTB.) Aut Ducharan wird gemeldet, daß die Unab- abhängigkeit von Zentralasien prokla- mtert wvrden ist. Die provisorische Regierung habe von der persischen Regierung die offi­zielle Anerkennung ihrer Anabhängigkeit und die Zulassung einer Gesandtschaft in Persien gefordert. Der Vettreter Ducharans werde voraussichtlich im Laufe dieser Woche in Teheran eintreffen.

Zur Ermordung Dschemal Paschas.

Paris, 18. Aug. (WTB.) Havas meldet aus Baku: Dor dem Schwurgettcht von Baku begann der Prozeß gegen 180 Personen, die wegen Betelligung an der Ermordung Dschemal Paschas angeklagt sind. Bei einem Armenier namens Taschnak seien eine Anzahl Briefe beschlagnahmt worden, die er­gaben, daß die Ermordung Dschemal Paschas bereits vor dessen Ankunft in Paris beschlos­sen wvrden war. DaS Verbrechen sollte erst in Patts, dann in Berlin begangen werden. Es sei tttcht bekannt, aus welchen Gründen das Komitee seine Absicht geändert und be­schlossen habe, Dschemal bei seinem Aufenthalt in Tiflis töten zu lassen. Die Angeklagten leugnen jede Schuld.

Ehemalige deutsche Soldaten der Sklaverei entsloheu.

Paris, 18. Aug. (WTB.) Havas meldet aus Las Palmas: Neun Deutsche, die von Kap I u b y kamen, sind heute hier gelandet. Sie erklärten, sie seien ehemalige deutsche Soldaten, die in der Türkei von den Franzosen gefangen genommen worden seien. Sie seien in Algerien i n - terniert gewesen, nach dem Inneren Ma­rokkos gebracht und von den Eingeborenen gefangen genommen worden, die sie an beiv spanischen Kommandanten des Postens von ' Iuby verkauft hätten. Sie erklärten, daß sich -och wettere Deutsche in der Gefangenschaft derselben Stämme befänden.

Heutiger Stand des Dollars

10 Ahr vormittags:

Berlin 1260. Frankfurt a. W. 1225123