Ausgabe 
19.7.1922
 
Einzelbild herunterladen

eine

f d>tt> er e

iCtt

Das Bedenklichste und Unglaublichste aber an diesem Tage war das Fehlen des polizei­liche n Schuhes. 2 Stunden lang formte der 2lKg. DingeldÄ) durch die Straßen geschleift wer- den. 2 Stunden konnte geplündert und zerstört werden. Die Erklärung des Herrn Finanzministers in dieser Richtung ist durchaus ungenü­gend. Dem Leiter der Polizei gegenüber wurde ein Beschluß des Gesamtministeriums geltend ge­macht. Ein solcher Beschluß lag nicht vor. Das hat auch der Herr Finanzminister heute zugegeben. Der be't"-"^«x»

SMoaro zu treffen, gerade ihre Sy3hfer zu fin- i>en uatö ji zerstören. Hinz-ttommt, bofc die Ra- men dieser Beiden in Augenblicken höch- cher Erregung der Massen von einem RednerinBerdindungimitHelfserich usw. genannt w irden. Das ist angchraer wichtig. Entweder geschah dieser d&emeflzoufr if absichtlich oder der Redner war ein sehr schlechter Psychologe, er hatte keine Ahnung von der Psy­chologie der Massen.

Wettervoraussage für Donnerstag:

'Wolkig, trocken, etwas wärmer, Westwind.

DaS Ties über der Ostsee sich verflacht, der hohe Druck von Frankreich her zugemmuMn. Die Witterung wird sich allmählich bessern.

Ans St&M iinv ßmü).

Greß en, den 19. 3uli 1922.

Verai dcro»g rm Kreistage.

Herr Kaufmann. Karl Seibel aus

wurde, ist vie! Mjarrer von anderen '.Blättern, namentlich der Rechten, geübt worben. (Redner berliefl hierzu zahlreiche Presseäutzera»qgen und verteidigt besonders Dr. Strecker.)

. Redner kommt dann auf die DartnstLdter Hvischenfälle zu sprechen. Es sei durchaus anzu- erkennen, tote scharf der Redner der Deuts^hnatio- nalen hier Len Word an Rathenau verdammnt und Rathetrau selbst Gerechtigkeit widerfahr«t ließ, ^vohdem karm nicht geleugnet werden, daß lewiffe ZdeenverbinSungen bestehen zwischen den deutschen älebcrnationalisten und jenen Antisemiten, die sich im deutschvölkischen Schutzbund zusammensch'rissM. Der Abg. Schian hat auch versucht, den RctthEau- Mord als eine Kulisse vor die Darmstädter Er­eignisse zu stellen. Ich möchte eins von vornherein fest stellen : Wir sind unbedingte Gegner jeder «Ge­waltpolitik und verurteilen den Mord an Rathenau genau so scharf wie die Darmstädter Ausschreitungen. Unsere persönlichen Empfindun­gen zu dem, was die Aügg. Dingeldey und Ofäim erdulden mußten, sind die gleichen wie die oEüa: Parteien: aber wir wenden uns dagegen, diefe Vorkommnisse politisch auszuschlachten. Man kamn die Dinge, die sich in Darmstadt abspiLften, rnu? bu^ch biL hier geschaffene Atmosphäre erklären. Wenn man die Singe mm auf den Mangel am polizeilichen Schutz zurückfwhrt, muh ich doch lagen, wenn man hier mit großem Machtausgebot rnd dswaffnetem Vorgehen auf» getreten wäre, bann wäre es zu schweren Bluttaten gekommen and der Opfer toärai rm^ezühlte geworden. (Hort, hört! Widersprich älnruhe.) Wir werden ins mit allen Mitteln dagegen wenden, Laß hier die Dinge politisch avsgernünzt werden, and werden sie so dar» stellen, wie sie sich wirklich a-dgssptett haben Wenn MNfevr- Antrags zum Schutze der RepMV nicht zum Resultat werden, sind wir von 6e Parteileitung beauftragt, mit allen Mitteln etn Land tag saufböfung unb Volts befragu n g herdeizuführen Dinge, die itn auf dem Papier stehen, sind für ans nichts am- deres als eine Farce. Die 3L-fgab2 d:r tom# menden Tage ist der rucksichtslvfeste Schutz de» Republik. Redner bespricht dann 'Angehend b* FiMNAen Hesfrns und im Verhältnis zum Reich Er fordert tie Fssths-äung der Grzbergersche» Steuer- und 'Finanzpolitik.

Rächst« Sitzung Mittwoch fli Uhr. - Schluß 2 Achr.

Abg. Brauer (Dbd.): gibt namens seiner Partei folgende Erklärung ab:

Wir mißbilligen jede Gewalttat gegen einen politshen G.gnar, iru vera> .scheuen im-sbe viide.e den Meuchelnrsrd a.i Rat he.ar, eine Untat, dvr nicht bloß ein Verbrechen gegen dis nationale Bewegung, sondern a uch gegen die politische Ge­sundung des dettfchen Volkes ist.

Wir weifen jede Gememschoft mit den Tätern weit von uns. In nicht geringerem Grade ver­urteilen wir aber Lis Gewalttaten der arfge- hetzten Volksmenge, die am 27. Juni in Darmstadt gegen die Kollegen Dingsldey und Osann, wie gegen dieHessisch e Lan deszei t u n g'* and LenTäglichen Anzeiger^ und sonst ver­übt worden sind.

Wir versichern auch hier die betten schwer geschädigten Herrn Kollegen Dingeldey und Osann unserer 1 raget eilten Teilnahme rnd Hoch­achtung. *

Wir erklären es miß allem Rachdruck als eine schwere Verletzung b:r öffentlichen Sicher- heit, daß unter alleiniger Derantwort/ng des Gescrmtminifteriums an einem solchen Stinntag mehrere hundert Sch itzposizistsn und Offiztei-e c.t einem Demonstrattonszug trilgenommen hoben der in nicht mißzuverstehender Weife imVocks- freund" alsM o bi luta ch ing bezeichnet wor­den ist.

Wir verlangen und fordern, daß die Sch ltz- Polizri als politisches Organ jebem Staatsbürger Schutz angedeihen läßt, und das Veispiel vom 27. xjum sich niemals mehr wiederholt.

Wrr lehnen aber iricht minder scharf jede Ausnahmegesetzgebung gegen die Beamtenschaft, jedes Spitzel- und Angeb-ertam, isten Brach and jede gewaltsame Aendcmang der Verfassang ab. Wrr erhaben feierlichen Wider sprach gegen eine Rebenregierung der Straße und der Gewerkschaften die nur die beabsichtigte Diktatar Les Proletariats herbeiführl unb Las Ende gerade bec demo­kratischen Republik bedeuten müßte, za deren Schutz jetzt überall verfassungswidrig: Ausnahme- gesetze erlassen werden.

Wir fordern und vertreten nach wie vor eine ausgleichende Politik ter dratschen Volksgemein­schaft und hoffen auch in diesen (Zeiten, in denen ein schweres Schicksal unser Volk and Vaterland bedroht, daß diesem aufrichtigen Q3enriti?en der

endgültige Erfolg nicht versagt bleiben wtrü. JCur Volksgemeinschasl, nicht Diktatur einer Klasse be­deutet Deutschlands Rettrng. Möchte Rußlands Beispiel uns eine ernste Mahnung fein und möch­ten sich zum Dienst am Volke alle, die guten Wil­lens sind, die Hände reichen!

Abg. Kaol (Soz.):

Wir wollen uns erinnern, woran es liegt, daß wir uns so scharf gegenülkrfieficn mit den Rechtsparteien. 3d; will daran erinnern, datz ein Führer der Rechtsparteien seine .Tätigkeit hier begann mit der Feststellung, daß die Regie­rungsbildung eine Schiebung des Staatspräsi­denten war. (Zurufe: Das war der Vizepräsident des Hauses!) Sät will erinnern an di? Radel- stichpolitik der sonst innerlich ft> kalten Abgeord­neten Osann und Dingeldeh, an das eichte Auf­treten des Abg. Kindt und vor allem an die Tätigkeit der Presse dieser beiden Parteien. Dann auch an die vielen hier künstlich aufgerollten Falle", wie Cetreideumlage, I. Mai, Bornemann u. v a. Alles Dinge, die sich planmäßig gegen dte Regierung richteten und die jeweils verschie­dene Volksschichten auf Len Plan riefen. Zu jeder Ernennung wußte, die Presse der Rechts­parteien etwas zu kritisieren.

aber wohl die Situation sehr verschärft. Wir srnd der festen Lieberzeugung, daß ein Mi­nister, der unter Berufung auf einen nicht vorhandenen Ministerialbeschluh die Polizei in einer so gefährdeten Situation so schwächt, un­möglichfein Amt behalten kann.

Rach der Tat hat die Regierung den beiden schwer betroffenen Abgeordneten ihr Bedauern ausgesprochen. Das und die heutige Erklär« ng der Regierung hat es uns ermöglicht, wieder an den Sitzungen des Hauses teilzunehmen. Wir danken dafür, doch muß ich auch dazu noch einiges lagen. Wir haben vermißt, daß nach Ser Untat alsbald eine öffentliche eirrrüftete Erklärung kam, daß vor allem alsbald öffentlich erklärt tourbe* daß mit aller Energie nach den Tätern und ihren rntellefhielten Anstiftern gefahndet wurde Ver­gleichen wir doch einmal, was grichehen ist nach dem Attentat auf Rathenau. Auch die beiden hier Dettoffenen sind Vertreter des Volkes, find Mitglieder dieses Hauses. Warum blieb hier die öffentliche Sühne aus? Geradezu unverantwort­lich und unverständlich aber war d i e H a l t u n g des amtlichen Organs der hessischen Regierung. Für dieses Blatt ist die Regie­rung verantwortlich Dieses amtliche Regisrungs- yrgan hat für die ganze Angelegenheit in Darm­stadt 10 Zeilen übrig mit 2 Worten des Bedauerns. Am anderen Tage aber be­richtet dieses Blatt über einen nicht geschehenen reaktionären Anschlag auf das sozialdemokratische vrgan aber ganz anders. In Sperr- und Fett- Ittnd und mit höchster Entrüstung. 3m ganzen »srnde hat man den Eindruck, daß die Darm- Mdter .Zeitung nicht Regierungsorgan, sondern Parteiorgan des extremsten linken Flügels ist.

Die Vorgänge in Darmstadt sind nicht ver- emzelt geblieben. Es 'hat sich ähnliches auch an­derswo ereignet, so z. B. m Wimpfen. (33 liegt doch wohl Anlaß vor. die Djnge ernst zu neHmen. ES geht nicht an,gu sagen, die Schuld tragen die Mörder Rathenaus. Wo bleibt die --jf-riiiiiiiii i- -

ihr Können als Hauptdarsteller vor die Rampe zu bringen, wobei aber Gretel Sälzers jugend- frisches Gesicht durchaus nicht mit der Rolle als silberhaarige Großmutter harmonieren wollte. Auf der Atm" fand man sich im fünften Bilde wieder: Verth Zeutzen, Kurt Schoklmaier und Karl Doller sorgten hier für gutes Gelingen des Bildes. Das sechste und letzte Bild (..Mn Rhein") hätte man sich nach Ser packenden Sprache des Dorspruchs in der Herausarbeitung doch etwas gehaltener wünschen können. Es sei nicht verkannt, datz auch bet diesem Bild verschiedene Mitwirken-e ernstes Wollen als Leitmotiv des Handelns beobachteten, aber es darf auch nicht verschwiegen werden, datz manche andere Darsteller etwas zu auffällig neben den Rahmen gerieten und dadurch das Gesamtbild in seiner Wirkung beeinträchtigten. Ein weiteres trat hier unliebsam in Erscheinung. Am deutschen Rhein beim ..deutschen Fröhlichsein im Rhein- und Wrin- tande" tanzte man anstelle des vorgeschriebenen Reigens einen Schieber! Das 'durfte nicht vorkommen, hier wird die Spielleitung wenigstens bei der heutigen Aufführung vorbeugend wirken muffen.

Abgesehen von diesen Beanstandungen bot die Ausführung, als Ganzes aefehen. einen wertvollen Genuß, und man wiro allen Milwirkenden nur zu danken haben für die selbstlose Hingabe an die große Aufgabe. Besondere Anerkämung verdient aber Musiklehrer Albert Ä affen, und mit tfjin gebührt warmer Dank dem Orchester und ebenso den Mitgliedern des Sängerkranzes. -Um die Erstellung der schönen und wirkungsvollen Bühnenbilder machten sich Theatermeister K. Löffler und Beleuchtungsinspektor L. Keim, um die Einstudierung der Tänze Tanzlehrer B ä u l k e verdient. Für die Spielleitung zeichnete Karl V o l ck verantwortlich. Die Anregung zu dem Abend ging von dem Vorsitzenden des Goethe- dundes Henning aus. in dessen Händen auch die gut funktionierende organisatorische Leitung lag.

Die wohltätigen Einrichtungen der Studenten­hilfe. zu deren Gunsten die Veranstaltung ins Wert gesetzt wurde, durften auf eine wesentliche Förderung zu rechnen haben, wenn der Besuch heute abend ebensogut ist wie gestern.

-Uebrigens sei dieses Liederspiet, das mit ein» achen und überall vorhandenen Mitteln in Szene gesetzt werden kann, auch anderen Plätzen zur Bv- achtung empfohlen, wo sicherlich auch noch manchs» zur Pftege des deuffchen Liedes getan Werder* ' kann» -An.

abzustreifen und das ursprünglich Deutsche allem in der Welt vorarzufte le r Rur dadurch wird das Volk begeistert und gestählt, den uns aufgezwun­genen großen Kampf ums Dasein auch im Ortnern siegreich zu Ende zu führen. Zur Erreichung dieses hohen Zieles ist die Pflege des Volks- gesanges in hervorragender Weise geeignet." . . ..Sich mit dem Dvlkslieöe zu beschäftigen, ist rein­ster Genuß: das Volkslied dem deutschen Volke erneut zu bringen, ist eine Tat, Ser jeder Deutsche seine Hilfe unbedingt leihen sollte."

Die Kritik hat nun zu fragen, wie diese er­habenen Grundsätze der Verfasser in«dem Werke zur Verwirklichung gelangt sind. Und die Kritik hat sich weiter mit der Frage zu beschäfttgen, in welcher Weise die gestrige Aufführung den Zielen der Autoren entsprochen hat.

Die Verfasser haben ihre Ausgabe zweifellos in tiefgründiger Weise angesatzt und sie auch im großen und ganzen in bester Weise zur Durch- führung gebracht. Zn den sechs Bildern, Sie uns den veredelnden Einfluß des deutschen Volks­liedes in alten Ständen, allen Gegenden an& bei den verschiedensten Gelegenheiten greifbar vor d-e Blicke und das Mitempfinden stellen sollen, kommt im Wollen des Dilderschöpfers Fritz Seel- inann eine klare, einheitliche und saft durchweg wohlgetungene Linie zum Ausdruck. Die Dichtung Gustav Partheils legt Zeugnis ab von ttefem Empfinden, mehrfach ersteigt sie außerordentliche Höhen, die zu gut begründeter Begeisterung für bi: hohe Sache des Werkes hinreißen. Auch die Dichtung als Einleitung zu dem dritten Bilde Studentenzeit" sprich: eine hochstehende Sprache. Dieser Vorspruch, den wir hier mit besonderer Genugtuung hervvrheben, ist von Herrn Medi­zinalrat Sommer versaht, der in ihm die Schön­heiten der Gießener Heimat besingt. Zn die Musil hat Gerhard Preitz eine Fülle von Klangschönhett und Zrmigkeit gelegt. Der Ge° samt: in druck von demLiederspiel" ist jedenfalls der eines schön abgerundeten Werkes von be­sonderer Geltung.

Wie war nun die Gießener Ausführung? Man muß sich bei deren Beurteilung vor Augen halten, daß man. ausgenommen Frl. Karla Keller

KurkHeater Bad-Ra uhrim, ein Dilettanten- Ansemble vo> sich hatte, das noch 2azu nur eine einzige Bühnenprobe hatte halten können. Beachtet man diesen Umstand in gebührender Weise, so wird man die Aufführung trotz mancher Aus- fieiftrngzn int einzelnen doch als eine sehr beach­tenswerte Gesamtleistung bezeichnen muffen, die es lohnend machte, ihr die Zeit zu nStbmen. Die

Das deutsche Volkslied.

Mberfpiel in 6 Bildern von Fritz Srrlmann, Gustav Parttzeil, Gerhard Preitz.

Das deutsche Vollslied! Wer hätte seinen Zauber nicht schon selbst verspürt? älnzähligemal, als Kind, in den Blütejahren des Lebens, im Alter, in Sturm und Drang, in Freude und Glück, kuy überall und zu ieber Zeit? Wen hätte es nicht mit feiner schlichten Innigkeit tief erfaßt? Wohl feiner wird wagen, diese Fragen mit Rein zu beantworten. Allen ist das schöne, gemüt­volle deutsche Lied ein guter Weggesell m frohen Stunden gewesen, allen auch ist es sicher- llch als Tröster und Ausrichter in trüben Tagen erschienen. Wir brauchen den Blick gar nicht all- Mweit zurückzulenken, um das zu erkennen. Den­ken wir nur an frohe Wanderfahrten, als es mit Sang und Klang durch die deutschen Gaue ging; erinnern wir uns aber weiter z. B. ber schweren Kriegs-eit en. in denen Hunderttauseitde in Sturm und Rot ihre Zuflucht gerade auch im deutschen Volkslied gefunden haben, das den Schmutz ver­tagte und mit seinen lieben, trauten Melodien, mtt seiner schlichten, innigen Sprache die Herzen erhob. Das deutsche Lied ist eines der stärksten Bindeglieder zwischen Rord und Süd, West und Ost, es ist ein Band, das Millionen von Dent- Ichen in Begeisterung zusammenschmiedet, das Stände umschließt, die sonst leider! - nichts oder nicht diel einander zu sagen haben. ist Gemeingut unseres Volkes, eine Kostbarkeit, die non allen mit der größten Liebe und Sorgfalt gehütet und geschäht zu werden verdient gerade in der heutigen schweren Zeit unseres Volkes!

Dieses schöne deutsche Vollslied im hellsten Glanze erstrahlen und wirken zu lassen, seine hohe Bedeutung für unser Voll nachdrück­lich N unterstreichen, hatte sich der Goethe- Bund in Gemeinschaft mit demSänger- krau z" und weiteren hiesigen Mufitträften ge­stern abend zur Aufgabe gemacht. ..D^is deutsche Volkslied", ein Liederspiel in sechs Bildern, auf- «fuhren, sah man als den geeignetsten Weg zur Verwirklichung feiner Pläne an. In würdigem Rahmen, im Stadttheater, ging diese Ausführung vor ausverlauftem Hause vor sich

Was dieses Liederspiel Dill, sagen uns di: Verfasser in folgenden programmatischen Hätten ..Es ist in dieser ernsten Zeit von höchster Wich-' f tigfeit. unsere vaterländisch:n Ideale im Herzen Les deutschen Volkes lebendig zu erhalten, ihm effe deutsche Sitten und Gebrauch? vor Augen zu ".en es anzuhalten, alles Fremdländisch:

Gießen, lyat sein Amt als KrerstagsMitglleL nisLe.rgelegt. An seine Stelle ist der Land­wirt Herr Richard Schäfer aus Hungen getreten.

Gietzeaer PferdeMarMotterie.

Das Ministerium des Innern hat der Gießener städtischen Pferdemarktdeputatton die Erlaubnis erteilt, anläßlich des nn Herbst Ö. IS. stattfindenden Pferdemarktes in Gießen eine Berlofung von Pferden, Wagen, land­wirtschaftlichen Maschinen und Geräten usw. zu veranstalten. Ziehungstertnin: 28. Sep­tember. Es dürfen bis zu 25 000 Lose zu 3 Mark das Stück (2,50 Mk. reiner Lospreis und 50 Pf. Reichsftempelabgabe) ausgegeben werden. Der Wert der Gewinn gegenstände muß mindestens 40 Prozent der Einnahme aus dem Verkauf der Lose (reiner Lospreis, ohne Reichsstempelabgabe) betragen. Der Vertrieb der Lose ist in Hessen gestattet.

Logck, wenn A dem D. etwas tut, daß 3 dafür büßen stmß? Glaubt denn irgendein Mensch, datz Milchen unserer Pariei unb den Mördern des Mtnifters Rathenau irgendeine Verbmöung besteht ? Das wäre Wahnsinn. Rur Verblendete können uns in Verbindung bringen mit irgend­welchen Konspirationen gegen die Republik. Hn= fere Stellung zu dieser Frage und zur Weimarer Berfas,ung ist am 23^Juni 192! hier ganz klar und bi utlich durch den* Abg. Dr. Osann fest gelegt: das gleiche ist von ans allen oftmals draußen im Lande geschahen. Wir können nur aufs tiefste bedauern, toemt irgend jemand der Ansicht ist, daß er uns bekämpfen muß, wenn er die Republik sch ätzen will. Untere Partei beteiligt sich in Preu­ßen und cmch im Reich tote hier an den Qiegie- rnngsarbeitsn. Will man sagen, daß dadurch di: R^publil gefährdet wurde! Freilich wahren wir unfye» Ueberzeugung. ParteigegLnsätze gibt es überall. Aber ieß-er, 2er arbeiten will am Wohls des Volkes, muß sich sagen, daß dieses über allen Parteiprinzipien steht. Das Recht der äleber- zsugrmg ist in der Verfassung gLwährleiftet. Redler schließt: Ich seh? die Dinge so an, Saß, wenn wir bei der Sisdehlhe 6er' "(eilten Wochen bleiben, in eine Lage kommen, die unerträglich ist. Es ist in DeutschlanS so. Laß ferner cchn: den andern leben kann. Die Burger nicht ohne den Arbeiter, aber auch dieser nicht ohne den Bürger. Es geh't nicht an, daß der «ine oder der anders Teil sich selbst Teßchlsgewalt anmaßt gegenüber dem anderen. Der SeLstschutz des Staates darf nie dazu führen, daß weite Kreise des Volkes entrechtet werden. Zwei Dinge sollten hier über allem festgehalten werden: 1. Gemein­same Arbeit in Ruhr und Ordnung und 2. Ge- rechingkeit gegen all- Gerechtigkeit ist das Fun- Sament aller Streife, auch Ser Republik! (Leb­hafter Beifall rechts.)

Aufführung der sechs Bilder, deren jedes durch einen Vorspruch von Karla Keller ein geleit et wurde, zeigte alle Mitwirkenden mit viri Be­geisterung am Werk. Karla Keller personi­fizierte das deutsche Volkslied als gütig und ernst mahnende, an das nationale Gewissen und Emp­finden rüttelnde Fee in vollendeter Weife. Das erste Bild (Zm Wrnkel am Tore"), bei dem Leny Lynker, Ferd. Meyer und KarlDoller die führenden Partien inne hatten, kam sehr sympathisch heraus, obwohl die darstellerische und auch die gesangliche Wirkung durch Konzessio­nen an das Dühnenfieber zum Teil etwas lttt. Zm feiten Bild (Auf der Wanderschaft") kam eine natürliche, ungezwungene Spiel- und Geiangsleistung vor das Publikum. Berty Zentzen, Leny Lynker und Kurt Scholl- tnaier waren hiei Träger der Hauptrollen, denen sie sich in glücklicher Weise gewachsen zeigten: namentlich gefiel Berty Zentzens klangvolle Stimme in hohem Miße. Kurt Schollmaiers Wanderer, der nach den Wor­ten und dem Sinne des Werkes von einem Lande zum andern prlgert, hätten wir in der Kostümteruna allerdings anders gewünscht, als wir ihn gestern sahen: ein solcherZugvogel" kommt nicht im Stuher-Wanderanzug ohne Ruck­sack daher: er sieht in seinem Aeuhern natur- burschenhaft aus, mehr nach Landstraße, trägt einen handfesten Stock, derbe Schuhe, einen Wan­dersack aus dem Rücken: derWanderer" von gestern abenb konnte nur die Zllusion stören. - Das interessanteste und. dankbarste Bild war das dritte (Studentenzeit"). Es wäre unnatürlich gewesen, wenn man hier den Lokalpatriotismus ausgeschal­tet hätte, aber man beging diesen Fehler nicht. Der Dorspruch von>.-Rat Sommer, von Karla Keller mit viel Liebe und Wärme des Tones gesprochen, bildete den glücklichen Auftakt, dem sich dann das Bild in dankbarster Szenerie­gestaltung würdig anreihte. Vorn Studentenbum- mel und -kneipe. Ort Schiffenberg, im Hintergrund das Panorama von Gießen mit dem Gleiberg. War allein schon hieraus eine Erhöhung der freu­digen Stimmung zu verstehen, so wuchs sie noch.alÄ dann das vorgeschriebene Pensionat herzuspazierte und sich, ganz nach dem Willen der Autoren, im Handumdrehen ein flotter Walzer auf der Bühne als finnfälliges Zeichen desFeste feiern, wie sie fallen" cnftotcfelte. Tosender Beifall zeigte, auf wie dankbaren Boden die Verfasser hier in Gießen mit ihrem Einfall geraten waren. EineSpinn­stube" als viertes Bild gab Else Seyfferth, Karl Voller und Gretel S L l & e r Gelegenheit,

eran twortung auf sich ge­laden. Der Staat allein ist für Schutz und Sicherhrit des Lebens seiner Burger verantwort­lich. Er durfte sich diese Verantwortung nicht durch Gewerkschaftsführer abnehmen lasten. Wan hat die Polizei beurlaubt, wie der Herr Finanzmrnister sagt, nickt zur Teilnahm: an der Demonstration: tatsächlich hat sie aber tsilgenvmmen, und in der amtlichen Darmstädter Zeitung war das unterstrichen Hetont. Der Re­gierung war auch der Mo^lmachungs- sufruf des sozialdemokratischen Or­gans bekannt, der keinen Zweifel darüber ließ, daß die hinter dem Aufruf Stehenden (der nicht unterzeichnet war) sich Regierungsgewalt nr- >7raßtei7. Die Regienueg mußte gegenüber dieser ungeheueren ÜlngesetzliArit des Aufrufes sich auf ihre Pflicht besinnen, den Schutz der üfienllichen Sicherheit so stark zu machen, als es irgend möglich war. nicht aber so zu schwächen, wie es geschehen ist. Es ist bis heute nicht geflätt, wie ter Sah, daß auch die anderen Koalitionsparteien zur Teilnahme an der Demonstration aufforder- len. in den Aufruf hjnei-nkam. Denn beide Par­teien. Zentrum und Demokraten, haben ihn für falsch erklärt. Gerade dieser gefästchte Satz bi aber wohl die Situation sehr verschärft. W

Wenn Herr Aba. Schian erklärt, datz die Er- Nennung des Abg. Sernemann zum Ministerial­rat der Bruch einer Vereinbarung war, so fermen tote das nicht zugeben. Wenn Dvrnemann noch nicht aus irgendwelchen Hemmungen, die nicht in ferner Person liegen, die Funktionen des Mim- sterialrates ausüben kann, so werden wir dafür sorgen, daß diese Hemmungen bald verfchwindsn. Dann der 1. Mai. Früher war man bei gesetzlichen Feiertagen nicht so feinfühlig. Man hat früher an Kaisers Geburtstag auch zwangsweise die Schulen geschlossen. Der 1. Mai aber ist dec Tag, da die Sozialdemokraten den Sieg ihrer Ideale ^'ern. Tatsache ist, datz am l.Mai eine ganze Reche Kmder und Lehrer nicht hätte zur Schule kommen können, der älnterricht wäre also unvoll­ständig gewesen. Dec Staatspräsident hat afft nichts getan, als was seines Amtes unb ferner Pflicht ist. wir bekennen uns nach wie vok zu dieser Koalition als einer Arbeitsgemeinschaft. Wenn wir aber in der Koalition bleiben, sollen, ist uner­läßliche Voraussetzung, daß die Koalitionspartrien ganz und vollständig auf dem Boden der Republik stehen. Für uns in Hessen ist eine Koa­lition mit der Deutschen Vvlkspartei gang ausgeschlossen, besonders nach der Entwicklung der letzten Wochen. Für uns ist die Deutsche Volkspartei, dis früher dis führende Rechtspartei war, nach wie vor mit der TatsachL belastet, daß sie dis Trägerin des atter Regtoies ünd der alten Rechts-Reaktion irr Hessen ist. Die Behauptungen, di: an die Rede, Dr. Streckers auf dem Marktplatz geknüpft wurden, sind durchaus falsch und unfjatibar, ebenso wie die Verdächti- guirgejr. Darüber wird ein anderer Redner meiner Partei auch aus Eigener Anschauung sprechen. Ich möchte aber daran erinnern, daß Abg. Dr. I Becker-Hessen geholfen hat, die Siedehitze zu schu-1 ren. Hier hat der Abg. Dingeldey der Regierung I eine offene und -scharfe Kampfansage gegeben in einer programmatischen Erklärung in fernem Parteiorgan. Die dann geübte Radelstichpolitik war noch viel verletzender als offener Kampf. Wir muhten uns angesichts dieserHa tung schützend vor die Regierung stellen. Es ist nicht richtig, datz die Aufmerksamkeit der Menge auf die Herren Osann undDinge.dey erst durch SieMarktplatzreden gelenkt wurde. Die Haltung der Deutschnal. Volks­partri §u der Getreideumlage and in Verbindung damit gegen die Regierung setzt uns in gleiche scharfe Gegnerschaft zu dieser Partei. Gs liegt hier eine Bekanntmachung des Ortsvvrstandes Viernhsim vor, in der offen aufgefordert wurde, Sie Pflichtflächen nicht zu bebauen. (Zwischenruf:.' Hört, hört! links unS Apostrophierung des tSbg Dr. Müller.) Wir werden den Kampf durchaus parlamentarisch fuhren, aber wir verstehen ande­rerseits, wenn eine parlamentarisch nicht so wie der Dbg. Dr. Müller geschulte Menge ihr Recht angclsichts der Provo^tionen auf anderem als parlamentarischem Wege^ucht. (Hört, hört! rechts, llnruhe links.) Die Hetze, Sie den ftzialSemokcatischen Blättern vorgeworfen