Ausgabe 
19.7.1922
 
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Regelt bk Nmqeh«ng bet Nauhelmer Kurtaxe.

Das Kreisamt veröffentlicht im neuesten Amtsverkündigungsblatt eine Bekanntmachung, die Maßnahmen gegen die Umgehung der Nauheimer Kurtaxe anordnet. Es heißt da:

Die Kurverwaltung Bad-Nauheim hat die Wahrnehmung gemacht, daß in den benach­barten Städten und Orten Fremde Wohnung nehmen, von da aus die Kurmittel in Bad- Nauheim gebrauchen, die Kvnzette und das Kurhaus besuchen und die Zahlung der Kur­taxe auf diese Weise zu umgehen suchen. Daher ist ungeordnet worden, daß die Ab­gabe von Bädern in den Badehäusern zu Bad-Narcheim an die Ortsansässigen von Bad-Nauheim und der benachbarten Städte und Otte zukünfttg nur dann noch erfolgen soll, wenn von denselben Ausweiskar­ten dem Aufsichtspersvnal in den Badehau- feni vorgezeigt werden. Diese AusweiSkatten sollen durch die Bürgermeistereien auf Ansuchen der Ottsansässigen ausgestellt werden.

Die Abgabe der Ausweiskarten darf nicht an solche Personen erfolgen, welche zu­fällig nur zu Besuch anwesend sind. Nur für die Ottsansässigen, die mindestens drei Monate in dem bett. Otte wohnen und auch Steuer bezahlt haben, dürfen derarttge Kar­ten ausgestellt werden, diese Ausstellung hat jedoch zu unterbleiben, insofern diese Orts­ansässigen in Bad-Nauheim Wohnung ge­nommen haben und nicht nach genommenem Bade an demselben Lage in ihren Wohnott zurückkehren.

Die jeweils ausgestellten Katten sind nur für das Kalenderjahr, in dem sie auSgeferttgt sind, gültig.

Don denjenigen Personen, die die Kur- mittel gebrauchen wollen, aber nicht im Be­sitze einer Ausweiskarte sind, werden jedes­mal die doppelten Kurmittelpveise (und nicht mehr, wie seither, ein Aufschlag von 5 Mark) erhoben.

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* Amtliche Personalnachrich- t e n. Am 8. Juli wurde der NechnungSrat bei der Hauptstaatskasse Hartmann Bätz zu Darmstadt auf sein Nachfuchen unter An«cken- nung der dem Staate geleisteten Dienste vom 1. Oktober d. Z. ab tn den Ruhestand versetzt.

** Als Feldgeschwotener für die Gemeinde Gießen ist Heinrich G ott- mann von hier verpflichtet worden.

** Diebstahl. Aus einem Gattenhäus- chen am Wißmarer Weg wurde ein Spros- schenschubkarren aus Holz entwendet. Bor An­kauf wird gewarnt.

** Oberhessischer Kun st verein. Die Otto Abbelohde-Gedächtitis-AuLstellung, deren Gr- öffnung am kommenden Samstag erfolgen soll, wird mit einer besonderen Eröffnungsfeier ver­bunden sein.

* 3n der Gesellschaft für deutsche Bildung wird am nächsten Freitag ©tibiarrat Dc. Georg Faber sprachen über: »Drs jungen Herders Bekenntnis zum Deutschtum". (Siehe gestrige Anzeige.)5>te Gesellschaft für deutsche Bildung will," so schreibt man uns,bekanntlich das Deutsche in den Mittelpatckt der Erziehung stellen: sie will Sinn und Verständnis für deut­sches Volkstum, insbesondere für deutsche Sprache, deutsches Schrifttum und deutsche Kunst fördern. Die Bestrebungen der Gesellschaft sind nicht neu. Wer die Geschichte unserer Erziehung und un­seres DildungswIens Lemrt. der weiß, wie sehr sich daS Deutsche seinen Platz darin hat erkämpfen müssen: der weiß, wie bescheiden diese Stellung auch heute noch ist. Schm vor Jahrhunderten erhoben sich Stimmen, die aus das Anerträg- llche und Anwürdige dieser Zurücksetzung unseres eigensten Wesens gegenüber dem Fremden, be­wiesen. Aber diese Stimmen wurden übertönt. Einer der ganz Großen, die für die För­derung deutschen Wesens eintra'jen, ist Herder. Die erste freudige Degeisterung des jungen Herder für alles Deutsche, die ihn im Bewußtsein seiner Kraft und seines Könnens hoch empor trug und an die Erreichung des Zieles glauben ließ, wenn er auch die Stärke der Hindernisse nicht übersah, diese erste freudige Begeisterung reißt uns auch heute noch mit sich sott, wie sie schon den jungen Goethe mitgerissen hatte. And möge dre Zeit nicht allzu fern sein, die an der Zielbestimmung Herders festhält. Der Vortrag von Dr. Faber wird auch Herders Stellung zur Fremde vor Augen führen: wird zeigen, wie Herder trotz seiner Liebe zum klassischen Altertum sein Deutsch-

tum nicht vernachlässig!, in welcher Weise er ftey die Nachahmung des Fremden, besonders der Gttechen und griechischen Wesens, denkt, und welche Stellung Herder zur Frage nach einer deutschen Bildung einnimmt. And gerade daß Herder, der große Bewunderer der Welt der Griechen, der die reichen Bildungsschähe des Altertums wohl kennt, zur deutschen Bil­dung dufruft, zeigt, daß man sehr wohl griechi­sches Wesen lieben und trotzdem dem Deutschen geben kann, was des Deutschen ist!"

Bornotizen.

Tageskalender für Mitt­woch. Stadttheater, Zx/2 Ahr:Das deutsche Volkslied". Astvtta - Lichtspiele:Fttede- riois Rex".

Landkreis Gießen.

Reiskirchen. 19. Juli. Der hiesige Gisendreher Ludwig Jünger kann heute auf eine 25jähttge Tätigkeit im Betriebe der Gießener Eisenbahn-Nebenwerkstätte zurück­blicken.

Hessen-Nassau.

Aufdeckung einer Falschmünzerwerkstätte.

fpd. Frankfurt a. M., 18. Juli. Durch Zufall wurde heute nachmittag im Keller des Hauses Kaiserstraße 58 eine mit den besten Hilfsmitteln eingettchtete Werkstätte für den Druck von falschen Zehn- und Zehn­tausendmarkscheinen von der Polini entdeckt. Der Falschmünzer, ein im Hause woh­nender Malermeister, legte, als er für den Druck der Scheine in einer Fabrik Farben kaufen wollte, sich den Namen eines an­deren Frankfutter Bürgers bei, den ein zu­fällig anwesender Hett aber genau kannte. Man benachrichtigte die Polizei, der der Ma­lermeister dann ein volles Geständnis ab­legte. 3m Keller fand man eine ganz neue Steindruckhandpresse, zahlreiche Klischees und diele bereits * bedruckte Dogen nahezu fer­tiger Zehnmarkscheine. Die Anfertigung der Zehntausendmarkscheine befand sich noch in den Anfängen. 3n die Angelegenheit dürften noch andere Personen verwickelt sein.

Gin Scheck- und Zuwelenschwindler.

fpd. Frankfurt a. M., 18. Juli. 3n ganz Mittel-, West- und Süddeutschland hat der 30jähttge Kaüfmann Heinrich Nie­meier aus Lübbecke in Westfalen Schwinde­leien großen Amfangs verübt. 3n jeder Stadt, wo er eine Gastrolle gab, legte er sich einen anderen Namen bei, mal Durgmeyer, mal NiehuSmann, dann Vatteroch, Wehl, Otto, Lorenz usw. Sein Trick besteht darin, daß er sich bei Gvldwarenhändlern Ringe vor­legen läßt, sie über den Finger stteift und dann einen Scheck als Bezahlung gibt. Auf diese Weise erschwindelte er sich in Würzburg für 100 000 Mk. Ringe. Es ist nicht un­möglich, daß er auch anderswo derartige Be­trügereien verübt hat. 3n Würzburg wurde er verhaftet.

Die Fahrraddiehe in Frankfurt.

mc. Frankfurt a. M, 18. Juli. Nach Mitteilungen der Polizei werden täglich in Frankfurt 1012 Fahrräder ge- stvhlen und 34 Fahrraddiebe festgenom­men. Die Gerichte besttasen eben jeden Fahr­raddiebstahl mit sechs Monaten Gefängnis.

Dom Arbeitsmarkt.

wb. Frankfurt a. M., 18. Juli. Aus dem Bericht des Städtischen Arbeitsamtes geht 'hervor, daß die Lage auf dem Ar­beitsmarkt im Monat Juni recht günstig war. Die Zahl der Anterstützungs- empfänger ging gegenüber dem Bormonat um wettere 100 zurück. Bezeichnend ist, daß es in dielen Berufen an tüchtigen Spe­zialarbeitern fehlt, während in den ungelernten Berufen der Bedarf an Arbetts- kräften dauernd gedeckt werden kann.

Neue Kaufmannsgehälter in Frankfurt.

fpd. Frankfurt a. M., 18. Juli. Nach langstündigen Verhandlungen fällte in der vergangenen Nacht der Schlichtungs­ausschuß die Entscheidung über die im Mo­nat Juli zu zahlenden Gehälter für die kaufmännischen Angestellten. Danach bettagen die Höchstgehälter für Lehrlinge 1100 Mk., für Gehilfen 3400 Mk., für Angestellte über 30 Jahre in Klasse A 6500 Mk., in Klasse B

7XJ30 Mt.» tn Klasse C 7600 Ntt tn Klasse 1) 8350 Mk., in Klasse E 9300 Mk. Das be­deutet eine wesentliche Verbesserung gegen die Iunieinkommen.

Ein Frankfurter Haudwerkerprotest.

wb. Frankfurt a. M., 18. Juni. Gegen heu Beschluß der Stadtverordnetenversamm­lung, sich an derBauhütte" zu betei­ligen, hat das Handwerksamt im Namen von ca. 10 000 Handwerkern Protest ein­gelegt mtt der Begründung, daß der Beschluß einen Verstoß gegen die Reichsverfassung § 164 bedeutet, der der Gesetzgebung und Verwaltung die Pflicht auferlegt, Handwerk und Gewerbe vor der Aufsaugung zu schützen.

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si Marburg, 18. Juli. 3n den Stadt­sälen beschäftigte sich eine von den Gewerk­schaften einberufene öffentliche Ein­wohnerversammlung, der auch viele Bürger und Studenten beiwohnten, mit den Vorgängen am 4. Juli. Die Schuld an den Vorkommnissen wurde auf Mitläu­fer und auf die vorher künsllich in die Ein­wohnerschaft getragene Aufregung zurückge- fühtt, besonders auch auf den verbotenen Schützenfestzug. Ebenso wurde auch die Meldung von den Besuch der Ruhlaer Ar­beiter als Ansinn bezeichnet. 'Die Versamm­lung, in der auch mehrere Studenten sprachen, hatte das Ergebnis, daß die Teilnehmer sich mtt den Ausführungen, in Zukunft mehr auf Einigkeit zwischen Studenten- und Ar­beiter schäft Wert zu legen, einverstanden er­klärten. Es wurde seitens der Arbeiterführer auch dringend ersucht, die studentischen Fest­lichkeiten in keiner Weise zu stören.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

** Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 81 enthüll: Auslösung des deutsch-völkischen Schutz- und Truhbundes. Wahlen zum Kreis­tag. Schulzahnpflege. - Preise für Brenn­stoffe. Kurtaxe und Dadegelder. zu Bad-Nau­heim. Veranstaltung von Verlosungen. Erweiterung des Anschlußgleises der Buderus- schen Eisenwerke. Besoldung der Beamten. Aebernahme der persönlichen DolkSschullasten. Kriegsbeschädigten- und Kriegshinterbliebenen­fürsorge. Dienstnachrichten des Kreisamts. Bekanntmachung des Polizeiamts. Feldbereini­gung Heuchelheim und Wieseck.

HochschuTnachrichten.

Der Deutsche Studententag in Marburg verboten.

* Marburg, 18. Juli. Der auf den 21., 22. und 23. Zuli hierher einberufene ordent­liche Deutsche Studententag 1922 ist von dem Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe der Repu­blik d e r b o t e n worden.

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][ ifiarburg, 17. Juli. Zum Rek- tvr der Aniversität für das Amtsjahr 1922/23 wurde der Direktor der medizinischen Klinik, Professor Dr. Alfred Schwenken- becher, gewählt.

Turnen, Sport und Spiel.

Akademische Wettkämpfe der Aniversität Gießen.

Am Sonntag Nachmittag nahmen die Wett­kämpfe der Studenten (Endlämpfe) auf dem Tum- und Spielplatz der Aniversität einen sehr erfreu­lichen Verlauf. Trotz der Verschiebung und trotz großer gleichzeitiger sportlicher Veranstaltungen batte sich eine zahlreiche Zuschauermenge eingefun­den, darunter Der Rektor und mehrere Professoren der Landesuniversität. Der Platz bot wieder ein schönes Bild, wenn er auch unter den Regengüssen der letzten Tage gelitten hatte und von dem Leiter und einigen Helfern nur mit großer Mühe recht­zeitig hatte in Ordnung gebracht werden können. Die Leistungen waren durchaus gut, obwohl Wind und Regen teilweise störte: sie zeugten von tüch­tiger körperlicher Ausbildung eines großen Teils der Studierenden durch den verdienten Turn- und Spottleiter Dr. Werner. Hervvrgehoben wer­den muß das Stillaufen zu Beginn, bei dem die Damenabteilung durch feine Körperbeherrschung sich bemerkbar machte: auch sonst verdient gerade die Damenriege nicht nur wegen der Resultate, sondern auch wegen der Form der Aussühruna Lob. Dann seien die spannenden Stasfelläufe und der 5000 Meter-Lauf erwähnt: bei diesem kamen

alle Tttmehmer an« Ziel, die meisten, darunter der Sieger, ohne sichtbare Ermüdung. Bon den Verbindungen zeigten besonders die Burschenschaf­ten Frankonia und Germania und die Tumerschaft Hasso-Nassovia in der Art ihres Auftretens und Zusammenwirkens, daß eine kräftige akademisch« Tradition auf dem Gebiete der Leibesübungen sich auszubilden beginnt, die in die Zukunft weist. Möge die Veranstaltung dazu beitragen, das Ver- tänonis für die Bedeutung dieser Seite der studen­tischen Erziehung in wette Kreise zu tragen.

Ergebnisse der Endkämpfe.

1. Kugelstoßen (r. Hand 71., Kilogramm, l. Hand 5 Kilogramm, r. und l. Hand zusammen­gerechnet): 1. Deck (Frankonia) 18,30 Metern 2. Metzger (Chattia) 17,55 Meter: 3. Detter (Adel- phia) 17,40 Meter.

2. Diskuswerfen (r. und l. Hand zusam­mengerechnet): 1. Detter (Adelphia) 50,80 Öltet er; 2. Deck (Frankonia) 47,50 Meter: 3. Hagen thau (Frankonia) 45,95 Meter.

3. Speerwerfen (r. und L Hand zusam­mengerechnet): 1. Ehmann (Hasso-Nassovia) 53,50 Meter: 2. Mayer (Frankonia) 53 Meter: 3. Vet­ter (Adelphia) 51,80 Meter.

4. Weitsprung: 1. Deck (Frankonia) 5,60 Meter: 2. Leuchter Silvania) 5,55 Meter; 3. Pfeiffer (Frankonia) 5,50 Meter.

5. H o ch fp r u n g: 1. Detter (Adelphia) und Kraft (Germania) 1,60 Meter: 2. Hofferber (Ger­mania) 1,55 Meter: 3. Leuchter (Silvania), Eh­mann (Hasso-Nassovia) und Hagenthau (Fran­konia) 1,50 Meter. Im Vorkampf übersprangen alle 1,60 Meter.

6. Stabhochsprung: 1. Deck (Frankonia)- 2,80 Meter: 2. Decker (Germania) 2,60 Meter; 3. Wüst (Frankonia) 2,50 Meter.

7. 100 Meter-Laufen: 1. Ehmann (Hasso-Nas-> sovia) 11,5 Sek.; 2. Leuchter (Silvania) 11,6 ©et.: 3. Detth (Wingolf).

8. 400 Meter-Laufen: 1. Ehmann (Hassv-Nas- sovia) 62,3 Sek.: 2. Kochem (D. D. St.) 63,5 Sek.' 3. Leuchter (Silvania).

9. 5000 Meter-Laufen: 1. Stichler (Hasso-Nas- sovia) 20 Mtn. 581 -5 Sek.: 2. Körbel (Germania); 3. Buh (Frankonia).

10. 4 mal 100 Meter-Staffel: 1. Burschenschaft Frankonia I. 53-,5 Sek.: 2. Burschenschaft Ger­mania 53Vz Sek.: 3. Burschenschaft Frankonia (II Mannschaft).

11. 10 mal 100 Meter-Staffel: 1. Burschen­schaft Frankonia: 2. Burschenschaft Germania.

12. 5000 Meter-Mannschastslaufen: 1. "Sur* schenschaft Frankonia: 2. Burschenschaft Germania; 3. Tumerschaft Hasso-Nassovia.

Studentinnen. 1. Kugelstoßen (5 Kilo­gramm, rechte und linke Hand zusammengerechnet);: 1. ßangenefe; 2. Karbe: 3. Thiele.

2. Speerwerfen (r. u. (. Hand zusammen­gerechnet) : 1. ßangenefe 35,60 Meter: 2. Thiele 29,70 Meter: 3. Kurtz 25,85 Meter.

3. Diskus wer f e n (r. und L Hand zusam­mengerechnet): 1. Langeneke 26,90 Meter: 2. Karbe 24,10 Meter: 3. ferner 23,78 Meter.

4. Hoch, prung: 1. Karbe 1,35 Meter; 2 Dreher und Müller 1,30 Meter; 3. ßangenefe 1,25 Meter.

5 Weitsprung: 1. ßangenefe 3,70 Meter: 2. Müller 3,56 Meter; 3. Kurz 3.50 Meter.

6. 75 Meter-Laufen: 1. Dreher 10% Sek.: 2. Karbe 11 Sek.; 3. Thiele IP/s Sek.

Die Deutschen Hochschulmeisterschaften in Turnen, Leichtathletik und Schwimmen, die am Sonntag in Darmstadt auf dem neuen Ani- versitätssportplatz ausgetragen wurden, hatten ttoh des schlechten Wetters gute Leistungen auf­zuweisen. Die neuen Meister sind: Turnen (Zwölfkampf): Fielmayer-München; Zehnkampf- Fielmayer; Darren: Fielmayer; Reck: Nagel und Fielmayer; Pferd: Fielmayer. Schwimmen: 4 mal 40-Meter°Staffel: 1. Darmstadt; 100 Meter Damen: Frl. Reiher-Frankfurt a. M.; 100 Meter Rücken: Strasser-Berlin; 1000 Meter bei.: Hotzel- Dortmund; 100 Meter Seite: Hilmar-Darmstadt 4 mal 100-Meter-Stafsel: Darmstadt; 100 Meter bei.: Hilmar-Darmstadt; 100 Meter Brust: Ka lb-> sleisch-Gießen; Springen: Blessinger-Mün- chen; 400 Meter bei.: Hotzel-Charlottenburg; 4 mal 100-Meter-Lagenstaffel: Darmstadt; Wasserball: Aniversität Göttingen gegen Technische Hochschule Darmstadt 3:1. Leichtathletik: 100 Mir.: Zörner-Bonn 11,2 Sek.; 200 Meter: Zörner 23 Sekunden: 400 Meter: Braun-Darmstadt 52,9 Se°> künden: 800 Meter: Lehmann-Berlin 2:06; 1500 Meter: Helfer-Berlin 4:16; 5000 Meter: Lutz- München 17:13; 110 Meter Hürden: Krause- Freiburg 18,2 Sei.: 4 mal 100-Meter: Bonn 46 Sek.; Schwedenstaffel: Bonn 2:07; 3 mal 1000- Meter: Hamburg 8:30; Olympische Staffel: Ber­lin 3:50,2; Weitsprung: Krause-Freiburg 6,42 Meter: Hochsprung: Krause-Freiburg 1,70 Meter; Stabhochsprung: Rüssen-Freiburg 3,10 Meter; Diskus. Lignau-Hannover 36,17 Meter; Speer: Rüssen-Freiburg "48,57 Meter; Kugel: Lignau- Hannover 11,63 Meter; Fünfkampf: Lignau-Han­nover 258 Punkte.

Max Liebermanns künstlerisches Glaubensbekenntnis.

Mar Liebermann, dessen 75. Geburts­tag am 20. Juli gefeiert wird, veröffentlicht im neuesten Heft vonKunst und Künstler" ein höchst bedeutsames künstlerisches Bekenntnis, das er Ein. Credo" nennt. Der greife Meister, bet hier auch zu den neuesten Kunstrichtungen tempera­mentvoll Stellung nimmt, läßt uns in diesen Auszeichnungen einen tiefen Blick in den Argrund schöpferischen Schaffens tun.@S. leuchtet von selbst ein, daß die Form die Grundlage aller bildenden Kunst ist", schreibt er.Aber sie ist viel mehr: sie ist auch das Letzte und Höchste. Ohne sie wären um die spezifischsten Qltater zu nennen Tizians oder Tintorettos. Rubens oder Rembrandts, Goyas oder Manets Bilder persische Teppiche. Es wären lebende Bilder aber feine Bilder, die leben. Denn sie hätten keine Seele.

aber flößt der Form die Seele ein ? DaS be­wirkt, daß ein paar Hieroglyphen auf einem Stück Papier oder ein paar farbige Flecken auf der Lein wand uns höchstes seelisches Empfinden suggerte- ren können? Was amders, als der Geist, der dem Stift, -'em Pins k Leben eingesiößi hat. Nur der G'is' schafft die Wirklichkeit. Diese Ertenntnis, die feit unsc:c.i ck.7'sischen Kunst schriftstellern, feit der Lessing, Sck:'"'l?r. - rkling zum eisernen Bestand i>r Kui7.^ästhLtil gehört. wird in neuester Zeit ebenic nwßrrpKonden wm mißbraucht, um mit ihr O3JT; Dümmste -m'ö Albrrnstr nicht nur zu ent- schul Zig fn, fpr-iirrr. st,gar als vorbildlich hinzustel- len." st - 7 wrstercr,/nbc:. sich bann Liebermann gegen 5fc falsche und einseitige Auffassung dessen,

was man Impressionismus nennt:Es ist einer der schwerwiegendsten und deshalb kaum zu ent­schuldigenden ästhetischen Denkfehler, anzunehmen, daß der Maler, je getreuer er die Wirklichkeit bar­st elle, desto weniger visionär wäre, daß der Realist oder Impressionist nur die Natur ab male, der Idealist oder Expressionist feine Vorstellung der Natur gäbe. Nicht die mehr oder minder getreue Wiedergabe der Natur ist das Kriterium für Wahrnehmunasbild oder Vorstellungsbild, son­dern die Größe und die Kraft der künstlerischen Persönlichkeit ist das Entscheidende. Die exakte Wirklichkeitswiedergabe der Eamera macht ebenso wenig ein Kunstwert wie die Verzerrung ein Pferd zu einem Rhinozeros. Ob sich ein Künstler der ob­jektiven Wirklichkeit, so viel er's vermag nähert oder sich von ihr entfernt, ist ganz gleichgültig. Ob er ein Künstler ist oder nicht, ob er Kopist der Wirklichkeit oder Schöpfer eines Neuen, seiner Wirklichkeit: das ist das Entscheidende." And für das Wesen der bildenden Kunst findet er die wundervollen Sähe:Alle bildende Kunst (ebenso die Poesie) ist Gleichnis. Woher anders als aus der Natur kann das Symbol für das Gleichnis ge­nommen werden? Die Phantasie des Künstler- muß den Stoff zu ihren Symbolen von den Sin­nen und diese wieder müssen ihn von der Natur nehmen. Wenn es keine Wirklichkeit gäbe, könnte es keine Kunst geben, wie es keine Sonne gäbe, wenn unser Auge sie nicht sähe."

W i e Goethe seinerletzten Liebe" Schokolade schenkte Im Grgrn- satz zum Kasfee unb T'e, die in Gottyes Wetten nicht ganz feiten erwähnt werden, findet man

in ihnen die Schokolade, die Wieland schon im Amadis nennt, die auch in SchillersFiesco" vorkommt, überhaupt nicht. And doch hah Goethe auf sie in seinem Alter ein paar Reime gemacht, und die süße Leckerei, die heutzutage so hoch im Preise steht, daß schon eine 100-Gramm-Tafel ein anständiges Geschenk ist, gerade vor hundert Jah­ren seinerletzten Liebe" in anmutiger Weise als Gabe dargebracht freilich ein ganzes Pfund. Als Goethe im Juni Juli 1822 in Marienbad weille, verkehrte er. wie auch in früheren Jahren, mit einer Frau von Drösigke und ihren Enkelln- nen, zwei jungen Fräulein von Levetzow. Die ältere von ihnen, Alrik, erzählt uns nun, daß die jungen Mädchen gerne den Gesprächen zuhörten, die Goethe mit dem großen Chemiker Derzelius und einigen anderen Naturforschern führte.Alle waren so freundlich, uns, was wir nicht ver­standen, deutlich zu machen: meine jüngste Schwe- ft er Berta, die nur erst 14 Jahre war, interessierte sich für die Mineralogie, und die von mir genann­ten Herren und Goethe stellten ihr eine nette Sammlung von Steinen zusammen. Ein anderes Mal rif Goethe uns zu sich, wo er auf einer langen Tafel alle Steingattungen, welche sich in der Gegend von Marienbad finden, geordnet hatte, er führte mich zu einer Stelle, wo er zwischen den Steinen ein Pfund Wiener Scho­kolade gelegt hatte, woraus geschrieben stand:

Genieße Oles nach deiner eignen Weise,

Cffir nicht als Trant, doch als beliebte Speise. Taß Goethe die Schokolade für mich zwischen die Steine gefegt, wa> Scherz, weil ich den Steinen kein Interest abgcw'nnen tonnte." Für Goethes Verhältnis zu Alrike sind noch deren folgende

Worte kennzeichnend:Auch in diesem Sommer war Goethe sehr freundlich zu mir und zeichnelL mich bei jeder Gelegenheit aus; ost sagte er zu meiner Großmutter, wie sehr er wünschte, noch einen Sohn zu haben, denn er müßte dann mein Mann werden, mich würde er ganz nach seinem Sinn ausbilden, er habe eine große und väter­liche Liebe für mich."

Ein amerikanischer Werkbund. Die Ausstellung des deutschen Kunstgeweirbes, die gegenwärtig tm Museum zu Qletoart im Staate Neuyort statcfindet, hat wichtige Folgen gezettigt. wie demEicerone" aus Neuyort berichtet wird. Auf einer Versammlung, die im Anschluß an dis Ausstellung veranstaltet wurde, beschloß man, auf die Gründung eines Kunstgewerbemuseums hinzuarbeiten, und nahm eine Vereinigung aller am Kunstgewerbe Beteiligten in Aussicht. Es sollen also die Künstler und Fabrikanten in einem amerikanischen Wertbund zusämmengeschlossen werden, Der sich den deutschen Werkbund zum. Muster nimmt.Kommt es während der nächsten Saison zu dieser Gründung," so schreibt der Be­richterstatter,so ist es auch möglich, daß der Aufforderung des deutschen Werkbundes anläßlich der Neuyorter Ausstellung zur Zusammenarbeit Folge geleistet wird, was einen großen morali­schen Sieg deutscher Arbeit unb Organisation dar-, stellen würde, gleichgültig, ob "das nun hier gleich öffentlich anerkannt werden würde oder nicht, ilnb. ein solcher Sieg würde sicherlich nicht ohne wert­volle Folgen bleiben, wenn er mit Takt und Klugheit weiterverfolgt werden würde.''