Ausgabe 
19.5.1922
 
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Dom Dölkerbundsrat.

Genf. 18. OHai. (Wolff.) Am Schluß der Tagung erledigte der Völkerbundsrat schnell und ohne Debatte den von Hymans im Namen der- Dreierkommission des Völkerbunds^ rates für Minderheitfragen vorgelegten Bericht über die Beschwerden des Deutschtum- bundes in Polen. Er beschloß, den Berichi der polnischen Regierung zu übermitteln, damit diese genauere Angaben über den sachlichen und rechtlichen Tatbestand mache. Er forderte außer- dem den polnischen Vertreter beim Völkerbund auf, gemeinsam mit dem Generalsekretär des Völkerbundes die verschiedenen Rechtsfragen, die der Bericht aufwirft, zu prüfen, damit der Rat gegebenensalls des .Urteil des ständigen Inter­nationalen Gerichtshofes einholen könne. Bis zur Regelung der Frage durch den Rat soll Polen auf alle gerichtlichen Schritte oder Vergeltungs- Maßnahmen verzichten, die die normale Stellung der deutschen Landbevölkerung polnischer Ratio­nalität beeinträchtigen könnten. Dieser Beschluß soll auch für die Landbewohner gelten, deren polnische Staatsangehörigkeit von der künftigen Entscheidung des Rates abhängt. Somit dürfte diese wichtige Frage leider erst im Herbst kurz vor der Dölkerbundsversammlung wieder im Rate zur Sprache kommen. Diese Hinausschiebung ist um so bedauerlicher, als der umfangreiche Bericht trotz der ausführlichen Gegendenkschrift in seinem sachlichen Teil von dem starken Eindruck zeugt, den die Klagen des Deutschtums hier ge­macht haben und bei aller Vorsicht in der Form eine ernste Kritik an den meisten polnischem Maßnahmen gegen die Deutschgesinnten darstelle.

Auch aus der Antwort Bourgeois' ging deutlich hervor, daß der Widerstand geaen die Behandlung des englischen Mandatsprojektes mir von einigen Mächten im Rate ausgegangen war, die glaubten, das; noch Besprechungen slatt- finden mühten, da man nicht eine einzige Mcm- datssrage losgelöst von den andern verhandeln könne. In Deantwol'tung einer Bemerkung Bal­fours über die durch die Verzögerung geschaffenen Verwaltungsschwierigkeiten sagte Bourgeois fer­ner:Wir, die wir auch Mandate besitzen, leiden in den Gebieten, die uns anvertraut wur­den. unter denselben Verwaltungsschwierigkeiten, und Lwar besonders in der Nähe des Gebiets, auf das Jicfr Lord Balfour bezieht (Palästina), nämlich in Syrien, wo wir bisher auf die größten Schwierigkeit gestoßen sind.

Die gegenwärtige Auseinandersetzung über die Mandatsfrage wird noch besonders beleuchtet durch die verschiedenen Aktenstücke, die dem Völ- kerbundsrat bei dieser Gelegenheit zugegangen sind, darunter Eingaben arabischer Organistionen, die gegen das englische Mandat protestieren, ka­tholischer Organisationen, di^ um den Schutz ihrer Religion bitten, sowie jüdischer Gruppen, die eine Bestätigung der Mandate verlangen.

Die Bewirtschaftung der notwendigsten Lebensmittel.

Berlin, 18. Mai. (WTB.) Ein dem Reichstag zugegangener Antrag von Mül­ler-Franken und Gen. (Mehrheitssoz ) ersucht die ' Reichsregierung, dem Reichstag mit tunlichster Beschleunigung Gesetzesvorlagen zu unterbreiten, wonach für das Wirtschaftsjahr 1922 23 das U m° lageverfahren für die Erfassung des l Brotgetreides bcibeh'lten wird, wobei der Gesamtbedarf an Brotgetreide für die Ernährung K der verforgungsberechtigten Bevölkerung aus der Inlandsernte in Höhe von 4Vs Millionen Tonnen sicherzustellen ist. Der Kartoffelbedarf der versorgungsberechiaten Bevölkerung soll auf dem Wege privatrechtlicher Lieferungsverträge sicher­gestellt werden. Damit die Lieferungsverträge auch tatsächlich eingehalten wer^n, ist der Er­füllungszwang gesetzlich festzulegen. Den schran­kenlosen Aufkäufen von Kartoffeln ist durch ge­eignete Maßnahmen, wie Konzessionierung des Handels und schärfere Kontrolle, entgegenzutre- ten. Im Interesse der Allgemeinheit ist die Be­wirtschaftung des Zuckers durch das Reich wie­der einzüführen. Der Bevölkerung ist pro Kopf und Woche ein halbes Pfund Zucker zur Ver­fügung zu stellen, für Säuglinge pro Kopf und Wache ein Pfund extra.

Berlin, 19. Mai. Im Kuratorium der Reichsgetreidestelle fand gestern eine Bespre­chung mit Vertretern der Landwirtschaft, des Handels, der Mühlenindustrie Und der Ver­braucher über den Referentenentwurf der Reichs­getreidestelle betreffend die G e t r e i d e o r d- nung im neuen Erntejahre statt. Der Entwurf wird in den nächsten Tagen dem Reichs­ernährungsministerium. dem Reichsrat und dem Reichstag zugehen. Das Gesetz soll möglichst noch in der ersten Hälfte des Juni in Kraft treten. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird, derDeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge, die Getreide­umlage als solche bestehen bleiben, jedoch soll die Landwirtschaft bei der Aufbringung und Ver­teilung des Getreides in stärkerem Maße als bis­her herangezogen werden. Der Preis für Getreide dürfte sich im kommenden Getreidejahr nicht um wesentlich erhöhen.

Das Urteil im dralle Petersdorf.

Oppeln, 18.Mai. (WTB.) Der inter­alliierte Gerichtshof hat heute nachmit­tag In öffentlicher Sitzung das Urteil im Falle Petersdorf gefällt. Wie dieOppelner Mor- gcnzeitung" meldet, wurde der Abg. Saczek wegen Teilnahme an dem Ueberfall in Peters- borf und wegen Ermordung des Spitzels Seichter zu lebenslänglichem Zuchthaus ver­urteilt, ferner Krömer, Eisenbahninspektor in Gleiwih, als Führer des Selbstschutzes zu a ch 1 Jahren Zuchthaus, Woura zu zehn Jahren Zuchthaus, P h t t l i k und M a l e s k a wegen Ermordung des Seichter zu zehn bzw. fünf Jahren Zuchthaus, Möbius, ebenfalls als Führer des Selbstschutzes, zu zehn Monaten Gefängnis der Geschäftsführer der Deutschnatio­nalen Volkspartei, Riemann, zu zwei Mo­naten Gefängnis. Die übrigen Angeklagten wur­den zu niedrigeren Gefängnisstrafen verurteilt. Untersuchungshaft wurde nicht angerechnet. Die Angeklagten Rektor Urbanek-Gleiwitz und Bühl- mann-Gleiwitz, gegen die die Todesstrafe bean­tragt war, wurden freigefprochen.

Aus dem Reiche.

Einziehung und Verbot des Notgeldes?

Berlin, 18. Mai. (Priv.-Tel.) Die Deutsche Allg. Ztg." meldet: 3m Reichs­finanzministerium ist ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worden, nach welchem alle Mar­ken, Münzen, Scheine und sonstigen Urkunden, die auf einen Geldbetrag lauten und als E r- satz für Geld im Zahlungsverkehr verwendet werden, bis 30. Juni durch den Aussteller einzulösen sind. Um auch die spätere Herausgabe des Notgeldes zu verhindern, ver­bietet der Entwurf, daß künftig weiteres Not­geld ausgegeben wird. Der Reichsfinanz­minister kann jedoch, falls das Berkehrsbe- dürsnis es erfordert, nach Anhörung der obersten Landesbehörden Ausnahmen zu­lassen. Für die Nichtbefolgung dieser Dor­sch nften werden verhältnismäßig hohe Strafen angesetzt. Die höchste Geldstrafe beträgt 100 000 Mk.

Zeitungsdruckpapier und Gütertarif.

Berlin, 18. Mai. (WTB.) Zur Stüt­zungsaktion für die Presse infolge der hohen Materialpreise gab der Deichsverkehrs­minister dem Antrag des Vereins deutscher Zeitungsverlegcr statt und versetzte mit rück­wirkender Kraft vom 1. Mai das Zei­tungsdruckpapier aus der Tarifklasse a in Tarifklasse b des Eisenbahngütertarifs.

Die Altersgrenze.

Berlin, 18. Mai. (WTB.) Der Preu­ßische Staatsrat hat den gemeinsamen An­trag der beiden Rechtsparteien, des Zentrums und der Demokraten angenommen, dem Staatsministerium und dem Landtag einen Ge­setzentwurf vorzulegen, nach welchem das Ge­setz vom 13. 12. 1920 über Die Einführung der Altersgrenze einstweilen außer A ch t z u s e tz e n ist, die Außerkraftsetzung bis zur einheitlichen Regelung der Materie durch das Reich, jedoch längstens auf zwei Jahre, erfolgen soll.

Ein neuer Stinnes-Dauipfcr.

Berlin, 18. Mai. (WTB.) Am 20.Mai findet in Wilhelmshaven der Stapellauf des neuen Dampfers von Hugo S t i n n e S statt, der den Namen des bekannten Gewerk­schaftsführers und Befürworters der Arbeits­gemeinschaft Karl Legten tragen wird. Der Reichspräsident, der am gleichen Tage zum Besuche der Marine in Wilhelmshaven weilt, wird dem Stapellauf beiwohnen.

Ankunft einer deutsch-amerikanischen Reise­gesellschaft in Hamburg.

Hamburg, 18. Mai. (Wolff.) Eine aus über 1000 Personen bestehende deutsch-ame­rikanische Reisegesellschaft, unter der sich Angehörige aller Deutsche Dvlksstämme aus allen Teilen der Vereinigten Staaten befinden, namentliche auch Mitglieder des arnerikaan Ischen plattdeutschen Dollsfestvereins, ist heute vormittag auf dem HapagdampferHansa" von Reuyork kommmd, nach ^uter und schneller Ueb rfahrt f;i r eingetroffen. Auf der in den frühen ^Morgen­stunden gemeinsam angetretenen Fahrt elbauf­wärts nach Hamburg wurden die deutschen Lands­leute durch den Vertreter des Senats, Dr. Krause, den Präsidenten der Bürgerschaft, Roß, den Ober­präsidenten der Provinz Schleswig-Holstein, Kür­bis, der namens der preußischen Staatsregierung sprach, sowie den Vertretern mehrerer plattdeut­scher Vereine herzlich in der alten Heimat will­

kommen geheißen.

Der deutsche Strom.

Ein zeitgemäßes Weserlied.

Hier hab ich so manches liebe Mal Mit meiner Laute gesessen . . .

Aus Kass el wird uns geschrieben: Bei Hannoversch-Münden, dort, wo die Werra und die Fulda sich in einem innigen Kusse finden, der zum Vater der Weser wird, treten die Berge dicht an den Strom heran, und an einem beson­ders schönen Plätzchen wird gegraben und gebaut, damit demnächst vollendet ist, was vor dem Feldzug bereits begonnen wurde. . . Das Denkmal für den Dichter Dingelstädt und seinen Tonseher Pressest die Schöpser des unsterblichen Weser­liedes.

Man singt es heute mehr denn je. Auf den Oberweserperionendampsern, die soeben wieder ihre Fahrten bis zur Rattenfängerstadt Hameln ausgenommen haben, bilden sich ähnliche Bräuche aus wie auf dem Rhein, wenn der Dampfer an der Loreley vorübersuhr. Hier darf man ja deut­sche Lieder fingen, die von der fremdenWacht am Rhein" verboten sind. Und es wird reichlich da­von Gebrauch gemacht und gern! Seit der Feind am deutschen Strome steht, ist die Weser der deutsche Strom geworden. Ueber ihn allein gebieten wir noch vollkommen frei. Auch natür­lich ist er von je der einzige rein deutsche Strom von der Geburt bis zum Ende im Meer gewesen. So steht auch an dem Stein, der am Zusammen­fluß der Werra und Fulda auf dem sog. Tanz-

werder bei Hann.-Münden errichtet ist, ein­gegraben :

Wo Werra sich und Fulda Listen Sie ihre Namen büßen müssen Und hier entsteht durch diesen Kuß Deutsch bis zum Meer der Weserfluh.

Von Jahr zu Jahr nimmt unter solchen Um­ständen der Fremdenverkehr zu. Die reizvolle Natur mit ihren Gebirgen und Wäldern und grünen Wiesen tragt das ihre dazu bei. Noch etwas Größeres tyird aber die Weser auszeich­nen. Große Staustufen sind im Entstehen be­griffen. Sie werden nicht nut die weiße Kohle, den elektrischen Strom weit ins Land senden, sondern gnch den Wasserstand der Weset, der seichet zu wünschen übrig ließ, verbessern. Im kommenden Jahre wird auch die Diemeltal- Spetre fertig und bann wird diese im Verein mit der größten und landschaftlich schönsten Talsperre Europas, der Waldecker Ebertalsperre, Groß- s ch i f f a h 11 auf der Weser ermöglichen. Gegen­wärtig reift auch der große Kanalplan Nordsee- WeserDonauSchwarzes Meer.

Eine gewaltige Zukunft steht der Weser be­vor. Schon ist sie angebahnt. Erstmalig in diesem Jahr wehte an diesem Sonntag wieder die beut- sche Flagge an den eleganten Raddampfern der Oberweser Personen-Dampstchistahtt Hameln. Be­reits jetzt liegen zahlreiche Fremdenanmelbungen vor und.... diese Fremden sind durchweg Deutsche, die Sommeretholung finden wollen

In Hamburg wurde den amerikanischen Gästen ein geradezu überwältigender Empfang zu­teil. Bereits von Schulau aus umsäumten große Menschenmengen, die den Amerikanern zujubelten, das Elbuser. In Blankenese wurde der Dampfer mit Böllerschüssen begrüßt. Zahlreiche, stark besetzte kleinere Dampfer und Motorboote belebten den Strom und geleiteten dieHansa" elbaufwärts zum Liegeplatz. An den Landungsbrücken und in den umliegenden Straßen hatten sich mindestens 100 000 Menschen eingcfun'oen, die ihrer Freude über die Airkunft unserer Landsleute durchTücher- schwenken und Hurrarufen Ausdruck gaben.

Aus Braunschweig.

Braunschweig, 18. Mai. (Wolff.) Der mehrheitssozialistischeVolksfreund" teilt zur Frage der Regierungsbildung den Briefwechsel der sozialdemokratischen Landtagsfraktion mit der demokratischen Fraktion und der unabhängigen Fraktion mit, aus dem hervorgeht, daß die Demo­kraten die sogen. Heine Koalition (Unabhängige, Mehrheitssozialisten und Demokraten) wegen der Haltung der Unabhängigen in der Frage der Regierungsbildung ablehnen. Sie erklären, daß sie sich nur an der sogenannten großen Koalition der Mehrheitssozialisten und der Rechten be­teiligen werden und schlagen vor, die darüber be­gonnenen Verhandlungen in Kürze fortzuführen. Die Unabhängigen erklären, daß für sie nach wie vor nur eine rein sozialistische Regierung in Be­tracht käme. DerVolksfreund" schreibt hierzu, die (Situation sei nun geflärt. Es würden wahr­scheinlich noch keine Neuwahlen erforderlich fein, sondern es würde zur Bildung der sogen, großen Koalition kommen.

Aus Stabt und Lond.

Gießen, den 19. Mai 1922.

* Amtliche Personalnachrichten. Ernannt wurden die Zollafsistenten Peter En­ger t beim Hauptzollamt Mainz, Heinrich M a- g e l beim Hauptzollamt Gießen, Karl Lang­göns zu Wimpfen und Johannes Wetzel zu Lorsch zu Zvllsekretären. In den R ihe­ft anb versetzt wurde am 28. März der Lehrer an der Volksschule zu Langen, im Kreise Offen­bach, Georg C l a r i u s, auf fein Dachs ichen unter Anerkennung seiner dorn (Staate während mehr als 50 Jahren geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Mai 1922 ab.

** Der neue Fahrplan der Eisen- bahndirektivn granffurt (Main) liegt nunmehr im endgültigen Entwurf mit Gültigkeit vom 1. Juni vor. Wie schon mitgeteilt, ist er diesmal als ZahreSfahrplan gedacht, so daß im Winter höchstens geringe Aenderungen eintreten werden. Der Fahrplan, der auf dem hiesigen Bahnhof zur Einsicht aufliegt, wird rechtzeitig imGießener Anzeiger" kostenlos als Vellage erscheinen.

"-Wem gehören die Kartoffeln und der Spinat? In der Nacht von Mitt­woch auf Donnerstag wurde einem hiesigen Bewohner von einer Polizeibeamtenpatrouille ein Sack mit ca. 1 Zentner Kartoffeln abge­nommen und beim Polizeiamt sichergestellt, die den ilmftänben nach als gestohlen ange­sehen werden müssen. In dem Sack befindet sich ein blauer Streifen. Ferner wurden am Abend des verflossenen Dienstags zwei hie­sigen Bewohnern oa. 50 Pfd.. Spinat abge­nommen, der zweifellos auch von einem Dieb­stahl herrührt. Die Eigentümer werden er­sucht, sich dieserhalb mit der hiesigen Krimi­nalpolizei ins Benehmen zu setzen.

* * Fe st genommen wurde auf tele­phonisches Ersuchen in einem von Kassel kom­menden O-Zuge ein Hotelangestellter eines Hotels in Bad Wildungen, der 6000 Mk. un­terschlagen hat und sich auf dem Wege nach Frankfurt a. M. befand. 5700 Mk. wurden noch bei ihm vorgefunden, die dem Eigentümer wie­der zurückgegeben werden konnten. Bei der Festnahme zeigte der Dieb sich ziemlich reni­tent und legte sich auch einen falschen Na­men bei.

Bornotizen.

Tageskalender für Freitag. Großer Hörsaal der Universität, 873 Ahr: Vortrag überLand- und Luftreifen durch Palästina". Im Zelt der Deutschen Zelt­mission, OSwaldsgarten: Nachmittags 4 Ahr Bibelerklärung; abends 81/2 Ahr Vortrag, Thema:Religion oder Versöhnung". Astvrra - Lichtspiele:Inlot, der Apache", Eharly auf der Walze" undDas Panzer­geschoß". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute:Das Ende der Ärtiftin ßuigi Ber- tolini undDer Sklavenhalter von Kanfas- Cith".

Oberheffifcher Kun st verein. Die für die neue Ausstellung angemeldeten

Kunstwerke sind ein getroffen, so daß die Er­öffnung der Ausstellung am nächsten Sonn-- lag bestimmt erfolgt.

Die GiehenerWaldbühne beginnt ihre Somrnerspielzeit 1922 am 21. Mai nachmit­tags um 5 Ahr mit der Araufführung eines von Frl. Elfe Speckharbt aus Darmstadt verfaßten Märchenspieles für KinderDas Frühlings- f e st". Diesem geht ein Vorspiel voraus, bas zeigen soll wie jungen Mäbchen aus ber Pflege des Volksliedes, ber Volkstänze unb Reigen reine Freude erwachst. Sollte biefe ober eine ber nächsten Aufführungen infolge schlechten Wetters ober aus irgendeinem anderen Grunde verschoben werben müssen, so wird dies durch Aushang am alten Stadthaus (Südanlage) eine Stunde vor; dem auf den Theaterzetteln unb in ber Anzeige angegebenen Anfang bekanntgegeben. Die gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit zum nächsten Auf­führungstage. (Siehe heutige Anzeige.^

Deutschnationale Volks- Partei. Gemütliches Zusammensein der Fa­milien morgen (Samstag) ttn Schützenhause (Näheres siehe Anzeige.)

AuS jOberhessen.

Aus dem neuen Staatsvoranschlag sind für Obephessen außer den bereits von uns veröffentlichten noch folgende Zahlen von Inter­esse: Für die Draunkohleniverke Lud­wigs Hoffnung, Wölfersheim und Weckes heim sind bei einer durch den Ausbau ber Betriebe, die Anlage neuer Betriebspunkte unb 'den Bau von Seilbahnen veranlaßten er­höhten Abschreibung von 1 181190 Mk. (1921 = 555 990 Mk.) die Einnahmen zu 15 468 786 All., die Ausgaben zu 15 009 703 Mk., der Aeberschuß also zu 459 083 Mk. (235 614 Mk.) veranschlagt, für das Kraftwerk bei 2 000 000 Mk. 2ll>- schreibung (1921 = 789 884 Mk.) die Einnahmen zu 12 193 000 Mk., die Ausgaben zu 11 299 225 Mark, der Ueberfchurh also zu 839 775 Mk. (384 978 Mk.). Die Anlagewerte verzinsen sich danach dort mit 4,8 v. H., hier mit 4,34 v. H. Diese Verzinsung entsprich allerdings infolge ber fei.Irrigen ungenügenden Strompreise bei weitem nicht der Rente aus dem Anlagekapital bei an­deren Unternehmungen ähnlicher Art, insbeson­dere bei Vergleich unb Berücksichtigung ber Ab­schreibungen unb Rückstellungen, die bei anfenax staatlichen Werken nur in geringem Umfang der Entwertung der Anlagekckpi'allen und den spa­teren hohen Ersatzkosten Rechnung zu tragen ver­mögen.

Die gewaltige Steigerung aller Preise und die Erhöhung der Löhne unb Gehalle wirkt sich besonders auch in dem Voranschlag ber 05abe­auflag Bad-Nauheim aus. Die Verwal- tungsausgabc.i erhöhen sich um 2 454 785 Mk. aus jetzt 4 180 300 Mk., die Ausgaben für den lau­fenden Betrieb, für Unterhaltung der Gebäude, des Inventars, des Parks, der Anlagen, Kanäle, Leitungen usw. !um 5 469 760 Mk. auf jetzt 8 331 760 Mark Zur Deckung von einmaligen Ausgaben sind 1 264 150 Mk. eingestellt. Hierwegen wird auf die Regierungsvorlagen vom 23. «September und 3. Oktober ds. Is., Drucksachen Nr. 862 und 868, Bezug genommen, auf Grund deren die Regierung ermächtigt wurde, die technischen Einrichtungen und Anlagen des Bades, die während des Krieges und nachher infolge Wangels an Material unb Arbeitskräften nicht in ber erforderlichen unb früher üblichen Weise instand gehalten werden konnten, nunmehr einer gründlichen Wiederher­stellung zu unterziehen, um ihre volle Leistungs­fähigkeit wieder herbeizuführen und zu erhallen. Die sich hieraus ergebenden Ausgaben sollen aus den laufenden Einnahmen des Jahres 1921 und der folgenden Jahre jeweils in dem Umfange bestritten werden, wie dies nach Deckung der lausenden Ausgaben im übrigen möglich wird. Insgesamt stellen sich die Ausgaben auf 13 861 210 Mark. Zur Erzielung eines Betriebsüberschusses, der neben Aufbringung des Fehlbetrages für Bad-Salzhausen die Mittel darbieten soll zur Bestreitung der dem Bad obliegenden Verpflich­tungen (Verzinsung und Tilgung der früher vom Staat zu den Neu- und Erweiterungsbauten ge­währten Darlehen) unb weiter zu einer Sonder­abschreibung für Ersah und größere Instand- sehungsarbeiten bei den Bade-, den technischen unb baulichen Anlagen, mußten die Einnahmen durch bedeutende Erhöhung ber Bäderpreise, der Kurabgabe unh der Preise für Salz, Eis, elektri­sche Kraft und Wasser entsprechend gestaltet wer­den. Sie sind mit einem Mch-r gegen 1921 von 9 949 442 Mk. vorgesehen, also mit insgesamt 15 310 768 Mk. Der Ueberschuß stellt sich danach auf 1 449 558 Mk., wovon 115 945 Mk. zum Aus­gleich des Voranschlags von Bad-Salzhau- s e n benötigt werden und 1 333 613 Mk. dem Er- neuerungsstock zufliehen. Dieser hat die erwähn­ten Zins- und Tilgungsverpflichtungen im Be­trag von rund 430000 Mk. zu bestreiten und die Rückstellung für Ersatz unb größere Instand­setzungsarbeiten bei den Bade- usw. Anlagen mit 800 000 Mk. zu bewirken. Seine Mittel werden sich Ende 1921 auf 228 800 Mk. belaufen; die Schuld an die Staatskasse wird sich zu dieser Zeit auf 6 619 100 Mk. stellen.

an der Weser mit ihrer blitzenden Welle und am einzigen deutschen Strom!

Rudolf Hehnemann. *

Aus Tschaikowskys Erinnerungen.

Der berühmte russische Komponist Peter Tschaikowsty hat sehr interessante Erinnerungen, in denen er seine Begegnungen mit berühmten Kollegen beschreibt und oie jetzt durch eine neue von Heinrich Stümcke besorgte Ausgabe bei Reclam allgemein zugänglich werden. Don seiner ersten Begegnung mit Brahms erzählt er: Zum ersten Male im Leben hatte ich Gelegen­heit, dem berühmtesten unter der zeitgenössischen deutschen Komponisten gegenuberzustehen. Brahms ist nicht groß und wohlbeleibt. Sein hübscher grauer Kopf erinnerte mich an einen seelensguten, ältlichen russischen Geistlichen. Für einen Deut­schen charakteristische Züge hat Brahms meines Erachtens gar nicht, und mir ist es unbegreiflich, wie ein gewisser gelehrter Ethnograph (ich stütze mich dabei auf eine eigene Mitteilung des Kom­ponisten) gerade feinen Kops für baä Titelbild eines Buches wegen feiner charakteristisch germa­nischen Züge wählen konnte. Eine gewisse Weich­heit und sympathische Rundung der Linien, ziem­lich langes, dünnes, graues Haar, gerade, freund­liche Augen, ein dichter, graumelierter Bart, alles das erinnert weit eher an den Typus des echten Grohrussen, wie man ihn besonders oft unter Personen geistlichen Standes antrifft. Brahms bewegte sich äußerst einfach und ungeniert, ohne allen Hochmut, und die Stunden, die ich in feiner

Gesellschaft verbringen durfte, haben mir eine sehr angenehme Erinnerung hinterlassen." Von Schu­mann erzählt Tschaikowsky nach den Mitteilun­gen seines Jugendfreundes Reinecke einige Züge: Schumann war ein echter Melancholiker; feine Schweigsamkeit war erstaun sich; es schien, als ob ihm jedes Wort große Anstrengungen kostete. Auffällig in feiner musikalischen Organisation war auch, daß er ganz unfähig war, zu dirigieren. Reinecke erzählte mir Fälle, aus denen hervor­geht, daß er sogar den Klang der einzelnen In­strumente nicht gut unterscheiden konnte und daß das für den Kapellmeister so unentbehrliche an­geborene rhythmische Gefühl bei ihm nur ganz unbedeutend entwickelt war. Wie schwer sind diese Anomalien bei einem Musiker zu begreifen, der. nach feinen Kompositionen zu urteilen, gerade in bezug auf den Rhythmus so erfinderisch war!" Zu G r i e g trat der russische Meister in ein enges Freundschaftsverhältnis. Der norwegische Komponist war sehr klein und von schwächlichem Aussehen, hatte große blaue Augen mit dem Blick eines unschuldigen Kindes, und seine von ihm unzertrennliche Gattin war nicht viel größer. Als daher Tschaikowsky in einem Konzert mit dem Griegschen Ehepaar erschien, sagte man:Da sitzt Tschaikowsky, und neben ihm seine Kinder!"Das wurde ganz ernsthaft gesagt," meint der Meister, und ist auch gar nicht so wunderlich, wie es auf den ersten Augenblick sich ausnimmt, denn ich bin grau und greisenhaft, und Grieg, der 45 Iahrq' alt ist, und feine Frau sehen, zumal sie beide klein find, von weitem sehr jugMdlich aus."