Ausgabe 
19.5.1922
 
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Nr. M

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Freitag, sy. Mai 1922

Erster Blatt

112. Jahrgang

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GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck nnb Verlag: vrühl'fche Univ.-Vuch- und Steinöruderci R. Lange. 5christlettung, Geschäftsstelle und Druckerei: Zchulstrasse 7.

Bon Genua zur Dollarmilliarde? Don einem Berliner Mitarbeiter wird uns geschrieben:

Genua liegt wirklich in den letzten Zügen". Das Zitat aus SchillersFiesko" ist zur Tatsache geworden, und die Bilanz derWeltwirtschaftskvnferenz" ist für die mehr als fünf Wochen, die sie seit dem 10. April getagt hat, dürftig. Ihr Hauptprogramm- punlt, der Wiederaufbau Europas, ist auf dem Theaterzettel stehen geblieben, der heiss um­strittene Burgfriedenspakt wurde zu einem Dreimonatswechsel mit etwaiger Prolongation degradiert, und die Verhandlungen mit Ruh- land sind vertagt, sind nach dem Haag ver­legt worden. Anter erschwerenden Amstän- den; denn Sowjetruhland macht Vorbehalte, Frankreich Obstruktion und die Rordamerika- nische Union macht nicht mit.

So bleibt für Deutschland als positives Ergebnis das Abkommen mit Russ - land, das nach Ansicht der Kvnferenzeinbe- rufer ja programmwidrig war. Die Ver­handlungen im Haag aber sollen nicht etwa nur unter Ausschluss Deutschlands, son­dern zunächst auch ohne die Vertreter Mos­kaus vor sich gehen, die man erst später zuzuziehen gedenkt. Auf deutscher Seite wird man keineswegs dem bequemen Standpunkt huldigen dürfen,sei im Besitze und du bist im Recht", denn der Rapallo-Vertrag würde uns an sich nicht davor schützen, dass wir bei etwaigen Abmachungen zwischen Russland und den Alliierten benachteiligt werden. Man steht denn auch in den leitenden Stellen auf dem Standpunkt, dass parallel mit den Besprechun­gen im Haag unsere Verhandlungen mit Russ­land weiter geführt werden müssen, um zu einem wirklichen Wirtschaftsvertrag zu ge­langen, zu dem das Abkommen von Rapallo gleichsam nur den Rahmen barstellt.

Trotz alledem wäre es nicht richtig, von einem völlig negativen Ergebnis der Genua- Konferenz zu sprechen. Wir wollen dabei etwa nicht in die Phrase von demAnfang einer gegenseitigen Verständigung durch die ge­meinsamen Beratungen bisher getrennter Kontrahenten" verfallen, sondern wir den­ken mehr an die Klärung der politischen Atmosphäre durch die Feststellung, wer wirk­lich ernsthaft an dem Wiederaufbau Europas arbeiten und wer sich ihm unter Berufung auf den Anfriedensvertrag von Versailles widerfttzen will. Aber zu diesem allgemeinen Ergebnis gesellt sich doch wenigstens ein prak­tisches, nämlich der Kvmmissionsbeschluss, wo­nach im Juni eine Notenbankkonfe­renz in London zusammentreten soll, an der die Vertreter der grossen Danken der Welt, frei von politischen Hemmungen wirklich wirt­schaftliche, weltwirtschaftliche Fragen beraten wollen.

Immerhin ist auch das noch Zukunfts­musik, während die auf den 24. Mai ange­setzten Beratungen der Studienkvmmifsion für die internationale Anleihe zwar auch noch nicht Gegenwartsmusik sind, aber es doch wer­den könnten. Ebenso wie die Verhandlungen, zu denen sich der Reichsfinanzminister Dr. Hermes nach Paris begeben hat. Frei­lich wird auch hier vorsichtige und skeptische Bearbeitung am Platze sein, und die aus Paris verbreiteten optimistischen Darstellun­gen sind mit dem stärksten Vorbehalt aufzu­nehmen. Zunächst muss beachtet werden, dass es sich hierbei gar nicht um die große Anleihe zwecks Kapitalisierung der sogenannten C» Bons, also eines Hauptteiles unserer Repa- rativnslaften, handelt, sondern vielmehr um einekleine Anleihe", die freilich nach den Meldungen aus Paris eine Milliarde Dollar betragen soll und bei der man vor allem auf die Amerikaner als Geldgeber rechnet.

Run liegen aber die Dinge so, Dass der bisher von englischer Seite vertretene Stand­punkt, erst Revision des Friedensvertrages und dann Anleihe, ebenso den deutschen In­teressen wie denen der etwaigen Geldgeber entspricht. Denn es ist klar, dass durch eine Anleihe, die es Deutschland ermöglichen würde, seine Barverpflichtungen in den nächsten Jahren ohne Inanspruchnahme des Devisenmarktes zu erfüllen, das Gleichgewicht hi per deutschen Zahlungsbilanz vermutlich nur so lange hergestellt werden würde, als der Erlös der Anleihe reicht. Eine Anleihe in Verbindung mit einem Moratorium würde in der Tat die Finanzkatastrophe nur hinausschieben, und die allgemach totgerittene Phrase von derAtempause" würde sich zwei­fellos als ein schöner Wahn entpuppen, wenn nicht die absolute Gewissheit besteht, dass das Moratorium durch den Schuldennachlass abgelöst wird. Das wird der Finanzminister Dr. Hermes bei den Verhandlungen in Paris sich zur Richtschnur machen müssen; denn an­

dernfalls würde Anleihe und Moratorium nur eine vorübergehende Lockerung der ! Deutschland um den Hals gelegten Schlinge bedeuten, die sich nach dem Verfallstermin gleichsam automatisch umso fester zuziehrn müsste.

Die letzten Sitzungen.

G e n u a, 18. Mai. (Wolff.) Die Schluss­sitzung der Vollkonferenz ist für morgen vormittag vorgesehen. Die deutsche Dele­gation mit Reichskanzler Dr. Wirth wird voraussichtlich Samstag früh abreisen und am Sonntag abend in Berlin eintreffen.

Genua, 18. Mai. (Spezialbericht des Vertreters des WTB.) Aeber die Vormit­tagssitzung der ersten Kommission verlautet noch: Der Burgfriedens Pakt wurde nicht unterzeichnet, sondern nur in Form einer Resolution angenommen. Zeder Staat ver­pflichtet sich darin, den Pakt zu respektieren. Von italienischer Seite wurde mitgeteilt, dass die italienische Regierung eine Antwort auf das Telegramm Hughes gesandt habe. Dar­aufhin sei heute eine neue Mitteilung der ame­rikanischen Regierung eingetroffen, wonach sich die Vereinigten Staaten ihre endgültige Ent­scheidung bezüglich einer Teilnahme an der Sitzung der Sachverständigenkommission im Haag Vorbehalten, bis die Situation klarer ge­worden sei.

Der Haag als Konferenzort.

Genua, 18. Mai. (Spezialberich: des Ver­treters des W. T. D.) Vor Beginn der gestrigen Rachmiltagskonferenz halte Schanzer eine längere Anterredung mit Dar t hou und Ia - spar, um beide vom Verlauf der Vormittags- sir.ung zu unterrichten. Beide erklärten sich mit dem Verlauf der Verhandlungen einverstanden.

Anlass zu einer Diskussion gab die Wahl des Ortes für die Kommissionsverhandlungen. Tschitscherin bestand hartnäckig darauf, dass Russland nicht nach dem Haag gehen könne. Schliesslich gab der holländische Minister Pa- t i j n e dem Präsidenten die Erklärung ab. dass die Russen im Haag von der holländischen Regie­rung in der gleichen Weise behandelt würden, wie die anderen Delegierten und dass auch für die persönliche Sicherheit der Russen in weitest­gehendem Masse gesorgt würde. Erst nach län­gerem Zögern liess Tschitscherin den Antrag auf Verlegung der Kommission fallen und erklärte sich mit dem Haag einverstanden.

Eine weitere Debatte entspann sich wegen der Frage des Friedenspaktes und der umstürz­lerischen Propaganda. Weiterhin beantrag­ten die Russen, dass der Pakt auch gegen die Ban­den schützen müsse. Polen und Rumänien gaben beruhigende Zusicherungen ab und wiesen darauf hin, dass die Gefahr in dieser Beziehung von rus­sischer Seite grösser sei, als von ihrer. Dennoch wurde beschlossen, die Bestimmungen des Frie­denspaktes in weitestgehendem Sinne auszulegen. Mit dieser Erklärung beruhigten sich die Russen und beschlossen endlich, in den Go'.tesfrieden auch die mit Russland verbündeten Sowjetrepubliken, Weissrussland, die Akraine die Republik W fernen Ostens und die drei kaukasischen Republiken ein­zubeziehen. Schanzer erklärte, dass der Friedens­pakt in keiner Weise die Frage der de jure-An- erkennung der Srwjetrepubl len Präjudiz'e e. Der schweizerische Delegierte Motta machte den Vor­schlag, die Dauer des Friedenspaktes von drei Monaten auf ein Jahr zu verlängern. Schanzer dagegen verlangte einen Friedenspakt von un­begrenzter Dauer. Schliesslich wurde bestimmt, dass der Gottesfriede bis auf die Dauer von vier Mo­naten nach Schluss der Kommissionsarbeiten aus­gedehnt werden solle, so dass er im ganzen sieben Monate umfassen kann. Auf Grund dieser Ver­handlungen soll nun der Text des Friedenspaktes endgül'ig redigiert werden.

Morgen vormittag findet die Plenar­sitzung der politischen Kommission statt. Man hofft, dass sie die Arbeiten morgen beenden kann, so dass man am Freitag vormittag die letzte Plenarsitzung der Konferenz abhalten kann. Lloyd George legt grossen Wert darauf, die Konferenz am Freitag mittag zu beenden, da er am Freitag nachmittag nach London abreisen möchte.

Genua, 18. Mai. (Spezialbericht des Ver­treters des WTB.) Aeber die heutige Plenar­sitzung der politischen Kommission wird noch Berichtet: Der Vertreter Litauens er­klärte bei der Beratung des Garantievak es, day dieser Pakt durchaus keine Möglichkeit biete, Li­tauen gegen Polen zu sichern. Der polnische Minister des Aeussern, Skirmunt, erklärte, datz Polen bereits im Januar in dem Memorandum an den Völkerbund die Gimndzüge seiner Politii dargelegt habe. Es denke nicht daran, gegen irgend einen Staat, welcher es auch sei, An­griff sabsich en zu hegen. Der Vertreter Est­lands machte ähnliche Einwände. Doch wurde schliesslich zur Tagesordnung üb-erg-'gangen. Der Holländer Patijo dankte der polit.schen Kom­mission, dass sie Haag als Sitzungsort der Kom­mission gewählt habe. Lloyd George wie­derum dankte für die Bereitschaft der Rieder- lande, iie Schwierigkeiten auf sich zu nehmen Lloyd George schlug dann vor, dass man einen Modus für die Behandlung der Beschlüsse der Konferenz von Genua für spätere Konferenzen finden müsste. Lloyd G.o"ges Vorschläge wur­den im allgemeinen angenommen. Sodann ent­spann sich eine kurze Debatte über die Frage beS Garantiepaktes. Von französischer Seite war gestern erklärt worden, dass der Ga- I rLrntiepakt sich auch auf Angora ausdehne.

Diese Ansicht wurde von der politischen Kom­mission als irrig bezeichnet. Es wurde festgestellt, dass der Garanliepakt nur für die acht S.aats- wefen gelten sollte, die sich auf dem Territorium des ehemaligen Russlands bildeten. Bei der Ab­stimmung wurden alle Vorschläge angenommen. Es wurde beschlossen, die Plenarsitzung der De- scnnlkonferenz morgen vormittag abzuhalten.

Wirth und ))iat()cimu bei Lloyd (ücorgc.

Berlin, 19. Mai. Wie die Blätter aus Genua melden, hat Lloyd George gestern nachmittag nacheinander Schanzer, Barthou, Motta und sodann Reichskanzler Dr. Wirth mit dem Reichsminister des Aeussern Dr. Rat Henau, die beide von dem englischen Premierminister zum Tee einge- laden worden waren, empfangen. Der Besuch der Führer der deutschen Delegation dauerte etwa eine Stunde. Anmittelbar darauf hat Lloyd George eine Vermittlungsaktion zwi­schen Italien und Südslavien fortgesetzt, deren Delegationen zu diesem Zweck in der Villa d'Alberti erschienen waren.

Eine Rede des italienifchenMinisterpräsidenten

Genua, 18. Mai. (WTB.) Auf dem heute abend von ben italienischen Journalisten zu Ehren des Ministerpräsidenten de Fa:ta und des Mi­nisters des Auswärtigen Schanzer veranstal­teten Bankett hielt de Facta eine Rede, in der er u. o. sagte: Die ganze Welt wird die Ergebnisse dieser Konferenz besprech n Der Gegen­satz gewaltiger Interessen, der sich hier gezeigt hat. wird die Kommentare besonders lebhaft ge­stalten. Wenn man an die ungeheure Fülle von Fragen, Prinzipien und neuen Formen denkt, die hier aufgetaucht sind, und wenn man den geradezu phantaf'ischcn Am'aig der Gegenstände in Betracht zieht, die hier in kurzer Zeit be­handelt worden sind, erkennt man, dass hier nicht alles auf einmal geordnet werden konnte. 'Denn man die vernichtenden Wirkungen des grossen Krieges heilen will, bedarf cs der Zeit und lang­wieriger Arbeit. Die Schwierigkeiten und Zwi- scheirfälle, der Wechsel des Geschehens and die 0c- sahren traten gross. Es gib Augenblicke grosser Spannung, grosser Enttäuschung a :b begründe er Furcht. Der gute Wille ober hat stets gesiegt. Wenn man sich t>erg<*gentoär!igt, in welchem Geisteszustand s i ch Europa vor der Konferenz befand, und wie die Stim­mung ist, die hier he ran refft, fühlt man unschwer den Fortschritt, dw hier erreicht worden ist. Anmöglich erscheinende Krntatte wur­den tatsächlich hergestellt, und schwerwiegende Fragen erschienen nicht mehr unlösbar, sondern wurden geprüft und studiert. Die Geister, die noch aufs tiefste ausgerührt waren, gewöhnten sich an weniger heftige Formen in der Dis­kussion. So zeigte die Konferenz bereits den Weg zu neuen Zusammenkünften and zu ihrer Fort­setzung, d. h. zur Verständigung. Hier rn Ge­nua find hervorragende und hochherzige Männer zusammengetreten aus ganz Europa. 3 alten ha'te die Ehre, hier Peisonlickikeiten zu versammeln, die für eine grosszügige Auffassung und für ttef- , gehende Erwägungen vorbereitet waren. Die Ita­liener hoben alle Hochachtung vor diesen Män­nern. Wir dürfen ans sagen, dass sie hier die Keime für ein neues Leben ausgesät haben.

(Brei) ge en Lloyd George.

London. 18. Mai. (Wolff.) Lord Grey of Fallodon hat ein Schreiben an den Sekretär des nationalliberalen Bundes gerichtet, in dem es heisst, die Genueser Konferenz habe ein Beispiel d ssen geboten, was vermieden werden müsse. Der Wied?raufbau Europas und die allgemeine Friedensstiftung seien drin­gende und bewundernswerte Ziele. Es fei jedoch sehr bedauerlich, dass die angewandte Methode von Anfang an zum Scheitern und nicht zur Förderung dieser Ziele führen mühte. Am das Erreichen des Zieles zu sichern, wäre ein enges Einvernehmen mit Frankreich und die Mitwirkung der Vereinig­ten Staaten unerlässlich gewesen. Er (Grey) könne sich nicht denken, dass diese beiden Mächte nicht aufrichtiges Wohlwollen gezeigt hätten, wenn sie zuvor gesagt worden wären. Die (Senuefer Kon­ferenz fei damals als eine Aeberrafchung verkündet worden und sei von Anhängern des Premier­ministers als dessen persönliches Pro­jekt begründet worden, dessen Erfolg feiner poli­tischen Ehre angerechnet würde. Auf diese Weise sei der Eindruck hervorgerufen worden, dass die Konferenz einen nicht nur entfernten Zusammen­hang mit einer politischen Frage habe. Durch die­sen unglücklichen Beginn seien ihre Aussichten auf Erfolge sehr beeinträchtgit, wenn nicht zerstört worden. Frankreichsei von Misstrauen erfüllt gewesen. Die Vereinigten Staaten ti>ci wer­ten sich überhaupt teilzunehmen. Aus dem einen ober anderen Grunde sei bei Zusammentritt der Konferenz ein ilebereinfommen njit den Bolsche­wisten als der Prüfstein des Erfolges der Kon­ferenz angefehen worden. Aber anscheinend habe man die Konferenz zusammentreten lasten, ohne irgend einen Versuch zu unternehmen, festzustellen, welche Haltung die bolschewistische Regierung in Wirklichkeit annehmen werde.

So sei die Genueser Konferenz zu einer Art von politischem internationalen Glücksspiele geworden, und moi habe ihre Verhandlungen mit wachsender Besorgnis und Furcht verfolgt. Enges Einvernehmen mit Frankreich und das Wohlwol­len der Vereinigten Staaten feien der

einzig richtige Beginn und die einzig ,este G.undloge des wirtschaftlichen und finanziellen Wiederaufbaues sowie eines Friedens, an dem alle Rationen Anteil haben. Diese beiden wesentlichen Bedingungen seien durch die Genueser Konferenz erschwert, bzw. weniger wahrscheinlich gemacht worden. Wenn aber eine aufrichtige und verständige Po­litik, die Ermutigung und Entwirrung des Völker­bundes verfolgt worden waren, so wäre Deutschland jetzt MitgliedbesVölker- bundes und Europa würde fii) der its auf dem Wege zur allgemeinen Beruhigung befin­den, statt, wie es jetzt schiene, auf dem Wege zu bewaffneten, einander gegenüber- stehenden Gruppen. Es fei allerdings wahr, dass die Vereinigten Staaten kem Völker­bünde nicht beitreten wollten. In Europa bilde jetzt der Völkerbund die rechte und die einzige Aussicht zur Förderung eines stetigen Fried ms. Er (Grey) sei nicht der Ansicht, tatz diese Po- lillk, den Vereinigten Staaten weniger angenehm gewesen sei, als die Politik, die tatsächlich verfolgt worden sei Rach einer kurzen B Handlung der Frage der Sparsamk i sma'mahnen, St uern so­wie der irischen Frage kommt Grey zu dem Schlüsse, dass die Koalitionsregierung, die zur Fortfüh- ung des Krieges gebildet war, jetzt aus­schliesslich ein Grund der Anstetigkcit und Ge­fahr werde, wenn sie lange in der Zeit des Friedens fortgesetzt würde.

(5'inc Anfrage im englischenUntcrhanse über die (Erwartung deck 31. Mai.

London, 19. Mai. (WTB.) OrmSby Gore fragte im Unterlaufe, ob von der Regierung der Vereinigten Staaten irgend eine Mitteilung eingetroffen wäre bezüglich einer von dieser Regierung zu ergreifenden Aktion im Zusammenwirken oder ohne Zu­sammenwirken mit den anderen Alliierten, wenn Deutschland den Forderungen der ReparationSkommission am 31. M a i nicht Genüge leisten sollte, und ob Amerika schon bekannt gegeben hätte, ob es an der Besetzung des Ruhrgebietes teilnehmen wolle, wenn diese Massregel von den Alliierten so­wohl wie von Frankreich beschlossen werden sollte. Lhamberlain antwortete verneinend.

Cine deutsche Rede im dänischen Parlament.

Kopenhagen, 18.Mai. (Wolff.) In der F o l k e t h i n g - Debatte über die Wehrvor­lage führte der deutsche Abgeordnete Schmidt- Wodder u. a. aus, die Wehrvorlage sei in noch höherem Masse eine nationale als eine staatliche Angelegenheit. Da er für sein Teil national anders fühle als das dänische Volk, habe er eine schwierige Aufgabe. Es sei sicher, dass das Ver­hältnis zu Deutschland bei der Wehrordnung eine bedeutende Rolle spiele. Deutschland sei zur Zeit militärisch ohnmächtig; das sei unbestreitbar. Ebenso unbestreitbar sei auch, dass die Entente sich bei allen Massnahmen von der Furcht, dass hierin eine Aenderung eintreten könnte, leiten lasse. Es sei unflug und verletzend, wenn auch die dänischen Politiker Deutschlands militärische Ohnmacht als einen wünschenswerten Zustand betrachteten. Sicher sei, dass ein gedemütigtes Volk gefähr­licher sei als ein Volk, das in seiner Riederlags mit Achtung behandelt werde. Lloyd George wisse das, wenn er auch nicht danach handle. Man habe aber nicht den Eindruck, dass auch Dänemark es wisse. Wenn Dänemark hierin klar sähe, so würde es nicht Vorschlägen, die Truppen so zu verteilen, wie es die Regierungsvjorlage tue, nämlich, dass der grösste Teil der ganzen Heeres- macht nach Jütland, und zwar eine verhältnis­mässig grosse Zahl gerade nach den von Deutsch- land abgetretenen Gebieten verlegt werden solle. Deutschland werde vielleicht in seiner militärischen Schwäche keinen Protest dagegen ein­legen, aber ba« deutsche Volk würde in dieser Anordnung eine Herausforderung er­blicken, und das muffe man in Dänemark als durchaus unerwünscht ansehen. Er, der Redner, hoffe dass Deutschland doch wieder eine Macht erhalten werde, die seiner Devölkerungszahl und seinem Werte entspreche, aber er hoffe auch be­stimmt, dass künftige Streitfragen zwischen Deutschland und Dänemark nicht mehr mit den Waffen ausgetragen würden. Er glaube auch nicht, dass dies der Fall fein werde, solange sich Dänemark nicht auf die Seite der Gegner Deutschlands stelle. Zwischen Deutschland und Dänemark stehe ja die Grenzfrage, die durch den Versailler Vertrag in unheilvoller Weise gelöst worden sei, aber der Grundsatz, nach dem sie gelöst worden sei, sei von beiden Seiten an­erkannt worden. Dieser Grundsatz sei das Selbst- be stimmungsrecht. Dieses solle bestehen bleiben, wenn auch die Grenze nicht bestehen bleibe. Es sei bekannt, dass er, Schmidt-Wodder, und seine Wähler eine andere Grenze er­strebten, aber nicht durch Waffengewalt. Was seine Stellungnahme zur Heeresfrage bett ffc, so habe er zunächst für eine vollkommene Ab­rüstung stimmen wollen. Er werde sich bei der Abstimmung der Stimme enthalten, wolle aber noch einmal den Wunsch aussprechen, dass Dänemark und Deutsch.and nicht wieder die Waffen miteinander kreuzen mühten und Däne­mark klug genug sein werde, allen Verhetzungen zu widertehen, die es auf diese Dahn bringen könnten.