©orM Hube deshalb ihren Antrag auf Erfassung der Spekulation wieder eingebracht.
Abg Helfferich (Dn ) betont, das Gesetz sei so ziemlich die scheußlichste Kompromihmiß- geburt, die ihm je vvrgekommen. Seme Partei arbeite daran nur mit, um eine neue Verschlechterung durch die sozialdemokratische Liede zu verhindern. Wenn man aber mit den sozialdemokratischen Rezepten Len Kapitalmarkt weiter bedrohe. so gefährde man damit das Zustande- kommen der Reparationslösung.
Die sozialdemrk.-atischen Abänderungsanträge werden abgele'hnt und die Vorlage angenommen. Die Gesamtabstimmung, die auf Antrag der Sozialdemokraten eine namentlich: fein wird, soll um 12 IHyr erfolgen. Die Abstimmungen werden aus später vertagt.
Bei der zweiten ßefung des Gesetzes über daS Ruhegehalt des Reichspräsidenten erklärt Abg. Schulz- Drvmberg (Dn.), daß seine Partei das Gesetz ableh-ne.
Das Gesetz wird gegen Deutschnationale und Kommunisten in zweiter und dritter ßei'ung angenommen.
Beim siebenten Rachtrag zum Reichshaashalts- plan fragt Abg. Helfferich, ob die Rie.en- summe, die der Etat aus weise, tatsächlich alle Kosten decke, oder ob die Goldausgaben von jährlich 1 Milliarde 800 Millionen für die Be - sahu ngs truppen noch dazu fämen. Unter Dcichsheer und die Marine hätten noch nicht den brüten Teil davon gekostet.
Staatssekietär Zapf: Die Desahungskosten sind nach einem Abkommen unter der Entente mit Wirkung vom 1. August 1922 auf den jährlichen Höchstsatz von 220 Millionen Goldmark J-cftef tzl tro Len. D. rzahlunge i liegen dem Rich für 1922 nicht ob. Allerdings ist durch Entscheidung der Reparationskommilsion noch die Leistung M>a Markvorschüssen ge',ordert worden. Die Verhandlungen darüber schweben noch.
Die einzelnen Etats werden darauf nach den Defchlüssen der beiden Lesungen <mgenommen, darunter die Bewilligung einer zweiten Konteradmiralstelle bei der Reichsmarine. Die Annahme erfolgte mit 170 gegen 136 Stimmen. Da ein Teil der Sozialisten gegen den Nachtragsetat aestimmt hatte, erklärte der Abg. Hermann Müller (6.), daß dies nur versehentlich geschehen sei. Seme Partei beabsichtige, für den Etat zu ft immen, sonst hätte seine Fraktion eine Erklärung abgegeben. Bei der Beratung des Zwangsanleihegesehes wird der sozialistische Antrag auf Schaffung einer Goldklausel mit 182 gegen 135 Stimmen abgelehnt. 3n der Gesamtabsttrnmung wird das ZwangsanlechegesetzgegendieStim- menderKommunrslenangenommen.
Em Antrag Hoffman n-LuLwigshafen (Z.) den Kirchengemcinden, welche ihre Glocken während des Krieges opfern muhten, beim Rücktransport ihrer Glocken Frachtfreiheit zu gewähren, wird gegen die Stimmen der Linken angenommen.
Das Haus erledigt sodann noch eine Reihe mündlicher Ausschuhberichte und kleiner Anfragen, darunter einen Ausgleich in dem Gesetz, welches die Vorschriften über die Auszahlung von An- sprüchen an das Reich enthält. 1
Bei einem Antrag Hammer (Dtn), der den Ankauf von Altmetall konzessionspflichtig machen will, wird angenommen, dah statt Ankauf Kleinhandel gesetzt werden soll. Sin Regierungsvertreter bemerkt dazu, dah im Rejchswrrt- schaftsministerium bereits Ausführungen zu diesem Gegenstand in Angriff genommen sind, die in erster Linie den Erlaubiriszwana bedingen und schwere Strafen für Zuwiderhandelnde vorsehen.
1 Nachdem der Rest der Tagesordnung debatte» To&erlebigt worden ist, bittet Präsident L o e b e unk die Berechtigung, die nächste Sitzung zwischen dem 10. und 17. Januar einzuberufen und die Tagesordnung festsehen zu dürfen. Er entläht das Haus mit den besten Wünschen für die Feiertage.
3m letzten Augenblick ereignet sich noch ein Zwischenfall, als sich auf der Zuschauer» tribüne ein Mann erhebt und ruft: „Herr Präsident, ist es erlaubt, dah ein Mann aus dem Volke hier einige Worte spricht?" Auf einen Wink' des Präsidenten wird der Mann alsbald entfernt.
Schluh der Sitzung gegen 2 Uhr.
Hessischer Landtag.
38. Sitzung.
Darmstadt, 15. Dez.
(Schluh.)
Für die Ersatzwahl des stellvertnetenden Präsidenten schlägt Abg. Köhler (D. V.) den Abg. v. H e l m o l t (Bd.) vor. Dieser wird in geheimer Abstimmung mit 48 Stimmen gewählt (5 weihe
Zettel wurden abgegeben, 1 Zettel für oen 2C5g. Steinhäuser (Soz.). Daraus wird nach den Vorschlägen der Parteien ein Sonderausschuh für das Siedlungswesen gewählt, dem u. a. von Der Deutschen Volkspartei die Abgg. Kohler und Scholl (Stellv. Hahn und Füller), vom Bauernbund und Deutschnationalen 3oft und Wolff (Stellv. Fenchel und Stein) und vom Zentrum Blank und Ruh (Stellv. Söherr und Hoffmann» Seligenstadt) angehoren werden,
Präsident Adelung teilt mit, dah der Aeltestenrat mit Rücksicht auf die Geschäftslage die Punkte 20 (Antrag Kindt u. Gen., Aufhebung des Verbots der Regimentsfeier n. bett.), 55 (Anfrage Dr. Werner, Verbot des Deutsch-völkischen Schutz- und TrutzbundeS bett.), 56 (Anfrage Reiber, Len „Zungdeut- s ch e n Orden" betr.) und 62 (Anfrage Ebner, nationalistische Treibereien in Hess. Schulen bett.) von der Tagesordnung abge eht bat
Die Regierungsvorlage, Gesetzentwurf über die Eebühtenordnung für die hessischen Notare betr., wird in zwei Lesungen mit den geringen Abänderungen des Ausschusses angenommen.
Zu der Regierungsvorlage, Errichtung von Beamtenmietwohnungen 3. Reihe betr., die bereits durch einstimmige Annahme im Finanzausschuh erledigt ist, fordert Abg. Köhler (D. V.) eine verstärkte Wohnungsfürsvrge des Reiches unb der Länder für ihre Beamten. Den Gemeinden könne man nicht alles überlassen. Die Vorlage könne noch nicht einmal die vordringlichen Anmeldungen von Staatsbeamten in den Städten befriedigen. Namentlich auch das Reich sei in dieser Beziehung ganz rückständig: z. B. in Worms feien 190 Reichsbeamte wohnungssuchend gemeldet Die Regierung müsse sowohl selbst für Abstellung dieser Mihstände sorgen, wie auch immer wieder deshalb bei der Retchsreglerung vorstellig werden. Abg. Engelmann (S.) schlieht sich dem an. 3n Mainz seien die Verhältnisse durch die Besatzung doppelt unhaltbar. Abg. Soherr (Ztr.) berichtet das gleiche von Bingen. Dem besetzten Gebiet müsse in erster Linie geholfen werden. — Abg. D. Dr. Diehl (Dtn.): Man dürfe die anderen Städte gegenüber Darmstadt nicht vernachlässigen. Auf die private Bautätigkeit könne man sich nicht verlassen. Die Gemeinden hätten kein Geld. Der Staat sei schließlich noch der einzige, der yesten fönru und mute — Abg. 2teIber (Dem ) spricht tür da 3 besetzte Gebiet. — Abg. Delp (Soz.) vemerkt. dah Darmstadt durch den enormen Andrang von D-amten in der Wvh» nur.cissrage besonders benach'eiligt fei. — Staatspräsident all r i ch: Die Regierung fei bereit, alles zu tun. Sie brauche jedoch dazu ntxfi sebr, sehr viele Millionen. Für Darmstadt habe die Regierung viel getan. Iah elang fei nichts gebaut worden, jetzt fei natürlich die Not da. 3m besetzten Gebiet fei die Neuerung gegenüber dem Vorgehen bei Befahungsseborde machtlos: dort müsse auch das Reich eingreifen.
Die nachträglich auf die Tagesordnung ge- seN'.e Regierungsvorlage, Gesetzentwurf zur Unterstützung der Empfänger von Ruchrgehallen und Hinterbliebenen ter Versicherungsanstalt ge» nr.-indlicher Beamten wird nach der mündlichen Berichterstattung des 2lbg. Knoll (Zentr.) In zwei Lesungen einstimmig genehmigt.
Schluh der Sitzung 12.50 ITfyr. Nächste Sitzung Samstag 1/210 Hfyr vormittags.
Aus dem besetzten Gebiet.
Zllkmverbote.
Koblenz. 16. Dez (Wolff.) Die Rhein- landkommission teilte dem Reichskommissar in einem Schreiben mit, dah Ler Film über die Skagerak-Schlacht und der Film des Fcemdenlegionärs Kirsch geeignet seien, die Sicherheit der Te'atzungstruvpen zu beeinträchtigen. Die 3nteralli;er e Rh.-inlandkommis- sion habe daher- beschlossen, die beiden Filme zu beschlagnahmen unb sie behalte» sich eine gerichtliche Verfolgung vor. k
Aus S.adt und Land.
©leben, den 18. Dezember 1922.
Die Tenernngszahlen
der fünf größten Städte Hessens auf Grund der Preise vom 6. Dezember 1922 (22. November) ausschließlich Bekleidung betrugen für Mainz 52 341 (41 925), Darmstadt 52 004 (41 687), Offenbach 52 644 (39 211). WormS 51 042 (42 572), Gießen 51654 (39 157). Die Durchschnittsteuerungszahl für die fünf größten Städte beträgt für Ernährung 44 819
(36312), für Heizung uns Beleuchtung 6812 (4372), Wohnung 306 (226), zusammen 51 937 (40 910). — Die Teuerung ist vom 8. November um 56,8 Prozent, und vom 22. November um 27,0 Prozent gestiegen.
Der Aufkauf von Butter und Käse wird, wie wir am Samstag schon kurz berichteten, vom 2 3. Dezember ab von dem Besitz einer behördlichen Erlaubnis abhängig sein. Die Verordnung des Hess. Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft sagt hierüber:
8 1. Wer in Hessen in eigener Person Butter oder Käse beim Erzeuger, bei Molkereien, Käsereien oder anderen Milchverarbeitungsbetrieben zum Wiederverkauf oder zur gewerbsmäßigen Verarbeitung oder für Gerne nden, Gemeindeverbande, Betriebe oder als Beauftragter einer Mehrheit von Verbrauchern ankauft, bedarf hierzu einer besonderen Erlaubnis. Dies gilt auch für solche Personen, die Inhaber einer Erlaubnis nach § 1 der Verordnung über den Handel mit Lebens- oder Futtermitteln vom 24. 3uni 1916 sind. Die besondere Erlaubnis ist auch neben der nach den Vorschriften der Reichsgewerbeordnung auSzuslellenden Ge- we.belegt Ina ionßfaste o'er neben dem Wandergewerbeschein erforderlich.
Der Erlaubnisschein wird von dem z u * ständigenKreiSamt ausgestellt. Die Erlaubnis wird nur für bestimmte Gemeinden erteilt, dieindemErlaubnis- schein einzeln aufzuführen sind.Für die Erteilung des Erlaubnisscheins ist dasjenige Kreisamt zuständig, in dessen Bezirk die Gemeinde liegt, in der der Aufkauf vorgenommen werden soll. Der Erlaubnisschein muß mit dem Lichtbild des Inhabers und seiner Anterschrift versehen sein; er ist beim Ank-ruf mitzusühren und auf Verlangen vorzuzeigen.
Die Erlaubnis kann versagt werden, wenn der Antragsteller n'cht als hinreichend sachverständig anzusehen ist oder sonstige Gründe vorliegen, die seine Unzuverlässigkeit in bezug auf die Geschäftsführung annehmen lassen; endlich, wenn Bedenken volkswirtschaftlicher Art gegen die Erteilung der Erlaubnis bestehen. Die Erlaubnis kann von dem Kreisamt zurückgenommen werden, wenn sich nachträglich Umstände ergeben, die die Versagung der Erlaubnis rechtfertigen würden.
Gegen die Versagung oder Zurücknahme der Erlaubnis ist Beschwerde an das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, Abteilung für Ernährung und Landwirtschaft, binnen einer Ausschlußfrist von einer Woche seit Zustellung oder Bekanntgabe des die Versagung oder die Zurücknahme der Erlaubnis aussprechenden Beschlusses zulässig.
Die Ministerialabteilung für Ernährung und Landwirtschaft wird ermächtigt, die näheren Ausführungsanordnungen zu erlassen.
§ 2. Soweit nach § 1 der Ankauf von Butter oder Käse nur mit besonderer Erlaubnis zulässig ist, dürfen Hersteller von ButteroderKäse diese nur an solche Personen abgeben, die Im Besitze der nach § 1 vorgeschriebenen ErlaubniS- bescheinigung sind.
§ 3. Zuwiderhandlungen gegen die Vorschriften dieser Verordnung und der auf Grund dieser Verordnung erlassenen Ausführungsanordnungen werden mit Gefängnis b iS zueinemIahr und mit GeldftrafebiS zu 10 0 0 00 Mark oder mit einer dieser Strafen bestraft. Neben der Strafe kann auf Einziehung der Erzeugnisse erkannt.werden, auf die sich die strafbare Handlung bezieht, ohne Unterschied, ob sie dem Täter gehören oder' nicht.
• * Der gestrige Geschäftssonntag führte trotz des regnerischen Wetters in den Vormittags- und Mittagsstunden den Ge- lebhaften Menschenverkehr zu, der oder bei schastsstraßen unserer Stadt wieder einen sehr besserem, trockenen Wetter wohl noch weit stärker gewesen wäre. Das Interesse des Publikums an den Warenauslagen war wieder recht rege. Die Kauflust kam nach unseren Be-
Die Herweghs.
Eine rechtsrheinische Geschichte von Liesvet Dill.
64. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
3m nächsten Raum, der mit Bücherregalen bis an die Decke tapeziert war, stritt eine bäuerisch gelleidete Gesellschaft sich mit einem Polizisten heftig um einen alten Schrank. Das Objekt des Kampfes stand mitten im Zimmer. 3n dein nächsten Zimmer war endlich niemand, und man hörte das Klavier im Nebenzimmer klingen. Die Generalin schaute sich um. Ueber einem gedeckten Kaffeetisch brannte noch ine Hängelampe, obwohl es bereits taghell war. Das Zimmer lag nach einem dunllen Hofe hinaus, der mit einem Kistenberg verbaut war. Auf dem Büfett stand ein angeschnittener Baumkuchen und ein Schinken. Daneben lag die Partttur von Toska, ein bläu- lichLr Dust nach Zigaretten schwebte in der Lust.
Eine rote Portiere schloß das Zimmer nach einem dunllen Alkoven hin ab, hinter der man ein Bett sah Die Generalin schüttelte den Kopf. Irgend etwas lag in dieser Luft, das ihr bekannt vorkam, und da sie gegen Verschwendung, auch bei anderen, war, drehte sie zunächst einmal die Lampe aus.
Das Klavierspiel brach ab, drinnen wurden Stühle geruckt, die Tür öffnete sich ein Heiner Licker Herr im Autvmantel betrat das Zimmer. .Nein, Doktor, über den «Fidelio" einigen wir uns nicht! Da sind wir entschiedene Antipoden " Ec wand .sich mit einem »Pardon" durch das vollgestellte Zimmer an ihnen vorbei, „a rive- dcrci“, drückte die Reisemütze auf seinen Haarschopf und verschwand.
Die Generalin stand wie eine Statue Die Lorgnette sank herab, denn der zweite Cingetretene war .Ernst von Herwegh, und sie befand sich in der peinlichen Lage, nicht zu wissen, ob sie ihn gönnen sollte oder nicht.
Herwegh enthob sie dieser Verlegenheit, indem er die Damen mit liebenswürdiger Handbewegung aufforderte, ihm in den Salon zu folgen. Es ist dort heller, und die übrigen Räume sind beseht."
Er lieh die Damen vorangehen, ohne erkennen zu lassen, ob er die Generalin erkannt hatte oder nid#, und warf einen flüchtigen Blick auf die jüngere mit den spitzen Ellbogen. Sicher eine Nichte, dachte er.
„Gewiß," gab Ernst zu, „besonders Stiefelfalten. Aber kne jungen Maler, die bei mir ausstellen, sind der Ansicht, dah man die ganzen Museen samt ihren Bildern verbrennen müsse, weil sich das Publikum den Blick durch sie derartig verwöhnt habe, dah es die neue Kunst gar nicht mehr einzuschätzen vermag."
„Nun, dieser alte Trunkenbold, der die halbe Wand einnimmt, der ist doch einfach häßlich! Wie kommt ein junger Mann dazu, solch ein Laster zu verherrlichen?"
„Das Bild ist eine Kopie nach Rubens," wandte Herwegh ein.
»Um so schlimmer," sagte die Generalin und verabschiedete sich. Sie durchmaß die Zimmer hocherhobenen Hauptes, so daß die Nichte nicht einmal mehr dazu kam, dem freundlichen Herrn für seine Mühe zu danken.
„Elisabeth," sagte die Generalin, als sie auS dem Hausgang auf die Straße trat, „weißt du. wer das war?^ Sie stand mitten m dein Gedränge still. Aber schon hatte sie ein neuer Schreck getroffen, denn ihre Augen erblickten ein blankes, großes Messingschild am Eingang des gegenüberliegenden Eckhauses neben dem Caf6 Tannhäuser.
.Ernst Ehrlich Rechtsanwalt und Notar." stand dort in großen Lettern. Sie fand keine Worte mehr, jetzt sah sie erst, daß das Herweghsche ^s zwei Eingänge hatte. Sie waren in der
rgasse eingetreten und kamen in der Koch- biunnenftraße heraus, älnd in diesem dunllen Hause, zwischen diesem Konsortium von Klienten, dis Jeine Warteräume füllten, in dieser Sphäre
lebte er jetzt. Arme Frau von Herwegh! Dazu zieht man Söhne groß! Er muhte jedes Gefühl verloren haben, wenn er gegenüber seinem früheren Hause sein neues verlorenes Leben aufbaute. Er schien feinen Einzug ganz geheimnisvoll betrieben zu bähen, kein Schild war ßn seinem Haus befestigt. Ihr schwindelte. Sie winkte der beranfabrenben Straßenbahn, die sie fast überfahren hatte, erregt mit dem Sonnenschirm, „öd hatten Sie doch sehen Sie denn nicht, daß wir mitwollen?" ,
Als sie endlich saßen, erzählte sie der Nichte Herweghs Geschichte. Dieser Mann, welcher ihnen foeben aus dem „Fidelio" vorgespielt, auf dessen Hoch^it sie Quadrillen getanzt, mit dessen Schwiegervater ihr eigener Mann Brüderschaft getrunken hatte, kam aus der Irrenanstalt, „Lind du haft ihn früher einmal bei uns zu Tisch gehabt, Elisabeth!"
„Ach, deshalb kam er mir so bekannt vor," sagte die Nichte. Wie konnte ein Mensch so tief finken, dah er Klaviere verkruste!
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Es waren zwei linke Handschuhe, die Fraulein Schmidt in der Ausregung erwischt hatte, und als sie wieder zurückkam, um nach dem richtigen zu suchen, bekam sie die verflixte Schublade nicht zu.
' Die Katze stand neugierig mit aufrechtstehen- dem Schweif daneben, während sich das erhitzte alte Fräulein vergeblich bemühte, den Sonnenschirm zu finden, den sie doch soeben neben die Tür gestellt hatte. Nun hatte sie ihn, da verwickelte sich ihr Kneiser in dem gehäkelten Pompadour.
Himmelherrgott noch einmal.
Die Katze floh unter den Tisch.
Immer, wenn man sich eiten wollte, kam einem das verwünschte Tier zwischen die Fühe. So, nun war sie bereit.
Wie sie in unb auS der Straßenbahn gekommen war, wußte sie nicht, ihre Gedanken waren in Aufruhr, sie sprach laut vor sich hin.
ovachttmgen gestern stärker zum Ausdruck als am vorhergehenden Sonntaa, denn In vielen Geschäften herrschte diesmal ein recht reger Kundenverkehr. Der Zustrom der Interessenten von auswärts war in Anbetracht des schlechten Wetters geringer, auch an den Eisenbahnschaltern blieb der Verkehr gegen den Dorsonntag zurück.
** Eine recht genußreiche Kindervorstellung unseres Stadttheaters erfreute gestern nachmittag die Kleinen und auch die Eltern in hohem Maße. Das hübsche Kinder- märchen vom tapferen Schneiderlein hatte seine Anziehungskraft auf die Zugend wieder mal glänzend bewiesen, denn es hatte der Theater teil ung ein ausverkautt.es Haus verschafft. Die Aufiüh- rung war recht gut, den Damen Cläre Türk, Visa Iven und Luise Rammet, sowie den Herren Oskar Zeiget, Karl B 0 l ck, Pau! M e h- n e r t, Martin Jacob. Heinz D e ch st e i n und Rudolf Goll gebührt volle Qlnerfennung für ihre treffliche Spielleistung.
** D i e Ausgabe von Kohlen und den Verfall von K 0 h l e n m a r k e 1p betritt eine Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil, die wir der Austnerksamkeit unserer veier empfehlen.
Bier oder Brot? Diese Frage stand in der öffentlichen Versammlung, welche die Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung des Alloholis- mus am Freitagabend abhielt. zur Debatte. Der Redner, llniversitätZprosessor D. Hans Sch midtM Gießen, führte auf Grund von umfangreich«« statistischem Material aus, daß das deutsche Doll in seiner immer größer werdenden Not Getreide v>b überhaupt keine Nahrungsmittel (Kartoffeln, Obst, Zucker) zur Herstellung berauschender Getränkc vergeuden darf. Das fordert unsere wirtschastliche Lage und vor allem die unbedingte Verantwortlichkeit, die jeder einzelne dem Vvlksganzen gegenüber haben muß. Diese muh auch ihren Ausdruck finden In einem allgemeinen Alkohvlverbvt. das durch Dolksabstim- mung herbeizuführen ist. Dem Vortragenden wurde aus der auch von Angehörigen deS Alkoholgewerbes stark besuchten Versammlung heraus öfters durch lärmende Zwischenrufe widersprochen bzw. durch Deifallllatschen zugestimmt. Die rege Aussprache, an der sich Freunde und Gegner der Ausführungen des Redners beteiligten, hielt sich im allgemeinen auf einer Höhe, bte bei den noch in Aussicht gestellten Vorträgen der Arbeitsgemeinschaft weitere Klärung der vtel- feitigen Alkoholfrage erwarten läßt.
Bornotizen.
— Tageskalender für Montag. Hotte! Hopfeld, 8 41hr: Monatsversammlung des Gew.-rkschaftLbundes der Angestellten — Astoria- Lichtsp e'e. ab heute: „Glaube und Heimat" und „Der Mann in der Falle". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, ab heute: „Der Gang durch ble Hölle" und „Haben Sie etwas dagegen?" — Palast-Lichtspiele, ab heute: „Die Macht der Versuchung" und „Wer wirft den ersten Stein..
— Aus dem Stadttheaterbureau. 31m im Spielplan entsprechende Abwechslung bringen zu können. Ist für die Abvnnementsvor- stellungen auch ein neuer Schwank: „Die Hamburger Filiale" von Kraatz und Neal erworben worden und gelangt Mittwoch zur Erst- aufsührung. Das Werk im Stile der erfolgreichen Schwänke „Börsenfieber" und „Der keusche Cebemamr gehalten, dürfte auch hier, wie am Landestheater in Wiesbaden, eines großen Heiterkeitserfolges sicher fein.
XV ttcrvoraussage für Dienstag:
Trübe mit Niederschlägen, westliche Wind«, mild. — Der tiefe Druck hat sich weiter nach dem Festland fortgepflanzt. Das herrschende Wetter hält an.
Landkreis Gießen.
gck. Grohen-Duseck, 14. Dez. Heute fand in Anwesenheit des Provlnzialdirektors Matthias unb des Ober regieru ngSrated Welcker der Abschluß des von Frl. M u t s ch l er geleiteten Ha u s ha 11 u n g s ku r s u s statt. Nach einer theoretischen Prüfung über Haushatts- fragen und Krankenpflege, der auch die Eltern Oer Kursteilnehmerinnen unb von diesen geladene Gäste anwohnten, wurden die ausgesteltten Handarbeiten besichtigt. Theoretische wie prattische Leistungen fanden allgemeinen Anklang, der sich noch verstärtte, als nun die Besucher zu Kaffee
Heutiger Stand des Dollars
10 älhr vormittags:
Berlin 5800, Frankfurt a. M. 5800.
als ob sie jemand ins Gewissen rede. Ohne den dicken Wirt des Casö Tannhäuser, der an der Türe stand, eines Blickes zu würdigen, betrat sie das Haus des Anwalts Ehrlich. Es tagen neue Kokosläufer auf der Treppe, und alles sah verändert aus. Das Wartezimmer war leer. Sie bemerkte es mit Genugtuung.
Ein Schreiber führte sie zu dem Herrn Rechts- anwatt, der in seinem Bureau die Zeitung las.
Sie sah ihn fest an. Das war er also. Ehrlich der ihn zu Fall gebracht, der die ganze Geschichte angezettelt hatte, und er war schuld, daß Ernst jetzt nicht mehr hier saß.
Ihre Angelegenheit war rasch erledigt. S« legte das Geld aus den Tisch. Das Opfer brachte sie mit Freuden. Den juristischen Rat den ihr Ehrlich in seiner trocken sachlichen Weise erteilte, wußte sie schon seit zwanzig Zähren.
Durch Liebenswürdigkeit bekam bet kein» Klienten. Er machte es mtt der Korrettheit Nun ja — , , „
Die Warteräume waren noch teer, als sie hinausging. Die Rache der Götter, dachte sie. Dann stand sie vor dem Eckhaus Nummer dreizehn. Wie ein spitzes Bügeleisen schob es sich in die enge Straße hinein. Mit seinen buntbeflebten Fenstern, hinter denen blaue, grüne und gelbe Anzeiger hingen, glich es einer großen Litfaßsäule. Ein echt Goldenbergsch^s Haus. Diese Halsabschneider hatten ja auch bezüglich ihrer Häuser kein Ehrgefühl. Sie gab stch einen Ruck und trat ein.
Wie bi; Generalin gesagt hatte, tickten In» ersten Zimmer die Maschmen, und die Schreiber saßen bei ihrer Arbeit. Eine Anzahl Männer stand wartend an den Wänden. Einer hatte einen dick verwickelten Kopf. Das kam von den ewigen Kirmessen.
„Sie wünschend
„Ich komme in einer Privatangelegenheit* sagte sie, „und will den Herrn Doktor selbst, sprechen."
(Fortsetzung folgt)


