Nr. 297
Erscheint lLglkch, traget Sonn» und Jeiertags, mit berSamstaqsbeilage: GietzenerFamilienblütter Monatliche Vezvyzpreife: 380 Mark und 20 Mark Trügerlohn,durch dirPost 400 Mark,auch bei Nichterscheinen einzelner Nummern infolge höherer Gewalt.- Iernsprech- Dnschlüsse: für die Schrift- leitung 112; für Verlag Unb Geschäftsstelle 51. Knschrift für Drahtnachrichten^ LnzeigerSietze».
poftscheälonto: $rentfurt a. M. 11686.
172. Jahrgang
Montag, 18. Dezember |922
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
drvck tmö Verlag; vrühl'sche UmverfitSts-vuch' und Steinöruderef R. Lange in Giehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstratze 7.
Annahme von Anze'aen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher ohnejede Verbindlichkeit. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen o 27 mm Breite örtlich 16 Mk, auswärts 20 Mk.; für Reklame» Anzeigen von 70 mm Breite 60 Mk. Bei Platz- Vorschrift 20"/, Aufschlag. Hauptschristleiter: Aug. Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Dietzen
Die Absichten Amerikas.
London, 16. Dez. (Wolff.) .Daily OHaU“ berichtet auS Reuhork: Gerüchtweise verlautet, dah Harding beabsichtig«, nachdem er den amerikanischen Botschafter in London, Harvey, zu Rate gezogen habe, die Mächte zur Teilnahme an einer internationalen Konferenz nach Washington einzuladen. Wenn alle Pläne bereit seien, so würden diese den europäischen Mächte mitgeteilt. Die Hälfte oder zwei Diittel der An lei he von I vz Milliarden Dollar solle zur Zeichnung in Amerika aufgelegt werden, der übrige Teil auf die anderen Nationen nach einem vorherigen Plan verteilt werden. Als Sicherheit für diesen Kredit werde die amerikanische Negierung eine Hypothek auf alle deutschen Einnahmequellen, einschlieh- lich der Ein- und Ausfuhrabgaben, Vorschlägen. Mit anderen Worten, die alliierten Regierungen sollen auf einen Teil ihrer Pfänder aus dem Friedensvertrage verzichten, um der Forderung der internationalen Bankiers für die Zeichnung des geplanten Kredits gerecht zu werden. Die Hindernisse, die der Vereinbarung über eine solche Hypothek Im Weye ständen, seien fast unüberwindlich, andererseits sei jedoch die Lage Europas verzweifelt.
Dem Blatte zufolge ist der amerikanische Plan auf die auherordentliche Rückwirkung zurückzu- führen, die die europäische Lage auf die innere Politik der Bereinigten Staaten ausübe. Besonders die amerikanischen Farmer beklagen sich bitter über die Anmöglichkeit, ihren Ueberschuh in Europa zu verkaufen, weil Europa nicht bezahlen könne.
Paris. 18 Dez. (WTB) Der .Petit Pa- rtften" veröffentlicht «ine längere Meldung aus Washington, in der gesagt wird, die Möglichkeiten, über die man jetzt diskutiere, seien folgende: 1 Ein beruf ung einer Wirt- schastskonferenz, 2. eine Anleihe zur Stabilisierung der Mark und 3. ein Schiedsspruch für die endgültige Festsetzung der Reparation-Verpflichtungen durch einen nicht gouDernemen taten Aus schütz. AiS möglich? Mitglieder dieses Aussckusses werden die beiden Amerikaner Root und Pierpont Morgan genannt. Man scheine zu erkennen, dah das Haupthindemis für eine Wirtschastskonfe- renz die Frage der alliierten Schulden bei Amerika ist, deren Streichung ober Herabsetzung nur von t>em KvngrSy avhängt, der aber kerne Geneigtheit in diesem Sinne zeige. Rur als Bersuchsimllvn habe man den Gedanken lanciert Die Regierung könne von dem Konareh die Stundung der Schulden verlangen und die Festsetzung eines späteren Zeitpunktes für die Bezahlung, aber man müjfe betonen, dah der Grundsatz der Schulden von niemand aus offiziellen Kreisen in Frage gestellt werde. Was die Deutschland zu gewährende Anleihe betreffe, so würden Ziffern genannt, die nach den Zeitungen von l^MilliardeDol- 1 a r bis zu einer" wesentlich höheren Summe Singen Man erkenne jetzt, datz eine derartige initiative seitens der Reg erung nicht diskutiert werden könne. Wenn eine Anleihe aufgelegt werden solle, könne es nur durch einen amerikanischen Bankiukvnzem geschehen, der die Zustimmung der Regierung erhalte, der aber seinerseits die bereits bekannten Garantien verlange.
London, 16. Dez. (Wolff.) Der „Daily Mail" zufolge wird der britische Schahkanzler Baldwin, ber am 27. Dezember nach Washington abfährt, einen vom britischen Kabinett genehmigten und sorgfältig vorbereiteten Plan zur Fundierung der englischen Schulden an die Bereinigten Staaten mitnehmen.
Eine neue Abrüstungskonferenz?
Paris, 18. Dez. (WTB.) Rach einer Hcwasmeldung aus Washington hat Senator King vorgestern im Senat eine Resolution eingebracht, durch die Präsident Har ding ermäßigt werden solle, nach Washington eine Abrüstungskonferenz cinsubeiufen, an * der sämtliche Regierungen teilnehmen sollen, mit denen die Bereinigten Staaten in diplomatischen Beziehungen stehen. Zweck der Konferenz würde fein, ein allgemeines internationaletz^Abkommen zu treffen, das eine Herabsetzung be^Sfcjiftungen zu Wasser und zu Lande in durchgreifender Weise ermöglichen würde, um die Lasten für die übertriebenen und unnützen Ausgaben zu beseitigen. die die Rationen für die Vorbereitungen zum Kriege machen
Der deutsche Botschafter bei Morgan.
Paris, 18. Dez. (WTB.) Der ^Petit Pa- rtiten“ veröffentlicht eine Rachricht aus Washington, dah der deutsche Botschafter im Verlaufe seines Besuches in Reuyork eine Unter- tebung mit dem Vertreter des Bankhauses Morgan gehabt hat
Der Reichskanzler und die Fraktionsführer.
Berlin, 16. Dez. (WTB.) 3n der Reichskanzlei fand heute nachmittag unter dem Dorsitze des Reichskanzlers eine Besprechung mit den Fraktivnsführernder Deutschen Dolksparte', dem Zenttum, der Sozialdemokratischen Partei, der Deulschnatio- nalen Parte', der Demokratischen Partei und der Bayerischen Volksparte', statt, in der der Reichskanzler zu der gegenwärtigen Lage Stellung n-ahm und Staatssekretär Bergmann i über seinen Llufertthalt in London berichtete, insbesondere wurde auch darüber gesprochen |
und Uebereinstimmung erzielt, wie weiterhin die enge Fühlung zwischen der ReichSregie- rung und dem Reichstag aufrechterhalten und gepflegt werden soll.
Die neue Zahlung mit Schatzwechseln.
Paris, 16. Dez. (WTB) Der Reparationskommission sind gestern, Havas zufolge, von der KUegslastenkommission die am 15. Dezember fälligen deutschen Schahwechsel übergeben worden. Sie tauten auf 52 037 564 Goldmark. Fällig sind an und für sich 60 Millionen Grldmark. Die Differenz ist bereits durch anderweitige Zahlungen gedeckt.
Eine Richtigstellung zu PoincarHs Rede.
Berlin, 16. Dez. (WTB.) Zu der Rede Poincares erfährt das Wolffbureau von berufener Seite: Es ist ein Irrtum, wenn Poincare annimmt dah für die Repara- tionsverpflichtungen das deuticheRational- vermögen haftet. Richtig ist nur, bah der Artikel 248 des Berlailler Vertrages, die einzige Bestimmung,- die hier in Betracht kommt, und zwar sowohl in ihrem englischen wie in ihrem französischen Wortlaut, Deutschland verpflichtet, das Vermögen des Reiches und der Länder, also nur Staats- und nicht Privatdermögen, zur Abdeckung der Reparationszahlungen zu verwenden. Der Artikel 248 givt aber auch, soweit baä Staatsvermögen in Betracht kommt, den Alliierten nicht das Recht zur Beschlagnahme, also zum unmittelbaren Zugriff, sei es in Form der Errichtung einer Zollgrenze, sei es in der Form irgendeiner Kontrolle der Produktion gewisser Gebiete. Wenn ferner der französisch? Ministerpräsident es als einen Sah des Zivil- und Völkerrechts hinstellt, datz bas Vermögen der Schuldner ein Pfand für den Gläubiger sei, so ist ein ebenso gültiger Sah der Grundsatz ber Sicherste!- lung de r eigenen Lebensnotwendigkeiten. Dies ist im Vertrag von Versailles überdies auch ausdrücklich anerkannt worben, indem er den notwendigen Lebensbedürfnissen des deutschen Volkes den Vorrang vor den finanziellen Leistungspflichtigen gegenüber der Entente gibt. Wie weit sich die unmittelbare Verfolgung von Reparationsansprüchen durch tu franzöii ch: Regierung mit den Machtbefugnissen ber Reparationskommission in Einklang bringen läht, ist bei früheren Anlässen bereits hinreichend erörtert worden. Bedauerlich wäre es, wenn die einsehende Entwicklung verständnisvoller Zusammenarbeit beide» Teile durch gewaltsames Eingreifen des Reparationsgläubigers ein? Unterbrechung erleiden würde. Was die D.'hauptung betrifft, dah Frankreich bis Ende 1922 bereits 100 M 11 i.irden Franks zu Lasten Deutschlands vorge cho sen habe, so sei nur auf die Ausführungen Loucheurs in der, französischen Kammer am 7. Rorenher d I ver-' wiesen, worin er es als einen Irrtum bezeichnet, dah bereits 90 Milliarden für die verwüste en Gebiete auSgegebei waren; ber bis zum 30 Juni verausgabte Betrag beziffere sich vielmehr auf 45 Milliarden Franks, wozu im übrigen zu bemerken ist, dah diese Milliarden hauptsächlich für Pensionen verwandt u.ab damit dem eigentlichen Wiederau sbau entzogen tour'en Der französische Ministerpräsident scheint au h von ftan.'a- lösen Profiten der deutschen Groh- i n b u ft r i c gesprochen zu haben. Man braucht diese Profite nur auf die Goldbasis zurückzuführen und sie in Relation zum investierten Kapital zu setzen, um zu erkennen, wie minimal in Wirklichkeit die Erträge sind.
Der englische Krtcgsminister in Parts.
Paris, 16. Dez. (WTB.) Der englische K r i e g s m i n i st e r Lord Derby ist heute vo.a seiner Inspektionsreise im englisch besetzten Gebiet in Paris emgetroffen und wird sich bis morgen abend hier aufhalten. Pomcarß gibt ihm zu Ehren em Frühstück, an dem auch Flnanzminister be Lasteyrie teilre )men wird. Höchst wahrscheinlich findet dabei ein Meinungsaustausch üEer die interalliierten Reparations.e Hand.un^en am 2. Januar statt.
Paris, 18. Dez. (WTB.) Der englische Kriegsminister Lord Derby ist gestern auch von dem Präsidenten der Republik empfangen worden. Rach dem ^Echo de Paris" erklärte Lord Derby selbst, dah diese ilnterrebung keinen politischen Charakter haben konnte, jedoch wird angenommen, dah Lord Derby es für nötig gehalten hat, zu erklären, dah der Plan einer militärischen Besetzung des Ruhrgebietes in der britischen öffentlichen Meinung auf auh er ordentlich heftigen Widerstand stohen werbe. Rach dem „Echo de Paris" soll sich dieser Widerstand in der englischen öffentlichen Meinung in den letzten Tagen noch bedeutend verschärft haben.
Der „Petit Parisien" erinnert daran, datz im Laufe der letzten Verhandlungen in London Lord Derby eine vermittelnde Lösung in der Pfänderfrage vvrgeschlagen habe. Er wolle, datz die Ruhrbesetzung erst später erfolgen solle, wenn sich Deutschland der Ausführung eines Reform- Programms entziehen sollte. Die Besetzung des Ruhrgebietes solle nach seiner Ansicht für die Zukunft als evtl. Version Vorbehalten bleiben.
Die letzten deutschen Kriegsgefangenen.
Paris, 16. Dez. (Wolff.) Sämtliche in Toulon noch zurückgebliebenen deutschen Kriegsgefangenen sind begnadigt worden, und sie werden noch vor Weihnachten nach Deutschland zurückbefördert werden.
Ermordung des Präsidenten der polnischen Republik.
Warschau, 16. Dez. (WTB.) Die ,Poln. Telegraphenagentur" meldet über ein Attentat a u f Rarutowicz: Mittags wurde während ber Eröffnungsfeierlichkeit ber Kunstausstellung im Palais der bildenden Künste auf den Präsidenten der Republik ein Mord- anfchlag verübt. Der Täter gab schnell hintereinander drei Revolverschüsse gegen den Rücken des Präsidenten ab, infolge deren der Präsident einige Minuten später verschied. Der Täter ist ein Kunstmaler namens Riewiadomski, der festgenommen wurde. Rach der Verfassung übernimmt der Sejm-Marschall, Rataj, inzwischen das Amt des Präsidenten. Er wirb sofort die Rationalversammlüng einberufen, welche die Wahl eines neuen Prisidenten zu vollziehen hat.
Warschau, 16. Dez. (WTB.) Poln. Telegr- Agentur. Heute um 4 Uhr nachmittags fand eine eine Sitzung des Seniorenkonvents unter dem Vorsitze des Sejmprasidenten, Rataj, statt. Der Termin der Rationalversammlung wurde auf den 20. Dezember, 10 Uhr vormittags, festgesetzt. Die Leiche des Präsidenten Rarutowicz, mit .dem Staatsadler der polnischen Republik verhüllt, wurde unter einer Ehreneskorte ins Palais Belvedere übergeführt.
Wa r s ch a u, 17. Dez. (WTB.) Der M o r d er des Präs identen Rerutowicz hat im Verhör erklärt, dah er aus eigener Initiative gehandelt habe. Er bestreitet, irgendwelche Helfershelfer gehabt zu haben. Heute wird die Untersuchung abgeschlossen. Der Mörder wirb unverzüglich vor ein Stanbgericht gestellt werden.
Warschau, 17. Dez. (WTB.) Rach der polnischen Telegraphenagentur beauftragte der Sejmpcäsident Rataj den General Sikorski mit ber Bildung des Kabinetts. Sikorski nahm den Auftrag an. Er selbst übernimmt in dem neuen Kabinett den Vorsitz und bas Ministerium des Innern. Der polnische Gesandte in Bukarest, Alexander Skrzynski, wurde zum Aahen- minifter, Professor Mikulowski-Pomorski zum Unterrichtsminister ernannt. In den anderen Ministerien trat keine Veränderung ein.
Ein Attentat in Sofia.
S o f t a v 17. Dez. (Wolff.) Als der M i * nister des Innern abends die Sobranje verließ und sein Automobil bestieg, wurden von einer unbekannten Person zwei Bomben geschleudert. Der Minister blieb unverletzt, auch sonst kam niemand zu Schaden. Der Täter entkam. Rach der Bulgarischen Telegraphenagentur ist nach Ansicht Daskalows das Attentat gegen ihn, das gewisse Kreise als das Werk der mazedonischen Autonomisten ansehen, dem Oppositionsblock zuzuschreiben. 3m ganzen Lande herrscht infolge des Attentats Erregung. Sofia ist völlig ruhig.
Rücktritt des Finanzministers Henrich.
Darmstadt, 17. Dez. Finanzminister Henrich hat dem Staatspräsidenten Ulrtch mit folgendem Schreiben seinen Rücktritt angezeigt:
„An den Herrn Staatspräsidenten! Verschiedene Abstimmungen im Plenum des Landtags während ber letzten Tage, Die zum Teil im Gegensatz zu der Stellung der Parteien im Ausschutz erfolgten, haben mir den Beweis erbracht, datz ich bei den anderen Koalitionsparteien nicht mehrdas Matz von Unterstützung und Vertrauen besitze, das in diesen überaus schweren und ernsten Zeiten zur erfolgreichen Durchführung einer auf der bestehenden Koalition aufgebauten Regierungspoliiik erforderlich ist. 3ch lege daher das mir übertragene Amt eines Finanzministers in Ihre Hände zurück."
Ein an sich unbedeutender Aniah, eine Abstimmung über die Fahrrad st euer, hat zum Rücktritt des Finanzministers geführt, und es läßt sich schwer Voraussagen, welche Folgen dieses Ereignis noch zeitigen wird. Dah ber Schritt des Herrn Henrich durchaus verständlich ist, be« bqrf keiner weiteren Ausführung. Dah sich aber die Verhältnisse so entwickeln konnten, ist doch ein deutlicher Beweis dafür, dah die gegenwärtige Regierungskoalition nur noch eine künstliche Konstruktion ist, und es dürste daher nicht ausgeschlossen sein, _ dah der Rücktritt des Herrn Henrich Aniah wird zu einer Umbildung der ganzen Regierung.
Man schreibt uns noch au 3 Darmstadt.
Auch im Ministerium des Innern, bzw. der Justiz, die beide von Herrn v. Brentano verwaltet werden. fdScint es stark zu kriseln. Schwer verstimmt hat wohl in erster Linie den Minister die Stellung der 6. P. D. in ter S chu l- frage, bei der man in den eingehenden Verhandlungen etwas mehr Entgegenkommen erwartet hätte, direkt bedenklich aber ist die Haltung ber hessischen Schupo, die nach und nach völlig in das Fahrwasser der sozialdemokratischen Gewerkschaften geraten ist und als wirksames Instrument in der Hand des Ministers des Innern, der für sie die Verantwortung dem Lande gegenüber zu tragen hat. im Ernstfälle nicht mehr gelten kann. Die Ve'wffentlichungen übet den Abbru ch der Beziehungen des Ministeriums zu dem Hess. Verband der Pvlizeibeamten spricht Bände. Wir 1
scheinen somit schweren Konfliktstagen entgegenzugehen, beim auch aus den erregten Erwiderungen des Staatspräsidenten Ulrich (bei am 28. Januar 1923 das siebenzigste Lebensjahr erreicht), bei den letzten Debatten, die Abg Dr. Werner über die Ruhnietzer der hob«, Dcamtenstellen he.ausbcschwor. lassen auf eine gewisse Amtsverdrossenheit schließen, und die Berufung auf die früheren ange ehmeren Verhältnisse in Offenbach sind viÄleicht nicht umsonst gefallen.
Die Lausanner Konferenz.
Die Mofsnlfrnge.
Lausanne, 16. Dez. (Wolff.) Zu den eng» lisch-türkischen Besprechungen über die Mossul- f rage erfährt man, dah England eine Teilung des Gebietes Vorschläge. Die Türken würden den Teil an der persischen Grenze erhalten, d. h. das Gebiet von Suleimanhe und Guerkuek, während (Snglanb die Stadt Mossul und die Enklave erhalten soll. (Beide Teile enthalten reiche Pe» troleumfelber.) Die Türken machten jedoch darauf aufmerksam, dah die Ausbeutung des ihnen zugedachten Teiles wesentlich schwieriger sei und dah auch infolge der mangelhaften Zugänge zu diesem Gebiet die Verwaltung sehr schwer sei. Eine türkische Antwort auf die englische Denkschrift in der Mossulfrage ist bisher noch nicht erteilt worden.
Aus dem Reiche.
Deirtschdollische §reich>UtSpariei.
Berlin, 18 Dez. Wie der „Lokalanz." meldet, hat gestern im Reichstag eine Verwmmlu ig deutschvolkischer Verbände ftattgefunben, wo' ei die Gründung der D e u t s ch v ö l k i s ch en Freiheitspartei beschlossen wurde, die unter Führung der Abgeordneten von Graefe »ob Wulle steht.
Vorläufiger Reichsroirtschastsrat.
Berlin, 16. Dez. (WTB.) Der vorläufig« Reichswirtschaftsrat beriet heute die
Novelle zum HauSarbettSgesetz (Heimarbeitslohngesetz).
G r ü n f e l b, ber Vertreter des Einzelhandels, erklärte dah tatsächlich in der Heimarbeit in den letzten Jahren ein Umschwung zu verzeichnen sei/ der das neue Gesetz im Augenblick nicht für notwendig erscheinen lasse. Die Arbeitgeber stimmten aber trotzdem der Vorlage zu, damit einem später vielleicht auftretenden Rückfalle ins Elend vorgebeugt werde. In der Einzelaussprache wird der Antrag der Arbeitgeber abgelehnt und der Gesetzentwurf darauf in der Ausschuhfassung gegen bte Stimmen der Arbeitgeber angenommen.
Der Vorsitzende Edler von Braun schloh darauf die Sitzung in der Hoffnung, dah das Jahr 1923 dem deutschen Volke den inneren und äutzeren Frieden bringen werde den es so dringend zu seinem Wiederaufbau benötige (Lebhafter Beifall) und beraumte die nächste Sitzung auf den 10. Januar 1923 zur Beratung des Arheitszett- gesetzes für Angestellte an. Schluh nach x/212 Uhr
Deutscher Reichstag.
185. Sitzung, 10 Uhr vormittags.
Berlin, 16. Dez.
Die zu-achst auf der Tagesordnung stehenden sozialdemokratischen Interpe lationen toe en des Schulaufsichisgesehes in Bayern und über das Urteil im Ha r d e n - P r o z e h werden gemäß Mitteilung der Regierung innerhalb ber geschäftsordnungsmähigen Frist ihre Erledigung finden.
Das Gesetz über die Erhöhung der Zulagen in der Unfallversicherung geht an den Sozialpolitischen Auffchuh
Es folgt die zweite Lesung des Gesetzes zur Aenderung der Gerichtstaxen Der Entwurf enthält neben bei Erhöhung de Gebühren auch die Bestimmung der Vorausbezahlung.
Abg. v. Herzfeld (St) bedauert, dah die Justiz in Deutschland zu einer Ware geworben sei, die Vorau ^bezahlt werben müsse: man dürfe doch die Iu'iiz nicht als eine lediglich wirtschaftliche Angelec-e-Vheit ansehen.
Das Gesetz wird sodann in zweiter und dritter Lesung angenommen.
Zur dritten Lesung des
Einkommenfteuerg'esetzes
haben die Sozialdemokraten aufs neue ihre Anträge au' Herabs tzung der lOpro-enti ei ©teuer» grenze auf 1 Million und auf eine anderweitige Staffeln ig nach Abständen von 500 000 wieder eingebracht.
Abg. S o l l m a n n (Soz.) gibt namens seiner Partei eine Erklärung ab, in der gegen die Derschär'u g des Steuerunrechts t>roteffi?rt wirb Seine Partei überlasse den Mehrheitsparteien die Verantwonung.
Unter Abe nung kws sozialdernokrati'chenAn« träges wird sodann 'oas Gesetz nach den Beschlüssen der zweiten Lesu ig angenommen mit den Stimmen der Bürgerlichen gegen die gesamte Linke.
Zur dritten Beratung des
Zwangsanlclhrgesehes
erklärt Abg. Dr. Hertz (Soz ), dah. wenn baS Gesetz in der vorliege'nden Form zur Tatsache irerbc, es absolut unzulänglich 'ein werde. Seine


