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wurde Stellung genommen. Wettere Beschlüsse betrafen die Ane rkennung der Kunst- st id erel a l S Handwerk mit dreijähriger Lehrzeit 3um Schlich behandelte Direktor P a e ch eingehend die Detsiligurvg des Hess. Handwerke« an Den Reparationsleistungen, die Verhandlungen mit dem StlnneS-Konzern ufto.

**RetfeprüfungenfowiePri'fun- gen -um Nachweis derReifr für Ober­sekunda und Prima Da« Landesamt für daS Dildungswesen gibt Mannt: Reiseprüsungen für Richtschüler und MchtschÜlerintten finden im Frühjahr 1923 stakt. Der mit 1,50 Mar! stemprl- pslichkigen Meldung, die bei dem Landesamt für da« Dtldungswesen einzureichen ist, find hinzu- Aufügen: LeoenSlauf. Leumundszeugnis, Nachweis oeS Bildungsgänge- und der Vorbereitung auf die Prüfung, sowie die letzten Schul- und Privatzeug­nisse. Genaue Angabe der Anschrift ist nötig. Zu den Prüfungen werden in der Siegel nur solche zugelassen, die durch Geburt oder Wohnort der Ottern dem Volksstaat Hessen angehören oder seit mindestens drei Jahren die hessische Staats­angehörigkeit besitzen Nichthessen bedürfen für die Zulassung der Genehmigung der älnterrichtS- Verwaltung des Landes, dem der Prüfling an­gehört. Bei der Meldung für die Prüfung können Wünsche wegen Zuweisung an eine bestimmte Anstalt vorgeboacht werden, die nach Möglichkeit berücksichtigt werden sollen. Bei der ebensallS stempelpslichtigen Meldung für eine Prüfung zur Erlangung der Reise für Prima ober Ober­sekunda genügt die Vorlage des LebensgangeS, Leumundszeugnisses, des letzten Schulzeugnisse« und deS Nachweises über die Art der Vorberei­tung. Für die Zulassung gelten im allgemeinen dieselben Bestimmungen wie für die Reifeprüfung. Mitteilung über die Zulassung. Ort und Zeit der Prüfung erfolgt durch die für die Prüfung In Betracht kommende Direktion. Meldeschluh am 25. Dezember 1922. Erst nach Ablauf dieser Frist etntaufentte oder durch nachträgliche Vorlage ein­zelner Aachweife ergänzte Gesuche können nicht berücksichtigt werden.

** Der Po st Paketverkehr mit Polen wird am 1. Dezember ausgenommen. Zulässig sind Postpakete bis 10 Kilogramm, und zwar gewöhnliche und solche mit Wert­angabe bis 1000 Fr.; Nachnahmesendungen und Pakete mit Zollfrankozettel können vor­läufig nicht angenommen werden. Die Ge­bühren betragen für Pakete bis l Kilogramm 85 EtS., über 1 bis 5 Kilogramm 1 Fr. 25 EtS^ und über 5 bis 10 Kilogramm 2 Fr. 5 DtS.; Sperrgut 50 d. H. Zuschlag. Wünscht der Absender die Leitung über die Tschecho­slowakei, so erhöhen sich die Gebühren auf 1 Fr. 15 Et«., 1 Fr. 55 Et«. und 2 Fr. 65 Et«. Für Wertpakete wird neben der Gewtcht- gebühr noch eine DehanblungSgebühr in Höh« der tarifmäßigen Einschreibgebühr und die Bersicherungsgebühr von 50 Ets. für je '300 Fr. der Wertangabe erhoben. Eilbestel­lung ist nur nach Postorten in Polen zulässig und kostet 50 CtS. Dringende Pakete sind nicht -uaelassen. Erforderlich sind zwei Zollinhalts­erklärungen in deutscher oder französischer Sprache, dazu ein statistischer Anmeldeschein und eine Ausfuhrerklärung.

Warnung vor unlauteren Da r- Lcfrcn« »er mitt lern. DaS StreU'amt <rfäß Im meueften Amts Verkündigungsblatt folgende Ds- ifenntmacbunfl: Wir haben schon wiederholt vor idem unlauteren GeschästSgebahren gewisser Dar» «HehnSvermittler gewarnt, die bi Zeitungen sich zur Beschaffung ober Vermittlung von Darlehen unter anscheinend günstigen Bedingungen erbieten, denen eS aber vielfach weniger um die Beschaffung der tDarlehen zu tun ist. als um die Erzielung von Gewinn babureb, dah sie entweder die Behandlung der Darlehnsgesuche von bei Vorauszahlung eines die. wirklichen Auslagen übersteigenden Kosten-' vorschusseS für Einholung einer Auskunft über Öle Kreditwürdigkeit deS Nachsuchenden ufiu. abhängig machen, ober auf Grund von zur Irreführung ge­eigneten Zeitungsannoncen und Prospekten den 'DarlehnSsuchenben eine sogenannte D>.ldi)fser en- »liste, b. L umsangreicheS Verzeichnis von Dcir- lehnSvermlltlern und Dailehnsgebern. gegen Be­zahlung einer Gebühr, die meist durch Nachnahme erhoben wird, überjcn&cn. Wie berechtigt diese Warnung ist, beweist die Tatsache^ bah fortwäv- rend Verurteilungen derartiger Personen wegen Betr-ugS zu empsindlichen Strafen bekannt werden. Da auch hiesige Einwohner durch bad unlautere GeschäftSgcbabren derartiger Personen zu Schaden gekommen sind können wir unsere Mahnung zur Vorsicht gegenüber unbekannten DarlehnSVermitt­lern nur wiederholen.

** Der SinhettSverbandDeutscher Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebener, Dau Hessen - Nassau- Darmstadt, hielt kürzlich in Julba einen aubtr*

ordentlichen Gau tag ab. Besonderes Interesse wurde dabei den Olef «raten über die .Abänderung deS ReichsversorgungSgeseheS" und über die.So­ziale Fürsorge' enlgegengebracht. Hierzu nahm die Versammlung folgende Resolution an: .An­gesicht« der furchtbaren Notlage der deutschen Kriegsbeschädigten u. Kricgerhinterbliebenen for­dert Dec Gautag deS GaueS Hessen-Naffau-Darm- stadt de« GinheitsverbandeS Deutfcher Kriegs­beschädigter und Kriegerhinkerbliebener e. D. Die sofortige Abänderung des Reichsversorgungs- gesetzes. Die deutschen Kriegsopfer erwarten, das) sich diefe Abünderungsarbeit nicht nur mit Neben­sächlichkeiten begnügt, sondern vor allen Dingen einmal die von uns seit ihrem Bestehen bekämpf­ten 25, 28, 51, 63, 64, 87 und nicht zuletzt die, Bestimmungen über die Versorgung Der alten Kriegerellern ersaht. Die Teuerungszufchuhgefehe bedeuten einen verschleierten Abbau deS recht­lichen Anspruch« aus Versorgung und müssen deshalb von unS auf daS entschiedenste bekämpst werden. Solange daS Bedürftigkeitsprinzip nicht bei der Gehaltszahlung hoher NeichSbeamter und bei der Diätenbewilligung der Parlamentarier angewandt wird, darf e« ganz bestimmt keine Anwendung auf die Kriegsopfer finden. Die Aentenfätze der Erwerbsunfähigen find an die Bezüge der Gruppe II der Reichsbefoldungsord- nung anzugleichen Wir wollen keine Almosen, sondern Recht. Die soziale Fürsorge muh unter scharfer Trennung von der öffentlichen Armen­pflege weiter ausgebaut werden. Besonderer Wert ist auf die Unterbringung der Schwerbeschädigten und den Aibettsschuh der Äriegertoittoen, wie aus die Berufsausbildung der Kriegerwaisen zu legen. Dabei darf die Wichtigkeit der Gesundheitsfür­sorge nicht unterschätzt werden. Der Gautag bittet die Derbandsleitung, im Sinne dieser Forde­rungen und der vom Verbandstage bi Magde­burg in dieser Hinsicht vertretenen Grundsätze bei den bevorstehenden Verhandlungen mit der Regierung zu wirken und keinen Schritt breit von den ausgestellten Mindestforderungen zurück­zuweichen. Die Versammlung gibt der Erwartung Ausdruck, baf) die verantwortlichen ReichS- instanzen endlich sich bereit finden, denen, die in schwerer Zeit Leben und Gesundheit in die Schanze schlugen, zu ihrem Rechte zu verhelfen."

KreiS Friedberg.

*Dad-Nauhelm, 16. Nov. Bis heute betrug der Vefarntbefuch 39 929 Personen.

Starkenburg «nd Rheinhessen.

* Darmstadt. 16. Nov. Gin von hier nach H o l l a n d in eine Hau Shaltung«stelle engagierte« Mädchen schickte von dort In einem gewöhnlichen Briefe 12 Gulden an die hier wohnenden Eltern Der Bries kam aber nicht an, so bah die Familie mit seinem B e r l u st rechnen muh Dieser beziffert sich nach dem heutigen Valuta stand auf etwa 36 000 Mark.

fpd. Offenbach, 17. Nov. Bei einem Einbruch In ein Fabriklaaer wurden in einer der letzten Nächte Brieftaschen, Akten­mappen und einige kleine Musterkoffer im Gesamtwert von 600 000 Mark gestohlen. Aus einer anderen Lederwarenfabrik stahlen Ein­brecher viele Brieftäschchen, Autolacktaschen und Handtäschchen Im Werte von mehr als einer halben Million Mark.

Hessen-Nassau.

fpd. Frankfurt a. M., 1. Nov. Die Metalldieb st ühle in den hiesigen Fa­briken haben In den letzten Wochen einen derartigen Umfang angenommen, daß die Fa- brikleltungen und die Polizei ihnen völlig machtlos gegenüberftehen. Bortpiegend kom­men Jugendliche als Täter in Frage, die, an- gelockt durch die hohen Metallpreise, die die Händler bieten, sich zu den Diebstählen ver­leiten lassen. 3n den letzten Tagen wurden verschiedene junge Burschen dabei ertappt, als sie bet Althänülern derartige gestohlene Waren absetzen wollten. Für mehr al« 400 000 Mark Mefsingstangen entwendete der Nacht­wächter Ludwig Kaufmann aus der von ihm zu betreuenden Fabrik und verschacherte sie an Althändler. Für 100 000 Mark Stangen konnten wieder herbeigefchafft werden.

fpd. Königstein, 17. Nov. BIS jetzt haben sich um die hiesige Bürgermetster- stelle 117 Bewerber gemeldet.

fpd. H ö ch st a. M., 17. Nov. Zum Direk­tor des Gymnasium und der Vberreakschule wurde der sozialdemokratische Stu- dicnrat Dr. DeiterS aus Berlin vom Magi­strat. dessen Mehrheit sozialistisch ist. gewählt. DaS Kuratorium und die Lehrerschaft hatten sich gegen diesen Herrn ausgesprochen. Gegen die Wahl wird Einspruch erhoben.

GchLtch1nngsau4schutz der Provinz Oberhessen.

Verhandlung vom 16. November.

Für die Hilfsarbeiter des AfphaltiergefchüstrS Eonrad Rübsamen in Giehen schlug der Schlichtungsaasschuh Erhöhung der bisherigen Löhne um-60 vH ab 6. 11. 22 und um 75 v. H.. d. h. weitere 15 v H., für die Zeit vvm 20. 11. bi« zum 2. 12. Vor Der Stundenlohn des Ar­beiters über 25 Jahre kommt damit auf 136 Mk. und 148,75 Mk. Beide Parteien erkannten den Schiedsspruch an.

In einer Enttassungsfache vereinbarten die Parteien gerichtlichen Auftrag. Die übrigen Ber- handlungsgegenstände erledigten sich durch Der- stündigung vor der öffentlichen Bersrnndlung oder muhten vertagt werden.

«tetzcner Strafkammer.

Sitzung dpm 14. November.

Der Kausmann Willi W. in Giehen wurde wegen Preistreiberei zu einer Geldstrafe von 3000 Mk. verurteilt, weil er Mitte Zull d. Z. für da« Pfund alte Kartoffeln 5 uno 6 Mark gefordert Halle. Aus Grund der Sachverständlgen- auäfagen hielt das Gericht als höchst zulässigen Preis 4,50 Mk. für angebracht, wobei es an­nahm, bah der Angeklagte die Kartoffeln für 3,60 Mk. eingetaufl hab« Aicher dem wurde er in eine Geldstrafe von 150 Mk. genommen, weil er ein Preisverzeichnis nicht auSgehängt hatte.

Der Gchmledgeselle Wilhelm G aus Höckers- dorf wurde von -er Anklage, es u itecnommen zu haben, den Heinrich S. aus Dihfeld zur Be­gehung eine« Meineide« zu verleiten, frei- gesprochen. E« konnte nicht festaestellt werden, oah die ihm zur Last gelegte Okulierung: »Wenn du fv viel sagst, bann verhaue Ich dich" Denig auf die demnächst stattfindende Dchöffengerichtsver- handlung hatte, in der S. als Zeuge auftreten sollte.

Der jugendliche Arbeiter Friedrich W. aus Friedberg erhielt wegen Vornahme unerlaubter Handlungen an einem dreijährigen Kinde eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten, die mit der kürzlich gegen ihn ebenfalls wegen eines Sittllch- keitsverbrechens erkannten zweimonatlichen Ge­fängnisstrafe zu einer Gesamtstrafe von 5 Mo­naten Gefängnis zusammenzAvzen wurde.

Der Monteur Zohann Wilhelm O. au« Wattnhausen bei Kreuznach war vom Schöffen­gericht in Bad-Nauheim toegen schweren Dieb­stahl« im Rückfall zu einer Gefängnisstrafe von 13 Monaten, der Bergmann Johann O. aus demfelben Orte toegen schweren Diebstahls zu drei Monaten Gefängnis berurtellt worden. Sie hatten tn der lllacht vom 30. auf dem 31. August aus einem Kiosk in Bad-Nauheim, den sie mittel« Nachschlüssel geöffnet hatten, Bücher, Bleististe u -gl im Gesamtwert von 600 bi« 800 Mk. entwendet Sie behaupteten, die Sachen von einem hausierenden KriegStnvallden für 20 Mk. gekauft zu haben. Die Strafkammer schenkte diesen Angaben ebensowenig wie das Schöffengericht Glauben und verwarf die von den Angeklagten gegen da« erstinstanzliche Urteil ein­gelegte 'Berufung.

Schöffengericht.

Giehen. 14. November 1922.

3m Februar d. 3 trollte ein GerichtSvoll- zieHer bei einem hiesigen Korbmacher im Auf­trage eines Zahnarztes zwei Pferdegeschirr« pfänden. Der Korbmacher nahm Ihm jedoch die Geschirre ab und gab sie einem zufällig dort anwesenden Fabrikarbeiter auf den Arm. Trotz arictxü'froltcr Aufforderungen gab er sie nicht heraus, hielt sie vielmehr fest, al« der Gerichts- vollziehei sie ihm abnehmen wollte. Dieser ging daraus weg, um Hilfe zu holen. Als er mit zwei Schutzleuten zurückkam. waren die Sesch'rre trotz allen Suchen« nicht zu finden: der Fabiikacbekter bemerkte dabei nod> höhnisch:Ihr könnt alle« absuchrn, Ihi fiirdet sie doch nicht." Wie sich später- heixmSst eilte. waren die Geschirre bi einen toten Winkel zwischen dem Hause de« Korb­macher« und dem NachbarHause geworfen worden. 'Der Korbmacher erhielt wegen Widerstand« gegen die Staatsgewalt im Zusammen- treffen mit Vollstreckung« Vereitlung zwei Monate Gefängnis,'hrend der Fabrckarbnter auf feinen ®tnfprti h hin mit einer Geldstrafe von 2100 Mack, die an Stelle der an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zwei Wochen trat, davon kam.

Anfang« August liest ein Arbeiter aus Lunrda auf einem Obststand seine Brieftasche mll etwa 121300 Mk. Inhalt liegen. Ein Stadt- schüler kam zufällig an den Stand, nahm dl« Brieftasche an sich, vernaschte einen Teil des Gelbe« und gab zwei anberen Stadtschülern kleinere Beträge davon, währen- er den Rest einem Freunde zum Ausbewahren gab. Diesem wurde Da« Geld beim Baben in der Lahn an­geblich von einem Friseurleh'rling gestohlen. Letz­terer würbe Don Der Anklage des Diebstahls

mangels auSreichenven tseweye« freweiprochen, wählend der unehrliche Finder und die Hehler mit Rücksicht aus ihre grobe Jugend mit der Strafe de« gerichtl ichen Verweises ba^ von kamen.

Gin junger Bursche von hier ist verschiedenen jugendlichen Arbeitern beim Wegs-chaffea von Köhlen, die sie auf dem hiesigen Güterbahnhofe gestohlen hatten, behilflich getvesen. Wegen Be^ günstigung wird er an Stelle der an sich Der» wirkten Gefängnisstrafe von 7 Tagen zu einer Geld strafe von 700 M k. verurteilt.

3m Sommer l. 3 wurde in verschiedenen Gartenhäusern auf der <3d>önen Aussicht eing? brochm und dabei eine Menge Gegenstände von nicht unbeträchtlichem Werte gestohlen. Ein tromonteur von hrer ist angeklagt, feinen ftr3/» umnündigen Bruder zu den GinbruchSbiebstähIen veranlagt zu haben. Während der Junge früher vor der Polizei ganz ausführlich den Sachverhalt geschildert 'batte, verweigerte er heute fein Zeug» nis. Der Angeklagte mutzte daher, da er selbst die Tat enkschieden in Abrede stellte, mangels ausreichenden Beweise« frei gesprochen werden.

Ein junger, vielfach vorbestrafter 'Bursch'- vr.n 'bter hat eine der Eisenbahn gehörige An,zal: Schienen und mittel« Einbruchs au« einem Ausent'hultSraum einen ArbeitSanzag und ver­schiedene andere Gegenstände gestohlen. Da er rückfälliger Dieb ist, eöhält er eine Gesamt- gesängnisstrafevon 1 5 Mvna ten unter, Anrechnung von einem Monat Lntersuchungvha

6 Prkdatklagen wurden teils durch Vergleich teil« durch Rücknahme erledigt.

Landwirtschaft.

* D i e Maul- und Klauenseuche ist unter dem Viehbestände de« H o s g u t s Hohen­solms (Kreis Wetzlar) amtlich festgeftellt wor­den. Die Sperrmatznahmen sind angevrdnet.

Dermrkchtes.

* Ein Fortschritt der Wettervor­hersage. Die drahtlose Telegraphie, die In so vieler Hinsicht umwälzende Neuerungen hervor- bringt, stellt auch die Wettervorhersage auf eine neue DafiS, indem sie aeftattet, Weller beobacht tungen ßaa Nordamerika airsS schnellste nach Europa zu Ebringen. Prosefsvr Kahner, der diesen Fortschritt der Meteorologie in der .Leipziger Illustrierten Zeitung" behandelt, hebt hervor, 6ah die drahtlose llebermttlhing der Wetterbeobach- tungen der Schiffe bisher zu viel Zeit erfor­derte. um für die tägliche Vorhersage von Nutzen zu fein. Diefe drahtlosen Meldungen tonnten nur insofern verwertet werden, als sie ein Tiest dru ckgebiet anzeigten, das uns bekanntlich sch ech ­tes Wetter bringt Erst seitdem die Schiffü apparate sehr verstärkt worden sind, ist ehr enget cs Zusammenarbeiten der Meteorologen mit der Or­ganisation der drahtlosen Telegraphie möglich. Der neuerdings erzielte Fortschritt besteht darin, bah, nachdem um 11'/- ilfrr Greenwicher Zett, d. h. um 12/j Ühr deutsche Zeit, der Eiffelturm die Wellerbeobachlangen von Europa In die Welt «hat, !/> Stunde später das Wellerbursau iretnigten Staaten die Beobachtungen von 30 Stationen ihres Landes, ferner der Derrnuda- 3nseln und von mehreren Stationen aus Kanada herüberfunkt. Da auherbem noch Schisse zwischen Europa und Amerika drahtlose Meldungen geben, so gewinnt man ein sehr autes Bild von Den Wetterverhältnissen des größten Teils der nördlichen Halbkugel, nämlich vom Ural bl« nach Kalifornien. Jetzt kommen auch nod) die Mel­dungen der nordöstlich von Island gelegenen Insel Ian Mayen hin^u, die namentlich für die Wettervorhersage in Norwegen und Schweden ausgeiiuht werden formen. Ebenso wichtig wären auch Nachrichten aus den Tropen, den-i unser Leben hängt von dem Wärme-Motor Sonne ab, und dieser wirkt in den Tropen am krustigsten.

* E i n Immer tagendes s chwa rze« Parlamen t. Auch dieHegerftaalen haben heute schon ihre Volksvertretung^ und es gibt in Afrika Stämme, bei Denen der Parlamentarismus sehr gebildet ist. So erzähll der britische Kommissar von Nordrhodesien D. W. Stirfe in seinem so­eben erschienenen Buch .Barotfeland" von Den Barotse. datz sie auf ihr Parlament, daSKotla", sehr stolz sind. Diese schwarzen Volksvertreter haben täglich Sitzungen, und eS gibt außerdem auch eine Art Oberhaus, da«Dtkalu", da« nicht nur bei Tage lagt, sondern Tag und Nachtin zwei Schichten". Die DerhanBlungen gehen mit au herordentlicher Geheimnistuerei vor sich, und die älnterhaltung wird ganz im Flüsterton geführt. Rach den parlamentarischen Sitten der Biiroisc spricht zuerst das jüngste Mitglied jeder Partei, und die Debatten werden von dem Premier- mlnifter, demNaambela", geleitet Zuftimmu-ra wird durch Händeklatschen kundgetan. Ist u;an sich über eine Sache nicht im Klaren, dann wird Bot° schaff zum Häuptling geschickt, der durch den ^Überbringer seine Botschaft in /Uiftimmenbem oder ablehendem Sinne zurückfendet. Ist das Parlament

Der neuesteSudermann".

Au« Königsberg l Pr. wird un« ge- fchrfeben: Als Sechziger schafft Sudermann rüstiger denn je. Stein um Stein fügt er zu dem groben Wert, feiner Zett ein Denkmal au errichten, Sie .Zeit In Dramen" zu formen und au fnffen. Von jeher auf den PulSfchlag de« Tages horchend, entnimmt er setzt leine Stoffe unmittelbarster Gegenwart. Erst suchte er in dem ZhlluSDie cntgötteile Welt" nach den Gründen unsere« Nie­dergänge«, dann malte er diesen selbst In der SramcnrcibeDaS deutsche Schicksal", und nun Uber inmitten der traurigen Nachkriegsjahre. Sein neuestes WerkW i e d i e Träumende n", ein Schauspiel in vier Akten und einem Vorspiel, ist daS Drama der Heimkehrer, jener Delt- kriegSkämpfer, di« - dem Tod entronnen, dem Leben aber noch nicht recht zurückgegeben die neue Wirklichkeit wie einen Spuck empfinden. Gleich einer guten Predigt, ist der Dichtung ein Bibelte?! zugrunde gelegt, der erste VerS de« 126. PfalmS: .Wenn der Herr die Gefangenen Zion« wird erlöfen, bann werden wir fein unc die Träumenden." Die Poesie dieses (Gebauten« ist bei Sudermann nicht ausgeschöpft. Vielmehr ist bet ihm da« darau« geworden, was von ihm am ehesten zu erwarten ist: ein handfeste« Theaterstück, besten Reiz nicht bi suggestiven, neuartigen For­men, sondern bx der klug erdachten, straff durch- gefüorten Fabel liegt. - Au« drei Jahren sibiri­scher Gesanaeistch.ifl kehrt Leutnant Rudvls Arne- mann nach Berlin zurück, unfroh, bcrbltterl, unklar über seine Zukunft, ein Wiedersehen mit feiner ihm völlig entfremdeten Braut eher fürchtend als ' c actzreyd. In bielyii Gesützj tzer Mslchei^it schickt

er einen Kameraden al« Sreltoerber. den zarten, gütigen Fritz Thlleniu«, Der im Felde für ihn fein Leben eingesetzt und bei dieser Opfertat einen schweren Lungenschuh davon getragen hat. Ltssa Hart, die in den Jahren vateriLndlfcher Be­drängnis ein ganz anderer, felbstandiger, freier Mensch gewordeii ist. fühlt sich zu dem zarten Kunstlermenscheir ThlleniuS immer mehr hin- fiezogcn. von dem ehemallgen. Verlobten aber um o mehr abgcflohen, al« sein Egoismus immer deutlicher zu Tage tritt. AlsFreund Fritz" unter der selbstgewählten Aufgabe, die bellten wieder zusammcnzuführen, physisch zerbricht, besinnt sich Lissa aus ihren ehemaligen Schwestednberus und beschlicht, den selbstlosen jungen Helden zu pflegen, zu heilen, und, wenn e« fein mutz, auch zu begraben. Die alte Liebe und ein neue« Techtelmechtel wer­den begraben zugunsten der heiligen Ömpflnbung, dieFreund Fritz" In ihr Herz gesenkt hat. Das ist der Grundterri der Handlung, in die noch viele Nebenmotiv« künstlich verschlungen sind. Wohl­tuend wirkt eine gewisse Enthaltsamkeit im Thea­tralischen. zu der noch die betanmten alten Vorzüge der Sudermannschen Technik kommen: Sinn sür volkstümlich« Wirkung, sichere Zeichnung der ilm- welt. sauber errechneter Inhalt, meisterliche Art, mit der da« Netz der Exposlttoo dem Hörer über den Kops geworfen wird. Fietlich. ohie Zufällig­keiten. Geiimlstamkeilen. Hilfskonstruktionen, Hn- wahrschekniichkelten geht cvl auch hier nicht ab fle sind bei Sudermann fast ebenso selbstverständ­lich wie seine technische Geschicklichkeit.

Die Aufsiihrung Im Neuen Schauspielhaus 'vor vorzüglich und trug nicht wenig dazu bet, bah oc anwesende Autor an die zehn Mal aerusen wurde, *

Da« Schloftamseom der Stadt Nhshdt.

Man fchretbt un« aus Rheydt vom 15. No­vember:

Im Obergeschotz des Rheydter Schlosses, eines prächtigen BliudenkmalS der Niederrheinkschen Re- naiffance, wurde heute das Schlotzmufeum der Stadt Rheydt eröffnet. DaS von Otto von Bylandt, Herren au Rheydt (15541591) er­baute Schl oh befindet sich feit 1917 im Besitze der Stadt Rheydt und des Verein«Volkswohl" In M.-Gladbach. Den Besitzern zur Seite steht ein Schlptzvereln, der sich die würdige Instand­setzung und Erhaltung des Schlosses zur Aufgabe gemacht hat Seitdem sind die interessanten Be­festigungsanlagen der alten Wasserburg auS dem 16. Jahrhundert gröhtenteil« wieder freigelegt und zugänglich gemacht und die versumpf len FestiingSgräben in klare Wasserspiegel verwandell worden. Die unteren Schlotzräum« sind mit guten alten Porträts, meist aus dem 17. Jahrhundert, und antiken Möbeln auSgestattet. Als besondere« Verdienst der Stadt Rheydt muh die Nutzbar­machung der bisher leerstehenden oberen Schloh- räumc au MuseumSzwecken hervvrgehoben werden. Das Museum ist In erster Linie ein Heimat­museum und soll ein Hort des Deutschtum« am linken Niederrhein sein. Es besitzt daneben auch eine wertvolle antike Abteilung, hauptsächlich römische Keramik, Gläser und Bronzen enihallend. ein Vermächtnis des verstorbenen Landaerichts- rat« Joses Seuwen an seine Vaterstadt Rheydt. Auch eine reichhaltige Bibliothek heimatkund­licher, meist nteDerrhetnischer Literatur, ist an- geschloffen. Die Geltung t>e« Museum« llegt bi Händen des MajorS a D. Otto Kempfs auf Schlob Rheydt, e i, n e 6 reb p. cen.cn Glebe

n c r 8. Ein Besuch des Intereffailten Schlosses und seines MufeumS wird manche Anregung geben zur Pflege des Heimaifirme«. die In unserer trüben Zeit hier doppelt vomwten ist und deren sich die Stadt Rheydt In so vorbildlicher Weise angelegen fein läm.

Di«Entdeckungeines neuen Vs - kimostammcs. Nach einem Bericht Der Kosten - Hagener BerllnSke Tidende hat der bekannte Polarforfcher Rasmussen von feiner Fünften Thule-Expedition" nach Nordvstamerika einen Be­richt gefenitet. In dem er &ic Entdeckung eine« neuen Eskimostammes mittettt. Er traf zwischen Eyesteifield Inlet und dem ')>llhkied-Sec west­lich Don der Hudson-Dai auf Stämme von Eski mos. die noch niemals ein uvlhcr Mann ge­sehen hatte. Sie leben ausschließlich von Der Zagd auf da« Remitier und von Fischen: sie wohnen in Schneehäusern. die sie nicht ec- wärmen können. Iw fle noch nicht gelernt haben. Tran zu fleben. Diese Eskimos sind da« primi­tivste Voll, da« Der Forscher bisher kennen ge° IcrM W- Ihre S-igen und Mythen ähneln denen der Grönland-Gskimos. aber Ihre 'Xrftgion steht auf einer tieferen Stufe, unb die Zaubereien, die bei ihnen ausgeübt werden, find weniger ver­wickelt. Ihre dBcrt-yCuge und Einrichtungen sind auhcrorbcntüd) prim'lliv. und es liegt kein An° Haltspunkt Dafür vor. dah diese Stämme jemals In der Nähe des Meere« angesiedell waren. Dadurch würde die Anschauung von Professor SteenSby unterstützt werden, nach der die ÖÄR» mo« ursprünglich Bewohner des ametikmifdben Binnenlandes waren.